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MA2 Masterarbeit

Die Bedeutung sexueller Fantasien in der Sexualberatung nach Sexocorporel

Jessica Müller untersucht in der Masterarbeit «Die Bedeutung sexueller Fantasien in der Sexualberatung nach Sexocorporel» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Sexuelle Fantasien kommen in der Beratung oft zur Sprache — und ebenso oft weiss die Fachperson nicht recht, was damit anzufangen ist. Diese Arbeit fragt drei Sexualberater*innen, die nach Sexocorporel arbeiten, wie sie damit umgehen. Ihre erste Antwort: Eine saubere Definition gibt es nicht.

Was ist eine sexuelle Fantasie?

Weder in der Literatur noch bei den Befragten findet sich eine einheitliche Definition. Die Autorin beschreibt das Verhältnis treffend als gemeinsamen Kern mit unterschiedlichen Blüten drumherum.

Auch eine Kategorisierung scheitert. Die Inhalte sexueller Fantasien weisen jeweils Aspekte mehrerer Kategorien gleichzeitig auf, sodass eine eindeutige Systematisierung nicht möglich ist.

Für die Beratung ist das keine akademische Feststellung. Wer nach Fantasien fragt, sollte nicht voraussetzen, dass alle dasselbe meinen — die Klärung ist Teil des Gesprächs.

Körperliche oder emotionale Erregung?

Hier liegt eine begriffliche Unterscheidung, die die Arbeit klarer trifft als ein Grossteil der Literatur. Sexuelle Fantasien stehen in direktem Zusammenhang mit der emotionalen Erregung und können sie auslösen.

Der Forschungsstand stützt das: Fantasien können sowohl die physiologischen als auch die psychologischen Anteile der sexuellen Reaktion beeinflussen, etwa indem beim Auftreten einer Fantasie Gefühle fokussiert werden.

Die Autorin weist darauf hin, dass viele Autor*innen schlicht von sexueller Erregung sprechen, ohne kenntlich zu machen, ob körperliche, emotionale oder beides gemeint sind. Wer die beiden trennt, kann in der Beratung anders arbeiten.

Welche Interventionen bieten sich an?

Aus den Interviews treten sechs Themen hervor, darunter die Fantasie als Teil des Körpers, ihr Verhältnis zum Bedürfnis nach genitaler Erregung, ihre Rolle in der Paarbeziehung — und die Fantasie als Möglichkeitsform: können statt sein.

Die Arbeit zeigt, dass sich rund um Fantasien verschiedene Interventionen anbieten, die beraterisch vielseitig einsetzbar sind.

Bemerkenswert ist der Umgang mit der Scham, die im Zusammenhang mit Fantasien fast immer auftaucht. Sie wird nicht als Hindernis behandelt, das wegzuräumen wäre, sondern als etwas, das seine Sinnhaftigkeit hat und beraterisch genutzt werden kann.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Drei Interviews mit Sexualberater*innen, die nach dem Sexocorporel-Ansatz arbeiten, ausgewertet nach einer an der Grounded Theory orientierten Methode.

Befragt wurde damit eine sehr spezifische Gruppe — Fachpersonen eines Ansatzes. Wie Beraterinnen anderer Schulen mit Fantasien arbeiten, zeigt die Arbeit nicht, und sie beansprucht es auch nicht.

Der Ertrag liegt in der theoretischen Einbettung: Der Begriff wird über kognitive Psychologie, Sexualwissenschaft, systemische Therapie und Sexoanalyse verortet, bevor die Praxis zu Wort kommt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 93 Seiten. Sie enthält die theoretische Einbettung des Konzepts der sexuellen Fantasie, die vollständige Auswertung der drei Interviews entlang der sechs Themenbereiche sowie die Diskussion der Scham als beraterische Ressource.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersuchte die Frage, welche Bedeutung sexuelle Fantasien in der Sexualberatung nach Sexocorporel haben. Dabei wurde den Fragen nachgegangen, wie sexuelle Fantasien innerhalb des Modells zu verstehen sind und welche beraterischen Interventionen sich rund um sexuelle Fantasien in der Sexualberatung nach Sexocorporel anbieten. Zur theoretischen Einbettung des Konzepts der sexuellen Fantasie, wurden Literatur und Studien aus den Bereichen der kognitiven Psychologie, der Sexualwissenschaft, der systemischen Therapie, bezüglich der Sexoanalyse und des Modells Sexocorporel hinzugezogen. Um die Fragestellungen zu beantworten wurden Expert*inneninterviews mit drei Sexualberater*innen durchgeführt, welche nach dem Sexocorporel-Ansatz arbeiten. Basierend auf einer qualitativen Auswertungsmethode nach Bogner, Littig, und Menz (2014), welche sich an der Grounded-Theory-Methodologie orientiert, wurden die Interviews kodiert und ausgewertet. Aus den Daten ergaben sich folgende zentrale Themen: Offenheit der Definition sexueller Fantasien; Sexuelle Fantasie als Teil des Körpers; Sexuelle Fantasien und das Bedürfnis nach genitaler Erregung; Sexuelle Fantasien im Kontext der Paarbeziehung; Sexuelle Fantasie als Möglichkeitsform – können statt sein; Vielfalt der Interventionen. Die vorliegende Arbeit zeigt auf, dass sich rund um sexuelle Fantasien verschiedene Interventionen anbieten, die beraterisch vielseitig eingesetzt werden können. Es wird diskutiert, dass auch die Scham, häufig im Zusammenhang mit sexuellen Fantasien auftretend, ihre Sinnhaftigkeit hat und beraterisch genutzt werden kann.

Jessica Müller, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Die Bedeutung sexueller Fantasien in der Sexualberatung nach Sexocorporel

Verfasst von
Jessica Müller

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Sexuelle Fantasien · Sexualberatung · Paarsexualität · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Jessica Müller: «Die Bedeutung sexueller Fantasien in der Sexualberatung nach Sexocorporel». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Sexuelle Lust von Frauen im Alter von 40+ in langfristigen Beziehungen

Katja Merk untersucht in der Masterarbeit «Sexuelle Lust von Frauen im Alter von 40+ in langfristigen Beziehungen» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Frauen, bei denen die Lust nach zwanzig Jahren Beziehung noch da ist, haben kein Glück gehabt. Sie tun etwas dafür. Das ist der Kernbefund dieser Arbeit — und er widerspricht der verbreiteten Annahme, sexuelle Lust sei eine Eigenschaft, die man hat oder eben nicht.

Was aktiviert sexuelle Lust in einer langen Beziehung?

Drei Frauen über vierzig, alle seit mehr als zwanzig Jahren in derselben Beziehung, wurden ausführlich befragt. Was sie beschreiben, ist konkret und erlernbar.

Der Zugang zum eigenen Geschlecht und eine hohe sexuelle Selbstsicherheit wirkten sich deutlich positiv auf die Lust aus. Dazu kommt der Einsatz des Körpers während der Erregung: Bewegung, der Wechsel von Anspannung und Entspannung sowie tiefe Atmung aktivieren und steigern die Lust.

Voraussetzungen nennen die Befragten ebenfalls beim Namen — nicht gestresst sein, sich hingeben können, einen freien Kopf haben. Und die Wahrnehmung beim eigenen Körper zu halten statt beim Partner. Weiter aktivieren sie ihre Lust über sexuelle Fantasien und über Emotionen, die etwa Filme oder Musik auslösen.

Kommt die Lust vor oder nach der Erregung?

