Joana Bösch untersucht in der Masterarbeit «Porno-Bild-Fantasien – eine malerische Auseinandersetzung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.
Joana Bösch nähert sich der Pornografie nicht über die Analyse, sondern über den Pinsel. Sie malt Pornofilme — und dokumentiert dabei, wie sich ihre eigene Haltung zum Thema verändert. Das macht diese Arbeit zur ungewöhnlichsten der Sammlung.
Wie funktioniert der malerische Zugang?
Aus dem Pornofilm entsteht ein Gemälde, das seinerseits sexuelle Fantasien anregen kann. Die Autorin beschreibt das als transformativen Prozess: Das Bewegtbild wird zum Standbild, das Konsumierte zum Gestalteten.
Während dieses Prozesses entstehen Fragen aus einer weiblichen Perspektive — wie sich Porno überhaupt definieren lässt, oder ob Pornos sexualtherapeutisch nutzbar sind. Diesen Fragen geht sie über eine Literaturrecherche nach.
Das Ergebnis ist deshalb zweierlei: eine literaturgestützte Auseinandersetzung mit Pornografie und sexuellen Fantasien — und eigenständige Gemälde mit begleitenden Texten.
Was verändert die Auseinandersetzung?
Hier wird die Arbeit methodisch bemerkenswert. Die Autorin hält ihre eigene Haltung zu Beginn fest — neugierig, offen, Mainstream-Pornos konsumierend — und prüft am Ende, was sich verändert hat.
Kurzfristig, noch während des Projekts: ein abnehmendes Bedürfnis, Mainstream-Pornos zu schauen, nachdem sie unzählige davon angesehen hatte. Dazu das Suchen und Entdecken sehr unterschiedlicher Angebote, die Pornografie auf andere Weise darstellen.
Langfristig, auch Monate später: ein stärkeres Bewusstsein für die Hintergründe von Pornografie. Konkret heisst das, dass es ihr wichtig geworden ist, für die Pornos, die sie schaut, zu bezahlen.
Warum ist das mehr als eine persönliche Notiz?
Weil es die eigene Position offenlegt, statt sie zu verstecken. Wer über Pornografie forscht, hat eine Haltung dazu — die meisten Arbeiten sagen nicht welche.
Für die sexualpädagogische Praxis ist die Beobachtung zudem übertragbar: Die intensive, bewusste Auseinandersetzung mit dem Material verändert den Konsum stärker als jede Ermahnung. Das ist derselbe Mechanismus, den mehrere andere Arbeiten dieser Sammlung beschreiben.
Wer Pornografie in der Beratung sonst nur als Problem behandelt, findet hier einen anderen Zugang.
Wie belastbar sind diese Ergebnisse?
Es handelt sich um eine künstlerisch-reflexive Arbeit mit Literaturrecherche, nicht um eine empirische Untersuchung. Es gibt keine Befragten und keine Stichprobe — die Erfahrungsbasis ist die Autorin selbst.
Entsprechend lassen sich die Beobachtungen nicht verallgemeinern, und die Arbeit beansprucht es auch nicht. Was sie leistet, ist ein Zugang zu einem Thema, der in der Sexualwissenschaft selten gewählt wird, und eine sorgfältig dokumentierte Selbstreflexion.
Die Arbeit im Original
Die vollständige Masterarbeit umfasst 75 Seiten. Sie enthält die literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Pornografie und sexuellen Fantasien, die Dokumentation des malerischen Prozesses, die entstandenen Gemälde mit den begleitenden Texten sowie die Reflexion der eigenen Haltung.
Abstract der Arbeit
Die vorliegende Masterarbeit nutzt den malerischen Prozess, um sich mit dem Pornofilm auseinanderzusetzen. Dabei wird ein transformativer Prozess erlebt, in welchem aus dem Pornofilm ein Gemälde entsteht, das sexuelle Fantasien anregen kann. Während dieses Prozesses findet eine persönliche Reflexion zur Pornografie statt, welche Fragen zur Pornografie aufwirft, die eine weibliche Perspektive widerspiegeln. Durch Literaturrecherche wird versucht, Antworten auf diese Fragen zu finden. Ergebnisse dieser Arbeit sind, neben der literaturwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Pornografie und sexuellen Fantasien, eigenständige Gemälde. Diese Gemälde werden von Texten begleitet, welche sexuelle Fantasien widerspiegeln und diese anregen können.
Joana Bösch, Abstract der Masterarbeit, 2022
Angaben zur Arbeit
Titel
Porno-Bild-Fantasien – eine malerische Auseinandersetzung
Verfasst von
Joana Bösch
Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3
Jahr
2022
Themen
Pornografie · Sexuelle Fantasien · Recht & Ethik
Lizenz und Nachweis. Joana Bösch: «Porno-Bild-Fantasien – eine malerische Auseinandersetzung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.
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Weiterführend
- Master of Arts in Sexologie, der Studiengang, aus dem diese Arbeit stammt
- Diplomlehrgang Sexualtherapie
- Diplomlehrgang Sexualpädagogik