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MA4 Masterarbeit

Wann ist Pornokonsum ein Problem?

Wer sich selbst für pornosüchtig hält, ist es meistens nicht. Was Leidensdruck erzeugt, ist in vielen Fällen nicht die Menge des Konsums, sondern der Widerspruch zwischen dem eigenen Verhalten und den eigenen moralischen Überzeugungen. Eine Masterarbeit am ISP Zürich hat geprüft, ob dieser Erklärungsansatz aus den USA auch für die deutschsprachige Schweiz trägt, und dafür drei erfahrene Sexualtherapeut*innen befragt.

Was ist moralische Inkongruenz?

Der Begriff stammt aus dem PPMI-Modell von Grubbs und Kolleg*innen aus dem Jahr 2019. Es unterscheidet drei Wege, auf denen jemand seinen Pornokonsum als problematisch erlebt: über tatsächlich dysreguliertes Verhalten, über blosse Nutzungsgewohnheiten, und über moralische Inkongruenz.

Moralische Inkongruenz meint die Lücke zwischen dem, was jemand für richtig hält, und dem, was er tut. Wer Pornografie grundsätzlich ablehnt und trotzdem regelmässig konsumiert, erlebt diesen Widerspruch als Belastung, unabhängig davon, wie viel er tatsächlich schaut. Der Leidensdruck entsteht dann nicht aus dem Verhalten, sondern aus der Bewertung des eigenen Verhaltens.

Sind die meisten Betroffenen pornosüchtig?

Nach Einschätzung der befragten Fachpersonen: nein. Ursina Donatsch, eine der drei Interviewten, stufte von zehn Klienten mit selbstwahrgenommenem problematischem Konsum lediglich zwei als tatsächlich dysreguliert konsumierend ein.

Die Selbstzuschreibung «süchtig» erwies sich in der Untersuchung als etwas anderes, als sie zunächst scheint. Sie dient im Schweizer Praxisalltag kaum dazu, weiteren Konsum zu rechtfertigen. Sie ist eher eine anfängliche Auslagerung des Problems: Wer sich als süchtig beschreibt, macht das Verhalten zu etwas, das ihm zustösst, statt zu etwas, das er tut. Im Verlauf einer Therapie lässt sich diese Zuschreibung aufarbeiten.

Damit ist zugleich gesagt, was sie nicht ist: eine Entwertung des Leidens. Der Druck ist real, nur die Erklärung dafür trägt nicht.

Woher kommt der innere Konflikt?

Das ursprüngliche Modell führt moralische Inkongruenz vor allem auf Religiosität zurück. In den Interviews zeigte sich für die Schweiz ein anderes Bild. Die Fachpersonen nannten übereinstimmend Gründe, die im Modell nicht vorgesehen sind:

  • Geschlechterethische Bedenken. Männer, die Gleichstellung und feministische Positionen vertreten, geraten in Konflikt mit dem, was sie in Pornografie sehen und trotzdem nutzen.
  • Erziehung. Vermittelte Haltungen zu Sexualität wirken weiter, auch ohne religiösen Rahmen.
  • Sexuelle Biografie und Traumatisierungen. Frühere Erfahrungen prägen, wie das eigene Konsumverhalten bewertet wird.

Religion spielte in den Schilderungen eine deutlich geringere Rolle als in der amerikanischen Forschung. Das ist der Kernbefund für den deutschsprachigen Raum: Das Modell trägt, aber seine Begründung muss ausgetauscht werden.

Was bedeutet das für die Therapie?

Die Arbeit zieht daraus eine klare Konsequenz. Eine Abklärung, die nur prüft, ob jemand die diagnostischen Kriterien für problematisches Sexualverhalten erfüllt, greift zu kurz. Entscheidend sind die Gründe hinter dem Verhalten.

Daraus folgt ein Behandlungsziel, das viele überrascht: Die Reduktion des Konsums muss nicht das Ziel sein. Wo der Leidensdruck aus moralischer Inkongruenz stammt, kann auch die Auseinandersetzung mit den eigenen Massstäben zur Auflösung des inneren Konflikts führen.

Die Arbeit hält zugleich fest, dass das PPMI-Modell nie als therapeutisches Modell entwickelt wurde und für die Praxis deutliche Grenzen hat. Die Dynamiken im Behandlungszimmer sind komplexer als drei Pfade.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Die Untersuchung beruht auf drei Experteninterviews, ausgewertet nach der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring. Die Verfasserin benennt die Grenzen selbst: Drei Personen sind nicht repräsentativ für die Fachgemeinschaft, die Aussagen beruhen auf subjektiven Einschätzungen aus der eigenen Praxis, und die Interviews bezogen sich ausschliesslich auf männliche Klienten. Eine Übertragung auf andere Geschlechter ist damit nicht gedeckt.

Die Arbeit dient der Gewinnung neuer Erkenntnisse, nicht der Prüfung von Hypothesen. Eine quantitative Überprüfung der gefundenen Zusammenhänge steht aus.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 99 Seiten und steht unter einer Creative-Commons-Lizenz frei zur Verfügung. Sie enthält den Forschungsstand zum PPMI-Modell, die Auswertung der drei Experteninterviews und die vollständigen Schlussfolgerungen für die Praxis.

Abstract der Verfasserin

Die vorliegende Masterarbeit befasst sich mit einem häufig in der sexualtherapeutischen Praxis auftretendem Thema: Männer, die Unterstützung suchen, weil sie ihren Pornografiekonsum als zu hoch einschätzen. Ziel dieser Arbeit ist es, bestehende theoretische Erklärungsmodelle zur Interpretation des Pornografiekonsums, die hauptsächlich aus dem US-amerikanischen Raum stammen, zusammenzufassen und deren Anwendbarkeit im europäischen, deutschsprachigen gesellschaftlichen Kontext zu prüfen. Im Fokus steht dabei das Modell der pornography problems due to moral incongruence (PPMI-Modell), das die Diskrepanz zwischen den persönlichen moralischen Überzeugungen eines Individuums und seinem tatsächlichen Konsumverhalten als moralische Inkongruenz definiert und als Kernkonzept nutzt.
Die Arbeit untersucht, wie Sexualtherapeutinnen und Sexualtherapeuten das PPMI-Modell und die Rolle der moralischen Inkongruenz in ihrer Praxis einschätzen. Dabei wird insbesondere beleuchtet, inwiefern kulturell und gesellschaftlich geprägte Wert- und Moralvorstellungen Einfluss auf die moralische Inkongruenz haben können und ob diese Diskrepanz möglicherweise dazu führen kann, dass sich Personen als «pornografiesüchtig» betrachten. Zur Untersuchung dieser Aspekte werden Interviews mit führenden Expertinnen und Experten aus der deutschsprachigen Schweiz im Bereich der Sexualtherapie durchgeführt.
Ariane Speck-Wyrsch, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel:
Moralische Inkongruenz bei Männern mit selbstwahrgenommenem problematischen Pornografiekonsum. Theoretische Aspekte und deren Bedeutung für die sexualtherapeutische Praxis

Verfasserin:
Ariane Speck-Wyrsch

Begutachtung:
Dr. Heinz Jufer, Prof. Dr. Konrad Weller

Abschluss:
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang IV 2021–2024

Methode:
Literaturanalyse und drei leitfadengestützte Experteninterviews, qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring

Schlagwörter:
Pornografiesucht · Erklärungsmodelle zur Interpretation des Pornografiekonsums · PPMI-Modell

Dokumenttyp:
Masterarbeit, Hochschulschrift · Sachgruppe DDC 300 Sozialwissenschaften · Sprache Deutsch · 99 Seiten

Veröffentlicht:
November 2024, Open Access

Dauerhafte Adressen:
DOI 10.25673/117476
URN urn:nbn:de:gbv:542-1981185920-1194350

Lizenz und Nachweis. Ariane Speck-Wyrsch: «Moralische Inkongruenz bei Männern mit selbstwahrgenommenem problematischen Pornografiekonsum». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Lizenziert unter CC BY-SA 4.0. Der Volltext liegt im Repositorium der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt. Abstract im Wortlaut übernommen, die übrige Zusammenfassung wurde vom ISP Zürich verfasst.

