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MA5 Masterarbeit

Liebe als Gefahr – verliebte Ordensleute im Zwiespalt

Anouk Battefeld untersucht in der Masterarbeit «Liebe als Gefahr – verliebte Ordensleute im Zwiespalt» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Was geschieht, wenn sich ein Mensch verliebt, der ein Keuschheitsgelübde abgelegt hat? Diese Arbeit befragt vier Ordensmänner, denen genau das passiert ist und die im Orden geblieben sind — ein Thema, zu dem es bisher keine Forschung gab.

Wie wurde das untersucht?

Über einen schriftlichen Fragebogen mit offenen Fragen und einer Skalenfrage. Vier Ordensmänner, die sich im Verlauf ihres Ordenslebens verliebt haben und in ihrer Gemeinschaft verblieben sind, nahmen teil.

Der Zugang entstand über eine engagierte Vertrauensperson, überwiegend im Rahmen eines Ordenstreffens. Bei einem Thema, das mit einem Gelübde in Konflikt steht, ist das der entscheidende und schwierigste Teil einer solchen Arbeit.

Theoretisch verbindet die Arbeit aktuelle Erkenntnisse der Hirnforschung zum Verlieben mit dem römisch-katholischen Kirchenrecht, dem Habitus des Ordenslebens und dem Keuschheitsgelübde.

Was leistet das Modell Sexocorporel hier?

Es bietet den theoretischen Rahmen für eine ganzheitliche Betrachtung affektiv-körperlicher Erfahrungen — indem es Sexualität als Ausdruck persönlicher Entwicklung, leiblicher Identität und Beziehungskompetenz versteht.

Gerade im Kontext religiöser Enthaltsamkeit öffnet das eine bestimmte Perspektive: Die Erfahrungen lassen sich als entwicklungsrelevante Prozesse deuten statt als Verfehlung.

Die Schilderungen der Befragten lassen sich zudem mit zentralen Ergebnissen der neurowissenschaftlichen Forschung zum Verliebtsein in Verbindung bringen. Was sie beschreiben, ist nicht Ausdruck von Schwäche, sondern ein körperlicher Vorgang.

Was ist das Ergebnis?

Verliebtheit im Ordensleben ist kein randständiges Phänomen, sondern eine existenzielle Erfahrung. Das ist der Kernbefund und er widerspricht der Erwartung, es handle sich um seltene Ausnahmefälle.

Für die Begleitung von Menschen in institutionell gebundenen Lebensformen ist das eine seltene Grundlage. Sie zeigt, dass es einen Ort braucht, an dem diese Erfahrung besprochen werden kann — und dass dieser Ort innerhalb der Institution schwer zu finden ist.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier Personen, schriftlich befragt, alle männlich, alle im Orden geblieben. Die Arbeit ist qualitativ-explorativ angelegt und beansprucht nichts anderes.

Die Auswahl ist zweifach eingeschränkt: Wer den Orden verlassen hat, kommt nicht vor — und wer sich über eine Vertrauensperson an einem Ordenstreffen erreichen lässt, gehört zu denen, die darüber sprechen können.

Für ein bislang unerforschtes Thema an der Schnittstelle von Theologie, Psychologie und Spiritualität ist die Arbeit ein sorgfältig gearbeiteter erster Zugang.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 93 Seiten. Sie enthält die Hirnforschung zum Verlieben, die kirchenrechtlichen Grundlagen, die Darstellung des Ordenslebens und des Keuschheitsgelübdes sowie die vollständige Auswertung der vier Befragungen entlang der Komponenten des Modells Sexocorporel.

Abstract der Arbeit

Diese Arbeit untersucht das Phänomen des Verliebtseins bei Ordensleuten und die Entscheidungsfindung, was ein bislang unerforschtes Thema an der Schnittstelle von Theologie, Psychologie und Spiritualität ist. Ziel war es, zu erfassen, wie Or- densleute Verliebtheit im Kontext der durch das Keuschheitsgelübde geprägten Le- bensform erleben, deuten und bewältigen. Die Arbeit verbindet aktuelle Ergebnisse der Hirnforschung zum Thema Verlieben mit römisch-katholischen, kirchenrechtli- chen Grundlagen, stellt den Habitus und die Grundlage des Ordenslebens dar mit dem Schwerpunkt des Keuschheitsgelübdes und dem Modell Sexocorporel. Empirisch wurde ein qualitativ-exploratives Vorgehen gewählt: Vier Ordensmänner, die sich im Verlauf ihres Ordenslebens verliebt haben und im Orden verblieben sind, beantworteten einen schriftlichen Fragebogen mit offenen Fragen und einer Ska- lenfrage. Die Teilnehmenden wurden durch einen engagierten «Türöffner» überwie- gend im Rahmen eines Ordenstreffens auf diese Studie aufmerksam. Die Auswer- tung konzentrierte sich anhand der Forschungsfragen auf Vergleiche der Antworten und einer vertieften Zuordnung im Kontext aktueller wissenschaftlicher Literatur. Die Ergebnisse zeigen: Verliebtheit im Ordensleben ist kein randständiges Phäno- men, sondern eine existenzielle Erfahrung mit herausfordernder Ambivalenz. Sie kann zur spirituellen Vertiefung und Reifung beitragen. Die Arbeit leistet einen Bei- trag zur Sichtbarmachung innerer Konflikte im subjektiven Ordensleben und eröffnet neue Perspektiven auf gelebte Spiritualität, die einen Zwiespalt nicht ausschliesst, sondern auf individuelle Weise integriert. Abstract (Englisch Version) This thesis explores a largely under-researched phenomenon at the intersection of theology, psychology and sexuality: the experience of romantic love among mem- bers of Roman Catholic male religious orders. The focus lies on the subjective ex- perience of the inner conflict between the religious vow of chastity and the human longing for intimacy, emotional closeness and physical contact. The empirical basis of the study consists of qualitative written responses from four Catholic male members of a religious order who remained in their communities des- pite having fallen in love. Due to the sensitive nature of the topic, a written survey method was chosen, allowing for anonymous participation and multilingual acess

