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MA2 Masterarbeit

Körperorientierte Übungen zu genitaler Wahrnehmung und sexueller Lust

Claudia Märki untersucht in der Masterarbeit «Körperorientierte Übungen zu genitaler Wahrnehmung und sexueller Lust» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Für Frauen, die etwas über den eigenen Körper und die eigene Lust lernen möchten, gibt es Ratgeber und Therapie — dazwischen kaum etwas. Diese Arbeit hat die Lücke nicht nur beschrieben, sondern gefüllt: mit einem Kurs, der entwickelt, durchgeführt und ausgewertet wurde.

Warum braucht es das Angebot?

Die Begründung setzt ungewöhnlich an. Statt von einem Defizit auszugehen, zeigt die Arbeit auf, welche sexuellen Rechte für heterosexuelle Frauen noch nicht erfüllt sind — und leitet daraus die Notwendigkeit eines Bildungsangebots ab.

Daraus entstand ein Curriculum und der Kurs «lustvoll sexuell». Er verfolgt drei Ziele: die genitale Wahrnehmung fördern, anatomisches Wissen über das weibliche Geschlecht vermitteln und den positiven genitalen Selbstbezug stärken.

Die Werkzeuge stammen aus der achtsamkeitsbasierten Sexualtherapie, dem Modell Sexocorporel und der Sportdidaktik — eine Kombination, die man selten zusammen sieht.

Was hat der Kurs bewirkt?

Die Evaluation zeigt exemplarisch, dass die gesetzten Ziele erreicht wurden: eine erste Verbesserung der genitalen Wahrnehmung, ein messbarer Wissenszuwachs, ein gestärkter positiver Selbstbezug.

Das stärkste Ergebnis war jedoch ein anderes, das im Konzept gar nicht als Ziel stand: der offene Austausch. Die Teilnehmerinnen erachteten ihn als grösste Stärke des Kurses.

Dieselbe Beobachtung machen mehrere andere Arbeiten dieser Sammlung. Wer ein Gruppenangebot plant, sollte den Austausch nicht als Beiwerk einplanen, sondern als Wirkstoff.

Was macht ein gutes Bildungsangebot aus?

Die Arbeit formuliert es so: Ein körperorientiertes Angebot, lustfreundlich und sexualitätsbejahend gestaltet, schafft ein sicheres Erfahrungsfeld für individuelle sexuelle Lernprozesse — auf kognitiver, emotionaler und körperlicher Ebene zugleich.

Der Grundgedanke dahinter: Die Fähigkeit zu sexueller Erregung ist angeboren, sexuelles Lernen aber findet lebenslang statt und beginnt in frühester Kindheit. Was gelernt wurde, lässt sich auch später erweitern.

Wer selbst ein Angebot aufbauen will, findet hier ein vollständig durchgerechnetes und erprobtes Konzept.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Der Kurs wurde von der Autorin entwickelt, selbst durchgeführt und selbst evaluiert. Das ist bei einer Konzeptarbeit üblich, färbt aber auf die Rückmeldungen ab.

Die Evaluation ist ausdrücklich exemplarisch angelegt — sie zeigt an einem Durchgang, dass die Ziele erreichbar sind, nicht dass sie regelmässig erreicht werden. Eine Kontrollgruppe oder eine Nachbefragung nach längerer Zeit gibt es nicht.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 120 Seiten. Sie enthält die Begründung aus den sexuellen Rechten, die Analyse der Faktoren, die sexuelles Lernen bei Frauen einschränken, das vollständige Curriculum und Kurskonzept sowie die Auswertung der Durchführung.

Abstract der Arbeit

Bildungsangebote für die sexuelle Erwachsenenbildung gibt es bislang wenige. Die vorliegende Arbeit erstellt theoriegeleitet ein Konzept für eine Bildungsveranstaltung der sexuellen Erwachsenenbildung für heterosexuelle Frauen. Darin wird gezeigt, welche Faktoren den sexuellen Lernprozess von heterosexuellen Frauen beschränken. Die vorliegende Arbeit begründet die Entwicklung eines Curriculums zur Unterstützung des sexuellen Lernens auf Grundlage der sexuellen Rechte. Ein Kurs „lustvoll sexuell“ wird entwickelt, durch den Frauen grundlegendes anatomisches Wissen vermittelt wird. Es wird der positive, genitale Selbstbezug gestärkt und durch Körperübungen wird die genitale Wahrnehmung gefördert. Es werden Werkzeuge aus der achtsamkeitsbasierten Sexualtherapie, dem Modell Sexocoporel und der Sportdidaktik vorgestellt. Der entwickelte Kurs wird von der Verfasserin durchgeführt und evaluiert. Die Evaluation wertet den Inhalt des Kurses und den durch die Körperübungen erreichten Lerntransfer zur Verbesserung der genitalen Wahrnehmung exemplarisch aus. Die Auswertung zeigt, dass bei der Zielgruppe eine erste Verbesserung der genitalen Wahrnehmung stattfindet, das vermittelte Wissen einen Lernzuwachs erzielt und der positive genitale Selbstbezug gefördert wird. Das offene Sprechen erweist sich als stärkstes Ergebnis des Kurses. Damit stellt die durch die vorliegende Arbeit konzipierte Bildungsveranstaltung eine wirksame Massnahme in der sexuellen Gesundheitsförderung von heterosexuellen Frauen dar.

Claudia Märki, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Körperorientierte Übungen zu genitaler Wahrnehmung und sexueller Lust in der sexuellen Erwachsenenbildung

Verfasst von
Claudia Märki

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Körperarbeit · Genitales Selbstbild · Sexuelles Verlangen

Lizenz und Nachweis. Claudia Märki: «Körperorientierte Übungen zu genitaler Wahrnehmung und sexueller Lust in der sexuellen Erwachsenenbildung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Analverkehr in heterosexuellen Beziehungen – das Erleben des eindringenden Mannes

Michael Gregory Walser untersucht in der Masterarbeit «Analverkehr in heterosexuellen Beziehungen» am ISP. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Zur anal aufnehmenden Frau gibt es Forschung. Zum eindringenden Mann in heterosexuellen Beziehungen im deutschsprachigen Raum so gut wie nichts. Diese Arbeit schliesst die Lücke — und findet etwas anderes, als die naheliegende Annahme vermuten lässt: Der Reiz liegt nicht in der Praktik, sondern in dem, was sie über die Beziehung aussagt.

Wird Analverkehr dem Vaginalverkehr vorgezogen?

Nein. Keiner der vier befragten Männer mass dem eindringenden Analverkehr grundsätzlich einen höheren Stellenwert bei als dem Vaginalverkehr. Damit ist eine verbreitete Annahme entkräftet.

Bestätigt hat sich dagegen die andere Ausgangsvermutung der Arbeit: Die Motive der Männer gehen deutlich über die rein sexuelle Stimulation am Penis hinaus. Teilweise ähneln sie den beziehungsbezogenen Motiven, die aus der Forschung zu anal aufnehmenden Frauen bekannt sind. Dazu kommt etwas Spezifisches: der Wunsch nach Erhalt und Stärkung des eigenen männlichen Selbstbilds.

Worum geht es dann?

Der zentrale Befund der Arbeit ist ein Wechselspiel zwischen Aushandlung und Selbstbild. Beides definiert einander: Wie ein Mann den Analverkehr aushandelt, prägt sein Selbstbild — und sein Selbstbild prägt, wie er aushandelt.

Dass gerade diese Praktik diese Funktion erfüllt, hängt mit ihrer Seltenheit zusammen. Weil sie nicht selbstverständlich ist, muss sie besprochen und ausgehandelt werden — und genau dieser Vorgang wird bedeutsam.