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MA4 Masterarbeit

Do it yourself! Designrichtlinien für internetbasierte Selbsthilfe

Nina Jost untersucht in der Masterarbeit «Do it yourself! Designrichtlinien für internetbasierte Selbsthilfe» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Sexuelle Probleme sind weit verbreitet, und viele Betroffene suchen keine Hilfe. Internetbasierte Selbsthilfe könnte diese Lücke schliessen — nur fehlten bisher Anhaltspunkte, wie solche Programme gestaltet sein müssen. Diese Arbeit liefert sie und lässt sie von Fachpersonen prüfen.

Woher kommen die Richtlinien?

Nicht aus der Erfahrung, sondern aus der Lerntheorie. Die Autorin verbindet mehrere etablierte Konzepte — unter anderem die kognitive Theorie multimedialen Lernens in mehreren Ausprägungen, das Fogg Behavior Model zur Verhaltensänderung und den Gamifizierungsansatz.

Daraus entwickelt sie ein Set von Designrichtlinien und darauf aufbauend ein Umsetzungskonzept. Beides wurde anschliessend empirisch überprüft, in vier Expert:innenbefragungen mit anschliessender strukturierender Inhaltsanalyse nach Mayring.

Halten die Richtlinien der Prüfung stand?

Weitgehend. Keine der Designrichtlinien wurde als falsch oder überholt eingestuft, und es kamen keine gänzlich neuen Aspekte auf, die zusätzliche Richtlinien erfordert hätten. Die Forschungsfrage lässt sich damit bejahen.

Einzelne Richtlinien wurden allerdings als herausfordernd in der Umsetzung beurteilt. Und die Autorin benennt selbst, was noch zu tun wäre: Manche Richtlinien liessen sich schärfer voneinander abgrenzen, andere zusammenführen. Sie führt die betroffenen Abhängigkeiten einzeln auf, statt bei der allgemeinen Feststellung zu bleiben.

Dem Umsetzungskonzept wurde zudem Neuigkeitswert zugesprochen.

Für wen ist das brauchbar?

Für alle, die ein digitales Angebot in der Sexualtherapie planen. Mehrere Arbeiten dieser Sammlung entwickeln genau solche Programme — zur frühzeitigen Ejakulation, zur Sexualität nach der Geburt, zur Lust in Langzeitbeziehungen, zur Kondomnutzung.

Diese Arbeit liefert die Ebene darunter: nicht ein weiteres Programm, sondern die Grundlage dafür, wie solche Programme gebaut sein sollten. Wer das übergeht, entwickelt Inhalte für ein Format, dessen Wirkung er nicht kennt.

Die Zahlen aus den anderen Arbeiten geben ihr recht: Bei der Online-Intervention für Paare fiel die Teilnehmendenzahl von 22 auf fünf. Gestaltung entscheidet darüber, ob jemand dabeibleibt.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier Expert:innenbefragungen sind eine schmale Prüfbasis. Geprüft wurde zudem die Plausibilität der Richtlinien, nicht ihre Wirkung: Ob ein nach diesen Richtlinien gebautes Programm tatsächlich besser funktioniert, zeigt die Arbeit nicht.

Was sie leistet, ist eine theoretisch fundierte und fachlich geprüfte Ausgangslage, wo es zuvor gar keine gab. Die Autorin unterzieht Methode und Datenerhebung am Schluss selbst einer kritischen Betrachtung und zeigt auf, wie mit den Ergebnissen weitergearbeitet werden kann.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 111 Seiten. Sie enthält die verhaltenspsychologischen und lerntheoretischen Grundlagen, das vollständige Set der Designrichtlinien, das darauf aufbauende Umsetzungskonzept sowie die Auswertung der Expert:innenbefragungen.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit basiert auf der weltweiten Verbreitung sexueller Probleme und der Beobachtung, dass viele Betroffene aus unterschiedlichen Grün- den keine professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Internetbasierte Selbsthilfepro- gramme scheinen geeignet, die identifizierte Versorgungslücke mit leicht zugänglichen, flexiblen und anonymen Behandlungsmöglichkeiten zu schliessen. Dennoch existieren kaum wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse, auf welche Fak- toren bei der Bereitstellung solcher Programme im sexualtherapeutischen Kontext geachtet werden sollte. Allgemeingültige Richtlinien für die lernförderliche Gestal- tung digitaler Selbsthilfeprogramme für die Sexualtherapie fehlen gänzlich. Das Ziel der vorliegenden Masterarbeit besteht darin, auf Basis ausgewählter ver- haltenspsychologischer und lerntheoretischer Konzepte relevante, verständliche und anwendungsfreundliche Designrichtlinien zu entwickeln. Zudem soll auf deren Grundlage ein Umsetzungskonzept ausgearbeitet werden. Sowohl die Richtlinien als auch das Konzept wurden mithilfe von vier Expert:innenbefragungen empirisch überprüft. Die folgende qualitative, strukturierende Inhaltsanalyse nach Mayring (2015) hat gezeigt, dass die Design- richtlinien in ihrer Güte überwiegend positiv beurteilt wurden. Auch wurde das Um- setzungskonzept hinsichtlich seines Neuigkeitswerts und des potenziellen Nutzens für die Sexualtherapie hervorgehoben. Insbesondere die adaptive, sequenzielle Struktur der Selbsthilfe, die Niederschwelligkeit und Praxisrelevanz der Lösung, so- wie die erwartete Nutzungsfreundlichkeit der Anwendung wurden als positive Aspekte bewertet, während die hohe Komplexität bei der Zusammenstellung und Priorisierung der Selbsthilfesequenzen als grösste Herausforderung angesehen wurde. Mit dieser Arbeit trägt die Autorin zur Verbesserung der Zugänglichkeit und Wirk- samkeit von Methoden der Sexualtherapie bei und eröffnet neue Möglichkeiten für den Einsatz digitaler Medien in diesem Bereich.

Nina Jost, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Do it yourself! Designrichtlinien für internetbasierte Selbsthilfeprogramme für die Sexualtherapie

Verfasst von
Nina Jost

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Digitale Medien · Sexualtherapie · Soziale Arbeit

Lizenz und Nachweis. Nina Jost: «Do it yourself! Designrichtlinien für internetbasierte Selbsthilfeprogramme für die Sexualtherapie». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Der (schwierige) Umgang des Rechts mit Sexualität

Sandro Körber untersucht in der Masterarbeit «Der (schwierige) Umgang des Rechts mit Sexualität» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Das Recht muss Sexualität regeln, ohne sie beschreiben zu können. Diese Arbeit geht diesem Verhältnis rechtsgeschichtlich nach — mit Schwerpunkt auf dem schweizerischen Familienrecht — und ist damit ein Sonderfall in dieser Sammlung.

Worum geht es?

Um zwei Fragen. Erstens: Wie lässt sich Sexualität überhaupt begreifen, verstehen, ja definieren? Zweitens: Wo liegen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der sexualwissenschaftlichen und der juristischen Sicht?

Der Zugang ist rechtsgeschichtlich. Das Recht hat Sexualität zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich gefasst, und diese Fassungen wirken bis in heutige Bestimmungen nach.

Der Autor versteht die Sexualwissenschaft ausdrücklich als nicht in sich geschlossene Disziplin, die auf die Beiträge anderer Fachrichtungen angewiesen ist. Das Recht ist eine davon.

Warum ist das für die Praxis relevant?

Weil sexualberaterische Arbeit ständig auf rechtliche Rahmen trifft — bei Eheschliessung und Trennung, im Kindesschutz, bei Beistandschaften, bei Fragen der Urteilsfähigkeit.

Fachpersonen begegnen diesen Rahmen meist als Vorgaben, die zu beachten sind. Diese Arbeit zeigt, dass sie das Ergebnis historischer Aushandlungen sind — und damit veränderlich.

Für die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist das eine brauchbare Grundlage. Wer versteht, wie Juristinnen und Juristen über Sexualität denken müssen, kann anders mit ihnen sprechen.

Was macht die Arbeit besonders?

Sie ist die einzige der Sammlung, die ohne empirische Erhebung auskommt und ohne die Kategorien des Modells Sexocorporel arbeitet. Keine Interviews, keine Fallzahlen — eine Analyse zweier Denkweisen, die aufeinander angewiesen sind und einander schlecht verstehen.