Hier liegt der Befund, der die verbreitete Erwartung am deutlichsten verschiebt. Anders als am Anfang einer Beziehung stellt sich die Lust bei den Befragten häufig erst nach der sexuellen Erregung ein — nicht davor.

Das hat praktische Folgen. Wer darauf wartet, Lust zu verspüren, bevor er sich auf Sexualität einlässt, wartet unter Umständen auf etwas, das sich in dieser Reihenfolge gar nicht mehr einstellt. Die anfängliche Verliebtheit, aus der sich die Lust am Beginn einer Beziehung speist, lässt mit der Zeit nach — was danach kommt, funktioniert anders.

Und was in einer Begegnung gelingt, wirkt weiter: Die Befragten beschreiben, dass eine gute Erfahrung die Lust auf die nächste erhöht.

Spielt das Alter eine Rolle?

Kaum. Nach den Ergebnissen dieser Arbeit ist nicht das tatsächliche Alter der Frau entscheidend, sondern die Dauer der Beziehung. Was verlorengeht, ist nicht die körperliche Fähigkeit, sondern der Antrieb aus der Verliebtheit — und der muss durch etwas anderes ersetzt werden.

Das ist eine ermutigende Aussage für Frauen, denen erklärt wird, in ihrem Alter sei das eben so. Und es verschiebt die Frage: nicht «was ist mit mir nicht in Ordnung», sondern «was tue ich dafür».

Was heisst das für die Beratung?

Kommt eine Frau mit einem Anliegen zur sexuellen Lust in die Praxis, empfiehlt die Arbeit, drei Bereiche genauer anzusehen: den Zugang zum eigenen Geschlecht, die sexuelle Selbstsicherheit und den Einsatz des Körpers während der Erregung.

Das Modell Sexocorporel sieht ein solches Vorgehen ohnehin vor — erst evaluieren, dann gezielt vorhandene Ressourcen stärken. Diese Arbeit belegt, dass sich der genaue Blick auf diese drei Bereiche lohnt.

Einen zweiten Schluss zieht die Autorin über die Beratung hinaus: Die Grundlagen für sexuelle Selbstsicherheit und einen guten Zugang zum eigenen Geschlecht werden in der Kindheit gelegt. Eine Erziehung, die die sexuelle Entwicklung zulässt und frei von Scham- und Schuldgefühlen ist, wirkt Jahrzehnte später.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Drei Interviews, ausgewertet nach Mayring. Die Autorin hält fest, dass weitere Gespräche womöglich weitere Aspekte zutage gefördert hätten.

Wichtiger noch ist die Auswahl: Befragt wurden ausschliesslich Frauen über vierzig in langjährigen Beziehungen, die noch immer Lust auf Sex mit ihrem Partner verspüren. Eine Vergleichsgruppe gibt es nicht. Die Arbeit zeigt also, was diese Frauen tun — nicht, dass genau das bei anderen wirken würde. Als Sammlung dessen, was in der Praxis funktioniert, bleibt sie dennoch aufschlussreich.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 99 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu sexueller Lust, die Einordnung in das Modell Sexocorporel, die vollständige Auswertung der drei Interviews und die Ableitungen für die Beratungspraxis.

Abstract der Arbeit

In langfristigen Beziehungen sinkt nach den Erkenntnissen der Literatur bei einem Grossteil der Frauen die sexuelle Lust, während sie bei anderen erhalten bleibt. Einen wesentlichen Einfluss auf die sexuelle Lust haben das Kennen eigener Bedürfnisse, deren Kommunikation in der Beziehung, die sexuelle Selbstsicherheit, die Wahrnehmung der eigenen Vagina und Vulva sowie der Einsatz des Körpers während der Erregungssteigerung. Das Ziel dieser Arbeit besteht darin herauszufinden, wie Frauen in langfristigen Beziehungen ihre sexuelle Lust aktivieren und steigern und welche Rolle dabei der Zugang zum eigenen Geschlecht, der Einsatz des Körpers während der Erregungssteigerung sowie die sexuelle Selbstsicherheit spielen. Mit Hilfe von drei leitfadengestützten Interviews wurden drei Frauen im Alter von 40+, welche alle seit über 20 Jahren in einer festen Beziehung leben, befragt. Die erhobenen Daten wurden mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass die sexuelle Lust im Vergleich zum Beziehungsanfang häufig erst nach der sexuellen Erregung eintritt. Voraussetzungen wie nicht gestresst sein, sich hingeben können und einen freien Kopf haben helfen sexuelle Lust aufkommen zu lassen. Die eigene Wahrnehmung beim eigenen Körper zu haben fördert die sexuelle Lust. Die Erregung und den Genuss durch tiefe Atmung und Bewegung des Beckens zu erhöhen sowie eigene Wünsche mitzuteilen steigern die sexuelle Lust ebenfalls und wirken sich positiv auf das Aufkommen letzterer für eine nächste sexuelle Begegnung aus. Weiter aktivieren Frauen ihre sexuelle Lust durch sexuelle Fantasien sowie durch Emotionen, welche beispielsweise durch Filme oder Musik hervorgerufen werden.

Katja Merk, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexuelle Lust von Frauen im Alter von 40+ in langfristigen Beziehungen – Die Rolle des Zugangs zum eigenen Geschlecht, der Art und Weise den Körper bei sexueller Erregung einzusetzen sowie der sexuellen Selbstsicherheit

Verfasst von
Katja Merk

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Sexuelles Verlangen · Selbstwirksamkeit · Sexuelle Fantasien

Lizenz und Nachweis. Katja Merk: «Sexuelle Lust von Frauen im Alter von 40+ in langfristigen Beziehungen – Die Rolle des Zugangs zum eigenen Geschlecht, der Art und Weise den Körper bei sexueller Erregung einzusetzen sowie der sexuellen Selbstsicherheit». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Sexocorporel und Soziale Arbeit

Katrin Lukas untersucht in der Masterarbeit «Sexocorporel und Soziale Arbeit» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

In jeder Beratung sitzen zwei Körper. Die Soziale Arbeit denkt ihre Beratungsbeziehung meist über Sprache, Haltung und Methode — den Körper der Fachkraft und den der Klientin klammert sie eher aus. Diese Arbeit macht genau das zum Thema.

Was ist mit «Körperwissen» gemeint?

Die Arbeit stützt sich auf drei Gesetzmässigkeiten des Körpers, die das Modell Sexocorporel beschreibt: Raum, Tonus und Rhythmus. Sie beeinflussen Wahrnehmung und Lustempfinden und erweitern über Selbstbeobachtung und Selbstaufmerksamkeit das individuelle Körperwissen.

Entscheidend ist die Richtung dieser Beziehung: Die drei Gesetze bestimmen das Erleben — und lassen sich willentlich beeinflussen. Wer den Tonus verändert, verändert die Wahrnehmung.

Theoretisch verortet die Autorin das Körperwissen über Bourdieus Habitus-Konzept und die Embodiment-Theorie.

Warum ist die Unterscheidung von explizitem und implizitem Körper wichtig?

Das Modell Sexocorporel betrachtet beide getrennt. Damit lassen sich Körperwahrnehmungen unterscheiden und entweder den inneren leiblichen Vorgängen oder den äusseren, am Körper sichtbaren Ausdrücken zuordnen.

Diese Trennung verweist zugleich auf ihren Zusammenhang — und darin liegt der Ertrag für die Beratung. Der Zusammenhang macht auf die Möglichkeit der Spiegelung aufmerksam.

Spiegelung ist in sozialer Interaktion und Kommunikation von Bedeutung: Stimme und Körperausdruck wirken auf das Gegenüber, ob beabsichtigt oder nicht. Wer sie bei sich selbst unterscheiden kann, gestaltet die Beratungsbeziehung bewusster.