Das Selbstbild, das die Männer dabei stärken, liegt auf einem Kontinuum zwischen zwei Polen: dominant, fordernd, egoistisch auf der einen Seite; kooperativ, rücksichtsvoll, empathisch auf der anderen. Die vier Befragten verteilen sich unterschiedlich darauf. Einer stärkt vor allem den dominanten Teil über Inszenierungen, ein anderer schwerpunktmässig den kollaborativen, zwei liegen dazwischen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie über diese Erfahrungen auf ihr Selbstbild einwirken.

Wie wird ausgehandelt?

Die Strategien der Männer sind verbal und nonverbal, und beides wird von ihnen schon während der Anwendung als sexuell erregend wahrgenommen. Die Aushandlung ist also nicht Vorspiel zum Sex, sie ist bereits Teil davon.

Zu den nonverbalen Strategien zählt die Arbeit die orale Stimulation der Vulva sowie die Stimulation des Anus mit den Fingern oder oberflächlich mit dem Penis — mit dem Ziel, die Partnerin so weit zu erregen, dass sie einwilligt. Der Autor betont, dass es um einen auf Augenhöhe und im Konsens ausgehandelten Akt geht.

Genau diese Passage lohnt eine aufmerksame Lektüre. Erregung als Weg zur Zustimmung ist ein Vorgang, den die Arbeit beschreibt, ohne ihn eigens zu problematisieren — für die Beratung ist er der Punkt, an dem über Konsens zu sprechen wäre.

Was heisst das für die Beratung?

Wer den eindringenden Analverkehr in der Praxis nur als Technik oder als Vorliebe behandelt, verfehlt nach dieser Arbeit den Kern. Die Befragten beschreiben ihn als bedeutsamen Entwicklungs- und Qualitätsaspekt ihrer Beziehung und ihrer eigenen Sexualität.

Theoretisch stützt sich die Arbeit auf Ekel und Scham, Selbstbild und Kommunikation. Wo eines dieser Themen in der Beratung auftaucht, liefert sie eine ausführlich belegte Grundlage — auch für Fachpersonen, die mit Männern arbeiten und für dieses Thema bisher keine Literatur zur Hand hatten.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier Einzelinterviews, erhoben mit dem problemzentrierten Interview nach Witzel und ausgewertet nach der Grounded Theory von Strauss und Corbin. Ein qualitatives Verfahren dieser Art zielt nicht auf Repräsentativität, sondern auf das Verstehen eines Zusammenhangs — und dafür sind vier ausführliche Gespräche eine übliche Grundlage.

Was fehlt, ist die Gegenseite. Befragt wurden ausschliesslich die Männer. Wie die Partnerinnen die beschriebenen Aushandlungen erlebt haben, bleibt offen.

Die Arbeit im Original

Mit 316 Seiten ist dies die umfangreichste Arbeit der Sammlung. Sie enthält den vollständigen Forschungsstand zu Analverkehr in heterosexuellen Beziehungen, die theoretischen Grundlagen zu Ekel, Scham und Selbstbild, die vier vollständigen Interviewauswertungen und die ausführliche Diskussion der Schlüsselkategorien.

Abstract der Arbeit

Hinsichtlich der sexuellen Wahrnehmung der anal aufnehmenden Frau in heterosexuellen Beziehungen sowie ihren diesbezüglichen sexuellen Bedürfnisse und Kompetenzen exis- tieren Forschungserkenntnisse zur sexuellen Stimulation, sexuellen Abwechslung sowie zur Beziehungsgestaltung. Entsprechend vergleichbare Erkenntnisse für den anal eindrin- genden Mann in heterosexuellen Beziehungen bestehen vor allem im deutschsprachigen Raum kaum. Basierend auf theoretischen Ansätzen zu Ekel und Scham, Selbstbild und Kommunikation verschafft diese Masterarbeit einen Überblick über die sexuellen Bedürf- nisse, Kompetenzen und Wahrnehmungen von anal eindringenden Männern in heterose- xuellen Beziehungen. Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurden qualitative For- schungsmethoden herangezogen. Unter Anwendung des Problemzentrierten Interviews nach Witzel wurden Daten aus vier Einzelinterviews erhoben und anschliessend durch das Verfahren der Grounded Theory nach Strauss und Corbin analysiert. Es konnte nach- gewiesen werden, dass der eindringende Analverkehr eine spezifische, moderierende Funktion zwischen der Art und Weise der Aushandlung des eindringenden Analverkehrs einerseits und der Herausbildung und des Erhalts des Selbstbilds der Männer anderer- seits ausfüllt. Dieser wechselseitig von statten gehende Vorgang verdeutlicht, dass der eindringende Analverkehr für die befragten Männer vor allem seinen Reiz aus den beson- deren kommunikativen und beziehungsrelevanten Bedeutungen und Bedeutungszuschrei- bungen innerhalb der Beziehungen zu den Sexualpartnerinnen zieht. Der eindringende Analverkehr wird somit von den befragten Männern als ein wesentlicher und emotional bedeutsamer Entwicklungs- und Qualitätsaspekt in den Beziehungen zu ihren Sexualpart- nerinnen als auch für die Weiterentwicklung ihrer persönlichen Sexualität aufgefasst.

Michael Gregory Walser, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Analverkehr in heterosexuellen Beziehungen : Zum sexuellen Erleben des eindringenden Mannes im Lichte seiner entsprechenden Bedürfnisse und Kompetenzen

Verfasst von
Michael Gregory Walser

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Sexualtherapie

Lizenz und Nachweis. Michael Gregory Walser: «Analverkehr in heterosexuellen Beziehungen : Zum sexuellen Erleben des eindringenden Mannes im Lichte seiner entsprechenden Bedürfnisse und Kompetenzen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Die Bedeutung sexueller Fantasien unter hoher Muskelspannung

Debora Dürst untersucht in der Masterarbeit «Die Bedeutung sexueller Fantasien unter hoher Muskelspannung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Das Modell Sexocorporel nimmt an, dass Körper und Geist eine Einheit bilden — dass der Geist widerspiegelt, was der Körper erlebt. Diese Arbeit prüft die Annahme an einem konkreten Fall: Zeigt sich hohe Muskelspannung während der Erregung in den sexuellen Fantasien?

Wie lässt sich das überhaupt prüfen?

Die Autorin befragte fünf Frauen, die in Sexualtherapie sind und einen Erregungsmodus mit hoher Muskelspannung haben. Die Interviews wertete sie inhaltlich strukturierend nach Kuckartz aus.

Geprüft wurde zweierlei: erstens, ob sich die Muskelspannung in den Fantasien überhaupt zeigt — und zweitens, falls ja, auf welche Weise. Ziel war, die sexuellen Fantasien als Instrument der Sexualevaluation nutzbar zu machen.

Was zeigen die Fantasien?

Die Kriterien, die das Modell für hohe Muskelspannung annimmt, tauchen in den Interviews mehrheitlich auf — und es zeichnen sich weitere ab, die im Modell bisher nicht vorgesehen sind.

Bei jeder Befragten liessen sich Rückschlüsse auf ihre Muskelspannung ziehen, für die das Modell eine Erklärung bietet. Die Untersuchung stützt damit die Grundannahme von Körper und Geist als Einheit.

Ein Beispiel macht deutlich, worum es geht: Eine Teilnehmerin hat in ihren Fantasien Gewaltbilder, die sie nie erlebt hat und auch nicht erleben will. Solche Inhalte sind nicht als Wunsch zu lesen — sie haben nach dieser Lesart eine körperliche Entsprechung.

Was heisst das für die Beratung?

Der praktische Wert liegt in einem zusätzlichen Zugang. Wer nach der Muskelspannung fragt, bekommt oft keine brauchbare Antwort, weil sie nicht bewusst ist. Über die Fantasie lässt sie sich möglicherweise erschliessen.