Anouk Battefeld, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Liebe als Gefahr – Verliebte Ordensleute im Zwiespalt zwischen Bleiben und Gehen

Verfasst von
Anouk Battefeld

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Institutionelle Begleitung · Recht & Ethik · Soziale Arbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Anouk Battefeld: «Liebe als Gefahr – Verliebte Ordensleute im Zwiespalt zwischen Bleiben und Gehen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Do it yourself! Designrichtlinien für internetbasierte Selbsthilfe

Nina Jost untersucht in der Masterarbeit «Do it yourself! Designrichtlinien für internetbasierte Selbsthilfe» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Sexuelle Probleme sind weit verbreitet, und viele Betroffene suchen keine Hilfe. Internetbasierte Selbsthilfe könnte diese Lücke schliessen — nur fehlten bisher Anhaltspunkte, wie solche Programme gestaltet sein müssen. Diese Arbeit liefert sie und lässt sie von Fachpersonen prüfen.

Woher kommen die Richtlinien?

Nicht aus der Erfahrung, sondern aus der Lerntheorie. Die Autorin verbindet mehrere etablierte Konzepte — unter anderem die kognitive Theorie multimedialen Lernens in mehreren Ausprägungen, das Fogg Behavior Model zur Verhaltensänderung und den Gamifizierungsansatz.

Daraus entwickelt sie ein Set von Designrichtlinien und darauf aufbauend ein Umsetzungskonzept. Beides wurde anschliessend empirisch überprüft, in vier Expert:innenbefragungen mit anschliessender strukturierender Inhaltsanalyse nach Mayring.

Halten die Richtlinien der Prüfung stand?

Weitgehend. Keine der Designrichtlinien wurde als falsch oder überholt eingestuft, und es kamen keine gänzlich neuen Aspekte auf, die zusätzliche Richtlinien erfordert hätten. Die Forschungsfrage lässt sich damit bejahen.

Einzelne Richtlinien wurden allerdings als herausfordernd in der Umsetzung beurteilt. Und die Autorin benennt selbst, was noch zu tun wäre: Manche Richtlinien liessen sich schärfer voneinander abgrenzen, andere zusammenführen. Sie führt die betroffenen Abhängigkeiten einzeln auf, statt bei der allgemeinen Feststellung zu bleiben.

Dem Umsetzungskonzept wurde zudem Neuigkeitswert zugesprochen.

Für wen ist das brauchbar?

Für alle, die ein digitales Angebot in der Sexualtherapie planen. Mehrere Arbeiten dieser Sammlung entwickeln genau solche Programme — zur frühzeitigen Ejakulation, zur Sexualität nach der Geburt, zur Lust in Langzeitbeziehungen, zur Kondomnutzung.

Diese Arbeit liefert die Ebene darunter: nicht ein weiteres Programm, sondern die Grundlage dafür, wie solche Programme gebaut sein sollten. Wer das übergeht, entwickelt Inhalte für ein Format, dessen Wirkung er nicht kennt.

Die Zahlen aus den anderen Arbeiten geben ihr recht: Bei der Online-Intervention für Paare fiel die Teilnehmendenzahl von 22 auf fünf. Gestaltung entscheidet darüber, ob jemand dabeibleibt.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier Expert:innenbefragungen sind eine schmale Prüfbasis. Geprüft wurde zudem die Plausibilität der Richtlinien, nicht ihre Wirkung: Ob ein nach diesen Richtlinien gebautes Programm tatsächlich besser funktioniert, zeigt die Arbeit nicht.

Was sie leistet, ist eine theoretisch fundierte und fachlich geprüfte Ausgangslage, wo es zuvor gar keine gab. Die Autorin unterzieht Methode und Datenerhebung am Schluss selbst einer kritischen Betrachtung und zeigt auf, wie mit den Ergebnissen weitergearbeitet werden kann.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 111 Seiten. Sie enthält die verhaltenspsychologischen und lerntheoretischen Grundlagen, das vollständige Set der Designrichtlinien, das darauf aufbauende Umsetzungskonzept sowie die Auswertung der Expert:innenbefragungen.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit basiert auf der weltweiten Verbreitung sexueller Probleme und der Beobachtung, dass viele Betroffene aus unterschiedlichen Grün- den keine professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Internetbasierte Selbsthilfepro- gramme scheinen geeignet, die identifizierte Versorgungslücke mit leicht zugänglichen, flexiblen und anonymen Behandlungsmöglichkeiten zu schliessen. Dennoch existieren kaum wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse, auf welche Fak- toren bei der Bereitstellung solcher Programme im sexualtherapeutischen Kontext geachtet werden sollte. Allgemeingültige Richtlinien für die lernförderliche Gestal- tung digitaler Selbsthilfeprogramme für die Sexualtherapie fehlen gänzlich. Das Ziel der vorliegenden Masterarbeit besteht darin, auf Basis ausgewählter ver- haltenspsychologischer und lerntheoretischer Konzepte relevante, verständliche und anwendungsfreundliche Designrichtlinien zu entwickeln. Zudem soll auf deren Grundlage ein Umsetzungskonzept ausgearbeitet werden. Sowohl die Richtlinien als auch das Konzept wurden mithilfe von vier Expert:innenbefragungen empirisch überprüft. Die folgende qualitative, strukturierende Inhaltsanalyse nach Mayring (2015) hat gezeigt, dass die Design- richtlinien in ihrer Güte überwiegend positiv beurteilt wurden. Auch wurde das Um- setzungskonzept hinsichtlich seines Neuigkeitswerts und des potenziellen Nutzens für die Sexualtherapie hervorgehoben. Insbesondere die adaptive, sequenzielle Struktur der Selbsthilfe, die Niederschwelligkeit und Praxisrelevanz der Lösung, so- wie die erwartete Nutzungsfreundlichkeit der Anwendung wurden als positive Aspekte bewertet, während die hohe Komplexität bei der Zusammenstellung und Priorisierung der Selbsthilfesequenzen als grösste Herausforderung angesehen wurde. Mit dieser Arbeit trägt die Autorin zur Verbesserung der Zugänglichkeit und Wirk- samkeit von Methoden der Sexualtherapie bei und eröffnet neue Möglichkeiten für den Einsatz digitaler Medien in diesem Bereich.

