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MA5 Masterarbeit

Sexualberatung mit trans* Personen nach dem Modell Sexocorporel

Andrea Baese untersucht in der Masterarbeit «Sexualberatung mit trans* Personen nach dem Modell Sexocorporel» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

«Die Beckenbodenmuskulatur wird auch nach der Transition vorhanden sein. Selbst wenn der Penis nicht mehr da ist — die Beckenbodenmuskulatur ist da.» Dieser Satz einer befragten Fachperson erklärt, warum ein körperorientiertes Modell in der Beratung von trans* Personen funktionieren kann. Die Arbeit prüft, wo es trägt und wo es an seine Grenzen kommt.

Warum kommt Sexualität in der Trans*beratung kaum vor?

Drei von vier befragten Fachpersonen geben an, dass Sexualität bei trans* Personen in ihrer Einzelberatung kein grosses Thema ist — oder dass sie dazu noch wenig Praxiserfahrung haben.

Alle vier benennen denselben Grund für die Lücke: In den begleitenden Psychotherapien spielt Sexualität nach ihrer Erfahrung oft keine Rolle. Der Blick richtet sich auf die Transition, auf Diagnostik und Begutachtung, auf medizinische Schritte — das sexuelle Erleben fällt heraus.

Das deckt sich mit dem Ausgangspunkt der Arbeit: Trans* Klient*innen werden im sexualwissenschaftlichen Diskurs und in der Beratungspraxis häufig auf medizinisch-funktionale Perspektiven reduziert.

Wie liesse sich damit arbeiten?

Eine der befragten Fachpersonen bietet ergänzend zur Einzelberatung Gruppenworkshops zu Trans*körperlichkeit und Sexualität an und arbeitet dabei in einem Dreischritt.

Erstens Grounding: ich und mein sexueller Körper — Körperwahrnehmung und Selbstsicherheit. Zweitens ich und die anderen: wie erlebe ich Dating, wie erlebe ich mich, wenn ich mit meinem sexuellen Körper in Kontakt zu anderen gehe. Drittens die Frage, wo mir Sicherheit begegnet und wo Unsicherheit.

Eine andere Fachperson beschreibt, mit einer trans* weiblichen Person mit der ganzen Klaviatur des Modells Sexocorporel gearbeitet zu haben — also nicht mit Anpassungen am Rand, sondern mit dem vollständigen Instrumentarium.

Wo liegen die Grenzen des Modells?

Die Arbeit stellt sie an den Anfang statt sie zu verschweigen: Das Modell Sexocorporel ist historisch hetero-binär geprägt. Die Frage lautet also nicht, ob es passt, sondern was mit welchen Anpassungen möglich wird.

Ihre Antwort fällt differenziert aus. Mit gezielten Adaptionen und kritischer Reflexion öffnen sich Zugänge zu Körpererleben, sexueller Lust und individueller Identitätsgestaltung. Besondere Chancen liegen in der Förderung der Körperwahrnehmung, in der Entwicklung eigener Sexualitätskonzepte und in der Ressourcenaktivierung jenseits normativer Vorstellungen.

Grenzen benennt die Arbeit dort, wo die ursprünglichen binären Konzepte nicht ausreichend überwunden sind. Diese Stellen sind nicht durch Wortwahl zu beheben.

Was heisst das für die Praxis?

Der Ansatzpunkt liegt im Körper, der bleibt. Muskulatur, Atmung, Bewegung, Wahrnehmung — diese Grössen existieren unabhängig davon, welche medizinischen Schritte jemand gegangen ist. Genau darauf zielt das eingangs zitierte Beispiel.

Für cis Beratende formuliert die Arbeit eine zusätzliche Anforderung: die eigene Haltung zu klären und die historische wie persönliche Leidensgeschichte von trans* Personen mitzudenken. Fachwissen allein genügt hier nicht.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine theoretische Analyse verbunden mit qualitativen Interviews mit vier Fachpersonen. Befragt wurden also Beratende, nicht trans* Personen selbst — die Arbeit beschreibt die Praxis aus Sicht derer, die sie anbieten.

Dass drei von vier wenig Praxiserfahrung mit sexuellen Anliegen dieser Zielgruppe haben, ist zugleich Befund und Einschränkung: Es zeigt die Versorgungslücke, und es begrenzt, wie viel über gelungene Beratung gesagt werden kann.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 90 Seiten. Sie enthält die kritische Analyse des Modells Sexocorporel auf seine binären Prägungen, den Forschungsstand zu trans*sensibler Beratung, die vollständige Auswertung der Interviews mit Kategoriensystem und Interviewleitfaden sowie die Ableitungen für eine körperzentrierte Beratungspraxis.

Abstract der Arbeit

Diese Arbeit untersucht das Potenzial des körperorientierten Modells Sexocorporel für die Sexualberatung von trans* Personen. Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass trans* Klient*innen bislang im sexualwissenschaftlichen Diskurs und in der Beratungspraxis häufig auf medizinisch-funktionale Perspektiven reduziert werden, während körperliche Selbstwahrnehmung und sexuelle Selbstbestimmung wenig Beachtung finden. Im Rahmen einer theoretischen Analyse sowie qualitativer Expert*innen-Interviews wird geprüft, inwiefern das Modell Sexocorporel, trotz seiner historischen hetero-binären Prägung, für eine transsensible und körperzentrierte Beratung nutzbar gemacht werden kann. Die Ergebnisse zeigen, dass durch gezielte Adaptionen und kritische Reflexionen des Modells vielfältige Zugänge zu Körpererleben, sexueller Lust und individueller Identitätsgestaltung für trans* Personen geöffnet werden können. Besondere Chancen liegen in der Förderung von Körperwahrnehmung, der Entwicklung individueller Sexualitätskonzepte sowie der Ressourcenaktivierung jenseits normativer Vorstellungen. Gleichzeitig werden Grenzen des Modells benannt, insbesondere dort, wo ursprüngliche binäre Konzepte nicht ausreichend überwunden werden. Die Arbeit leistet damit einen Beitrag zur Weiterentwicklung transsensibler sexualberaterischer Ansätze und formuliert Handlungsempfehlungen für die Praxis. This thesis examines the potential of the body-centered model Sexocorporel in providing sexual counseling for trans* individuals. It addresses the prevalent gap in current practice and research, where trans* clients are often approached from a predominantly medical or functional perspective, while aspects of bodily self-awareness and sexual autonomy are largely overlooked. Through a combination of theoretical analysis and qualitative expert interviews, the study investigates how the Sexocorporel model ꟷ despite its historically binary foundations ꟷ can be critically adapted to support a transsensitive and body-oriented counseling approach. The findings highlight the model’s capacity to foster body awareness, empower sexual agency, and support the development of individualized sexualities beyond normative frameworks. Simultaneously, the study outlines limitations where traditional binary structures remain embedded within the model. Overall, this work contributes to the advancement of transsensitve counseling practices and offers concrete recommendations for a more holistic and affirming approach to sexual health and well-being.