Die Einschränkung, die die Arbeit selbst formuliert, ist dabei entscheidend: Einzeln und aus dem Zusammenhang gelöst lassen sich diese Kriterien nicht auf die Muskelspannung zurückführen. Als Hinweis innerhalb einer ganzheitlichen Evaluation sind sie brauchbar — als Test für sich genommen nicht.

Für Klientinnen kann das entlastend wirken. Wenn der Inhalt einer Fantasie nichts über einen Wunsch aussagt, sondern über eine Körperdynamik, verliert er einen Teil seiner Bedrohlichkeit.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Fünf Interviews mit Frauen, die bereits in Sexualtherapie sind und bei denen der Erregungsmodus eingeordnet wurde. Diese Auswahl ist der Fragestellung geschuldet und begrenzt sie zugleich: Eine Vergleichsgruppe mit anderem Erregungsmodus gibt es nicht.

Damit lässt sich zeigen, dass die Kriterien bei diesen Frauen auftreten — nicht, dass sie bei anderen fehlen. Genau das ist der Grund, warum die Autorin die Fantasien als Hinweis und nicht als Nachweis einordnet.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 118 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu sexuellen Fantasien, die Darstellung des Erregungsmodus im Modell Sexocorporel, die vollständige Auswertung der fünf Interviews sowie die Ableitungen für die sexualtherapeutische Praxis.

Abstract der Arbeit

Das Ziel der vorliegenden Masterarbeit war, die Bedeutung von sexuellen Fantasien als Beratungsinstrument zu untersuchen. Es wurde eruiert, ob die Arbeit mit sexuellen Fantasien ein wichtiges Instrument für die Sexualevaluation sein kann. Dafür wurde der Annahme von Sexocorporel, einem Modell für sexuelle Gesundheit, nachgegangen, dass die Muskelspannung während der Selbstbefriedigung oder der partnerschaftlichen Sexualität einen Einfluss auf die sexuellen Fantasien haben kann. Es wurden fünf qualitative Interviews mit Frauen geführt, die in einer Sexualtherapie sind und einen Erregungsmodus mit hoher Muskelspannung haben. Die Ergebnisse der inhaltlich strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz stützen die Annahme des Modells Sexocorporel von Körper und Geist als Einheit. Kriterien, die gemäss Sexocorporel auf eine hohe Muskelspannung hinweisen, sind vorgekommen und es liessen sich noch weitere Kriterien finden. Es zeigt sich, dass diese Kriterien als wichtiger Hinweis in der ganzheitlichen Sexualevaluation verwendet werden können. Alleine und losgelöst vom Kontext können sie nicht auf die Muskelspannung rückgeführt werden. .

Debora Dürst, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Die Bedeutung sexueller Fantasien unter hoher Muskelspannung

Verfasst von
Debora Dürst

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Sexuelle Fantasien · Geschlecht & Identität · Körperarbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Debora Dürst: «Die Bedeutung sexueller Fantasien unter hoher Muskelspannung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Einfluss der Vasektomie auf sexuelle Selbstsicherheit und Selbstverständnis als Mann

Thomas Luginbühl untersucht in der Masterarbeit «Einfluss operativer Unterbindung auf die sexuelle Selbstsicherheit und» am ISP. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Vier Männer, die sich unterbinden liessen, wurden vor und nach dem Eingriff ausführlich befragt. Keiner berichtete von einer Einbusse. Drei erlebten in den Wochen danach eine stärkere Libido, einer nahm seinen ganzen Körper empfindsamer wahr — und Erektion, Ejakulation und Orgasmusgefühl blieben bei allen unverändert. Die Angst, nach der Operation «nur noch ein halber Mann» zu sein, findet in dieser Arbeit keine Grundlage.

Verändert eine Vasektomie das sexuelle Erleben?

Die vier Befragten beschrieben die Zeit nach dem Eingriff übereinstimmend als unproblematisch. Die sexuelle Pause fiel kürzer aus, als der Autor erwartet hatte: Selbstbefriedigung war teils schon am Folgetag möglich, Geschlechtsverkehr nach wenigen Tagen bis einer Woche.

Mehrere Männer berichteten von einer intensiveren Wahrnehmung ihres Genitales und einer gesteigerten genitalen Erregbarkeit. Drei erlebten eine stärkere Libido und entsprechend mehr sexuelle Aktivität — ein Effekt, der nach einigen Wochen wieder abklang. Als Grund vermuten sie nicht die Operation selbst, sondern das, was sie ermöglicht: sexuelle Freiheit, keine Verhütungssorgen, keine Unterbrüche.

Erektile Funktion, Ejakulation und Orgasmusgefühl gaben alle vier als unverändert an. Das deckt sich mit der wissenschaftlichen Datenlage. Einzig ein Kandidat hatte nach einer Wundinfektion eine Woche ohne Libido und Erektionen und danach für einige Wochen ein unangenehmes Ziehen im Hodensack.

Woher kommen die Mythen?

Die Antwort liegt in der Geschichte des Eingriffs. Die Unterbindung wurde im 19. Jahrhundert eingeführt, als sie im Volksmund noch weitgehend mit der Kastration gleichgesetzt wurde. Der anatomische Unterschied — durchtrennt wird allein der Samenleiter — war nur Fachleuten bewusst.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde sie als Verjüngungsoperation beworben, als Jungbrunnen für die männliche Potenz; Sigmund Freud soll sich ihr beim Pionier Eugen Steinach unterzogen haben. Danach kam der Einsatz im Rahmen von Euthanasie und Rassenhygiene, nicht nur in NS-Deutschland. Erst gegen Mitte des Jahrhunderts setzte sie sich als Verhütungsmethode durch.

Was blieb, sind Sätze wie «nach der OP bist du nur noch ein halber Mann» oder «der Mann kann danach nicht mehr scharf schiessen». Wie eng Männlichkeit und Zeugungsfähigkeit verknüpft werden, zeigt sich auch an den Operationszahlen: In stark patriarchal geprägten Kulturen wird die Unterbindung praktisch nicht angewendet.

Was entscheidet über die Zufriedenheit danach?

Nicht der Eingriff, sondern der Weg dorthin. Bei allen vier Männern zeigte der Entscheidungsprozess dieselben Merkmale: klare familiäre, situative und wirtschaftliche Beweggründe, eine ausreichende Entscheidungszeit von meist einem halben bis einem ganzen Jahr, ein Hinterfragen der eigenen Motivation und offene Kommunikation in der Partnerschaft. Keiner fühlte sich zur Operation gedrängt.

Ein Kandidat sagte, ihm sei die Tragweite seines Entscheids erst durch das sexologische Vorgespräch richtig bewusst geworden. Nachträgliche Zweifel wertet die Arbeit nicht als Fehlentscheid, sondern als Teil eines Abschiedsprozesses: Der Mann nimmt Abschied von der Zeugungsfähigkeit, und das kann von Zweifel, Melancholie und Freude zugleich begleitet sein.

Auf den Bezug zum eigenen Geschlecht hatte die Unterbindung keinen negativen Einfluss. Im Gegenteil — die Männer beschrieben einen Gewinn an sexueller Freiheit, eine Aufwertung ihrer Rolle als Partner und eine bessere Qualität der Paarsexualität. Penis und Hodensack sind optisch unverändert; die sichtbaren Pfeiler des männlichen Selbstverständnisses stehen also gar nicht zur Debatte.

Was heisst das für die Beratung?

Der Autor ist selbst Urologe und hat drei der vier Kandidaten operiert. Seine Folgerung richtet sich entsprechend an die eigene Zunft: Die medizinische Aufklärung über Risiken und Ablauf reicht nicht.