Nina Jost, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Do it yourself! Designrichtlinien für internetbasierte Selbsthilfeprogramme für die Sexualtherapie

Verfasst von
Nina Jost

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Digitale Medien · Sexualtherapie · Soziale Arbeit

Lizenz und Nachweis. Nina Jost: «Do it yourself! Designrichtlinien für internetbasierte Selbsthilfeprogramme für die Sexualtherapie». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Sprechende Sexualkörper – Innere Bilder in der Sexualtherapie

Slobodanka Periz untersucht in der Masterarbeit «Sprechende Sexualkörper – Innere Bilder in der Sexualtherapie» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Manche Klientinnen kommen an ihr Körperempfinden kaum heran. Diese Arbeit prüft, ob sich dafür Werkzeuge aus anderen Verfahren nutzen lassen — und findet einen Weg, starke Emotionen zu bearbeiten, ohne zu retraumatisieren.

Welche Werkzeuge werden verbunden?

Logosynthese und Bodenanker, wie sie aus der systemischen Aufstellung und dem NLP bekannt sind — verbunden mit der Sexualtherapie nach dem Modell Sexocorporel und dem Embodiment-Ansatz.

Im Zentrum steht die Evokation von Inneren Bildern, Emotionen und Körperempfindungen. Der Nutzen zeigt sich nach dieser Arbeit besonders bei Klientinnen und Klienten, die Schwierigkeiten mit der Körperwahrnehmung haben.

Der theoretische Rahmen ist breit angelegt: von Descartes‘ Leib-Seele-Trennung über Embodiment bis zur Frage, welche Rolle Zeit und Präsenz in der Therapie spielen.

Was zeigt die Fallvignette?

Drei Sitzungen mit einer Cis-Frau, dokumentiert und ausgewertet. Die Ergebnisse betreffen zwei Ebenen.

Erstens verbesserten sich Körperempfinden und der Kontakt zum eigenen Geschlecht — auf der Ebene der Gefühle wie der Körperwahrnehmung. Kommunikation und Empathie für das eigene Geschlecht wurden aktiviert.

Zweitens, und methodisch wichtiger: Die schrittweise Annäherung an starke Emotionen über eine Metaposition auf einem separaten Bodenanker im Raum ermöglichte einen retraumatisierungsfreien Prozess. Der Abstand ist dabei nicht metaphorisch, sondern räumlich — man steht woanders.

Was heisst das für die Praxis?

Die Arbeit hält fest, dass sich Coachingelemente wie Logosynthese und Bodenanker gut in die sexologische Praxis integrieren lassen — und dass körpertherapeutische Interventionen während der gesamten Arbeit eingebunden werden können, um Körperwahrnehmung und Verständnis der Körperdynamik zu erhöhen.

Ein Satz beschreibt die Haltung dahinter am besten: Der Körper der Klientin gibt an, wann er von sich aus etwas sagen oder zeigen will. Die Methode drängt nicht, sie schafft Gelegenheit.

Die Autorin sieht Potenzial für künftige Arbeiten im Bereich von Neovaginen und Neopenissen und vermutet, dass die Methoden für alle Geschlechter und Operationsstadien nutzbar sein könnten.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine Fallvignette über drei Sitzungen mit einer Person, ergänzt durch parallel geführte Expertengespräche. Das ist der kleinstmögliche empirische Umfang — und für die Erprobung eines Vorgehens eine legitime Form.

Was die Arbeit zeigt, ist Machbarkeit und ein plausibler Wirkweg, nicht Wirksamkeit. Wer die Methode übernehmen will, sollte den Hinweis der Autorin beherzigen: Sie beschreibt ausdrücklich, was in einer Aufstellung nie gemacht wird, und formuliert eine Warnung zur therapeutischen Haltung.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 95 Seiten. Sie enthält die theoretischen Grundlagen zu Embodiment, Inneren Bildern und Imagination, die ausführliche Anleitung zum Vorgehen mit Bodenankern samt Warnungen und Grenzen sowie die vollständige Fallvignette.

Die Fragestellung

Die Arbeit geht diesen Fragen nach:

  • Wie kann sie gestaltet werden und womit wird sie auf welche Weise gefüllt?
  • Was ist Descartes Ziel mit seiner Schrift?