Für Fachpersonen mit juristischen Berührungspunkten ist sie die einzige Arbeit dieser Sammlung, die diese Verbindung ausdrücklich herstellt.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Es handelt sich um eine rechtsgeschichtliche und sexualwissenschaftliche Analyse. Ihre Aussagen sind Argumente, keine Messwerte — und wie bei jeder rechtlichen Betrachtung gilt: Sie bildet einen Rechtsstand ab.

Wer die Arbeit für die Praxis nutzt, sollte den aktuellen Stand der Gesetzgebung prüfen. Die historische Rekonstruktion und die begriffliche Klärung bleiben davon unberührt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 100 Seiten. Sie enthält die rechtsgeschichtliche Rekonstruktion des Umgangs des Rechts mit Sexualität, die Auseinandersetzung mit dem schweizerischen Familienrecht sowie die Gegenüberstellung juristischer und sexualwissenschaftlicher Perspektiven.

Abstract der Arbeit

IV Vorwort Die vorliegende Arbeit bildet den «krönenden Abschluss» des Studiums gemäss Studienorganisation für den Master of Arts in Sexologie 2021–2024 am Institut für Sexualpädagogik und Sexualtherapie ISP, Zürich, in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Deutschland. Mit dieser schriftlichen Abhandlung soll der Nachweis erbracht werden, dass ein (sexualwissenschaftliches) Thema ausführlich, gewissenhaft und kritisch bearbeitet werden kann, wobei wissenschaftliches Arbeiten dabei eine zentrale Rolle einnimmt. Dadurch soll auch ein innovativer Beitrag zur Weiterentwicklung der Sexualwissenschaft und Sexualberatung geleistet werden. Auf den Grundlagen der interdisziplinären Sexualwissenschaft verfolgt der weiterführende Lehrgang das Ziel, anwendungsorientiert darauf aufzubauen und die theoretischen Hintergründe mit der Praxis zu verbinden. Qualifizierte Fachleute aus dem sozialen, (psycho-)therapeutischen, medizinischen und pädagogischen Bereich erhalten dadurch die Befähigung, Menschen in ihrer sexuellen Gesundheit und Bildung zu begleiten und zu beraten, damit sie ihre Sexualität weiter entfalten können. Wird die Sexualwissenschaft verstanden als eine nicht in sich geschlossene Wissenschaftsdisziplin, sondern dass auch «Fraktionen» verschiedener Disziplinen mit einzubeziehen sind, um sich auf dieser Grundlage mit den diversen Aspekten der Sexualität und dem diesbezüglichen Umgang des Menschen zu befassen, treten auch verschiedene wissenschaftliche Perspektiven, Herangehensweisen und Würdigungen zutage. Allen an der sexualwissenschaftlichen Lehre beteiligten Disziplinen ist indessen gemein, ihren Teil an den gesamten «Wissenschaften des Sexuellen» beizutragen und so eine multidisziplinäre Sicht zu ermöglichen. Dies gilt auch für die vorliegende Untersuchung, die auf einem wissenschaftlichen Fachgebiet basiert, das sich – wie sich zeigen wird – entweder nur am Rand und implizit oder aber sehr explizit mit der Sexualität der Menschen befasst. Es ist naheliegend, dass die Rechtswissenschaft, die sich mit einem abstrakten Begriff beschäftigt und durch starre Definition, Logik, Konstruktion und Systematik ihre Lehre und Praxis aufbaut, auf einem divergierenden akademischen Konzept und mithin einer anderen Vorgehens- und Betrachtungsweise beruht. Die juristische Terminologie, Fachsprache, und Zitation stehen immer im Spannungsverhältnis zwischen Präzision, Wissenschaftlichkeit und Adressatengerechtigkeit. Diese abweichenden Grunddeutungen sind genauso zu berücksichtigen und zu würdigen, um das integrative Fachgebiet der Sexualwissenschaften diskussions- u

Sandro Körber, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Der (schwierige) Umgang des Rechts mit Sexualität unter besonderer Berücksichtigung des schweizerischen Familienrechts : Eine rechtsgeschichtliche und -philosophische Untersuchung

Verfasst von
Sandro Körber

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Recht & Ethik · Sexualtherapie · Sexuelle Bildung

Lizenz und Nachweis. Sandro Körber: «Der (schwierige) Umgang des Rechts mit Sexualität unter besonderer Berücksichtigung des schweizerischen Familienrechts : Eine rechtsgeschichtliche und -philosophische Untersuchung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

ADHS und Sexualität in der Paarbeziehung

Manuela Kurz untersucht in der Masterarbeit «ADHS und Sexualität in der Paarbeziehung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

«Ich habe immer das Gefühl, ich spüre meine Beine nicht, ich bin immer irgendwie mit dem Kopf weg.» Der Satz stammt von einer der vier befragten Frauen mit ADHS-Diagnose. Diese Arbeit hat sie und ihre Partner gemeinsam befragt — und findet, dass die Schwierigkeiten in der Paarsexualität sehr genau den Diagnosekriterien folgen.

Warum ist Aufmerksamkeit beim Sex ein Problem?

Ablenkung durch äussere Reize wirkt sich in der Paarsexualität von ADHS-diagnostizierten Frauen sehr stark auf die Aufmerksamkeit aus — stärker als alles andere, was die Arbeit untersucht hat.

Eine Befragte beschreibt, dass gleichzeitiges Geben und Empfangen sie überfordert. Ihre Aufmerksamkeit steigt, wenn sie in die passive Rolle wechselt und gedanklich loslassen kann, im Wissen, dass in diesem Moment nichts von ihr erwartet wird. Bewusst eingesetzter Blickkontakt hilft zusätzlich.

Die Unterschiede zwischen den Frauen sind gross. Eine nimmt ihren Körper so intensiv wahr, dass sie alles um sich herum nicht mehr mitbekommt. Eine andere hat ihren Körper nach eigener Aussage nie richtig gespürt und ist stark im Kopf.

Was hilft konkret?

Die Arbeit leitet daraus einen klaren Ansatz ab: eine maximale Reduktion äusserer Sinnesreize. Erst dann gelingt die körperliche Präsenz, die lustvolles Erleben möglich macht.

Ein zweiter Befund überrascht: Die sexuell erregendsten Begegnungen entstehen, wenn Verantwortung und Kontrolle abgegeben werden. Der Wechsel in die passive Rolle senkt die emotionale Überreagibilität — die Frauen kommen in einen entspannteren Zustand. Die dabei entstehende Dominanz des Partners kann dabei selbst erregend wirken.

Berührung ist ein eigenes Thema. Die Befragten haben eine erhöhte Empfindlichkeit, deren Ausprägung von der Tagesform abhängt. Was gestern angenehm war, kann heute zu viel sein.

Spontan oder geplant?

Hier zeigt sich das desorganisierte Verhalten aus den Diagnosekriterien unmittelbar in der Sexualität. Spontane Begegnungen werden bevorzugt, weil sie im Moment geschehen und sich weniger ablenkende Gedanken einmischen. Geplante Paarsexualität muss dagegen oft erst erlernt werden.

Für Paare hat das eine praktische Folge, die dem üblichen Rat widerspricht: Wenn wenig Raum für Spontaneität bleibt, wirkt sich das für eine Frau mit ADHS negativ aus. Der verbreitete Vorschlag, Sex zu terminieren, geht hier am Problem vorbei.

Geduld ist die grösste Herausforderung. Stimmt der Zeitpunkt nicht, verflüchtigt sich die Lust.

Was ist die Ressource?

Die Arbeit fragt ausdrücklich nicht nur nach Schwierigkeiten. Hohe kognitive Präsenz und gedankliche Kreativität erlauben es den Befragten, sexuelle Begegnungen über Fantasien und Vorstellungen zu intensivieren.

Diese Stärke hat eine Kehrseite, und die Arbeit benennt sie präzise: Die Frauen neigen dazu, mangelnden körperlichen Einsatz gedanklich zu kompensieren und ihre Erregung so zu steigern. Damit verstärken sie die Spannung eines ohnehin erhöhten Grundtonus.

In ihrer negativen Form zeigt sich dieselbe Gedankenkraft als ablenkende Gedanken, oft zusammen mit Affektlabilität — und dann kommt sexueller Austausch gar nicht erst zustande.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier Interviews mit ADHS-diagnostizierten Frauen und ihren Partnerinnen und Partnern, ausgewertet nach Mayring und zugeordnet zu den vier Komponenten des Modells Sexocorporel. Dass beide Seiten befragt wurden, ist für eine Arbeit dieses Umfangs ungewöhnlich und macht die Schilderungen dichter.