Andrea Baese, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
SEXUALBERATUNG MIT TRANS* PERSONEN MIT DEM MODELL SEXOCORPOREL – Ein körperorientierter Ansatz zur Förderung von Sexualität und Körpererleben bei trans* Personen

Verfasst von
Andrea Baese

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Geschlecht & Identität · Sexualberatung · Körperarbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Andrea Baese: «SEXUALBERATUNG MIT TRANS* PERSONEN MIT DEM MODELL SEXOCORPOREL – Ein körperorientierter Ansatz zur Förderung von Sexualität und Körpererleben bei trans* Personen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Einfluss von TRE (Tension/Trauma Releasing Exercises) auf die Sexualität

Edona Hasanagic untersucht in der Masterarbeit «Einfluss von TRE (Tension/Trauma Releasing Exercises) auf die Sexualität» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Fünfzehn Menschen führten in zwei Wochen drei angeleitete TRE-Sitzungen durch. Danach war bei einem Teil die Genitalwahrnehmung besser und die Lust höher — und bei manchen wichen die Messwerte deutlich vom eigenen Empfinden ab. Genau diese Diskrepanz macht die Arbeit lesenswert.

Was ist TRE?

Tension and Trauma Releasing Exercises: eine Methode, die über gezielte Körperübungen ein neurogenes Zittern auslöst und darüber die Körperspannung reguliert.

Der Anschluss an die Sexualität liegt im Becken. Muskuläre Spannungsmuster, besonders in dieser Region, gelten als möglicher Einflussfaktor für sexuelles Erleben und Wohlbefinden — und Sexualität ist ein biopsychosoziales Geschehen, das eng mit Körperwahrnehmung und Spannungsregulation verbunden ist.

Untersucht wurde beides gleichzeitig: die wahrgenommene Sexualität und die persönliche Körperwahrnehmung, erhoben über Online-Fragebogen vor und nach der Intervention.

Was hat sich verändert?

Die Ergebnisse liefern erste Hinweise darauf, dass TRE bei einem Teil der Teilnehmenden zu einer verbesserten Genitalwahrnehmung, einer Reduktion körperlicher Spannungen und einer gesteigerten sexuellen Erregbarkeit führen kann.

Besonders deutlich zeigte sich der Anstieg bei Genitalwahrnehmung und sexueller Lust. Andere Bereiche veränderten sich nur wenig oder wurden subjektiv nicht als verändert erlebt.

Die Arbeit unterscheidet damit sauber zwischen dem, was sich bewegt hat, und dem, was gleich blieb — statt eine Gesamtwirkung zu behaupten.

Warum ist die Diskrepanz interessant?

Weil sie in beide Richtungen auftrat. Einige Teilnehmende berichteten von spürbaren Veränderungen, obwohl die Messwerte kaum abwichen. Andere zeigten auf den Skalen Fortschritte, ohne sie subjektiv zu bemerken.

Für die Praxis ist das ein wichtiger Hinweis. Wer eine körperorientierte Intervention nur über Fragebogen bewertet, misst womöglich nicht das, was die Person erlebt — und umgekehrt.

Für die Forschung stellt sich damit die Frage, welches der beiden Mass das bessere ist. Die Arbeit beantwortet sie nicht, aber sie stellt sie.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Fünfzehn Teilnehmende, drei Sitzungen in zwei Wochen, keine Kontrollgruppe. Die Autorin ordnet ihre Ergebnisse selbst als erste explorative Anhaltspunkte ein.

Es ist die erste Untersuchung dieser Art zum Zusammenhang von TRE, Körperwahrnehmung und Sexualität. Für ein niederschwelliges körpertherapeutisches Verfahren, das sich ohne grossen Aufwand anleiten lässt, ist das ein sinnvoller Ausgangspunkt — mehr aber nicht.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 78 Seiten. Sie enthält die Grundlagen zu TRE und Spannungsregulation, das biopsychosoziale Verständnis von Sexualität, die vollständige Intervention sowie die quantitative und qualitative Auswertung.

Abstract der Arbeit

Die Sexualität ist ein komplexes biopsychosoziales Geschehen, das eng mit der körperlichen Selbstwahrnehmung und Spannungsregulation verbunden ist. Muskuläre Spannungsmuster, insbesondere im Bereich des Beckens, gelten als möglicher Einflussfaktor für sexuelles Erleben und Wohlbefinden. Die Methode der Tension & Trauma Releasing Exercises (TRE) setzt über gezielte Körperübungen an diesem Bereich an, indem durch neurogenes Zittern eine Regulation von Körperspannung ermöglicht werden soll. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, die möglichen Zusammenhänge zwischen TRE, Körperwahrnehmung und Sexualität zu untersuchen. Hierzu führten 15 Teilnehmende innerhalb von zwei Wochen drei angeleitete TRE-Sitzungen durch. Die subjektiv wahrgenommene Sexualität sowie persönliche Körperwahrnehmung wurden mittels Online-Fragebögen vor und nach der Intervention erfasst. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass TRE zu einer positiven Veränderung der Körperwahrnehmung sowie des sexuellen Erlebens beitragen kann. Die Studie liefert erste explorative Anhaltspunkte auf das Potenzial von TRE als niedrigschwellige körpertherapeutische Methode im Kontext von Sexualität. Aufgrund methodischer Limitationen, wie einer geringen Stichprobengrösse von 15 Personen und fehlender Kontrollgruppe, sind die Ergebnisse vorläufig und bedürfen weiterer Forschung.

Edona Hasanagic, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Einfluss von TRE (Tension/Trauma Releasing Exercises) auf die Sexualität

Verfasst von
Edona Hasanagic

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Körperarbeit · Sexuelle Zufriedenheit · Sexuelles Verlangen

Lizenz und Nachweis. Edona Hasanagic: «Einfluss von TRE (Tension/Trauma Releasing Exercises) auf die Sexualität». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Das genitale Selbstbild im Kontext von Female Genital Mutilation/Cutting

Alexandra Ursula Meisser untersucht in der Masterarbeit «Das genitale Selbstbild im Kontext von Female Genital Mutilation/Cutting» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Frauen mit einer Genitalbeschneidung begegnen im Gesundheitswesen meist einer medizinischen Sicht auf ihren Körper. Wie sie ihr eigenes Genital wahrnehmen, wird selten gefragt. Diese Arbeit hat genau das getan — und kommt zu einem Ergebnis, das jede Verallgemeinerung verbietet.

Gibt es «das» genitale Selbstbild nach FGM/C?

Nein. Das ist der erste und wichtigste Befund. Die Wahrnehmungen der befragten Frauen fallen so unterschiedlich aus, dass sich keine verallgemeinerbaren Aussagen ableiten lassen.

Jede betroffene Frau verfügt über eigene Ressourcen, Grenzen und Herausforderungen. Weder das genitale Selbstbild noch die sexuelle Selbstsicherheit verlaufen einheitlich.

Daraus folgt für die Praxis unmittelbar: Es braucht in jedem Einzelfall eine eigene Erhebung, wie das genitale Selbstbild und die sexuelle Selbstsicherheit ausgeprägt sind. Von der Diagnose auf das Erleben zu schliessen, geht fehl.

Was hängt womit zusammen?

Genitales Selbstbild und sexuelle Selbstsicherheit stehen in wechselseitigem Zusammenhang — und diese Wechselwirkung findet sich auch bei Frauen mit FGM/C. Das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Befund: Was für andere Frauen gilt, gilt hier ebenso.

Für die Förderung eines konstruktiven Zugangs zum eigenen Genital schlägt die Arbeit den körperorientierten Ansatz Sexocorporel vor, insbesondere über die schrittweise Entwicklung sexueller Lernprozesse. Nicht als Korrektur, sondern als Weg zu einem eigenen Verhältnis zum eigenen Körper.

Ist das ein Thema der Frau allein?

Nein, und dieser Hinweis der Arbeit ist für die Praxis besonders wertvoll. Die Beschneidung sollte in der therapeutischen Begleitung nicht ausschliesslich als individuelles Thema der Frau verstanden werden, sondern ebenso als Paardynamik.

