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MA5 Masterarbeit

Sexualität mit diagnostizierter Endometriose

Madeleine Wüthrich untersucht in der Masterarbeit «Sexualität mit diagnostizierter Endometriose» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

«Sie können die Schmerzen doch ignorieren, es ist ja nichts auffindbar.» Diesen Satz bekam eine der vier befragten Frauen von ihrem Arzt zu hören. Bei Endometriose gehören Schmerzen beim Sex zu den häufigen Beschwerden — und die Sexualität ist genau der Teil, über den in der Behandlung am wenigsten gesprochen wird. Diese Arbeit hat vier Betroffene ausführlich befragt.

Wie lange dauert es bis zur Diagnose?

Die vier Befragten sind zwischen 37 und 40 Jahre alt, drei leben in der Schweiz, eine in Deutschland. Ihre Wege bis zur Diagnose ähneln sich auf eine Weise, die aufhorchen lässt.

Bei drei von vier traten die ersten Beschwerden nach dem Absetzen der hormonellen Verhütung auf — eine Frau war damals dreissig. Eine vierte hatte bereits mit vierzehn Symptome, ordnete den Rückenschmerz aber jahrelang nicht zu.

Bestätigt wurde die Diagnose bei allen erst durch eine Bauchspiegelung, teils als Zufallsbefund. Eine Frau wurde von einem Viszeralchirurgen operiert, einem Bauchspeicheldrüsen-Spezialisten, der die Endometriose nebenbei entdeckte. Zwei erhielten zusätzlich den Verdacht auf eine Adenomyose.

Warum ist Endometriose so schwer zu fassen?

Weil sie nicht an einem Ort sitzt. Die Herde lagen bei den Befragten sehr unterschiedlich: an Eierstöcken und Eileitern, an der Gebärmutter, im Douglas-Raum, rund um den Darm, am Bauchfell, an der Blase. In einem Fall wurde ein kleiner Herd auf einem Nerv in der Bauchdecke gefunden.

Entsprechend breit sind die Beschwerden. Die Befragten berichten von starken Schmerzen, chronischer Erschöpfung und eingeschränkter Beweglichkeit, dazu Schlafstörungen, Kopfschmerzen und kognitive Einbussen. Eine beschreibt messerstichartige Schmerzen im Unterbauch, ausstrahlend bis zum Knie, dazu heftige Rückenschmerzen und eine Blutung von mindestens anderthalb Wochen.

Zur körperlichen Belastung kommt die psychische, die aus der jahrelangen Ungewissheit vor der Diagnose entsteht.

Was macht die Erkrankung mit der Sexualität?

Die Arbeit untersucht drei Ebenen: sexuelle Funktionen und Lustempfinden, die Körperwahrnehmung sowie die Strategien, mit denen die Betroffenen Sexualität weiterhin möglich machen.

Die Beeinträchtigung ist erheblich, und sie läuft über drei Wege zugleich: chronische Schmerzen, eine veränderte Wahrnehmung des eigenen Körpers und emotionale Belastung. Die Befragten entwickeln eigene Anpassungsstrategien und greifen teils auf komplementäre Therapieformen zurück.

Bemerkenswert ist, was die Arbeit daraus schliesst: Endometriose geht weit über ein gynäkologisches Krankheitsbild hinaus. Sie berührt Körperbild, emotionale und psychosoziale Stabilität — und die Sexualität ist dabei ein zentraler, im medizinischen Alltag aber randständiger Aspekt.

Was fehlt in der Versorgung?

Hier liegt der deutlichste Befund, und er betrifft nicht die Krankheit, sondern die Behandlung. Sexualität wird selten angesprochen, sexualmedizinische Beratung fehlt weitgehend, psychosoziale Unterstützung ist knapp, und Entscheidungen werden selten gemeinsam getroffen.

Was sich die Befragten wünschen, ist eine Begleitung, die medizinische, psychologische und sexualtherapeutische Aspekte verbindet. Die Fachliteratur beschreibt genau das als wünschenswert und notwendig — umgesetzt wird es kaum.

Für Gynäkologie, Physiotherapie, Hausarztpraxis und Sexualberatung ist die Arbeit deshalb vor allem eine Aufforderung, die Frage überhaupt zu stellen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier qualitative Interviews, ausgewertet nach Mayring, entlang von drei forschungsleitenden Hypothesen. Vier Frauen zwischen 37 und 40, alle in heteronormativen Beziehungen — das ist kein Querschnitt der Betroffenen.

Was diese Arbeit leisten kann, ist Tiefe statt Breite: ausführliche Schilderungen mit wörtlichen Zitaten, die zeigen, wie sich die Erkrankung im Alltag und in der Sexualität anfühlt. Die Autorin benennt den Forschungsbedarf zur sexualitätsbezogenen Versorgung bei Endometriose ausdrücklich.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 105 Seiten. Sie enthält den medizinischen Forschungsstand zu Endometriose, den Stand zur sexuellen Gesundheit bei chronischen Erkrankungen, die vollständige Auswertung der vier Interviews mit Zitaten und die Ableitungen für eine betroffenenzentrierte Versorgung.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit untersucht die Auswirkungen der chronischen Erkrankung Endometri- ose auf die Sexualität betroffener Personen, unter besonderer Berücksichtigung psychoso- zialer, körperlicher und medizinischer Einflussfaktoren. Grundlage der Untersuchung sind qualitative Interviews mit vier Betroffenen, die mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (2022) systematisch ausgewertet wurden. Die Analyse orientiert sich an drei for- schungsleitenden Hypothesen und fokussiert auf sexuelle Funktionen, Lustempfinden, Kör- perwahrnehmung sowie Bewältigungsstrategien und Erfahrungen im medizinischen Ver- sorgungskontext. Die Ergebnisse zeigen, dass Endometriose die sexuelle Gesundheit erheblich beeinträch- tigt – insbesondere durch chronische Schmerzen, eine veränderte Körperwahrnehmung und emotionale Belastung. Die Befragten entwickeln individuelle Strategien zur sexuellen Anpassung und greifen teilweise auf komplementäre Therapieformen zurück. Gleichzeitig offenbaren sich deutliche Defizite in der medizinischen Versorgung: Sexualität wird selten thematisiert, sexualmedizinische Beratung fehlt weitgehend, psychosoziale Unterstützung und partizipative Entscheidungsprozesse bleiben eingeschränkt. Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigen deutlich, dass sich Betroffene eine ganzheitlich ausge- richtete Versorgung wünschen, die medizinische, psychologische und sexualtherapeuti- sche Aspekte miteinander verbindet. Diese Form der interdisziplinären Betreuung wird auch in der einschlägigen Literatur als wünschenswert und notwendig beschrieben. In der Praxis wird sie bislang jedoch kaum umgesetzt. Darüber hinaus betont die Arbeit den Forschungs- bedarf hinsichtlich sexualitätsbezogener Versorgung bei Endometriose. Die Ergebnisse lie- fern praxisrelevante Impulse für eine stärkere Berücksichtigung sexueller Gesundheit in der Endometriose-Versorgung und für die Weiterentwicklung bedarfsgerechter Behandlungs- modelle.

