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MA2 Masterarbeit

Sexuelle Fantasien im Kontext sexualtherapeutischer Körperarbeit

Petra Wohlwend untersucht in der Masterarbeit «Sexuelle Fantasien im Kontext sexualtherapeutischer Körperarbeit» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Wer seinen Körper während der Sexualität gut wahrnimmt, braucht sexuelle Fantasien möglicherweise nicht mehr. Das ist einer der Befunde dieser Arbeit — und er stellt die verbreitete Annahme auf den Kopf, Fantasien seien ein Mittel zur Steigerung der Erregung.

Was verändert Körperarbeit an den Fantasien?

Die Autorin befragte vier Personen während einer dreijährigen körperorientierten Sexualtherapieausbildung in semistrukturierten Einzelinterviews.

Ihre Ergebnisse geben erste Hinweise darauf, dass sich die sexuellen Fantasien in dieser Zeit verändern. Was Veränderung auslöst, benennt sie konkret: intensive, wiederholte Wahrnehmungsübungen und das Experimentieren mit dem eigenen Körper, auch in der Sexualität.

Danach entstehen neue Zugänge zu Fantasien, die eigene Position darin verschiebt sich, und das Spektrum wird breiter.

Welche Kette vermutet die Arbeit?

Die Autorin ist an dieser Stelle vorsichtig und ehrlich: Welche Faktoren letztlich für die Veränderung verantwortlich sind, sei spekulativ.

Vieles deute jedoch auf folgende Abfolge hin: Über die Körperarbeit verbessert sich die Wahrnehmung des eigenen Körpers. Diese bessere Wahrnehmung führt zu neuen sexuellen Erfahrungen und zu neuen oder intensivierten erogenen Zonen. Und diese wiederum verändern die Fantasien.

Offen bleibt, welche Rolle die intensive theoretische Auseinandersetzung mit Sexualität während einer dreijährigen Ausbildung dabei spielt. Die Arbeit kann Körperarbeit und Wissenszuwachs nicht trennen.

Werden Fantasien überflüssig?

Das ist der überraschendste Befund. Bei guter Wahrnehmung der Körperempfindungen während der Sexualität scheinen sexuelle Fantasien möglicherweise überflüssig zu werden.

Zugleich gilt das Umgekehrte: Über Körperarbeit können Fantasien überhaupt erst zugänglich gemacht werden — bei Menschen, die bisher keinen Zugang zu ihnen hatten.

Beides zusammen ergibt ein brauchbares Bild für die Praxis. Fantasien sind kein fester Bestand, sondern verändern sich mit dem Körpererleben. Was den Zugang blockiert, benennt die Arbeit ebenfalls: eine moralisierende oder schambesetzte innere Instanz.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Die Autorin sagt es selbst: Eine abschliessende Antwort auf ihre Forschungsfrage kann sie nicht geben. Vier Interviews mit Personen in einer Ausbildung liefern erste Hinweise, mehr nicht.

Die Befragten sind zudem eine besondere Gruppe: Menschen, die sich freiwillig über drei Jahre körperorientiert mit Sexualität befassen. Was bei ihnen geschieht, lässt sich nicht ohne Weiteres auf Klientinnen und Klienten übertragen.

Dass die Arbeit ihre Deutungskette ausdrücklich als spekulativ kennzeichnet, statt sie als Ergebnis zu verkaufen, macht sie lesbarer.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 72 Seiten. Sie enthält die Definition und Systematik sexueller Fantasien, den Forschungsstand zu ihrer Funktion, die vollständige Auswertung der vier Interviews sowie die Diskussion der vermuteten Wirkungskette. Der Abstract liegt auch auf Englisch vor.

Abstract der Arbeit

Sexuelle Fantasien hat fast jede Person, jedoch sind diese nicht immer auf Anhieb zugänglich. Meist haben sie die Funktion die sexuelle Erregung in der Selbstbefriedigung oder in der Paarsexualität zu steigern, kommen aber noch häufiger in Form von Tagträumereien ohne sexuelle Interaktion vor. Die sexuellen Fantasien sind Bilder und Szenarien mit sexuellen Inhalten, Erzählungen mit sexuellem Inhalt jedoch ohne Bilder oder Einzelbilder ohne sexuellen Inhalt. Die vorliegende Arbeit zeigt anhand von vier semistrukturierten Einzelinterviews auf, in welcher Form sich die sexuellen Fantasien während einer dreijährigen körperorientierten Sexualtherapieausbildung verändern können. Von zentraler Bedeutung für Veränderungen sind intensive, wiederholende Wahrnehmungsübungen sowie das Experimentieren mit dem Körper, auch in der Sexualität. Dadurch ergeben sich (neue) Zugänge zu den sexuellen Fantasien, veränderte Positionen in der Fantasie oder variantenreichere sexuelle Fantasien. Eine moralisierende oder schambesetzte Instanz bildet eine Barriere zu den sexuellen Fantasien. Nearly every person has sexual fantasies, yet these are not always readily accessible. In most cases, they have the function of increasing sexual arousal during masturbation or during couple sexuality. Yet they occur even more frequently in the form of daydreams not in combination with sexual activity. Sexual fantasies are defined as pictures and scenarios containing sexual content, narratives with sexual content but without pictures or single images with no sexual content. This thesis is based on four semi-structured individual interviews and examines the ways in which sexual fantasies can change during a three-year, body-oriented sexual therapy educational program. The central factors contributing to these changes are intensive, repetitive awareness exercises and experimentation with the body, including sexuality. The primary changes observed during this research are newly developed approaches to sexual fantasies, a different position in the fantasies or more varied sexual fantasies. Moral position or a sense of shame can be obstacles to developing sexual fantasies.

Petra Wohlwend, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexuelle Fantasien im Kontext sexualtherapeutischer Körperarbeit Zusammenhänge zwischen sexuellen Fantasien und dem Veränderungspotenzial durch Körperarbeit

Verfasst von
Petra Wohlwend

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Sexuelle Fantasien · Körperarbeit · Sexualtherapie

Lizenz und Nachweis. Petra Wohlwend: «Sexuelle Fantasien im Kontext sexualtherapeutischer Körperarbeit Zusammenhänge zwischen sexuellen Fantasien und dem Veränderungspotenzial durch Körperarbeit». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Fortbildungsprogramm „Sexuelle Gesundheit“ für Hausärzte

Sandra Hauptmann untersucht in der Masterarbeit «Fortbildungsprogramm „Sexuelle Gesundheit“ für Hausärzte» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Patientinnen und Patienten möchten sexuelle Probleme mit ihrer Hausärztin besprechen. Studien zeigen zugleich, dass sich die meisten Hausärztinnen und Hausärzte dabei unsicher fühlen — und dass seit vierzig Jahren mehr Weiterbildung gefordert wird, ohne dass viel geschehen wäre. Diese Arbeit hat daraus keinen weiteren Appell gemacht, sondern ein Programm.

Worauf stützt sich das Programm?

Auf vier Interviews mit Ärztinnen und Ärzten, die zusätzlich sexologisch oder sexualmedizinisch ausgebildet sind. Befragt wurden sie zu Häufigkeit, Ursachen und Therapie der verbreitetsten sexuellen Funktionsstörungen sowie zu ihren Empfehlungen für den Workshop.

Die Auswertung erfolgte über eine zusammenfassende Inhaltsanalyse nach Mayring und ist ungewöhnlich transparent dokumentiert: 198 Paraphrasen insgesamt, davon 115 zu den Ursachen sexueller Funktionsstörungen und 83 zu deren Behandlung.