Was folgt daraus für die Soziale Arbeit?

Die Autorin schlägt vor, die körperliche Ebene zu einer zentralen Ebene der Beratung zu machen. Dann lassen sich Prozess, Interaktion und Arbeitsbeziehung bewusster gestalten.

Für die geschlechterreflexive Beratung heisst das konkret: Die aus dem Körperwissen resultierenden Fähigkeiten unterstützen beratungsaufsuchende Menschen dabei, das Leben innerhalb bestehender Geschlechter- und Machtverhältnisse zu bewältigen, zu gestalten und zu verändern.

Damit richtet sich die Arbeit an Fachpersonen der Sozialen Arbeit, die sexologisches Wissen nicht als Spezialgebiet verstehen wollen, sondern als Teil ihres Handwerks.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Es handelt sich um eine überwiegend theoretische Arbeit, die sexologisches Modellwissen mit sozialwissenschaftlicher Theorie verbindet. Eine empirische Prüfung, ob Beratungen mit diesem Zugang anders verlaufen, gibt es nicht.

Was sie leistet, ist eine Übersetzungsarbeit zwischen zwei Disziplinen, die selten miteinander sprechen — und ein begründeter Vorschlag, wo die Verbindung ansetzen könnte.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 103 Seiten. Sie enthält die Grundlagen zu Körperwissen, Habitus und Embodiment, die Darstellung der drei Gesetze des Körpers nach Sexocorporel sowie die Ableitungen für die geschlechterreflexive Beratung in der Sozialen Arbeit.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit geschlechterreflexiver Beratung in der Sozialen Arbeit und geht der Frage nach, wie das Körperwissen durch Sexocorporel die Handlungskompetenzen der Professionellen erweitert und gelingende Beratung ermöglicht. Im Beratungssetting sind die Fachkräfte mit dem eigenen (Geschlechts-)Körper und dessen Handeln, Denken, Fühlen und Erleben konfrontiert und treffen zudem auf den (Geschlechts-)Körper der beratungsaufsuchenden Person. Damit gestaltet das Handeln, Denken, Fühlen und Erleben der Körper die Beratungsinteraktion und wirkt sich auf die Beratungsbeziehung aus. Deshalb soll in dieser Arbeit das Wissen über den Körper als Beratungsressource untersucht werden. Das Körperwissen kann als Wissen des Körpers verstanden werden und wird mit Bezug auf Bourdieus Habitus-Konzept und der Embodiment-Theorie vorgestellt. Dieses Körperwissen spielt in der geschlechterreflexiven Beratung eine Rolle für Klient_in und Fachkraft. Die aus dem Körperwissen resultierenden Fähigkeiten unterstützen das beratungsaufsuchende Individuum das Leben innerhalb der Geschlechter- und Machtverhältnisse zu bewältigen, zu gestalten und zu verändern. Für die Professionellen der Sozialen Arbeit kann dieses Körperwissen in der Beratungspraxis bewusst für den Prozess, die Interaktion und die Arbeitsbeziehung eingesetzt werden. Das sexologische Modell Sexocorporel besteht aus Methoden um das Körperwissen zu erweitern und kann gewinnbringend ins professionelle Handeln einbezogen werden. So können mit dem Sexocorporel-Konzept wichtige Variablen einer Beratungsbeziehung vertieft werden, der Beratungsprozess als Erkenntnis- und Lernprozess bewusst gestaltet und die Handlungskompetenzen der Fachkräfte erweitert werden. Dies kann gelingen indem die körperliche Ebene eine zentrale Ebene in der Beratung wird. Dadurch werden Chancen und Potenziale für die Beratung und hier besonders für die geschlechterreflexive Beratung in der Sozialen Arbeit eröffnet.

Katrin Lukas, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexocorporel und Soziale Arbeit : Die Bedeutung von Körperwissen durch Sexocorporel für die geschlechterreflexive Beratung in der Sozialen Arbeit

Verfasst von
Katrin Lukas

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Soziale Arbeit · Schwangerschaft & Geburt · Sexualtherapie · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Katrin Lukas: «Sexocorporel und Soziale Arbeit : Die Bedeutung von Körperwissen durch Sexocorporel für die geschlechterreflexive Beratung in der Sozialen Arbeit». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Effects of Feminist Pornography Consumption on Women

Kristi Moore untersucht in der Masterarbeit «Effects of Feminist Pornography Consumption on Women» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Die Debatte über Pornografie dreht sich meist um Schaden. Diese Arbeit stellt eine andere Frage: Lässt sich feministische Pornografie als therapeutische Intervention nutzen, wenn eine Frau mehr sexuelle Aktivität möchte — und was braucht es dafür?

Wie wurde das untersucht?

Die Autorin führte Interviews mit drei Frauen vor und nach der Teilnahme an einem Workshop zu feministischer Pornografie. Die Arbeit ist auf Englisch verfasst.

In den Gesprächen vor dem Workshop ging es um fünf Bereiche: das Bewusstsein für das eigene Genital und die subjektive Erregung, die vorhandenen Mittel zur Erregungssteigerung, die sexuelle Selbstsicherheit, die Einstellungen und Überzeugungen zu Pornografie sowie das Ausmass, in dem die Frau Verantwortung für ihre Sexualität übernimmt.

Der theoretische Teil arbeitet den Unterschied zwischen Mainstream- und feministischer Pornografie auf, dazu den Forschungsstand zu subjektiver und genitaler Erregung, die Rolle des emotionalen Kontexts sowie die Sicht des Modells Sexocorporel.

Was ist das Ergebnis?

Die Autorin hält nach vier Monaten Arbeit an ihrer Ausgangsthese fest: Das Betrachten sexuell relevanten Materials ist eine wirksame und effiziente Methode, die sexuelle Erregungsreaktion zu aktivieren.

Feministische Pornografie sieht sie darüber hinaus als einen Weg, über den Frauen Neues entdecken und sich selbst ermächtigen können — Sexualität als Quelle von Wohlbefinden und Lust zu erleben.

Entscheidend ist dabei nicht der Konsum an sich. Ihre These verbindet drei Bedingungen: eine bewusste Absicht beim Schauen, das Wissen um die eigene Erregungsreaktion und Pornografiekompetenz — begleitet durch Bildung und fachliche Unterstützung.

Was heisst das für die Beratung?

Es ist ein Gegenentwurf zur reinen Konsumreduktion. Wo Pornografie sonst als Problem behandelt wird, fragt diese Arbeit, unter welchen Bedingungen sie ein Mittel sein kann.

Für Fachpersonen, die mit Frauen an Erregung und Verlangen arbeiten, erweitert das die zur Verfügung stehenden Zugänge — vorausgesetzt, die genannten Bedingungen werden mitgedacht.

Ein Vergleich mit der Arbeit von Joana Bösch aus dem Jahrgang MA3 lohnt sich: Diese nähert sich Pornografie über den malerischen Prozess und aus weiblicher Perspektive.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Drei Frauen, vor und nach einem Workshop befragt. Das ist eine sehr kleine Grundlage für eine These über Wirksamkeit.

Die Autorin formuliert ihre Schlüsse denn auch als Überzeugung, an der sie festhält — nicht als Nachweis. Wer die Arbeit liest, sollte diese Unterscheidung mitlesen.

