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MA5 Masterarbeit

Neosexualität und sexuelles Kapital auf OnlyFans

Noomi Dürrenmatt untersucht in der Masterarbeit «Neosexualität und sexuelles Kapital auf OnlyFans» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Was auf OnlyFans als spontane Nähe erscheint, ist häufig vorproduziert, archiviert und von externen Schreibteams beantwortet. Diese Arbeit hat fünf Akteur:innen der Plattform befragt — und beschreibt, wie Begehren dort hergestellt statt gezeigt wird.

Wie entsteht Nähe auf OnlyFans?

Nicht im Moment. Die Befragten schildern, dass Inhalte überwiegend vorproduziert und zeitversetzt veröffentlicht werden — ein Bezug zur aktuellen Lebenssituation entfällt damit. Einzelne sprechen von archivierten Clips und von der mehrfachen Wiederverwendung bereits produzierter Videos.

Auch die Kommunikation wird ausgelagert. Externe Schreibteams zu beschäftigen, wird als gängige Praxis beschrieben, besonders bei hohen Follower-Zahlen. Vereinzelt kommen automatisiert erzeugte Inhalte durch KI-Modelle zur Sprache.

Gleichzeitig werden alltägliche Situationen einbezogen — Kochen, Fernsehen, Aufenthalte im öffentlichen Raum. Das Alltägliche ist dabei nicht das Gegenteil der Inszenierung, sondern ihr Material.

Was heisst das für den Begriff der Authentizität?

Die Arbeit beantwortet das theoretisch scharf: Begehren wird nicht als natürlich vorausgesetzt, sondern über narrative Skripte, Zuschreibungen und dialogische Kommunikation erzeugt.

Authentizität ist in dieser Lesart keine Eigenschaft, sondern eine eingesetzte Ressource — Teil einer parasozialen Nähe, die zwischen Person und Publikum hergestellt wird.

Kennzeichnend ist dabei die Entkopplung: Sexualisierte Inhalte werden von emotionalen und beziehungsbezogenen Bedeutungen gelöst und in alltägliche Routinen eingebettet.

Wie wird sexuelles Kapital eingesetzt?

Es lässt sich in modifizierten Formen rekonstruieren. Zentral sind drei Strategien: Branding, Differenzierung von anderen Anbietenden und medienvermittelte Körperinszenierung.

Theoretisch verbindet die Arbeit dafür drei Zugänge — Volkmar Siguschs neosexuelle Prozesse, die Typologie sexuellen Kapitals nach Kaplan und Illouz sowie Govrins Überlegungen zum Begehren als Wertform.

Die neosexuellen Prozesse Dissoziation, Dispersion und Diversifikation lassen sich auf der Plattform in spezifischen Ausprägungen beobachten. Was Sigusch theoretisch beschrieben hat, wird hier an einem konkreten Geschäftsmodell sichtbar.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Fünf leitfadengestützte Interviews, ausgewertet über eine deduktive qualitative Inhaltsanalyse. Fünf Personen bilden ein grosses und sehr heterogenes Feld nicht ab.

Die deduktive Vorgehensweise bringt eine zweite Einschränkung mit sich: Die Kategorien stammen aus der Theorie. Was in den Interviews vorkommt, aber in keiner Kategorie Platz findet, bleibt eher unsichtbar. Die Arbeit prüft also Theorien an der Praxis — sie entwickelt keine neue aus ihr heraus.

Für die Beratung ist sie dennoch aufschlussreich: Wer mit Menschen arbeitet, die auf solchen Plattformen tätig sind oder deren Inhalte konsumieren, findet hier eine nüchterne Beschreibung dessen, was dort produziert wird.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 112 Seiten. Sie enthält die theoretischen Grundlagen zu Neosexualität und sexuellem Kapital, die vollständige Auswertung der fünf Interviews, die Diskussion der Limitationen sowie sexualwissenschaftliche Schlussfolgerungen.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit untersucht, wie sexuelles Kapital auf der Plattform OnlyFans eingesetzt wird, um Begehren zu erzeugen und ökonomisch zu verwerten. Theoretisch stützt sich die Arbeit auf Siguschs neosexuelle Prozesse, die Typologie sexuellen Kapitals nach Kaplan und Illouz sowie Govrins Überlegungen zum Begehrenswert und zur Funktion von Authen- tizität. Methodisch wurde eine qualitative deduktive Inhaltsanalyse anhand von fünf leitfa- dengestützten Interviews mit Akteur:innen der Plattform OnlyFans durchgeführt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass neosexuelle Prozesse wie Dissoziation, Dispersion und Diversifikation auf der Plattform in spezifischen Ausprägungen beobachtbar sind. Se- xuelles Kapital lässt sich in modifizierten Formen rekonstruieren, wobei insbesondere Stra- tegien des Brandings, der Differenzierung und der medienvermittelten Körperinszenierung zentral sind. Hinweise aus dem Datenmaterial legen nahe, dass Begehren nicht natürlich vorausgesetzt, sondern über narrative Skripte, Zuschreibungen und dialogische Kommuni- kation erzeugt wird. Authentizität erscheint dabei als eingesetzte Ressource im Rahmen parasozialer Nähe. This master's thesis analyses how sexual capital is used on the OnlyFans platform to ge- nerate desire and exploit it economically. Theoretically, the work is based on Sigusch's neo- sexual processes, Kaplan and Illouz's typology of sexual capital and Govrin's considerations on desirability and the function of authenticity. Methodologically, a qualitative deductive con- tent analysis was conducted on the basis of five guided interviews with actors on the On- lyFans platform. The results indicate that neosexual processes such as dissociation, dispersion and diversi- fication can be observed in specific forms on the platform. Sexual capital can be recons- tructed in modified forms, with strategies of branding, differentiation and media-mediated body staging are particularly central. Indications from the data material suggest that desire is not naturally assumed, but is generated via narrative scripts, attributions and dialogue- based communication. Authenticity appears to be a deliberate resource in the context of parasocial proximity formats.

Noomi Dürrenmatt, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Neosexualität und der Einsatz sexuellen Kapitals: die Erzeugung von Begehren auf OnlyFans

Verfasst von
Noomi Dürrenmatt

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexarbeit · Sexuelles Verlangen · Selbstwirksamkeit

Lizenz und Nachweis. Noomi Dürrenmatt: «Neosexualität und der Einsatz sexuellen Kapitals: die Erzeugung von Begehren auf OnlyFans». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Lichen sclerosus – weibliche Sexualität bei chronischer Erkrankung

Sara Waldispühl untersucht in der Masterarbeit «Lichen sclerosus – weibliche Sexualität bei chronischer Erkrankung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Lichen sclerosus betrifft schätzungsweise eine von fünfzig Frauen, verursacht Juckreiz, wunde Stellen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr — und wird von der Ärzteschaft fast nie im Zusammenhang mit Sexualität angesprochen. Diese Arbeit hat fünf betroffene Frauen gefragt, wie sie damit umgehen.

Was ist Lichen sclerosus?

Eine chronisch entzündliche Hauterkrankung, die vorwiegend die Genitalregion von Frauen betrifft. Typische Beschwerden sind Juckreiz, wunde Stellen und Brennen. Die Häufigkeit ist schwer zu bestimmen; geschätzt wird, dass etwa eine von fünfzig Frauen betroffen ist.

Die Ursachen sind ungeklärt, die Behandlungsmöglichkeiten begrenzt. Die Erkrankung kann zu sichtbaren Veränderungen der Vulva führen, was das Körperbild belastet. Für die Sexualität sind Einreissen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr die häufigsten Folgen.

Wie gehen Betroffene damit um?

Die Analyse der Interviews zeigt eine Vielzahl von Strategien, die die Frauen entwickelt haben, um mit den Auswirkungen auf ihre Sexualität umzugehen. Diese Strategien stammen nicht aus der Behandlung — sie sind selbst erarbeitet.