Aus der Häufigkeit, mit der einzelne Störungsbilder genannt wurden, leitet die Autorin ab, welche Themen ins Programm gehören — ein einfaches, aber nachvollziehbares Vorgehen.

Ein unerwarteter Befund

Die Autorin hält fest, dass sie überrascht war: In den Interviews ging es deutlich mehr um die sexuellen Probleme der Männer als um jene der Frauen.

Das ist keine Nebenbemerkung. Es sagt etwas darüber, was in Praxen tatsächlich zur Sprache kommt — und damit auch darüber, wessen Anliegen gehört werden. Wer eine Fortbildung nur an dem ausrichtet, was berichtet wird, schreibt diese Schieflage fort.

Im entwickelten Programm bilden entsprechend die erektile Dysfunktion und die Lustlosigkeit bei Frauen die beiden Schwerpunkte — die Autorin hat also gegengesteuert.

Wie sieht der Workshop aus?

Er beginnt mit einer Einführung in das Modell Sexocorporel. Danach folgen zwei Rollenspiele: eines mit einem Mann mit erektiler Dysfunktion, eines mit einer Frau mit Lustlosigkeit. Anschliessend übernehmen die Teilnehmenden die Rollen selbst.

Zum Abschluss führen die Ärztinnen und Ärzte Körperübungen durch. Der Gedanke dahinter ist der eigentliche Kern: Wer den Unterschied in der eigenen Körperwahrnehmung selbst gespürt hat, spricht leichter mit Patientinnen darüber.

Damit setzt das Programm nicht bei Wissen an, sondern bei der Unsicherheit — dem Grund, aus dem die Gespräche bisher unterbleiben.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier Interviews mit ausgewählten Fachpersonen — Ärztinnen und Ärzte mit sexologischer Zusatzausbildung sind eine kleine und besondere Gruppe. Was sie berichten, ist Expertenwissen, keine repräsentative Erhebung der hausärztlichen Praxis.

Die Autorin sagt selbst, dass es sich bei der Zählung der Nennungen nicht um statistisch belastbares Material handelt, sondern um einen Hinweis. Und das Programm ist entwickelt, aber nicht erprobt — ob es wirkt, zeigt die Arbeit nicht.

Die Arbeit ist auf Englisch verfasst.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 165 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zur sexualmedizinischen Kompetenz in der Hausarztpraxis, die vollständige Auswertung der vier Interviews mit allen Paraphrasen sowie das ausgearbeitete Workshop-Programm.

Abstract der Arbeit

The family practitioner plays an important role when it comes to sexual issues. Patients want to talk about their sexual problems with their family doctor, but studies show that the majority of general practitioners feel insecure talking about it. For the last 40 years it is known that there should be more training opportunities for general practitioners, but major movements happened. Objective: The aim of this study was to develop a workshop program about sexual health for general practitioners based on four expert interviews. Method: 3 physicians who are also trained sexologists and one who is trained in sexual medicine were interviewed about the prevalence, causes and therapy of the most common sexual dysfunctions as well as about recommendations for the workshop. The interviews were transliterated. The author used the summarizing content analysis of Mayring as the evaluation method. Results: Erectile dysfunction (ED) and female lack of libido are the main topics to be discussed in the workshop. At the beginning of the workshop the Sexocorporel model is going to be explained, afterwards two role plays with a man with ED and a woman with lack of libido are going to be conducted. The participants are going to play the role play between themselves afterwards. Towards the end of the workshop the general practitioners are going to perform some body exercises in order to experience some differences in body awareness which should make it easier for them to talk with their patients about sexuality.

Sandra Hauptmann, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Fortbildungsprogramm „Sexuelle Gesundheit“ für Hausärzte Entwicklung eines Workshops

Verfasst von
Sandra Hauptmann

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Vaginismus · Erektile Dysfunktion · Sexualität & Krankheit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Sandra Hauptmann: «Fortbildungsprogramm „Sexuelle Gesundheit“ für Hausärzte Entwicklung eines Workshops». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Förderung sexueller Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung

Selina Killer untersucht in der Masterarbeit «Förderung sexueller Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Die sexuelle Gesundheit von Menschen im Asyl- und Flüchtlingsbereich ist im Vergleich zur einheimischen Bevölkerung prekär. Diese Arbeit fragt, was Jugendliche und junge Erwachsene mit Fluchterfahrung brauchen — und bezieht dafür ihre eigene Perspektive ein, statt nur über sie zu forschen.

Was heisst sexuelle Bildung hier?

Der Begriff markiert nach dieser Arbeit einen Wechsel gegenüber der klassischen Aufklärung. Im Zentrum steht die Selbstbestimmung des Individuums, nicht die Vermittlung von Wissen über einen Sachverhalt.

Die Verankerung ist dabei nicht beliebig. Die Weltgesundheitsorganisation hält fest, dass sich sexuelle Gesundheit erlangen und erhalten lässt, wenn die sexuellen Rechte geachtet, geschützt und garantiert werden. Das Recht auf Bildung und Information gehört zu diesen Rechten, und die Bildung zur sexuellen Gesundheit ist in der Schweiz ein ausgewiesenes Handlungsfeld.

Sexuelle Bildung ist damit keine freiwillige Zusatzleistung, sondern die Einlösung eines Rechts.

Was braucht diese Zielgruppe besonders?

Drei Wissensbestände hält die Arbeit für unverzichtbar, wenn sexuelle Bildung mit jungen Menschen mit Fluchterfahrung gelingen soll: Kenntnisse zur sexuellen Entwicklung, intersektionale Pädagogik und transkulturelle Kompetenzen.

Das ist mehr als eine Aufzählung. Wer nur über sexuelle Entwicklung Bescheid weiss, übersieht, dass Herkunft, Aufenthaltsstatus, Geschlecht und Sprache gleichzeitig wirken. Wer nur transkulturell denkt, übersieht die Entwicklungsaufgaben des Jugendalters.

Die Befragten selbst äussern zwei Bedürfnisse: die Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität und den Erwerb sexueller Kompetenzen. Woran es fehlt, sind nicht Interesse oder Bereitschaft, sondern Zugänge.

Wie wurde vorgegangen?

Die Arbeit verbindet eine vertiefte Literaturaufbereitung mit qualitativer Sozialforschung. Über problemzentrierte Interviews bezieht sie die Perspektive der jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung ein; ausgewertet wird nach der Methodologie der Grounded Theory.

Dass die Zielgruppe selbst befragt wurde und nicht nur die Fachpersonen, die sie betreuen, ist der methodische Kern dieser Arbeit — und bei dieser Personengruppe keine Selbstverständlichkeit.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Die Zahl der Interviews ist klein, und die Arbeit stützt ihre Schlüsse auf die Verbindung von Literatur und empirischen Erkenntnissen, nicht auf die Interviews allein.

Bei einer Gruppe, deren Aufenthaltsstatus unsicher ist und die über Sexualität in einer Fremdsprache sprechen soll, ist der Zugang selbst die grösste Hürde. Wer sich für ein solches Gespräch zur Verfügung stellt, ist bereits eine Auswahl.

Was die Arbeit leistet, ist die Übersetzung eines anerkannten Rechts in konkrete Anforderungen an die professionelle Betreuung und Begleitung.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 106 Seiten. Sie enthält die Aufarbeitung des Forschungsstands zur sexuellen Gesundheit im Asyl- und Flüchtlingsbereich, die theoretischen Grundlagen zu sexueller Bildung, intersektionaler Pädagogik und transkultureller Kompetenz sowie die vollständige Auswertung der Interviews.

