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MA2 Masterarbeit

Sexocorporel und Soziale Arbeit

Katrin Lukas untersucht in der Masterarbeit «Sexocorporel und Soziale Arbeit» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

In jeder Beratung sitzen zwei Körper. Die Soziale Arbeit denkt ihre Beratungsbeziehung meist über Sprache, Haltung und Methode — den Körper der Fachkraft und den der Klientin klammert sie eher aus. Diese Arbeit macht genau das zum Thema.

Was ist mit «Körperwissen» gemeint?

Die Arbeit stützt sich auf drei Gesetzmässigkeiten des Körpers, die das Modell Sexocorporel beschreibt: Raum, Tonus und Rhythmus. Sie beeinflussen Wahrnehmung und Lustempfinden und erweitern über Selbstbeobachtung und Selbstaufmerksamkeit das individuelle Körperwissen.

Entscheidend ist die Richtung dieser Beziehung: Die drei Gesetze bestimmen das Erleben — und lassen sich willentlich beeinflussen. Wer den Tonus verändert, verändert die Wahrnehmung.

Theoretisch verortet die Autorin das Körperwissen über Bourdieus Habitus-Konzept und die Embodiment-Theorie.

Warum ist die Unterscheidung von explizitem und implizitem Körper wichtig?

Das Modell Sexocorporel betrachtet beide getrennt. Damit lassen sich Körperwahrnehmungen unterscheiden und entweder den inneren leiblichen Vorgängen oder den äusseren, am Körper sichtbaren Ausdrücken zuordnen.

Diese Trennung verweist zugleich auf ihren Zusammenhang — und darin liegt der Ertrag für die Beratung. Der Zusammenhang macht auf die Möglichkeit der Spiegelung aufmerksam.

Spiegelung ist in sozialer Interaktion und Kommunikation von Bedeutung: Stimme und Körperausdruck wirken auf das Gegenüber, ob beabsichtigt oder nicht. Wer sie bei sich selbst unterscheiden kann, gestaltet die Beratungsbeziehung bewusster.

Was folgt daraus für die Soziale Arbeit?

Die Autorin schlägt vor, die körperliche Ebene zu einer zentralen Ebene der Beratung zu machen. Dann lassen sich Prozess, Interaktion und Arbeitsbeziehung bewusster gestalten.

Für die geschlechterreflexive Beratung heisst das konkret: Die aus dem Körperwissen resultierenden Fähigkeiten unterstützen beratungsaufsuchende Menschen dabei, das Leben innerhalb bestehender Geschlechter- und Machtverhältnisse zu bewältigen, zu gestalten und zu verändern.

Damit richtet sich die Arbeit an Fachpersonen der Sozialen Arbeit, die sexologisches Wissen nicht als Spezialgebiet verstehen wollen, sondern als Teil ihres Handwerks.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Es handelt sich um eine überwiegend theoretische Arbeit, die sexologisches Modellwissen mit sozialwissenschaftlicher Theorie verbindet. Eine empirische Prüfung, ob Beratungen mit diesem Zugang anders verlaufen, gibt es nicht.

Was sie leistet, ist eine Übersetzungsarbeit zwischen zwei Disziplinen, die selten miteinander sprechen — und ein begründeter Vorschlag, wo die Verbindung ansetzen könnte.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 103 Seiten. Sie enthält die Grundlagen zu Körperwissen, Habitus und Embodiment, die Darstellung der drei Gesetze des Körpers nach Sexocorporel sowie die Ableitungen für die geschlechterreflexive Beratung in der Sozialen Arbeit.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit geschlechterreflexiver Beratung in der Sozialen Arbeit und geht der Frage nach, wie das Körperwissen durch Sexocorporel die Handlungskompetenzen der Professionellen erweitert und gelingende Beratung ermöglicht. Im Beratungssetting sind die Fachkräfte mit dem eigenen (Geschlechts-)Körper und dessen Handeln, Denken, Fühlen und Erleben konfrontiert und treffen zudem auf den (Geschlechts-)Körper der beratungsaufsuchenden Person. Damit gestaltet das Handeln, Denken, Fühlen und Erleben der Körper die Beratungsinteraktion und wirkt sich auf die Beratungsbeziehung aus. Deshalb soll in dieser Arbeit das Wissen über den Körper als Beratungsressource untersucht werden. Das Körperwissen kann als Wissen des Körpers verstanden werden und wird mit Bezug auf Bourdieus Habitus-Konzept und der Embodiment-Theorie vorgestellt. Dieses Körperwissen spielt in der geschlechterreflexiven Beratung eine Rolle für Klient_in und Fachkraft. Die aus dem Körperwissen resultierenden Fähigkeiten unterstützen das beratungsaufsuchende Individuum das Leben innerhalb der Geschlechter- und Machtverhältnisse zu bewältigen, zu gestalten und zu verändern. Für die Professionellen der Sozialen Arbeit kann dieses Körperwissen in der Beratungspraxis bewusst für den Prozess, die Interaktion und die Arbeitsbeziehung eingesetzt werden. Das sexologische Modell Sexocorporel besteht aus Methoden um das Körperwissen zu erweitern und kann gewinnbringend ins professionelle Handeln einbezogen werden. So können mit dem Sexocorporel-Konzept wichtige Variablen einer Beratungsbeziehung vertieft werden, der Beratungsprozess als Erkenntnis- und Lernprozess bewusst gestaltet und die Handlungskompetenzen der Fachkräfte erweitert werden. Dies kann gelingen indem die körperliche Ebene eine zentrale Ebene in der Beratung wird. Dadurch werden Chancen und Potenziale für die Beratung und hier besonders für die geschlechterreflexive Beratung in der Sozialen Arbeit eröffnet.

Katrin Lukas, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexocorporel und Soziale Arbeit : Die Bedeutung von Körperwissen durch Sexocorporel für die geschlechterreflexive Beratung in der Sozialen Arbeit

Verfasst von
Katrin Lukas

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Soziale Arbeit · Schwangerschaft & Geburt · Sexualtherapie · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Katrin Lukas: «Sexocorporel und Soziale Arbeit : Die Bedeutung von Körperwissen durch Sexocorporel für die geschlechterreflexive Beratung in der Sozialen Arbeit». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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