Wo es möglich ist, kann es entsprechend hilfreich sein, den Partner in den Therapieprozess einzubeziehen. Was zwischen zwei Menschen geschieht, lässt sich selten allein bearbeiten.

Was braucht die Fachperson?

Die Arbeit spricht offen aus, was in Leitfäden selten steht: Es handelt sich um ein hochsensibles Themenfeld, und Therapeutinnen und Therapeuten müssen auf ihre eigene Zentrierung und Selbstregulation achten.

Konkret empfiehlt sie, Pausen, humorvolle Elemente und körperbezogene Übungen ins Gespräch zu integrieren — für die Klientin ebenso wie für die begleitende Person. Wer beim Zuhören selbst in Anspannung gerät, kann nicht gut begleiten.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine explorative qualitative Arbeit mit halbstrukturierten Interviews, theoretisch gerahmt durch das Modell Sexocorporel nach Jean-Yves Desjardins. Die Autorin stellt selbst an den Anfang ihres Fazits, dass sich keine Rückschlüsse auf jede Frau mit FGM/C ziehen lassen.

Was die Arbeit liefert, sind Anhaltspunkte für die sexualtherapeutische Arbeit — und die Stimmen von Frauen, die in der Forschung zu diesem Thema selten selbst zu Wort kommen.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 103 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu FGM/C, die theoretischen Grundlagen zu genitalem Selbstbild und sexueller Selbstsicherheit, die vollständige Auswertung der Interviews und die Ableitungen für die sexualtherapeutische Praxis.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit befasst sich mit dem Einfluss der weiblichen Genitalbeschneidung (FGM/C) auf das genitale Selbstbild und in diesem Zusammenhang auf die sexuelle Selbstsicherheit. Ziel der Untersuchung ist es, mögliche Handlungsansätze für die sexualtherapeutische Praxis zu identifizieren. Als theoretischer Bezugsrahmen dient das Modell des Sexocorporel nach Jean- Yves Desjardins. Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurden halbstrukturierte Interviews mit betroffenen Frauen durchgeführt. Im Zentrum stand die Erfassung subjektiver Wahrnehmungen und individueller Erlebensweisen im Hinblick auf das genitale Selbstbild und die sexuelle Selbstsicherheit. Die vorliegende Arbeit verfolgt das Anliegen, durch die Stimmen der interviewten Frauen Erkenntnisse über den Einfluss von FGM/C auf diese Themenbereiche zu gewinnen. Die qualitative Analyse der Interviews machte unterschiedliche Perspektiven sichtbar. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sowohl das genitale Selbstbild als auch die sexuelle Selbstsicherheit nicht einheitlich verlaufen, sondern individuell geprägt sind. Ebenso zeigt sich, dass der Zugang zum eigenen Genital von einer Vielzahl unterschiedlicher Erfahrungen beeinflusst wird. Aus den erhobenen Daten lassen sich Hinweise ableiten, dass sexualtherapeutische Interventionen zur Förderung eines positiven genitalen Selbstbildes und zur Stärkung der sexuellen Selbstsicherheit bei Frauen mit FGM/C einen unterstützenden Beitrag leisten können.

Alexandra Ursula Meisser, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Das genitale Selbstbild im Kontext von Female Genital Mutilation/Cutting: Eine qualitative Studie zu Erfahrungen von Frauen mit FGM/C

Verfasst von
Alexandra Ursula Meisser

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Genitales Selbstbild · Selbstwirksamkeit · Körperarbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Alexandra Ursula Meisser: «Das genitale Selbstbild im Kontext von Female Genital Mutilation/Cutting: Eine qualitative Studie zu Erfahrungen von Frauen mit FGM/C». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Das Kondom neu entdecken – Kondomnutzung durch Erotisierung

Salomé Savoy untersucht in der Masterarbeit «Das Kondom neu entdecken – Kondomnutzung durch Erotisierung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Kondome werden als Vernunftentscheidung beworben und damit gegen die Lust gestellt. Diese Arbeit dreht das um: Sie versucht, das Kondom zu erotisieren — und zeigt, dass schon kleine Veränderungen im Körpererleben spürbar wirken.

Was wurde gemacht?

Ein dreiwöchiges Online-Programm aus körperorientierten Übungen und gezielter Wissensvermittlung. Ziel war, die Wahrnehmung sexueller Erregung zu intensivieren und eine erotisch besetzte Haltung gegenüber der Kondomnutzung zu fördern.

Die Arbeit verortet sich im Feld der niederschwelligen körperorientierten sexuellen Bildung. Der theoretische Teil zeigt das Zusammenspiel von Körper und Psyche und stellt somatische Achtsamkeit sowie bewusste Körperwahrnehmung in den Zusammenhang der sexuellen Gesundheit.

Erhoben wurde über einen Vorher-Nachher-Vergleich und schriftliche Reflexionen der Teilnehmenden während der Interventionswochen, ausgewertet über eine qualitative Inhaltsanalyse.

Was hat es gebracht?

Die Ergebnisse zeigen eine gesteigerte Sinneswahrnehmung, ein intensiveres lustvolles Erleben und eine erleichterte Integration des Kondoms ins Sexualleben.

Die bewusste Auseinandersetzung mit somatischer Achtsamkeit und genitaler Sensibilisierung kann also die Wahrnehmung von Lust vertiefen und ablehnende Haltungen gegenüber dem Kondom positiv beeinflussen.

Bemerkenswert ist ein Detail: Schon kleine Veränderungen im Körpererleben hatten für die Teilnehmenden spürbare Effekte auf die sexuelle Erfahrung. Es braucht keinen grossen Eingriff.

Warum ist der Ansatz besonders?

Weil das Programm nicht nur den Schutzaspekt in den Mittelpunkt stellt, sondern das lustvolle Erleben. Damit steht es im Einklang mit dem Verständnis sexueller Gesundheit, wie es die Weltgesundheitsorganisation formuliert.

Für die Präventionsarbeit ist das ein Richtungswechsel. Statt über Risiken aufzuklären und auf Einsicht zu hoffen, wird an der Wahrnehmung gearbeitet — dort, wo die Ablehnung tatsächlich entsteht.

Wer Präventionsangebote gestaltet, findet hier ein durchgeführtes und ausgewertetes Beispiel.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Ein dreiwöchiges Programm mit einer kleinen Gruppe, ohne Kontrollgruppe, ausgewertet über Selbstauskünfte. Das erlaubt keine Wirksamkeitsaussage im klinischen Sinn.

Die Teilnehmenden haben sich zudem freiwillig für ein Programm zur Kondomnutzung gemeldet — die ablehnende Haltung, die verändert werden sollte, war bei ihnen vermutlich weniger verfestigt als bei jenen, die man erreichen müsste.