Abstract der Arbeit

Diese Arbeit bearbeitet die Frage 'Was brauchen Jugendliche und junge Erwachsene mit Fluchterfahrung im Hinblick auf ihre sexuelle Gesundheit und welche Anforderungen leiten sich daraus an die professionelle Betreuung und Begleitung ab?'. Die Auseinandersetzung mit aktueller Literatur zeigt auf, dass die sexuelle Gesundheit von Menschen im Asyl- und Flüchtlingsbereich, im Vergleich zur einheimischen Bevölkerung, prekär ist (Amacker et al., 2019; BAG, 2012; Cignacco et al., 2017). Aufgrund dieser Analysen fokussiert sich diese Arbeit auf die Handlungsfelder der Förderung sexueller Gesundheit und widmet sich spezifisch der sexuellen Bildung (Sexuelle Gesundheit Schweiz, 2018). Der Begriff der sexuellen Bildung stellt einen Paradigmawechsel dar. Die Selbstbestimmung des Individuums steht im Zentrum (Valtl, 2013). Die vertiefte Literaturaufbereitung ermittelt spezifische Grundlagen, die in der sexuellen Bildung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung einbezogen werden müssen; nämlich Kenntnisse zur sexuellen Entwicklung, zur intersektionalen Pädagogik und zu transkulturellen Kompetenzen. Die qualitative Sozialforschung dieser Arbeit bezieht anhand problemzentrierter Interviews auch die Perspektive der jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung mit ein. In der Analyse nach der Methodologie der Grounded-Theory werden Theorien entwickelt, welche der Beantwortung der Fragestellung dienen. Die abschliessende Antwort basiert auf der Diskussion von Literatur und empirischen Erkenntnissen. Jugendliche und junge Erwachsene mit Fluchterfahrung haben Bedürfnisse nach Auseinandersetzung mit der individuellen Sexualität, ebenso wie nach dem Erwerb sexueller Kompetenzen. Es besteht ein Bedarf an Zugängen der sexuellen Bildung und an kompetenten, vertrauenswürdigen Fach- sowie Ansprechpersonen. Die professionelle Betreuung und Begleitung muss sich deshalb Kompetenzen in sexueller Bildung aneignen und Zugänge zu sexueller Bildung schaffen.

Selina Killer, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Förderung sexueller Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung Einfluss von und Anforderungen an sexuelle Bildung in der professionellen Betreuung und Begleitung

Verfasst von
Selina Killer

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Jugendsexualität · Sexualisierte Gewalt · Verhütung

Lizenz und Nachweis. Selina Killer: «Förderung sexueller Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung Einfluss von und Anforderungen an sexuelle Bildung in der professionellen Betreuung und Begleitung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Frühzeitige Ejakulation – Erklärungsmodelle und Selbsthilfe

Stefanie Gonin-Spahni untersucht in der Masterarbeit «Frühzeitige Ejakulation – Erklärungsmodelle und Selbsthilfe» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Die frühzeitige Ejakulation ist häufig, schambesetzt und nicht einheitlich definiert — viele Betroffene suchen deshalb gar keine Behandlung. Diese Arbeit hat als erste geprüft, ob ein Weg ohne Praxisbesuch funktioniert. Er tut es.

Wann ist es überhaupt ein Problem?

Die Arbeit setzt hier einen klaren Massstab: Die frühzeitige Ejakulation ist ein in der Allgemeinbevölkerung häufiges Phänomen und nur dann als sexuelles Problem zu betrachten, wenn der betroffene Mann einen Leidensdruck berichtet.

Was diesen Leidensdruck ausmacht, bestätigt die Untersuchung: Am häufigsten und belastendsten ist die fehlende Kontrolle über den Zeitpunkt der Ejakulation — nicht die Dauer an sich.

Damit einher gehen Verzweiflung, negative Auswirkungen auf die Paarsexualität und geringere sexuelle Zufriedenheit.

Was wurde entwickelt und geprüft?

Eine ungeleitete Online-Selbsthilfe nach dem Modell Sexocorporel, bestehend aus Wissensvermittlung und konkreten Körperübungen. Getestet wurde sie über vier Wochen mit zehn Männern.

Der Vergleich vorher und nachher zeigt eine kleine bis mittelstarke Verbesserung der Symptomatik. Die Arbeit bestätigt damit als erste ihrer Art den Nutzen einer Online-Intervention bei frühzeitiger Ejakulation — vor dieser Masterarbeit existierte, soweit bekannt, keine solche.

Was wirkt dabei?

Aufschlussreich sind die Zusammenhänge neben dem Hauptergebnis. Je stärker die Symptome, desto geringer die sexuelle Zufriedenheit. Und die Symptomatik zeigt sich verstärkt bei grösseren sexuellen Bedenken, vor allem in Bezug auf die sexuelle Kommunikation.

Der wichtigste Befund für die Praxis betrifft den Körper: Wer sich bei der Erregungssteigerung in der Selbstbefriedigung häufiger bewegt, hat mehr Kontrolle über die Erregung, weniger Verzweiflung und ist mit dem Geschlechtsverkehr zufriedener.

Bemerkenswert ist zudem die Wahl des Ansatzes. Sexocorporel ist nicht störungsspezifisch, sondern allgemein auf die Förderung sexueller Gesundheit ausgerichtet — behandelt wird also nicht ein Symptom, sondern ein Lernprozess.

Warum ist das versorgungspolitisch relevant?

Weil die Zielgruppe schwer erreichbar ist. Online-Interventionen können nach der von der Autorin aufgearbeiteten Studienlage den Zugang zu einer angemessenen Behandlung erleichtern und eine wirksame Alternative zur Therapie vor Ort bieten.

Bei unterversorgten und schambehafteten Anliegen lässt sich damit kostengünstig eine Versorgungslücke schliessen. Die Autorin sieht darin einen Beitrag zur Prävention sexueller Gesundheit.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Zehn Männer über vier Wochen, ohne Kontrollgruppe. Das ist eine Machbarkeitsstudie, kein Wirksamkeitsnachweis im klinischen Sinn.

Die Autorin formuliert entsprechend zurückhaltend, was sich übertragen lässt: Die Zukunft werde zeigen, inwiefern die Erkenntnis auf andere sexuelle Probleme anwendbar ist.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 103 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu Definition und Erklärungsmodellen der frühzeitigen Ejakulation, die vollständige Online-Selbsthilfe mit allen Übungen sowie die statistische Auswertung des Vorher-Nachher-Vergleichs.

Abstract der Arbeit

Die frühzeitige Ejakulation ist ein nicht einheitlich definiertes, häufig berichtetes sexuelles Phänomen, welches in der Praxis mit Hilfe sexologischer, psychologischer und medizinischer Methoden behandelt wird. Im Fokus der vorliegenden Arbeit steht die subjektive Wahrnehmung der Männer und die Möglichkeit der Verbesserung der Kontrolle über die sexuelle Erregung durch sexuelle Lernschritte, wie sie der Ansatz Sexocorporel beschreibt. Zur Behandlung der frühzeitigen Ejakulation wurde eine ungeleitete online Selbsthilfe mit Wissensvermittlung und konkreten Körperübungen entwickelt und in ihrer Wirksamkeit in Bezug auf die Symptomatik mit Hilfe der Teilnahme von 10 Männern über vier Wochen geprüft. Je stärker sich die Symptome frühzeitiger Ejakulation zeigen, desto tiefer fällt die sexuelle Zufriedenheit aus. Die frühzeitige Ejakulation zeigt sich verstärkt bei grösseren sexuellen Bedenken, vor allem in Hinblick auf die sexuelle Kommunikation. Eine häufigere Bewegung des Körpers bei der Erregungssteigerung in der Selbstbefriedigung hingegen geht mit stärkerer Kontrolle über die Erregung, weniger Verzweiflung und höherer Zufriedenheit mit dem Geschlechtsverkehr einher. Der Vergleich vor und nach der online Selbsthilfe zeigt eine kleine bis mittelstarke Verbesserung der Symptome frühzeitiger Ejakulation. Die online Selbsthilfe nach Sexocorporel beweist sich als wirksame und niederschwellige Alternative zum klassischen Behandlungssetting. Online Interventionen haben das Potenzial besonders bei unterversorgten und teils schambehafteten sexuellen Anliegen wie der frühzeitigen Ejakulation kostengünstig eine Versorgungslücke zu schliessen und einen bedeutenden Beitrag zur Prävention sexueller Gesundheit zu leisten.