Was zählt, ist die Auseinandersetzung mit dem Entscheid — mit der Eigenmotivation, mit dem Abschied von der Zeugungsfähigkeit, mit den Erwartungen an das eigene Sexualleben danach. Diese Fragen stellt heute in der Sprechstunde kaum jemand. Für Männer, die zwischen Kondom, Coitus interruptus und einer Unterbindung wählen — mehr Optionen gibt es derzeit nicht —, ist das die entscheidende Lücke.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier Männer sind keine repräsentative Stichprobe, und das gilt umso mehr, als der Autor drei von ihnen selbst unterbunden hat. Wer den eigenen Patienten Fragen zur Zufriedenheit stellt, erhält andere Antworten als eine unbeteiligte Person. Die Arbeit ergänzt die Interviews deshalb mit einer ausführlichen Literaturrecherche.

Auch dort liegt eine Einschränkung: Die Forschungsdaten zeigen zwar sehr hohe Zufriedenheit bei niedriger Komplikationsrate, arbeiten aber mit eng gefassten Kriterien und kurzen Zeiträumen. Und noch eine Beobachtung der Arbeit verdient Beachtung: Die Partnerinnen haben sich über die Sexualität nach dem Eingriff nicht beklagt — aktiv gefragt hat sie allerdings auch niemand.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 115 Seiten. Sie enthält die medizinischen Grundlagen der Unterbindung, ihre Geschichte, den Forschungsstand zur postoperativen Zufriedenheit sowie die vollständigen Interviews mit der sexologischen Gruppe und der Kontrollgruppe.

Abstract der Arbeit

Die männliche Sterilisation oder Unterbindung gehört heutzutage weltweit zu den am häufigsten durchgeführten urologischen Operationen und hat in den letzten Jahrzehnten eine zunehmende Bedeutung im Rahmen der Verhütung des Mannes erlangt. Für den betroffenen Mann ist das Wissen um die Veränderung im sexuellen Erleben für seinen Entscheid für oder gegen die Operation zentral. Aus therapeutischer Sicht wird aktuell eher weniger auf die sexuellen Aspekte eingegangen. Zudem halten sich trotz medial breit verfügbarer Informationen hartnäckige Volksmythen wie „nach der OP bis du nur noch ein halber Mann“ oder „der Mann kann danach nicht mehr scharf schiessen“ oder auch „mit der Erektion und Ejakulation ist es nicht mehr wie vorher“. Ob dem wirklich so ist, darüber gibt diese Literaturrecherche und qualitative Datenerhebung ausführlich Auskunft. Insbesondere soll die Bedeutung einer allumfassenden medizinischen und sexologischen Beratung des Mannes aufgezeigt werden. Zusammenfassend muss festgestellt werden, dass die Unterbindung zwar einen Einfluss auf die postoperative sexuelle Zufriedenheit haben kann, diese aber nicht ausschliesslich von der Operation abhängt. Die aktive Entscheidungsfindung und der Bezug zum Geschlecht oder das Selbstverständnis als Mann haben ebenso grosse Bedeutung. Die bisherigen Forschungsdaten suggerieren eine sehr hohe postoperative Zufriedenheit bei niedriger Komplikationsrate, wobei sowohl die Beurteilungskriterien als auch der Zeithorizont eng gehalten werden. Doch scheinen gerade die sexuellen Gewohnheiten vor der Operation sowie die persönliche Einstellung des Patienten zur Operation eine wichtige Rolle zu spielen. Somit sind eine ganzheitliche Beurteilung und das Begleiten des Mannes hinsichtlich der langfristigen sexuellen Zufriedenheit nach einer Unterbindung äusserst wichtig.

Thomas Luginbühl, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Einfluss operativer Unterbindung auf die sexuelle Selbstsicherheit und das Selbstverständnis als Mann Zusammenhänge zwischen der Entscheidung zur Unterbindung und der Bedeutung der Sexualberatung im präoperativen und postoperativen Zeitraum

Verfasst von
Thomas Luginbühl

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Operative Eingriffe · Verhütung · Sexuelle Zufriedenheit

Lizenz und Nachweis. Thomas Luginbühl: «Einfluss operativer Unterbindung auf die sexuelle Selbstsicherheit und das Selbstverständnis als Mann Zusammenhänge zwischen der Entscheidung zur Unterbindung und der Bedeutung der Sexualberatung im präoperativen und postoperativen Zeitraum». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Die Bedeutung sexueller Fantasien in der Sexualberatung nach Sexocorporel

Jessica Müller untersucht in der Masterarbeit «Die Bedeutung sexueller Fantasien in der Sexualberatung nach Sexocorporel» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Sexuelle Fantasien kommen in der Beratung oft zur Sprache — und ebenso oft weiss die Fachperson nicht recht, was damit anzufangen ist. Diese Arbeit fragt drei Sexualberater*innen, die nach Sexocorporel arbeiten, wie sie damit umgehen. Ihre erste Antwort: Eine saubere Definition gibt es nicht.

Was ist eine sexuelle Fantasie?

Weder in der Literatur noch bei den Befragten findet sich eine einheitliche Definition. Die Autorin beschreibt das Verhältnis treffend als gemeinsamen Kern mit unterschiedlichen Blüten drumherum.

Auch eine Kategorisierung scheitert. Die Inhalte sexueller Fantasien weisen jeweils Aspekte mehrerer Kategorien gleichzeitig auf, sodass eine eindeutige Systematisierung nicht möglich ist.

Für die Beratung ist das keine akademische Feststellung. Wer nach Fantasien fragt, sollte nicht voraussetzen, dass alle dasselbe meinen — die Klärung ist Teil des Gesprächs.

Körperliche oder emotionale Erregung?

Hier liegt eine begriffliche Unterscheidung, die die Arbeit klarer trifft als ein Grossteil der Literatur. Sexuelle Fantasien stehen in direktem Zusammenhang mit der emotionalen Erregung und können sie auslösen.

Der Forschungsstand stützt das: Fantasien können sowohl die physiologischen als auch die psychologischen Anteile der sexuellen Reaktion beeinflussen, etwa indem beim Auftreten einer Fantasie Gefühle fokussiert werden.

Die Autorin weist darauf hin, dass viele Autor*innen schlicht von sexueller Erregung sprechen, ohne kenntlich zu machen, ob körperliche, emotionale oder beides gemeint sind. Wer die beiden trennt, kann in der Beratung anders arbeiten.

Welche Interventionen bieten sich an?

Aus den Interviews treten sechs Themen hervor, darunter die Fantasie als Teil des Körpers, ihr Verhältnis zum Bedürfnis nach genitaler Erregung, ihre Rolle in der Paarbeziehung — und die Fantasie als Möglichkeitsform: können statt sein.

Die Arbeit zeigt, dass sich rund um Fantasien verschiedene Interventionen anbieten, die beraterisch vielseitig einsetzbar sind.

Bemerkenswert ist der Umgang mit der Scham, die im Zusammenhang mit Fantasien fast immer auftaucht. Sie wird nicht als Hindernis behandelt, das wegzuräumen wäre, sondern als etwas, das seine Sinnhaftigkeit hat und beraterisch genutzt werden kann.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Drei Interviews mit Sexualberater*innen, die nach dem Sexocorporel-Ansatz arbeiten, ausgewertet nach einer an der Grounded Theory orientierten Methode.

Befragt wurde damit eine sehr spezifische Gruppe — Fachpersonen eines Ansatzes. Wie Beraterinnen anderer Schulen mit Fantasien arbeiten, zeigt die Arbeit nicht, und sie beansprucht es auch nicht.

