Lorena Covolan untersucht in der Masterarbeit «Online Lerntool Sexualpädagogik Konzepterarbeitung eines sexualpädagog» am ISP. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.
Sexualaufklärung gehört zum Auftrag der Schule, aber kaum eine Lehrperson ist dafür ausgebildet worden. Weiterbildungen gäbe es — sie werden kaum in Anspruch genommen. Diese Arbeit hat erhoben, woran es liegt, und daraus ein Format entwickelt, das der Situation entgegenkommt.
Woran fehlt es?
Die Ergebnisse sind deutlich: Die Ausbildung für das Erteilen schulischer Sexualaufklärung ist unzureichend, und Weiterbildungsangebote werden kaum genutzt. Lehrpersonen fühlen sich teilweise nicht kompetent oder berichten von fehlendem Fachwissen.
Weiterer Bedarf besteht beim Verständnis und der Umsetzung einer ganzheitlichen Sexualaufklärung — einer, bei der die Freude an Sexualität Vorrang hat und nicht die Aufzählung von Risiken.
Warum ist Sexualaufklärung anders als andere Fächer?
Weil sie sich nicht auf dieselbe Weise unterrichten lässt. Schülerinnen und Schüler tragen persönliche Fragen an die Lehrperson heran — Fragen, die in Mathematik nicht vorkommen.
Damit wird die Haltung der unterrichtenden Person zum Unterrichtsmittel. Genau das ist der Kern, den die Arbeit herausarbeitet: Die Selbstreflexion der eigenen Haltung zur Sexualität und der eigenen sexuellen Biografie beeinflusst das pädagogische Handeln und damit die Qualität des Unterrichts.
Selbstreflexion und sexuelle Biografiearbeit sind deshalb keine Zusatzmodule, sondern ein wichtiger Baustein jeder sexualpädagogischen Aus- und Weiterbildung.
Was wurde entwickelt?
Ein Konzept für ein Online-Lerntool mit sechs Modulen: biologische Grundlagen, Ziele und Standards, Selbstreflexion, Bedürfnisse der Zielgruppe, Beziehungsebenen und Klassenklima, Rollenverständnis der Lehrperson sowie sexuelle Identitäten.
Das Modul Selbstreflexion hat die Autorin modellhaft ausgearbeitet — folgerichtig, weil ihre Analyse genau dort den Kern sieht.
Das Online-Format ist dabei kein Selbstzweck. Wenn Weiterbildungen kaum besucht werden, muss die Hürde sinken. Ein Angebot, das ortsunabhängig und ohne Anmeldung in einer Gruppe genutzt werden kann, senkt sie.
Wie belastbar sind diese Ergebnisse?
Eine Literaturrecherche verbunden mit teilstrukturierten Interviews mit drei Lehrpersonen, ausgewertet nach Mayring. Drei Lehrpersonen bilden die Vielfalt der Schulen nicht ab.
Das Lerntool ist zudem als Konzept entwickelt, nicht erprobt. Ob es genutzt würde und ob es wirkt, zeigt die Arbeit nicht — sie liefert die Bedarfsanalyse und den darauf aufbauenden Entwurf.
Für Schulleitungen und Weiterbildungsverantwortliche ist beides brauchbar: die Diagnose, warum bisherige Angebote nicht greifen, und ein durchdachter Vorschlag.
Die Arbeit im Original
Die vollständige Masterarbeit umfasst 112 Seiten. Sie enthält die Literaturaufarbeitung zur schulischen Sexualaufklärung, die Bedarfsanalyse aus den Interviews, das vollständige Konzept des Online-Lerntools sowie das ausgearbeitete Modul zur Selbstreflexion.
Abstract der Arbeit
Ziel dieser Forschungsarbeit ist den Weiterbildungsbedarf von Lehrpersonen in der schu- lischen Sexualaufklärung und die Interessen der Schüler und Schülerinnen1 zu erarbeiten, sowie ein Konzept für ein Online Lerntool für die Weiterbildung von Lehrpersonen zu ent- wickeln. Es wurden eine Literaturrecherche und für die Bedarfsanalyse teilstrukturierte Interviews mit drei Lehrpersonen durchgeführt. Darauf aufbauend wurden die Hauptthemen für das Online Lerntool identifiziert. Die Auswertung der Interviews und Literatur zeigte, dass Lehr- personen unzureichend für das Unterrichten schulischer Sexualaufklärung ausgebildet werden und dass deren Haltung zur Sexualität den Unterricht beeinflusst. Ausserdem bringt das Unterrichten schulischer Sexualaufklärung spezifische Herausforderungen mit sich. Ein möglicher Lösungsansatz dafür ist die Selbstreflexion der Lehrperson, welche von der Aus- einandersetzung mit ihrer eigenen Haltung und sexuellen Biografie profitiert. Das Online Lerntool Konzept enthält sechs Module, welche die Themen biologische Grundlagen, Ziele und Standards, Selbstreflexion, Bedürfnisse der Zielgruppe, Beziehungsebenen, Klassen- klima, Rollenverständnis der Lehrperson und sexuelle Identitäten beinhalten. Das Modul Selbstreflexion wurde aufgrund deren zentralen Bedeutung für das Unterrichten modellhaft ausgearbeitet.
Lorena Covolan, Abstract der Masterarbeit, 2020
Angaben zur Arbeit
Titel
Online Lerntool Sexualpädagogik Konzepterarbeitung eines sexualpädagogischen Weiterbildungsangebotes für Lehrpersonen, aufbauend auf einer Bedarfsanalyse von Lehrpersonen und Schüler_innen _________________________________________________________________
Verfasst von
Lorena Covolan
Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2
Jahr
2020
Themen
Digitale Medien
Lizenz und Nachweis. Lorena Covolan: «Online Lerntool Sexualpädagogik Konzepterarbeitung eines sexualpädagogischen Weiterbildungsangebotes für Lehrpersonen, aufbauend auf einer Bedarfsanalyse von Lehrpersonen und Schüler_innen _________________________________________________________________». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.
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Weiterführend
- Master of Arts in Sexologie, der Studiengang, aus dem diese Arbeit stammt
- Diplomlehrgang Sexualtherapie
- Diplomlehrgang Sexualpädagogik