Stefanie Gonin-Spahni, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Frühzeitige Ejakulation Definition, Erklärungsmodelle und Testung einer Internet-basierten Selbsthilfe nach Sexocorporel

Verfasst von
Stefanie Gonin-Spahni

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Erektile Dysfunktion · Digitale Medien · Körperarbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Stefanie Gonin-Spahni: «Frühzeitige Ejakulation Definition, Erklärungsmodelle und Testung einer Internet-basierten Selbsthilfe nach Sexocorporel». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Sexuelle Unlust von Frauen im Kontext des Geschlechtsverkehrs und der Selbstbefriedigung

Lea Eisenring untersucht in der Masterarbeit «Sexuelle Unlust von Frauen im Kontext des Geschlechtsverkehrs und der » am ISP. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

«Keine Lust auf Sex» kann zweierlei heissen — kein Interesse an sexuellen Handlungen, oder kein Empfinden während der Begegnung. Diese Arbeit zeigt, dass betroffene Frauen selbst kaum zwischen beidem unterscheiden. Und sie nimmt einen zweiten Ort in den Blick, der in Beratungen fast nie vorkommt: die Selbstbefriedigung.

Lust oder Erregung — was meinen Betroffene?

Die befragten Frauen verstehen unter sexueller Lust vor allem das sexuelle Interesse. Wenn sie ihr Erleben schildern, setzen sie es aber mit der sexuellen Erregung gleich, etwa während des Geschlechtsverkehrs. Die Unterscheidung ist bei Betroffenen diffus.

Die befragte Fachfrau bestätigt das aus ihrer Praxis: Wer von fehlender Lust spricht, meint meist fehlendes Interesse an sexuellen Handlungen.

Für die Beratung ist das der praktisch wichtigste Punkt der Arbeit. Bevor man an einem Anliegen arbeitet, muss geklärt sein, was die Frau mit dem Wort überhaupt bezeichnet — sonst behandelt man das eine und meint das andere.

Passt die klinische Definition?

Das DSM-5 definiert sexuelle Unlust als Fehlen oder deutliche Verminderung des sexuellen Interesses über mindestens sechs Monate, verbunden mit Leidensdruck.

Genau daran zeigt die Arbeit eine Lücke. Beide Befragten fühlen sich von sexueller Unlust betroffen — beschreiben ihren Leidensdruck aber als nicht stark ausgeprägt. Nach der klinischen Definition wären sie also nicht betroffen.

Die Autorin schliesst daraus, dass eine ausschliesslich klinische Definition dem Empfinden vieler Frauen nicht gerecht wird. Wer nur nach Diagnosekriterien fragt, übersieht diejenigen, die etwas verändern möchten, ohne darunter im klinischen Sinn zu leiden.

Warum spielt die Selbstbefriedigung eine Rolle?

Sexuelle Unlust wird fast immer als Problem der Paarsexualität verhandelt. Diese Arbeit fragt, welchen Stellenwert die Selbstbefriedigung bei betroffenen Frauen hat — und findet dort ein Muster.

Viele Frauen befriedigen sich auf eine bestimmte, seit der Kindheit entwickelte und gefestigte Weise. Ist dieses Muster störungsanfällig oder in der Paarsexualität schwer umsetzbar, entstehen dort Probleme.

Kommt hinzu, dass der Geschlechtsverkehr als wenig lustvoll erlebt wird und andere Motive fehlen, verstärkt sich die Unlust weiter. Für viele Betroffene ist dieser Zusammenhang neu — in der Praxis ist er häufig.

Was sagt die Forschung dazu?

Die Arbeit ordnet ihre Befunde in das zirkuläre Modell von Rosemary Basson ein. Darin ist die intrinsische Appetenz — die Lust, die von selbst entsteht — nur ein kleiner Teil. Kennzeichnend sind die nicht-sexuellen Motive, sich auf eine Begegnung einzulassen.

Das Modell passt nicht auf alle Frauen. Aufschlussreich ist aber, wer sich darin wiedererkennt: vor allem Frauen mit sexuellen Problemen. Damit liefert es für genau diese Gruppe eine Erklärung, die ohne Defizit auskommt.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Offene Leitfadeninterviews mit zwei betroffenen Frauen sowie ein Interview mit einer Fachfrau. Das ist eine schmale empirische Grundlage, und die Arbeit stützt ihre Schlüsse entsprechend stark auf die Literatur.

Was sie leistet, ist eine begriffliche Klärung, die in der Beratung unmittelbar brauchbar ist — und der Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen Selbstbefriedigungsmuster und Paarsexualität, der in der Praxis häufig, in der Literatur aber wenig behandelt ist.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 110 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu sexueller Lust und Unlust, die Definitionen nach DSM-5 und das Modell von Basson, die vollständige Auswertung der Interviews sowie konkrete Hinweise für die Beratung betroffener Frauen.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit befasst sich mit der sexuellen Unlust von Frauen. Anders als in vielen Arbeiten wird diese nicht nur auf die Paarsexualität bezogen, sondern auch auf die Selbstbefriedigung. Durch offene Leitfadeninterviews sowie einem Experteninterview wird der Frage nachgegangen, welchen Stellenwert die Selbstbefriedigung bei von sexueller Unlust betroffenen Frauen hat. Es zeigt sich, dass sowohl die Ursachen der sexuellen Unlust, das Erleben der sexuellen Unlust als auch die Gestaltung der Selbstbefriedigung sehr variantenreich sind. Die Selbstbefriedigung wird bei vielen Frauen auf eine bestimmte Art gestaltet und in immer wiederkehrendem Muster gelebt. Dieses Muster wurde seit Kindheit entwickelt und gefestigt. Zeigt sich dieses Muster sehr störungsanfällig und schwer umsetzbar, kann es in der Paarsexualität zu Problemen führen. Wird der Geschlechtsverkehr mit dem Partner oder Partnerin als wenig lustvoll erlebt und fehlen zudem andere Motive, sich auf den Geschlechtsverkehr einzulassen, kann dies die sexuelle Unlust positiv verstärken. Diese Ansicht ist für viele betroffenen Frauen zwar neu, in der Praxis jedoch häufig. Diese Erkenntnis sowie weitere Ergebnisse der vorliegenden Masterarbeit ermöglichen konkrete Hinweise für die Beratung von betroffenen Frauen.

Lea Eisenring, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexuelle Unlust von Frauen im Kontext des Geschlechtsverkehrs und der Selbstbefriedigung

Verfasst von
Lea Eisenring

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Paarsexualität

Lizenz und Nachweis. Lea Eisenring: «Sexuelle Unlust von Frauen im Kontext des Geschlechtsverkehrs und der Selbstbefriedigung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Die gestützte Selbstbeobachtung des weiblichen Zyklus

Caroline Fux untersucht in der Masterarbeit «Die gestützte Selbstbeobachtung des weiblichen Zyklus» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Drei Frauen kolorierten einen Zyklus lang täglich zehn Minuten Malvorlagen zum Thema Menstruation. Danach war ihr Bewusstsein für Zyklus und Genital deutlich gestiegen — die Menstruationsbeschwerden aber unverändert. Diese Arbeit berichtet beides und benennt zudem eine Bedingung, die leicht zu übersehen ist.