Methodisches Vorgehen

Die Arbeit stützt sich auf Interviews mit Fachpersonen. Der Volltext umfasst 95 Seiten.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Verbindungsmöglichkeit von Logosynthese und Bodenankern (wie in der Systemischen Aufstellung oder im NLP) mit der Sexualtherapie nach dem Modell Sexocorporel und dem Embodimentansatz. Es geht um die Evokation von Inneren Bildern, Emotionen und Körperempfindungen. Der Nutzen scheint sich besonders bei Klienten zu zeigen, die Schwierigkeiten mit der Körperwahrnehmung haben. Eine Fallvignette, bestehend aus drei Sitzungen, mit einer CIS-Frau, demonstriert Vorteile im Körperempfinden und im Kontakt mit dem eigenen Geschlecht auf der Ebene der Gefühle und Körperwahrnehmung. Kommunikation und Empathie für das eigene Geschlecht wurden aktiviert. Die schrittweise Annäherung an starke Emotionen mithilfe der Metaposition auf einem separaten (Boden)Anker im Raum, ermöglichte einen retraumatisierungsfreien Prozess. Coachingelemente wie Logosynthese und Bodenanker lassen sich gut in die sexologische Praxis integrieren. Abschliessend lässt sich zusammenfassen, dass körpertherapeutische Interventionen während der gesamten Arbeit eingebunden werden können, um die Körperwahrnehmung und das Verständnis der Körperdynamik zu erhöhen. Der Körper der Klientin gibt an, wann er von sich aus etwas sagen oder zeigen will. Diese Methoden bieten Potenzial für zukünftige Arbeiten im Bereich von Neovaginen und Neopenissen und deuten darauf hin, dass sie auch für alle Geschlechter und Operationsstadien nutzbar sein könnten.

Slobodanka Periz, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Sprechende Sexualkörper – Die Arbeit mit Inneren Bildern in der Sexualtherapie

Verfasst von
Slobodanka Periz

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Sexualtherapie · Sexuelle Fantasien · Soziale Arbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Slobodanka Periz: «Sprechende Sexualkörper – Die Arbeit mit Inneren Bildern in der Sexualtherapie». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Beziehungsgestaltung zwischen Therapeut*in und Klient*in in der Sexualtherapie

Jasmin Witschi untersucht in der Masterarbeit «Beziehungsgestaltung zwischen Therapeut*in und Klient*in in der Sexualtherapie» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Die therapeutische Beziehung gilt als einer der stärksten Wirkfaktoren der Psychotherapie. In dieser Untersuchung sagen die befragten Sexualtherapeut*innen etwas Differenzierteres: Sie ist wichtig — aber nicht immer der entscheidende Faktor für den Erfolg.

Was trägt eine sexualtherapeutische Beziehung?

An erster Stelle stehen klare und realistische Ziele, die gemeinsam mit den Klient*innen formuliert werden. Nicht das Gespräch an sich, sondern die geteilte Richtung.

Dazu kommt eine vertrauensvolle Beziehung, die Sicherheit bietet. Als zentrale Elemente einer stabilen Beziehung nennen die Befragten Authentizität, Ehrlichkeit und Transparenz — Eigenschaften, die Vertrauen und offene Kommunikation fördern.

Auf Seiten der therapierenden Person zählen die eigene therapeutische Haltung, Neugier sowie Fach- und Methodenkompetenz. Besonders viel hängt an der Anfangsphase der Therapie.

Was macht das Bezahlen mit der Beziehung?

Ein Befund, der in Lehrbüchern selten steht: Die Selbstzahlung der Therapie erhöht den Druck auf eine positive Beziehungsgestaltung.

In der Sexualtherapie ist das die Regel — sie wird in der Schweiz meist nicht von der Grundversicherung getragen. Wer selbst bezahlt, erwartet schneller Ergebnisse und wechselt eher, wenn die Chemie nicht stimmt.

Für die Praxis heisst das, dass die Beziehungsgestaltung hier unter anderen Bedingungen steht als in einem kassenfinanzierten Setting — ein Umstand, der die Arbeit prägt, aber selten benannt wird.

Woran scheitert es?

Schwierigkeiten entstehen nach den Interviews vor allem aus zwei Quellen: aus persönlichen Überzeugungen der Klient*innen und aus gesellschaftlichen Mythen über Sexualität.

Beides lässt sich nicht durch mehr Empathie auflösen. Die Befragten beschreiben stattdessen drei Antworten: flexible Anpassung des Vorgehens, Supervision — und manchmal die Überweisung an eine andere Fachperson.

Dass Überweisung als legitime Option genannt wird, ist bemerkenswert. Es setzt voraus, die Grenzen der eigenen Passung zu erkennen, statt sie als persönliches Scheitern zu werten.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine Literaturrecherche verbunden mit fünf Interviews mit Sexualtherapeut*innen, qualitativ ausgewertet. Befragt wurden also die Therapierenden, nicht die Klient*innen.

