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MA5 Masterarbeit

Neosexualität und sexuelles Kapital auf OnlyFans

Noomi Dürrenmatt untersucht in der Masterarbeit «Neosexualität und sexuelles Kapital auf OnlyFans» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Was auf OnlyFans als spontane Nähe erscheint, ist häufig vorproduziert, archiviert und von externen Schreibteams beantwortet. Diese Arbeit hat fünf Akteur:innen der Plattform befragt — und beschreibt, wie Begehren dort hergestellt statt gezeigt wird.

Wie entsteht Nähe auf OnlyFans?

Nicht im Moment. Die Befragten schildern, dass Inhalte überwiegend vorproduziert und zeitversetzt veröffentlicht werden — ein Bezug zur aktuellen Lebenssituation entfällt damit. Einzelne sprechen von archivierten Clips und von der mehrfachen Wiederverwendung bereits produzierter Videos.

Auch die Kommunikation wird ausgelagert. Externe Schreibteams zu beschäftigen, wird als gängige Praxis beschrieben, besonders bei hohen Follower-Zahlen. Vereinzelt kommen automatisiert erzeugte Inhalte durch KI-Modelle zur Sprache.

Gleichzeitig werden alltägliche Situationen einbezogen — Kochen, Fernsehen, Aufenthalte im öffentlichen Raum. Das Alltägliche ist dabei nicht das Gegenteil der Inszenierung, sondern ihr Material.

Was heisst das für den Begriff der Authentizität?

Die Arbeit beantwortet das theoretisch scharf: Begehren wird nicht als natürlich vorausgesetzt, sondern über narrative Skripte, Zuschreibungen und dialogische Kommunikation erzeugt.

Authentizität ist in dieser Lesart keine Eigenschaft, sondern eine eingesetzte Ressource — Teil einer parasozialen Nähe, die zwischen Person und Publikum hergestellt wird.

Kennzeichnend ist dabei die Entkopplung: Sexualisierte Inhalte werden von emotionalen und beziehungsbezogenen Bedeutungen gelöst und in alltägliche Routinen eingebettet.

Wie wird sexuelles Kapital eingesetzt?

Es lässt sich in modifizierten Formen rekonstruieren. Zentral sind drei Strategien: Branding, Differenzierung von anderen Anbietenden und medienvermittelte Körperinszenierung.

Theoretisch verbindet die Arbeit dafür drei Zugänge — Volkmar Siguschs neosexuelle Prozesse, die Typologie sexuellen Kapitals nach Kaplan und Illouz sowie Govrins Überlegungen zum Begehren als Wertform.

Die neosexuellen Prozesse Dissoziation, Dispersion und Diversifikation lassen sich auf der Plattform in spezifischen Ausprägungen beobachten. Was Sigusch theoretisch beschrieben hat, wird hier an einem konkreten Geschäftsmodell sichtbar.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Fünf leitfadengestützte Interviews, ausgewertet über eine deduktive qualitative Inhaltsanalyse. Fünf Personen bilden ein grosses und sehr heterogenes Feld nicht ab.

Die deduktive Vorgehensweise bringt eine zweite Einschränkung mit sich: Die Kategorien stammen aus der Theorie. Was in den Interviews vorkommt, aber in keiner Kategorie Platz findet, bleibt eher unsichtbar. Die Arbeit prüft also Theorien an der Praxis — sie entwickelt keine neue aus ihr heraus.

Für die Beratung ist sie dennoch aufschlussreich: Wer mit Menschen arbeitet, die auf solchen Plattformen tätig sind oder deren Inhalte konsumieren, findet hier eine nüchterne Beschreibung dessen, was dort produziert wird.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 112 Seiten. Sie enthält die theoretischen Grundlagen zu Neosexualität und sexuellem Kapital, die vollständige Auswertung der fünf Interviews, die Diskussion der Limitationen sowie sexualwissenschaftliche Schlussfolgerungen.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit untersucht, wie sexuelles Kapital auf der Plattform OnlyFans eingesetzt wird, um Begehren zu erzeugen und ökonomisch zu verwerten. Theoretisch stützt sich die Arbeit auf Siguschs neosexuelle Prozesse, die Typologie sexuellen Kapitals nach Kaplan und Illouz sowie Govrins Überlegungen zum Begehrenswert und zur Funktion von Authen- tizität. Methodisch wurde eine qualitative deduktive Inhaltsanalyse anhand von fünf leitfa- dengestützten Interviews mit Akteur:innen der Plattform OnlyFans durchgeführt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass neosexuelle Prozesse wie Dissoziation, Dispersion und Diversifikation auf der Plattform in spezifischen Ausprägungen beobachtbar sind. Se- xuelles Kapital lässt sich in modifizierten Formen rekonstruieren, wobei insbesondere Stra- tegien des Brandings, der Differenzierung und der medienvermittelten Körperinszenierung zentral sind. Hinweise aus dem Datenmaterial legen nahe, dass Begehren nicht natürlich vorausgesetzt, sondern über narrative Skripte, Zuschreibungen und dialogische Kommuni- kation erzeugt wird. Authentizität erscheint dabei als eingesetzte Ressource im Rahmen parasozialer Nähe. This master's thesis analyses how sexual capital is used on the OnlyFans platform to ge- nerate desire and exploit it economically. Theoretically, the work is based on Sigusch's neo- sexual processes, Kaplan and Illouz's typology of sexual capital and Govrin's considerations on desirability and the function of authenticity. Methodologically, a qualitative deductive con- tent analysis was conducted on the basis of five guided interviews with actors on the On- lyFans platform. The results indicate that neosexual processes such as dissociation, dispersion and diversi- fication can be observed in specific forms on the platform. Sexual capital can be recons- tructed in modified forms, with strategies of branding, differentiation and media-mediated body staging are particularly central. Indications from the data material suggest that desire is not naturally assumed, but is generated via narrative scripts, attributions and dialogue- based communication. Authenticity appears to be a deliberate resource in the context of parasocial proximity formats.

Noomi Dürrenmatt, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Neosexualität und der Einsatz sexuellen Kapitals: die Erzeugung von Begehren auf OnlyFans

Verfasst von
Noomi Dürrenmatt

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexarbeit · Sexuelles Verlangen · Selbstwirksamkeit

Lizenz und Nachweis. Noomi Dürrenmatt: «Neosexualität und der Einsatz sexuellen Kapitals: die Erzeugung von Begehren auf OnlyFans». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Vaginismus – Störung oder Stärke?

Romina Fliri untersucht in der Masterarbeit «Vaginismus – Störung oder Stärke?» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Im 19. Jahrhundert wurde Vaginismus chirurgisch behandelt. Im 20. rückten psychische Aspekte nach — das Behandlungsziel blieb meist dasselbe: Penetrationsfähigkeit. Diese Arbeit rekonstruiert diese Geschichte und stellt die Frage, die im Titel steht: Störung oder Stärke?

Wie wurde Vaginismus historisch behandelt?

Im 19. Jahrhundert dominierten mechanisch-chirurgische Ansätze. Sie pathologisierten den weiblichen Körper und unterwarfen ihn medizinischer Kontrolle.

Erst im 20. Jahrhundert begannen psychoanalytische und verhaltenstherapeutische Konzepte, psychodynamische und partnerschaftliche Aspekte einzubeziehen. Häufig geschah das aber weiterhin unter dem Primat der Penetrationsfähigkeit als Therapieziel — die Erklärung änderte sich, das Ziel nicht.

Die Arbeit zeigt, dass Vaginismus je nach herrschender Sexualmoral, medizinischem Wissensstand und Geschlechternormen unterschiedlich definiert, diagnostiziert und behandelt wurde. Was als Störung gilt, hängt von der Epoche ab.