Madeleine Wüthrich, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Endometriose – Sexualität mit diagnostizierter Endometriose

Verfasst von
Madeleine Wüthrich

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexualität & Krankheit · Schwangerschaft & Geburt · Vaginismus

Lizenz und Nachweis. Madeleine Wüthrich: «Endometriose – Sexualität mit diagnostizierter Endometriose». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

ADHS und Sexualität in der Paarbeziehung

Manuela Kurz untersucht in der Masterarbeit «ADHS und Sexualität in der Paarbeziehung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

«Ich habe immer das Gefühl, ich spüre meine Beine nicht, ich bin immer irgendwie mit dem Kopf weg.» Der Satz stammt von einer der vier befragten Frauen mit ADHS-Diagnose. Diese Arbeit hat sie und ihre Partner gemeinsam befragt — und findet, dass die Schwierigkeiten in der Paarsexualität sehr genau den Diagnosekriterien folgen.

Warum ist Aufmerksamkeit beim Sex ein Problem?

Ablenkung durch äussere Reize wirkt sich in der Paarsexualität von ADHS-diagnostizierten Frauen sehr stark auf die Aufmerksamkeit aus — stärker als alles andere, was die Arbeit untersucht hat.

Eine Befragte beschreibt, dass gleichzeitiges Geben und Empfangen sie überfordert. Ihre Aufmerksamkeit steigt, wenn sie in die passive Rolle wechselt und gedanklich loslassen kann, im Wissen, dass in diesem Moment nichts von ihr erwartet wird. Bewusst eingesetzter Blickkontakt hilft zusätzlich.

Die Unterschiede zwischen den Frauen sind gross. Eine nimmt ihren Körper so intensiv wahr, dass sie alles um sich herum nicht mehr mitbekommt. Eine andere hat ihren Körper nach eigener Aussage nie richtig gespürt und ist stark im Kopf.

Was hilft konkret?

Die Arbeit leitet daraus einen klaren Ansatz ab: eine maximale Reduktion äusserer Sinnesreize. Erst dann gelingt die körperliche Präsenz, die lustvolles Erleben möglich macht.

Ein zweiter Befund überrascht: Die sexuell erregendsten Begegnungen entstehen, wenn Verantwortung und Kontrolle abgegeben werden. Der Wechsel in die passive Rolle senkt die emotionale Überreagibilität — die Frauen kommen in einen entspannteren Zustand. Die dabei entstehende Dominanz des Partners kann dabei selbst erregend wirken.

Berührung ist ein eigenes Thema. Die Befragten haben eine erhöhte Empfindlichkeit, deren Ausprägung von der Tagesform abhängt. Was gestern angenehm war, kann heute zu viel sein.

Spontan oder geplant?

Hier zeigt sich das desorganisierte Verhalten aus den Diagnosekriterien unmittelbar in der Sexualität. Spontane Begegnungen werden bevorzugt, weil sie im Moment geschehen und sich weniger ablenkende Gedanken einmischen. Geplante Paarsexualität muss dagegen oft erst erlernt werden.

Für Paare hat das eine praktische Folge, die dem üblichen Rat widerspricht: Wenn wenig Raum für Spontaneität bleibt, wirkt sich das für eine Frau mit ADHS negativ aus. Der verbreitete Vorschlag, Sex zu terminieren, geht hier am Problem vorbei.

Geduld ist die grösste Herausforderung. Stimmt der Zeitpunkt nicht, verflüchtigt sich die Lust.

Was ist die Ressource?

Die Arbeit fragt ausdrücklich nicht nur nach Schwierigkeiten. Hohe kognitive Präsenz und gedankliche Kreativität erlauben es den Befragten, sexuelle Begegnungen über Fantasien und Vorstellungen zu intensivieren.

Diese Stärke hat eine Kehrseite, und die Arbeit benennt sie präzise: Die Frauen neigen dazu, mangelnden körperlichen Einsatz gedanklich zu kompensieren und ihre Erregung so zu steigern. Damit verstärken sie die Spannung eines ohnehin erhöhten Grundtonus.

In ihrer negativen Form zeigt sich dieselbe Gedankenkraft als ablenkende Gedanken, oft zusammen mit Affektlabilität — und dann kommt sexueller Austausch gar nicht erst zustande.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier Interviews mit ADHS-diagnostizierten Frauen und ihren Partnerinnen und Partnern, ausgewertet nach Mayring und zugeordnet zu den vier Komponenten des Modells Sexocorporel. Dass beide Seiten befragt wurden, ist für eine Arbeit dieses Umfangs ungewöhnlich und macht die Schilderungen dichter.

Vier Paare sind keine repräsentative Auswahl, und die Ergebnisse gelten für Frauen. Wie sich ADHS bei Männern in der Paarsexualität zeigt, untersucht diese Arbeit nicht.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 115 Seiten. Sie enthält einen Überblick über den Forschungsstand zu ADHS bei Erwachsenen und besonders bei Frauen mit historischen, medizinischen, therapeutischen und diagnostischen Aspekten, die Zuordnung der Wender-Utah-Diagnosekriterien zu den vier Komponenten des Modells Sexocorporel und die vollständige Auswertung der vier Paarinterviews mit Zitaten.

Abstract der Arbeit

Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine neurobiologische Störung, die sich in Konzentrationsstörungen in Verbindung mit Hyperaktivität und impulsivem Handeln zeigt. Diese Masterarbeit gibt einen Überblick über den aktuellen wissenschaftlichen Stand der ADHS von Erwachsenen, insbesondere der ADHS von Frauen und zeigt historische, medizinische, therapeutische und diagnostische Aspekte der ADHS. Sie klärt auf, wie sich die ADHS-Wender-Utah Diagnosekriterien für Erwachsene im Erleben der vier Komponenten des sexualwissenschaftlichen Modells Sexocorporel zeigen und welche Ressourcen und Herausforderungen die ADHS in der Paarsexualität mit sich bringt. In einer qualitativen Untersuchung wurden vier Interviews mit Paaren geführt, um das Erleben der ADHS von ADHS-diagnostizierten Frauen in Bezug zur Paarsexualität zu ermitteln. Die anschliessende Auswertung der qualitativen

Manuela Kurz, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
ADHS und Sexualität : Aspekte der Paarsexualität im Kontext einer ADHS-Diagnose

Verfasst von
Manuela Kurz

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
ADHS · Paarsexualität · Schwangerschaft & Geburt · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Manuela Kurz: «ADHS und Sexualität : Aspekte der Paarsexualität im Kontext einer ADHS-Diagnose». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Oh Baby! Let’s talk about sex

Fabienne Studer untersucht in der Masterarbeit «Oh Baby! Let’s talk about sex» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Ein vierwöchiges Online-Programm für Paare nach der Geburt — und nach dem Programm war messbar nichts besser. Diese Arbeit berichtet ihr Nullergebnis offen, und gerade das macht sie brauchbar: Sie zeigt, woran es lag, und was für Paare in dieser Phase wirklich zählt.

Warum ist Sexualität nach der Geburt so schwierig?

Sie verändert sich auf allen Ebenen gleichzeitig — körperlich, psychisch, sozial, partnerschaftlich. Viele Paare, und vor allem Frauen, fühlen sich darauf unzureichend vorbereitet, und im Alltag bleibt das Thema weitgehend tabu.

Die Arbeit richtet den Blick auf die subjektive Wahrnehmung der eigenen und der partnerschaftlichen sexuellen Zufriedenheit — und darauf, ob sich Intimität und die Kommunikation sexueller Bedürfnisse über sexuelle Lernschritte nach dem Modell Sexocorporel steigern lassen.

Was wurde geprüft?

