Judita Arenas untersucht in der Masterarbeit «Cybersexualität in Fernbeziehungen» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.
Videotelefonie, Sprachnachrichten, Bilder: Fernbeziehungspaare nutzen die technischen Möglichkeiten vielfältig, um sich trotz Distanz sexuell nah zu sein. Ersetzen können sie die körperliche Berührung nicht — das sagen alle vier Befragten dieser Arbeit.
Wie wird eine Fernbeziehung sexuell aufrechterhalten?
Über cybersexuelle Elemente, und zwar über das gleichzeitige Senden und Empfangen sexuell motivierter Nachrichten — als Text, Sprache oder Video. Ziel ist, das Gegenüber offen über die eigene Erregung zu informieren und zum Austausch einzuladen.
Der Höhepunkt steht dabei nicht im Zentrum. Beim Cybersex geht es primär um den Austausch sexueller Erregung, nicht um den Orgasmus. Das ist eine wichtige Verschiebung gegenüber der verbreiteten Vorstellung.
Neben der Cybersexualität mit der Partnerin oder dem Partner lebt fast die gesamte Stichprobe zudem Autosexualität — regelmässige Selbstbefriedigung gehört dazu.
Wo sind die Grenzen?
Deutlich benannt: Die technischen Möglichkeiten lösen die physische Berührung nicht ab. Alle vier Befragten sagen das übereinstimmend.
Aufschlussreich ist die Ausnahme in der Stichprobe. Eine Person betreibt keine Selbstbefriedigung und begründet das damit, dass ihr das Teilen der Sexualität mit einer anderen Person sehr wichtig ist. Was für die einen ein Ersatz ist, ist für andere keiner.
Damit zeigt die Arbeit, dass Cybersexualität kein einheitliches Verhalten ist, sondern je nach Person eine andere Funktion erfüllt.
Was sagt die Arbeit über Fernbeziehungen selbst?
Sie räumt mit einer Nebenannahme auf: Fernbeziehungspaare gehen verbindliche Beziehungen ein und verfolgen Zukunftsabsichten. Die Distanz ist ein Umstand, kein Provisorium.
Ein zweiter Punkt betrifft den Zeitrahmen. Die Arbeit bezieht die Coronapandemie ausdrücklich ein — sie hat die sexpositive Nutzung von Onlinesex, darunter Cybersex, nachweislich vorangetrieben und damit Praktiken normalisiert, die zuvor Randerscheinungen waren.
Wie belastbar sind diese Ergebnisse?
Vier qualitative Leitfadeninterviews, ergänzt durch einen umfangreichen Forschungsüberblick zu Cybersexualität und zu Fernbeziehungen. Die Interviews dienen der Ergänzung der Theorie und der Überprüfung der Thesen — sie tragen die Aussagen nicht allein.
Vier Personen bilden die Vielfalt von Fernbeziehungen nicht ab: Distanz, Dauer, Häufigkeit der Treffen und Lebenslage unterscheiden sich stark. Die Arbeit ist auf Deutsch und Englisch abgefasst.
Die Arbeit im Original
Die vollständige Masterarbeit umfasst 130 Seiten. Sie enthält den umfangreichen Forschungsüberblick zu Cybersexualität und Fernbeziehungen, den Bezug zur Coronapandemie sowie die vollständige Auswertung der vier Interviews.
Abstract der Arbeit
In der vorliegenden Masterarbeit wird untersucht, wie Fernbeziehungspaare ihre Beziehung aufrechterhalten und welche cybersexuellen Elemente sie dafür brauchen. Der Literaturteil der Arbeit bietet einen umfangreichen Forschungsüberblick über Cybersexualität sowie über Fernbeziehungen. Ebenfalls wird Bezug zur Coronapandemie und deren Auswirkun- gen auf Fernbeziehungspaare genommen. Auch wurde die Verbreitung von sexpositiver Nutzung von Onlinesex, darunter Cybersex, durch die Coronapandemie vorangetrieben (Döring, 2009; Döring & Walter 2020; Rothmüller 2021). Die vier qualitativen Leitfragenin- terviews dienen der Ergänzung der Theorie sowie der Überprüfung der Fragestellungen und der Thesen. Es wurde durch den aktuellen Forschungsüberblick festgestellt, dass cy- bersexuelle Elemente von Personen gebraucht werden, die in einer Fernbeziehung leben, um ihre Beziehung zu pflegen und sich sexuell nah zu sein. Dabei geht es um das gleich- zeitige Versenden und Empfangen von sexuell motivierten Nachrichten (Audio-, Video- und Textnachrichten) mit dem Ziel, das Gegenüber offen über die sexuelle Erregung zu infor- mieren und einzuladen, sexuelle Erregung auszutauschen (Merk et al., 2014; Döring 2004; Döring, 2008). Der Höhepunkt, der Orgasmus, steht bei der Cybersexualität nicht primär im Zentrum, vielmehr der Austausch von sexueller Erregung. Ausserdem wurde ersichtlich, dass Fernbeziehungspaare verbindliche Beziehungen eingehen und Zukunftsabsichten verfolgen. This master's thesis examines how long-distance couples maintain their relationship and what cybersexual elements they need to do so. The literature section of the thesis provides a comprehensive research overview of cybersexuality as well as long-distance relation- ships. Also referenced is the corona pandemic and its impact on long-distance relationship couples. Also, the spread of sexpositive use of online sex, including cybersex, was driven by the corona pandemic (Döring, 2009; Döring & Walter 2020; Rothmüller 2021). The four qualitative guideline interviews were used to supplement the theory and to test the research questions and theses. It was determined through the current research review that cyber- sexual elements are needed by individuals living in a long-distance relationship to maintain their relationship and be sexually close. This involves the simultaneous sending and receiv- ing of sexually motivated messages (audio, video, and text messages) with the goal of openly informing the other person of sexual arousal and inviting them to exchange sexual arousal (Merk et al., 2014; Döring 2004; Dö
Judita Arenas, Abstract der Masterarbeit, 2022
Angaben zur Arbeit
Titel
Cybersexualität in Fernbeziehungen : Die Nutzung von cybersexuellen Elementen in einer partnerschaftlichen langjährigen Fernbeziehung
Verfasst von
Judita Arenas
Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3
Jahr
2022
Themen
Digitale Medien · Paarsexualität · Sexuelle Zufriedenheit
Lizenz und Nachweis. Judita Arenas: «Cybersexualität in Fernbeziehungen : Die Nutzung von cybersexuellen Elementen in einer partnerschaftlichen langjährigen Fernbeziehung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.
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Weiterführend
- Master of Arts in Sexologie, der Studiengang, aus dem diese Arbeit stammt
- Diplomlehrgang Sexualtherapie
- Diplomlehrgang Sexualpädagogik