Die Autorin beschreibt im Schlusswort, was sie an den Gesprächen beeindruckt hat: der individuelle Umgang der Betroffenen mit der Erkrankung und ihre scheinbar unerschütterliche Zuversicht, Lösungen für die eigene Situation zu finden.

Zugleich wurde deutlich, wie stark Sexualität von Erwartungen, Bildern und Normen geprägt ist — und dass deren Nichterfüllung zu Selbstzweifeln, Schuldgefühlen und Abwertung führen kann.

Spricht die Ärzteschaft das Thema an?

Kaum. Das ist der zweite Befund der Arbeit, und sie hat ausdrücklich danach gefragt: ob und wie Sexualität bei Diagnosestellung und Behandlung zur Sprache kommt.

Die Befragten wurden von ärztlicher Seite kaum darüber informiert, was Lichen sclerosus für ihre Sexualität bedeutet. Die Autorin nennt den Grund ein doppeltes Tabu: Sexualität und Vulvakrankheit treffen aufeinander, und beides wird ungern besprochen.

Das ist ein Muster, das mehrere Arbeiten dieser Sammlung finden. Bei chronischen Erkrankungen des Genitals fällt die Sexualität zwischen alle Zuständigkeiten — die Dermatologie behandelt die Haut, die Gynäkologie den Befund, und für das Erleben ist niemand vorgesehen.

Was heisst das für die Praxis?

Für Fachpersonen ist der Schluss unmittelbar: Es braucht Aufklärung zu einem Thema, über das doppelt geschwiegen wird — und es braucht die Bereitschaft, die Frage von sich aus zu stellen.

Die Autorin zieht daraus für ihre eigene sexologische Arbeit die Konsequenz, Menschen zur Reflexion ihrer eigenen Vorstellungen anzuregen und ein Bild von Sexualität zu vermitteln, das vielfältig und individuell gestaltbar ist. Genau darin liegt bei einer Erkrankung, die den bisherigen Ablauf unmöglich macht, der praktische Ansatz.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Leitfadeninterviews mit fünf betroffenen Frauen, ergänzt durch eine Literaturrecherche. Bei einer Erkrankung, zu der wenig geforscht wird und deren Häufigkeit sich nicht sicher bestimmen lässt, sind fünf ausführliche Gespräche eine übliche und angemessene Grundlage — sie erlauben aber keine Aussage darüber, wie verbreitet die geschilderten Erfahrungen sind.

Was die Arbeit leistet, ist Sichtbarkeit für eine Erkrankung, über die im Zusammenhang mit Sexualität kaum etwas vorliegt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 122 Seiten. Sie enthält den medizinischen Forschungsstand zu Lichen sclerosus, den Stand zu Sexualität bei chronischen Erkrankungen, die vollständige Auswertung der fünf Interviews und die Ableitungen für Beratung und Aufklärung.

Abstract der Arbeit

Abstract Deutsch Lichen sclerosus ist eine chronisch entzündliche Hauterkrankung, die vorwiegend die Genitalregion von Frauen betrifft. Typische Symptome können Juckreiz, wunde Stellen und Brennen sein. Die Prävalenz ist schwierig zu ermitteln. Es wird vermutet, dass ca. 1 von 50 Frauen betroffen ist. Die Ursachen der Erkrankung sind noch ungeklärt und die Behandlungsmöglichkeiten sind eingeschränkt. Die Erkrankung kann zu sichtbaren Veränderungen der Vulva führen, was das Körperbild der Betroffenen einschränken kann. Lichen sclerosus kann erhebliche negative Auswirkungen auf die Sexualität der Betroffenen haben. Häufig wird von Einreissen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr berichtet. Die vorliegende Arbeit untersucht mittels qualitativer Forschungsmethode, wie betroffene Frauen mit der Erkrankung im Kontext ihrer Sexualität umgehen. Zudem soll in Erfahrung gebracht werden, inwiefern die Ärzteschaft das Thema Sexualität im Rahmen der Diagnosestellung und Behandlung von Lichen sclerosus anspricht. Die Analyse der Interviews zeigt, dass die Betroffenen eine Vielzahl von Strategien anwenden, um mit den Auswirkungen der Erkrankung auf die Sexualität umzugehen. Zudem wird deutlich, dass die Befragten kaum von der Ärzteschaft zum Thema Sexualität mit Lichen sclerosus informiert und beraten wurden. Abstract Englisch Lichen sclerosus is a chronic inflammatory skin disease that primarily affects the genital region in women. Typical symptoms include itching, sores, and burning. Its prevalence is difficult to determine. It is estimated that approximately 1 in 50 women are affected. The causes of the disease are still unclear and treatment options are limited. The disease can lead to visible changes in the vulva, which can affect the body image. Lichen sclerosus can have a significant negative impact on the sexuality of those affected. Tearing and pain during sexual intercourse are commonly reported. This study uses qualitative research methods to investigate how affected women deal with the disease in the context of their sexuality. It also aims to find out to what extent the medical profession addresses the issue of sexuality in the diagnosis and treatment of lichen sclerosus. The analysis of the interviews shows that those affected use a variety of strategies to deal with the effects of the disease on their sexuality. It also becomes clear that the respondents received little information and advice from the medical profession on the subject of sexuality with lichen sclerosus.

Sara Waldispühl, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Lichen sclerosus – Weibliche Sexualität im Kontext einer chronischen Erkrankung

Verfasst von
Sara Waldispühl

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexualität & Krankheit · Genitales Selbstbild · Körperbild

Lizenz und Nachweis. Sara Waldispühl: «Lichen sclerosus – Weibliche Sexualität im Kontext einer chronischen Erkrankung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Einfluss von TRE (Tension/Trauma Releasing Exercises) auf die Sexualität

Edona Hasanagic untersucht in der Masterarbeit «Einfluss von TRE (Tension/Trauma Releasing Exercises) auf die Sexualität» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Fünfzehn Menschen führten in zwei Wochen drei angeleitete TRE-Sitzungen durch. Danach war bei einem Teil die Genitalwahrnehmung besser und die Lust höher — und bei manchen wichen die Messwerte deutlich vom eigenen Empfinden ab. Genau diese Diskrepanz macht die Arbeit lesenswert.

Was ist TRE?

Tension and Trauma Releasing Exercises: eine Methode, die über gezielte Körperübungen ein neurogenes Zittern auslöst und darüber die Körperspannung reguliert.

Der Anschluss an die Sexualität liegt im Becken. Muskuläre Spannungsmuster, besonders in dieser Region, gelten als möglicher Einflussfaktor für sexuelles Erleben und Wohlbefinden — und Sexualität ist ein biopsychosoziales Geschehen, das eng mit Körperwahrnehmung und Spannungsregulation verbunden ist.

Untersucht wurde beides gleichzeitig: die wahrgenommene Sexualität und die persönliche Körperwahrnehmung, erhoben über Online-Fragebogen vor und nach der Intervention.

Was hat sich verändert?

Die Ergebnisse liefern erste Hinweise darauf, dass TRE bei einem Teil der Teilnehmenden zu einer verbesserten Genitalwahrnehmung, einer Reduktion körperlicher Spannungen und einer gesteigerten sexuellen Erregbarkeit führen kann.

Besonders deutlich zeigte sich der Anstieg bei Genitalwahrnehmung und sexueller Lust. Andere Bereiche veränderten sich nur wenig oder wurden subjektiv nicht als verändert erlebt.

Die Arbeit unterscheidet damit sauber zwischen dem, was sich bewegt hat, und dem, was gleich blieb — statt eine Gesamtwirkung zu behaupten.

Warum ist die Diskrepanz interessant?

Weil sie in beide Richtungen auftrat. Einige Teilnehmende berichteten von spürbaren Veränderungen, obwohl die Messwerte kaum abwichen. Andere zeigten auf den Skalen Fortschritte, ohne sie subjektiv zu bemerken.