Mit 67 Seiten ist es eine der kürzesten Arbeiten der Sammlung.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 67 Seiten. Sie enthält die theoretischen Grundlagen zu Körper, Psyche und somatischer Achtsamkeit, das vollständige dreiwöchige Online-Programm sowie die Auswertung des Vorher-Nachher-Vergleichs und der schriftlichen Reflexionen.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit verortet sich im Feld der niederschwelligen körperorientierten sexuellen Bildung als Teilbereich der Sexologie. Sie umfasst einen theoretisch- konzeptionellen sowie einen praktischen Teil. Im theoretischen Teil werden zentrale Aspekte des Zusammenspiels von Körper und Psyche aufgezeigt, sowie die Bedeutung von somatischer Achtsamkeit und die bewusste Körperwahrnehmung in den Kontext der sexuellen Gesundheit gestellt. Im praktischen Teil wurde ein dreiwöchiges Online-Programm entwickelt und umgesetzt, das auf körperorientierten Übungen und gezielte Wissensvermittlung basierte. Die Intervention hatte zum Ziel die Wahrnehmung sexueller Erregung zu intensivieren und eine positivere, erotisch konnotierte Haltung gegenüber der Verwendung von Kondomen zu fördern. Zur Datenerhebung wurden ein Prä-Post-Vergleich sowie schriftliche Reflexionen der Teilnehmenden während der Interventionswochen herangezogen und mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass die Intervention zu einer gesteigerten Sinneswahrnehmung, einem intensiveren lustvollen Erleben und einer erleichterten Integration des Kondoms in das Sexualleben führte. Damit wird verdeutlicht, dass körperorientierte Ansätze in der sexuellen Bildung einen relevanten Beitrag zur Förderung einer lustvollen und selbstbestimmten Sexualität leisten können. Um alle Personengruppen sprachlich einzuschliessen, wurde in dieser Arbeit eine diversitätssensible Sprache verwendet. Dies geschieht einerseits durch geschlechtsneutrale Sammelbegriffe (z. B. Teilnehmende) und andererseits durch die Verwendung des Gendersternchens (z. B. Proband*innen, Sexualberater* Sexualberaterinnen).

Salomé Savoy, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Das Kondom neu entdecken – Die Entwicklung und Evaluation eines Programms zur Förderung der Kondomnutzung bei Männern durch Erotisierung

Verfasst von
Salomé Savoy

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Verhütung · Jugendsexualität · Körperarbeit

Lizenz und Nachweis. Salomé Savoy: «Das Kondom neu entdecken – Die Entwicklung und Evaluation eines Programms zur Förderung der Kondomnutzung bei Männern durch Erotisierung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Nicht-Binarität in der Sexualtherapie

Caroline Schenk untersucht in der Masterarbeit «Nicht-Binarität in der Sexualtherapie» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Das «Gefühl der Geschlechtszugehörigkeit» ist ein Kernbegriff des Modells Sexocorporel — und er setzt voraus, dass es eine Zugehörigkeit gibt, zu der man sich zugehörig fühlen kann. Diese Arbeit prüft, was mit dem Konzept geschieht, wenn eine Person sich keiner der beiden Kategorien zuordnet. Ihre Antwort beginnt bei einem einzigen Buchstaben.

Was ändert ein Wort?

Aus dem «Gefühl der Geschlechtszugehörigkeit» wird das «Gefühl der Geschlechterzugehörigkeit». Die Änderung ist minimal und folgenreich: Der Plural schliesst mehrere Geschlechterrealitäten ein, wo der Singular eine voraussetzt.

Zwei weitere Begriffe haben sich in der Praxis als hilfreich erwiesen — das Gefühl der Zugehörigkeit zum eigenen sexuellen Körper und das Gefühl der Zugehörigkeit zur eigenen Gendergruppe.

Damit verschiebt sich der Fokus weg von der Geschlechtsidentität hin zum individuellen Erleben: im eigenen Körper, mit den eigenen Genitalien, und in Bezug auf andere Menschen. Die begriffliche Änderung allein öffnet den Blick weg von einer binären Ordnung und weg von einem Richtig und Falsch.

Reicht die neue Sprache?

Nein — und das ist die wichtigste Erkenntnis der Arbeit. Obwohl die befragten Fachpersonen die Begriffe unterschiedlich anpassten und nutzten, zeigte sich eine Konstante: Alle hatten sich im Lauf ihrer Praxis eine trans*sensible Haltung erarbeitet.

Die Autorin formuliert den Schluss unmissverständlich: Eine sprachliche Veränderung bewegt nichts, wenn sich die Einstellung dahinter nicht mitverändert. Kein Konzept steht für sich allein — jedes ist mit der Person verbunden, die es anwendet.

Menschenbild, Haltung, Wissen, Privilegien, Lebenserfahrung und auch Unsicherheiten schwingen dabei jederzeit mit. Eine geschlechtersensible Sexualtherapie setzt deshalb voraus, dass das Konzept kritisch reflektiert und differenziert eingesetzt wird.

Was heisst das für die Arbeit mit nichtbinären Menschen?

Körperzentrierte Interventionen schätzt die Arbeit grundsätzlich als hilfreich ein — unter einer Bedingung: Sie müssen individuell angepasst und sensibel gestaltet sein.

Das ist kein Vorbehalt aus Vorsicht. Wer mit einem Modell arbeitet, das binär entstanden ist, muss wissen, an welchen Stellen es Erwartungen mitbringt, die im Gespräch nichts zu suchen haben.

Bemerkenswert ist, wie viel Erfahrungswissen bei den Fachpersonen bereits vorliegt. Die Arbeit macht es sichtbar und ordnet es — was sie für die Ausbildung ebenso brauchbar macht wie für die Praxis.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Fünf Interviews mit Fachpersonen, qualitativ ausgewertet. Befragt wurden Therapeut*innen, nicht nichtbinäre Klient*innen — die Arbeit beschreibt also, wie Fachpersonen das Konzept anwenden und anpassen, nicht wie es erlebt wird.

Als Beitrag zur Weiterentwicklung eines Modells ist das die passende Perspektive. Für die Frage, ob nichtbinäre Menschen sich in der Beratung wiederfinden, bräuchte es eine zweite Arbeit.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 76 Seiten. Sie enthält die kritische Reflexion des Konzepts «Gefühl der Geschlechtszugehörigkeit» auf seine binären und heteronormativen Prägungen, die vollständige Auswertung der fünf Interviews und Impulse für eine geschlechtersensible Weiterentwicklung des Modells.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit untersucht, wie das Konzept des Gefühls der Geschlechtszu- gehörigkeit (GdG) nach dem Modell Sexocorporel in der sexualtherapeutischen Begleitung nichtbinärer Menschen angewendet werden kann. Der Hintergrund der Arbeit ist eine kriti- sche Reflexion potenzieller binärer und heteronormativer Prägungen des Modells. Auf die- ser Grundlage wurden fünf Interviews mit Expert*innen durchgeführt und qualitativ ausge- wertet. Anliegen der Arbeit ist es, die Anwendbarkeit des GdG kritisch zu reflektieren und Impulse für eine geschlechtersensible Weiterentwicklung des Modells zu geben. Hierdurch soll ein Beitrag dazu geleistet werden, dass geschlechtliche Vielfalt in Theorie, Praxis und Ausbildung bewusster reflektiert und differenzierter berücksichtigt wird. Die Ergebnisse zei- gen, dass das ursprüngliche GdG Konzept normativ geprägt ist. Es kann jedoch durch Wei- terentwicklungen, wie beispielsweise dem Gefühl der Zugehörigkeit zum sexuellen Körper und dem Gefühl der Zugehörigkeit zur eigenen Gendergruppe, an geschlechtliche Vielfalt anschlussfähig gemacht werden. Körperzentrierte Interventionen werden in der Arbeit mit nichtbinären Menschen grundsätzlich als hilfreich eingeschätzt, wenn sie individuell ange- passt und sensibel gestaltet werden. Als zentral für eine gelingende Begleitung erweist sich die Haltung und das Menschenbild der Fachperson, welche die therapeutische Arbeit mit dem Modell prägen. Die Arbeit leistet einen praxisnahen Beitrag zur Weiterentwicklung ei- ner inklusiven, geschlechterreflektierten Sexualtherapie und Beratung.