Die Autorin entwickelte eine ungeleitete Online-Selbsthilfe mit Wissensvermittlung, individuellen Übungen und Übungen zu zweit. Gemessen wurde vor und nach dem Programm mit etablierten Instrumenten: der New Sexual Satisfaction Scale in zwei Unterskalen, Globalskalen zur Beziehungszufriedenheit, einem Fragebogen zu sexuellen Bedenken und der Einschätzung der Zufriedenheit des Partners.

An der Vorher-Messung nahmen 41 Personen teil.

Was kam heraus?

Beim Vergleich vorher und nachher zeigte sich in keiner der geprüften Grössen eine bedeutsame Veränderung — weder bei der selbstfokussierten noch bei der partnerfokussierten sexuellen Zufriedenheit, weder bei der Beziehungszufriedenheit noch bei der sexuellen Kommunikation.

Das Programm hat in dieser Untersuchung also nicht gewirkt, oder die Untersuchung konnte eine Wirkung nicht zeigen. Beides ist möglich, und die Arbeit behauptet nichts anderes.

Aufschlussreich ist dagegen die Vorher-Messung. Dort zeigten sich starke Zusammenhänge zwischen sexueller Zufriedenheit einerseits und der Liebe in der Beziehung, der sexuellen Kommunikation, der eingeschätzten Zufriedenheit des Partners und dem Ausmass der Veränderung nach der Geburt andererseits. Wer wissen will, woran es in dieser Phase hängt, findet hier die Antwort — auch ohne dass das Programm sie verändert hätte.

Was folgt daraus?

Die Arbeit zieht zwei Schlüsse. Erstens: Unterstützung müsste früher ansetzen — Angebote, Information und Aufklärung schon vor der Geburt, nicht erst danach.

Zweitens: Die Forschung ist frauenlastig und müsste den Partner einbeziehen. Studien zu den Einflussfaktoren postpartaler sexueller Funktionsstörungen gibt es reichlich; Untersuchungen dazu, wie sich partnerschaftliche Intimität unter Einbezug beider erhalten lässt, kaum.

Und ein Satz, der in der Beratung mehr wert ist als jedes Programm: Frisch gewordenen Eltern hilft es zu wissen, dass sexuelle Schwierigkeiten in dieser Phase weit verbreitet sind.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Die Stichprobe schrumpfte zwischen Vorher- und Nachher-Messung erheblich, und ein ungeleitetes Selbsthilfeprogramm über vier Wochen ist ein schwacher Eingriff. Ein Nullergebnis unter diesen Bedingungen belegt nicht, dass der Ansatz nicht wirkt.

Die Arbeit ist eine der wenigen, die eine Online-Intervention nach Sexocorporel überhaupt wissenschaftlich geprüft haben — die Autorin weist selbst darauf hin, dass es zum Ansatz nur wenige empirische Belege gibt. Dass sie ein unbequemes Ergebnis vollständig berichtet, statt es zu beschönigen, ist der eigentliche Beitrag.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 119 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zur postpartalen Sexualität, das vollständige Online-Programm, alle eingesetzten Messinstrumente sowie die komplette statistische Auswertung mit Korrelationstabellen und Testergebnissen.

Abstract der Arbeit

Die postpartale Sexualität in einer Partnerschaft ist ein komplexes, vielschichtiges und heraus- forderndes Thema, welches die Individuen auf der physiologischen, psychologischen, sozialen, partnerschaftlichen und sexologischen Ebene unterschiedlich stark prägt. In der Praxis und im Alltag stellt die Thematik rund die postpartale Sexualität noch ein Tabuthema dar. Viele Paare, und vor allem Frauen, fühlen sich auf die Veränderungen in der Sexualität nach der Geburt eines Kindes unzureichend vorbereitet. Der Fokus der vorliegenden Arbeit liegt auf der subjek- tiven Wahrnehmung der eigenen und der partnerschaftlichen sexuellen Zufriedenheit nach der Geburt eines Kindes und der Möglichkeit, die partnerschaftliche Intimität und die Kommuni- kation der sexuellen Bedürfnisse mithilfe von sexuellen Lernschritten anhand des Modell Sexocorporels steigern zu können. Als Unterstützung für diese Forschungsarbeit wurde eine ungeleitete Selbsthilfe mit Wissensvermittlung, individuellen Übungen sowie partnerschaftli- chen Übungen entwickelt und in ihrer Wirksamkeit in Bezug auf die sexuelle Zufriedenheit, die wahrgenommene Nähe und die Kommunikationsfähigkeit geprüft.

Fabienne Studer, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Oh Baby! Let’s talk about sex Online-Selbsthilfe zur Förderung der partnerschaftlichen Sexualität nach der Geburt

Verfasst von
Fabienne Studer

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Schwangerschaft & Geburt · Digitale Medien · Vaginismus · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Fabienne Studer: «Oh Baby! Let’s talk about sex Online-Selbsthilfe zur Förderung der partnerschaftlichen Sexualität nach der Geburt». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Erstvaterschaft – Verlust oder Bestärkung der Männlichkeit?

Janine Amrein untersucht in der Masterarbeit «Erstvaterschaft – Verlust oder Bestärkung der Männlichkeit?» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Werdende Väter finden inzwischen Ratgeber und Kurse, die ihnen bei der neuen Rolle helfen. Zur eigenen Männlichkeit und Sexualität nach der Geburt gibt es kaum etwas — dabei ist genau das die verletzliche Stelle. Diese Arbeit zeigt, warum.

Warum ist diese Zeit heikel?

Die Schwangerschaft und die ersten Monate nach der Geburt des ersten Kindes sind nach dieser Arbeit eine vulnerable Zeit. In dieser Phase muss die eigene Männlichkeit in der neuen Rolle neu definiert werden.

Das kann sich unmittelbar auf die Sexualität auswirken — und ein Grund dafür ist besonders aufschlussreich: Erstväter haben den Eindruck, dass sie ihre Bedürfnisse zurückstecken müssen und sie nicht kommunizieren dürfen.

Diese Selbstbeschränkung ist nachvollziehbar und folgenreich zugleich. Wer davon ausgeht, seine Anliegen seien in dieser Situation unzulässig, spricht sie nicht aus — und bearbeitet sie auch nicht.

Was verändert sich konkret?

Die Arbeit betrachtet biologische, psychische und soziale Veränderungen und ihren Einfluss auf drei Grössen, die im Modell Sexocorporel zentral sind: die sexuelle Selbstsicherheit, das Gefühl der Verbindung zum sexuellen Körper und das Gefühl der Geschlechtszugehörigkeit.

Ausgewertet wurde mit der interpretativen phänomenologischen Analyse — einem Verfahren, das nah am subjektiven Erleben bleibt statt es zu kategorisieren.

Das Ergebnis ist doppelt: Erstvaterschaft kann die Männlichkeit bestärken und sie kann sie infrage stellen. Was eintritt, hängt von individuellen und sozialen Faktoren ab.

Was fehlt im Angebot?

Die Autorin hält fest, dass die Zahl der Ratgeber und der Kurse in Spitälern zunimmt, die werdenden Vätern beim Hineinfinden in die neue Rolle helfen — sie hebt dabei ein Schweizer Projekt ausdrücklich hervor.

Was es kaum gibt, ist Unterstützung bei der eigenen Männlichkeit und Sexualität nach der Geburt: ein Ort, an dem Väter Unsicherheiten, Ängste, Sorgen, Druck und Stress besprechen und reflektieren können.