Für die Praxis ist das ein wichtiger Hinweis. Wer eine körperorientierte Intervention nur über Fragebogen bewertet, misst womöglich nicht das, was die Person erlebt — und umgekehrt.

Für die Forschung stellt sich damit die Frage, welches der beiden Mass das bessere ist. Die Arbeit beantwortet sie nicht, aber sie stellt sie.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Fünfzehn Teilnehmende, drei Sitzungen in zwei Wochen, keine Kontrollgruppe. Die Autorin ordnet ihre Ergebnisse selbst als erste explorative Anhaltspunkte ein.

Es ist die erste Untersuchung dieser Art zum Zusammenhang von TRE, Körperwahrnehmung und Sexualität. Für ein niederschwelliges körpertherapeutisches Verfahren, das sich ohne grossen Aufwand anleiten lässt, ist das ein sinnvoller Ausgangspunkt — mehr aber nicht.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 78 Seiten. Sie enthält die Grundlagen zu TRE und Spannungsregulation, das biopsychosoziale Verständnis von Sexualität, die vollständige Intervention sowie die quantitative und qualitative Auswertung.

Abstract der Arbeit

Die Sexualität ist ein komplexes biopsychosoziales Geschehen, das eng mit der körperlichen Selbstwahrnehmung und Spannungsregulation verbunden ist. Muskuläre Spannungsmuster, insbesondere im Bereich des Beckens, gelten als möglicher Einflussfaktor für sexuelles Erleben und Wohlbefinden. Die Methode der Tension & Trauma Releasing Exercises (TRE) setzt über gezielte Körperübungen an diesem Bereich an, indem durch neurogenes Zittern eine Regulation von Körperspannung ermöglicht werden soll. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, die möglichen Zusammenhänge zwischen TRE, Körperwahrnehmung und Sexualität zu untersuchen. Hierzu führten 15 Teilnehmende innerhalb von zwei Wochen drei angeleitete TRE-Sitzungen durch. Die subjektiv wahrgenommene Sexualität sowie persönliche Körperwahrnehmung wurden mittels Online-Fragebögen vor und nach der Intervention erfasst. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass TRE zu einer positiven Veränderung der Körperwahrnehmung sowie des sexuellen Erlebens beitragen kann. Die Studie liefert erste explorative Anhaltspunkte auf das Potenzial von TRE als niedrigschwellige körpertherapeutische Methode im Kontext von Sexualität. Aufgrund methodischer Limitationen, wie einer geringen Stichprobengrösse von 15 Personen und fehlender Kontrollgruppe, sind die Ergebnisse vorläufig und bedürfen weiterer Forschung.

Edona Hasanagic, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Einfluss von TRE (Tension/Trauma Releasing Exercises) auf die Sexualität

Verfasst von
Edona Hasanagic

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Körperarbeit · Sexuelle Zufriedenheit · Sexuelles Verlangen

Lizenz und Nachweis. Edona Hasanagic: «Einfluss von TRE (Tension/Trauma Releasing Exercises) auf die Sexualität». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Sexuelle Bildung an Sonderschulen Typ C im Kanton Zürich

Milena Weilenmann untersucht in der Masterarbeit «Sexuelle Bildung an Sonderschulen Typ C im Kanton Zürich» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Der Lehrplan 21 ist seit dem Schuljahr 2018/19 verbindlich und enthält Kompetenzen zur sexuellen Bildung. An Sonderschulen des Typs C im Kanton Zürich kommt er in diesem Bereich kaum vor — weder in den Konzepten noch im Unterricht. Das ist der zentrale Befund dieser Untersuchung.

Wie ist die Lage?

Die Arbeit zeichnet ein Handlungsfeld, das von hoher Komplexität, institutioneller Eigenständigkeit und struktureller Uneinheitlichkeit geprägt ist.

Die Relevanz sexueller Bildung wird allgemein anerkannt. Systematisch im Curriculum verankert ist sie trotzdem nicht — das belegen sowohl die schriftliche Erhebung als auch die Interviews.

Viele Lehrpersonen handeln nach wie vor weitgehend situativ und ohne strukturelle Einbettung. Angesichts der Schutz- und Bildungsbedürfnisse dieser Schüler*innen bewertet die Arbeit das als herausfordernd — eine zurückhaltende Formulierung für ein Problem.

Wer ist zuständig?

Häufig niemand ausdrücklich. Nur wenige Schulen haben klare Rollenzuweisungen im Bereich der sexuellen Bildung vorgenommen.

Die Autorin verweist darauf, dass internationale Forschung zum selben Ergebnis kommt und ebenfalls fehlende Rollenzuweisungen benennt. Es handelt sich also nicht um eine Zürcher Besonderheit.

Die Folgen sind zweifach: Die uneinheitliche Rollenverteilung erschwert die nachhaltige Umsetzung, und sie wirkt sich auf die Qualität dessen aus, was tatsächlich stattfindet. Wo Zuständigkeit fehlt, hängt alles am Engagement Einzelner.

Was funktioniert trotzdem?

Die Arbeit belässt es nicht bei der Kritik. Sie hat Best-Practice-Beispiele identifiziert, die das Potenzial kreativer und praxisnaher Lösungsansätze zeigen.

Schwierig wird es besonders bei zwei Dingen: beim Umgang mit sensiblen Themen und bei der Auswahl geeigneter Materialien. Für eine Zielgruppe mit kognitiver Beeinträchtigung gibt es wenig passendes Material, und die vorhandenen Angebote sind selten auf diese Schulform zugeschnitten.

Für Schulleitungen, die vom Einzelengagement zu einem Konzept kommen wollen, ist die Arbeit damit eine brauchbare Grundlage — sie zeigt, wo anzusetzen wäre und was anderswo bereits gelingt.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Ein Mixed-Methods-Ansatz: eine schriftliche Befragung der Sonderschulen sowie acht vertiefende Interviews mit Fachpersonen aus Schul- und Bereichsleitung sowie Heil- und Sozialpädagogik, ausgewertet nach Mayring.

Die Kombination aus Breite und Tiefe ist für diese Fragestellung angemessen. Befragt wurden allerdings Fachpersonen, nicht Schüler*innen — wie sexuelle Bildung an diesen Schulen erlebt wird, bleibt offen.

Die Ergebnisse beziehen sich auf einen Schultyp in einem Kanton. Das ist eng gefasst, aber es macht die Aussagen präzise.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 120 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu sexueller Bildung bei kognitiver Beeinträchtigung, die Analyse der Lehrplan-21-Kompetenzen, die vollständige Auswertung von Befragung und Interviews sowie die identifizierten Best-Practice-Beispiele.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit untersucht die Umsetzung der sexuellen Bildung an Sonderschulen des Typs C im Kanton Zürich vor dem Hintergrund des Lehrplan 21. Ziel war es, zu analysieren, inwieweit und in welcher Form die sexuelle Bildung in sonderpädagogischen Institutionen strukturell verankert und praktisch umgesetzt wird. Dabei standen sowohl die curriculare Orientierung als auch Herausforderungen und Gelingensfaktoren im Fokus. Methodisch wurde ein Mixed-Methods-Ansatz verfolgt. Eine schriftliche Befragung der Sonderschulen sowie acht vertiefende Expert*inneninterviews mit Fachpersonen aus den Bereichen Schul- und Bereichsleitung, Heil- und Sozialpädagogik lieferten die Grundlage. Die qualitativen Daten wurden nach dem Verfahren der inhaltlich strukturierenden Inhaltsanalyse (Mayring, 2022) ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen eine grosse Heterogenität hinsichtlich der Um- setzung. Während an vielen Schulen engagierte Einzelinitiativen existieren, fehlt häufig eine systematische curriculare Einbettung, institutionalisierte Zuständigkeiten sowie ge- zielte Weiterbildungsangebote. Besonders im Umgang mit sensiblen Themen und der Ma- terialauswahl ergeben sich spezifische Herausforderungen. Zugleich wurden Best-Practice- Beispiele identifiziert, die auf das Potenzial kreativer und praxisnaher Lösungsansätze hin- weisen. Die Arbeit schliesst mit konkreten Handlungsempfehlungen zur strukturellen Ver- ankerung der sexuellen Bildung im sonderpädagogischen Setting sowie dem Aufruf, sexu- elle Bildung als gleichwertige Bildungsaufgabe in der Sonderpädagogik anzuerkennen und weiterzuentwickeln.