Vier Paare sind keine repräsentative Auswahl, und die Ergebnisse gelten für Frauen. Wie sich ADHS bei Männern in der Paarsexualität zeigt, untersucht diese Arbeit nicht.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 115 Seiten. Sie enthält einen Überblick über den Forschungsstand zu ADHS bei Erwachsenen und besonders bei Frauen mit historischen, medizinischen, therapeutischen und diagnostischen Aspekten, die Zuordnung der Wender-Utah-Diagnosekriterien zu den vier Komponenten des Modells Sexocorporel und die vollständige Auswertung der vier Paarinterviews mit Zitaten.

Abstract der Arbeit

Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine neurobiologische Störung, die sich in Konzentrationsstörungen in Verbindung mit Hyperaktivität und impulsivem Handeln zeigt. Diese Masterarbeit gibt einen Überblick über den aktuellen wissenschaftlichen Stand der ADHS von Erwachsenen, insbesondere der ADHS von Frauen und zeigt historische, medizinische, therapeutische und diagnostische Aspekte der ADHS. Sie klärt auf, wie sich die ADHS-Wender-Utah Diagnosekriterien für Erwachsene im Erleben der vier Komponenten des sexualwissenschaftlichen Modells Sexocorporel zeigen und welche Ressourcen und Herausforderungen die ADHS in der Paarsexualität mit sich bringt. In einer qualitativen Untersuchung wurden vier Interviews mit Paaren geführt, um das Erleben der ADHS von ADHS-diagnostizierten Frauen in Bezug zur Paarsexualität zu ermitteln. Die anschliessende Auswertung der qualitativen

Manuela Kurz, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
ADHS und Sexualität : Aspekte der Paarsexualität im Kontext einer ADHS-Diagnose

Verfasst von
Manuela Kurz

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
ADHS · Paarsexualität · Schwangerschaft & Geburt · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Manuela Kurz: «ADHS und Sexualität : Aspekte der Paarsexualität im Kontext einer ADHS-Diagnose». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Körperbild und die Entscheidung für eine ästhetische Intimchirurgie

Trime Misini untersucht in der Masterarbeit «Körperbild und die Entscheidung für eine ästhetische Intimchirurgie» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Der Intimbereich wird häufig getrennt vom übrigen Körperbild betrachtet. Eine Frau kann mit ihrem Körper im Reinen sein und trotzdem über eine Operation an der Vulva nachdenken. Diese Arbeit geht dem Entscheidungsprozess nach — und stiess dabei gleich zu Beginn auf ein Problem, das viel über das Thema aussagt.

Warum ist der Intimbereich ein Sonderfall?

Das ist der zentrale Befund. Die narrativen Interviews zeigen, dass der Intimbereich beim Körperbild oft abgespalten wird — er folgt eigenen Massstäben und wird an eigenen Normen gemessen.

Verstärkt wird der Wunsch nach einem Eingriff durch zwei Kräfte zugleich: äussere Normen und persönliche Unsicherheiten. Biografische, gesellschaftliche und mediale Einflüsse wirken dabei zusammen; keiner davon erklärt die Entscheidung allein.

Für die Forschung leitet die Arbeit daraus eine konkrete Forderung ab: Das Selbstwertgefühl in Bezug auf den Körper und auf den Intimbereich sollte getrennt betrachtet werden.

Wer entscheidet sich für so einen Eingriff?

Diese Frage konnte die Arbeit nicht beantworten — und das ist selbst aufschlussreich. Ursprünglich wollte die Autorin Frauen befragen, die eine ästhetische Intimchirurgie bereits hinter sich haben. Gefunden hat sie zwei Frauen, die darüber nachdenken.

Die eine meldete sich über eine Facebook-Gruppe, den Kontakt zur anderen vermittelte eine Bekannte, die über einen WhatsApp-Status auf das Projekt aufmerksam geworden war. Beide luden die Interviewerin zu sich nach Hause ein; die Gespräche fanden am Esstisch statt.

Die Autorin hat den Fokus daraufhin verschoben — vom Eingriff auf den Entscheidungsprozess. Dass sich keine Frau mit erfolgtem Eingriff fand, sagt etwas über die Scham, die dieses Thema umgibt.

Was folgt daraus für die Beratung?

Die Arbeit plädiert für zweierlei: eine tiefere Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper und dem Intimbereich, und eine stärkere Normalisierung körperlicher Vielfalt.

Das ist mehr als ein Appell. Wenn der Wunsch nach dem Eingriff aus dem Abgleich mit einer Norm entsteht, die kaum jemand kennt, dann ist Wissen über die tatsächliche Bandbreite eine Intervention. Mehrere andere Arbeiten dieser Sammlung setzen genau dort an — mit Workshops und Körperübungen zum genitalen Selbstbild.

Für die Beratungspraxis heisst das auch: Der Zeitpunkt vor dem Termin beim Chirurgen ist der, an dem ein Gespräch etwas ändern kann.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Zwei narrative Interviews — eine sehr kleine Grundlage, und die Autorin macht daraus kein Geheimnis. Beide Befragten erwägen den Eingriff, keine hat ihn vollzogen; über die Erfahrung danach sagt die Arbeit nichts.

Das narrative Interview lässt Lebensgeschichten in ihrer eigenen Logik erzählen, statt sie in Kategorien zu pressen. Für den Zugang zu einem schambesetzten Thema ist das die richtige Wahl — für Aussagen über Häufigkeiten taugt es nicht.

Die Rekrutierung über Facebook und den Bekanntenkreis der Forscherin schränkt zusätzlich ein, wer überhaupt erreicht wurde. Die Arbeit dokumentiert dieses Vorgehen vollständig und nachvollziehbar.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 82 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu ästhetischer Intimchirurgie mit historischen und ethischen Perspektiven, die Theorie zu Körperbild und Körpernormen, die vollständig dokumentierte Rekrutierung und Datenerhebung sowie die Auswertung der beiden Interviews.

Abstract der Arbeit

Die ästhetische Intimchirurgie hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen und stellt ein wichtiges Thema in der medizinischen und gesellschaftlichen Diskussion dar. Diese Arbeit un- tersucht individuelle Entscheidungsprozesse aufgrund von biografischen Hintergründe der Frauen. Sie ermöglicht Einblicke in das komplexe Zusammenspiel von Körperbild, gesell- schaftlichen Normen und individuellen Entscheidungsverläufe. Die zentrale Fragestellung ist, wie Frauen, die eine ästhetische Intimchirurgie in Erwägung ziehen, ihren eigenen Körper, ihr individuelles Körperbild und ihren Intimbereich wahrnehmen. Der Umfang der Forschung um- fasst die Analyse der individuellen Wahrnehmung, der Beziehungsgestaltung von Körper und Intimbereich und der Körperbilder dieser Frauen sowie die Untersuchung der Einflüsse, die ihre Entscheidung prägen. Die Forschung basiert auf einem qualitativen Ansatz, wobei narra- tive Interviews als primäre Datenerhebungsmethode verwendet werden. Durch biografische Methoden sollen tiefere Einblicke in die individuelle Lebensgeschichten und die vielfältigen Einflüsse gewonnen werden, die zu der Entscheidung für eine ästhetische Intimchirurgie ge- führt haben. Die Forschungsarbeit zeigt, dass die Entscheidung für oder gegen eine ästheti- sche Intimchirurgie tief in den biografischen und leiblichen Erfahrungen der Frauen verwurzelt ist. Es wird deutlich, dass sowohl äussere Einflüsse wie kulturelle Normen und Medienpräsenz als auch funktionale und emotionale Gründe eine Rolle spielen. Die Ergebnisse betonen die Bedeutung des sexuellen Selbstwertgefühls und der allgemeinen Körperzufriedenheit. Diese Arbeit trägt zum Verständnis der Motivationen und Wahrnehmungen von Frauen bei, die sich im Entscheidungsprozess hinsichtlich einer ästhetischen Intimchirurgie befinden. Die gewon- nen Erkenntnisse können zukünftige Forschungsansätze und therapeutische Praktiken infor- mieren und verbessern, um Frauen bei einer informierten und selbstbestimmten Entscheidung zu unterstützen. Abstract in English Aesthetic genital surgery has gained importance in recent years and represents a significant topic in medical and societal discussions. This study examines individual decision-making pro- cesses based on the biographical backgrounds of women. It provides insights into the complex interplay of body image, societal norms, and individual decision-making processes. The central research question is how women who consider aesthetic genital surgery perceive their own bodies, individual body image, and intimate areas. The scope of the research includes the analysis