Was leistet die feministische Kritik?

Sie richtet sich gegen die Pathologisierung weiblicher Sexualität und besonders gegen die Kategorisierung von Vaginismus als Funktionsstörung.

Ihre Forderung ist konkret: sexuelle Probleme nicht vorschnell als Defizite etikettieren, sondern die subjektive Bedeutung körperlicher Symptome, ihre biografische Verwurzelung und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in den Blick nehmen.

In dieser Perspektive lässt sich Vaginismus auch anders lesen — als legitime körperliche Grenzziehung, als Schutzreaktion oder als Ausdruck von Selbstbestimmung gegenüber normativen Sexualskripten.

Ist Vaginismus also keine Störung?

So einfach macht es sich die Arbeit nicht. Ihr Schluss lautet, dass sexuelle Funktionsstörungen nicht isoliert als biologische Defekte zu verstehen sind — sie sind tief eingebettet in kulturelle Normen, historische Diskurse und gesellschaftliche Vorstellungen über Weiblichkeit und Körperlichkeit.

Daraus folgt keine Umdeutung um jeden Preis, sondern ein Plädoyer für eine biopsychosoziale Behandlung. Eine, die von der individuellen Erfahrung ausgeht statt von der Funktion, und in der Lust, Selbstbestimmung und emotionale Sicherheit zentrale Rollen spielen.

Für Betroffene ist das eine spürbare Verschiebung: Die Frage lautet nicht mehr, ob der Körper funktioniert, sondern was er mitteilt.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine literaturbasierte Analyse ohne eigene Erhebung. Sie rekonstruiert medizinische, psychologische und gesellschaftliche Diskurse und befragt sie auf ihre normativen Voraussetzungen.

Damit macht sie etwas anderes als die empirischen Arbeiten dieser Sammlung — sie prüft nicht, was wirkt, sondern woher die Massstäbe kommen, an denen gemessen wird. Wer eine Behandlungsempfehlung sucht, findet sie in der Arbeit von Sarah Graf zu Wirkfaktoren bei Vaginismus.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 113 Seiten. Sie enthält die historische Rekonstruktion von Definition, Diagnose und Behandlung des Vaginismus vom 19. bis ins 21. Jahrhundert, die feministische Kritik an der Pathologisierung sowie die Ableitungen für eine biopsychosozial orientierte Behandlung.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit untersucht die Definition, Diagnose und Behandlung von Vaginismus im historischen Verlauf vom 19. bis zum 21. Jahrhundert sowie aus feministischer Perspektive. Anhand einer literaturbasierten Analyse werden medizinische, psychologische und gesellschaftliche Diskurse kritisch rekonstruiert und auf ihre normativen Prämissen hin befragt. Im 19. Jahrhundert dominierte eine mechanistische Sichtweise, die Vaginismus als anatomisches oder hysterisches Defizit behandelte. Erst im 20. Jahrhundert rückten psychodynamische und verhaltenstherapeutische Modelle die psychische Dimension von Sexualität stärker in den Fokus, wenngleich weiterhin häufig Penetrationsfähigkeit als Hauptziel galt. Feministische Theorien kritisieren diese funktionalistischen Ansätze und plädieren für eine Neubewertung von Sexualität, in der Lust, Selbstbestimmung und körperliche Integrität zentrale Rollen spielen. Sie hinterfragen die Pathologisierung abweichender sexueller Erfahrungen und schlagen alternative Verständnisse vor, in denen Vaginismus als Ausdruck verkörperter Grenzen, Schutzreaktion oder biografisch bedingter Widerstand gegen normative Sexualskripte gelesen werden kann. Die Arbeit zeigt auf, dass eine moderne, biopsychosozial orientierte Behandlung von Vaginismus individuelle Erfahrungen, gesellschaftliche Strukturen und kulturelle Normen gleichermassen berücksichtigen muss. Sexualtherapie sollte demnach nicht ausschliesslich die Wiederherstellung genitaler Funktion anstreben, sondern Räume eröffnen für selbstbestimmte, vielfältige sexuelle Ausdrucksformen. Abschliessend werden Implikationen für Forschung und Praxis formuliert, die die Notwendigkeit einer kritisch- reflexiven kontext- und lustzentrierten Therapie betonen.

Romina Fliri, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Vaginismus – Störung oder Stärke? Eine historische und feministische Perspektive

Verfasst von
Romina Fliri

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Vaginismus · Operative Eingriffe · Selbstwirksamkeit

Lizenz und Nachweis. Romina Fliri: «Vaginismus – Störung oder Stärke? Eine historische und feministische Perspektive». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Self-Affirming Masturbation and Sexual Self-Confidence

Valentine Friedli untersucht in der Masterarbeit «Self-Affirming Masturbation and Sexual Self-Confidence» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Selbstbefriedigung ist weit verbreitet und bleibt stigmatisiert — unter Gleichaltrigen wird kaum darüber gesprochen, in der Sexualaufklärung kommt sie kaum vor, im gesellschaftlichen Diskurs ebenso wenig. Diese Arbeit untersucht, was sie für das sexuelle Selbstbild leistet.

Warum überhaupt darüber forschen?

Weil die Diskrepanz auffällig ist. Solosexualität ist ein häufiger Aspekt menschlicher Sexualität und trotzdem von Stigma und soziokulturellen Einflüssen geprägt.

Dabei stellt sie nach dieser Arbeit eine wichtige Dimension der sexuellen Entwicklung dar und trägt bedeutsam zur sexuellen Gesundheit insgesamt bei.

Untersucht werden zwei Konstrukte des Modells Sexocorporel, die eng mit sexueller Gesundheit und Zufriedenheit zusammenhängen: das sexuelle Selbstkonzept und die sexuelle Selbstsicherheit. Beide beeinflussen, wie Menschen ihre Sexualität wahrnehmen und bewerten.

Was sind die Ergebnisse?

Die Zusammenhänge fallen durchwegs positiv aus, und zwar über fünf Dimensionen des sexuellen Selbstkonzepts hinweg: sexuelles Selbstwertgefühl, Körperbild, genitales Bild, sexuelle Durchsetzungsfähigkeit und sexuelle Selbstwirksamkeit.

Auch mit der sexuellen Selbstsicherheit zeigt sich ein positiver Zusammenhang.

Die Arbeit belässt es nicht bei der Feststellung. Sie arbeitet die zugrunde liegenden Mechanismen und Wege heraus, die sich in den Interviews zeigten — und benennt als mitwirkende Faktoren Geschlechterrollen, Kognitionen, Emotionen und gesellschaftliche Einflüsse.

Was heisst das für die Praxis?

Wenn Solosexualität mit fünf Dimensionen des sexuellen Selbstkonzepts positiv zusammenhängt, ist sie kein Randthema der Beratung, sondern ein Zugang.

Für die Sexualaufklärung folgt daraus die deutlichste Konsequenz: Ein Bereich, der zur sexuellen Gesundheit beiträgt, kommt im Unterricht kaum vor. Die Arbeit liefert das Argument, das zu ändern.

Sie ergänzt damit die Untersuchung von Vera Matjaz, die Solosexualität bei Erwachsenen mit ADHS quantitativ untersucht hat.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Halbstrukturierte Interviews mit sechs jungen Erwachsenen — drei Cis-Frauen und drei Cis-Männern. Die Arbeit ist auf Englisch verfasst.

Sechs Personen erlauben keine Aussagen über Häufigkeiten oder Ursachen. Es handelt sich zudem um Selbstauskünfte zu einem stigmatisierten Thema — wer darüber spricht, hat vermutlich ein unbelasteteres Verhältnis dazu als der Durchschnitt.