Das ist für die Frage nach der Beziehungsgestaltung eine spürbare Einschränkung: Was eine Beziehung trägt, wissen beide Seiten unterschiedlich gut. Die Arbeit benennt ihre Limitationen und die daraus folgenden Ansätze für weitere Forschung selbst.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 105 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zur therapeutischen Beziehung, die vollständige Auswertung der fünf Interviews entlang der Therapiephasen sowie die Diskussion der Limitationen.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit untersuchte die Aspekte und Bedeutung der Beziehungsgestal- tung zwischen Therapeut*in und Klient*in im Kontext der Sexualtherapie. Ziel der Stu- die war es, die entscheidenden Aspekte zu identifizieren, die eine starke und vertrau- ensvolle therapeutische Beziehung fördern. Weiter wurde die Bedeutung der thera- peutischen Beziehung in den verschiedenen Phasen der Sexualtherapie untersucht. Für die theoretische Beantwortung der Forschungsfragen wurde eine Recherche an- hand von Literatur durchgeführt. Zusätzlich wurden fünf Interviews mit Sexualthera- peut*innen geführt, in denen sie zu Aspekten und der Bedeutung der Beziehungsge- staltung in der Sexualtherapie befragt wurden. Diese Interviews wurden anschlies- send qualitativ ausgewertet. Die Ergebnisse der Literaturrecherche und der Interviews zeigen, dass die Beziehung in der Sexualtherapie eine zentrale Rolle spielt. Der Aufbau von Vertrauen sowie per- sönliche und professionelle Merkmale der therapierenden Person wie Authentizität und Fach- und Methodenkompetenz massgeblich zu einer stabilen therapeutischen Beziehung bei. Besonders in der Anfangsphase der Therapie hat die Beziehungsge- staltung eine grosse Bedeutung. Am Ende der Arbeit werden die Limitationen der Studie sowie Vorschläge für künftige Forschungen aufgezeigt. This master's thesis examined the aspects and significance of the relationship be- tween therapist and client in the context of sex therapy. The aim of the study was to identify the key aspects that promote a strong and trusting therapeutic relationship. The importance of the therapeutic relationship in the various phases of sex therapy was also investigated. A literature review was conducted to provide theoretical answers to the research questions. In addition, five interviews were conducted with sex therapists, in which they were asked about aspects and the importance of relationship formation in sex therapy. These interviews were then analysed qualitatively. The results of the literature research and the interviews show that the relationship plays a central role in sex therapy. The establishment of trust as well as personal and professional characteristics of the therapist, such as authenticity and professional and

Jasmin Witschi, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Aspekte und Bedeutung der Beziehungsgestaltung zwischen Therapeut*in und Klient*in im sexualtherapeutischen Kontext Eine qualitative Untersuchung der therapeutischen Beziehungsarbeit

Verfasst von
Jasmin Witschi

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Sexualtherapie · Soziale Arbeit · Sexuelle Bildung

Lizenz und Nachweis. Jasmin Witschi: «Aspekte und Bedeutung der Beziehungsgestaltung zwischen Therapeut*in und Klient*in im sexualtherapeutischen Kontext Eine qualitative Untersuchung der therapeutischen Beziehungsarbeit». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA3 Masterarbeit

Das sexuelle Begehren junger Frauen und ihr sexuelles Selbst

Lea Eugster untersucht in der Masterarbeit «Das sexuelle Begehren junger Frauen und ihr sexuelles Selbst» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

«Ich hätte gern mehr Lust» ist ein häufiger Wunsch junger Frauen und ein schwieriger, weil Verlangen sich nicht herstellen lässt. Diese Arbeit hat einen Gruppenkurs entwickelt, durchgeführt und danach die Teilnehmerinnen befragt, was gewirkt hat.

Was war das für ein Kurs?

Ein körperorientiertes Gruppenangebot auf Grundlage ausgewählter Behandlungsansätze und des Modells Sexocorporel — entwickelt für junge Frauen, die sich mehr sexuelles Begehren wünschen.

Die Bestandteile sind konkret: Wissensvermittlung, Imaginationsreisen, Musik-, Bewegungs- und Reflexionssequenzen. Nach dem Kurs befragte die Autorin vier Teilnehmerinnen zwischen 29 und 32 Jahren.

Der Ansatz ist ausdrücklich ressourcenorientiert. Es geht nicht darum, einen Mangel zu beheben, sondern darum, Zugänge zu öffnen.

Was hat gewirkt?

Der Kurs kann nach diesen Ergebnissen ein ressourcenorientierter und Neugier weckender Weg sein, um das sexuelle Selbst und das sexuelle Begehren junger Frauen zu stärken.

Besonders hervor hebt die Arbeit zwei Elemente: den Einsatz von Musik und Bewegung als Reiz und als Rahmen. Beides schafft einen Kontext, in dem sich etwas einstellen kann — statt es zu fordern.

Der zweite Befund betrifft die Haltung. Für junge Frauen mit dem Wunsch nach stärkerem Begehren kann es entscheidend sein, sich überhaupt als sexuelle Wesen zu sehen und zu erkunden. Erst dann lassen sich eigene Bedürfnisse selbstbestimmt anerkennen und erfüllen.

Was heisst das für die Praxis?

Wer mit jungen Frauen zum Thema Begehren arbeitet, findet hier ein durchgerechnetes und erprobtes Gruppenkonzept — samt der Rückmeldung, welche Elemente die Teilnehmerinnen als wirksam beschrieben haben.

Der Gruppenrahmen ist dabei kein Sparmodell gegenüber der Einzelberatung. Er ermöglicht etwas, das einzeln schwer herzustellen ist: die Erfahrung, mit diesem Wunsch nicht allein zu sein.

Das deckt sich mit anderen Arbeiten dieser Sammlung, in denen der Austausch unter Teilnehmerinnen als wertvollstes Element genannt wurde.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier qualitative Interviews nach dem Kurs, ausgewertet nach Mayring. Befragt wurden ausschliesslich Teilnehmerinnen, die den Kurs absolviert haben — wer abgebrochen hat oder gar nicht erst kam, fehlt.