Der Wert liegt in der Fragestellung: Sie ist in der deutschsprachigen Sexualberatung selten und öffnet eine Perspektive, die sonst der Schadensdebatte überlassen bleibt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 96 Seiten und ist auf Englisch verfasst. Sie enthält die Unterscheidung von Mainstream- und feministischer Pornografie, den Forschungsstand zu Erregung, die Einordnung in das Modell Sexocorporel sowie die Auswertung der Interviews vor und nach dem Workshop.

Abstract der Arbeit

With this master’s thesis, the author examines three women’s pornography viewing behaviors and proposes that women who view feminist pornography with a purpose, along with awareness of their sexual arousal response, combined with pornography competence are able to increase the quantity of sexual activities they engage in. This is especially the case after attendance at an educational workshop and combined with support from a sexual health professional. A mixed methods study was conducted, which included an examination of the differences between mainstream and feminist pornography, a review of recent research on subjective and genital arousal, a review of recent work on how emotional context affects arousal and the potentially positive effects of feminist pornography viewing behaviors. This work also examines pornography viewing behaviors from the perspective of Sexocorporel. Feminist pornography is proposed as an aid for arousal and also for empowering oneself to experience sexual activities as a source of well-being and pleasure.

Kristi Moore, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Effects of Feminist Pornography Consumption on Women

Verfasst von
Kristi Moore

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Sexuelles Verlangen · Sexualtherapie · Sexuelle Bildung · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Kristi Moore: «Effects of Feminist Pornography Consumption on Women». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Akzeptanz von haptischen und körperorientierten Methoden in der sexuellen Bildung

Laura Burkhardt untersucht in der Masterarbeit «Akzeptanz von haptischen und körperorientierten Methoden in der sexuellen Bildung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Genitale Operationen bei Frauen nehmen zu, und die Forschung fordert Massnahmen, die das genitale Selbstbild verbessern. Ob Frauen solche Methoden überhaupt annehmen würden, war offen. Diese Arbeit hat es mit zwölf Frauen ausprobiert.

Was wurde untersucht?

Die Frage lautet: Welche Akzeptanz erfahren körperorientierte und haptische Methoden in der sexuellen Bildung in Bezug auf das genitale Selbstbild — und zwar im Gruppensetting?

Dafür führte die Autorin mit zwölf Frauen einen Workshop zum genitalen Selbstbild durch und anschliessend zwei Gruppendiskussionen, ausgewertet nach Mayring.

Haptisch heisst hier: mit den Händen begreifen. Modelle, Materialien, Berührung — ein Zugang, der in der Erwachsenenbildung zu diesem Thema selten vorkommt.

Werden solche Methoden angenommen?

Weitgehend ja. Die Methoden wurden im Gruppensetting akzeptiert und positiv besetzt. Für die sexuelle Gesundheitsförderung heisst das, dass ein Angebot rund um das weibliche Genital, das körperorientierte und haptische Übungen einschliesst, auf Resonanz stösst.

Eine Bedingung nennt die Arbeit allerdings deutlich: Eine theoretische Einbettung der Übungen erscheint sinnvoll und wichtig. Haptische Methoden allein, ohne erklärenden Rahmen, sind nicht dasselbe.

Das ist ein praktischer Hinweis für jede Kursgestaltung: Die Übung braucht den Kontext, sonst bleibt sie eine Übung.

Was deutet sich über die Wirkung an?

Untersucht wurde die Akzeptanz, nicht die Wirkung — und die Arbeit hält diese Unterscheidung sauber ein. Sie weist aber auf Hinweise hin, die sich nebenbei ergaben.

Die Teilnehmerinnen äusserten sich überwiegend positiv zu den einzelnen Elementen und berichteten von Wissensaneignung. Daraus lässt sich vermuten, dass nicht nur das Format angenommen wurde, sondern dass auch die Inhalte für die sexuelle Gesundheitsförderung sinnvoll sein dürften.

Die Autorin empfiehlt ausdrücklich, die Wirkweise eines solchen Workshop-Formats in weiterer Forschung genauer zu untersuchen. Sie behauptet also nicht, was sie nicht geprüft hat.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Ein Workshop mit zwölf Frauen und zwei anschliessende Gruppendiskussionen. Wer sich für einen solchen Workshop anmeldet, bringt eine gewisse Offenheit bereits mit — die gemessene Akzeptanz ist also eine Akzeptanz unter Interessierten.

Für die Ausgangsfrage ist das dennoch aussagekräftig. Sie lautete nicht, ob alle Frauen solche Methoden annehmen, sondern ob sie sich im Gruppensetting überhaupt durchführen lassen. Diese Frage ist beantwortet.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 87 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu genitalem Selbstbild und genitalen Operationen, die Beschreibung des durchgeführten Workshops sowie die vollständige Auswertung der beiden Gruppendiskussionen.

Abstract der Arbeit

Studien zeigen, dass die Zahl der genitalen Operationen bei Frauen zugenommen hat. Dies kann auf die Unzufriedenheit mit den eigenen Genitalien zurückzuführen sein, was sich wiederum auf die sexuelle Zufriedenheit auswirken kann. Forscher fordern daher In- terventionen, die das genitale Selbstbild verbessern. Da nur wenige Angebote für erwach- sene Frauen in der Sexuellen Bildungslandschaft existieren – im speziellen auch in Bezug auf das weibliche Genital – wurde die Akzeptanz entsprechender Interventionen bisher kaum untersucht. Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Akzeptanz für körperorientierte sowie haptische Methoden in der Sexuellen Bildung in Bezug auf das genitale Selbstbild zu un- tersuchen, da diese einen Zugang zu einem positiven Körpergefühl ermöglichen können. Dazu wird folgende Forschungsfrage gestellt: Welche Akzeptanz erfahren körperorien- tierte und haptische Methoden in der Sexuellen Bildung in Bezug auf das genitale Selbst- bild in einem Gruppensetting? Um die Forschungsfrage zu beantworten wurde mit 12 Frauen ein Workshop zum genitalen Selbstbild sowie zwei anschliessende Gruppendis- kussionen durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass körperorientierte sowie haptische Methoden in Bezug auf das genitale Selbstbild weitestgehend akzeptiert und positiv kon- notiert werden. Für die sexuelle Gesundheitsförderung kann dies bedeuten, dass ein An- gebot rund um das weibliche Genital, welches körperorientierte sowie haptischen Übun- gen miteinschliesst, auf Akzeptanz stösst. Weitere Studien zur Erforschung der eigentli- chen Wirkung solcher Interventionen werden empfohlen.

Laura Burkhardt, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Akzeptanz von haptischen und körperorientierten Methoden in Bezug auf die Sexuelle Bildung zum genitalen Selbstbild: Eine qualitative Untersuchung

Verfasst von
Laura Burkhardt

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Körperarbeit · Selbstwirksamkeit · Geschlecht & Identität

Lizenz und Nachweis. Laura Burkhardt: «Akzeptanz von haptischen und körperorientierten Methoden in Bezug auf die Sexuelle Bildung zum genitalen Selbstbild: Eine qualitative Untersuchung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Bildung zur sexuellen Gesundheit im schulischen Kontext in der Innerschweiz

Natalie Blaser untersucht in der Masterarbeit «Bildung zur sexuellen Gesundheit im schulischen Kontext in der Innerschweiz» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Schulische Sexualerziehung ist ein gesetzlicher Bildungsauftrag — umgesetzt wird er sehr unterschiedlich. Diese Arbeit fragt nicht die Schulen, sondern die Jugendlichen der Innerschweiz. Das Bild, das dabei entsteht, nennt die Autorin selbst bedenklich.

Was bekommen Jugendliche vermittelt?