Die Arbeit spricht durchgehend von Zusammenhängen, nicht von Wirkungen. Ob Solosexualität das sexuelle Selbstkonzept stärkt oder ob ein starkes Selbstkonzept sie erleichtert, bleibt offen.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 138 Seiten und ist auf Englisch verfasst. Sie enthält eine systematische Literaturrecherche zu Solosexualität und Stigma, die Darstellung von sexuellem Selbstkonzept und sexueller Selbstsicherheit nach Sexocorporel, die vollständige Auswertung der sechs Interviews sowie Empfehlungen für Forschung und Praxis.

Methodisches Vorgehen

Die Arbeit stützt sich auf eine systematische Literaturrecherche und eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring. Der Volltext umfasst 138 Seiten.

Abstract der Arbeit

Background and Central Questions: Solitary sex is a widespread yet often stigmatised aspect of human sexuality, underrepresented in societal discourse and sexual education. Despite this, it plays a key role in sexual development and health. To examine this dynamic further, this Master’s thesis explores how solitary sex influences sexual self-concept and sexual self-confidence as defined in the Sexocorporel model. These two constructs are associated with how individuals perceive and value their sexuality, and both impact sexual behaviour, functioning, satisfaction, and well-being. Methodology: Using a qualitative methodology, semi-structured interviews were conducted with a sample of young adults, comprising three cis women and three cis men. Conclusion: The findings indicated generally positive associations between solitary sex and five dimensions of sexual self-concept: sexual self-esteem, body image, genital image, sexual assertiveness, and sexual self-efficacy. Solitary sex was also linked to increased sexual self-confidence. Both associations appeared to be influenced by a variety of underlying mechanisms and pathways identified throughout the interviews. Various influencing factors, including gender roles, cognitions, emotions and societal influences, seemed to play a role in shaping these experiences. The results underscore solitary sex as a potentially empowering practice, with important implications for fostering sexual self- concept, sexual self-confidence and overall sexual well-being and health.

Valentine Friedli, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Self-Affirming Masturbation – Exploring the Impact of Solitary Sex on Sexual Self-Concept and Sexual Self-Confidence As Per Sexocorporel in Young Adults

Verfasst von
Valentine Friedli

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Selbstwirksamkeit · Wechseljahre · Körperbild · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Valentine Friedli: «Self-Affirming Masturbation – Exploring the Impact of Solitary Sex on Sexual Self-Concept and Sexual Self-Confidence As Per Sexocorporel in Young Adults». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Das genitale Selbstbild im Kontext von Female Genital Mutilation/Cutting

Alexandra Ursula Meisser untersucht in der Masterarbeit «Das genitale Selbstbild im Kontext von Female Genital Mutilation/Cutting» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Frauen mit einer Genitalbeschneidung begegnen im Gesundheitswesen meist einer medizinischen Sicht auf ihren Körper. Wie sie ihr eigenes Genital wahrnehmen, wird selten gefragt. Diese Arbeit hat genau das getan — und kommt zu einem Ergebnis, das jede Verallgemeinerung verbietet.

Gibt es «das» genitale Selbstbild nach FGM/C?

Nein. Das ist der erste und wichtigste Befund. Die Wahrnehmungen der befragten Frauen fallen so unterschiedlich aus, dass sich keine verallgemeinerbaren Aussagen ableiten lassen.

Jede betroffene Frau verfügt über eigene Ressourcen, Grenzen und Herausforderungen. Weder das genitale Selbstbild noch die sexuelle Selbstsicherheit verlaufen einheitlich.

Daraus folgt für die Praxis unmittelbar: Es braucht in jedem Einzelfall eine eigene Erhebung, wie das genitale Selbstbild und die sexuelle Selbstsicherheit ausgeprägt sind. Von der Diagnose auf das Erleben zu schliessen, geht fehl.

Was hängt womit zusammen?

Genitales Selbstbild und sexuelle Selbstsicherheit stehen in wechselseitigem Zusammenhang — und diese Wechselwirkung findet sich auch bei Frauen mit FGM/C. Das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Befund: Was für andere Frauen gilt, gilt hier ebenso.

Für die Förderung eines konstruktiven Zugangs zum eigenen Genital schlägt die Arbeit den körperorientierten Ansatz Sexocorporel vor, insbesondere über die schrittweise Entwicklung sexueller Lernprozesse. Nicht als Korrektur, sondern als Weg zu einem eigenen Verhältnis zum eigenen Körper.

Ist das ein Thema der Frau allein?

Nein, und dieser Hinweis der Arbeit ist für die Praxis besonders wertvoll. Die Beschneidung sollte in der therapeutischen Begleitung nicht ausschliesslich als individuelles Thema der Frau verstanden werden, sondern ebenso als Paardynamik.

Wo es möglich ist, kann es entsprechend hilfreich sein, den Partner in den Therapieprozess einzubeziehen. Was zwischen zwei Menschen geschieht, lässt sich selten allein bearbeiten.

Was braucht die Fachperson?

Die Arbeit spricht offen aus, was in Leitfäden selten steht: Es handelt sich um ein hochsensibles Themenfeld, und Therapeutinnen und Therapeuten müssen auf ihre eigene Zentrierung und Selbstregulation achten.

Konkret empfiehlt sie, Pausen, humorvolle Elemente und körperbezogene Übungen ins Gespräch zu integrieren — für die Klientin ebenso wie für die begleitende Person. Wer beim Zuhören selbst in Anspannung gerät, kann nicht gut begleiten.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine explorative qualitative Arbeit mit halbstrukturierten Interviews, theoretisch gerahmt durch das Modell Sexocorporel nach Jean-Yves Desjardins. Die Autorin stellt selbst an den Anfang ihres Fazits, dass sich keine Rückschlüsse auf jede Frau mit FGM/C ziehen lassen.

Was die Arbeit liefert, sind Anhaltspunkte für die sexualtherapeutische Arbeit — und die Stimmen von Frauen, die in der Forschung zu diesem Thema selten selbst zu Wort kommen.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 103 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu FGM/C, die theoretischen Grundlagen zu genitalem Selbstbild und sexueller Selbstsicherheit, die vollständige Auswertung der Interviews und die Ableitungen für die sexualtherapeutische Praxis.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit befasst sich mit dem Einfluss der weiblichen Genitalbeschneidung (FGM/C) auf das genitale Selbstbild und in diesem Zusammenhang auf die sexuelle Selbstsicherheit. Ziel der Untersuchung ist es, mögliche Handlungsansätze für die sexualtherapeutische Praxis zu identifizieren. Als theoretischer Bezugsrahmen dient das Modell des Sexocorporel nach Jean- Yves Desjardins. Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurden halbstrukturierte Interviews mit betroffenen Frauen durchgeführt. Im Zentrum stand die Erfassung subjektiver Wahrnehmungen und individueller Erlebensweisen im Hinblick auf das genitale Selbstbild und die sexuelle Selbstsicherheit. Die vorliegende Arbeit verfolgt das Anliegen, durch die Stimmen der interviewten Frauen Erkenntnisse über den Einfluss von FGM/C auf diese Themenbereiche zu gewinnen. Die qualitative Analyse der Interviews machte unterschiedliche Perspektiven sichtbar. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sowohl das genitale Selbstbild als auch die sexuelle Selbstsicherheit nicht einheitlich verlaufen, sondern individuell geprägt sind. Ebenso zeigt sich, dass der Zugang zum eigenen Genital von einer Vielzahl unterschiedlicher Erfahrungen beeinflusst wird. Aus den erhobenen Daten lassen sich Hinweise ableiten, dass sexualtherapeutische Interventionen zur Förderung eines positiven genitalen Selbstbildes und zur Stärkung der sexuellen Selbstsicherheit bei Frauen mit FGM/C einen unterstützenden Beitrag leisten können.