Milena Weilenmann, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexuelle Bildung an Sonderschulen Typ C im Kanton Zürich – Eine Evaluation der Umsetzung des Lehrplan 21

Verfasst von
Milena Weilenmann

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexualität & Behinderung · Jugendsexualität · Sexuelle Bildung

Lizenz und Nachweis. Milena Weilenmann: «Sexuelle Bildung an Sonderschulen Typ C im Kanton Zürich – Eine Evaluation der Umsetzung des Lehrplan 21». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Vaginismus – Störung oder Stärke?

Romina Fliri untersucht in der Masterarbeit «Vaginismus – Störung oder Stärke?» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Im 19. Jahrhundert wurde Vaginismus chirurgisch behandelt. Im 20. rückten psychische Aspekte nach — das Behandlungsziel blieb meist dasselbe: Penetrationsfähigkeit. Diese Arbeit rekonstruiert diese Geschichte und stellt die Frage, die im Titel steht: Störung oder Stärke?

Wie wurde Vaginismus historisch behandelt?

Im 19. Jahrhundert dominierten mechanisch-chirurgische Ansätze. Sie pathologisierten den weiblichen Körper und unterwarfen ihn medizinischer Kontrolle.

Erst im 20. Jahrhundert begannen psychoanalytische und verhaltenstherapeutische Konzepte, psychodynamische und partnerschaftliche Aspekte einzubeziehen. Häufig geschah das aber weiterhin unter dem Primat der Penetrationsfähigkeit als Therapieziel — die Erklärung änderte sich, das Ziel nicht.

Die Arbeit zeigt, dass Vaginismus je nach herrschender Sexualmoral, medizinischem Wissensstand und Geschlechternormen unterschiedlich definiert, diagnostiziert und behandelt wurde. Was als Störung gilt, hängt von der Epoche ab.

Was leistet die feministische Kritik?

Sie richtet sich gegen die Pathologisierung weiblicher Sexualität und besonders gegen die Kategorisierung von Vaginismus als Funktionsstörung.

Ihre Forderung ist konkret: sexuelle Probleme nicht vorschnell als Defizite etikettieren, sondern die subjektive Bedeutung körperlicher Symptome, ihre biografische Verwurzelung und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in den Blick nehmen.

In dieser Perspektive lässt sich Vaginismus auch anders lesen — als legitime körperliche Grenzziehung, als Schutzreaktion oder als Ausdruck von Selbstbestimmung gegenüber normativen Sexualskripten.

Ist Vaginismus also keine Störung?

So einfach macht es sich die Arbeit nicht. Ihr Schluss lautet, dass sexuelle Funktionsstörungen nicht isoliert als biologische Defekte zu verstehen sind — sie sind tief eingebettet in kulturelle Normen, historische Diskurse und gesellschaftliche Vorstellungen über Weiblichkeit und Körperlichkeit.

Daraus folgt keine Umdeutung um jeden Preis, sondern ein Plädoyer für eine biopsychosoziale Behandlung. Eine, die von der individuellen Erfahrung ausgeht statt von der Funktion, und in der Lust, Selbstbestimmung und emotionale Sicherheit zentrale Rollen spielen.

Für Betroffene ist das eine spürbare Verschiebung: Die Frage lautet nicht mehr, ob der Körper funktioniert, sondern was er mitteilt.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine literaturbasierte Analyse ohne eigene Erhebung. Sie rekonstruiert medizinische, psychologische und gesellschaftliche Diskurse und befragt sie auf ihre normativen Voraussetzungen.

Damit macht sie etwas anderes als die empirischen Arbeiten dieser Sammlung — sie prüft nicht, was wirkt, sondern woher die Massstäbe kommen, an denen gemessen wird. Wer eine Behandlungsempfehlung sucht, findet sie in der Arbeit von Sarah Graf zu Wirkfaktoren bei Vaginismus.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 113 Seiten. Sie enthält die historische Rekonstruktion von Definition, Diagnose und Behandlung des Vaginismus vom 19. bis ins 21. Jahrhundert, die feministische Kritik an der Pathologisierung sowie die Ableitungen für eine biopsychosozial orientierte Behandlung.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit untersucht die Definition, Diagnose und Behandlung von Vaginismus im historischen Verlauf vom 19. bis zum 21. Jahrhundert sowie aus feministischer Perspektive. Anhand einer literaturbasierten Analyse werden medizinische, psychologische und gesellschaftliche Diskurse kritisch rekonstruiert und auf ihre normativen Prämissen hin befragt. Im 19. Jahrhundert dominierte eine mechanistische Sichtweise, die Vaginismus als anatomisches oder hysterisches Defizit behandelte. Erst im 20. Jahrhundert rückten psychodynamische und verhaltenstherapeutische Modelle die psychische Dimension von Sexualität stärker in den Fokus, wenngleich weiterhin häufig Penetrationsfähigkeit als Hauptziel galt. Feministische Theorien kritisieren diese funktionalistischen Ansätze und plädieren für eine Neubewertung von Sexualität, in der Lust, Selbstbestimmung und körperliche Integrität zentrale Rollen spielen. Sie hinterfragen die Pathologisierung abweichender sexueller Erfahrungen und schlagen alternative Verständnisse vor, in denen Vaginismus als Ausdruck verkörperter Grenzen, Schutzreaktion oder biografisch bedingter Widerstand gegen normative Sexualskripte gelesen werden kann. Die Arbeit zeigt auf, dass eine moderne, biopsychosozial orientierte Behandlung von Vaginismus individuelle Erfahrungen, gesellschaftliche Strukturen und kulturelle Normen gleichermassen berücksichtigen muss. Sexualtherapie sollte demnach nicht ausschliesslich die Wiederherstellung genitaler Funktion anstreben, sondern Räume eröffnen für selbstbestimmte, vielfältige sexuelle Ausdrucksformen. Abschliessend werden Implikationen für Forschung und Praxis formuliert, die die Notwendigkeit einer kritisch- reflexiven kontext- und lustzentrierten Therapie betonen.

Romina Fliri, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Vaginismus – Störung oder Stärke? Eine historische und feministische Perspektive

Verfasst von
Romina Fliri

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Vaginismus · Operative Eingriffe · Selbstwirksamkeit

Lizenz und Nachweis. Romina Fliri: «Vaginismus – Störung oder Stärke? Eine historische und feministische Perspektive». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Online-Intervention für Paare zur Förderung der sexuellen Lust

Sereina Wüst untersucht in der Masterarbeit «Online-Intervention für Paare zur Förderung der sexuellen Lust» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

In langen Beziehungen geht die sexuelle Lust bei vielen Paaren zurück — lange bevor daraus ein behandlungsbedürftiges Problem wird. Diese Arbeit entwickelt ein Angebot für genau diese Zwischenzone: vorbeugend, selbstgeleitet, ohne Praxisbesuch.

Für wen ist das gedacht?

Ausdrücklich für Paare ohne klinisch relevante Sexualstörung. Das ist der Kern des Ansatzes — ein präventives, niederschwelliges Angebot statt einer Behandlung.