Oberflächliches Wissen. Auf die Anliegen der Jugendlichen wird kaum eingegangen. Das ist der Befund, den die Interviews mit Jugendlichen aus der Innerschweiz ergeben.

Gewünscht werden dagegen konkrete Themen — genannt werden unter anderem sexuelle Gewalt und Beziehung. Also genau die Bereiche, die über Biologie hinausgehen und im Unterricht am ehesten ausgespart bleiben.

Die Gründe für die uneinheitliche Umsetzung sind bekannt: die fehlende Verankerung in den Lehrplänen, die persönlichen Einstellungen der Lehrpersonen und die Vorgaben der Institution.

Was schlägt die Arbeit vor?

Zwei Handlungsempfehlungen, die beide praktisch umsetzbar sind.

Erstens: Jugendliche sollen bei der Gestaltung des Unterrichts ein Mitspracherecht haben. Das heisst, sie werden aktiv nach Wünschen, Bedürfnissen und Interessen befragt — anonym, etwa schriftlich oder über eine Online-Plattform. Die Antworten werden ausgewertet und in den Unterricht eingebaut.

Zweitens: Lehrpersonen sollen externe Hilfe beiziehen können. Es sollte für die Schule selbstverständlich sein, dass für die Sexualpädagogik externe Fachpersonen zu Rate gezogen werden — und Lehrpersonen sollten ausdrücklich ermutigt werden, das bei Unsicherheit zu tun.

Aus beidem ergibt sich das Kooperationsmodell, das die Arbeit als erstrebenswert beschreibt.

Warum lohnt sich das?

Weil eine frühe und umfangreiche Sexualerziehung gute Rahmenbedingungen schafft, um die Entwicklungsaufgaben des Kindes- und Jugendalters zu bewältigen und einen verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität zu lernen.

Voraussetzung dafür ist eine altersgerechte und fachlich korrekte sexuelle Bildung, die den Bedürfnissen der Zielgruppe entspricht. Genau daran hakt es — nicht am guten Willen, sondern an der Passung.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Qualitative Interviews mit Jugendlichen aus der Innerschweiz, eingeordnet in den Forschungsstand und in die Entwicklungsaufgaben des Jugendalters. Die Zahl der Befragten ist klein, und sie stammen aus einer Region.

Der Wert liegt in der Perspektive. Über schulische Sexualerziehung wird meist mit Lehrpersonen, Schulleitungen und Eltern gesprochen. Hier kommen diejenigen zu Wort, um die es geht.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 83 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zur schulischen Sexualerziehung, die Einordnung in die Entwicklungsaufgaben des Jugendalters, die vollständige Auswertung der Interviews sowie die abgeleiteten Handlungsempfehlungen.

Abstract der Arbeit

Nicht nur die Eltern leisten als primäre Sozialisationsinstanz einen wesentlichen Beitrag zur Sexualerziehung, sondern auch die Instanz Schule übernimmt eine wichtige Funktion zur Förderung und Erhaltung der sexuellen Gesundheit im Kindes- und Jugendalter. Dieser gesetzliche Bildungsauftrag wird jedoch nicht überall gleichermassen umgesetzt, was häufig auf die fehlende Verankerung in den Lehrplänen, wie auch auf persönliche Einstellungen der Lehrpersonen oder Vorgaben der Institution zurückzuführen ist. Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, die Bedürfnisse der Jugendlichen bezüglich Schulischer Sexualerziehung aufzuzeigen und diese anhand von bisheriger Forschungsliteratur sowie Ergebnissen aus qualitativen Interviews mit Jugendlichen aus der Innerschweiz in einen Zusammenhang mit den Entwicklungsaufgaben des Jugendalters zu stellen. Dabei wird ein genaueres Augenmerk zu sexuellen Themen im Unterricht gelegt. Bezüglich der Umsetzung der Schulischen Sexualerziehung in der Innerschweiz zeichnet sich ein bedenkliches Bild ab, da den Jugendlichen nur oberflächliches Wissen zu Sexualität vermittelt und auf ihre Bedürfnisse zu sexuellen Inhalten kaum eingegangen wird. Die Heranwachsenden wünschen sich hingegen vermehrt Informationen zu spezifischen Themen wie beispielsweise «Sexuelle Gewalt» oder «Beziehung». Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, bietet sich im schulischen Kontext das erstrebenswerte Kooperationsmodell an, welches den Lehrpersonen durch externe Fachkräfte Unterstützung zu solch sensiblen Themen zusichert, wodurch auf die geäusserten Bedürfnisse der Jugendlichen besser eingegangen werden könnte.

Natalie Blaser, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Bildung zur sexuellen Gesundheit im schulischen Kontext in der Innerschweiz

Verfasst von
Natalie Blaser

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Jugendsexualität · Geschlecht & Identität · Sexualberatung

Lizenz und Nachweis. Natalie Blaser: «Bildung zur sexuellen Gesundheit im schulischen Kontext in der Innerschweiz». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Beratungsansätze bei Leidensdruck unter dranghafter Sexualität oder Sexsucht bei Männern

Nathalie Gadola-Dürler untersucht in der Masterarbeit «Beratungsansätze bei Leidensdruck unter dranghafter Sexualität oder Sexsucht bei Männern» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Wer wegen seiner Sexualität nicht mehr weiterweiss, sucht eine Diagnose und findet vier Fachpersonen mit vier verschiedenen Zugängen. Diese Arbeit hat erhoben, was in der Deutschschweiz tatsächlich gemacht wird — und kommt zu einem unbequemen Befund: Was in der Beratung geschieht, hängt weniger am Verfahren als an der Person, die es anwendet.

Sucht oder Drang — worüber wird hier gesprochen?

Die beiden nach Sexocorporel arbeitenden Fachpersonen verwenden den Suchtbegriff ungern. Sie sprechen von dranghafter Sexualität: einem Suchen, Wünschen und Fordern sexueller Kontakte, begleitet von sexueller Unersättlichkeit. Sucht ist in dieser Lesart kein eigener Zustand, sondern der Endpol eines Kontinuums.

Das ist mehr als eine Wortfrage. Diagnosemanuale wie ICD und DSM denken kategorial: Man erfüllt die Kriterien oder nicht. Der Anteil derer, die klinisch relevante Suchtkriterien erfüllen, ist klein. Die befragten Fachpersonen halten dagegen, dass Betroffene mit Leidensdruck keine erfüllte Kriterienliste brauchen, um behandelt zu werden.

Die Arbeit entstand 2020 und hoffte darauf, dass diagnostische Kriterien Eingang in die ICD-11 finden. Das ist inzwischen geschehen — die zwanghafte sexuelle Verhaltensstörung ist dort als eigene Diagnose erfasst. Die hier beschriebene Spannung zwischen Kategorie und Kontinuum bleibt davon unberührt.

Wer sucht Hilfe?

Es sind überwiegend Männer. Eine der befragten Fachpersonen behandelt bis zu 25 Klientinnen und Klienten pro Woche, darunter bis zu 40 Fälle dranghafter Sexualität im Jahr.

Bei 20 bis 30 Prozent liegt zusätzlich eine ADHS oder eine andere psychische Erkrankung vor, beispielsweise eine bipolare Störung. Oft kommen Männer, die von ihrer Partnerin ertappt wurden, oder solche, die im Alltag und in ihren Beziehungen Einbussen bemerken.

Was diese sehr unterschiedliche Gruppe verbindet, ist nicht ein Verhalten, sondern der Leidensdruck — der eigene, der der Partnerschaft, manchmal auch eine finanzielle Notlage.