Der Ertrag liegt in der theoretischen Einbettung: Der Begriff wird über kognitive Psychologie, Sexualwissenschaft, systemische Therapie und Sexoanalyse verortet, bevor die Praxis zu Wort kommt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 93 Seiten. Sie enthält die theoretische Einbettung des Konzepts der sexuellen Fantasie, die vollständige Auswertung der drei Interviews entlang der sechs Themenbereiche sowie die Diskussion der Scham als beraterische Ressource.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersuchte die Frage, welche Bedeutung sexuelle Fantasien in der Sexualberatung nach Sexocorporel haben. Dabei wurde den Fragen nachgegangen, wie sexuelle Fantasien innerhalb des Modells zu verstehen sind und welche beraterischen Interventionen sich rund um sexuelle Fantasien in der Sexualberatung nach Sexocorporel anbieten. Zur theoretischen Einbettung des Konzepts der sexuellen Fantasie, wurden Literatur und Studien aus den Bereichen der kognitiven Psychologie, der Sexualwissenschaft, der systemischen Therapie, bezüglich der Sexoanalyse und des Modells Sexocorporel hinzugezogen. Um die Fragestellungen zu beantworten wurden Expert*inneninterviews mit drei Sexualberater*innen durchgeführt, welche nach dem Sexocorporel-Ansatz arbeiten. Basierend auf einer qualitativen Auswertungsmethode nach Bogner, Littig, und Menz (2014), welche sich an der Grounded-Theory-Methodologie orientiert, wurden die Interviews kodiert und ausgewertet. Aus den Daten ergaben sich folgende zentrale Themen: Offenheit der Definition sexueller Fantasien; Sexuelle Fantasie als Teil des Körpers; Sexuelle Fantasien und das Bedürfnis nach genitaler Erregung; Sexuelle Fantasien im Kontext der Paarbeziehung; Sexuelle Fantasie als Möglichkeitsform – können statt sein; Vielfalt der Interventionen. Die vorliegende Arbeit zeigt auf, dass sich rund um sexuelle Fantasien verschiedene Interventionen anbieten, die beraterisch vielseitig eingesetzt werden können. Es wird diskutiert, dass auch die Scham, häufig im Zusammenhang mit sexuellen Fantasien auftretend, ihre Sinnhaftigkeit hat und beraterisch genutzt werden kann.

Jessica Müller, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Die Bedeutung sexueller Fantasien in der Sexualberatung nach Sexocorporel

Verfasst von
Jessica Müller

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Sexuelle Fantasien · Sexualberatung · Paarsexualität · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Jessica Müller: «Die Bedeutung sexueller Fantasien in der Sexualberatung nach Sexocorporel». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Sexuelle Lust von Frauen im Alter von 40+ in langfristigen Beziehungen

Katja Merk untersucht in der Masterarbeit «Sexuelle Lust von Frauen im Alter von 40+ in langfristigen Beziehungen» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Frauen, bei denen die Lust nach zwanzig Jahren Beziehung noch da ist, haben kein Glück gehabt. Sie tun etwas dafür. Das ist der Kernbefund dieser Arbeit — und er widerspricht der verbreiteten Annahme, sexuelle Lust sei eine Eigenschaft, die man hat oder eben nicht.

Was aktiviert sexuelle Lust in einer langen Beziehung?

Drei Frauen über vierzig, alle seit mehr als zwanzig Jahren in derselben Beziehung, wurden ausführlich befragt. Was sie beschreiben, ist konkret und erlernbar.

Der Zugang zum eigenen Geschlecht und eine hohe sexuelle Selbstsicherheit wirkten sich deutlich positiv auf die Lust aus. Dazu kommt der Einsatz des Körpers während der Erregung: Bewegung, der Wechsel von Anspannung und Entspannung sowie tiefe Atmung aktivieren und steigern die Lust.

Voraussetzungen nennen die Befragten ebenfalls beim Namen — nicht gestresst sein, sich hingeben können, einen freien Kopf haben. Und die Wahrnehmung beim eigenen Körper zu halten statt beim Partner. Weiter aktivieren sie ihre Lust über sexuelle Fantasien und über Emotionen, die etwa Filme oder Musik auslösen.

Kommt die Lust vor oder nach der Erregung?

Hier liegt der Befund, der die verbreitete Erwartung am deutlichsten verschiebt. Anders als am Anfang einer Beziehung stellt sich die Lust bei den Befragten häufig erst nach der sexuellen Erregung ein — nicht davor.

Das hat praktische Folgen. Wer darauf wartet, Lust zu verspüren, bevor er sich auf Sexualität einlässt, wartet unter Umständen auf etwas, das sich in dieser Reihenfolge gar nicht mehr einstellt. Die anfängliche Verliebtheit, aus der sich die Lust am Beginn einer Beziehung speist, lässt mit der Zeit nach — was danach kommt, funktioniert anders.

Und was in einer Begegnung gelingt, wirkt weiter: Die Befragten beschreiben, dass eine gute Erfahrung die Lust auf die nächste erhöht.

Spielt das Alter eine Rolle?

Kaum. Nach den Ergebnissen dieser Arbeit ist nicht das tatsächliche Alter der Frau entscheidend, sondern die Dauer der Beziehung. Was verlorengeht, ist nicht die körperliche Fähigkeit, sondern der Antrieb aus der Verliebtheit — und der muss durch etwas anderes ersetzt werden.

Das ist eine ermutigende Aussage für Frauen, denen erklärt wird, in ihrem Alter sei das eben so. Und es verschiebt die Frage: nicht «was ist mit mir nicht in Ordnung», sondern «was tue ich dafür».

Was heisst das für die Beratung?

Kommt eine Frau mit einem Anliegen zur sexuellen Lust in die Praxis, empfiehlt die Arbeit, drei Bereiche genauer anzusehen: den Zugang zum eigenen Geschlecht, die sexuelle Selbstsicherheit und den Einsatz des Körpers während der Erregung.

Das Modell Sexocorporel sieht ein solches Vorgehen ohnehin vor — erst evaluieren, dann gezielt vorhandene Ressourcen stärken. Diese Arbeit belegt, dass sich der genaue Blick auf diese drei Bereiche lohnt.

Einen zweiten Schluss zieht die Autorin über die Beratung hinaus: Die Grundlagen für sexuelle Selbstsicherheit und einen guten Zugang zum eigenen Geschlecht werden in der Kindheit gelegt. Eine Erziehung, die die sexuelle Entwicklung zulässt und frei von Scham- und Schuldgefühlen ist, wirkt Jahrzehnte später.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Drei Interviews, ausgewertet nach Mayring. Die Autorin hält fest, dass weitere Gespräche womöglich weitere Aspekte zutage gefördert hätten.

Wichtiger noch ist die Auswahl: Befragt wurden ausschliesslich Frauen über vierzig in langjährigen Beziehungen, die noch immer Lust auf Sex mit ihrem Partner verspüren. Eine Vergleichsgruppe gibt es nicht. Die Arbeit zeigt also, was diese Frauen tun — nicht, dass genau das bei anderen wirken würde. Als Sammlung dessen, was in der Praxis funktioniert, bleibt sie dennoch aufschlussreich.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 99 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu sexueller Lust, die Einordnung in das Modell Sexocorporel, die vollständige Auswertung der drei Interviews und die Ableitungen für die Beratungspraxis.

Abstract der Arbeit

In langfristigen Beziehungen sinkt nach den Erkenntnissen der Literatur bei einem Grossteil der Frauen die sexuelle Lust, während sie bei anderen erhalten bleibt. Einen wesentlichen Einfluss auf die sexuelle Lust haben das Kennen eigener Bedürfnisse, deren Kommunikation in der Beziehung, die sexuelle Selbstsicherheit, die Wahrnehmung der eigenen Vagina und Vulva sowie der Einsatz des Körpers während der Erregungssteigerung. Das Ziel dieser Arbeit besteht darin herauszufinden, wie Frauen in langfristigen Beziehungen ihre sexuelle Lust aktivieren und steigern und welche Rolle dabei der Zugang zum eigenen Geschlecht, der Einsatz des Körpers während der Erregungssteigerung sowie die sexuelle Selbstsicherheit spielen. Mit Hilfe von drei leitfadengestützten Interviews wurden drei Frauen im Alter von 40+, welche alle seit über 20 Jahren in einer festen Beziehung leben, befragt. Die erhobenen Daten wurden mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass die sexuelle Lust im Vergleich zum Beziehungsanfang häufig erst nach der sexuellen Erregung eintritt. Voraussetzungen wie nicht gestresst sein, sich hingeben können und einen freien Kopf haben helfen sexuelle Lust aufkommen zu lassen. Die eigene Wahrnehmung beim eigenen Körper zu haben fördert die sexuelle Lust. Die Erregung und den Genuss durch tiefe Atmung und Bewegung des Beckens zu erhöhen sowie eigene Wünsche mitzuteilen steigern die sexuelle Lust ebenfalls und wirken sich positiv auf das Aufkommen letzterer für eine nächste sexuelle Begegnung aus. Weiter aktivieren Frauen ihre sexuelle Lust durch sexuelle Fantasien sowie durch Emotionen, welche beispielsweise durch Filme oder Musik hervorgerufen werden.