Trime Misini, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Die Rolle der Einstellung von Frauen zu Körper und Körperbilder auf den Entscheidungsprozess hinsichtlich einer ästhetischen Intimchirurgie

Verfasst von
Trime Misini

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Körperbild · Operative Eingriffe · Genitales Selbstbild

Lizenz und Nachweis. Trime Misini: «Die Rolle der Einstellung von Frauen zu Körper und Körperbilder auf den Entscheidungsprozess hinsichtlich einer ästhetischen Intimchirurgie». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

«Die goldene Mitte» – ein Workshop zu den Wechseljahren

Monika Nänni untersucht in der Masterarbeit «‹Die goldene Mitte› – ein Workshop zu den Wechseljahren» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Wie Frauen die Wechseljahre erleben, hängt nicht nur an den Hormonen. Die Selbstakzeptanz und die Einstellung zu dieser Lebensphase lassen sich beeinflussen — und beide wirken darauf, wie stark die Symptome belasten. Diese Arbeit hat daraus ein dreiteiliges Bildungsprogramm gebaut, es mit elf Frauen durchgeführt und ausgewertet, was sich verändert hat.

Was wollen Frauen in den Wechseljahren wissen?

Vor dem Programm wurden die elf Teilnehmerinnen nach ihren Erwartungen gefragt. Acht wollten schlicht mehr über die Wechseljahre erfahren — um gewappnet zu sein, oder um mit Mythen aufzuräumen.

Sechs wünschten sich den Austausch mit anderen Frauen und wollten wissen, wie es diesen ergeht. Je drei interessierten sich für Methoden zur Bewältigung der Symptome und für den medizinischen Hintergrund und die Hormone. Je eine wollte wissen, was von dieser Lebensphase zu erwarten sei und wie gesundes Altern geht.

Diese Verteilung ist selbst ein Ergebnis: Der grösste Bedarf liegt bei Wissen und Austausch, nicht bei Therapie.

Wie ist das Programm aufgebaut?

Die dreiteilige Workshopreihe «Die goldene Mitte» verbindet biomedizinisches und psychosoziales Wissen mit Achtsamkeitstraining und körperorientierten Methoden.

Konkret heisst das: stille Atemmeditation zum Ankommen, Bewegungs- und Aufwärmspiele, Reflexion über das bisher Geleistete und darüber, was in die neue Lebensphase mitgenommen und was zurückgelassen werden soll. Eine gemeinsam gefüllte «Schatzkiste» sammelt Ideen zur Selbstfürsorge für Zeiten der Erschöpfung. Zum Abschluss schreiben die Frauen einander Komplimente.

Eine der wirksamsten Übungen war die einfachste: den eigenen nackten Körper im Spiegel betrachten.

Was hat sich verändert?

Die Auswertung erfolgte über Fragebogen vor und nach der Reihe sowie eine Gruppendiskussion — und sie unterscheidet sorgfältig, was sich bewegt hat und was nicht.

Verändert hat sich die Selbstakzeptanz: höhere Zufriedenheit mit sich selbst, mehr Achtung vor der eigenen Person, eine wohlwollendere Haltung. Über den Zugang der Achtsamkeit wurde der eigene Körper weniger bewertet. Nebenbei entstand ein praktischer Nutzen — wer Körperempfindungen bewusster wahrnimmt, erkennt und ordnet Symptome besser ein.

Nicht verändert hat sich die Akzeptanz des eigenen Aussehens: Sämtliche Teilnehmerinnen bewerteten sie vorher und nachher gleich. Die Autorin nennt drei mögliche Gründe und behauptet keinen Erfolg, wo keiner messbar war.

Bei der Einstellung zu den Wechseljahren fällt das Ergebnis deutlicher aus. Die Frauen kommen nachweislich besser mit dieser Lebensphase zurecht, bewerten das Gefühl einer Frau in der Perimenopause als wertvoller und attraktiver und fühlen sich durch den Wissenszuwachs gelassener — vor allem, weil sie den Symptomen nicht mehr hilflos ausgeliefert sind.

Was war den Teilnehmerinnen am wichtigsten?

Nicht das Wissen, sondern die anderen Frauen. Sieben von elf nannten den Austausch als besonders wertvoll. Eine fasste es so zusammen: mit dem Thema nicht mehr alleine zu sein.

Ebenso viele empfanden die Wissensvermittlung als sehr informativ, sechs lobten die Mischung der Inhalte. Für alle, die selbst ein Angebot zu den Wechseljahren planen, ist das der wichtigste Hinweis: Der Gruppenraum ist nicht Beiwerk zum Inhalt, er ist ein Teil davon.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Elf Teilnehmerinnen, kein Kontrollgruppendesign, Erhebung über selbst ausgefüllte Fragebogen und eine Gruppendiskussion — durchgeführt und ausgewertet von derselben Person, die das Programm entwickelt hat.

Die Arbeit geht damit offen um und benennt ihre Grenzen in einem eigenen Kapitel. Was sie liefert, ist ein vollständig dokumentiertes, erprobtes Konzept samt Rückmeldungen — nicht der Wirksamkeitsnachweis einer Methode.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 158 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zur Perimenopause aus medizinischer und psychosozialer Sicht, das ausgearbeitete Workshop-Konzept mit vollständigem Ablaufplan und Quellenangaben zu jeder Übung sowie die komplette Auswertung.

Abstract der Arbeit

Die Perimenopause ist ein komplexes Phänomen. Neben hormonellen Veränderun- gen wirken sich auch psychosoziale und kulturelle Einflüsse auf das Erleben der Wechseljahre und die Sexualität aus. Die vorliegende Masterarbeit untersucht, wel- chen Anforderungen ein Angebot sexueller Bildung entsprechen muss, um Frauen während den Wechseljahren in ihrem psychosozialen Wohlbefinden zu unterstüt- zen. Aus der Forschung zeigen sich die Selbstakzeptanz und die Einstellung ge- genüber den Wechseljahren als beeinflussbare Faktoren, die einen positiven Ein- fluss auf das Erleben der Perimenopause und den Umgang mit Symptomen ausü- ben können. In der Konzeption der 3-teiligen Workshopreihe «Die goldene Mitte» wird die Selbstakzeptanz gestärkt durch die Vermittlung von biomedizinischem, wie auch psychosozialem Wissen, Achtsamkeitstraining und körperorientierten Metho- den. Die Verarbeitung von Erfahrungen auf der kognitiven, emotionalen und sozia- len Ebene sowie der Austausch mit anderen Frauen und das Erkennen eigener Ressourcen verbessern die Einstellung gegenüber den Wechseljahren und gegen- über dem Altern. Das Bildungsprogramm wird mit elf perimenopausalen Frauen durchgeführt und mittels Pre- und Post-Fragebogen sowie einer Gruppendiskussion ausgewertet. Die Evaluation der schriftlichen Rückmeldungen und die Ergebnisse der qualitativen Inhaltsanalyse zeigen, dass sich sowohl die Selbstakzeptanz als auch die Einstellung gegenüber den Wechseljahren bei den Teilnehmerinnen posi- tiv verändert haben. Damit stellt das sexuelle Bildungsprogramm «Die goldene Mitte» eine wirksame Massnahme zur Förderung der sexuellen Gesundheit von Frauen in der Perimenopause dar.