Caroline Schenk, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Nicht-Binarität in der Sexualtherapie – Zum Umgang des Gefühls der Geschlechtszugehörigkeit nach Sexocorporel

Verfasst von
Caroline Schenk

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Geschlecht & Identität · Sexualtherapie · Körperarbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Caroline Schenk: «Nicht-Binarität in der Sexualtherapie – Zum Umgang des Gefühls der Geschlechtszugehörigkeit nach Sexocorporel». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Die Integration körperorientierter Ansätze in die Sexualtherapie nach dem Sexocorporel-Modell

Patricia Zoller untersucht in der Masterarbeit «Die Integration körperorientierter Ansätze in die Sexualtherapie nach dem Sexocorporel-Modell» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Körperorientierte Verfahren gelten in der Sexualtherapie oft als ergänzende Technik. Diese Arbeit widerspricht: Sie prüft Tanztherapie, Achtsamkeitspraxis und Bioenergetik systematisch am Modell Sexocorporel und kommt zum Schluss, dass sie integrale Bestandteile sind — nicht Beiwerk.

Was verbindet drei so verschiedene Verfahren?

Tanztherapie, Achtsamkeitspraxis und Bioenergetik stammen aus unterschiedlichen theoretischen Traditionen und sind methodisch klar voneinander zu unterscheiden.

Was sie verbindet, ist ein gemeinsames Anliegen: die Verkörperung psychischer, affektiver und relationaler Prozesse. Genau darin liegt nach dieser Analyse ihr komplementäres Potenzial zum Modell Sexocorporel.

Was fügen sie dem Modell hinzu?

Die Arbeit formuliert das präzise und ist dabei auch gegenüber dem eigenen Modell kritisch: Sexocorporel war bislang vorrangig auf funktionale Körperarbeit und edukative Vermittlung ausgerichtet.

Die körperzentrierten Ansätze vertiefen es um symbolische, affektive und beziehungsdynamische Erfahrungsdimensionen — also um genau jene Ebenen, die in sprachlich-kognitiven Formaten schwer zugänglich bleiben.

Und sie wirken auf mehreren Ebenen zugleich: Sie unterstützen physiologische Regulation und affektive Durchlässigkeit, fördern aber ebenso Selbstbeobachtung, Beziehungsgestaltung und kognitive Neuorientierung.

Wie ist die Analyse aufgebaut?

Jedes Verfahren wird entlang der vier Komponenten des Modells eingeordnet — physiologisch, sexodynamisch, kognitiv und beziehungsdynamisch — und auf theoretische Grundlagen, Anwendungsmöglichkeiten und Passung geprüft. Methodisch stützt sich die Arbeit auf eine systematische Literaturrecherche.

Dazu kommt ein Übungsdossier mit konkreten Beispielen. Es zeigt, wie sich somatische Verfahren entlang der Modellkomponenten tatsächlich einbinden lassen — die Arbeit bleibt also nicht bei der Einordnung stehen.

Für wen ist das brauchbar?

Für alle, die überlegen, ein weiteres körperorientiertes Verfahren in die eigene Arbeit zu holen. Statt sich durch die Literatur dreier Schulen zu arbeiten, findet man hier die Vorarbeit — mit der Passung zum eigenen Modell bereits geprüft.

Mit 253 Seiten ist es die umfangreichste Arbeit dieser Sammlung und als Nachschlagewerk angelegt.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Es handelt sich um eine theoriegeleitete Analyse auf Basis einer systematischen Literaturrecherche — ohne eigene empirische Erhebung. Das Übungsdossier ist ein begründeter Vorschlag, keine erprobte Intervention.

Was die Arbeit also zeigt, ist Anschlussfähigkeit: dass sich die drei Verfahren theoretisch stimmig mit dem Modell verbinden lassen. Ob die vorgeschlagenen Übungen in der Praxis wirken, müsste geprüft werden.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 253 Seiten. Sie enthält die theoretischen Grundlagen der drei Verfahren, ihre systematische Einordnung entlang der vier Komponenten des Modells Sexocorporel sowie das vollständige Übungsdossier für die Praxis.

Abstract der Arbeit

Die Sexualtherapie steht zunehmend vor der Herausforderung, körperliche und psychische Prozesse integrativ zu behandeln. Körperorientierte Ansätze gewinnen hierbei an Bedeutung, da sie auf physischer Ebene ansetzen und emotionale sowie sexuelle Blockaden adressieren können. Ziel dieser Arbeit ist es, die Eignung und das Potenzial ausgewählter körperorientierter Ansätze – Tanztherapie, Achtsamkeitspraxis und Bioenergetik – für den Einsatz in der sexualtherapeutischen Praxis zu untersuchen. Das theoretische Fundament bildet das Sexocorporel-Modell von Jean-Yves Desjardins, in dessen Rahmen die genannten Methoden eingeordnet und analysiert werden. Die Analyse erfolgt entlang der vier Komponenten des Modells – physiologisch, sexodynamisch, kognitiv und beziehungsdynamisch. Methodisch basiert die Arbeit auf einer systematischen Literaturrecherche. Die ausgewählten körperorientierten Ansätze werden hinsichtlich ihrer theoretischen Grundlagen, Anwendungsmöglichkeiten und Passung zum Sexocorporel-Modell untersucht. Ergänzend werden exemplarische Übungen in einem Übungsdossier vorgestellt, das praktische Anwendungsideen für die sexualtherapeutische Arbeit liefert. Die Arbeit verfolgt das Ziel, eine fundierte, theoretisch und praktisch anschlussfähige Grundlage für die Integration körperorientierter Ansätze in die Sexualtherapie zu schaffen. Sie richtet sich an Fachpersonen, die ihr Verständnis für körperbasierte Ansätze vertiefen und ihre sexualtherapeutische Praxis erweitern möchten.

Patricia Zoller, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Die Integration körperorientierter Ansätze in die Sexualtherapie nach dem Sexocorporel-Modell

Verfasst von
Patricia Zoller

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Körperarbeit · Sexualtherapie · Recht & Ethik · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Patricia Zoller: «Die Integration körperorientierter Ansätze in die Sexualtherapie nach dem Sexocorporel-Modell». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

«Die goldene Mitte» – ein Workshop zu den Wechseljahren

Monika Nänni untersucht in der Masterarbeit «‹Die goldene Mitte› – ein Workshop zu den Wechseljahren» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Wie Frauen die Wechseljahre erleben, hängt nicht nur an den Hormonen. Die Selbstakzeptanz und die Einstellung zu dieser Lebensphase lassen sich beeinflussen — und beide wirken darauf, wie stark die Symptome belasten. Diese Arbeit hat daraus ein dreiteiliges Bildungsprogramm gebaut, es mit elf Frauen durchgeführt und ausgewertet, was sich verändert hat.

Was wollen Frauen in den Wechseljahren wissen?

Vor dem Programm wurden die elf Teilnehmerinnen nach ihren Erwartungen gefragt. Acht wollten schlicht mehr über die Wechseljahre erfahren — um gewappnet zu sein, oder um mit Mythen aufzuräumen.

Sechs wünschten sich den Austausch mit anderen Frauen und wollten wissen, wie es diesen ergeht. Je drei interessierten sich für Methoden zur Bewältigung der Symptome und für den medizinischen Hintergrund und die Hormone. Je eine wollte wissen, was von dieser Lebensphase zu erwarten sei und wie gesundes Altern geht.