Katja Merk, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexuelle Lust von Frauen im Alter von 40+ in langfristigen Beziehungen – Die Rolle des Zugangs zum eigenen Geschlecht, der Art und Weise den Körper bei sexueller Erregung einzusetzen sowie der sexuellen Selbstsicherheit

Verfasst von
Katja Merk

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Sexuelles Verlangen · Selbstwirksamkeit · Sexuelle Fantasien

Lizenz und Nachweis. Katja Merk: «Sexuelle Lust von Frauen im Alter von 40+ in langfristigen Beziehungen – Die Rolle des Zugangs zum eigenen Geschlecht, der Art und Weise den Körper bei sexueller Erregung einzusetzen sowie der sexuellen Selbstsicherheit». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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Kategorien
MA2 Masterarbeit

Sexocorporel und Soziale Arbeit

Katrin Lukas untersucht in der Masterarbeit «Sexocorporel und Soziale Arbeit» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

In jeder Beratung sitzen zwei Körper. Die Soziale Arbeit denkt ihre Beratungsbeziehung meist über Sprache, Haltung und Methode — den Körper der Fachkraft und den der Klientin klammert sie eher aus. Diese Arbeit macht genau das zum Thema.

Was ist mit «Körperwissen» gemeint?

Die Arbeit stützt sich auf drei Gesetzmässigkeiten des Körpers, die das Modell Sexocorporel beschreibt: Raum, Tonus und Rhythmus. Sie beeinflussen Wahrnehmung und Lustempfinden und erweitern über Selbstbeobachtung und Selbstaufmerksamkeit das individuelle Körperwissen.

Entscheidend ist die Richtung dieser Beziehung: Die drei Gesetze bestimmen das Erleben — und lassen sich willentlich beeinflussen. Wer den Tonus verändert, verändert die Wahrnehmung.

Theoretisch verortet die Autorin das Körperwissen über Bourdieus Habitus-Konzept und die Embodiment-Theorie.

Warum ist die Unterscheidung von explizitem und implizitem Körper wichtig?

Das Modell Sexocorporel betrachtet beide getrennt. Damit lassen sich Körperwahrnehmungen unterscheiden und entweder den inneren leiblichen Vorgängen oder den äusseren, am Körper sichtbaren Ausdrücken zuordnen.

Diese Trennung verweist zugleich auf ihren Zusammenhang — und darin liegt der Ertrag für die Beratung. Der Zusammenhang macht auf die Möglichkeit der Spiegelung aufmerksam.

Spiegelung ist in sozialer Interaktion und Kommunikation von Bedeutung: Stimme und Körperausdruck wirken auf das Gegenüber, ob beabsichtigt oder nicht. Wer sie bei sich selbst unterscheiden kann, gestaltet die Beratungsbeziehung bewusster.

Was folgt daraus für die Soziale Arbeit?

Die Autorin schlägt vor, die körperliche Ebene zu einer zentralen Ebene der Beratung zu machen. Dann lassen sich Prozess, Interaktion und Arbeitsbeziehung bewusster gestalten.

Für die geschlechterreflexive Beratung heisst das konkret: Die aus dem Körperwissen resultierenden Fähigkeiten unterstützen beratungsaufsuchende Menschen dabei, das Leben innerhalb bestehender Geschlechter- und Machtverhältnisse zu bewältigen, zu gestalten und zu verändern.

Damit richtet sich die Arbeit an Fachpersonen der Sozialen Arbeit, die sexologisches Wissen nicht als Spezialgebiet verstehen wollen, sondern als Teil ihres Handwerks.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Es handelt sich um eine überwiegend theoretische Arbeit, die sexologisches Modellwissen mit sozialwissenschaftlicher Theorie verbindet. Eine empirische Prüfung, ob Beratungen mit diesem Zugang anders verlaufen, gibt es nicht.

Was sie leistet, ist eine Übersetzungsarbeit zwischen zwei Disziplinen, die selten miteinander sprechen — und ein begründeter Vorschlag, wo die Verbindung ansetzen könnte.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 103 Seiten. Sie enthält die Grundlagen zu Körperwissen, Habitus und Embodiment, die Darstellung der drei Gesetze des Körpers nach Sexocorporel sowie die Ableitungen für die geschlechterreflexive Beratung in der Sozialen Arbeit.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit geschlechterreflexiver Beratung in der Sozialen Arbeit und geht der Frage nach, wie das Körperwissen durch Sexocorporel die Handlungskompetenzen der Professionellen erweitert und gelingende Beratung ermöglicht. Im Beratungssetting sind die Fachkräfte mit dem eigenen (Geschlechts-)Körper und dessen Handeln, Denken, Fühlen und Erleben konfrontiert und treffen zudem auf den (Geschlechts-)Körper der beratungsaufsuchenden Person. Damit gestaltet das Handeln, Denken, Fühlen und Erleben der Körper die Beratungsinteraktion und wirkt sich auf die Beratungsbeziehung aus. Deshalb soll in dieser Arbeit das Wissen über den Körper als Beratungsressource untersucht werden. Das Körperwissen kann als Wissen des Körpers verstanden werden und wird mit Bezug auf Bourdieus Habitus-Konzept und der Embodiment-Theorie vorgestellt. Dieses Körperwissen spielt in der geschlechterreflexiven Beratung eine Rolle für Klient_in und Fachkraft. Die aus dem Körperwissen resultierenden Fähigkeiten unterstützen das beratungsaufsuchende Individuum das Leben innerhalb der Geschlechter- und Machtverhältnisse zu bewältigen, zu gestalten und zu verändern. Für die Professionellen der Sozialen Arbeit kann dieses Körperwissen in der Beratungspraxis bewusst für den Prozess, die Interaktion und die Arbeitsbeziehung eingesetzt werden. Das sexologische Modell Sexocorporel besteht aus Methoden um das Körperwissen zu erweitern und kann gewinnbringend ins professionelle Handeln einbezogen werden. So können mit dem Sexocorporel-Konzept wichtige Variablen einer Beratungsbeziehung vertieft werden, der Beratungsprozess als Erkenntnis- und Lernprozess bewusst gestaltet und die Handlungskompetenzen der Fachkräfte erweitert werden. Dies kann gelingen indem die körperliche Ebene eine zentrale Ebene in der Beratung wird. Dadurch werden Chancen und Potenziale für die Beratung und hier besonders für die geschlechterreflexive Beratung in der Sozialen Arbeit eröffnet.

Katrin Lukas, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexocorporel und Soziale Arbeit : Die Bedeutung von Körperwissen durch Sexocorporel für die geschlechterreflexive Beratung in der Sozialen Arbeit

Verfasst von
Katrin Lukas

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Soziale Arbeit · Schwangerschaft & Geburt · Sexualtherapie · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Katrin Lukas: «Sexocorporel und Soziale Arbeit : Die Bedeutung von Körperwissen durch Sexocorporel für die geschlechterreflexive Beratung in der Sozialen Arbeit». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Effects of Feminist Pornography Consumption on Women

Kristi Moore untersucht in der Masterarbeit «Effects of Feminist Pornography Consumption on Women» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Die Debatte über Pornografie dreht sich meist um Schaden. Diese Arbeit stellt eine andere Frage: Lässt sich feministische Pornografie als therapeutische Intervention nutzen, wenn eine Frau mehr sexuelle Aktivität möchte — und was braucht es dafür?

