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MA2 Masterarbeit

Bildung zur sexuellen Gesundheit im schulischen Kontext in der Innerschweiz

Natalie Blaser untersucht in der Masterarbeit «Bildung zur sexuellen Gesundheit im schulischen Kontext in der Innerschweiz» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Schulische Sexualerziehung ist ein gesetzlicher Bildungsauftrag — umgesetzt wird er sehr unterschiedlich. Diese Arbeit fragt nicht die Schulen, sondern die Jugendlichen der Innerschweiz. Das Bild, das dabei entsteht, nennt die Autorin selbst bedenklich.

Was bekommen Jugendliche vermittelt?

Oberflächliches Wissen. Auf die Anliegen der Jugendlichen wird kaum eingegangen. Das ist der Befund, den die Interviews mit Jugendlichen aus der Innerschweiz ergeben.

Gewünscht werden dagegen konkrete Themen — genannt werden unter anderem sexuelle Gewalt und Beziehung. Also genau die Bereiche, die über Biologie hinausgehen und im Unterricht am ehesten ausgespart bleiben.

Die Gründe für die uneinheitliche Umsetzung sind bekannt: die fehlende Verankerung in den Lehrplänen, die persönlichen Einstellungen der Lehrpersonen und die Vorgaben der Institution.

Was schlägt die Arbeit vor?

Zwei Handlungsempfehlungen, die beide praktisch umsetzbar sind.

Erstens: Jugendliche sollen bei der Gestaltung des Unterrichts ein Mitspracherecht haben. Das heisst, sie werden aktiv nach Wünschen, Bedürfnissen und Interessen befragt — anonym, etwa schriftlich oder über eine Online-Plattform. Die Antworten werden ausgewertet und in den Unterricht eingebaut.

Zweitens: Lehrpersonen sollen externe Hilfe beiziehen können. Es sollte für die Schule selbstverständlich sein, dass für die Sexualpädagogik externe Fachpersonen zu Rate gezogen werden — und Lehrpersonen sollten ausdrücklich ermutigt werden, das bei Unsicherheit zu tun.

Aus beidem ergibt sich das Kooperationsmodell, das die Arbeit als erstrebenswert beschreibt.

Warum lohnt sich das?

Weil eine frühe und umfangreiche Sexualerziehung gute Rahmenbedingungen schafft, um die Entwicklungsaufgaben des Kindes- und Jugendalters zu bewältigen und einen verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität zu lernen.

Voraussetzung dafür ist eine altersgerechte und fachlich korrekte sexuelle Bildung, die den Bedürfnissen der Zielgruppe entspricht. Genau daran hakt es — nicht am guten Willen, sondern an der Passung.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Qualitative Interviews mit Jugendlichen aus der Innerschweiz, eingeordnet in den Forschungsstand und in die Entwicklungsaufgaben des Jugendalters. Die Zahl der Befragten ist klein, und sie stammen aus einer Region.

Der Wert liegt in der Perspektive. Über schulische Sexualerziehung wird meist mit Lehrpersonen, Schulleitungen und Eltern gesprochen. Hier kommen diejenigen zu Wort, um die es geht.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 83 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zur schulischen Sexualerziehung, die Einordnung in die Entwicklungsaufgaben des Jugendalters, die vollständige Auswertung der Interviews sowie die abgeleiteten Handlungsempfehlungen.

Abstract der Arbeit

Nicht nur die Eltern leisten als primäre Sozialisationsinstanz einen wesentlichen Beitrag zur Sexualerziehung, sondern auch die Instanz Schule übernimmt eine wichtige Funktion zur Förderung und Erhaltung der sexuellen Gesundheit im Kindes- und Jugendalter. Dieser gesetzliche Bildungsauftrag wird jedoch nicht überall gleichermassen umgesetzt, was häufig auf die fehlende Verankerung in den Lehrplänen, wie auch auf persönliche Einstellungen der Lehrpersonen oder Vorgaben der Institution zurückzuführen ist. Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, die Bedürfnisse der Jugendlichen bezüglich Schulischer Sexualerziehung aufzuzeigen und diese anhand von bisheriger Forschungsliteratur sowie Ergebnissen aus qualitativen Interviews mit Jugendlichen aus der Innerschweiz in einen Zusammenhang mit den Entwicklungsaufgaben des Jugendalters zu stellen. Dabei wird ein genaueres Augenmerk zu sexuellen Themen im Unterricht gelegt. Bezüglich der Umsetzung der Schulischen Sexualerziehung in der Innerschweiz zeichnet sich ein bedenkliches Bild ab, da den Jugendlichen nur oberflächliches Wissen zu Sexualität vermittelt und auf ihre Bedürfnisse zu sexuellen Inhalten kaum eingegangen wird. Die Heranwachsenden wünschen sich hingegen vermehrt Informationen zu spezifischen Themen wie beispielsweise «Sexuelle Gewalt» oder «Beziehung». Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, bietet sich im schulischen Kontext das erstrebenswerte Kooperationsmodell an, welches den Lehrpersonen durch externe Fachkräfte Unterstützung zu solch sensiblen Themen zusichert, wodurch auf die geäusserten Bedürfnisse der Jugendlichen besser eingegangen werden könnte.

Natalie Blaser, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Bildung zur sexuellen Gesundheit im schulischen Kontext in der Innerschweiz

Verfasst von
Natalie Blaser

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Jugendsexualität · Geschlecht & Identität · Sexualberatung

Lizenz und Nachweis. Natalie Blaser: «Bildung zur sexuellen Gesundheit im schulischen Kontext in der Innerschweiz». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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