Was wurde gemacht?

Drei Frauen, die gewöhnlich unter starken Menstruationsbeschwerden leiden, malten über einen ganzen Zyklus hinweg täglich zehn Minuten in einem Malbuch mit Bildern zum Thema Menstruation.

Vor und nach diesem Zyklus wurden sie zu Menstruation, Zyklus und genitalem Selbstbild befragt; die Gespräche wurden qualitativ inhaltsanalytisch ausgewertet, ergänzt durch einen Fragebogen.

Die Zeitvorgabe hat sich als sinnvoll bemessen erwiesen. Zehn Minuten reichen, um in die Tätigkeit einzutauchen und von der entspannenden Wirkung zu profitieren.

Was hat sich verändert — und was nicht?

Das Bewusstsein für den eigenen Zyklus und das eigene Genital stieg deutlich, und die Frauen bewerteten das positiv. Auch verschiedene Bewertungen in den Bereichen Zyklus, Menstruation und genitales Selbstbild verbesserten sich.

Auf die Menstruationsbeschwerden hatte das Malen nach Angabe der Teilnehmerinnen keinen Einfluss. Die Arbeit verspricht also keine medizinische Wirkung — und das ist ein Vorzug.

Was die Frauen hervorhoben: Das tägliche Malen über den ganzen Zyklus wirkte entspannend und zentrierend.

Die Bedingung, die leicht übersehen wird

Die Autorin formuliert ihre Schlussfolgerung mit einer Einschränkung, die für jede Anwendung entscheidend ist: Die positiven Effekte zeigten sich, wenn das Malen durch ein Rahmenprogramm begleitet wurde — in diesem Fall durch die Interviews und den Fragebogen.

Ob die Malvorlagen für sich allein im Alltag dasselbe bewirken, ist damit offen. Das gesteigerte Bewusstsein dürfte die Selbstbeobachtung erleichtern und eine gute Grundlage für sexualtherapeutische Interventionen sein — als begleitetes Angebot, nicht als Selbstläufer.

Erste Hinweise gibt es zudem darauf, dass sich die Malvorlagen für Personen in einem breiten Altersspektrum eignen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Drei Teilnehmerinnen ohne Kontrollgruppe. Die Autorin benennt selbst, dass weitere Forschung nötig ist, um zu klären, unter welchen Umständen sich der Einsatz im Alltag lohnt.

Bemerkenswert ist die Trennschärfe: Wo eine Wirkung ausblieb, steht das im Ergebnis. Die Arbeit ist auf Deutsch und Englisch abgefasst.

Für die sexuelle Bildung ist der Befund dennoch brauchbar. Er zeigt, dass niederschwellige, körperbezogene Übungen etwas verändern können — an der Wahrnehmung, nicht am Symptom.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 74 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu Zykluswahrnehmung und genitalem Selbstbild, die Beschreibung des Vorgehens mit den Malvorlagen sowie die vollständige Auswertung der Interviews vor und nach dem Zyklus.

Abstract der Arbeit

Für diese Untersuchung haben drei Frauen einen Zyklus lang jeweils während zehn Minuten pro Tag Malvorlagen koloriert, die Bilder zum Thema Menstruation zeigen. Vor und nach dem begleiteten Zyklus wurden sie zu den Themen Zyklus, Menstruation und ihrem genitalem Selbstbild befragt. Ihre Aussagen wurden durch eine qualitative Inhaltsanalyse ausgewertet. Die Untersuchung konnte zeigen, dass das Bewusstsein der Frauen für ihren Zyklus und ihr Genital durch die Studie anstieg, was die Frauen positiv bewerteten. Alle drei Frauen erleben normalerweise starke Menstruationsbeschwerden. Auf diese hatte das Malen gemäss den Teilnehmerinnen keinen Einfluss, die Frauen betonten jedoch, dass sie das tägliche Malen während des ganzen Zyklus entspannte und zentrierte. For this study three women used a menstruation-themed coloring book for one menstruation cycle. They were coloring for ten minutes every day. Before and after this cycle they were interviewed about the topics menstruation, cycle and genital self-image. The transcripts of those interviews were analyzed with qualitative content analysis. This study could show that the awareness of their cycles and their genital was raised by the daily coloring, which the women experienced as highly beneficial. All women partaking in this study usually suffer from quite severe menstrual pain. According to them the coloring did not affect this pain, but the women stressed, that the coloring helped them to relax and to find focus.

Caroline Fux, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Die gestützte Selbstbeobachtung des weiblichen Zyklus – Wie Frauen ihren Zyklus, ihre Menstruation und ihr Genital erleben, wenn sie sich einen Zyklus lang mit Hilfe eines Mediums täglich damit beschäftigen

Verfasst von
Caroline Fux

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Verhütung · Genitales Selbstbild · Schwangerschaft & Geburt

Lizenz und Nachweis. Caroline Fux: «Die gestützte Selbstbeobachtung des weiblichen Zyklus – Wie Frauen ihren Zyklus, ihre Menstruation und ihr Genital erleben, wenn sie sich einen Zyklus lang mit Hilfe eines Mediums täglich damit beschäftigen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Online-Lerntool Sexualpädagogik für Lehrpersonen

Lorena Covolan untersucht in der Masterarbeit «Online Lerntool Sexualpädagogik Konzepterarbeitung eines sexualpädagog» am ISP. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Sexualaufklärung gehört zum Auftrag der Schule, aber kaum eine Lehrperson ist dafür ausgebildet worden. Weiterbildungen gäbe es — sie werden kaum in Anspruch genommen. Diese Arbeit hat erhoben, woran es liegt, und daraus ein Format entwickelt, das der Situation entgegenkommt.

Woran fehlt es?

Die Ergebnisse sind deutlich: Die Ausbildung für das Erteilen schulischer Sexualaufklärung ist unzureichend, und Weiterbildungsangebote werden kaum genutzt. Lehrpersonen fühlen sich teilweise nicht kompetent oder berichten von fehlendem Fachwissen.

Weiterer Bedarf besteht beim Verständnis und der Umsetzung einer ganzheitlichen Sexualaufklärung — einer, bei der die Freude an Sexualität Vorrang hat und nicht die Aufzählung von Risiken.

Warum ist Sexualaufklärung anders als andere Fächer?

Weil sie sich nicht auf dieselbe Weise unterrichten lässt. Schülerinnen und Schüler tragen persönliche Fragen an die Lehrperson heran — Fragen, die in Mathematik nicht vorkommen.

Damit wird die Haltung der unterrichtenden Person zum Unterrichtsmittel. Genau das ist der Kern, den die Arbeit herausarbeitet: Die Selbstreflexion der eigenen Haltung zur Sexualität und der eigenen sexuellen Biografie beeinflusst das pädagogische Handeln und damit die Qualität des Unterrichts.

Selbstreflexion und sexuelle Biografiearbeit sind deshalb keine Zusatzmodule, sondern ein wichtiger Baustein jeder sexualpädagogischen Aus- und Weiterbildung.

Was wurde entwickelt?

Ein Konzept für ein Online-Lerntool mit sechs Modulen: biologische Grundlagen, Ziele und Standards, Selbstreflexion, Bedürfnisse der Zielgruppe, Beziehungsebenen und Klassenklima, Rollenverständnis der Lehrperson sowie sexuelle Identitäten.

Das Modul Selbstreflexion hat die Autorin modellhaft ausgearbeitet — folgerichtig, weil ihre Analyse genau dort den Kern sieht.