Der Ausgangspunkt: Sexuelle Lust hat zentralen Einfluss auf die partnerschaftliche Intimität, die Beziehungszufriedenheit und die emotionale Verbundenheit. In Langzeitbeziehungen unterliegt sie vielfältigen biopsychosozialen Einflüssen, die den Rückgang begünstigen.

Das vierwöchige Online-Programm verbindet psychoedukative Inhalte mit körperorientierten Übungen und alltagsnahen Impulsen.

Was hat die Auswertung ergeben?

Die Intervention wurde überwiegend positiv bewertet. Förderliche Effekte zeigten sich vor allem bei der Zufriedenheit mit der Paarsexualität und bei der subjektiven Wahrnehmung von Lustveränderungen.

Ein zweiter Befund geht über das Programm hinaus: Sexuelle Lust ist nicht nur ein individuelles, sondern auch ein relationales Phänomen. Die Paarperspektive lässt sich nicht wegkürzen.

Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht — die meisten Angebote und Messinstrumente behandeln Lust als Eigenschaft einer Person.

Wie ehrlich ist die Arbeit mit ihren Zahlen?

Sehr. Am Vorfragebogen nahmen 22 Personen teil, am Nachfragebogen noch fünf. Die Autorin hält ausdrücklich fest, dass die Ergebnisse damit weder statistisch bedeutsam noch übertragbar sind.

Sie ordnet ihre Auswertung selbst als explorativ ein und benennt die begrenzte Dauer und die geringe Stichprobengrösse als Einschränkungen.

Für alle, die ein solches Programm planen, ist gerade dieser Schwund die wertvollste Information. Er zeigt, dass die eigentliche Herausforderung nicht im Inhalt liegt, sondern darin, dass Paare dabei bleiben.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Als Wirksamkeitsnachweis taugt die Arbeit nicht, und sie behauptet es auch nicht. Was sie liefert, ist ein vollständig dokumentiertes Konzept, eine erste Evaluation und eine realistische Erfahrung mit dem Ausstieg unterwegs.

Sie ist zudem eine von mehreren Arbeiten dieser Sammlung, die Online-Interventionen nach Sexocorporel prüfen — ein Feld, zu dem es kaum empirische Belege gibt. Die Designrichtlinien von Nina Jost liefern dazu die konzeptionelle Grundlage.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 104 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu sexueller Lust in Langzeitbeziehungen, das vollständige vierwöchige Online-Programm sowie die Auswertung der Vor- und Nachbefragung samt Diskussion der Limitationen.

Abstract der Arbeit

Hintergrund: Die Paarsexualität stellt einen zentralen Bestandteil partnerschaftlicher Inti- mität und Beziehungszufriedenheit dar. Wesentlich dafür ist die sexuelle Lust, die zur se- xuellen Interaktion motiviert. In Langzeitbeziehungen unterliegt sie jedoch vielfältigen bi- opsychosozialen Einflüssen, die oftmals zu einem Rückgang der sexuellen Lust im Verlauf der Beziehungsdauer führen. Online-Interventionen haben in den letzten Jahren aufgrund erster vielversprechender Wirksamkeitsstudien zunehmend an Bedeutung gewonnen und eignen sich daher auch für sexualwissenschaftliche Präventionsansätze. Deshalb war das Ziel dieser Arbeit die Kon- zeption, Umsetzung und Evaluation eines vierwöchigen, selbstgeleiteten Online-Pro- gramms zur Förderung sexueller Lust in Langzeitbeziehungen. Methodik: Die Intervention kombiniert psychoedukative Inhalte mit körperorientierten Übungen und alltagsnahen Impulsen. Die Evaluation erfolgte im Rahmen eines Mixed- Methods-Ansatzes durch einen Vor- und Nachfragebogen. Insgesamt nahmen 22 Perso- nen am Vorfragebogen und fünf am Nachfragebogen teil. Aufgrund der geringen Stichprobe sind die Ergebnisse weder statistisch signifikant noch generalisierbar. Diskussion: Die Ergebnisse zeigen, dass die Intervention von den Teilnehmenden über- wiegend positiv erlebt wurde, insbesondere in Bezug auf die Zufriedenheit mit der Paarse- xualität. Die sexuelle Lust veränderte sich quantitativ nur geringfügig, wurde jedoch subjek- tiv als gesteigert wahrgenommen. Besonders hilfreich wurden körperbezogene Übungen und strukturierte Gespräche bewertet. Herausforderungen lagen in der Integration in den oftmals stressigen Alltag sowie in der begrenzten Programmdauer. Die hohe Abbruchquote verweist auf die Grenzen unbegleiteter Formate hin. Deshalb erscheint eine Weiterentwick- lung mit modularen und flexibleren Inhalten und optionaler Begleitung sinnvoll. Background: Couple sexuality represents a central aspect of intimate partnerships and relationship satisfaction. A key factor in this context is sexual desire, which motivates sexual interaction. In long-term relationships, however, sexual desire is subject to diverse biopsy- chosocial influences that often lead to a decline over time. Online interventions have gained increasing relevance in recent years due to promising evidence regarding their effectiveness and are therefore well suited for use in sexological prevention. The aim of this study was to develop, implement, and evaluate a four-week, self-guided online program to promote sexual desire in long-term relationships. Methodology: The int

Sereina Wüst, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Online-Intervention für Paare – Entwicklung eines selbstgesteuerten Programms zur Förderung der sexuellen Lust in Langzeitbeziehungen

Verfasst von
Sereina Wüst

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Digitale Medien · Paarsexualität · Sexuelles Verlangen

Lizenz und Nachweis. Sereina Wüst: «Online-Intervention für Paare – Entwicklung eines selbstgesteuerten Programms zur Förderung der sexuellen Lust in Langzeitbeziehungen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Self-Affirming Masturbation and Sexual Self-Confidence

Valentine Friedli untersucht in der Masterarbeit «Self-Affirming Masturbation and Sexual Self-Confidence» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Selbstbefriedigung ist weit verbreitet und bleibt stigmatisiert — unter Gleichaltrigen wird kaum darüber gesprochen, in der Sexualaufklärung kommt sie kaum vor, im gesellschaftlichen Diskurs ebenso wenig. Diese Arbeit untersucht, was sie für das sexuelle Selbstbild leistet.

Warum überhaupt darüber forschen?

Weil die Diskrepanz auffällig ist. Solosexualität ist ein häufiger Aspekt menschlicher Sexualität und trotzdem von Stigma und soziokulturellen Einflüssen geprägt.

Dabei stellt sie nach dieser Arbeit eine wichtige Dimension der sexuellen Entwicklung dar und trägt bedeutsam zur sexuellen Gesundheit insgesamt bei.

Untersucht werden zwei Konstrukte des Modells Sexocorporel, die eng mit sexueller Gesundheit und Zufriedenheit zusammenhängen: das sexuelle Selbstkonzept und die sexuelle Selbstsicherheit. Beide beeinflussen, wie Menschen ihre Sexualität wahrnehmen und bewerten.

Was sind die Ergebnisse?

Die Zusammenhänge fallen durchwegs positiv aus, und zwar über fünf Dimensionen des sexuellen Selbstkonzepts hinweg: sexuelles Selbstwertgefühl, Körperbild, genitales Bild, sexuelle Durchsetzungsfähigkeit und sexuelle Selbstwirksamkeit.

Auch mit der sexuellen Selbstsicherheit zeigt sich ein positiver Zusammenhang.

Die Arbeit belässt es nicht bei der Feststellung. Sie arbeitet die zugrunde liegenden Mechanismen und Wege heraus, die sich in den Interviews zeigten — und benennt als mitwirkende Faktoren Geschlechterrollen, Kognitionen, Emotionen und gesellschaftliche Einflüsse.

Was heisst das für die Praxis?

Wenn Solosexualität mit fünf Dimensionen des sexuellen Selbstkonzepts positiv zusammenhängt, ist sie kein Randthema der Beratung, sondern ein Zugang.