Genau dort sieht die Arbeit die Aufgabe der Sexualberatung. Das ist eine gut begründete Marktlücke — und eine, die zur Arbeit von Fabienne Studer über die postpartale Sexualität passt, die dieselbe Lücke von der Paarseite her beschreibt.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Qualitative Interviews mit Erstvätern, ausgewertet mit der interpretativen phänomenologischen Analyse. Die Zahl der Befragten ist klein, und wer sich für ein Gespräch über Männlichkeit und Sexualität nach der Geburt meldet, bringt bereits eine gewisse Bereitschaft zur Reflexion mit.

Die Arbeit spricht von einer Korrelation zwischen den Veränderungen und ihren Auswirkungen — nicht von einer nachgewiesenen Ursache. Für die Beratungspraxis ist der Ertrag dennoch klar: Sie benennt, wann die verletzliche Phase liegt und woran sie erkennbar ist.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 93 Seiten. Sie enthält die bio-psycho-soziale Perspektive auf die Erstvaterschaft, die Einordnung in das Modell Sexocorporel, die vollständige Auswertung der Interviews sowie den Überblick über bestehende Angebote für werdende Väter.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit untersucht die Auswirkungen der Erstvaterschaft auf die Männ- lichkeit und Sexualität aus einer bio-psycho-sozialen Perspektive sowie aus der Sicht des Modell Sexocorporel. Ziel der qualitativen Forschung ist es, zu verstehen, wie Männer die Veränderungen in ihrem Selbstbild als Mann und ihrer Sexualität nach der Geburt ihres ersten Kindes erleben. Dazu wurden Interviews mit Erstvätern durchgeführt und mittels interpretativer phänomenologischer Analyse (IPA) ausge- wertet. Die Ergebnisse zeigen, dass Erstvaterschaft sowohl zu einer Bestärkung als auch zu einem Verlust der Männlichkeit führen kann, abhängig von individuellen und sozialen Faktoren. Biologische, psychologische und soziale Veränderungen werden detailliert betrachtet, ebenso wie deren Einfluss auf die sexuelle Selbstsicherheit, das Gefühl der Verbindung zum sexuellen Körper und das Gefühl der Geschlechts- zugehörigkeit. Die Arbeit bietet wertvolle Einblicke in die Herausforderungen und Chancen, die mit der Rolle als Vater einhergehen, und leistet einen Beitrag zum Verständnis der modernen Vaterschaft. This master's thesis examines the effects of first-time fatherhood on masculinity and sexuality from a bio-psycho-social perspective and from the perspective of the sex- ocorporel model. The aim of the qualitative research is to understand how men ex- perience the changes in their self-image as men and their sexuality after the birth of their first child. To this end, interviews were conducted with first-time fathers and evaluated using interpretative phenomenological analysis (IPA). The results show that first-time fatherhood can lead to both an affirmation and a loss of masculinity, depending on individual and social factors. Biological, psychological and social changes are considered in detail, as well as their influence on sexual confidence, the sense of connection to the sexual body and the sense of gender affiliation. The work offers valuable insights into the challenges and opportunities associated with the role of father and contributes to the understanding of modern fatherhood.

Janine Amrein, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Erstvaterschaft – Verlust oder Bestärkung der Männlichkeit? : Qualitative Forschung über die Auswirkung einer Erstvaterschaft auf die Männlichkeit und die Sexualität

Verfasst von
Janine Amrein

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Männlichkeit · Schwangerschaft & Geburt · Selbstwirksamkeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Janine Amrein: «Erstvaterschaft – Verlust oder Bestärkung der Männlichkeit? : Qualitative Forschung über die Auswirkung einer Erstvaterschaft auf die Männlichkeit und die Sexualität». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA3 Masterarbeit

Stillerfahrungen jenseits gesellschaftlicher Stillnormen

Samira Lütscher untersucht in der Masterarbeit «Stillerfahrungen jenseits gesellschaftlicher Stillnormen» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Alle fünf befragten Frauen hatten sich auf das Stillen gefreut und waren davon ausgegangen, es werde ein schönes Erlebnis. Bei allen war die erlebte Lebensqualität während der Stillzeit schlecht. Und alle nennen dieselbe Mitursache: die Literatur, die sie vorher gelesen hatten.

Woher kommt die Enttäuschung?

Nicht allein aus dem, was geschah, sondern aus dem Abstand zwischen Erwartung und Erfahrung. Die Arbeit bringt dafür den Begriff des Calman Gap ins Spiel — die Lücke zwischen Erhofftem und Eingetretenem.

Alle Befragten hatten hohe Erwartungen, und alle nennen die konsultierte Ratgeberliteratur als Mitursache dafür. Da die Realität diesen Erwartungen nicht entsprechen konnte, war die subjektiv erlebte Lebensqualität während der Stillzeit bei allen schlecht.

Das deckt sich mit der Forschungslage: Enttäuschungen während der Stillzeit und die daraus folgende Verurteilung des eigenen Körpers können zu depressiven Symptomen führen.

Was passiert mit den Erwartungen?

Hier liegt der überraschendste Befund. Man würde annehmen, dass die Frauen ihre Erwartungen nach dieser Erfahrung korrigieren. Sie tun es nicht.

Für eine mögliche künftige Stillzeit halten sie an ihren grundsätzlichen Erwartungen fest. Die Autorin fasst es mit dem Satz zusammen, dass die Hoffnung zuletzt stirbt.

Für die Beratung ist das wichtig. Wer glaubt, eine schlechte Erfahrung führe automatisch zu realistischeren Erwartungen, unterschätzt, wie stark die gesellschaftliche Norm wirkt — und wie wenig eine einzelne Erfahrung dagegen ausrichtet.

Was folgt daraus?

Die Arbeit zeigt zunächst, wie wenig unerfüllte Stillerwartungen in der gesellschaftlichen Debatte und im wissenschaftlichen Diskurs vorkommen. Wer damit ringt, findet also weder Sprache noch Gesellschaft.

Im empirischen Teil rekonstruiert sie, wie die Frauen diese Erfahrung beschreiben und wie sie damit umgegangen sind. Anschliessend verortet sie das Thema im Modell Sexocorporel.

Daraus leitet sie ab, was für die sexologische Beratung und Begleitung von Frauen folgt — für ein Thema, das in der Sexualberatung selten auftaucht, obwohl es unmittelbar an Körper, Scham und Selbstbild rührt.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Halbstrukturierte Interviews mit fünf Frauen, die Arbeit ist auf Englisch verfasst. Befragt wurden ausschliesslich Frauen mit unerfüllten Stillerwartungen — die Arbeit beschreibt also diese Erfahrung, nicht ihre Häufigkeit.

Mit 215 Seiten gehört sie zu den ausführlichsten der Sammlung. Der Umfang kommt vor allem dem theoretischen Teil zugute, der ein bislang kaum bearbeitetes Feld erschliesst.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 215 Seiten und ist auf Englisch verfasst. Sie enthält die Aufarbeitung des gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskurses zum Stillen, die vollständige Auswertung der fünf Interviews sowie die Verortung im Modell Sexocorporel.