Kurs und Befragung stammen zudem von derselben Person. Das ist bei einer Konzeptarbeit üblich, färbt aber auf die Rückmeldungen ab. Was die Arbeit belegt, ist die Machbarkeit und die Resonanz — nicht die Wirksamkeit im Vergleich zu einem anderen Vorgehen.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 136 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu sexuellem Begehren und sexuellem Selbst mit Fokus auf junge Frauen, das vollständige Kurskonzept sowie die Auswertung der vier Interviews.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit legt den Forschungsstand zum sexuellen Begehren und dem sexuellen Selbst mit Fokus auf junge Frauen dar. Auf der Basis ausgewählter Behandlungsansätze und des sexualwissenschaftlichen Modells Sexocorporel wird anhand eines körperorientierten Kurskonzeptes aufgezeigt, wie eine entsprechende Gruppenbegleitung junger Frauen, die sich mehr sexuelles Begehren wünschen, aussehen kann. Nach Absolvieren des Kurses wird mittels qualitativer Interviews mit vier Kursteilnehmerinnen zwischen 29 und 32 Jahren die Zusammenhänge zwischen dem sexuellen Begehren und dem sexuellen Selbst untersucht. Die Erkenntnisse zeigen, dass die körperorientierte Auseinandersetzung mit dem sexuellen Selbst – basierend auf Wissensvermittlung, Imaginationsreisen, Musik-, Bewegungs- und Reflexionssequenzen – junge Frauen in ihrem Wunsch nach mehr sexuellem Begehren ressourcenorientiert unterstützen kann.

Lea Eugster, Abstract der Masterarbeit, 2022

Angaben zur Arbeit

Titel
Das sexuelle Begehren junger Frauen und ihr sexuelles Selbst : Eine qualitative Untersuchung der Zusammenhänge zwischen dem sexuellen Begehren und dem sexuellen Selbst junger Frauen nach Absolvieren eines körperorientierten Gruppenkurses auf der Basis ausgewählter Behandlungsansätze und des sexualwissenschaftlichen Modells Sexocorporel

Verfasst von
Lea Eugster

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3

Jahr
2022

Themen
Sexuelles Verlangen · Körperarbeit · Soziale Arbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Lea Eugster: «Das sexuelle Begehren junger Frauen und ihr sexuelles Selbst : Eine qualitative Untersuchung der Zusammenhänge zwischen dem sexuellen Begehren und dem sexuellen Selbst junger Frauen nach Absolvieren eines körperorientierten Gruppenkurses auf der Basis ausgewählter Behandlungsansätze und des sexualwissenschaftlichen Modells Sexocorporel». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Sexocorporel und Soziale Arbeit

Katrin Lukas untersucht in der Masterarbeit «Sexocorporel und Soziale Arbeit» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

In jeder Beratung sitzen zwei Körper. Die Soziale Arbeit denkt ihre Beratungsbeziehung meist über Sprache, Haltung und Methode — den Körper der Fachkraft und den der Klientin klammert sie eher aus. Diese Arbeit macht genau das zum Thema.

Was ist mit «Körperwissen» gemeint?

Die Arbeit stützt sich auf drei Gesetzmässigkeiten des Körpers, die das Modell Sexocorporel beschreibt: Raum, Tonus und Rhythmus. Sie beeinflussen Wahrnehmung und Lustempfinden und erweitern über Selbstbeobachtung und Selbstaufmerksamkeit das individuelle Körperwissen.

Entscheidend ist die Richtung dieser Beziehung: Die drei Gesetze bestimmen das Erleben — und lassen sich willentlich beeinflussen. Wer den Tonus verändert, verändert die Wahrnehmung.

Theoretisch verortet die Autorin das Körperwissen über Bourdieus Habitus-Konzept und die Embodiment-Theorie.

Warum ist die Unterscheidung von explizitem und implizitem Körper wichtig?

Das Modell Sexocorporel betrachtet beide getrennt. Damit lassen sich Körperwahrnehmungen unterscheiden und entweder den inneren leiblichen Vorgängen oder den äusseren, am Körper sichtbaren Ausdrücken zuordnen.

Diese Trennung verweist zugleich auf ihren Zusammenhang — und darin liegt der Ertrag für die Beratung. Der Zusammenhang macht auf die Möglichkeit der Spiegelung aufmerksam.

Spiegelung ist in sozialer Interaktion und Kommunikation von Bedeutung: Stimme und Körperausdruck wirken auf das Gegenüber, ob beabsichtigt oder nicht. Wer sie bei sich selbst unterscheiden kann, gestaltet die Beratungsbeziehung bewusster.

Was folgt daraus für die Soziale Arbeit?

Die Autorin schlägt vor, die körperliche Ebene zu einer zentralen Ebene der Beratung zu machen. Dann lassen sich Prozess, Interaktion und Arbeitsbeziehung bewusster gestalten.

Für die geschlechterreflexive Beratung heisst das konkret: Die aus dem Körperwissen resultierenden Fähigkeiten unterstützen beratungsaufsuchende Menschen dabei, das Leben innerhalb bestehender Geschlechter- und Machtverhältnisse zu bewältigen, zu gestalten und zu verändern.

Damit richtet sich die Arbeit an Fachpersonen der Sozialen Arbeit, die sexologisches Wissen nicht als Spezialgebiet verstehen wollen, sondern als Teil ihres Handwerks.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Es handelt sich um eine überwiegend theoretische Arbeit, die sexologisches Modellwissen mit sozialwissenschaftlicher Theorie verbindet. Eine empirische Prüfung, ob Beratungen mit diesem Zugang anders verlaufen, gibt es nicht.

