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MA4 Masterarbeit

Sexuelles Erleben von Frauen im Kontext heterosexueller Paarsexualität

Ladina Engler untersucht in der Masterarbeit «Sexuelles Erleben von Frauen im Kontext heterosexueller Paarsexualität» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Statt zu fragen, was Frauen in der Sexualität hemmt, befragt diese Arbeit jene, bei denen es gelingt: Frauen, die sich als sexuell selbstbestimmt wahrnehmen. Was sie auszeichnet, ist konkret benennbar — und der letzte Befund der Arbeit dämpft die Erfolgsgeschichte.

Was zeichnet sexuell selbstbestimmte Frauen aus?

Vier Merkmale arbeitet die Arbeit heraus, und alle sind erlernbar.

Sie gestalten ihre Sexualität — allein wie in der Partnerschaft — entlang ihrer Bedürfnisse und ihres Begehrens. Sie verfügen über eine positivere, bessere und nuanciertere Körperwahrnehmung, was mehr Befriedigung vorhersagt.

Sie haben fundiertes Wissen über weibliche Sexualität — und, das ist der entscheidende Zusatz, es fällt ihnen leichter, dieses Wissen auf sich selbst zu übertragen. Wissen allein genügt nicht; es muss anwendbar werden.

Und sie verfügen über eine starke Kommunikationsfähigkeit, die offene Gespräche über sexuelle Wünsche und Bedürfnisse in der Paarsexualität fördert.

Was folgt daraus für die Beratung?

Sexuelle Selbstbestimmung ist nach dieser Arbeit eine Ressource für das bedürfnisorientierte Gestalten der Paarsexualität — kein Charakterzug, sondern ein Zusammenspiel von Wahrnehmung, Wissen und Kommunikation.

Damit sind drei Ansatzpunkte benannt, an denen sich arbeiten lässt. Besonders der Übertrag von Wissen auf die eigene Person lohnt Aufmerksamkeit: Viele Klientinnen wissen viel und beziehen es nicht auf sich.

Wo bleibt die Einschränkung?

Die Arbeit endet nicht bei der Erfolgsgeschichte. Tradierte sexuelle Skripte sind gesellschaftlich nach wie vor verankert — und auch sexuell selbstbestimmte Frauen bleiben davon nicht gänzlich unbeeinflusst.

Das ist ein wichtiger Zusatz. Er verhindert den Kurzschluss, Selbstbestimmung sei eine rein individuelle Leistung, die jede erbringen könnte, wenn sie nur wollte.

Die Befragten fühlen sich weniger durch gesellschaftliche und kulturelle Normen gehemmt — losgelöst von ihnen gestalten aber auch sie ihre Sexualität nicht.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier halbstrukturierte Leitfadeninterviews mit heterosexuellen Frauen, die sich selbst als sexuell selbstbestimmt wahrnehmen, ausgewertet über eine qualitative Inhaltsanalyse.

Die Selbsteinschätzung ist dabei das Auswahlkriterium — geprüft wurde sie nicht. Und die Autorin hält fest, dass die Ergebnisse ihren eigenen Erwartungen entsprechen. Das ist ehrlich gesagt und zugleich ein Hinweis darauf, dass eine qualitative Arbeit mit vier Befragten Erwartungen leichter bestätigt als widerlegt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 113 Seiten. Sie enthält die theoretische Auseinandersetzung mit sexueller Selbstbestimmung, die vollständige Auswertung der vier Interviews sowie die Diskussion tradierter sexueller Skripte.

Abstract der Arbeit

Die hier vorliegende Masterarbeit befasst sich mit dem vielschichten Thema «sexu- elle Selbstbestimmung». Es wurden vier halbstrukturierte Leitfadeninterviews mit heterosexuellen Frauen, welche sich sexuell selbstbestimmt wahrnehmen, geführt und dabei der Frage nachgegangen, wie sie ihre heterosexuelle Paarsexualität ge- stalten. Mit einer qualitativer Inhaltsanalyse wurden die Ergebnisse anschliessend ausgewertet. Diese weisen darauf hin, dass sexuell selbstbestimmte Frauen die partnerschaftliche Sexualität bedürfnisorientiert und entlang ihren Wünschen und ihrem Begehren gestalten, dass sie sich in ihrer Sexualität weniger durch gesell- schaftliche und kulturelle Normen gehemmt fühlen und dass die sexuelle Selbstbe- stimmung für sie eine Ressource darstellt. Des Weiteren geht hervor, dass die weib- liche Sexualität noch immer von patriarchalen Strukturen beeinflusst wird und dass Frauen ihre Sexualität noch nicht losgelöst von diesen Strukturen gestalten können.

Ladina Engler, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexuelles Erleben von Frauen im Kontext heterosexueller Paarsexualität : Eine qualitative Untersuchung sexuell selbstbestimmter Frauen und ihrer Gestaltung des Geschlechtsverkehrs

Verfasst von
Ladina Engler

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Selbstwirksamkeit · Paarsexualität · Sexuelle Zufriedenheit

Lizenz und Nachweis. Ladina Engler: «Sexuelles Erleben von Frauen im Kontext heterosexueller Paarsexualität : Eine qualitative Untersuchung sexuell selbstbestimmter Frauen und ihrer Gestaltung des Geschlechtsverkehrs». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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