Abstract der Arbeit

In the theoretical part of this master's thesis, the extent to which unfulfilled breastfeeding expectations are only marginally addressed in the social debate and in scientific discourse is presented. In the subsequent empirical part, semi-structured interviews with five women are used to examine how they describe their experiences in connection with unfulfilled breastfeeding expectations and how they dealt with the experience in each case. Finally, the topic is located in the Sexocorporel model and implications from the theoretical and empirical discussion for sexological counseling and support of women are discussed. HS Merseburg / ISP Uster Samira Lütscher Stillerfahrungen jenseits gesellschaftlicher Stillnormen

Samira Lütscher, Abstract der Masterarbeit, 2022

Angaben zur Arbeit

Titel
Stillerfahrungen jenseits gesellschaftlicher Stillnormen : Eine qualitative Untersuchung über unerfüllte Stillerwartungen und Bezugspunkte zum Modell Sexocorporel

Verfasst von
Samira Lütscher

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3

Jahr
2022

Themen
Schwangerschaft & Geburt · Sexualberatung · Sexualtherapie · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Samira Lütscher: «Stillerfahrungen jenseits gesellschaftlicher Stillnormen : Eine qualitative Untersuchung über unerfüllte Stillerwartungen und Bezugspunkte zum Modell Sexocorporel». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA3 Masterarbeit

Sexuelle Kommunikation von Frauen in heterosexuellen Paarbeziehungen

Liana Joëlle Simovic untersucht in der Masterarbeit «Sexuelle Kommunikation von Frauen in heterosexuellen Paarbeziehungen» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

«Reden Sie darüber» ist der häufigste Rat bei sexuellen Problemen und der unbrauchbarste, weil er nicht sagt, wie. Diese Arbeit hat deshalb Frauen befragt, denen es gelingt — und findet, dass sie im entscheidenden Moment gerade nicht sprechen.

Warum gerade kommunikationsstarke Frauen?

Die Forschungsliteratur macht meist auf die Folgen fehlender sexueller Kommunikation aufmerksam. Diese Arbeit dreht die Frage um: Welches Potenzial liegt in der gelingenden Kommunikation?

Mit dem Modell Sexocorporel als Grundlage lässt sich das Thema fähigkeitsorientiert betrachten. Nebenbei füllt die Arbeit eine Lücke im Modell selbst — die sexuelle Kommunikation führte in der Sexocorporel-Literatur bislang ein Schattendasein.

Wann wird gesprochen und wann nicht?

Hier liegt der praktisch wertvollste Befund. Je nachdem, welcher Zweck verfolgt wird, wählen die Befragten eine andere Art zu kommunizieren — und einen anderen Zeitpunkt.

Den Moment kurz vor oder während einer sexuellen Interaktion nehmen sie grundsätzlich als besonders verletzlich wahr. Dort setzen sie deshalb mehr nonverbale und paraverbale Kommunikation ein: Berührung, Bewegung, Tonfall statt Worte.

Das erklärt, warum der Rat, im Bett offen zu sprechen, so oft ins Leere läuft. Die Befragten meiden diesen Ort nicht aus Scham, sondern weil er der ungeeignetste ist.

Wovor schützt das Schweigen?

Vor zwei Dingen zugleich, und das macht den Befund interessant.

Erstens schützt nonverbale Kommunikation die Frauen selbst vor möglicher Ablehnung — etwa dann, wenn sie eine sexuelle Interaktion initiieren. Was nicht ausgesprochen wurde, kann nicht ausdrücklich zurückgewiesen werden.

Zweitens wollen sie damit ihren Partner schützen, der eine Botschaft als Kritik auffassen könnte — etwa bei Hinweisen zur Erregung. Nonverbale Kommunikation ist hier also nicht Vermeidung, sondern Rücksicht.

Für die Beratung heisst das: Es lohnt sich, mit Paaren nicht nur zu klären, ob gesprochen wird, sondern wann und wie.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier halbstandardisierte Interviews mit heterosexuellen Frauen, die sich selbst als kommunikationsstark einschätzen, ausgewertet über eine qualitative Inhaltsanalyse.

Diese Auswahl ist gewollt und zugleich die Grenze: Die Arbeit beschreibt, was bei denen funktioniert, bei denen es funktioniert. Ob dasselbe Vorgehen bei Frauen wirkt, die sich schwerer tun, zeigt sie nicht. Beide Vorannahmen der Autorin liessen sich bestätigen — was bei so kleiner Fallzahl auch heisst, dass sie kaum widerlegbar waren.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 103 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu sexueller Kommunikation, die Einordnung in das Modell Sexocorporel, die vollständige Auswertung der vier Interviews und die Diskussion fördernder wie hemmender Faktoren.

Abstract der Arbeit

In der vorliegenden Masterarbeit wird der Frage nachgegangen, wie sich die sexuelle Kommunikation von kommunikationsstarken Frauen in heterosexuellen Beziehungen gestaltet. Die Untersuchung basiert auf dem theoretischen Modell Sexocorporel, das einen ganzheitlichen und fähigkeitsorientierten Blick auf das Konzept der sexuellen Kommunikation ermöglicht und es mit anderen Faktoren der Sexualität in Beziehung setzt. Um die Forschungsfrage zu beantworten, wurden vier qualitative halb-standar- disierte Interviews durchgeführt, welche anschliessend anhand einer qualitativen In- haltsanalyse ausgewertet wurden. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass die sexu- elle Kommunikation für die Befragten eine Ressource in der Paarsexualität darstellen. Des Weiteren geht hervor, dass je nach Zweck der sexuellen Kommunikation eine andere Kommunikationsweise verwendet und ein anderer Zeitpunkt gewählt wird. Schliesslich zeigt sich, dass andere Faktoren des Modells Sexocorporel in Bezug auf die sexuelle Kommunikation als hemmend oder fördernd wahrgenommen werden.

Liana Joëlle Simovic, Abstract der Masterarbeit, 2022

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexuelle Kommunikation von Frauen in heterosexuellen Paarbeziehungen : Eine qualitative Untersuchung von kommunikationsstarken Frauen auf Basis des Modells Sexocorporel

Verfasst von
Liana Joëlle Simovic

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3

Jahr
2022

Themen
Sexuelle Kommunikation · Paarsexualität · Schwangerschaft & Geburt · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Liana Joëlle Simovic: «Sexuelle Kommunikation von Frauen in heterosexuellen Paarbeziehungen : Eine qualitative Untersuchung von kommunikationsstarken Frauen auf Basis des Modells Sexocorporel». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Sexualität im Übergang zur Elternschaft

Céline Olivier untersucht in der Masterarbeit «Sexualität im Übergang zur Elternschaft» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Der Übergang zur Elternschaft verändert Beziehung und Sexualität oft dramatisch. Diese Arbeit fragt nicht, was dabei verlorengeht, sondern das Gegenteil: Welche Rolle spielt die Sexualität als Ressource, um dieses Lebensereignis zu bewältigen?

Warum die Frage nach der Ressource?

Die Forschung zum Übergang zur Elternschaft beschreibt meist Verluste — weniger Zeit, weniger Schlaf, weniger Sexualität. Diese Arbeit ist von der positiven Psychologie und von Resilienz-Modellen inspiriert und dreht die Richtung um.

Untersucht werden bio-psycho-soziale Veränderungen auf zwei Ebenen zugleich: bei der einzelnen Person und in der Paarbeziehung. Im Zentrum steht, wie Identitätsentwicklung und Paarsexualität zusammenwirken.

Theoretisch stützt sich die Arbeit auf die Erkenntnisse zum sexuellen Handeln und sexuellen Lernen des Modells Sexocorporel sowie auf entwicklungspsychologische Modelle.

Welche Ressourcen tragen durch diese Zeit?

Die Auswertung zeigt, dass Paare Ressourcen auf mehreren Ebenen aktivieren: auf der persönlichen Ebene und der Identität, auf der Paarebene und auf der sexuellen Ebene.