Für die Sexualaufklärung folgt daraus die deutlichste Konsequenz: Ein Bereich, der zur sexuellen Gesundheit beiträgt, kommt im Unterricht kaum vor. Die Arbeit liefert das Argument, das zu ändern.

Sie ergänzt damit die Untersuchung von Vera Matjaz, die Solosexualität bei Erwachsenen mit ADHS quantitativ untersucht hat.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Halbstrukturierte Interviews mit sechs jungen Erwachsenen — drei Cis-Frauen und drei Cis-Männern. Die Arbeit ist auf Englisch verfasst.

Sechs Personen erlauben keine Aussagen über Häufigkeiten oder Ursachen. Es handelt sich zudem um Selbstauskünfte zu einem stigmatisierten Thema — wer darüber spricht, hat vermutlich ein unbelasteteres Verhältnis dazu als der Durchschnitt.

Die Arbeit spricht durchgehend von Zusammenhängen, nicht von Wirkungen. Ob Solosexualität das sexuelle Selbstkonzept stärkt oder ob ein starkes Selbstkonzept sie erleichtert, bleibt offen.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 138 Seiten und ist auf Englisch verfasst. Sie enthält eine systematische Literaturrecherche zu Solosexualität und Stigma, die Darstellung von sexuellem Selbstkonzept und sexueller Selbstsicherheit nach Sexocorporel, die vollständige Auswertung der sechs Interviews sowie Empfehlungen für Forschung und Praxis.

Methodisches Vorgehen

Die Arbeit stützt sich auf eine systematische Literaturrecherche und eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring. Der Volltext umfasst 138 Seiten.

Abstract der Arbeit

Background and Central Questions: Solitary sex is a widespread yet often stigmatised aspect of human sexuality, underrepresented in societal discourse and sexual education. Despite this, it plays a key role in sexual development and health. To examine this dynamic further, this Master’s thesis explores how solitary sex influences sexual self-concept and sexual self-confidence as defined in the Sexocorporel model. These two constructs are associated with how individuals perceive and value their sexuality, and both impact sexual behaviour, functioning, satisfaction, and well-being. Methodology: Using a qualitative methodology, semi-structured interviews were conducted with a sample of young adults, comprising three cis women and three cis men. Conclusion: The findings indicated generally positive associations between solitary sex and five dimensions of sexual self-concept: sexual self-esteem, body image, genital image, sexual assertiveness, and sexual self-efficacy. Solitary sex was also linked to increased sexual self-confidence. Both associations appeared to be influenced by a variety of underlying mechanisms and pathways identified throughout the interviews. Various influencing factors, including gender roles, cognitions, emotions and societal influences, seemed to play a role in shaping these experiences. The results underscore solitary sex as a potentially empowering practice, with important implications for fostering sexual self- concept, sexual self-confidence and overall sexual well-being and health.

Valentine Friedli, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Self-Affirming Masturbation – Exploring the Impact of Solitary Sex on Sexual Self-Concept and Sexual Self-Confidence As Per Sexocorporel in Young Adults

Verfasst von
Valentine Friedli

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Selbstwirksamkeit · Wechseljahre · Körperbild · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Valentine Friedli: «Self-Affirming Masturbation – Exploring the Impact of Solitary Sex on Sexual Self-Concept and Sexual Self-Confidence As Per Sexocorporel in Young Adults». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Sexualität mit diagnostizierter Endometriose

Madeleine Wüthrich untersucht in der Masterarbeit «Sexualität mit diagnostizierter Endometriose» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

«Sie können die Schmerzen doch ignorieren, es ist ja nichts auffindbar.» Diesen Satz bekam eine der vier befragten Frauen von ihrem Arzt zu hören. Bei Endometriose gehören Schmerzen beim Sex zu den häufigen Beschwerden — und die Sexualität ist genau der Teil, über den in der Behandlung am wenigsten gesprochen wird. Diese Arbeit hat vier Betroffene ausführlich befragt.

Wie lange dauert es bis zur Diagnose?

Die vier Befragten sind zwischen 37 und 40 Jahre alt, drei leben in der Schweiz, eine in Deutschland. Ihre Wege bis zur Diagnose ähneln sich auf eine Weise, die aufhorchen lässt.

Bei drei von vier traten die ersten Beschwerden nach dem Absetzen der hormonellen Verhütung auf — eine Frau war damals dreissig. Eine vierte hatte bereits mit vierzehn Symptome, ordnete den Rückenschmerz aber jahrelang nicht zu.

Bestätigt wurde die Diagnose bei allen erst durch eine Bauchspiegelung, teils als Zufallsbefund. Eine Frau wurde von einem Viszeralchirurgen operiert, einem Bauchspeicheldrüsen-Spezialisten, der die Endometriose nebenbei entdeckte. Zwei erhielten zusätzlich den Verdacht auf eine Adenomyose.

Warum ist Endometriose so schwer zu fassen?

Weil sie nicht an einem Ort sitzt. Die Herde lagen bei den Befragten sehr unterschiedlich: an Eierstöcken und Eileitern, an der Gebärmutter, im Douglas-Raum, rund um den Darm, am Bauchfell, an der Blase. In einem Fall wurde ein kleiner Herd auf einem Nerv in der Bauchdecke gefunden.

Entsprechend breit sind die Beschwerden. Die Befragten berichten von starken Schmerzen, chronischer Erschöpfung und eingeschränkter Beweglichkeit, dazu Schlafstörungen, Kopfschmerzen und kognitive Einbussen. Eine beschreibt messerstichartige Schmerzen im Unterbauch, ausstrahlend bis zum Knie, dazu heftige Rückenschmerzen und eine Blutung von mindestens anderthalb Wochen.

Zur körperlichen Belastung kommt die psychische, die aus der jahrelangen Ungewissheit vor der Diagnose entsteht.

Was macht die Erkrankung mit der Sexualität?

Die Arbeit untersucht drei Ebenen: sexuelle Funktionen und Lustempfinden, die Körperwahrnehmung sowie die Strategien, mit denen die Betroffenen Sexualität weiterhin möglich machen.

Die Beeinträchtigung ist erheblich, und sie läuft über drei Wege zugleich: chronische Schmerzen, eine veränderte Wahrnehmung des eigenen Körpers und emotionale Belastung. Die Befragten entwickeln eigene Anpassungsstrategien und greifen teils auf komplementäre Therapieformen zurück.

Bemerkenswert ist, was die Arbeit daraus schliesst: Endometriose geht weit über ein gynäkologisches Krankheitsbild hinaus. Sie berührt Körperbild, emotionale und psychosoziale Stabilität — und die Sexualität ist dabei ein zentraler, im medizinischen Alltag aber randständiger Aspekt.

Was fehlt in der Versorgung?

Hier liegt der deutlichste Befund, und er betrifft nicht die Krankheit, sondern die Behandlung. Sexualität wird selten angesprochen, sexualmedizinische Beratung fehlt weitgehend, psychosoziale Unterstützung ist knapp, und Entscheidungen werden selten gemeinsam getroffen.

Was sich die Befragten wünschen, ist eine Begleitung, die medizinische, psychologische und sexualtherapeutische Aspekte verbindet. Die Fachliteratur beschreibt genau das als wünschenswert und notwendig — umgesetzt wird es kaum.

Für Gynäkologie, Physiotherapie, Hausarztpraxis und Sexualberatung ist die Arbeit deshalb vor allem eine Aufforderung, die Frage überhaupt zu stellen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier qualitative Interviews, ausgewertet nach Mayring, entlang von drei forschungsleitenden Hypothesen. Vier Frauen zwischen 37 und 40, alle in heteronormativen Beziehungen — das ist kein Querschnitt der Betroffenen.