Diese Verteilung ist selbst ein Ergebnis: Der grösste Bedarf liegt bei Wissen und Austausch, nicht bei Therapie.

Wie ist das Programm aufgebaut?

Die dreiteilige Workshopreihe «Die goldene Mitte» verbindet biomedizinisches und psychosoziales Wissen mit Achtsamkeitstraining und körperorientierten Methoden.

Konkret heisst das: stille Atemmeditation zum Ankommen, Bewegungs- und Aufwärmspiele, Reflexion über das bisher Geleistete und darüber, was in die neue Lebensphase mitgenommen und was zurückgelassen werden soll. Eine gemeinsam gefüllte «Schatzkiste» sammelt Ideen zur Selbstfürsorge für Zeiten der Erschöpfung. Zum Abschluss schreiben die Frauen einander Komplimente.

Eine der wirksamsten Übungen war die einfachste: den eigenen nackten Körper im Spiegel betrachten.

Was hat sich verändert?

Die Auswertung erfolgte über Fragebogen vor und nach der Reihe sowie eine Gruppendiskussion — und sie unterscheidet sorgfältig, was sich bewegt hat und was nicht.

Verändert hat sich die Selbstakzeptanz: höhere Zufriedenheit mit sich selbst, mehr Achtung vor der eigenen Person, eine wohlwollendere Haltung. Über den Zugang der Achtsamkeit wurde der eigene Körper weniger bewertet. Nebenbei entstand ein praktischer Nutzen — wer Körperempfindungen bewusster wahrnimmt, erkennt und ordnet Symptome besser ein.

Nicht verändert hat sich die Akzeptanz des eigenen Aussehens: Sämtliche Teilnehmerinnen bewerteten sie vorher und nachher gleich. Die Autorin nennt drei mögliche Gründe und behauptet keinen Erfolg, wo keiner messbar war.

Bei der Einstellung zu den Wechseljahren fällt das Ergebnis deutlicher aus. Die Frauen kommen nachweislich besser mit dieser Lebensphase zurecht, bewerten das Gefühl einer Frau in der Perimenopause als wertvoller und attraktiver und fühlen sich durch den Wissenszuwachs gelassener — vor allem, weil sie den Symptomen nicht mehr hilflos ausgeliefert sind.

Was war den Teilnehmerinnen am wichtigsten?

Nicht das Wissen, sondern die anderen Frauen. Sieben von elf nannten den Austausch als besonders wertvoll. Eine fasste es so zusammen: mit dem Thema nicht mehr alleine zu sein.

Ebenso viele empfanden die Wissensvermittlung als sehr informativ, sechs lobten die Mischung der Inhalte. Für alle, die selbst ein Angebot zu den Wechseljahren planen, ist das der wichtigste Hinweis: Der Gruppenraum ist nicht Beiwerk zum Inhalt, er ist ein Teil davon.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Elf Teilnehmerinnen, kein Kontrollgruppendesign, Erhebung über selbst ausgefüllte Fragebogen und eine Gruppendiskussion — durchgeführt und ausgewertet von derselben Person, die das Programm entwickelt hat.

Die Arbeit geht damit offen um und benennt ihre Grenzen in einem eigenen Kapitel. Was sie liefert, ist ein vollständig dokumentiertes, erprobtes Konzept samt Rückmeldungen — nicht der Wirksamkeitsnachweis einer Methode.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 158 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zur Perimenopause aus medizinischer und psychosozialer Sicht, das ausgearbeitete Workshop-Konzept mit vollständigem Ablaufplan und Quellenangaben zu jeder Übung sowie die komplette Auswertung.

Abstract der Arbeit

Die Perimenopause ist ein komplexes Phänomen. Neben hormonellen Veränderun- gen wirken sich auch psychosoziale und kulturelle Einflüsse auf das Erleben der Wechseljahre und die Sexualität aus. Die vorliegende Masterarbeit untersucht, wel- chen Anforderungen ein Angebot sexueller Bildung entsprechen muss, um Frauen während den Wechseljahren in ihrem psychosozialen Wohlbefinden zu unterstüt- zen. Aus der Forschung zeigen sich die Selbstakzeptanz und die Einstellung ge- genüber den Wechseljahren als beeinflussbare Faktoren, die einen positiven Ein- fluss auf das Erleben der Perimenopause und den Umgang mit Symptomen ausü- ben können. In der Konzeption der 3-teiligen Workshopreihe «Die goldene Mitte» wird die Selbstakzeptanz gestärkt durch die Vermittlung von biomedizinischem, wie auch psychosozialem Wissen, Achtsamkeitstraining und körperorientierten Metho- den. Die Verarbeitung von Erfahrungen auf der kognitiven, emotionalen und sozia- len Ebene sowie der Austausch mit anderen Frauen und das Erkennen eigener Ressourcen verbessern die Einstellung gegenüber den Wechseljahren und gegen- über dem Altern. Das Bildungsprogramm wird mit elf perimenopausalen Frauen durchgeführt und mittels Pre- und Post-Fragebogen sowie einer Gruppendiskussion ausgewertet. Die Evaluation der schriftlichen Rückmeldungen und die Ergebnisse der qualitativen Inhaltsanalyse zeigen, dass sich sowohl die Selbstakzeptanz als auch die Einstellung gegenüber den Wechseljahren bei den Teilnehmerinnen posi- tiv verändert haben. Damit stellt das sexuelle Bildungsprogramm «Die goldene Mitte» eine wirksame Massnahme zur Förderung der sexuellen Gesundheit von Frauen in der Perimenopause dar.

Monika Nänni, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
«Die goldene Mitte» – ein Workshop zu den Wechseljahren. Der Einfluss gezielter sexueller Bildung auf die Selbstakzeptanz von Frauen in der Perimenopause und ihre Einstellung dazu

Verfasst von
Monika Nänni

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Wechseljahre · Körperarbeit · Verhütung

Lizenz und Nachweis. Monika Nänni: «‹Die goldene Mitte› – ein Workshop zu den Wechseljahren. Der Einfluss gezielter sexueller Bildung auf die Selbstakzeptanz von Frauen in der Perimenopause und ihre Einstellung dazu». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Körperübungen im Kontext sexueller Gesundheit

Patrizia Weibel untersucht in der Masterarbeit «Körperübungen im Kontext sexueller Gesundheit» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Die Eidgenössische Kommission für sexuelle Gesundheit fordert niederschwellige Bildungsangebote. Diese Arbeit hat eines entwickelt und geprüft: sechs Wochen auditiv angeleitete Körperübungen, zuhause durchführbar, ohne Termin und ohne Gruppe.

Was wurde untersucht?

Die Wirkung einer sechswöchigen, internetbasierten Intervention mit auditiv angeleiteten Körperübungen nach dem Modell Sexocorporel — auf die genitale Wahrnehmung von Menschen mit Vulvina.

Erfasst wurde diese Wahrnehmung dreifach: als genitale Gedanken, genitale Gefühle und genitale Empfindungen. Diese Unterteilung ist der methodische Kern, weil sie unterscheidet, was sich verändert.

Acht Personen führten die Übungen durch und gaben Einblick in ihre sexuellen Kompetenzen und Erfahrungen.

Was hat sich verändert?

Die Intervention hat die genitale Wahrnehmung in allen drei Bereichen beeinflusst — und zwar in eine bestimmte Richtung: hin zur Erotisierung des Gefühls der Verbindung mit dem sexuellen Körper.