Monika Nänni, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
«Die goldene Mitte» – ein Workshop zu den Wechseljahren. Der Einfluss gezielter sexueller Bildung auf die Selbstakzeptanz von Frauen in der Perimenopause und ihre Einstellung dazu

Verfasst von
Monika Nänni

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Wechseljahre · Körperarbeit · Verhütung

Lizenz und Nachweis. Monika Nänni: «‹Die goldene Mitte› – ein Workshop zu den Wechseljahren. Der Einfluss gezielter sexueller Bildung auf die Selbstakzeptanz von Frauen in der Perimenopause und ihre Einstellung dazu». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Sprechende Sexualkörper – Innere Bilder in der Sexualtherapie

Slobodanka Periz untersucht in der Masterarbeit «Sprechende Sexualkörper – Innere Bilder in der Sexualtherapie» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Manche Klientinnen kommen an ihr Körperempfinden kaum heran. Diese Arbeit prüft, ob sich dafür Werkzeuge aus anderen Verfahren nutzen lassen — und findet einen Weg, starke Emotionen zu bearbeiten, ohne zu retraumatisieren.

Welche Werkzeuge werden verbunden?

Logosynthese und Bodenanker, wie sie aus der systemischen Aufstellung und dem NLP bekannt sind — verbunden mit der Sexualtherapie nach dem Modell Sexocorporel und dem Embodiment-Ansatz.

Im Zentrum steht die Evokation von Inneren Bildern, Emotionen und Körperempfindungen. Der Nutzen zeigt sich nach dieser Arbeit besonders bei Klientinnen und Klienten, die Schwierigkeiten mit der Körperwahrnehmung haben.

Der theoretische Rahmen ist breit angelegt: von Descartes‘ Leib-Seele-Trennung über Embodiment bis zur Frage, welche Rolle Zeit und Präsenz in der Therapie spielen.

Was zeigt die Fallvignette?

Drei Sitzungen mit einer Cis-Frau, dokumentiert und ausgewertet. Die Ergebnisse betreffen zwei Ebenen.

Erstens verbesserten sich Körperempfinden und der Kontakt zum eigenen Geschlecht — auf der Ebene der Gefühle wie der Körperwahrnehmung. Kommunikation und Empathie für das eigene Geschlecht wurden aktiviert.

Zweitens, und methodisch wichtiger: Die schrittweise Annäherung an starke Emotionen über eine Metaposition auf einem separaten Bodenanker im Raum ermöglichte einen retraumatisierungsfreien Prozess. Der Abstand ist dabei nicht metaphorisch, sondern räumlich — man steht woanders.

Was heisst das für die Praxis?

Die Arbeit hält fest, dass sich Coachingelemente wie Logosynthese und Bodenanker gut in die sexologische Praxis integrieren lassen — und dass körpertherapeutische Interventionen während der gesamten Arbeit eingebunden werden können, um Körperwahrnehmung und Verständnis der Körperdynamik zu erhöhen.

Ein Satz beschreibt die Haltung dahinter am besten: Der Körper der Klientin gibt an, wann er von sich aus etwas sagen oder zeigen will. Die Methode drängt nicht, sie schafft Gelegenheit.

Die Autorin sieht Potenzial für künftige Arbeiten im Bereich von Neovaginen und Neopenissen und vermutet, dass die Methoden für alle Geschlechter und Operationsstadien nutzbar sein könnten.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine Fallvignette über drei Sitzungen mit einer Person, ergänzt durch parallel geführte Expertengespräche. Das ist der kleinstmögliche empirische Umfang — und für die Erprobung eines Vorgehens eine legitime Form.

Was die Arbeit zeigt, ist Machbarkeit und ein plausibler Wirkweg, nicht Wirksamkeit. Wer die Methode übernehmen will, sollte den Hinweis der Autorin beherzigen: Sie beschreibt ausdrücklich, was in einer Aufstellung nie gemacht wird, und formuliert eine Warnung zur therapeutischen Haltung.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 95 Seiten. Sie enthält die theoretischen Grundlagen zu Embodiment, Inneren Bildern und Imagination, die ausführliche Anleitung zum Vorgehen mit Bodenankern samt Warnungen und Grenzen sowie die vollständige Fallvignette.

Die Fragestellung

Die Arbeit geht diesen Fragen nach:

  • Wie kann sie gestaltet werden und womit wird sie auf welche Weise gefüllt?
  • Was ist Descartes Ziel mit seiner Schrift?

Methodisches Vorgehen

Die Arbeit stützt sich auf Interviews mit Fachpersonen. Der Volltext umfasst 95 Seiten.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Verbindungsmöglichkeit von Logosynthese und Bodenankern (wie in der Systemischen Aufstellung oder im NLP) mit der Sexualtherapie nach dem Modell Sexocorporel und dem Embodimentansatz. Es geht um die Evokation von Inneren Bildern, Emotionen und Körperempfindungen. Der Nutzen scheint sich besonders bei Klienten zu zeigen, die Schwierigkeiten mit der Körperwahrnehmung haben. Eine Fallvignette, bestehend aus drei Sitzungen, mit einer CIS-Frau, demonstriert Vorteile im Körperempfinden und im Kontakt mit dem eigenen Geschlecht auf der Ebene der Gefühle und Körperwahrnehmung. Kommunikation und Empathie für das eigene Geschlecht wurden aktiviert. Die schrittweise Annäherung an starke Emotionen mithilfe der Metaposition auf einem separaten (Boden)Anker im Raum, ermöglichte einen retraumatisierungsfreien Prozess. Coachingelemente wie Logosynthese und Bodenanker lassen sich gut in die sexologische Praxis integrieren. Abschliessend lässt sich zusammenfassen, dass körpertherapeutische Interventionen während der gesamten Arbeit eingebunden werden können, um die Körperwahrnehmung und das Verständnis der Körperdynamik zu erhöhen. Der Körper der Klientin gibt an, wann er von sich aus etwas sagen oder zeigen will. Diese Methoden bieten Potenzial für zukünftige Arbeiten im Bereich von Neovaginen und Neopenissen und deuten darauf hin, dass sie auch für alle Geschlechter und Operationsstadien nutzbar sein könnten.

Slobodanka Periz, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Sprechende Sexualkörper – Die Arbeit mit Inneren Bildern in der Sexualtherapie

Verfasst von
Slobodanka Periz

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Sexualtherapie · Sexuelle Fantasien · Soziale Arbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Slobodanka Periz: «Sprechende Sexualkörper – Die Arbeit mit Inneren Bildern in der Sexualtherapie». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Über das Unterbewusstsein zu besserem Sex?

Yael Roth untersucht in der Masterarbeit «Über das Unterbewusstsein zu besserem Sex?» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Autosuggestion klingt nach Ratgeberregal. Diese Arbeit prüft sie als therapeutisches Werkzeug bei sexueller Lustlosigkeit — mit neun Frauen über dreissig Tage — und ordnet sie neurowissenschaftlich ein, statt sie zu behaupten.

Warum überhaupt Autosuggestion?

Weil es zu dieser Intervention bei konkret sexuellen Anliegen eine Forschungslücke gibt. Die Autorin arbeitet zunächst den Ursprung der Methode auf, setzt sie zu ähnlichen sexologischen Ansätzen in Beziehung und stellt ihre Grenzen dar.

Der Anschluss an die Sexualtherapie ist dabei enger, als der Begriff vermuten lässt. In embodimentorientierten Verfahren wird über den Körper gearbeitet, und über die Neuroplastizität des Gehirns entstehen neue Verknüpfungen, die für Lernprozesse zentral sind. Diese Prozesse können auch das Unterbewusstsein beeinflussen.

Empirisch gestützt wird das durch Befunde, wonach therapeutische Erfolge mit Veränderungen in der Präfrontalregion des Gehirns einhergehen.

Wie unterscheidet sich das von einer Sexualtherapie?

In der Reihenfolge. In einer Sexualtherapie werden über Gespräche und Übungen zunächst stereotype und soziale Einflüsse auf ein Anliegen wie sexuelle Lustlosigkeit reflektiert und bewusst gemacht.

Bei autosuggestiven Interventionen geht es dagegen darum, neue Glaubenssätze zu lernen, die das Unterbewusstsein auf positive Weise beeinflussen. Der Weg führt nicht über die Einsicht, sondern über die Wiederholung.

Die Arbeit stellt beides nebeneinander, statt eines gegen das andere auszuspielen — als zwei Zugänge zu denselben Lernprozessen.

Was hat die Intervention bewirkt?

Neun Cis-Frauen in hetero- und homosexuellen Beziehungen führten dreissig Tage lang eine autosuggestive Intervention zum Anliegen sexueller Lustlosigkeit durch. Erhoben wurde vorher und nachher über zwei schriftliche halbstandardisierte Fragebogen.