Was wirkt in der Beratung?

Die Arbeit vergleicht drei Zugänge: das Modell Sexocorporel, den systemischen Ansatz nach Ulrich Clement und den Ansatz nach David Schnarch. Ihre Antwort auf die Frage, welcher der richtige sei, lautet: Es kommt darauf an, worauf man schaut.

Richtet sich der Blick auf die individuelle sexuelle Lerngeschichte, eignet sich Sexocorporel besonders. Der Betroffene lernt, wie sein Drang mit konkreten Ursachen zusammenhängt, und erhält Zugang zu einer erweiterten Sexualität statt zu einer Verbotsliste.

Steht die Beziehung auf dem Spiel, arbeiten Clement und Schnarch mit dem Paar. Dort geht es darum, sich mit dem Gegenüber auseinanderzusetzen und daran zu wachsen — das Anliegen wird zum Auslöser einer Entwicklung.

Quer über alle drei Zugänge steht dieselbe Kernfrage: Welches Bedürfnis steckt hinter dem ausser Kontrolle geratenen Verhalten, und wie liesse es sich anders befriedigen?

Was heisst das für die Praxis?

Der zentrale Befund der Arbeit ist zugleich ihr unbequemster. Ausschlaggebend dafür, welche Überzeugungen und Interventionen zur Anwendung kommen, sind Erfahrung, Auseinandersetzung und Weiterbildung der behandelnden Person — nicht das Verfahren.

Daraus folgt eine klare Empfehlung: Bei diesem Anliegen ist die Kombination mehrerer Ansätze vorzuziehen. Körperübungen können die sexuelle Balance wiederherstellen und das Gefühl der Steuerungsfähigkeit stärken; dazu kommt das Erlernen dessen, was die Arbeit ein heilsames Ausnützen des Moments zwischen Drang und Reaktion nennt. Die ehrliche Auseinandersetzung mit sich selbst und mit der Partnerin darf dabei nicht fehlen.

Bemerkenswert ist, wie niederschwellig der erste Schritt sein kann. Im besten Fall genügt eine Beratung, die aufklärt, dass das Verhalten in der Spannbreite des Normalen liegt — das allein entlastet bereits.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Die Arbeit stützt sich auf theoriegenerierende Interviews mit vier Fachpersonen, ausgewertet nach der Grounded Theory. Vier Personen bilden die Deutschschweizer Praxis nicht ab, und die Aussagen sind Einschätzungen aus der eigenen Arbeit, keine Messwerte.

Die Arbeit hält das selbst fest und benennt auch, was fehlt: Wirksamkeitsstudien, die zeigen, ob Kombinationsbehandlungen tatsächlich erfolgreicher sind. Was sie leistet, ist eine geordnete Bestandsaufnahme dessen, was Fachpersonen tun, wenn ihnen die Diagnose keine Anleitung gibt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 114 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu dranghafter Sexualität, die Darstellung der drei Beratungsansätze, die vollständige Auswertung der vier Interviews und den systematischen Vergleich von Gemeinsamkeiten und Unterschieden.

Abstract der Arbeit

Eine ausser Kontrolle geratene Sexualität kann für den Betroffenen einen Leidensdruck erzeugen und die Partnerbeziehung belasten und gefährden. Für die Sexsucht oder die dranghafte Sexualität existieren bis heute jedoch weder klare diagnostische Kriterien, noch gibt es eine einheitliche Interventions- oder Behandlungsstrategie. Nach dem Ansatz Sexocorporel begünstigen ein fehlender Bezug zur eigenen Intimität und zur Genitalität die Entwicklung und Aufrechterhaltung des dranghaften sexuellen Verhaltens. Anhand einer Analyse theoriengenerierender Expertinnen- und Experten-Interviews mittels der Grounded Theory wird deutlich, dass es die Erfahrung, die fundierte Auseinandersetzung mit dem Anliegen der Sexsucht und die Aus- und Weiterentwicklungen der behandelnden Thera- peutinnen und Therapeuten sind, die bestimmen, in welcher Form theoretische Überzeu- gungen und konkrete Interventionen in den Beratungen und Behandlungen angewendet werden. Eine Kombination der verschiedenen Ansätze erlaubt, das Anliegen besser zu er- fassen, denn die Behandlung von dranghafter Sexualität ist genauso wie das Verständnis dieses Phänomens eine Herausforderung, die mehr als nur eine spezialisierte Therapieme- thode verlangt.

Nathalie Gadola-Dürler, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Beratungsansätze bei Leidensdruck unter dranghafter Sexualität oder Sexsucht bei Männern Aktuelle Beratungspraxis in der Deutschschweiz

Verfasst von
Nathalie Gadola-Dürler

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Pornografie · Sexualtherapie · Soziale Arbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Nathalie Gadola-Dürler: «Beratungsansätze bei Leidensdruck unter dranghafter Sexualität oder Sexsucht bei Männern Aktuelle Beratungspraxis in der Deutschschweiz». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Sexuelle Fantasien im Kontext sexualtherapeutischer Körperarbeit

Petra Wohlwend untersucht in der Masterarbeit «Sexuelle Fantasien im Kontext sexualtherapeutischer Körperarbeit» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Wer seinen Körper während der Sexualität gut wahrnimmt, braucht sexuelle Fantasien möglicherweise nicht mehr. Das ist einer der Befunde dieser Arbeit — und er stellt die verbreitete Annahme auf den Kopf, Fantasien seien ein Mittel zur Steigerung der Erregung.

Was verändert Körperarbeit an den Fantasien?

Die Autorin befragte vier Personen während einer dreijährigen körperorientierten Sexualtherapieausbildung in semistrukturierten Einzelinterviews.

Ihre Ergebnisse geben erste Hinweise darauf, dass sich die sexuellen Fantasien in dieser Zeit verändern. Was Veränderung auslöst, benennt sie konkret: intensive, wiederholte Wahrnehmungsübungen und das Experimentieren mit dem eigenen Körper, auch in der Sexualität.

Danach entstehen neue Zugänge zu Fantasien, die eigene Position darin verschiebt sich, und das Spektrum wird breiter.

Welche Kette vermutet die Arbeit?

Die Autorin ist an dieser Stelle vorsichtig und ehrlich: Welche Faktoren letztlich für die Veränderung verantwortlich sind, sei spekulativ.

Vieles deute jedoch auf folgende Abfolge hin: Über die Körperarbeit verbessert sich die Wahrnehmung des eigenen Körpers. Diese bessere Wahrnehmung führt zu neuen sexuellen Erfahrungen und zu neuen oder intensivierten erogenen Zonen. Und diese wiederum verändern die Fantasien.

Offen bleibt, welche Rolle die intensive theoretische Auseinandersetzung mit Sexualität während einer dreijährigen Ausbildung dabei spielt. Die Arbeit kann Körperarbeit und Wissenszuwachs nicht trennen.

Werden Fantasien überflüssig?

Das ist der überraschendste Befund. Bei guter Wahrnehmung der Körperempfindungen während der Sexualität scheinen sexuelle Fantasien möglicherweise überflüssig zu werden.

Zugleich gilt das Umgekehrte: Über Körperarbeit können Fantasien überhaupt erst zugänglich gemacht werden — bei Menschen, die bisher keinen Zugang zu ihnen hatten.

Beides zusammen ergibt ein brauchbares Bild für die Praxis. Fantasien sind kein fester Bestand, sondern verändern sich mit dem Körpererleben. Was den Zugang blockiert, benennt die Arbeit ebenfalls: eine moralisierende oder schambesetzte innere Instanz.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Die Autorin sagt es selbst: Eine abschliessende Antwort auf ihre Forschungsfrage kann sie nicht geben. Vier Interviews mit Personen in einer Ausbildung liefern erste Hinweise, mehr nicht.