Alexandra Ursula Meisser, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Das genitale Selbstbild im Kontext von Female Genital Mutilation/Cutting: Eine qualitative Studie zu Erfahrungen von Frauen mit FGM/C

Verfasst von
Alexandra Ursula Meisser

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Genitales Selbstbild · Selbstwirksamkeit · Körperarbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Alexandra Ursula Meisser: «Das genitale Selbstbild im Kontext von Female Genital Mutilation/Cutting: Eine qualitative Studie zu Erfahrungen von Frauen mit FGM/C». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Sexualität und Endlichkeit

Miriam Siegenthaler untersucht in der Masterarbeit «Sexualität und Endlichkeit» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Dass sich Sexualität verändert, wird meist als Verlust erlebt. Diese Arbeit prüft das Gegenteil: Kann das Bewusstsein für Vergänglichkeit die sexuelle Zufriedenheit sogar erhöhen? Ihr Ergebnis ist ein Ja mit einer klaren Bedingung.

Wie wurde das untersucht?

Der Zugang ist ungewöhnlich. Die Teilnehmerinnen — gesunde Frauen im mittleren Lebensalter — nahmen zuerst an einer sechswöchigen Schreibintervention teil, deren Ziel die ressourcenorientierte Aktivierung des Vergänglichkeitsbewusstseins in Bezug auf die eigene Sexualität war.

Erst danach folgten halbstrukturierte Interviews, in denen subjektive Erfahrungen, Bedeutungen und Reflexionen erhoben wurden — sowohl zum Zusammenhang von Vergänglichkeit und Zufriedenheit als auch zur Schreibintervention selbst.

Zugrunde liegt ein Verständnis von Sexualität als lebenslangem, lern- und entwickelbarem Prozess.

Wie wirkt das Vergänglichkeitsbewusstsein?

Über drei Wege, die die Arbeit benennt. Die Präsenz im Moment steigt. Normative Vorstellungen über Sexualität werden relativiert. Und die Selbstwirksamkeit wird gestärkt.

Alle drei sind aus der sexologischen Praxis vertraut — nur wird dort selten die Vergänglichkeit als Zugang gewählt. Der Gedanke ist eigentlich naheliegend: Wer weiss, dass etwas nicht bleibt, ist eher bereit, es jetzt zu gestalten.

Unter welcher Bedingung?

Hier liegt die entscheidende Einschränkung. Das Vergänglichkeitsbewusstsein wirkt insbesondere dann positiv, wenn die Vergänglichkeit und die damit einhergehenden Reaktionen und Emotionen akzeptiert und als Grundlage für Entwicklung verstanden werden.

Ohne diese Akzeptanz bleibt das Bewusstsein für Vergänglichkeit eine Belastung. Die Arbeit verkauft also nicht die Einsicht als Rezept, sondern die Haltung dazu.

Als offene Forschungsfrage formuliert die Autorin, unter welchen Bedingungen Vergänglichkeit tatsächlich zur Ressource wird — und inwiefern das Bewusstsein dafür eine entwicklungsbejahende Haltung fördert.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Ein qualitativ-exploratives Vorgehen mit einer kleinen Gruppe gesunder Frauen im mittleren Lebensalter. Wer sich auf eine sechswöchige Schreibintervention zur eigenen Vergänglichkeit einlässt, bringt eine besondere Bereitschaft mit.

Die Ergebnisse decken sich mit der internationalen Forschungslage, auf die sich die Autorin bezieht. Das spricht für die Richtung des Befunds — beweist ihn aber nicht.

Für die Beratungspraxis liegt der Wert in der Schreibintervention selbst: ein Format, das sich ohne grossen Aufwand anbieten lässt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 139 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu Vergänglichkeit und sexueller Zufriedenheit, die vollständige Schreibintervention, die Auswertung der Interviews sowie die abgeleiteten Möglichkeiten für weitere Forschung.

Abstract der Arbeit

Sexualität und Endlichkeit Zusammenhänge zwischen dem Bewusstsein für Vergänglichkeit und der sexuellen Zufriedenheit gesunder Frauen im mittleren Lebensalter Mittels eines qualitativ-explorativen Vorgehens wird in dieser Masterarbeit untersucht, inwiefern das Bewusstsein für Vergänglichkeit mit der sexuellen Zufriedenheit bei gesunden Frauen im mittleren Lebensalter zusammenhängt. Ausgangspunkt ist dabei ein Verständnis von Sexualität als lebenslanger, lern- und entwickelbarer Prozess. Die Teilnehmerinnen nehmen zuerst an einer sechswöchigen Schreibintervention teil, deren Ziel die ressourcenorientierte Aktivierung des Vergänglichkeitsbewusstseins in Bezug auf die Sexualität ist. Anschliessend werden im Rahmen halbstrukturierter Interviews subjektive Erfahrungen, Bedeutungen und Reflexionen erhoben, die mögliche Zusammenhänge zwischen dem Bewusstsein dafür, dass Sexualität wandelbar, fluide und veränderlich ist, und der sexuellen Zufriedenheit sowie Erkenntnisse in Bezug auf die Schreibintervention erheben. Die qualitative Inhaltsanalyse zeigt, dass durch das Vergänglichkeitsbewusstsein die sexuelle Zufriedenheit zunimmt und Vergänglichkeit von den Teilnehmerinnen als Ausgangspunkt für Entwicklung verstanden wird. In einem letzten Schritt werden aus den gewonnenen Erkenntnissen relevante Impulse für die Sexualtherapie abgeleitet. Sexuality and Finiteness Relationship between awareness of transience and sexual satisfaction in healthy, middle-aged women Using a qualitative-explorative approach, this master's thesis examines the extent to which awareness of transience is related to sexual satisfaction in healthy middle-aged women. The starting point is an understanding of sexuality as a lifelong process that can be learned and developed. The participants first take part in a six-week writing intervention, the aim of which is the resource-oriented activation of transience awareness in relation to sexuality. Subsequently, subjective experiences, meanings and reflections are collected in semi-structured interviews, which explore possible connections between the awareness that sexuality is changeable and fluid and sexual satisfaction as well as findings in relation to the writing intervention. The qualitative content analysis shows that sexual satisfaction increases as a result of transience awareness and that transience is understood by the participants as a starting point for development. In a final step, relevant impulses for sex therapy are derived from the findings.

Miriam Siegenthaler, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexualität und Endlichkeit – Zusammenhänge zwischen dem Bewusstsein für Vergänglichkeit und der sexuellen Zufriedenheit gesunder Frauen im mittleren Lebensalter

Verfasst von
Miriam Siegenthaler

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexuelle Zufriedenheit · Verhütung · Selbstwirksamkeit

Lizenz und Nachweis. Miriam Siegenthaler: «Sexualität und Endlichkeit – Zusammenhänge zwischen dem Bewusstsein für Vergänglichkeit und der sexuellen Zufriedenheit gesunder Frauen im mittleren Lebensalter». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Erstvaterschaft – Verlust oder Bestärkung der Männlichkeit?

Janine Amrein untersucht in der Masterarbeit «Erstvaterschaft – Verlust oder Bestärkung der Männlichkeit?» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Werdende Väter finden inzwischen Ratgeber und Kurse, die ihnen bei der neuen Rolle helfen. Zur eigenen Männlichkeit und Sexualität nach der Geburt gibt es kaum etwas — dabei ist genau das die verletzliche Stelle. Diese Arbeit zeigt, warum.

Warum ist diese Zeit heikel?

