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MA4 Masterarbeit

Sex haben oder Sex machen? Sexuelle Selbstwirksamkeit und Zufriedenheit

Soraya Nora Gradolf untersucht in der Masterarbeit «Sex haben oder Sex machen? Sexuelle Selbstwirksamkeit und Zufriedenheit» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

«Menschen haben UND machen Sex.» Mit diesem Satz endet die Auswertung von 94 Frauen und 55 Männern in heterosexuellen Beziehungen. Die Arbeit fragt, wie viel eigenes Zutun im sexuellen Skript steckt — und welches Werkzeug dafür am wenigsten genutzt wird.

Was ist ein sexuelles Skript?

Die eingespielte Abfolge dessen, was bei einer sexuellen Begegnung geschieht: wer beginnt, was folgt worauf, wann ist es zu Ende. Skripte sind kulturell geprägt und individuell abgewandelt — und meistens unbewusst.

Sexuelle Selbstwirksamkeit im Skript meint, wie viel eine Person darin selbst gestaltet, statt einem Ablauf zu folgen. Diese Arbeit hat den Zusammenhang mit der sexuellen Zufriedenheit gemessen.

Wo liegt das kollektive Skript heute?

Zwischen Tradition und Fortschritt, und etwas näher beim Fortschritt. Die Selbstwirksamkeit im sexuellen Skript scheint zu steigen, das Rollenverständnis weicht sich auf, und die Zuschreibung von Verantwortung gleicht sich zwischen den Geschlechtern an.

Geschlechtsunterschiede bestehen, halten sich im Ausmass aber gering. Für beide Seiten stehen Gegenseitigkeit und Gemeinsamkeit im Vordergrund.

Wo sie sich unterscheiden, ist aufschlussreich. Frauen haben etwas mehr Mühe, bei sexuellen Aktivitäten kognitiv und körperlich präsent zu sein, und ihre Zufriedenheit hängt stärker von äusseren Faktoren ab. Männer fühlen sich stärker für zufriedenstellenden Sex verantwortlich und handeln häufiger partnerinnenfokussiert.

Welche Werkzeuge nutzen Menschen?

Die Arbeit hat erhoben, worüber sexuelle Selbstwirksamkeit konkret ausgeübt wird — und die Rangfolge ist für die Beratung unmittelbar brauchbar.

Am stärksten zeigt sie sich in der Kommunikation, danach in der Körperbewegung, dann in sexuellen Fantasien.

Das am wenigsten genutzte Instrument ist die Atmung. Das ist bemerkenswert, weil gerade die Atmung im Modell Sexocorporel als eine der drei Bewegungsdimensionen gilt und in mehreren anderen Arbeiten dieser Sammlung als wirksamer Hebel beschrieben wird. Hier liegt eine Lücke zwischen dem, was die Fachwelt empfiehlt, und dem, was Menschen tun.

Was heisst das für die Praxis?

Höhere sexuelle Selbstwirksamkeit hängt leicht positiv mit höherer Zufriedenheit zusammen. Was zufriedenstellenden Sex ausmacht, benennen die Befragten als Gegenseitigkeit, Lust, Präsenz und positive Emotionen.

Die Autorin schliesst daraus, dass sich das Erlernen und Fördern sexueller Selbstwirksamkeit auf institutioneller, kultureller und sexualberaterischer Ebene positiv auf die sexuelle Gesundheit auswirkt. Für die Beratung ist die Atmung der naheliegendste Ansatzpunkt — weil dort am wenigsten vorhanden ist.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Ein Mixed-Methods-Vorgehen mit einer Online-Umfrage: quantitative Werte für die Verteilung, qualitative Daten zur inhaltlichen Gegenprüfung. Mit 149 Teilnehmenden ist die Stichprobe für eine Masterarbeit gross, aber es handelt sich um eine Gelegenheitsstichprobe.

Die Autorin nennt als grösste Herausforderung und zugleich Einschränkung die enge Definition der sexuellen Selbstwirksamkeit im sexuellen Skript. Wer den Begriff weiter fasst, misst etwas anderes — die Vergleichbarkeit mit anderen Studien ist dadurch begrenzt.

Die gefundenen Zusammenhänge sind Korrelationen aus einer Momentaufnahme, keine Wirkungsnachweise.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 109 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu sexuellem Skript, sexueller Selbstwirksamkeit und sexueller Zufriedenheit, die vollständige quantitative und qualitative Auswertung sowie die Reflexion der methodischen Grenzen.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit untersucht den Zusammenhang zwischen sexueller Zufriedenheit und sexueller Selbstwirksamkeit im sexuellen Skript bei Menschen in heterosexuellen Paarbeziehungen. Anhand eines Mixed Methods-Vorgehens wurden mit einer online Umfrage quantitative und qualitative Daten von einer Zufallsstichprobe von 61 Frauen und 33 Männer gesammelt. Die Ergebnisse zeigen, dass eine höhere sexuelle Selbstwirksamkeit im sexuellen Skript moderat mit einer höheren sexuellen Zufriedenheit zusammenhängt. Die wichtigsten Faktoren für zufriedenstellenden Sex waren Gegenseitigkeit, Lust, Präsenz und positive Emotionen. Als in dem erfassten kollektiven sexuellen Skript präsente sexuelle Selbstwirksamkeitsinstrumente zeigten sich Kommunikation, auf spezifisches Nachfragen Bewegung und sexuelle Fantasien. Die Studie ergab geringe geschlechtsspezifische Unterschiede, wobei Männern tendenziell mehr Verantwortung und Partner/in-Bezug und Frauen mehr Mühe mit Präsenz und stärkere Beeinflussung durch äussere Faktoren zugeschrieben wird. Die Ergebnisse legen nahe, dass das Erlernen und Fördern sexueller Selbstwirksamkeit im sexuellen Skript auf institutioneller, kultureller und sexualberaterischer Ebene einen positiven Einfluss auf die sexuelle Gesundheit hat. This master's thesis examines the relationship between sexual satisfaction and sexual self-efficacy in sexual scripts among people in heterosexual relationships. Using a mixed methods approach, quantitative and qualitative data was collected from a random sample of 61 women and 33 men via an online survey. The results show that higher sexual self-efficacy in the sexual script is moderately related to higher sexual satisfaction. The most important factors for satisfying sex were mutuality, pleasure, presence and positive emotions. The sexual self-efficacy tools present in the collective sexual script recorded were communication, in response to specific questioning movement and sexual fantasies. The study revealed minor gender-specific differences, with men tending to ascribe more responsibility and partner-relatedness and women having more difficulty with presence and being more influenced by external factors. The results suggest that learning and promoting sexual self-efficacy in the sexual script on an institutional, cultural and sexual counselling level has a positive impact on sexual health.

Soraya Nora Gradolf, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Sex haben oder Sex machen? : Wie der Anteil an sexueller Selbstwirksamkeit im sexuellen Skript mit der sexuellen Zufriedenheit von Menschen in heterosexuellen Paarbeziehungen zusammenhängt

Verfasst von
Soraya Nora Gradolf

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Selbstwirksamkeit · Sexuelle Zufriedenheit · Paarsexualität

Lizenz und Nachweis. Soraya Nora Gradolf: «Sex haben oder Sex machen? : Wie der Anteil an sexueller Selbstwirksamkeit im sexuellen Skript mit der sexuellen Zufriedenheit von Menschen in heterosexuellen Paarbeziehungen zusammenhängt». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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