Die Befragten sind zudem eine besondere Gruppe: Menschen, die sich freiwillig über drei Jahre körperorientiert mit Sexualität befassen. Was bei ihnen geschieht, lässt sich nicht ohne Weiteres auf Klientinnen und Klienten übertragen.

Dass die Arbeit ihre Deutungskette ausdrücklich als spekulativ kennzeichnet, statt sie als Ergebnis zu verkaufen, macht sie lesbarer.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 72 Seiten. Sie enthält die Definition und Systematik sexueller Fantasien, den Forschungsstand zu ihrer Funktion, die vollständige Auswertung der vier Interviews sowie die Diskussion der vermuteten Wirkungskette. Der Abstract liegt auch auf Englisch vor.

Abstract der Arbeit

Sexuelle Fantasien hat fast jede Person, jedoch sind diese nicht immer auf Anhieb zugänglich. Meist haben sie die Funktion die sexuelle Erregung in der Selbstbefriedigung oder in der Paarsexualität zu steigern, kommen aber noch häufiger in Form von Tagträumereien ohne sexuelle Interaktion vor. Die sexuellen Fantasien sind Bilder und Szenarien mit sexuellen Inhalten, Erzählungen mit sexuellem Inhalt jedoch ohne Bilder oder Einzelbilder ohne sexuellen Inhalt. Die vorliegende Arbeit zeigt anhand von vier semistrukturierten Einzelinterviews auf, in welcher Form sich die sexuellen Fantasien während einer dreijährigen körperorientierten Sexualtherapieausbildung verändern können. Von zentraler Bedeutung für Veränderungen sind intensive, wiederholende Wahrnehmungsübungen sowie das Experimentieren mit dem Körper, auch in der Sexualität. Dadurch ergeben sich (neue) Zugänge zu den sexuellen Fantasien, veränderte Positionen in der Fantasie oder variantenreichere sexuelle Fantasien. Eine moralisierende oder schambesetzte Instanz bildet eine Barriere zu den sexuellen Fantasien. Nearly every person has sexual fantasies, yet these are not always readily accessible. In most cases, they have the function of increasing sexual arousal during masturbation or during couple sexuality. Yet they occur even more frequently in the form of daydreams not in combination with sexual activity. Sexual fantasies are defined as pictures and scenarios containing sexual content, narratives with sexual content but without pictures or single images with no sexual content. This thesis is based on four semi-structured individual interviews and examines the ways in which sexual fantasies can change during a three-year, body-oriented sexual therapy educational program. The central factors contributing to these changes are intensive, repetitive awareness exercises and experimentation with the body, including sexuality. The primary changes observed during this research are newly developed approaches to sexual fantasies, a different position in the fantasies or more varied sexual fantasies. Moral position or a sense of shame can be obstacles to developing sexual fantasies.

Petra Wohlwend, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexuelle Fantasien im Kontext sexualtherapeutischer Körperarbeit Zusammenhänge zwischen sexuellen Fantasien und dem Veränderungspotenzial durch Körperarbeit

Verfasst von
Petra Wohlwend

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Sexuelle Fantasien · Körperarbeit · Sexualtherapie

Lizenz und Nachweis. Petra Wohlwend: «Sexuelle Fantasien im Kontext sexualtherapeutischer Körperarbeit Zusammenhänge zwischen sexuellen Fantasien und dem Veränderungspotenzial durch Körperarbeit». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Fortbildungsprogramm „Sexuelle Gesundheit“ für Hausärzte

Sandra Hauptmann untersucht in der Masterarbeit «Fortbildungsprogramm „Sexuelle Gesundheit“ für Hausärzte» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Patientinnen und Patienten möchten sexuelle Probleme mit ihrer Hausärztin besprechen. Studien zeigen zugleich, dass sich die meisten Hausärztinnen und Hausärzte dabei unsicher fühlen — und dass seit vierzig Jahren mehr Weiterbildung gefordert wird, ohne dass viel geschehen wäre. Diese Arbeit hat daraus keinen weiteren Appell gemacht, sondern ein Programm.

Worauf stützt sich das Programm?

Auf vier Interviews mit Ärztinnen und Ärzten, die zusätzlich sexologisch oder sexualmedizinisch ausgebildet sind. Befragt wurden sie zu Häufigkeit, Ursachen und Therapie der verbreitetsten sexuellen Funktionsstörungen sowie zu ihren Empfehlungen für den Workshop.

Die Auswertung erfolgte über eine zusammenfassende Inhaltsanalyse nach Mayring und ist ungewöhnlich transparent dokumentiert: 198 Paraphrasen insgesamt, davon 115 zu den Ursachen sexueller Funktionsstörungen und 83 zu deren Behandlung.

Aus der Häufigkeit, mit der einzelne Störungsbilder genannt wurden, leitet die Autorin ab, welche Themen ins Programm gehören — ein einfaches, aber nachvollziehbares Vorgehen.

Ein unerwarteter Befund

Die Autorin hält fest, dass sie überrascht war: In den Interviews ging es deutlich mehr um die sexuellen Probleme der Männer als um jene der Frauen.

Das ist keine Nebenbemerkung. Es sagt etwas darüber, was in Praxen tatsächlich zur Sprache kommt — und damit auch darüber, wessen Anliegen gehört werden. Wer eine Fortbildung nur an dem ausrichtet, was berichtet wird, schreibt diese Schieflage fort.

Im entwickelten Programm bilden entsprechend die erektile Dysfunktion und die Lustlosigkeit bei Frauen die beiden Schwerpunkte — die Autorin hat also gegengesteuert.

Wie sieht der Workshop aus?

Er beginnt mit einer Einführung in das Modell Sexocorporel. Danach folgen zwei Rollenspiele: eines mit einem Mann mit erektiler Dysfunktion, eines mit einer Frau mit Lustlosigkeit. Anschliessend übernehmen die Teilnehmenden die Rollen selbst.

Zum Abschluss führen die Ärztinnen und Ärzte Körperübungen durch. Der Gedanke dahinter ist der eigentliche Kern: Wer den Unterschied in der eigenen Körperwahrnehmung selbst gespürt hat, spricht leichter mit Patientinnen darüber.

Damit setzt das Programm nicht bei Wissen an, sondern bei der Unsicherheit — dem Grund, aus dem die Gespräche bisher unterbleiben.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier Interviews mit ausgewählten Fachpersonen — Ärztinnen und Ärzte mit sexologischer Zusatzausbildung sind eine kleine und besondere Gruppe. Was sie berichten, ist Expertenwissen, keine repräsentative Erhebung der hausärztlichen Praxis.

Die Autorin sagt selbst, dass es sich bei der Zählung der Nennungen nicht um statistisch belastbares Material handelt, sondern um einen Hinweis. Und das Programm ist entwickelt, aber nicht erprobt — ob es wirkt, zeigt die Arbeit nicht.

Die Arbeit ist auf Englisch verfasst.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 165 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zur sexualmedizinischen Kompetenz in der Hausarztpraxis, die vollständige Auswertung der vier Interviews mit allen Paraphrasen sowie das ausgearbeitete Workshop-Programm.