Die Schwangerschaft und die ersten Monate nach der Geburt des ersten Kindes sind nach dieser Arbeit eine vulnerable Zeit. In dieser Phase muss die eigene Männlichkeit in der neuen Rolle neu definiert werden.

Das kann sich unmittelbar auf die Sexualität auswirken — und ein Grund dafür ist besonders aufschlussreich: Erstväter haben den Eindruck, dass sie ihre Bedürfnisse zurückstecken müssen und sie nicht kommunizieren dürfen.

Diese Selbstbeschränkung ist nachvollziehbar und folgenreich zugleich. Wer davon ausgeht, seine Anliegen seien in dieser Situation unzulässig, spricht sie nicht aus — und bearbeitet sie auch nicht.

Was verändert sich konkret?

Die Arbeit betrachtet biologische, psychische und soziale Veränderungen und ihren Einfluss auf drei Grössen, die im Modell Sexocorporel zentral sind: die sexuelle Selbstsicherheit, das Gefühl der Verbindung zum sexuellen Körper und das Gefühl der Geschlechtszugehörigkeit.

Ausgewertet wurde mit der interpretativen phänomenologischen Analyse — einem Verfahren, das nah am subjektiven Erleben bleibt statt es zu kategorisieren.

Das Ergebnis ist doppelt: Erstvaterschaft kann die Männlichkeit bestärken und sie kann sie infrage stellen. Was eintritt, hängt von individuellen und sozialen Faktoren ab.

Was fehlt im Angebot?

Die Autorin hält fest, dass die Zahl der Ratgeber und der Kurse in Spitälern zunimmt, die werdenden Vätern beim Hineinfinden in die neue Rolle helfen — sie hebt dabei ein Schweizer Projekt ausdrücklich hervor.

Was es kaum gibt, ist Unterstützung bei der eigenen Männlichkeit und Sexualität nach der Geburt: ein Ort, an dem Väter Unsicherheiten, Ängste, Sorgen, Druck und Stress besprechen und reflektieren können.

Genau dort sieht die Arbeit die Aufgabe der Sexualberatung. Das ist eine gut begründete Marktlücke — und eine, die zur Arbeit von Fabienne Studer über die postpartale Sexualität passt, die dieselbe Lücke von der Paarseite her beschreibt.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Qualitative Interviews mit Erstvätern, ausgewertet mit der interpretativen phänomenologischen Analyse. Die Zahl der Befragten ist klein, und wer sich für ein Gespräch über Männlichkeit und Sexualität nach der Geburt meldet, bringt bereits eine gewisse Bereitschaft zur Reflexion mit.

Die Arbeit spricht von einer Korrelation zwischen den Veränderungen und ihren Auswirkungen — nicht von einer nachgewiesenen Ursache. Für die Beratungspraxis ist der Ertrag dennoch klar: Sie benennt, wann die verletzliche Phase liegt und woran sie erkennbar ist.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 93 Seiten. Sie enthält die bio-psycho-soziale Perspektive auf die Erstvaterschaft, die Einordnung in das Modell Sexocorporel, die vollständige Auswertung der Interviews sowie den Überblick über bestehende Angebote für werdende Väter.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit untersucht die Auswirkungen der Erstvaterschaft auf die Männ- lichkeit und Sexualität aus einer bio-psycho-sozialen Perspektive sowie aus der Sicht des Modell Sexocorporel. Ziel der qualitativen Forschung ist es, zu verstehen, wie Männer die Veränderungen in ihrem Selbstbild als Mann und ihrer Sexualität nach der Geburt ihres ersten Kindes erleben. Dazu wurden Interviews mit Erstvätern durchgeführt und mittels interpretativer phänomenologischer Analyse (IPA) ausge- wertet. Die Ergebnisse zeigen, dass Erstvaterschaft sowohl zu einer Bestärkung als auch zu einem Verlust der Männlichkeit führen kann, abhängig von individuellen und sozialen Faktoren. Biologische, psychologische und soziale Veränderungen werden detailliert betrachtet, ebenso wie deren Einfluss auf die sexuelle Selbstsicherheit, das Gefühl der Verbindung zum sexuellen Körper und das Gefühl der Geschlechts- zugehörigkeit. Die Arbeit bietet wertvolle Einblicke in die Herausforderungen und Chancen, die mit der Rolle als Vater einhergehen, und leistet einen Beitrag zum Verständnis der modernen Vaterschaft. This master's thesis examines the effects of first-time fatherhood on masculinity and sexuality from a bio-psycho-social perspective and from the perspective of the sex- ocorporel model. The aim of the qualitative research is to understand how men ex- perience the changes in their self-image as men and their sexuality after the birth of their first child. To this end, interviews were conducted with first-time fathers and evaluated using interpretative phenomenological analysis (IPA). The results show that first-time fatherhood can lead to both an affirmation and a loss of masculinity, depending on individual and social factors. Biological, psychological and social changes are considered in detail, as well as their influence on sexual confidence, the sense of connection to the sexual body and the sense of gender affiliation. The work offers valuable insights into the challenges and opportunities associated with the role of father and contributes to the understanding of modern fatherhood.

Janine Amrein, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Erstvaterschaft – Verlust oder Bestärkung der Männlichkeit? : Qualitative Forschung über die Auswirkung einer Erstvaterschaft auf die Männlichkeit und die Sexualität

Verfasst von
Janine Amrein

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Männlichkeit · Schwangerschaft & Geburt · Selbstwirksamkeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Janine Amrein: «Erstvaterschaft – Verlust oder Bestärkung der Männlichkeit? : Qualitative Forschung über die Auswirkung einer Erstvaterschaft auf die Männlichkeit und die Sexualität». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Sexuelles Erleben von Frauen im Kontext heterosexueller Paarsexualität

Ladina Engler untersucht in der Masterarbeit «Sexuelles Erleben von Frauen im Kontext heterosexueller Paarsexualität» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Statt zu fragen, was Frauen in der Sexualität hemmt, befragt diese Arbeit jene, bei denen es gelingt: Frauen, die sich als sexuell selbstbestimmt wahrnehmen. Was sie auszeichnet, ist konkret benennbar — und der letzte Befund der Arbeit dämpft die Erfolgsgeschichte.

Was zeichnet sexuell selbstbestimmte Frauen aus?

Vier Merkmale arbeitet die Arbeit heraus, und alle sind erlernbar.

Sie gestalten ihre Sexualität — allein wie in der Partnerschaft — entlang ihrer Bedürfnisse und ihres Begehrens. Sie verfügen über eine positivere, bessere und nuanciertere Körperwahrnehmung, was mehr Befriedigung vorhersagt.

Sie haben fundiertes Wissen über weibliche Sexualität — und, das ist der entscheidende Zusatz, es fällt ihnen leichter, dieses Wissen auf sich selbst zu übertragen. Wissen allein genügt nicht; es muss anwendbar werden.

Und sie verfügen über eine starke Kommunikationsfähigkeit, die offene Gespräche über sexuelle Wünsche und Bedürfnisse in der Paarsexualität fördert.

Was folgt daraus für die Beratung?

Sexuelle Selbstbestimmung ist nach dieser Arbeit eine Ressource für das bedürfnisorientierte Gestalten der Paarsexualität — kein Charakterzug, sondern ein Zusammenspiel von Wahrnehmung, Wissen und Kommunikation.

Damit sind drei Ansatzpunkte benannt, an denen sich arbeiten lässt. Besonders der Übertrag von Wissen auf die eigene Person lohnt Aufmerksamkeit: Viele Klientinnen wissen viel und beziehen es nicht auf sich.

Wo bleibt die Einschränkung?