Das Online-Format ist dabei kein Selbstzweck. Wenn Weiterbildungen kaum besucht werden, muss die Hürde sinken. Ein Angebot, das ortsunabhängig und ohne Anmeldung in einer Gruppe genutzt werden kann, senkt sie.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine Literaturrecherche verbunden mit teilstrukturierten Interviews mit drei Lehrpersonen, ausgewertet nach Mayring. Drei Lehrpersonen bilden die Vielfalt der Schulen nicht ab.

Das Lerntool ist zudem als Konzept entwickelt, nicht erprobt. Ob es genutzt würde und ob es wirkt, zeigt die Arbeit nicht — sie liefert die Bedarfsanalyse und den darauf aufbauenden Entwurf.

Für Schulleitungen und Weiterbildungsverantwortliche ist beides brauchbar: die Diagnose, warum bisherige Angebote nicht greifen, und ein durchdachter Vorschlag.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 112 Seiten. Sie enthält die Literaturaufarbeitung zur schulischen Sexualaufklärung, die Bedarfsanalyse aus den Interviews, das vollständige Konzept des Online-Lerntools sowie das ausgearbeitete Modul zur Selbstreflexion.

Abstract der Arbeit

Ziel dieser Forschungsarbeit ist den Weiterbildungsbedarf von Lehrpersonen in der schu- lischen Sexualaufklärung und die Interessen der Schüler und Schülerinnen1 zu erarbeiten, sowie ein Konzept für ein Online Lerntool für die Weiterbildung von Lehrpersonen zu ent- wickeln. Es wurden eine Literaturrecherche und für die Bedarfsanalyse teilstrukturierte Interviews mit drei Lehrpersonen durchgeführt. Darauf aufbauend wurden die Hauptthemen für das Online Lerntool identifiziert. Die Auswertung der Interviews und Literatur zeigte, dass Lehr- personen unzureichend für das Unterrichten schulischer Sexualaufklärung ausgebildet werden und dass deren Haltung zur Sexualität den Unterricht beeinflusst. Ausserdem bringt das Unterrichten schulischer Sexualaufklärung spezifische Herausforderungen mit sich. Ein möglicher Lösungsansatz dafür ist die Selbstreflexion der Lehrperson, welche von der Aus- einandersetzung mit ihrer eigenen Haltung und sexuellen Biografie profitiert. Das Online Lerntool Konzept enthält sechs Module, welche die Themen biologische Grundlagen, Ziele und Standards, Selbstreflexion, Bedürfnisse der Zielgruppe, Beziehungsebenen, Klassen- klima, Rollenverständnis der Lehrperson und sexuelle Identitäten beinhalten. Das Modul Selbstreflexion wurde aufgrund deren zentralen Bedeutung für das Unterrichten modellhaft ausgearbeitet.

Lorena Covolan, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Online Lerntool Sexualpädagogik Konzepterarbeitung eines sexualpädagogischen Weiterbildungsangebotes für Lehrpersonen, aufbauend auf einer Bedarfsanalyse von Lehrpersonen und Schüler_innen _________________________________________________________________

Verfasst von
Lorena Covolan

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Digitale Medien

Lizenz und Nachweis. Lorena Covolan: «Online Lerntool Sexualpädagogik Konzepterarbeitung eines sexualpädagogischen Weiterbildungsangebotes für Lehrpersonen, aufbauend auf einer Bedarfsanalyse von Lehrpersonen und Schüler_innen _________________________________________________________________». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Sexuelle Lust und Unlust von Frauen im Zusammenhang mit hormoneller Empfängnisverhütung

Christina Schnurrenberger untersucht in der Masterarbeit «Sexuelle Lust und Unlust von Frauen im Zusammenhang mit hormoneller Empfängnisverhütung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

«Seit ich die Pille nehme, ist die Lust weg» — der Satz fällt in Beratungen regelmässig, und ebenso regelmässig bleibt offen, was daran am Hormon liegt. Diese Arbeit nimmt einen zweiten Faktor dazu, der sonst getrennt behandelt wird: das erlernte körperliche Verhalten in der Sexualität.

Warum zwei Faktoren statt einem?

Weil beide gleichzeitig wirken. Die hormonelle Empfängnisverhütung greift in den Hormonhaushalt ein — und wie eine Frau ihren Körper beim Sex einsetzt, ist erlernt und veränderbar.

Wer nur auf das Präparat schaut, hat für den Fall, dass ein Wechsel nichts bringt, keine zweite Karte. Genau darum geht es dieser Arbeit: den Blick auf beides zu richten.

Untersucht werden dabei nicht «Lust» als Ganzes, sondern drei Grössen getrennt — sexuelles Verlangen, sexuelles Vergnügen und sexuelle Motivation.

Was hat die Befragung ergeben?

Die Aussagen der sechs befragten Frauen im gebärfähigen Alter stützen die Annahme: Sowohl die hormonelle Empfängnisverhütung als auch das erlernte körperliche Verhalten können sich auf die sexuelle Lust auswirken.

Aufschlussreicher ist der Zusammenhang zwischen den drei Grössen. Das sexuelle Vergnügen kann auf das Verlangen und auf die Motivation wirken — und die Motivation wiederum auf das Verlangen.

Das ist keine Nebensache, sondern eine andere Reihenfolge als die vertraute. Nicht das Verlangen führt zum Vergnügen, sondern das Vergnügen kann Verlangen erzeugen. Wer wartet, bis Lust da ist, wartet womöglich am falschen Ende.

Was heisst das für die Beratung?

Wenn eine Frau nach einem Wechsel des Verhütungsmittels fragt, ist das eine legitime Frage — aber selten die einzige. Diese Arbeit zeigt, wo daneben anzusetzen wäre: beim körperlichen Verhalten während der Erregung, das sich erlernen und verändern lässt.

Die Autorin ist bei der Reichweite ihrer Daten ausdrücklich vorsichtig. Sechs Interviews erlauben keine allgemeinen Schlüsse; um kausale Zusammenhänge zwischen Einflussfaktoren und sexueller Lust allgemeingültig zu formulieren, brauche es eine deutlich grössere Teilnehmerzahl. Sie benennt diesen Forschungsbedarf selbst.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine Aufarbeitung des Forschungsstands verbunden mit einer qualitativen Befragung von sechs Frauen im gebärfähigen Alter.

Ein methodischer Punkt verdient Beachtung: Die Leitfragen liessen sich den Befragten nicht direkt stellen — niemand kann aus dem Stand sagen, ob ein Präparat seine sexuelle Motivation beeinflusst. Sie wurden deshalb in Interviewfragen übersetzt. Die Auswertung ist damit eine Deutung von Schilderungen, keine Messung.

Was die Arbeit leistet, ist die Verbindung zweier Erklärungswege, die sonst getrennt verhandelt werden.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 151 Seiten. Sie enthält die Aufarbeitung früherer Forschung zu hormoneller Verhütung und sexueller Lust, die theoretischen Grundlagen zum erlernten körperlichen Verhalten sowie die vollständige Auswertung der sechs Interviews.