Was sie leistet, ist eine Übersetzungsarbeit zwischen zwei Disziplinen, die selten miteinander sprechen — und ein begründeter Vorschlag, wo die Verbindung ansetzen könnte.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 103 Seiten. Sie enthält die Grundlagen zu Körperwissen, Habitus und Embodiment, die Darstellung der drei Gesetze des Körpers nach Sexocorporel sowie die Ableitungen für die geschlechterreflexive Beratung in der Sozialen Arbeit.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit geschlechterreflexiver Beratung in der Sozialen Arbeit und geht der Frage nach, wie das Körperwissen durch Sexocorporel die Handlungskompetenzen der Professionellen erweitert und gelingende Beratung ermöglicht. Im Beratungssetting sind die Fachkräfte mit dem eigenen (Geschlechts-)Körper und dessen Handeln, Denken, Fühlen und Erleben konfrontiert und treffen zudem auf den (Geschlechts-)Körper der beratungsaufsuchenden Person. Damit gestaltet das Handeln, Denken, Fühlen und Erleben der Körper die Beratungsinteraktion und wirkt sich auf die Beratungsbeziehung aus. Deshalb soll in dieser Arbeit das Wissen über den Körper als Beratungsressource untersucht werden. Das Körperwissen kann als Wissen des Körpers verstanden werden und wird mit Bezug auf Bourdieus Habitus-Konzept und der Embodiment-Theorie vorgestellt. Dieses Körperwissen spielt in der geschlechterreflexiven Beratung eine Rolle für Klient_in und Fachkraft. Die aus dem Körperwissen resultierenden Fähigkeiten unterstützen das beratungsaufsuchende Individuum das Leben innerhalb der Geschlechter- und Machtverhältnisse zu bewältigen, zu gestalten und zu verändern. Für die Professionellen der Sozialen Arbeit kann dieses Körperwissen in der Beratungspraxis bewusst für den Prozess, die Interaktion und die Arbeitsbeziehung eingesetzt werden. Das sexologische Modell Sexocorporel besteht aus Methoden um das Körperwissen zu erweitern und kann gewinnbringend ins professionelle Handeln einbezogen werden. So können mit dem Sexocorporel-Konzept wichtige Variablen einer Beratungsbeziehung vertieft werden, der Beratungsprozess als Erkenntnis- und Lernprozess bewusst gestaltet und die Handlungskompetenzen der Fachkräfte erweitert werden. Dies kann gelingen indem die körperliche Ebene eine zentrale Ebene in der Beratung wird. Dadurch werden Chancen und Potenziale für die Beratung und hier besonders für die geschlechterreflexive Beratung in der Sozialen Arbeit eröffnet.

Katrin Lukas, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexocorporel und Soziale Arbeit : Die Bedeutung von Körperwissen durch Sexocorporel für die geschlechterreflexive Beratung in der Sozialen Arbeit

Verfasst von
Katrin Lukas

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Soziale Arbeit · Schwangerschaft & Geburt · Sexualtherapie · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Katrin Lukas: «Sexocorporel und Soziale Arbeit : Die Bedeutung von Körperwissen durch Sexocorporel für die geschlechterreflexive Beratung in der Sozialen Arbeit». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Beratungsansätze bei Leidensdruck unter dranghafter Sexualität oder Sexsucht bei Männern

Nathalie Gadola-Dürler untersucht in der Masterarbeit «Beratungsansätze bei Leidensdruck unter dranghafter Sexualität oder Sexsucht bei Männern» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Wer wegen seiner Sexualität nicht mehr weiterweiss, sucht eine Diagnose und findet vier Fachpersonen mit vier verschiedenen Zugängen. Diese Arbeit hat erhoben, was in der Deutschschweiz tatsächlich gemacht wird — und kommt zu einem unbequemen Befund: Was in der Beratung geschieht, hängt weniger am Verfahren als an der Person, die es anwendet.

Sucht oder Drang — worüber wird hier gesprochen?

Die beiden nach Sexocorporel arbeitenden Fachpersonen verwenden den Suchtbegriff ungern. Sie sprechen von dranghafter Sexualität: einem Suchen, Wünschen und Fordern sexueller Kontakte, begleitet von sexueller Unersättlichkeit. Sucht ist in dieser Lesart kein eigener Zustand, sondern der Endpol eines Kontinuums.

Das ist mehr als eine Wortfrage. Diagnosemanuale wie ICD und DSM denken kategorial: Man erfüllt die Kriterien oder nicht. Der Anteil derer, die klinisch relevante Suchtkriterien erfüllen, ist klein. Die befragten Fachpersonen halten dagegen, dass Betroffene mit Leidensdruck keine erfüllte Kriterienliste brauchen, um behandelt zu werden.

Die Arbeit entstand 2020 und hoffte darauf, dass diagnostische Kriterien Eingang in die ICD-11 finden. Das ist inzwischen geschehen — die zwanghafte sexuelle Verhaltensstörung ist dort als eigene Diagnose erfasst. Die hier beschriebene Spannung zwischen Kategorie und Kontinuum bleibt davon unberührt.

Wer sucht Hilfe?

Es sind überwiegend Männer. Eine der befragten Fachpersonen behandelt bis zu 25 Klientinnen und Klienten pro Woche, darunter bis zu 40 Fälle dranghafter Sexualität im Jahr.