Die Arbeit endet nicht bei der Erfolgsgeschichte. Tradierte sexuelle Skripte sind gesellschaftlich nach wie vor verankert — und auch sexuell selbstbestimmte Frauen bleiben davon nicht gänzlich unbeeinflusst.

Das ist ein wichtiger Zusatz. Er verhindert den Kurzschluss, Selbstbestimmung sei eine rein individuelle Leistung, die jede erbringen könnte, wenn sie nur wollte.

Die Befragten fühlen sich weniger durch gesellschaftliche und kulturelle Normen gehemmt — losgelöst von ihnen gestalten aber auch sie ihre Sexualität nicht.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier halbstrukturierte Leitfadeninterviews mit heterosexuellen Frauen, die sich selbst als sexuell selbstbestimmt wahrnehmen, ausgewertet über eine qualitative Inhaltsanalyse.

Die Selbsteinschätzung ist dabei das Auswahlkriterium — geprüft wurde sie nicht. Und die Autorin hält fest, dass die Ergebnisse ihren eigenen Erwartungen entsprechen. Das ist ehrlich gesagt und zugleich ein Hinweis darauf, dass eine qualitative Arbeit mit vier Befragten Erwartungen leichter bestätigt als widerlegt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 113 Seiten. Sie enthält die theoretische Auseinandersetzung mit sexueller Selbstbestimmung, die vollständige Auswertung der vier Interviews sowie die Diskussion tradierter sexueller Skripte.

Abstract der Arbeit

Die hier vorliegende Masterarbeit befasst sich mit dem vielschichten Thema «sexu- elle Selbstbestimmung». Es wurden vier halbstrukturierte Leitfadeninterviews mit heterosexuellen Frauen, welche sich sexuell selbstbestimmt wahrnehmen, geführt und dabei der Frage nachgegangen, wie sie ihre heterosexuelle Paarsexualität ge- stalten. Mit einer qualitativer Inhaltsanalyse wurden die Ergebnisse anschliessend ausgewertet. Diese weisen darauf hin, dass sexuell selbstbestimmte Frauen die partnerschaftliche Sexualität bedürfnisorientiert und entlang ihren Wünschen und ihrem Begehren gestalten, dass sie sich in ihrer Sexualität weniger durch gesell- schaftliche und kulturelle Normen gehemmt fühlen und dass die sexuelle Selbstbe- stimmung für sie eine Ressource darstellt. Des Weiteren geht hervor, dass die weib- liche Sexualität noch immer von patriarchalen Strukturen beeinflusst wird und dass Frauen ihre Sexualität noch nicht losgelöst von diesen Strukturen gestalten können.

Ladina Engler, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexuelles Erleben von Frauen im Kontext heterosexueller Paarsexualität : Eine qualitative Untersuchung sexuell selbstbestimmter Frauen und ihrer Gestaltung des Geschlechtsverkehrs

Verfasst von
Ladina Engler

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Selbstwirksamkeit · Paarsexualität · Sexuelle Zufriedenheit

Lizenz und Nachweis. Ladina Engler: «Sexuelles Erleben von Frauen im Kontext heterosexueller Paarsexualität : Eine qualitative Untersuchung sexuell selbstbestimmter Frauen und ihrer Gestaltung des Geschlechtsverkehrs». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Sex haben oder Sex machen? Sexuelle Selbstwirksamkeit und Zufriedenheit

Soraya Nora Gradolf untersucht in der Masterarbeit «Sex haben oder Sex machen? Sexuelle Selbstwirksamkeit und Zufriedenheit» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

«Menschen haben UND machen Sex.» Mit diesem Satz endet die Auswertung von 94 Frauen und 55 Männern in heterosexuellen Beziehungen. Die Arbeit fragt, wie viel eigenes Zutun im sexuellen Skript steckt — und welches Werkzeug dafür am wenigsten genutzt wird.

Was ist ein sexuelles Skript?

Die eingespielte Abfolge dessen, was bei einer sexuellen Begegnung geschieht: wer beginnt, was folgt worauf, wann ist es zu Ende. Skripte sind kulturell geprägt und individuell abgewandelt — und meistens unbewusst.

Sexuelle Selbstwirksamkeit im Skript meint, wie viel eine Person darin selbst gestaltet, statt einem Ablauf zu folgen. Diese Arbeit hat den Zusammenhang mit der sexuellen Zufriedenheit gemessen.

Wo liegt das kollektive Skript heute?

Zwischen Tradition und Fortschritt, und etwas näher beim Fortschritt. Die Selbstwirksamkeit im sexuellen Skript scheint zu steigen, das Rollenverständnis weicht sich auf, und die Zuschreibung von Verantwortung gleicht sich zwischen den Geschlechtern an.

Geschlechtsunterschiede bestehen, halten sich im Ausmass aber gering. Für beide Seiten stehen Gegenseitigkeit und Gemeinsamkeit im Vordergrund.

Wo sie sich unterscheiden, ist aufschlussreich. Frauen haben etwas mehr Mühe, bei sexuellen Aktivitäten kognitiv und körperlich präsent zu sein, und ihre Zufriedenheit hängt stärker von äusseren Faktoren ab. Männer fühlen sich stärker für zufriedenstellenden Sex verantwortlich und handeln häufiger partnerinnenfokussiert.

Welche Werkzeuge nutzen Menschen?

Die Arbeit hat erhoben, worüber sexuelle Selbstwirksamkeit konkret ausgeübt wird — und die Rangfolge ist für die Beratung unmittelbar brauchbar.

Am stärksten zeigt sie sich in der Kommunikation, danach in der Körperbewegung, dann in sexuellen Fantasien.

Das am wenigsten genutzte Instrument ist die Atmung. Das ist bemerkenswert, weil gerade die Atmung im Modell Sexocorporel als eine der drei Bewegungsdimensionen gilt und in mehreren anderen Arbeiten dieser Sammlung als wirksamer Hebel beschrieben wird. Hier liegt eine Lücke zwischen dem, was die Fachwelt empfiehlt, und dem, was Menschen tun.

Was heisst das für die Praxis?

Höhere sexuelle Selbstwirksamkeit hängt leicht positiv mit höherer Zufriedenheit zusammen. Was zufriedenstellenden Sex ausmacht, benennen die Befragten als Gegenseitigkeit, Lust, Präsenz und positive Emotionen.

Die Autorin schliesst daraus, dass sich das Erlernen und Fördern sexueller Selbstwirksamkeit auf institutioneller, kultureller und sexualberaterischer Ebene positiv auf die sexuelle Gesundheit auswirkt. Für die Beratung ist die Atmung der naheliegendste Ansatzpunkt — weil dort am wenigsten vorhanden ist.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Ein Mixed-Methods-Vorgehen mit einer Online-Umfrage: quantitative Werte für die Verteilung, qualitative Daten zur inhaltlichen Gegenprüfung. Mit 149 Teilnehmenden ist die Stichprobe für eine Masterarbeit gross, aber es handelt sich um eine Gelegenheitsstichprobe.

Die Autorin nennt als grösste Herausforderung und zugleich Einschränkung die enge Definition der sexuellen Selbstwirksamkeit im sexuellen Skript. Wer den Begriff weiter fasst, misst etwas anderes — die Vergleichbarkeit mit anderen Studien ist dadurch begrenzt.