Abstract der Arbeit

Abstrakt Einführung: In der Masterarbeit fasst die Verfasserin die Ergebnisse anderer Forschungen und die Ergebnisse eigener Untersuchungen zum Thema der beiden Faktoren zusammen, welche die sexuelle Lust bei Frauen beeinflussen – die hormonelle Empfängnisverhütung und das erlernte körperliche Verhalten in der Sexualität. Methodik: Forschungsarbeit mit Aufarbeitung der Ergebnisse früherer, von anderen durchgeführter Forschungen und der Ergebnisse der eigenen Untersuchung mittels qualitativer Befragung von sechs Frauen im gebärfähigen Alter. Ergebnis: Aufgrund der bei der Befragung erhaltenen Antworten wurde aufgezeigt, dass die hormonelle Empfängnisverhütung und das erlernte körperliche Verhalten in der Sexualität Einfluss auf die sexuelle Lust haben können (auf das sexuelle Verlangen und das sexuelle Vergnügen). Der Untersuchung nach kann das sexuelle Vergnügen Auswirkungen auf das sexuelle Verlangen und die sexuelle Motivation haben. Gleichermassen wirkt sich die sexuelle Motivation auf das sexuelle Verlangen aus. Schlussfolgerung: Die hormonelle Empfängnisverhütung und das erlernte körperliche Verhalten können sich auf das sexuelle Verlangen, das sexuelle Vergnügen und die sexuelle Motivation bei Frauen auswirken. Da die Befragung jedoch lediglich unter Mitwirkung von sechs Frauen durchgeführt wurde, ist eine weiterführende Forschung notwendig, um unter Einbindung einer höheren Anzahl an Frauen allgemeine Schlussfolgerungen ziehen zu können. Mit einer erhöhten Teilnehmerzahl könnten die kausalen Zusammenhänge zwischen Einflussfaktoren und sexueller Lust allgemeingültig formuliert werden.

Christina Schnurrenberger, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexuelle Lust und Unlust von Frauen im Zusammenhang mit hormoneller Empfängnisverhütung und erlerntem körperlichem Verhalten in der Sexualität

Verfasst von
Christina Schnurrenberger

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Verhütung · Sexuelles Verlangen · Schwangerschaft & Geburt

Lizenz und Nachweis. Christina Schnurrenberger: «Sexuelle Lust und Unlust von Frauen im Zusammenhang mit hormoneller Empfängnisverhütung und erlerntem körperlichem Verhalten in der Sexualität». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Analverkehr in heterosexuellen Beziehungen – das Erleben des eindringenden Mannes

Michael Gregory Walser untersucht in der Masterarbeit «Analverkehr in heterosexuellen Beziehungen» am ISP. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Zur anal aufnehmenden Frau gibt es Forschung. Zum eindringenden Mann in heterosexuellen Beziehungen im deutschsprachigen Raum so gut wie nichts. Diese Arbeit schliesst die Lücke — und findet etwas anderes, als die naheliegende Annahme vermuten lässt: Der Reiz liegt nicht in der Praktik, sondern in dem, was sie über die Beziehung aussagt.

Wird Analverkehr dem Vaginalverkehr vorgezogen?

Nein. Keiner der vier befragten Männer mass dem eindringenden Analverkehr grundsätzlich einen höheren Stellenwert bei als dem Vaginalverkehr. Damit ist eine verbreitete Annahme entkräftet.

Bestätigt hat sich dagegen die andere Ausgangsvermutung der Arbeit: Die Motive der Männer gehen deutlich über die rein sexuelle Stimulation am Penis hinaus. Teilweise ähneln sie den beziehungsbezogenen Motiven, die aus der Forschung zu anal aufnehmenden Frauen bekannt sind. Dazu kommt etwas Spezifisches: der Wunsch nach Erhalt und Stärkung des eigenen männlichen Selbstbilds.

Worum geht es dann?

Der zentrale Befund der Arbeit ist ein Wechselspiel zwischen Aushandlung und Selbstbild. Beides definiert einander: Wie ein Mann den Analverkehr aushandelt, prägt sein Selbstbild — und sein Selbstbild prägt, wie er aushandelt.

Dass gerade diese Praktik diese Funktion erfüllt, hängt mit ihrer Seltenheit zusammen. Weil sie nicht selbstverständlich ist, muss sie besprochen und ausgehandelt werden — und genau dieser Vorgang wird bedeutsam.

Das Selbstbild, das die Männer dabei stärken, liegt auf einem Kontinuum zwischen zwei Polen: dominant, fordernd, egoistisch auf der einen Seite; kooperativ, rücksichtsvoll, empathisch auf der anderen. Die vier Befragten verteilen sich unterschiedlich darauf. Einer stärkt vor allem den dominanten Teil über Inszenierungen, ein anderer schwerpunktmässig den kollaborativen, zwei liegen dazwischen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie über diese Erfahrungen auf ihr Selbstbild einwirken.

Wie wird ausgehandelt?

Die Strategien der Männer sind verbal und nonverbal, und beides wird von ihnen schon während der Anwendung als sexuell erregend wahrgenommen. Die Aushandlung ist also nicht Vorspiel zum Sex, sie ist bereits Teil davon.

Zu den nonverbalen Strategien zählt die Arbeit die orale Stimulation der Vulva sowie die Stimulation des Anus mit den Fingern oder oberflächlich mit dem Penis — mit dem Ziel, die Partnerin so weit zu erregen, dass sie einwilligt. Der Autor betont, dass es um einen auf Augenhöhe und im Konsens ausgehandelten Akt geht.

Genau diese Passage lohnt eine aufmerksame Lektüre. Erregung als Weg zur Zustimmung ist ein Vorgang, den die Arbeit beschreibt, ohne ihn eigens zu problematisieren — für die Beratung ist er der Punkt, an dem über Konsens zu sprechen wäre.

Was heisst das für die Beratung?

Wer den eindringenden Analverkehr in der Praxis nur als Technik oder als Vorliebe behandelt, verfehlt nach dieser Arbeit den Kern. Die Befragten beschreiben ihn als bedeutsamen Entwicklungs- und Qualitätsaspekt ihrer Beziehung und ihrer eigenen Sexualität.

Theoretisch stützt sich die Arbeit auf Ekel und Scham, Selbstbild und Kommunikation. Wo eines dieser Themen in der Beratung auftaucht, liefert sie eine ausführlich belegte Grundlage — auch für Fachpersonen, die mit Männern arbeiten und für dieses Thema bisher keine Literatur zur Hand hatten.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier Einzelinterviews, erhoben mit dem problemzentrierten Interview nach Witzel und ausgewertet nach der Grounded Theory von Strauss und Corbin. Ein qualitatives Verfahren dieser Art zielt nicht auf Repräsentativität, sondern auf das Verstehen eines Zusammenhangs — und dafür sind vier ausführliche Gespräche eine übliche Grundlage.

Was fehlt, ist die Gegenseite. Befragt wurden ausschliesslich die Männer. Wie die Partnerinnen die beschriebenen Aushandlungen erlebt haben, bleibt offen.

Die Arbeit im Original

Mit 316 Seiten ist dies die umfangreichste Arbeit der Sammlung. Sie enthält den vollständigen Forschungsstand zu Analverkehr in heterosexuellen Beziehungen, die theoretischen Grundlagen zu Ekel, Scham und Selbstbild, die vier vollständigen Interviewauswertungen und die ausführliche Diskussion der Schlüsselkategorien.