Konkret benennt die Arbeit sechs Faktoren: Zeit für Zweisamkeit und gemeinsames Erleben; eine klare Abgrenzung zwischen Paarbeziehung — zumindest aber Paarsexualität — und Elternschaft; der Wille zur Autonomie; Vertrautheit und Nähe, emotional wie genital; Neugier und Lust im weiteren Sinn, also Abenteuerlust und Lebendigkeit; und Kommunikation.

Die klare Abgrenzung verdient Beachtung. Sie widerspricht der Vorstellung, Elternschaft und Paarsein liessen sich verschmelzen — und benennt eine Trennung als Ressource, nicht als Mangel.

Was ist das Schlüsselelement?

Die sexuelle Kommunikation. Der offene Austausch über sexuelle Bedürfnisse und Wünsche, über das emotionale Erleben und über die Wahrnehmung des Partners ist nach dieser Arbeit das Schlüsselelement für Aufbau und Weiterentwicklung der Paarsexualität.

Dass sich Zufriedenheit mit der Partnerschaft und Zufriedenheit mit der Paarsexualität in vielen Fällen direkt entsprechen, kommt hinzu — beides lässt sich nicht getrennt bearbeiten.

Für die Beratung von Paaren in dieser Lebensphase ist damit ein Ansatzpunkt benannt, der nicht bei der Häufigkeit ansetzt, sondern beim Gespräch darüber.

Wie wurde vorgegangen?

Über eine qualitative Studie mit Interviews. Befragt wurden drei heterosexuelle Paare, die den Übergang zur Elternschaft erlebt haben — jeweils beide Partner einzeln.

Dass beide Seiten zu Wort kommen, ist für eine Arbeit dieses Umfangs ungewöhnlich und macht die Schilderungen dichter. Ausgewertet wird entlang der Komponenten des Modells Sexocorporel und der zugrunde gelegten entwicklungspsychologischen Rahmenmodelle.

Alle Namen und Ortschaften sind aus Datenschutzgründen anonymisiert oder geändert; die Paare erscheinen durchgehend unter Pseudonymen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Drei Paare, also sechs Interviews. Das erlaubt keine Aussagen über Häufigkeiten — was die Arbeit auch nicht beansprucht.

Wer sich auf ein Interview über die eigene Sexualität nach der Geburt einlässt, gehört zudem wahrscheinlich zu den Paaren, bei denen darüber gesprochen werden kann. Die Arbeit widmet der Kritik und den weiterführenden Fragestellungen ein eigenes Kapitel.

Ihr Wert liegt in der Blickrichtung. Sie fragt nach dem, was trägt — und liefert damit für die Beratung brauchbarere Anhaltspunkte als eine weitere Aufzählung dessen, was schwierig wird.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 204 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zur Sexualität heterosexueller Paare im Übergang zur Elternschaft, den entwicklungspsychologischen Rahmen, die Darstellung der relevanten Modelle, die vollständige Auswertung der drei Paarinterviews samt Kurzporträts sowie ein eigenes Kapitel zu Kritik und offenen Fragen.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit bietet einen Überblick über den aktuellen Stand der Wissenschaft hinsichtlich der Sexualität heterosexueller Paare im Übergang zur Elternschaft, sowie eine qualitative Untersuchung in der Form von Interviews über die Sexualität als Ressource für die Bewältigung dieses Lebensereignis. Der Übergang zur Elternschaft ist ein einschneidendes Lebensereignis, welches oftmals mit dramatischen Veränderungen von Beziehung und Sexualität einhergeht. Inspiriert von der positiven Psychologie und Resilienz-Modellen werden bio-psycho-soziale Veränderungen auf der individuellen Ebene und der Paarbeziehung untersucht. Es wird gezeigt, wie Identitätsentwicklung und die Paarsexualität interagieren und analysiert, welche spezifischen Faktoren – insbesondere im Rahmen der Sexualität – in diesem Übergang unterstützend wirken. Basierend auf den Erkenntnissen zum sexuellen Handeln und sexuellen Lernen des Modells Sexocorporel sowie verschiedenen entwicklungspsychologischen Modellen wurde eine qualitative Studie entworfen und durchgeführt. Es wurde untersucht, welche Komponenten des Sexocorporel unterstützend wirken und wie die jeweiligen Paare den Übergang zum Eltern-werden erlebt haben.

Céline Olivier, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexualität im Übergang zur Elternschaft – Faktoren für die Bewältigung eines Lebensereignisses

Verfasst von
Céline Olivier

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Schwangerschaft & Geburt · Paarsexualität · Sexuelle Kommunikation · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Céline Olivier: «Sexualität im Übergang zur Elternschaft – Faktoren für die Bewältigung eines Lebensereignisses». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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Die gestützte Selbstbeobachtung des weiblichen Zyklus

Caroline Fux untersucht in der Masterarbeit «Die gestützte Selbstbeobachtung des weiblichen Zyklus» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Drei Frauen kolorierten einen Zyklus lang täglich zehn Minuten Malvorlagen zum Thema Menstruation. Danach war ihr Bewusstsein für Zyklus und Genital deutlich gestiegen — die Menstruationsbeschwerden aber unverändert. Diese Arbeit berichtet beides und benennt zudem eine Bedingung, die leicht zu übersehen ist.

Was wurde gemacht?

Drei Frauen, die gewöhnlich unter starken Menstruationsbeschwerden leiden, malten über einen ganzen Zyklus hinweg täglich zehn Minuten in einem Malbuch mit Bildern zum Thema Menstruation.

Vor und nach diesem Zyklus wurden sie zu Menstruation, Zyklus und genitalem Selbstbild befragt; die Gespräche wurden qualitativ inhaltsanalytisch ausgewertet, ergänzt durch einen Fragebogen.

Die Zeitvorgabe hat sich als sinnvoll bemessen erwiesen. Zehn Minuten reichen, um in die Tätigkeit einzutauchen und von der entspannenden Wirkung zu profitieren.

Was hat sich verändert — und was nicht?

Das Bewusstsein für den eigenen Zyklus und das eigene Genital stieg deutlich, und die Frauen bewerteten das positiv. Auch verschiedene Bewertungen in den Bereichen Zyklus, Menstruation und genitales Selbstbild verbesserten sich.

Auf die Menstruationsbeschwerden hatte das Malen nach Angabe der Teilnehmerinnen keinen Einfluss. Die Arbeit verspricht also keine medizinische Wirkung — und das ist ein Vorzug.

Was die Frauen hervorhoben: Das tägliche Malen über den ganzen Zyklus wirkte entspannend und zentrierend.

Die Bedingung, die leicht übersehen wird

Die Autorin formuliert ihre Schlussfolgerung mit einer Einschränkung, die für jede Anwendung entscheidend ist: Die positiven Effekte zeigten sich, wenn das Malen durch ein Rahmenprogramm begleitet wurde — in diesem Fall durch die Interviews und den Fragebogen.

Ob die Malvorlagen für sich allein im Alltag dasselbe bewirken, ist damit offen. Das gesteigerte Bewusstsein dürfte die Selbstbeobachtung erleichtern und eine gute Grundlage für sexualtherapeutische Interventionen sein — als begleitetes Angebot, nicht als Selbstläufer.

Erste Hinweise gibt es zudem darauf, dass sich die Malvorlagen für Personen in einem breiten Altersspektrum eignen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Drei Teilnehmerinnen ohne Kontrollgruppe. Die Autorin benennt selbst, dass weitere Forschung nötig ist, um zu klären, unter welchen Umständen sich der Einsatz im Alltag lohnt.