Das ist präziser formuliert als «es hat geholfen». Es geht nicht darum, dass die Teilnehmenden mehr empfinden, sondern dass sich ihr Verhältnis zum eigenen Genital verschiebt.

Der Ausgangspunkt der Arbeit macht deutlich, warum das zählt: Erst wenn Menschen ihre genitale Ausstattung im eigenen Körper verorten und Sinnesreize dort differenziert wahrnehmen können, lässt sich Sexualität selbstbestimmt gestalten.

Warum ist das Format wichtig?

Weil es die Hürde senkt. Die Intervention eignet sich nach dieser Arbeit grundsätzlich als niederschwelliges sexuelles Bildungsangebot und kann damit zu den Forderungen der Eidgenössischen Kommission für sexuelle Gesundheit beitragen.

Auditiv angeleitet heisst: Man hört zu und macht mit. Es braucht keinen Raum, keine Gruppe und keine Anmeldung — nur Zeit und Bereitschaft.

Die Autorin fasst ihren Schluss knapp: Wer seine sexuellen Kompetenzen weiterentwickeln will, für den lohnt sich eine Investition in die Erweiterung der genitalen Wahrnehmung.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Acht Interventionspersonen ohne Kontrollgruppe. Die Arbeit leistet einen Beitrag zu einer, wie sie selbst schreibt, dürftigen Studienlage — sie schliesst sie nicht.

Wer sich freiwillig für sechs Wochen tägliche Körperübungen meldet, bringt bereits Motivation mit. Die beobachtete Veränderung ist also eine unter günstigen Bedingungen.

Diese Arbeit ist zudem eine der wenigen der Sammlung ohne Abstract; sie beginnt direkt mit der Einleitung. Die Angaben stützen sich deshalb auf Fazit und Fragestellung.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 125 Seiten. Sie enthält die theoretischen Grundlagen zu sexueller Gesundheit und körperorientierter sexueller Bildung, die Systematik der genitalen Wahrnehmung, die vollständige Intervention sowie deren Auswertung.

Die Fragestellung

Die Arbeit geht diesen Fragen nach:

  • Welches sind die Merkmale zentraler Begriffe dieser Arbeit und in welchem Zusammenhang stehen sie zueinander?
  • Wie sind die Proportionen der Tonfigur?
  • Wie vollständig ist die Tonfigur?

Methodisches Vorgehen

Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturrecherche. Der Volltext umfasst 125 Seiten.

Angaben zur Arbeit

Titel
Körperübungen im Kontext sexueller Gesundheit : Wirkungen spezifischer Körperübungen im Kontext des Modell Sexocorporel mit dem Fokus auf die Veränderung der genitalen Wahrnehmung von Menschen mit Vulvina

Verfasst von
Patrizia Weibel

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Körperarbeit · Körperbild · Digitale Medien

Lizenz und Nachweis. Patrizia Weibel: «Körperübungen im Kontext sexueller Gesundheit : Wirkungen spezifischer Körperübungen im Kontext des Modell Sexocorporel mit dem Fokus auf die Veränderung der genitalen Wahrnehmung von Menschen mit Vulvina». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Sexologische Arbeit mit Sexualstraftätern

Olivia Zurlinden untersucht in der Masterarbeit «Sexologische Arbeit mit Sexualstraftätern» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Im Schweizer Massnahmenvollzug werden Sexualstraftäter deliktorientiert behandelt: Im Zentrum steht die Tat und ihre Vermeidung. Diese Arbeit prüft, ob sich daneben körperorientiert nach dem Modell Sexocorporel arbeiten liesse — und ist bei der entscheidenden Frage ehrlich.

Lassen sich die beiden Zugänge verbinden?

Ja. Das ist der klarste Befund der Arbeit, und er ergab sich schon aus dem Material: Bei der Bildung der Kategorien für die Auswertung zeigte sich, dass sich die beiden Bereiche in den Interviews bereits überschneiden und ineinander verflechten.

Befragt wurden vier Fachpersonen mit unterschiedlichen Schwerpunkten — eine rein deliktorientiert, zwei mit beiden Zugängen, eine mit Sexocorporel. Diese Zusammensetzung erlaubt den Vergleich.

Die Diskussion bestätigt, was die Kategorienbildung nahelegte: Die theoretischen Grundlagen beider Modelle lassen sich gut miteinander in Verbindung bringen.

Senkt das die Rückfallgefahr?

Diese Frage kann die Arbeit nicht beantworten, und sie sagt das ausdrücklich. Ob sich die Einbindung sexologischer Arbeit auf das individuelle Rückfallrisiko auswirkt, lässt sich mit vier qualitativen Interviews nicht klären.

Was sie sagen kann, ist etwas anderes: Die Arbeit nach Sexocorporel trägt dazu bei, dass sich Vergewaltiger und Pädosexuelle auf eine neue Art mit sich auseinandersetzen — unter Einbezug ihres Körpers und vertieft mit der Logik ihres sexuellen Systems. Das fördert das Verständnis für die eigene Funktionalität.

Bedarf und Bedeutung einer solchen Ergänzung sieht die Arbeit damit als gegeben an. Den Wirksamkeitsnachweis behauptet sie nicht.

Warum könnte es trotzdem etwas bringen?

Die Autorin nennt einen Grund, der aus ihrer eigenen Erfahrung stammt: Auch wenn in der Theorie der Deliktorientierung und in ihrer therapeutischen Umsetzung von Ressourcenorientierung die Rede ist, bleibt der Ansatz in der Praxis eher defizitorientiert.

Das Modell Sexocorporel setzt umgekehrt bei sexueller Gesundheit an. In einem Setting, in dem Menschen eine gesetzlich auferlegte Therapie durchlaufen, kann diese Ausrichtung motivierend wirken — nicht als Milde, sondern als Bedingung dafür, dass jemand überhaupt mitarbeitet.

Damit ist die Arbeit eine der wenigen, die den Ansatz in einen Zwangskontext übersetzen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier Leitfadeninterviews mit Fachpersonen, ausgewertet nach Mayring. Befragt wurden Behandelnde, nicht Behandelte — was bei dieser Zielgruppe naheliegt, aber eine ganze Perspektive auslässt.

Die Arbeit ist als Machbarkeitsprüfung angelegt und hält ihre Reichweite ein. Sie zeigt, dass sich zwei Modelle verbinden lassen und dass Fachpersonen darin Sinn sehen. Was das im Vollzug bewirken würde, müsste eine andere Untersuchung zeigen.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 130 Seiten. Sie enthält die Grundlagen des Modells Sexocorporel, Definitionen und Erklärungsansätze zu den beiden untersuchten dissexuellen Verhaltensweisen, die theoretischen Hintergründe deliktorientierter Behandlung sowie die vollständige Auswertung der vier Interviews.