Abstract der Arbeit

The family practitioner plays an important role when it comes to sexual issues. Patients want to talk about their sexual problems with their family doctor, but studies show that the majority of general practitioners feel insecure talking about it. For the last 40 years it is known that there should be more training opportunities for general practitioners, but major movements happened. Objective: The aim of this study was to develop a workshop program about sexual health for general practitioners based on four expert interviews. Method: 3 physicians who are also trained sexologists and one who is trained in sexual medicine were interviewed about the prevalence, causes and therapy of the most common sexual dysfunctions as well as about recommendations for the workshop. The interviews were transliterated. The author used the summarizing content analysis of Mayring as the evaluation method. Results: Erectile dysfunction (ED) and female lack of libido are the main topics to be discussed in the workshop. At the beginning of the workshop the Sexocorporel model is going to be explained, afterwards two role plays with a man with ED and a woman with lack of libido are going to be conducted. The participants are going to play the role play between themselves afterwards. Towards the end of the workshop the general practitioners are going to perform some body exercises in order to experience some differences in body awareness which should make it easier for them to talk with their patients about sexuality.

Sandra Hauptmann, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Fortbildungsprogramm „Sexuelle Gesundheit“ für Hausärzte Entwicklung eines Workshops

Verfasst von
Sandra Hauptmann

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Vaginismus · Erektile Dysfunktion · Sexualität & Krankheit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Sandra Hauptmann: «Fortbildungsprogramm „Sexuelle Gesundheit“ für Hausärzte Entwicklung eines Workshops». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Förderung sexueller Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung

Selina Killer untersucht in der Masterarbeit «Förderung sexueller Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Die sexuelle Gesundheit von Menschen im Asyl- und Flüchtlingsbereich ist im Vergleich zur einheimischen Bevölkerung prekär. Diese Arbeit fragt, was Jugendliche und junge Erwachsene mit Fluchterfahrung brauchen — und bezieht dafür ihre eigene Perspektive ein, statt nur über sie zu forschen.

Was heisst sexuelle Bildung hier?

Der Begriff markiert nach dieser Arbeit einen Wechsel gegenüber der klassischen Aufklärung. Im Zentrum steht die Selbstbestimmung des Individuums, nicht die Vermittlung von Wissen über einen Sachverhalt.

Die Verankerung ist dabei nicht beliebig. Die Weltgesundheitsorganisation hält fest, dass sich sexuelle Gesundheit erlangen und erhalten lässt, wenn die sexuellen Rechte geachtet, geschützt und garantiert werden. Das Recht auf Bildung und Information gehört zu diesen Rechten, und die Bildung zur sexuellen Gesundheit ist in der Schweiz ein ausgewiesenes Handlungsfeld.

Sexuelle Bildung ist damit keine freiwillige Zusatzleistung, sondern die Einlösung eines Rechts.

Was braucht diese Zielgruppe besonders?

Drei Wissensbestände hält die Arbeit für unverzichtbar, wenn sexuelle Bildung mit jungen Menschen mit Fluchterfahrung gelingen soll: Kenntnisse zur sexuellen Entwicklung, intersektionale Pädagogik und transkulturelle Kompetenzen.

Das ist mehr als eine Aufzählung. Wer nur über sexuelle Entwicklung Bescheid weiss, übersieht, dass Herkunft, Aufenthaltsstatus, Geschlecht und Sprache gleichzeitig wirken. Wer nur transkulturell denkt, übersieht die Entwicklungsaufgaben des Jugendalters.

Die Befragten selbst äussern zwei Bedürfnisse: die Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität und den Erwerb sexueller Kompetenzen. Woran es fehlt, sind nicht Interesse oder Bereitschaft, sondern Zugänge.

Wie wurde vorgegangen?

Die Arbeit verbindet eine vertiefte Literaturaufbereitung mit qualitativer Sozialforschung. Über problemzentrierte Interviews bezieht sie die Perspektive der jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung ein; ausgewertet wird nach der Methodologie der Grounded Theory.

Dass die Zielgruppe selbst befragt wurde und nicht nur die Fachpersonen, die sie betreuen, ist der methodische Kern dieser Arbeit — und bei dieser Personengruppe keine Selbstverständlichkeit.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Die Zahl der Interviews ist klein, und die Arbeit stützt ihre Schlüsse auf die Verbindung von Literatur und empirischen Erkenntnissen, nicht auf die Interviews allein.

Bei einer Gruppe, deren Aufenthaltsstatus unsicher ist und die über Sexualität in einer Fremdsprache sprechen soll, ist der Zugang selbst die grösste Hürde. Wer sich für ein solches Gespräch zur Verfügung stellt, ist bereits eine Auswahl.

Was die Arbeit leistet, ist die Übersetzung eines anerkannten Rechts in konkrete Anforderungen an die professionelle Betreuung und Begleitung.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 106 Seiten. Sie enthält die Aufarbeitung des Forschungsstands zur sexuellen Gesundheit im Asyl- und Flüchtlingsbereich, die theoretischen Grundlagen zu sexueller Bildung, intersektionaler Pädagogik und transkultureller Kompetenz sowie die vollständige Auswertung der Interviews.

Abstract der Arbeit

Diese Arbeit bearbeitet die Frage 'Was brauchen Jugendliche und junge Erwachsene mit Fluchterfahrung im Hinblick auf ihre sexuelle Gesundheit und welche Anforderungen leiten sich daraus an die professionelle Betreuung und Begleitung ab?'. Die Auseinandersetzung mit aktueller Literatur zeigt auf, dass die sexuelle Gesundheit von Menschen im Asyl- und Flüchtlingsbereich, im Vergleich zur einheimischen Bevölkerung, prekär ist (Amacker et al., 2019; BAG, 2012; Cignacco et al., 2017). Aufgrund dieser Analysen fokussiert sich diese Arbeit auf die Handlungsfelder der Förderung sexueller Gesundheit und widmet sich spezifisch der sexuellen Bildung (Sexuelle Gesundheit Schweiz, 2018). Der Begriff der sexuellen Bildung stellt einen Paradigmawechsel dar. Die Selbstbestimmung des Individuums steht im Zentrum (Valtl, 2013). Die vertiefte Literaturaufbereitung ermittelt spezifische Grundlagen, die in der sexuellen Bildung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung einbezogen werden müssen; nämlich Kenntnisse zur sexuellen Entwicklung, zur intersektionalen Pädagogik und zu transkulturellen Kompetenzen. Die qualitative Sozialforschung dieser Arbeit bezieht anhand problemzentrierter Interviews auch die Perspektive der jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung mit ein. In der Analyse nach der Methodologie der Grounded-Theory werden Theorien entwickelt, welche der Beantwortung der Fragestellung dienen. Die abschliessende Antwort basiert auf der Diskussion von Literatur und empirischen Erkenntnissen. Jugendliche und junge Erwachsene mit Fluchterfahrung haben Bedürfnisse nach Auseinandersetzung mit der individuellen Sexualität, ebenso wie nach dem Erwerb sexueller Kompetenzen. Es besteht ein Bedarf an Zugängen der sexuellen Bildung und an kompetenten, vertrauenswürdigen Fach- sowie Ansprechpersonen. Die professionelle Betreuung und Begleitung muss sich deshalb Kompetenzen in sexueller Bildung aneignen und Zugänge zu sexueller Bildung schaffen.

Selina Killer, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Förderung sexueller Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung Einfluss von und Anforderungen an sexuelle Bildung in der professionellen Betreuung und Begleitung

Verfasst von
Selina Killer

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Jugendsexualität · Sexualisierte Gewalt · Verhütung

Lizenz und Nachweis. Selina Killer: «Förderung sexueller Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung Einfluss von und Anforderungen an sexuelle Bildung in der professionellen Betreuung und Begleitung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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