Bemerkenswert ist die Trennschärfe: Wo eine Wirkung ausblieb, steht das im Ergebnis. Die Arbeit ist auf Deutsch und Englisch abgefasst.

Für die sexuelle Bildung ist der Befund dennoch brauchbar. Er zeigt, dass niederschwellige, körperbezogene Übungen etwas verändern können — an der Wahrnehmung, nicht am Symptom.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 74 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu Zykluswahrnehmung und genitalem Selbstbild, die Beschreibung des Vorgehens mit den Malvorlagen sowie die vollständige Auswertung der Interviews vor und nach dem Zyklus.

Abstract der Arbeit

Für diese Untersuchung haben drei Frauen einen Zyklus lang jeweils während zehn Minuten pro Tag Malvorlagen koloriert, die Bilder zum Thema Menstruation zeigen. Vor und nach dem begleiteten Zyklus wurden sie zu den Themen Zyklus, Menstruation und ihrem genitalem Selbstbild befragt. Ihre Aussagen wurden durch eine qualitative Inhaltsanalyse ausgewertet. Die Untersuchung konnte zeigen, dass das Bewusstsein der Frauen für ihren Zyklus und ihr Genital durch die Studie anstieg, was die Frauen positiv bewerteten. Alle drei Frauen erleben normalerweise starke Menstruationsbeschwerden. Auf diese hatte das Malen gemäss den Teilnehmerinnen keinen Einfluss, die Frauen betonten jedoch, dass sie das tägliche Malen während des ganzen Zyklus entspannte und zentrierte. For this study three women used a menstruation-themed coloring book for one menstruation cycle. They were coloring for ten minutes every day. Before and after this cycle they were interviewed about the topics menstruation, cycle and genital self-image. The transcripts of those interviews were analyzed with qualitative content analysis. This study could show that the awareness of their cycles and their genital was raised by the daily coloring, which the women experienced as highly beneficial. All women partaking in this study usually suffer from quite severe menstrual pain. According to them the coloring did not affect this pain, but the women stressed, that the coloring helped them to relax and to find focus.

Caroline Fux, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Die gestützte Selbstbeobachtung des weiblichen Zyklus – Wie Frauen ihren Zyklus, ihre Menstruation und ihr Genital erleben, wenn sie sich einen Zyklus lang mit Hilfe eines Mediums täglich damit beschäftigen

Verfasst von
Caroline Fux

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Verhütung · Genitales Selbstbild · Schwangerschaft & Geburt

Lizenz und Nachweis. Caroline Fux: «Die gestützte Selbstbeobachtung des weiblichen Zyklus – Wie Frauen ihren Zyklus, ihre Menstruation und ihr Genital erleben, wenn sie sich einen Zyklus lang mit Hilfe eines Mediums täglich damit beschäftigen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Sexuelle Lust und Unlust von Frauen im Zusammenhang mit hormoneller Empfängnisverhütung

Christina Schnurrenberger untersucht in der Masterarbeit «Sexuelle Lust und Unlust von Frauen im Zusammenhang mit hormoneller Empfängnisverhütung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

«Seit ich die Pille nehme, ist die Lust weg» — der Satz fällt in Beratungen regelmässig, und ebenso regelmässig bleibt offen, was daran am Hormon liegt. Diese Arbeit nimmt einen zweiten Faktor dazu, der sonst getrennt behandelt wird: das erlernte körperliche Verhalten in der Sexualität.

Warum zwei Faktoren statt einem?

Weil beide gleichzeitig wirken. Die hormonelle Empfängnisverhütung greift in den Hormonhaushalt ein — und wie eine Frau ihren Körper beim Sex einsetzt, ist erlernt und veränderbar.

Wer nur auf das Präparat schaut, hat für den Fall, dass ein Wechsel nichts bringt, keine zweite Karte. Genau darum geht es dieser Arbeit: den Blick auf beides zu richten.

Untersucht werden dabei nicht «Lust» als Ganzes, sondern drei Grössen getrennt — sexuelles Verlangen, sexuelles Vergnügen und sexuelle Motivation.

Was hat die Befragung ergeben?

Die Aussagen der sechs befragten Frauen im gebärfähigen Alter stützen die Annahme: Sowohl die hormonelle Empfängnisverhütung als auch das erlernte körperliche Verhalten können sich auf die sexuelle Lust auswirken.

Aufschlussreicher ist der Zusammenhang zwischen den drei Grössen. Das sexuelle Vergnügen kann auf das Verlangen und auf die Motivation wirken — und die Motivation wiederum auf das Verlangen.

Das ist keine Nebensache, sondern eine andere Reihenfolge als die vertraute. Nicht das Verlangen führt zum Vergnügen, sondern das Vergnügen kann Verlangen erzeugen. Wer wartet, bis Lust da ist, wartet womöglich am falschen Ende.

Was heisst das für die Beratung?

Wenn eine Frau nach einem Wechsel des Verhütungsmittels fragt, ist das eine legitime Frage — aber selten die einzige. Diese Arbeit zeigt, wo daneben anzusetzen wäre: beim körperlichen Verhalten während der Erregung, das sich erlernen und verändern lässt.

Die Autorin ist bei der Reichweite ihrer Daten ausdrücklich vorsichtig. Sechs Interviews erlauben keine allgemeinen Schlüsse; um kausale Zusammenhänge zwischen Einflussfaktoren und sexueller Lust allgemeingültig zu formulieren, brauche es eine deutlich grössere Teilnehmerzahl. Sie benennt diesen Forschungsbedarf selbst.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine Aufarbeitung des Forschungsstands verbunden mit einer qualitativen Befragung von sechs Frauen im gebärfähigen Alter.

Ein methodischer Punkt verdient Beachtung: Die Leitfragen liessen sich den Befragten nicht direkt stellen — niemand kann aus dem Stand sagen, ob ein Präparat seine sexuelle Motivation beeinflusst. Sie wurden deshalb in Interviewfragen übersetzt. Die Auswertung ist damit eine Deutung von Schilderungen, keine Messung.

Was die Arbeit leistet, ist die Verbindung zweier Erklärungswege, die sonst getrennt verhandelt werden.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 151 Seiten. Sie enthält die Aufarbeitung früherer Forschung zu hormoneller Verhütung und sexueller Lust, die theoretischen Grundlagen zum erlernten körperlichen Verhalten sowie die vollständige Auswertung der sechs Interviews.

Abstract der Arbeit

Abstrakt Einführung: In der Masterarbeit fasst die Verfasserin die Ergebnisse anderer Forschungen und die Ergebnisse eigener Untersuchungen zum Thema der beiden Faktoren zusammen, welche die sexuelle Lust bei Frauen beeinflussen – die hormonelle Empfängnisverhütung und das erlernte körperliche Verhalten in der Sexualität. Methodik: Forschungsarbeit mit Aufarbeitung der Ergebnisse früherer, von anderen durchgeführter Forschungen und der Ergebnisse der eigenen Untersuchung mittels qualitativer Befragung von sechs Frauen im gebärfähigen Alter. Ergebnis: Aufgrund der bei der Befragung erhaltenen Antworten wurde aufgezeigt, dass die hormonelle Empfängnisverhütung und das erlernte körperliche Verhalten in der Sexualität Einfluss auf die sexuelle Lust haben können (auf das sexuelle Verlangen und das sexuelle Vergnügen). Der Untersuchung nach kann das sexuelle Vergnügen Auswirkungen auf das sexuelle Verlangen und die sexuelle Motivation haben. Gleichermassen wirkt sich die sexuelle Motivation auf das sexuelle Verlangen aus. Schlussfolgerung: Die hormonelle Empfängnisverhütung und das erlernte körperliche Verhalten können sich auf das sexuelle Verlangen, das sexuelle Vergnügen und die sexuelle Motivation bei Frauen auswirken. Da die Befragung jedoch lediglich unter Mitwirkung von sechs Frauen durchgeführt wurde, ist eine weiterführende Forschung notwendig, um unter Einbindung einer höheren Anzahl an Frauen allgemeine Schlussfolgerungen ziehen zu können. Mit einer erhöhten Teilnehmerzahl könnten die kausalen Zusammenhänge zwischen Einflussfaktoren und sexueller Lust allgemeingültig formuliert werden.

