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MA3 Masterarbeit

Sexuelle Lust im Kontext der Sexarbeit

Ricarda Bacchi und Linda Spörri untersucht in der Masterarbeit «Sexuelle Lust im Kontext der Sexarbeit» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Forschung zur Sexarbeit blickt meist auf die — überwiegend männlichen — Freier. Diese Arbeit dreht die Perspektive um und fragt die Sexarbeitenden selbst: Unterscheidet sich ihr Lustempfinden im beruflichen Sex von dem im privaten? Die Antwort fällt anders aus als erwartet.

Woran hängt das Lustempfinden?

Nicht am Kontext, sondern an der eigenen Geschichte. Das Lustempfinden der Befragten bezieht sich in erster Linie auf ihre persönlichen sexuellen Lernschritte.

Daraus folgt der zentrale Befund: Können sie ihre Tätigkeit in einem sicheren Umfeld ausüben, frei von Zwang und ohne negative Erfahrungen, kann das Lustempfinden im beruflichen Sex ebenso wahrgenommen werden wie im privaten.

Das widerspricht der verbreiteten Annahme, beruflicher Sex sei per se lustlos. Es widerspricht ebenso der Vorstellung, er sei unproblematisch — die Bedingungen im Satz sind entscheidend.

Wie wurde vorgegangen?

Die Arbeit ordnet zunächst den Sexmarkt Schweiz mit Schwerpunkt auf der Stadt Zürich ein und erläutert die einschlägigen Begriffe und Gesetzesartikel — eine Grundlage, die man selten so ausführlich findet.

Anschliessend wurden je drei Interviews mit Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern geführt. Ausgewertet wurden sie entlang der Dimensionen des Modells Sexocorporel, darunter sexueller Archetyp, sexuelle Anziehungscodes, sexuelle Fantasien und sexuelles Lustempfinden.

Dass auch Sexarbeiter befragt wurden und nicht nur Sexarbeiterinnen, ist ungewöhnlich und erweitert das Bild.

Was ist das Anliegen der Autorinnen?

Sie formulieren es selbst: Die Leserschaft soll ein vertieftes Verständnis und eine Wertschätzung gegenüber dem Beruf der Sexarbeit entwickeln.

Damit ist die Arbeit auch ein Beitrag zur Entstigmatisierung — und sie liefert das Material dafür nicht über ein Plädoyer, sondern über die Schilderungen der Befragten.

Es ist zudem die einzige Arbeit dieser Sammlung, die von zwei Personen gemeinsam verfasst wurde. Die Verantwortlichkeiten sind im Text kapitelweise gekennzeichnet.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Sechs Interviews, ausgewertet entlang eines festen Kategoriensystems. Sexarbeit umfasst sehr unterschiedliche Arbeitsbedingungen, Rechtsstellungen und Abhängigkeiten — sechs Personen bilden dieses Feld nicht ab.

Wer sich für ein Interview über das eigene Lustempfinden zur Verfügung stellt, arbeitet zudem wahrscheinlich unter vergleichsweise guten Bedingungen. Genau diese Bedingungen sind aber die Voraussetzung im Hauptbefund — die Arbeit beschreibt also, was möglich ist, nicht was üblich ist.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 132 Seiten. Sie enthält die Einordnung des Sexmarkts Schweiz mit Begriffen und Gesetzesartikeln, die vollständige Auswertung der sechs Interviews entlang der Dimensionen des Modells Sexocorporel sowie die Erkenntnisse für die sexologische Tätigkeit.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der sexuellen Lust im Bereich der Sexarbeit. Anders als in vielen Forschungsarbeiten, wird hier die Perspektive seitens der Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter erforscht und nicht jene der meist männlichen Freier. Somit wird der Frage nachgegangen, inwiefern sich das sexuelle Lustempfinden von Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter der Stadt Zürich hinsichtlich des beruflichen Sex und privatem Sex unterschei- det. Um diese Frage zu beantworten, wird zunächst der Sexmarkt Schweiz, mit Fokus auf die Stadt Zürich, näher betrachtet und verschiedene Begriffe sowie Gesetzesartikel detailliert erläutert. Um in die Lebenswelten der Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter einzutauchen und ihre Sexualität möglichst ganzheitlich zu verstehen, wurden von beiden Geschlechtern je- weils drei Interviews durchgeführt. Die gewonnen Daten wurden strukturiert, ausgewertet, mit der Theorie verknüpft und diskutiert. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich das sexuelle Lustempfinden der Sexar- beiterinnen und Sexarbeiter in erster Linie auf ihre Lernschritte ihrer persönlichen Sexualität bezieht. Können sie in einem sicheren Umfeld, frei von Zwang und negativen Erfahrungen ihre Tätigkeit ausüben, kann das Lustempfinden im beruflichen Sex gleichermassen wahr- genommen werden, wie im privaten Sex. Die Autorinnen der vorliegenden Arbeit erhoffen sich, dass die Leserschaft ein vertieftes Verständnis und eine Wertschätzung gegenüber dem Beruf der Sexarbeit entwickelt und die spannenden sexuellen Facetten erkennt. Schlüsselbegriffe Sexarbeit – Sexuelle Lust – Sexocorporel – Sexarbeiterinnen – Sexarbeiter – Zürich – Sexmarkt – Vulnerabilitätsfaktoren – Sexuelle Gesundheit – Polyvagaltheorie

Ricarda Bacchi und Linda Spörri, Abstract der Masterarbeit, 2022

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexuelle Lust im Kontext der Sexarbeit – Eine Gegenüberstellung von sexueller Lust zwischen beruflichem und privatem Sex von Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern

Verfasst von
Ricarda Bacchi und Linda Spörri

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3

Jahr
2022

Themen
Sexarbeit · Sexuelles Verlangen · Sexuelle Fantasien · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Ricarda Bacchi und Linda Spörri: «Sexuelle Lust im Kontext der Sexarbeit – Eine Gegenüberstellung von sexueller Lust zwischen beruflichem und privatem Sex von Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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