Abstract der Arbeit

In der vorliegenden Masterarbeit wird aufgezeigt, inwiefern männliche Sexualstraftäter (Pädose- xuelle und Vergewaltiger) zusätzlich zur deliktorientierten Straftäterbehandlung im Schweizer Massnahmenvollzug sexologisch anhand des Modells Sexocorporel behandelt werden können. Auf Grundlage relevanter Bezüge zum Modell Sexocorporel, Definitionen und Erklärungsansätze der beiden fokussierten dissexuellen Verhaltensweisen sowie theoretischer Hintergründe delikt- orientierter Sexualstraftäterbehandlung wurde eine qualitative Forschung anhand von Interviews mit einer Expertin und drei Experten durchgeführt. Somit wurden Bedarf, Bedeutung sowie Um- setzungsmöglichkeiten sexologischer Arbeit nach Sexocorporel im Massnahmenvollzug eruiert und in der Diskussion mit dem theoretischen Bezugsrahmen in Verbindung gesetzt. Die Master- arbeit zeigt auf, dass die theoretischen Grundlagen der beiden Modelle Sexocorporel und Delik- torientierung gut miteinander verbunden werden können und dass körperorientierte Behandlung nach dem Modell Sexocorporel ebenfalls deliktrelevante Persönlichkeitsmerkmale von Sexual- straftätern bearbeitet. Der Einbezug der ressourcenorientierten Sichtweise des Modells Sexocor- porel mit Ziel sexueller Gesundheit kann zudem motivationsfördernd auf die sich in gesetzlich auferlegten Therapien befindenden Sexualstraftäter wirken. Die Einbettung sexologischer Arbeit nach Sexocorporel in die bisherige deliktorientierte Behandlung von Vergewaltigern und Pädose- xuellen ist unter Voraussetzung von deren Tateinsicht und Willen zur Auseinandersetzung und Veränderung ihrer Sexualität möglich. Die über den Körper herbeigeführte Veränderung der Se- xualität, welche Kognitionen und Emotionen beeinflusst, basiert dabei auf dem Verständnis der Logik des eigenen sexuellen Systems des Sexualstraftäters unter Berücksichtigung des Ziels der Rückfallrisikosenkung.

Olivia Zurlinden, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexologische Arbeit mit Sexualstraftätern : Bedarf und Bedeutung sowie Umsetzungsmöglichkeiten sexologischer Arbeit nach Sexocorporel mit Sexualstraftätern im Massnahmenvollzug

Verfasst von
Olivia Zurlinden

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Sexualisierte Gewalt · Institutionelle Begleitung · Körperarbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Olivia Zurlinden: «Sexologische Arbeit mit Sexualstraftätern : Bedarf und Bedeutung sowie Umsetzungsmöglichkeiten sexologischer Arbeit nach Sexocorporel mit Sexualstraftätern im Massnahmenvollzug». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA3 Masterarbeit

Das sexuelle Begehren junger Frauen und ihr sexuelles Selbst

Lea Eugster untersucht in der Masterarbeit «Das sexuelle Begehren junger Frauen und ihr sexuelles Selbst» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

«Ich hätte gern mehr Lust» ist ein häufiger Wunsch junger Frauen und ein schwieriger, weil Verlangen sich nicht herstellen lässt. Diese Arbeit hat einen Gruppenkurs entwickelt, durchgeführt und danach die Teilnehmerinnen befragt, was gewirkt hat.

Was war das für ein Kurs?

Ein körperorientiertes Gruppenangebot auf Grundlage ausgewählter Behandlungsansätze und des Modells Sexocorporel — entwickelt für junge Frauen, die sich mehr sexuelles Begehren wünschen.

Die Bestandteile sind konkret: Wissensvermittlung, Imaginationsreisen, Musik-, Bewegungs- und Reflexionssequenzen. Nach dem Kurs befragte die Autorin vier Teilnehmerinnen zwischen 29 und 32 Jahren.

Der Ansatz ist ausdrücklich ressourcenorientiert. Es geht nicht darum, einen Mangel zu beheben, sondern darum, Zugänge zu öffnen.

Was hat gewirkt?

Der Kurs kann nach diesen Ergebnissen ein ressourcenorientierter und Neugier weckender Weg sein, um das sexuelle Selbst und das sexuelle Begehren junger Frauen zu stärken.

Besonders hervor hebt die Arbeit zwei Elemente: den Einsatz von Musik und Bewegung als Reiz und als Rahmen. Beides schafft einen Kontext, in dem sich etwas einstellen kann — statt es zu fordern.

Der zweite Befund betrifft die Haltung. Für junge Frauen mit dem Wunsch nach stärkerem Begehren kann es entscheidend sein, sich überhaupt als sexuelle Wesen zu sehen und zu erkunden. Erst dann lassen sich eigene Bedürfnisse selbstbestimmt anerkennen und erfüllen.

Was heisst das für die Praxis?

Wer mit jungen Frauen zum Thema Begehren arbeitet, findet hier ein durchgerechnetes und erprobtes Gruppenkonzept — samt der Rückmeldung, welche Elemente die Teilnehmerinnen als wirksam beschrieben haben.

Der Gruppenrahmen ist dabei kein Sparmodell gegenüber der Einzelberatung. Er ermöglicht etwas, das einzeln schwer herzustellen ist: die Erfahrung, mit diesem Wunsch nicht allein zu sein.

Das deckt sich mit anderen Arbeiten dieser Sammlung, in denen der Austausch unter Teilnehmerinnen als wertvollstes Element genannt wurde.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier qualitative Interviews nach dem Kurs, ausgewertet nach Mayring. Befragt wurden ausschliesslich Teilnehmerinnen, die den Kurs absolviert haben — wer abgebrochen hat oder gar nicht erst kam, fehlt.

Kurs und Befragung stammen zudem von derselben Person. Das ist bei einer Konzeptarbeit üblich, färbt aber auf die Rückmeldungen ab. Was die Arbeit belegt, ist die Machbarkeit und die Resonanz — nicht die Wirksamkeit im Vergleich zu einem anderen Vorgehen.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 136 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu sexuellem Begehren und sexuellem Selbst mit Fokus auf junge Frauen, das vollständige Kurskonzept sowie die Auswertung der vier Interviews.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit legt den Forschungsstand zum sexuellen Begehren und dem sexuellen Selbst mit Fokus auf junge Frauen dar. Auf der Basis ausgewählter Behandlungsansätze und des sexualwissenschaftlichen Modells Sexocorporel wird anhand eines körperorientierten Kurskonzeptes aufgezeigt, wie eine entsprechende Gruppenbegleitung junger Frauen, die sich mehr sexuelles Begehren wünschen, aussehen kann. Nach Absolvieren des Kurses wird mittels qualitativer Interviews mit vier Kursteilnehmerinnen zwischen 29 und 32 Jahren die Zusammenhänge zwischen dem sexuellen Begehren und dem sexuellen Selbst untersucht. Die Erkenntnisse zeigen, dass die körperorientierte Auseinandersetzung mit dem sexuellen Selbst – basierend auf Wissensvermittlung, Imaginationsreisen, Musik-, Bewegungs- und Reflexionssequenzen – junge Frauen in ihrem Wunsch nach mehr sexuellem Begehren ressourcenorientiert unterstützen kann.

Lea Eugster, Abstract der Masterarbeit, 2022

Angaben zur Arbeit

Titel
Das sexuelle Begehren junger Frauen und ihr sexuelles Selbst : Eine qualitative Untersuchung der Zusammenhänge zwischen dem sexuellen Begehren und dem sexuellen Selbst junger Frauen nach Absolvieren eines körperorientierten Gruppenkurses auf der Basis ausgewählter Behandlungsansätze und des sexualwissenschaftlichen Modells Sexocorporel

Verfasst von
Lea Eugster

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3

Jahr
2022

Themen
Sexuelles Verlangen · Körperarbeit · Soziale Arbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Lea Eugster: «Das sexuelle Begehren junger Frauen und ihr sexuelles Selbst : Eine qualitative Untersuchung der Zusammenhänge zwischen dem sexuellen Begehren und dem sexuellen Selbst junger Frauen nach Absolvieren eines körperorientierten Gruppenkurses auf der Basis ausgewählter Behandlungsansätze und des sexualwissenschaftlichen Modells Sexocorporel». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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