Wie wurde das untersucht?

Die Autorin führte Interviews mit drei Frauen vor und nach der Teilnahme an einem Workshop zu feministischer Pornografie. Die Arbeit ist auf Englisch verfasst.

In den Gesprächen vor dem Workshop ging es um fünf Bereiche: das Bewusstsein für das eigene Genital und die subjektive Erregung, die vorhandenen Mittel zur Erregungssteigerung, die sexuelle Selbstsicherheit, die Einstellungen und Überzeugungen zu Pornografie sowie das Ausmass, in dem die Frau Verantwortung für ihre Sexualität übernimmt.

Der theoretische Teil arbeitet den Unterschied zwischen Mainstream- und feministischer Pornografie auf, dazu den Forschungsstand zu subjektiver und genitaler Erregung, die Rolle des emotionalen Kontexts sowie die Sicht des Modells Sexocorporel.

Was ist das Ergebnis?

Die Autorin hält nach vier Monaten Arbeit an ihrer Ausgangsthese fest: Das Betrachten sexuell relevanten Materials ist eine wirksame und effiziente Methode, die sexuelle Erregungsreaktion zu aktivieren.

Feministische Pornografie sieht sie darüber hinaus als einen Weg, über den Frauen Neues entdecken und sich selbst ermächtigen können — Sexualität als Quelle von Wohlbefinden und Lust zu erleben.

Entscheidend ist dabei nicht der Konsum an sich. Ihre These verbindet drei Bedingungen: eine bewusste Absicht beim Schauen, das Wissen um die eigene Erregungsreaktion und Pornografiekompetenz — begleitet durch Bildung und fachliche Unterstützung.

Was heisst das für die Beratung?

Es ist ein Gegenentwurf zur reinen Konsumreduktion. Wo Pornografie sonst als Problem behandelt wird, fragt diese Arbeit, unter welchen Bedingungen sie ein Mittel sein kann.

Für Fachpersonen, die mit Frauen an Erregung und Verlangen arbeiten, erweitert das die zur Verfügung stehenden Zugänge — vorausgesetzt, die genannten Bedingungen werden mitgedacht.

Ein Vergleich mit der Arbeit von Joana Bösch aus dem Jahrgang MA3 lohnt sich: Diese nähert sich Pornografie über den malerischen Prozess und aus weiblicher Perspektive.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Drei Frauen, vor und nach einem Workshop befragt. Das ist eine sehr kleine Grundlage für eine These über Wirksamkeit.

Die Autorin formuliert ihre Schlüsse denn auch als Überzeugung, an der sie festhält — nicht als Nachweis. Wer die Arbeit liest, sollte diese Unterscheidung mitlesen.

Der Wert liegt in der Fragestellung: Sie ist in der deutschsprachigen Sexualberatung selten und öffnet eine Perspektive, die sonst der Schadensdebatte überlassen bleibt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 96 Seiten und ist auf Englisch verfasst. Sie enthält die Unterscheidung von Mainstream- und feministischer Pornografie, den Forschungsstand zu Erregung, die Einordnung in das Modell Sexocorporel sowie die Auswertung der Interviews vor und nach dem Workshop.

Abstract der Arbeit

With this master’s thesis, the author examines three women’s pornography viewing behaviors and proposes that women who view feminist pornography with a purpose, along with awareness of their sexual arousal response, combined with pornography competence are able to increase the quantity of sexual activities they engage in. This is especially the case after attendance at an educational workshop and combined with support from a sexual health professional. A mixed methods study was conducted, which included an examination of the differences between mainstream and feminist pornography, a review of recent research on subjective and genital arousal, a review of recent work on how emotional context affects arousal and the potentially positive effects of feminist pornography viewing behaviors. This work also examines pornography viewing behaviors from the perspective of Sexocorporel. Feminist pornography is proposed as an aid for arousal and also for empowering oneself to experience sexual activities as a source of well-being and pleasure.

Kristi Moore, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Effects of Feminist Pornography Consumption on Women

Verfasst von
Kristi Moore

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Sexuelles Verlangen · Sexualtherapie · Sexuelle Bildung · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Kristi Moore: «Effects of Feminist Pornography Consumption on Women». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Akzeptanz von haptischen und körperorientierten Methoden in der sexuellen Bildung

Laura Burkhardt untersucht in der Masterarbeit «Akzeptanz von haptischen und körperorientierten Methoden in der sexuellen Bildung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Genitale Operationen bei Frauen nehmen zu, und die Forschung fordert Massnahmen, die das genitale Selbstbild verbessern. Ob Frauen solche Methoden überhaupt annehmen würden, war offen. Diese Arbeit hat es mit zwölf Frauen ausprobiert.

Was wurde untersucht?

Die Frage lautet: Welche Akzeptanz erfahren körperorientierte und haptische Methoden in der sexuellen Bildung in Bezug auf das genitale Selbstbild — und zwar im Gruppensetting?

Dafür führte die Autorin mit zwölf Frauen einen Workshop zum genitalen Selbstbild durch und anschliessend zwei Gruppendiskussionen, ausgewertet nach Mayring.

Haptisch heisst hier: mit den Händen begreifen. Modelle, Materialien, Berührung — ein Zugang, der in der Erwachsenenbildung zu diesem Thema selten vorkommt.

Werden solche Methoden angenommen?

Weitgehend ja. Die Methoden wurden im Gruppensetting akzeptiert und positiv besetzt. Für die sexuelle Gesundheitsförderung heisst das, dass ein Angebot rund um das weibliche Genital, das körperorientierte und haptische Übungen einschliesst, auf Resonanz stösst.

Eine Bedingung nennt die Arbeit allerdings deutlich: Eine theoretische Einbettung der Übungen erscheint sinnvoll und wichtig. Haptische Methoden allein, ohne erklärenden Rahmen, sind nicht dasselbe.

Das ist ein praktischer Hinweis für jede Kursgestaltung: Die Übung braucht den Kontext, sonst bleibt sie eine Übung.

Was deutet sich über die Wirkung an?

Untersucht wurde die Akzeptanz, nicht die Wirkung — und die Arbeit hält diese Unterscheidung sauber ein. Sie weist aber auf Hinweise hin, die sich nebenbei ergaben.

Die Teilnehmerinnen äusserten sich überwiegend positiv zu den einzelnen Elementen und berichteten von Wissensaneignung. Daraus lässt sich vermuten, dass nicht nur das Format angenommen wurde, sondern dass auch die Inhalte für die sexuelle Gesundheitsförderung sinnvoll sein dürften.

Die Autorin empfiehlt ausdrücklich, die Wirkweise eines solchen Workshop-Formats in weiterer Forschung genauer zu untersuchen. Sie behauptet also nicht, was sie nicht geprüft hat.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Ein Workshop mit zwölf Frauen und zwei anschliessende Gruppendiskussionen. Wer sich für einen solchen Workshop anmeldet, bringt eine gewisse Offenheit bereits mit — die gemessene Akzeptanz ist also eine Akzeptanz unter Interessierten.

Für die Ausgangsfrage ist das dennoch aussagekräftig. Sie lautete nicht, ob alle Frauen solche Methoden annehmen, sondern ob sie sich im Gruppensetting überhaupt durchführen lassen. Diese Frage ist beantwortet.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 87 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu genitalem Selbstbild und genitalen Operationen, die Beschreibung des durchgeführten Workshops sowie die vollständige Auswertung der beiden Gruppendiskussionen.