Was diese Arbeit leisten kann, ist Tiefe statt Breite: ausführliche Schilderungen mit wörtlichen Zitaten, die zeigen, wie sich die Erkrankung im Alltag und in der Sexualität anfühlt. Die Autorin benennt den Forschungsbedarf zur sexualitätsbezogenen Versorgung bei Endometriose ausdrücklich.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 105 Seiten. Sie enthält den medizinischen Forschungsstand zu Endometriose, den Stand zur sexuellen Gesundheit bei chronischen Erkrankungen, die vollständige Auswertung der vier Interviews mit Zitaten und die Ableitungen für eine betroffenenzentrierte Versorgung.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit untersucht die Auswirkungen der chronischen Erkrankung Endometri- ose auf die Sexualität betroffener Personen, unter besonderer Berücksichtigung psychoso- zialer, körperlicher und medizinischer Einflussfaktoren. Grundlage der Untersuchung sind qualitative Interviews mit vier Betroffenen, die mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (2022) systematisch ausgewertet wurden. Die Analyse orientiert sich an drei for- schungsleitenden Hypothesen und fokussiert auf sexuelle Funktionen, Lustempfinden, Kör- perwahrnehmung sowie Bewältigungsstrategien und Erfahrungen im medizinischen Ver- sorgungskontext. Die Ergebnisse zeigen, dass Endometriose die sexuelle Gesundheit erheblich beeinträch- tigt – insbesondere durch chronische Schmerzen, eine veränderte Körperwahrnehmung und emotionale Belastung. Die Befragten entwickeln individuelle Strategien zur sexuellen Anpassung und greifen teilweise auf komplementäre Therapieformen zurück. Gleichzeitig offenbaren sich deutliche Defizite in der medizinischen Versorgung: Sexualität wird selten thematisiert, sexualmedizinische Beratung fehlt weitgehend, psychosoziale Unterstützung und partizipative Entscheidungsprozesse bleiben eingeschränkt. Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigen deutlich, dass sich Betroffene eine ganzheitlich ausge- richtete Versorgung wünschen, die medizinische, psychologische und sexualtherapeuti- sche Aspekte miteinander verbindet. Diese Form der interdisziplinären Betreuung wird auch in der einschlägigen Literatur als wünschenswert und notwendig beschrieben. In der Praxis wird sie bislang jedoch kaum umgesetzt. Darüber hinaus betont die Arbeit den Forschungs- bedarf hinsichtlich sexualitätsbezogener Versorgung bei Endometriose. Die Ergebnisse lie- fern praxisrelevante Impulse für eine stärkere Berücksichtigung sexueller Gesundheit in der Endometriose-Versorgung und für die Weiterentwicklung bedarfsgerechter Behandlungs- modelle.

Madeleine Wüthrich, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Endometriose – Sexualität mit diagnostizierter Endometriose

Verfasst von
Madeleine Wüthrich

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexualität & Krankheit · Schwangerschaft & Geburt · Vaginismus

Lizenz und Nachweis. Madeleine Wüthrich: «Endometriose – Sexualität mit diagnostizierter Endometriose». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Erektile Dysfunktion bei jungen Männern und das Männlichkeitsgefühl

Leandra Gubser untersucht in der Masterarbeit «Erektile Dysfunktion bei jungen Männern und das Männlichkeitsgefühl» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Erektionsprobleme bei jungen Männern sind selten nur ein körperliches Problem. Diese Arbeit hat fünf Betroffene befragt und zeigt, wie tief die Störung ins Selbstbild greift — und dass manche Männer daraus ein anderes Verständnis von Männlichkeit entwickeln.

Warum trifft es das Selbstbild so hart?

Weil Männlichkeit noch immer stark über sexuelle Leistungsfähigkeit definiert wird, insbesondere über die Fähigkeit zur Penetration. Wer diese Vorstellung verinnerlicht hat, erlebt eine erektile Dysfunktion als tiefen Einschnitt ins männliche Selbstverständnis.

Die Befragten beschreiben Druck, Erwartungen und Unsicherheit — genährt vom Bild des funktionierenden, kontrollierten, leistungsfähigen Mannes, das nach wie vor präsent ist.

Eine Rolle spielen dabei drei Einflüsse, die die Arbeit benennt: das soziale Umfeld, der Pornografiekonsum und die Frage, ob professionelle Unterstützung gesucht wurde.

Was hilft?

Die Ergebnisse zeigen, dass Veränderung möglich ist — und wo sie geschieht. Dort, wo Austausch, Offenheit und Reflexion stattfinden, sei es mit der Partnerin oder im eigenen Inneren, entsteht Raum für Entlastung und neue Sichtweisen.

Manche Männer nutzen die Erfahrung als Anlass zur Reflexion und entwickeln alternative Männlichkeitsbilder. Manchmal entstehen daraus sogar neue Formen von Nähe.

Der Schlüssel liegt im Verständnis von Männlichkeit selbst: nicht als starres Konzept, sondern als etwas Verhandelbares und Entwickelbares — gerade im Zusammenhang mit Sexualität.

Was fehlt in der Versorgung?

Die Arbeit fordert mehr Sichtbarkeit für die psychologischen und sozialen Aspekte der erektilen Dysfunktion — in der Forschung, in der Beratung und ausdrücklich auch im medizinischen Kontext.

Ihre Begründung ist einfach: Es geht nicht nur darum, ein Symptom zu beheben, sondern darum, Menschen zu einem stimmigen Umgang mit sich selbst, ihrem Körper und ihren Beziehungen zu verhelfen.

Was dafür fehlt, benennt die Autorin am deutlichsten: sichere, unterstützende Räume, in denen Männer über Zweifel, Scham und Verletzlichkeit sprechen können, ohne befürchten zu müssen, dafür als weniger Mann zu gelten.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Fünf qualitative Interviews mit betroffenen jungen Männern. Das ist eine kleine Gruppe — und für ein Thema, über das kaum jemand spricht, sind fünf ausführliche Gespräche bereits bemerkenswert.

Die Arbeit macht keine Aussagen über Häufigkeiten oder Ursachen. Was sie zeigt, ist, wie unterschiedlich Männer mit derselben Störung umgehen — und dass der Umgang mehr mit dem verinnerlichten Männlichkeitsbild zu tun hat als mit dem Befund.

Die Autorin reflektiert im Schlusswort eine Frage, die ihr gestellt wurde: warum sie als Frau über ein Männerthema schreibe. Sie hält dagegen, dass es sie umgekehrt stört, wenn vor allem Männer über weibliche Körper und Lust forschen.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 105 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu erektiler Dysfunktion bei jungen Männern, die theoretischen Konzepte zu Männlichkeitskonstruktionen, die vollständige Auswertung der fünf Interviews und die Ableitungen für Beratung und medizinische Praxis.

Abstract der Arbeit

Kurzbeschrieb Diese Masterarbeit untersucht, welche Auswirkungen erektile Dysfunktion (ED) auf das Erleben und die Konstruktion von Männlichkeit bei jungen Männern hat. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Männlichkeit häufig über sexuelle Leistungsfähigkeit definiert wird, insbesondere über die Fähigkeit zur Penetration. Auf Grundlage bestehender theoretischer Konzepte sowie qualitativer Interviews mit fünf Betroffenen wird analysiert, wie sich ED auf das Selbstbild, das Beziehungserleben und den Umgang mit gesellschaftlichen Männlichkeitsidealen auswirkt. Die Ergebnisse zeigen, dass ED als tiefer Einschnitt in das männliche Selbstverständnis erlebt werden kann, insbesondere wenn traditionelle Vorstellungen von Potenz und Kontrolle internalisiert sind. Gleichzeitig wird deutlich, dass manche Männer alternative Männlichkeitsbilder entwickeln und ED als Anlass zur Reflexion nutzen. Neben individuellen Bewältigungsstrategien spielen auch das soziale Umfeld, Pornografiekonsum und professionelle Unterstützung eine zentrale Rolle. Die Arbeit zeigt auf, dass Männlichkeit im Kontext von ED kein statisches Konstrukt ist, sondern ständig neu verhandelt wird, zwischen persönlichem Erleben und gesellschaftlichen Erwartungen. Schlagwörter Erektile Dysfunktion / ED / Sexuelle Funktionsstörung / Männlichkeitskonstruktion / Männlichkeitsbilder / Identität und Selbstbild / Geschlechterrollen / Männerforschung / Sexualität und Leistungsdruck HS Merseburg / ISP Zürich • ED und Konstruktion des Männlichkeitsgefühls • Leandra Gubser ​