Das Ziel — unbewusste negative Glaubenssätze in positive oder wenigstens realistische umzulenken — gelang bei einem Teil der Frauen gut.

Wer weniger Wirkung berichtete, profitierte dennoch: von der Bewusstmachung ausgewählter Themen im Zusammenhang mit der Lustlosigkeit und davon, klarere Ziele für sich definieren zu können. Auch das ist ein Ergebnis.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Neun Frauen ohne Kontrollgruppe, dreissig Tage, Selbstauskunft über Fragebogen. Das erlaubt keine Wirksamkeitsaussage.

Die Arbeit differenziert allerdings sauber zwischen denen, bei denen die Umdeutung gelang, und denen, bei denen sie ausblieb — und benennt für beide Gruppen, was übrig blieb. Am Schluss reflektiert sie Ansätze zur Weiterentwicklung der Methode für sexologische Anliegen.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 132 Seiten. Sie enthält die Herkunft und theoretische Einordnung der Autosuggestion, den neurowissenschaftlichen Hintergrund, die vollständige Intervention sowie die Auswertung der Fragebogen vor und nach den dreissig Tagen.

Methodisches Vorgehen

Die Arbeit stützt sich auf qualitative Interviews und eine Literaturrecherche. Der Volltext umfasst 132 Seiten.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit befasst sich mit der Autosuggestion als therapeutische Methode für sexologische Anliegen. Dafür wurde ihr Ursprung aufgearbeitet, mit ähnlichen (sexologischen) Ansätzen in Bezug gesetzt, und die Grenzen davon dargestellt. Anhand der Recherche wurde weiter eine 30-tägige autosuggestive Intervention zum Anliegen sexueller Lustlosigkeit bei neun Cis-Frauen in hetero- und homosexuellen Beziehungen durchgeführt. Das Erleben mit dem Anliegen vor, sowie auch nach der Intervention wurde mit zwei qualitativen, halbstandardisierten, schriftlichen Fragebogen nach Döring (2022) erörtert. Das Ziel der Studie war, unbewusste, negative Glaubenssätze in Bezug zu sexueller Lustlosigkeit in positive und/ oder realistische umzulenken, was bei einigen Probandinnen gut gelungen ist. Diejenigen, die von weniger Wirkung berichteten, konnten trotzdem von einer Bewusstmachung ausgewählter Themen in Bezug zur sexuellen Lustlosigkeit profitieren und klarere Ziele für sich definieren. Zum Schluss werden in der Arbeit Ansätze zur Weiterentwicklung dieser Methode für sexologische Anliegen anhand der Theorie reflektiert, gemischt mit Erkenntnissen aus der Studie. This master's thesis deals with autosuggestion as a therapeutic method for sexological concerns. To this end, its origins were analyzed, related to similar (sexological) approaches, and the limitations of these approaches were presented. Based on the research, a 30-day autosuggestive intervention was carried out on nine cis-women in heterosexual and homosexual relationships to address the issue of sexual desirelessness. The experience before and after the intervention was evaluated using two qualitative, semi-standardized, written questionnaires according to Döring (2022). The aim of the study was to redirect unconscious, negative beliefs about sexual desirelessness into positive and/ or realistic ones, which was successful for some of the participants. Those who reported less impact were still able to benefit from raising awareness of selected issues relating to loss of sexual desire and defining clearer goals for themselves. Finally, the paper reflects on approaches for the further development of this method for sexological concerns based on theory, mixed with findings from the study.

Yael Roth, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Über das Unterbewusstsein zu besserem Sex? : Eine Untersuchung der Wirkung autosuggestiver Methoden zur Verbesserung sexueller Zufriedenheit

Verfasst von
Yael Roth

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Sexuelles Verlangen · Erektile Dysfunktion · Sexuelle Zufriedenheit

Lizenz und Nachweis. Yael Roth: «Über das Unterbewusstsein zu besserem Sex? : Eine Untersuchung der Wirkung autosuggestiver Methoden zur Verbesserung sexueller Zufriedenheit». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Frauen mit starkem sexuellen Begehren

Laila Schläfli untersucht in der Masterarbeit «Frauen mit starkem sexuellen Begehren» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Die Forschung zum weiblichen Verlangen fragt fast immer, warum es fehlt. Diese Arbeit dreht die Richtung um und befragt fünf Frauen, die ein starkes sexuelles Begehren verspüren: Was haben sie in ihrer Biografie gemeinsam? Eine einzelne Ursache findet sie nicht — dafür mehrere Faktoren, an denen sich arbeiten lässt.

Gibt es den einen Grund für starkes Begehren?

Nein. Das ist das erste Ergebnis, und es ist wichtiger, als es klingt. In jeder der fünf ausgewerteten Biografien waren andere Faktoren entscheidend. Wer in der Beratung nach der Ursache sucht, sucht nach etwas, das es so nicht gibt.

Die Arbeit ordnet die gefundenen Faktoren stattdessen den Komponenten des Modells Sexocorporel zu — kognitiv, physiologisch, beziehungsdynamisch. Das macht sie für die Praxis brauchbar, weil sich daraus ergibt, wo anzusetzen wäre.

Was im Denken das Begehren stärkt

Ein Befund betrifft die Definition von Sex. Frauen, die mehr als penetrativen Geschlechtsverkehr als Sex verstehen, haben nach dieser Auswertung vermutlich ein stärkeres Begehren. Wer Sexualität eng definiert, engt damit auch die Gelegenheiten ein, bei denen Verlangen entstehen kann.

Zu den Wertvorstellungen aus dem Elternhaus liess sich der erwartete Zusammenhang nicht bestätigen. Auffällig war dafür etwas anderes: Alle fünf Frauen erwähnten ausdrücklich die Zeitschrift «Bravo», teilweise positiv. Die Autorin folgert daraus, dass Gleichaltrige und deren Medien im Jugendalter an Bedeutung gewinnen und die Prägung des Elternhauses ausgleichen können — und dass ein Zugang zu wertfreiem Wissen dem Begehren vermutlich zuträglich ist.

Was der Körper dazu beiträgt

Hier ist der Befund am deutlichsten. Alle befragten Frauen bestätigten den Nutzen der Selbstbefriedigung: Dadurch lernten sie ihren Körper kennen und lernten, zuverlässig den Punkt zu erreichen, ab dem der Orgasmus nicht mehr aufzuhalten ist.

Die Autorin schliesst daraus, dass regelmässige Selbstbefriedigung das sexuelle Begehren von Frauen stärkt — und ergänzt einen Hinweis, der in der Beratung selten fällt: Es scheint wichtig, dass Frauen die Vagina dabei einbeziehen.

Ein weiterer Faktor ist das erste Mal. Ein positiv erlebter erster Geschlechtsverkehr ist für die Entwicklung des Begehrens bedeutsam, wobei es nach den Schilderungen auch darauf ankommt, in welchem Verhältnis die Frau zu diesem ersten Partner stand.

Was heisst das für die Beratung?

Die Arbeit widerspricht der verbreiteten Annahme, Frauen hätten grundsätzlich weniger Lust auf Sex als Männer. Sie zeigt, dass Frauen ein intensives Verlangen entwickeln können — und benennt Bedingungen, unter denen das geschieht.

Für die Praxis heisst das: Statt nach Störungen zu suchen, lässt sich fragen, wie weit die eigene Definition von Sex reicht, welches Verhältnis eine Frau zur Selbstbefriedigung hat und ob sie dabei ihren ganzen Körper einbezieht. Das sind Ansatzpunkte, keine Diagnosen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Fünf qualitative Interviews mit heterosexuellen Frauen, die ein starkes Begehren verspüren. Es gibt keine Vergleichsgruppe, und die Autorin formuliert ihre Schlüsse entsprechend vorsichtig — mehrfach steht dort «vermutlich» oder «konnte nicht abschliessend geklärt werden».