Abstract der Arbeit

Studien zeigen, dass die Zahl der genitalen Operationen bei Frauen zugenommen hat. Dies kann auf die Unzufriedenheit mit den eigenen Genitalien zurückzuführen sein, was sich wiederum auf die sexuelle Zufriedenheit auswirken kann. Forscher fordern daher In- terventionen, die das genitale Selbstbild verbessern. Da nur wenige Angebote für erwach- sene Frauen in der Sexuellen Bildungslandschaft existieren – im speziellen auch in Bezug auf das weibliche Genital – wurde die Akzeptanz entsprechender Interventionen bisher kaum untersucht. Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Akzeptanz für körperorientierte sowie haptische Methoden in der Sexuellen Bildung in Bezug auf das genitale Selbstbild zu un- tersuchen, da diese einen Zugang zu einem positiven Körpergefühl ermöglichen können. Dazu wird folgende Forschungsfrage gestellt: Welche Akzeptanz erfahren körperorien- tierte und haptische Methoden in der Sexuellen Bildung in Bezug auf das genitale Selbst- bild in einem Gruppensetting? Um die Forschungsfrage zu beantworten wurde mit 12 Frauen ein Workshop zum genitalen Selbstbild sowie zwei anschliessende Gruppendis- kussionen durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass körperorientierte sowie haptische Methoden in Bezug auf das genitale Selbstbild weitestgehend akzeptiert und positiv kon- notiert werden. Für die sexuelle Gesundheitsförderung kann dies bedeuten, dass ein An- gebot rund um das weibliche Genital, welches körperorientierte sowie haptischen Übun- gen miteinschliesst, auf Akzeptanz stösst. Weitere Studien zur Erforschung der eigentli- chen Wirkung solcher Interventionen werden empfohlen.

Laura Burkhardt, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Akzeptanz von haptischen und körperorientierten Methoden in Bezug auf die Sexuelle Bildung zum genitalen Selbstbild: Eine qualitative Untersuchung

Verfasst von
Laura Burkhardt

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Körperarbeit · Selbstwirksamkeit · Geschlecht & Identität

Lizenz und Nachweis. Laura Burkhardt: «Akzeptanz von haptischen und körperorientierten Methoden in Bezug auf die Sexuelle Bildung zum genitalen Selbstbild: Eine qualitative Untersuchung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Bildung zur sexuellen Gesundheit im schulischen Kontext in der Innerschweiz

Natalie Blaser untersucht in der Masterarbeit «Bildung zur sexuellen Gesundheit im schulischen Kontext in der Innerschweiz» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Schulische Sexualerziehung ist ein gesetzlicher Bildungsauftrag — umgesetzt wird er sehr unterschiedlich. Diese Arbeit fragt nicht die Schulen, sondern die Jugendlichen der Innerschweiz. Das Bild, das dabei entsteht, nennt die Autorin selbst bedenklich.

Was bekommen Jugendliche vermittelt?

Oberflächliches Wissen. Auf die Anliegen der Jugendlichen wird kaum eingegangen. Das ist der Befund, den die Interviews mit Jugendlichen aus der Innerschweiz ergeben.

Gewünscht werden dagegen konkrete Themen — genannt werden unter anderem sexuelle Gewalt und Beziehung. Also genau die Bereiche, die über Biologie hinausgehen und im Unterricht am ehesten ausgespart bleiben.

Die Gründe für die uneinheitliche Umsetzung sind bekannt: die fehlende Verankerung in den Lehrplänen, die persönlichen Einstellungen der Lehrpersonen und die Vorgaben der Institution.

Was schlägt die Arbeit vor?

Zwei Handlungsempfehlungen, die beide praktisch umsetzbar sind.

Erstens: Jugendliche sollen bei der Gestaltung des Unterrichts ein Mitspracherecht haben. Das heisst, sie werden aktiv nach Wünschen, Bedürfnissen und Interessen befragt — anonym, etwa schriftlich oder über eine Online-Plattform. Die Antworten werden ausgewertet und in den Unterricht eingebaut.

Zweitens: Lehrpersonen sollen externe Hilfe beiziehen können. Es sollte für die Schule selbstverständlich sein, dass für die Sexualpädagogik externe Fachpersonen zu Rate gezogen werden — und Lehrpersonen sollten ausdrücklich ermutigt werden, das bei Unsicherheit zu tun.

Aus beidem ergibt sich das Kooperationsmodell, das die Arbeit als erstrebenswert beschreibt.

Warum lohnt sich das?

Weil eine frühe und umfangreiche Sexualerziehung gute Rahmenbedingungen schafft, um die Entwicklungsaufgaben des Kindes- und Jugendalters zu bewältigen und einen verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität zu lernen.

Voraussetzung dafür ist eine altersgerechte und fachlich korrekte sexuelle Bildung, die den Bedürfnissen der Zielgruppe entspricht. Genau daran hakt es — nicht am guten Willen, sondern an der Passung.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Qualitative Interviews mit Jugendlichen aus der Innerschweiz, eingeordnet in den Forschungsstand und in die Entwicklungsaufgaben des Jugendalters. Die Zahl der Befragten ist klein, und sie stammen aus einer Region.

Der Wert liegt in der Perspektive. Über schulische Sexualerziehung wird meist mit Lehrpersonen, Schulleitungen und Eltern gesprochen. Hier kommen diejenigen zu Wort, um die es geht.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 83 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zur schulischen Sexualerziehung, die Einordnung in die Entwicklungsaufgaben des Jugendalters, die vollständige Auswertung der Interviews sowie die abgeleiteten Handlungsempfehlungen.

Abstract der Arbeit

Nicht nur die Eltern leisten als primäre Sozialisationsinstanz einen wesentlichen Beitrag zur Sexualerziehung, sondern auch die Instanz Schule übernimmt eine wichtige Funktion zur Förderung und Erhaltung der sexuellen Gesundheit im Kindes- und Jugendalter. Dieser gesetzliche Bildungsauftrag wird jedoch nicht überall gleichermassen umgesetzt, was häufig auf die fehlende Verankerung in den Lehrplänen, wie auch auf persönliche Einstellungen der Lehrpersonen oder Vorgaben der Institution zurückzuführen ist. Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, die Bedürfnisse der Jugendlichen bezüglich Schulischer Sexualerziehung aufzuzeigen und diese anhand von bisheriger Forschungsliteratur sowie Ergebnissen aus qualitativen Interviews mit Jugendlichen aus der Innerschweiz in einen Zusammenhang mit den Entwicklungsaufgaben des Jugendalters zu stellen. Dabei wird ein genaueres Augenmerk zu sexuellen Themen im Unterricht gelegt. Bezüglich der Umsetzung der Schulischen Sexualerziehung in der Innerschweiz zeichnet sich ein bedenkliches Bild ab, da den Jugendlichen nur oberflächliches Wissen zu Sexualität vermittelt und auf ihre Bedürfnisse zu sexuellen Inhalten kaum eingegangen wird. Die Heranwachsenden wünschen sich hingegen vermehrt Informationen zu spezifischen Themen wie beispielsweise «Sexuelle Gewalt» oder «Beziehung». Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, bietet sich im schulischen Kontext das erstrebenswerte Kooperationsmodell an, welches den Lehrpersonen durch externe Fachkräfte Unterstützung zu solch sensiblen Themen zusichert, wodurch auf die geäusserten Bedürfnisse der Jugendlichen besser eingegangen werden könnte.

Natalie Blaser, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Bildung zur sexuellen Gesundheit im schulischen Kontext in der Innerschweiz

Verfasst von
Natalie Blaser

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Jugendsexualität · Geschlecht & Identität · Sexualberatung

Lizenz und Nachweis. Natalie Blaser: «Bildung zur sexuellen Gesundheit im schulischen Kontext in der Innerschweiz». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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