Abstract der Arbeit

Hinsichtlich der sexuellen Wahrnehmung der anal aufnehmenden Frau in heterosexuellen Beziehungen sowie ihren diesbezüglichen sexuellen Bedürfnisse und Kompetenzen exis- tieren Forschungserkenntnisse zur sexuellen Stimulation, sexuellen Abwechslung sowie zur Beziehungsgestaltung. Entsprechend vergleichbare Erkenntnisse für den anal eindrin- genden Mann in heterosexuellen Beziehungen bestehen vor allem im deutschsprachigen Raum kaum. Basierend auf theoretischen Ansätzen zu Ekel und Scham, Selbstbild und Kommunikation verschafft diese Masterarbeit einen Überblick über die sexuellen Bedürf- nisse, Kompetenzen und Wahrnehmungen von anal eindringenden Männern in heterose- xuellen Beziehungen. Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurden qualitative For- schungsmethoden herangezogen. Unter Anwendung des Problemzentrierten Interviews nach Witzel wurden Daten aus vier Einzelinterviews erhoben und anschliessend durch das Verfahren der Grounded Theory nach Strauss und Corbin analysiert. Es konnte nach- gewiesen werden, dass der eindringende Analverkehr eine spezifische, moderierende Funktion zwischen der Art und Weise der Aushandlung des eindringenden Analverkehrs einerseits und der Herausbildung und des Erhalts des Selbstbilds der Männer anderer- seits ausfüllt. Dieser wechselseitig von statten gehende Vorgang verdeutlicht, dass der eindringende Analverkehr für die befragten Männer vor allem seinen Reiz aus den beson- deren kommunikativen und beziehungsrelevanten Bedeutungen und Bedeutungszuschrei- bungen innerhalb der Beziehungen zu den Sexualpartnerinnen zieht. Der eindringende Analverkehr wird somit von den befragten Männern als ein wesentlicher und emotional bedeutsamer Entwicklungs- und Qualitätsaspekt in den Beziehungen zu ihren Sexualpart- nerinnen als auch für die Weiterentwicklung ihrer persönlichen Sexualität aufgefasst.

Michael Gregory Walser, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Analverkehr in heterosexuellen Beziehungen : Zum sexuellen Erleben des eindringenden Mannes im Lichte seiner entsprechenden Bedürfnisse und Kompetenzen

Verfasst von
Michael Gregory Walser

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Sexualtherapie

Lizenz und Nachweis. Michael Gregory Walser: «Analverkehr in heterosexuellen Beziehungen : Zum sexuellen Erleben des eindringenden Mannes im Lichte seiner entsprechenden Bedürfnisse und Kompetenzen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Körperorientierte Übungen zu genitaler Wahrnehmung und sexueller Lust

Claudia Märki untersucht in der Masterarbeit «Körperorientierte Übungen zu genitaler Wahrnehmung und sexueller Lust» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Für Frauen, die etwas über den eigenen Körper und die eigene Lust lernen möchten, gibt es Ratgeber und Therapie — dazwischen kaum etwas. Diese Arbeit hat die Lücke nicht nur beschrieben, sondern gefüllt: mit einem Kurs, der entwickelt, durchgeführt und ausgewertet wurde.

Warum braucht es das Angebot?

Die Begründung setzt ungewöhnlich an. Statt von einem Defizit auszugehen, zeigt die Arbeit auf, welche sexuellen Rechte für heterosexuelle Frauen noch nicht erfüllt sind — und leitet daraus die Notwendigkeit eines Bildungsangebots ab.

Daraus entstand ein Curriculum und der Kurs «lustvoll sexuell». Er verfolgt drei Ziele: die genitale Wahrnehmung fördern, anatomisches Wissen über das weibliche Geschlecht vermitteln und den positiven genitalen Selbstbezug stärken.

Die Werkzeuge stammen aus der achtsamkeitsbasierten Sexualtherapie, dem Modell Sexocorporel und der Sportdidaktik — eine Kombination, die man selten zusammen sieht.

Was hat der Kurs bewirkt?

Die Evaluation zeigt exemplarisch, dass die gesetzten Ziele erreicht wurden: eine erste Verbesserung der genitalen Wahrnehmung, ein messbarer Wissenszuwachs, ein gestärkter positiver Selbstbezug.

Das stärkste Ergebnis war jedoch ein anderes, das im Konzept gar nicht als Ziel stand: der offene Austausch. Die Teilnehmerinnen erachteten ihn als grösste Stärke des Kurses.

Dieselbe Beobachtung machen mehrere andere Arbeiten dieser Sammlung. Wer ein Gruppenangebot plant, sollte den Austausch nicht als Beiwerk einplanen, sondern als Wirkstoff.

Was macht ein gutes Bildungsangebot aus?

Die Arbeit formuliert es so: Ein körperorientiertes Angebot, lustfreundlich und sexualitätsbejahend gestaltet, schafft ein sicheres Erfahrungsfeld für individuelle sexuelle Lernprozesse — auf kognitiver, emotionaler und körperlicher Ebene zugleich.

Der Grundgedanke dahinter: Die Fähigkeit zu sexueller Erregung ist angeboren, sexuelles Lernen aber findet lebenslang statt und beginnt in frühester Kindheit. Was gelernt wurde, lässt sich auch später erweitern.

Wer selbst ein Angebot aufbauen will, findet hier ein vollständig durchgerechnetes und erprobtes Konzept.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Der Kurs wurde von der Autorin entwickelt, selbst durchgeführt und selbst evaluiert. Das ist bei einer Konzeptarbeit üblich, färbt aber auf die Rückmeldungen ab.

Die Evaluation ist ausdrücklich exemplarisch angelegt — sie zeigt an einem Durchgang, dass die Ziele erreichbar sind, nicht dass sie regelmässig erreicht werden. Eine Kontrollgruppe oder eine Nachbefragung nach längerer Zeit gibt es nicht.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 120 Seiten. Sie enthält die Begründung aus den sexuellen Rechten, die Analyse der Faktoren, die sexuelles Lernen bei Frauen einschränken, das vollständige Curriculum und Kurskonzept sowie die Auswertung der Durchführung.

Abstract der Arbeit

Bildungsangebote für die sexuelle Erwachsenenbildung gibt es bislang wenige. Die vorliegende Arbeit erstellt theoriegeleitet ein Konzept für eine Bildungsveranstaltung der sexuellen Erwachsenenbildung für heterosexuelle Frauen. Darin wird gezeigt, welche Faktoren den sexuellen Lernprozess von heterosexuellen Frauen beschränken. Die vorliegende Arbeit begründet die Entwicklung eines Curriculums zur Unterstützung des sexuellen Lernens auf Grundlage der sexuellen Rechte. Ein Kurs „lustvoll sexuell“ wird entwickelt, durch den Frauen grundlegendes anatomisches Wissen vermittelt wird. Es wird der positive, genitale Selbstbezug gestärkt und durch Körperübungen wird die genitale Wahrnehmung gefördert. Es werden Werkzeuge aus der achtsamkeitsbasierten Sexualtherapie, dem Modell Sexocoporel und der Sportdidaktik vorgestellt. Der entwickelte Kurs wird von der Verfasserin durchgeführt und evaluiert. Die Evaluation wertet den Inhalt des Kurses und den durch die Körperübungen erreichten Lerntransfer zur Verbesserung der genitalen Wahrnehmung exemplarisch aus. Die Auswertung zeigt, dass bei der Zielgruppe eine erste Verbesserung der genitalen Wahrnehmung stattfindet, das vermittelte Wissen einen Lernzuwachs erzielt und der positive genitale Selbstbezug gefördert wird. Das offene Sprechen erweist sich als stärkstes Ergebnis des Kurses. Damit stellt die durch die vorliegende Arbeit konzipierte Bildungsveranstaltung eine wirksame Massnahme in der sexuellen Gesundheitsförderung von heterosexuellen Frauen dar.

Claudia Märki, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Körperorientierte Übungen zu genitaler Wahrnehmung und sexueller Lust in der sexuellen Erwachsenenbildung

Verfasst von
Claudia Märki

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Körperarbeit · Genitales Selbstbild · Sexuelles Verlangen

Lizenz und Nachweis. Claudia Märki: «Körperorientierte Übungen zu genitaler Wahrnehmung und sexueller Lust in der sexuellen Erwachsenenbildung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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