Diese Zurückhaltung ist angebracht. Was die Arbeit leistet, ist eine sorgfältig gearbeitete Sammlung von Hypothesen, die es zu prüfen lohnt — nicht der Nachweis von Ursachen.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 116 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zum weiblichen Begehren, einen historischen Rückblick auf die weibliche Sexualität, die vollständige Auswertung der fünf Interviews und die Zuordnung aller gefundenen Faktoren zu den Komponenten des Modells Sexocorporel.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, Gemeinsamkeiten in der sexuellen Biografie von heterosexuellen Frauen zu identifizieren, die ein starkes sexuelles Verlangen haben. Welche möglichen Faktoren in ihrer Summe zu einem starken sexuellen Begehren führen können, wird mit dieser Arbeit untersucht. Die zugrunde liegende These lautet, dass Frauen in der Lage sind, ein intensives sexuelles Verlangen zu entwickeln – entgegen der verbreiteten Annahme, dass Frauen im Allgemeinen weniger Lust auf Sex haben als Männer (Conley et al., 2011). Zur Beantwortung der Forschungsfrage wird im ersten Teil dieser Arbeit der aktuelle Wissensstand zum weiblichen Begehren dargestellt und um einem kurzen Rückblick in die Geschichte der weiblichen Sexualität ergänzt. Der zweite Teil erforscht die Fragestellung dieser Arbeit anhand qualitativer Interviews mit fünf Frauen, die ein starkes sexuelles Begehren verspüren. Die Ergebnisse werden anhand des Modells ,Sexocorporel’ analysiert und vorgestellt. The present work aims to identify similarities in the sexual biography of heterosexual women who have a strong sexual desire. This work examines which possible factors in their sum can lead to a strong sexual desire. The underlying thesis is that women are able to develop an intense sexual desire – contrary to the widespread assumption that women generally have less desire for sex than men (Conley et al., 2011). In order to answer the research question, the first part of this work presents the current state of knowledge about female desire and is supplemented by a brief review of the history of female sexuality. The second part explores the question of this work through qualitative interviews with five women who feel a strong sexual desire. The results are analysed and presented using the ,Sexocorporel’ model.

Laila Schläfli, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Frauen mit starkem sexuellen Begehren : Eine qualitative Untersuchung zu möglichen Faktoren

Verfasst von
Laila Schläfli

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Sexuelles Verlangen · Paarsexualität · Geschlecht & Identität · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Laila Schläfli: «Frauen mit starkem sexuellen Begehren : Eine qualitative Untersuchung zu möglichen Faktoren». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Erstvaterschaft – Verlust oder Bestärkung der Männlichkeit?

Janine Amrein untersucht in der Masterarbeit «Erstvaterschaft – Verlust oder Bestärkung der Männlichkeit?» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Werdende Väter finden inzwischen Ratgeber und Kurse, die ihnen bei der neuen Rolle helfen. Zur eigenen Männlichkeit und Sexualität nach der Geburt gibt es kaum etwas — dabei ist genau das die verletzliche Stelle. Diese Arbeit zeigt, warum.

Warum ist diese Zeit heikel?

Die Schwangerschaft und die ersten Monate nach der Geburt des ersten Kindes sind nach dieser Arbeit eine vulnerable Zeit. In dieser Phase muss die eigene Männlichkeit in der neuen Rolle neu definiert werden.

Das kann sich unmittelbar auf die Sexualität auswirken — und ein Grund dafür ist besonders aufschlussreich: Erstväter haben den Eindruck, dass sie ihre Bedürfnisse zurückstecken müssen und sie nicht kommunizieren dürfen.

Diese Selbstbeschränkung ist nachvollziehbar und folgenreich zugleich. Wer davon ausgeht, seine Anliegen seien in dieser Situation unzulässig, spricht sie nicht aus — und bearbeitet sie auch nicht.

Was verändert sich konkret?

Die Arbeit betrachtet biologische, psychische und soziale Veränderungen und ihren Einfluss auf drei Grössen, die im Modell Sexocorporel zentral sind: die sexuelle Selbstsicherheit, das Gefühl der Verbindung zum sexuellen Körper und das Gefühl der Geschlechtszugehörigkeit.

Ausgewertet wurde mit der interpretativen phänomenologischen Analyse — einem Verfahren, das nah am subjektiven Erleben bleibt statt es zu kategorisieren.

Das Ergebnis ist doppelt: Erstvaterschaft kann die Männlichkeit bestärken und sie kann sie infrage stellen. Was eintritt, hängt von individuellen und sozialen Faktoren ab.

Was fehlt im Angebot?

Die Autorin hält fest, dass die Zahl der Ratgeber und der Kurse in Spitälern zunimmt, die werdenden Vätern beim Hineinfinden in die neue Rolle helfen — sie hebt dabei ein Schweizer Projekt ausdrücklich hervor.

Was es kaum gibt, ist Unterstützung bei der eigenen Männlichkeit und Sexualität nach der Geburt: ein Ort, an dem Väter Unsicherheiten, Ängste, Sorgen, Druck und Stress besprechen und reflektieren können.

Genau dort sieht die Arbeit die Aufgabe der Sexualberatung. Das ist eine gut begründete Marktlücke — und eine, die zur Arbeit von Fabienne Studer über die postpartale Sexualität passt, die dieselbe Lücke von der Paarseite her beschreibt.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Qualitative Interviews mit Erstvätern, ausgewertet mit der interpretativen phänomenologischen Analyse. Die Zahl der Befragten ist klein, und wer sich für ein Gespräch über Männlichkeit und Sexualität nach der Geburt meldet, bringt bereits eine gewisse Bereitschaft zur Reflexion mit.

Die Arbeit spricht von einer Korrelation zwischen den Veränderungen und ihren Auswirkungen — nicht von einer nachgewiesenen Ursache. Für die Beratungspraxis ist der Ertrag dennoch klar: Sie benennt, wann die verletzliche Phase liegt und woran sie erkennbar ist.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 93 Seiten. Sie enthält die bio-psycho-soziale Perspektive auf die Erstvaterschaft, die Einordnung in das Modell Sexocorporel, die vollständige Auswertung der Interviews sowie den Überblick über bestehende Angebote für werdende Väter.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit untersucht die Auswirkungen der Erstvaterschaft auf die Männ- lichkeit und Sexualität aus einer bio-psycho-sozialen Perspektive sowie aus der Sicht des Modell Sexocorporel. Ziel der qualitativen Forschung ist es, zu verstehen, wie Männer die Veränderungen in ihrem Selbstbild als Mann und ihrer Sexualität nach der Geburt ihres ersten Kindes erleben. Dazu wurden Interviews mit Erstvätern durchgeführt und mittels interpretativer phänomenologischer Analyse (IPA) ausge- wertet. Die Ergebnisse zeigen, dass Erstvaterschaft sowohl zu einer Bestärkung als auch zu einem Verlust der Männlichkeit führen kann, abhängig von individuellen und sozialen Faktoren. Biologische, psychologische und soziale Veränderungen werden detailliert betrachtet, ebenso wie deren Einfluss auf die sexuelle Selbstsicherheit, das Gefühl der Verbindung zum sexuellen Körper und das Gefühl der Geschlechts- zugehörigkeit. Die Arbeit bietet wertvolle Einblicke in die Herausforderungen und Chancen, die mit der Rolle als Vater einhergehen, und leistet einen Beitrag zum Verständnis der modernen Vaterschaft. This master's thesis examines the effects of first-time fatherhood on masculinity and sexuality from a bio-psycho-social perspective and from the perspective of the sex- ocorporel model. The aim of the qualitative research is to understand how men ex- perience the changes in their self-image as men and their sexuality after the birth of their first child. To this end, interviews were conducted with first-time fathers and evaluated using interpretative phenomenological analysis (IPA). The results show that first-time fatherhood can lead to both an affirmation and a loss of masculinity, depending on individual and social factors. Biological, psychological and social changes are considered in detail, as well as their influence on sexual confidence, the sense of connection to the sexual body and the sense of gender affiliation. The work offers valuable insights into the challenges and opportunities associated with the role of father and contributes to the understanding of modern fatherhood.

Janine Amrein, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Erstvaterschaft – Verlust oder Bestärkung der Männlichkeit? : Qualitative Forschung über die Auswirkung einer Erstvaterschaft auf die Männlichkeit und die Sexualität

Verfasst von
Janine Amrein

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Männlichkeit · Schwangerschaft & Geburt · Selbstwirksamkeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Janine Amrein: «Erstvaterschaft – Verlust oder Bestärkung der Männlichkeit? : Qualitative Forschung über die Auswirkung einer Erstvaterschaft auf die Männlichkeit und die Sexualität». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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