Leandra Gubser, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Erektile Dysfunktion bei jungen Männern im Kontext der Konstruktion und Wahrnehmung des Männlichkeitsgefühls – Einblicke aus qualitativen Interviews

Verfasst von
Leandra Gubser

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Männlichkeit · Erektile Dysfunktion · Pornografie

Lizenz und Nachweis. Leandra Gubser: «Erektile Dysfunktion bei jungen Männern im Kontext der Konstruktion und Wahrnehmung des Männlichkeitsgefühls – Einblicke aus qualitativen Interviews». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Jenseits des Östrogenspiegels – Sexualität in der Postmenopause

Melina Wyss untersucht in der Masterarbeit «Jenseits des Östrogenspiegels – Sexualität in der Postmenopause» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Über Sexualität nach den Wechseljahren wird meist in Hormonwerten gesprochen. Diese Arbeit fragt drei Frauen zwischen 50 und 60, wie sie es selbst erleben — und findet keine Verlustgeschichte. Die Befragten erleben ihre Sexualität nicht als defizitär, sondern richten sie neu aus.

Was verändert sich nach der Menopause wirklich?

Die Arbeit nimmt bewusst die psychosoziale Perspektive: subjektive Deutungsmuster, Selbst- und Körperbild, partnerschaftliche Dynamiken und gesellschaftliche Altersnormen.

Ihr zentrales Ergebnis widerspricht dem Defizitmodell. Sexualität in der Postmenopause erweist sich als dynamischer und individueller Prozess, der weit über hormonelle Veränderungen hinausgeht — als fortdauernde, wandelbare Dimension weiblicher Identität und Lebensqualität.

Nicht der Verlust steht im Vordergrund, sondern die Möglichkeit zur Neuausrichtung: Die Frauen entwickeln Strategien, um körperliche Veränderungen zu integrieren, neue Formen von Intimität zu leben und ihre Sexualität aktiv zu gestalten.

Was hilft?

Die Arbeit benennt die tragenden Ressourcen konkret: soziale Beziehungen, kommunikativer Austausch, ein reflektierter Umgang mit körperlichen Veränderungen und das bewusste Setzen persönlicher Grenzen.

Als zentrale Faktoren für ein selbstbestimmtes Erleben nennt sie emotionale Sicherheit, eine als hoch empfundene Beziehungsqualität, ein weitgehend positives Körperbild sowie kommunikative Kompetenzen und den Zugang zu Wissen und unterstützenden Angeboten.

Bemerkenswert ist, was die Frauen selbst tun: Sie stabilisieren ihre Sexualität über eigene Fürsorgepraktiken — nicht über eine Behandlung, sondern über die Art, wie sie mit sich umgehen.

Welche Rolle spielt die Hormonersatztherapie?

Alle drei Befragten nennen sie als wichtige medizinische Grundlage zur Linderung körperlicher Beschwerden. Die Arbeit spielt sie also nicht herunter.

Sie ordnet sie aber ein: Die Hormonersatztherapie bildet einen Teil eines umfassenderen Bewältigungskonzepts, nicht dessen Kern. Wer nur über Hormone spricht, verhandelt einen Ausschnitt.

Der Schluss der Arbeit ist entsprechend: Sexualität in der Postmenopause ist nicht biologisch vorgegeben, sondern biografisch, relational und kulturell verankert.

Was heisst das für die Beratung?

Die Autorin plädiert für ein lebensphasensensibles Verständnis, das Vielfalt, Autonomie und Entwicklungspotenzial auch im späteren Lebensverlauf sichtbar macht — und stellt fest, dass diese Perspektive weder im gesellschaftlichen Diskurs noch in der Forschung ausreichend vertreten ist.

Für die Praxis heisst das, die Frage anders zu stellen. Nicht «was funktioniert nicht mehr», sondern «was hat sich verschoben und wie liesse es sich gestalten».

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Drei leitfadengestützte Interviews mit Frauen zwischen 50 und 60, ausgewertet über eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring. Drei Frauen sind eine schmale Grundlage, und wer sich für ein solches Gespräch zur Verfügung stellt, hat zum Thema meist bereits ein Verhältnis gefunden.

Die Arbeit versteht sich ausdrücklich als Beitrag zur Anerkennung weiblicher Sexualität im Alter als eigenständigem Erfahrungsraum. Als Gegengewicht zur Defizitperspektive ist sie aufschlussreich, als Beleg für Häufigkeiten nicht gedacht.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 99 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu Sexualität in der Postmenopause, die Auseinandersetzung mit Altersnormen und Körperbild, die vollständige Auswertung der drei Interviews und die Ableitungen für eine lebensphasensensible Beratung.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit untersucht aus psychosozialer Perspektive, wie Frauen sexuelle Veränderungen in der Postmenopause erleben, deuten und bewältigen. Ziel ist es, zentrale Einflussfaktoren auf das sexuelle Erleben zu identifizieren sowie Ressourcen und Strategien sichtbar zu machen, mit denen Frauen ihre Sexualität in dieser Lebensphase gestalten. Im Fokus stehen dabei subjektive Deutungsmuster, das Selbst- sowie Körperbild, partnerschaftliche Dynamiken und gesellschaftliche Altersnormen. Die empirische Grundlage bilden drei leitfadengestützte Interviews mit Frauen zwischen 50 und 60 Jahren. Die Auswertung erfolgt mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring. Die Ergebnisse zeigen, dass Frauen ihre Sexualität nicht primär als defizitär erleben, sondern durch individuell geprägte Fürsorgepraktiken stabilisieren oder neu ausrichten. Soziale Beziehungen, kommunikativer Austausch, reflexiver Umgang mit körperlichen Veränderungen sowie das bewusste Setzen persönlicher Grenzen erweisen sich als zentrale psychosoziale Ressourcen. Die Hormonersatztherapie wird von allen Befragten als wichtige medizinische Grundlage zur Linderung körperlicher Beschwerden genannt, bildet jedoch nur einen Teil eines umfassenderen Bewältigungskonzepts. Die Ergebnisse machen deutlich, dass sexuelle Veränderungen in der Postmenopause nicht monokausal durch hormonelle Umstellungen erklärbar sind. Vielmehr zeigt sich ein komplexes Wechselspiel biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren. Diese Arbeit unterstreicht die Notwendigkeit, weibliche Sexualität in dieser Lebensphase als dynamisches und sozial eingebettetes Phänomen zu verstehen und sexualmedizinische sowie -therapeutische Angebote entsprechend biopsychosozial auszurichten hin zu einer lebensphasensensiblen, ressourcenfokussierten Begleitung. Daraus ergeben sich konkrete Implikationen für die sexualtherapeutische Praxis und den gesellschaftlichen Diskurs. HS Merseburg / ISP Zürich • Melina Wyss • Jenseits des Östrogenspiegels

Melina Wyss, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Jenseits des Östrogenspiegels: Die Bedeutung psychosozialer Faktoren für die Sexualität von Frauen in der Postmenopause

Verfasst von
Melina Wyss

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Wechseljahre · Sexualität im Alter · Körperbild

Lizenz und Nachweis. Melina Wyss: «Jenseits des Östrogenspiegels: Die Bedeutung psychosozialer Faktoren für die Sexualität von Frauen in der Postmenopause». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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