Die gefundenen Zusammenhänge sind Korrelationen aus einer Momentaufnahme, keine Wirkungsnachweise.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 109 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu sexuellem Skript, sexueller Selbstwirksamkeit und sexueller Zufriedenheit, die vollständige quantitative und qualitative Auswertung sowie die Reflexion der methodischen Grenzen.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit untersucht den Zusammenhang zwischen sexueller Zufriedenheit und sexueller Selbstwirksamkeit im sexuellen Skript bei Menschen in heterosexuellen Paarbeziehungen. Anhand eines Mixed Methods-Vorgehens wurden mit einer online Umfrage quantitative und qualitative Daten von einer Zufallsstichprobe von 61 Frauen und 33 Männer gesammelt. Die Ergebnisse zeigen, dass eine höhere sexuelle Selbstwirksamkeit im sexuellen Skript moderat mit einer höheren sexuellen Zufriedenheit zusammenhängt. Die wichtigsten Faktoren für zufriedenstellenden Sex waren Gegenseitigkeit, Lust, Präsenz und positive Emotionen. Als in dem erfassten kollektiven sexuellen Skript präsente sexuelle Selbstwirksamkeitsinstrumente zeigten sich Kommunikation, auf spezifisches Nachfragen Bewegung und sexuelle Fantasien. Die Studie ergab geringe geschlechtsspezifische Unterschiede, wobei Männern tendenziell mehr Verantwortung und Partner/in-Bezug und Frauen mehr Mühe mit Präsenz und stärkere Beeinflussung durch äussere Faktoren zugeschrieben wird. Die Ergebnisse legen nahe, dass das Erlernen und Fördern sexueller Selbstwirksamkeit im sexuellen Skript auf institutioneller, kultureller und sexualberaterischer Ebene einen positiven Einfluss auf die sexuelle Gesundheit hat. This master's thesis examines the relationship between sexual satisfaction and sexual self-efficacy in sexual scripts among people in heterosexual relationships. Using a mixed methods approach, quantitative and qualitative data was collected from a random sample of 61 women and 33 men via an online survey. The results show that higher sexual self-efficacy in the sexual script is moderately related to higher sexual satisfaction. The most important factors for satisfying sex were mutuality, pleasure, presence and positive emotions. The sexual self-efficacy tools present in the collective sexual script recorded were communication, in response to specific questioning movement and sexual fantasies. The study revealed minor gender-specific differences, with men tending to ascribe more responsibility and partner-relatedness and women having more difficulty with presence and being more influenced by external factors. The results suggest that learning and promoting sexual self-efficacy in the sexual script on an institutional, cultural and sexual counselling level has a positive impact on sexual health.

Soraya Nora Gradolf, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Sex haben oder Sex machen? : Wie der Anteil an sexueller Selbstwirksamkeit im sexuellen Skript mit der sexuellen Zufriedenheit von Menschen in heterosexuellen Paarbeziehungen zusammenhängt

Verfasst von
Soraya Nora Gradolf

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Selbstwirksamkeit · Sexuelle Zufriedenheit · Paarsexualität

Lizenz und Nachweis. Soraya Nora Gradolf: «Sex haben oder Sex machen? : Wie der Anteil an sexueller Selbstwirksamkeit im sexuellen Skript mit der sexuellen Zufriedenheit von Menschen in heterosexuellen Paarbeziehungen zusammenhängt». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA3 Masterarbeit

Sexualität und Selbstsicherheit

Anne-Sophia Döbeli untersucht in der Masterarbeit «Sexualität und Selbstsicherheit» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Jugendliche Mädchen wissen viel über Sexualität — vieles davon aus den Medien. Was ihnen fehlt, ist nicht Wissen, sondern Begleitung bei dessen Verarbeitung. Diese Arbeit hat 16- und 17-Jährige selbst gefragt, was sie brauchen.

Brauchen Jugendliche mehr Aufklärung?

Nicht in der üblichen Form. Die befragten Mädchen haben wenig Bedürfnis nach reiner kognitiver Wissensvermittlung — sie verfügen allgemein über viel Wissen, auch medial vermitteltes.

Überfordert sind sie dann, wenn sie diese Informationen nicht begleitend verarbeiten können. Das ist eine andere Diagnose als die verbreitete Annahme eines Wissensdefizits, und sie verlangt einen anderen Unterricht.

Daraus folgt für die Arbeit eine praktische Konsequenz: Um am Lernstand der Mädchen anknüpfen zu können, ist eine vorangehende Analyse dieses Lernstands unabdingbar. Wer mit einem Standardprogramm beginnt, trifft womöglich niemanden.

Was wünschen sich die Mädchen?

Drei Dinge nennen sie konkret. Erstens Mitsprache bei der Gestaltung des Unterrichts. Zweitens die Möglichkeit, Erfahrungswissen freiwillig und offen zu teilen. Drittens biologisches Lernen an Modellen des weiblichen Geschlechts.

Der dritte Punkt ist bemerkenswert, weil er dem ersten Befund scheinbar widerspricht. Es geht nicht um mehr Wissen, sondern um eine andere Art, es zu erwerben — begreifbar statt vorgetragen.

Genau darin liegt der Kern: Die Jugendlichen brauchen eine aktive, persönliche und auch körperliche Auseinandersetzung mit sexuellen Themen, um ihr Wissen zu erweitern.

Was bewirkt das?

Die Ergebnisse zeigen, dass durch diese Art der Auseinandersetzung nicht nur das Wissen wächst, sondern auch das Gefühl im eigenen Körper und die sexuelle Selbstsicherheit gestärkt werden.

Damit ist die Verbindung hergestellt, um die es der Arbeit geht. Sexuelle Selbstsicherheit entsteht nach der Forschungslage aus sexuellen Lernschritten und einer Lernumgebung, die diese zulässt — und die Schule kann eine solche Umgebung sein.

Die Förderung einer ganzheitlichen Sexualaufklärung ist deshalb nach dieser Arbeit unerlässlich. Und die Autorin richtet ihre Forderung nach einer Modernisierung ausdrücklich nicht nur an Fachpersonen, sondern auch an Lehrpersonen und Eltern.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier halbstrukturierte Interviews, ausgewertet mit einer strukturierten qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring anhand festgelegter Kategorien aus dem Modell Sexocorporel.

Vier Mädchen sind eine kleine Gruppe, und wer sich für ein Gespräch über Sexualität zur Verfügung stellt, ist bereits eine Auswahl. Die Arbeit erhebt Bedürfnisse, nicht Häufigkeiten.

Für die sexualpädagogische Praxis ist sie dennoch brauchbar, weil sie eine seltene Perspektive einnimmt: die der Zielgruppe.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 88 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu sexueller Selbstsicherheit und sexuellen Lernschritten, die Zuordnung zu den Komponenten des Modells Sexocorporel sowie die vollständige Auswertung der vier Interviews.

Abstract der Arbeit

Das Thema dieser vorliegenden Masterarbeit ist die Sexualität und sexuelle Selbstsicherheit von 16/17-jährigen jugendlichen Mädchen. Studien und diverse Literatur weisen darauf hin, dass sexuelle Selbstsicherheit von sexuellen Lernschritten und weiteren Gegebenheiten der Lernumgebung beeinflusst wird. Durch vier halbstrukturierte persönliche Interviews nach Döring und Bortz (2016) werden die Bedürfnisse jugendlicher Mädchen bezüglich sexualpädagogischer Arbeit und ihrer sexuellen Selbstsicherheit erforscht. Mit der strukturierten qualitativen Inhaltsanalyse anhand festgelegter Kategorien nach Mayring (2015) wird untersucht, in welchen Komponenten nach dem Modell Sexocorporel Bedarf an sexueller Bildung besteht. Genauer soll analysiert werden, welchen Austausch sich die Mädchen wünschen, um eigenes Körperverhalten verstehen zu können, damit sie auf ihrem sexuellen Weg gestärkt werden. Die Ergebnisse dieser Masterarbeit belegen, wie zwingend die Förderung einer bedürfnisorientierten ganzheitlichen Sexualaufklärung für jugendliche Mädchen ist.