Christina Schnurrenberger, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexuelle Lust und Unlust von Frauen im Zusammenhang mit hormoneller Empfängnisverhütung und erlerntem körperlichem Verhalten in der Sexualität

Verfasst von
Christina Schnurrenberger

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Verhütung · Sexuelles Verlangen · Schwangerschaft & Geburt

Lizenz und Nachweis. Christina Schnurrenberger: «Sexuelle Lust und Unlust von Frauen im Zusammenhang mit hormoneller Empfängnisverhütung und erlerntem körperlichem Verhalten in der Sexualität». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Sexocorporel und Soziale Arbeit

Katrin Lukas untersucht in der Masterarbeit «Sexocorporel und Soziale Arbeit» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

In jeder Beratung sitzen zwei Körper. Die Soziale Arbeit denkt ihre Beratungsbeziehung meist über Sprache, Haltung und Methode — den Körper der Fachkraft und den der Klientin klammert sie eher aus. Diese Arbeit macht genau das zum Thema.

Was ist mit «Körperwissen» gemeint?

Die Arbeit stützt sich auf drei Gesetzmässigkeiten des Körpers, die das Modell Sexocorporel beschreibt: Raum, Tonus und Rhythmus. Sie beeinflussen Wahrnehmung und Lustempfinden und erweitern über Selbstbeobachtung und Selbstaufmerksamkeit das individuelle Körperwissen.

Entscheidend ist die Richtung dieser Beziehung: Die drei Gesetze bestimmen das Erleben — und lassen sich willentlich beeinflussen. Wer den Tonus verändert, verändert die Wahrnehmung.

Theoretisch verortet die Autorin das Körperwissen über Bourdieus Habitus-Konzept und die Embodiment-Theorie.

Warum ist die Unterscheidung von explizitem und implizitem Körper wichtig?

Das Modell Sexocorporel betrachtet beide getrennt. Damit lassen sich Körperwahrnehmungen unterscheiden und entweder den inneren leiblichen Vorgängen oder den äusseren, am Körper sichtbaren Ausdrücken zuordnen.

Diese Trennung verweist zugleich auf ihren Zusammenhang — und darin liegt der Ertrag für die Beratung. Der Zusammenhang macht auf die Möglichkeit der Spiegelung aufmerksam.

Spiegelung ist in sozialer Interaktion und Kommunikation von Bedeutung: Stimme und Körperausdruck wirken auf das Gegenüber, ob beabsichtigt oder nicht. Wer sie bei sich selbst unterscheiden kann, gestaltet die Beratungsbeziehung bewusster.

Was folgt daraus für die Soziale Arbeit?

Die Autorin schlägt vor, die körperliche Ebene zu einer zentralen Ebene der Beratung zu machen. Dann lassen sich Prozess, Interaktion und Arbeitsbeziehung bewusster gestalten.

Für die geschlechterreflexive Beratung heisst das konkret: Die aus dem Körperwissen resultierenden Fähigkeiten unterstützen beratungsaufsuchende Menschen dabei, das Leben innerhalb bestehender Geschlechter- und Machtverhältnisse zu bewältigen, zu gestalten und zu verändern.

Damit richtet sich die Arbeit an Fachpersonen der Sozialen Arbeit, die sexologisches Wissen nicht als Spezialgebiet verstehen wollen, sondern als Teil ihres Handwerks.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Es handelt sich um eine überwiegend theoretische Arbeit, die sexologisches Modellwissen mit sozialwissenschaftlicher Theorie verbindet. Eine empirische Prüfung, ob Beratungen mit diesem Zugang anders verlaufen, gibt es nicht.

Was sie leistet, ist eine Übersetzungsarbeit zwischen zwei Disziplinen, die selten miteinander sprechen — und ein begründeter Vorschlag, wo die Verbindung ansetzen könnte.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 103 Seiten. Sie enthält die Grundlagen zu Körperwissen, Habitus und Embodiment, die Darstellung der drei Gesetze des Körpers nach Sexocorporel sowie die Ableitungen für die geschlechterreflexive Beratung in der Sozialen Arbeit.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit geschlechterreflexiver Beratung in der Sozialen Arbeit und geht der Frage nach, wie das Körperwissen durch Sexocorporel die Handlungskompetenzen der Professionellen erweitert und gelingende Beratung ermöglicht. Im Beratungssetting sind die Fachkräfte mit dem eigenen (Geschlechts-)Körper und dessen Handeln, Denken, Fühlen und Erleben konfrontiert und treffen zudem auf den (Geschlechts-)Körper der beratungsaufsuchenden Person. Damit gestaltet das Handeln, Denken, Fühlen und Erleben der Körper die Beratungsinteraktion und wirkt sich auf die Beratungsbeziehung aus. Deshalb soll in dieser Arbeit das Wissen über den Körper als Beratungsressource untersucht werden. Das Körperwissen kann als Wissen des Körpers verstanden werden und wird mit Bezug auf Bourdieus Habitus-Konzept und der Embodiment-Theorie vorgestellt. Dieses Körperwissen spielt in der geschlechterreflexiven Beratung eine Rolle für Klient_in und Fachkraft. Die aus dem Körperwissen resultierenden Fähigkeiten unterstützen das beratungsaufsuchende Individuum das Leben innerhalb der Geschlechter- und Machtverhältnisse zu bewältigen, zu gestalten und zu verändern. Für die Professionellen der Sozialen Arbeit kann dieses Körperwissen in der Beratungspraxis bewusst für den Prozess, die Interaktion und die Arbeitsbeziehung eingesetzt werden. Das sexologische Modell Sexocorporel besteht aus Methoden um das Körperwissen zu erweitern und kann gewinnbringend ins professionelle Handeln einbezogen werden. So können mit dem Sexocorporel-Konzept wichtige Variablen einer Beratungsbeziehung vertieft werden, der Beratungsprozess als Erkenntnis- und Lernprozess bewusst gestaltet und die Handlungskompetenzen der Fachkräfte erweitert werden. Dies kann gelingen indem die körperliche Ebene eine zentrale Ebene in der Beratung wird. Dadurch werden Chancen und Potenziale für die Beratung und hier besonders für die geschlechterreflexive Beratung in der Sozialen Arbeit eröffnet.

Katrin Lukas, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexocorporel und Soziale Arbeit : Die Bedeutung von Körperwissen durch Sexocorporel für die geschlechterreflexive Beratung in der Sozialen Arbeit

Verfasst von
Katrin Lukas

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Soziale Arbeit · Schwangerschaft & Geburt · Sexualtherapie · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Katrin Lukas: «Sexocorporel und Soziale Arbeit : Die Bedeutung von Körperwissen durch Sexocorporel für die geschlechterreflexive Beratung in der Sozialen Arbeit». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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