Bei 20 bis 30 Prozent liegt zusätzlich eine ADHS oder eine andere psychische Erkrankung vor, beispielsweise eine bipolare Störung. Oft kommen Männer, die von ihrer Partnerin ertappt wurden, oder solche, die im Alltag und in ihren Beziehungen Einbussen bemerken.

Was diese sehr unterschiedliche Gruppe verbindet, ist nicht ein Verhalten, sondern der Leidensdruck — der eigene, der der Partnerschaft, manchmal auch eine finanzielle Notlage.

Was wirkt in der Beratung?

Die Arbeit vergleicht drei Zugänge: das Modell Sexocorporel, den systemischen Ansatz nach Ulrich Clement und den Ansatz nach David Schnarch. Ihre Antwort auf die Frage, welcher der richtige sei, lautet: Es kommt darauf an, worauf man schaut.

Richtet sich der Blick auf die individuelle sexuelle Lerngeschichte, eignet sich Sexocorporel besonders. Der Betroffene lernt, wie sein Drang mit konkreten Ursachen zusammenhängt, und erhält Zugang zu einer erweiterten Sexualität statt zu einer Verbotsliste.

Steht die Beziehung auf dem Spiel, arbeiten Clement und Schnarch mit dem Paar. Dort geht es darum, sich mit dem Gegenüber auseinanderzusetzen und daran zu wachsen — das Anliegen wird zum Auslöser einer Entwicklung.

Quer über alle drei Zugänge steht dieselbe Kernfrage: Welches Bedürfnis steckt hinter dem ausser Kontrolle geratenen Verhalten, und wie liesse es sich anders befriedigen?

Was heisst das für die Praxis?

Der zentrale Befund der Arbeit ist zugleich ihr unbequemster. Ausschlaggebend dafür, welche Überzeugungen und Interventionen zur Anwendung kommen, sind Erfahrung, Auseinandersetzung und Weiterbildung der behandelnden Person — nicht das Verfahren.

Daraus folgt eine klare Empfehlung: Bei diesem Anliegen ist die Kombination mehrerer Ansätze vorzuziehen. Körperübungen können die sexuelle Balance wiederherstellen und das Gefühl der Steuerungsfähigkeit stärken; dazu kommt das Erlernen dessen, was die Arbeit ein heilsames Ausnützen des Moments zwischen Drang und Reaktion nennt. Die ehrliche Auseinandersetzung mit sich selbst und mit der Partnerin darf dabei nicht fehlen.

Bemerkenswert ist, wie niederschwellig der erste Schritt sein kann. Im besten Fall genügt eine Beratung, die aufklärt, dass das Verhalten in der Spannbreite des Normalen liegt — das allein entlastet bereits.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Die Arbeit stützt sich auf theoriegenerierende Interviews mit vier Fachpersonen, ausgewertet nach der Grounded Theory. Vier Personen bilden die Deutschschweizer Praxis nicht ab, und die Aussagen sind Einschätzungen aus der eigenen Arbeit, keine Messwerte.

Die Arbeit hält das selbst fest und benennt auch, was fehlt: Wirksamkeitsstudien, die zeigen, ob Kombinationsbehandlungen tatsächlich erfolgreicher sind. Was sie leistet, ist eine geordnete Bestandsaufnahme dessen, was Fachpersonen tun, wenn ihnen die Diagnose keine Anleitung gibt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 114 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu dranghafter Sexualität, die Darstellung der drei Beratungsansätze, die vollständige Auswertung der vier Interviews und den systematischen Vergleich von Gemeinsamkeiten und Unterschieden.

Abstract der Arbeit

Eine ausser Kontrolle geratene Sexualität kann für den Betroffenen einen Leidensdruck erzeugen und die Partnerbeziehung belasten und gefährden. Für die Sexsucht oder die dranghafte Sexualität existieren bis heute jedoch weder klare diagnostische Kriterien, noch gibt es eine einheitliche Interventions- oder Behandlungsstrategie. Nach dem Ansatz Sexocorporel begünstigen ein fehlender Bezug zur eigenen Intimität und zur Genitalität die Entwicklung und Aufrechterhaltung des dranghaften sexuellen Verhaltens. Anhand einer Analyse theoriengenerierender Expertinnen- und Experten-Interviews mittels der Grounded Theory wird deutlich, dass es die Erfahrung, die fundierte Auseinandersetzung mit dem Anliegen der Sexsucht und die Aus- und Weiterentwicklungen der behandelnden Thera- peutinnen und Therapeuten sind, die bestimmen, in welcher Form theoretische Überzeu- gungen und konkrete Interventionen in den Beratungen und Behandlungen angewendet werden. Eine Kombination der verschiedenen Ansätze erlaubt, das Anliegen besser zu er- fassen, denn die Behandlung von dranghafter Sexualität ist genauso wie das Verständnis dieses Phänomens eine Herausforderung, die mehr als nur eine spezialisierte Therapieme- thode verlangt.

Nathalie Gadola-Dürler, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Beratungsansätze bei Leidensdruck unter dranghafter Sexualität oder Sexsucht bei Männern Aktuelle Beratungspraxis in der Deutschschweiz

Verfasst von
Nathalie Gadola-Dürler

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Pornografie · Sexualtherapie · Soziale Arbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Nathalie Gadola-Dürler: «Beratungsansätze bei Leidensdruck unter dranghafter Sexualität oder Sexsucht bei Männern Aktuelle Beratungspraxis in der Deutschschweiz». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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