Anne-Sophia Döbeli, Abstract der Masterarbeit, 2022

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexualität und Selbstsicherheit : Eine Bedürfnisanalyse von 16/17- jährigen Mädchen im sexualpädagogischen Kontext basierend auf dem Modell Sexocorporel

Verfasst von
Anne-Sophia Döbeli

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3

Jahr
2022

Themen
Jugendsexualität · Selbstwirksamkeit · Sexuelle Bildung · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Anne-Sophia Döbeli: «Sexualität und Selbstsicherheit : Eine Bedürfnisanalyse von 16/17- jährigen Mädchen im sexualpädagogischen Kontext basierend auf dem Modell Sexocorporel». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA3 Masterarbeit

Einfluss der angeleiteten Theaterimprovisation auf die sexuelle Selbstsicherheit bei Männern

Urs Christof Sibold untersucht in der Masterarbeit «Einfluss der angeleiteten Theaterimprovisation auf die sexuelle Selbstsicherheit bei Männern» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Sexuelle Selbstsicherheit lässt sich schwer besprechen und leichter erfahren. Diese Arbeit wählt dafür einen ungewöhnlichen Weg: Improvisationstheater. Und sie berichtet auch, bei wem es nicht gewirkt hat.

Was ist das KASBR-Modell?

Ein Aufwärmmodell, das der Autor eigens für diese Arbeit entwickelt hat. Die fünf Buchstaben stehen für Körper, Atmung, Sprache, Bewegung und Rhythmus — Grössen, die im Modell Sexocorporel ebenso vorkommen wie im Theater.

Das Warm-up soll die Teilnehmer in einen körperlichen und mentalen Zustand bringen, in dem sie entspannt sind und ihre bewusste Wahrnehmungsfähigkeit gesteigert ist. Erst danach folgt die Improvisation auf der Bühne.

Der Gedanke dahinter ist einleuchtend: Wer improvisiert, muss ohne Skript auskommen, sich zeigen und mit dem arbeiten, was gerade da ist. Es sind dieselben Fähigkeiten, um die es in der Sexualität geht.

Hat es gewirkt?

Teilweise — und der Autor berichtet das mit Zahlen statt mit Eindrücken. Die Auswertung stützt die Annahme, dass das Warm-up den Zustand verändert. Zwei von acht Teilnehmern gaben allerdings an, keine Veränderung erfahren zu haben.

Auf der verwendeten Skala lag der häufigste Wert vor dem Warm-up bei 4 und danach bei 5 — eine leichte Veränderung nach oben, nicht mehr.

Deutlicher fallen die Aussagen in den beiden vertiefenden Interviews aus. Die Arbeit stützt sich damit auf drei Quellen zugleich: Feedbackbögen aller Teilnehmer, zwei semistrukturierte Interviews und die subjektiven Aussagen während der Workshops.

Für wen ist das interessant?

Für alle, die mit Männern an sexueller Selbstsicherheit arbeiten und dabei über das Gespräch hinauskommen wollen. Der Ansatz verlangt keine Vorerfahrung im Theater und findet in der Gruppe statt.

Das Konzept ist vollständig dokumentiert — Ablauf, Übungen, Warm-up-Modell und Feedbackbögen liegen der Arbeit bei. Wer es nachbauen will, kann das.

Bemerkenswert ist die Zielgruppe. Angebote zur sexuellen Selbstsicherheit richten sich meist an Frauen; Formate für Männer sind selten, und Formate, die ohne das Reden über Probleme auskommen, noch seltener.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Ein Workshop mit fünf bis acht Männern, zwei vertiefende Interviews, Feedbackbögen. Ohne Kontrollgruppe und ohne Nachbefragung nach längerer Zeit.

Der Autor prüft seine Hypothesen ausdrücklich kritisch und hält fest, wo die Daten sie nur teilweise stützen. Dass zwei von acht keine Veränderung berichten, steht im Ergebnis — nicht in einer Fussnote.

Was die Arbeit zeigt, ist die Machbarkeit eines Formats und erste Hinweise auf seine Wirkung. Für mehr wäre eine grössere Untersuchung nötig, was der Autor selbst als nächsten Schritt benennt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 103 Seiten. Sie enthält die Grundlagen zu Improvisationstheater und Modell Sexocorporel, das vollständig ausgearbeitete Warm-up-Modell KASBR, die Auswertung der Feedbackbögen und Interviews sowie Vorschläge zur Weiterentwicklung.

Abstract der Arbeit

In dieser Masterarbeit wird die Veränderung der sexuellen Selbstsicherheit und sexuellen Zufriedenheit von Männern erforscht und beschrieben, die aus einer angeleiteten Theaterimprovisation mit einem vorgängigen Warm-up resultiert. Dieses Warm-up-Modell wurde eigens für diese Masterarbeit entwickelt. Die Methode, basierend auf dem Modell Sexocorporel, wird auf einer Bühne oder in einem Theatersaal in einer zeitlich begrenzten Reihe von Improvisationstheater-Workshops mit dem Warm-up-Modell KASBR erfahren. Diese Erfahrung soll den Teilnehmern die bewusste Veränderung der sexuellen Selbstsicherheit und sexuellen Zufriedenheit aufzeigen. Das Warm-up (engl. warm up, aufwärmen) dient den Teilnehmern für: Körper, Atmung, Sprache, Bewegung, Rhythmus (KASBR) mit Bewusstseinsübungen und Methoden zur praktischen Anwendung in Theaterimprovisation. Der Workshop wird in einer begrenzten Zeitspanne mit fünf bis acht Männern durchgeführt. Mit zwei der Testkandidaten werden semistrukturierte Interviews geführt, mittels deren die Wirksamkeit des Warm-up-Modells KASBR evaluiert und Ansätze zur Weiterentwicklung und Verbesserung der sexuellen Selbstsicherheit und sexuellen Zufriedenheit skizziert werden sollen. Die Workshops mit dem Warm-up-Modell KASBR und anschliessender Theaterimprovisation sowie die dazu geführten semistrukturierten Interviews und Feedbackbögen werden die Grundlage zur Forschung in dieser Arbeit sein. Die Masterarbeit nähert sich den Forschungsfragen in verschiedenen Hypothesen Schritt für Schritt, und im Ergebnis soll ein disziplinärer Erkenntnisgewinn erzielt werden. Die vorliegende Arbeit soll in zweierlei Hinsicht überraschen: sowohl im Sinn einer improvisationstheatralischen Erfahrung als auch hinsichtlich der in diesem Zusammenhang erzielten Ergebnisse. Damit möchte sie einen wissenschaftlichen Beitrag wie auch einen Beitrag zur sexualtherapeutischen Praxis leisten. 211 Wörter, 20 Zeichen ohne Leerzeichen

Urs Christof Sibold, Abstract der Masterarbeit, 2022

Angaben zur Arbeit

Titel
Einfluss der angeleiteten Theaterimprovisation auf die sexuelle Selbstsicherheit und sexuelle Zufriedenheit bei Männern Entwicklung von Theaterimprovisation und Evaluation eines Programms mit Schwerpunkt auf dem Modell Sexocorporel (JeanYves Desjardins) und der eigens dafür

Verfasst von
Urs Christof Sibold

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3

Jahr
2022

Themen
Körperarbeit · Selbstwirksamkeit · Sexuelle Zufriedenheit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Urs Christof Sibold: «Einfluss der angeleiteten Theaterimprovisation auf die sexuelle Selbstsicherheit und sexuelle Zufriedenheit bei Männern Entwicklung von Theaterimprovisation und Evaluation eines Programms mit Schwerpunkt auf dem Modell Sexocorporel (JeanYves Desjardins) und der eigens dafür». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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