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MA5 Masterarbeit

Das Kondom neu entdecken – Kondomnutzung durch Erotisierung

Salomé Savoy untersucht in der Masterarbeit «Das Kondom neu entdecken – Kondomnutzung durch Erotisierung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Kondome werden als Vernunftentscheidung beworben und damit gegen die Lust gestellt. Diese Arbeit dreht das um: Sie versucht, das Kondom zu erotisieren — und zeigt, dass schon kleine Veränderungen im Körpererleben spürbar wirken.

Was wurde gemacht?

Ein dreiwöchiges Online-Programm aus körperorientierten Übungen und gezielter Wissensvermittlung. Ziel war, die Wahrnehmung sexueller Erregung zu intensivieren und eine erotisch besetzte Haltung gegenüber der Kondomnutzung zu fördern.

Die Arbeit verortet sich im Feld der niederschwelligen körperorientierten sexuellen Bildung. Der theoretische Teil zeigt das Zusammenspiel von Körper und Psyche und stellt somatische Achtsamkeit sowie bewusste Körperwahrnehmung in den Zusammenhang der sexuellen Gesundheit.

Erhoben wurde über einen Vorher-Nachher-Vergleich und schriftliche Reflexionen der Teilnehmenden während der Interventionswochen, ausgewertet über eine qualitative Inhaltsanalyse.

Was hat es gebracht?

Die Ergebnisse zeigen eine gesteigerte Sinneswahrnehmung, ein intensiveres lustvolles Erleben und eine erleichterte Integration des Kondoms ins Sexualleben.

Die bewusste Auseinandersetzung mit somatischer Achtsamkeit und genitaler Sensibilisierung kann also die Wahrnehmung von Lust vertiefen und ablehnende Haltungen gegenüber dem Kondom positiv beeinflussen.

Bemerkenswert ist ein Detail: Schon kleine Veränderungen im Körpererleben hatten für die Teilnehmenden spürbare Effekte auf die sexuelle Erfahrung. Es braucht keinen grossen Eingriff.

Warum ist der Ansatz besonders?

Weil das Programm nicht nur den Schutzaspekt in den Mittelpunkt stellt, sondern das lustvolle Erleben. Damit steht es im Einklang mit dem Verständnis sexueller Gesundheit, wie es die Weltgesundheitsorganisation formuliert.

Für die Präventionsarbeit ist das ein Richtungswechsel. Statt über Risiken aufzuklären und auf Einsicht zu hoffen, wird an der Wahrnehmung gearbeitet — dort, wo die Ablehnung tatsächlich entsteht.

Wer Präventionsangebote gestaltet, findet hier ein durchgeführtes und ausgewertetes Beispiel.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Ein dreiwöchiges Programm mit einer kleinen Gruppe, ohne Kontrollgruppe, ausgewertet über Selbstauskünfte. Das erlaubt keine Wirksamkeitsaussage im klinischen Sinn.

Die Teilnehmenden haben sich zudem freiwillig für ein Programm zur Kondomnutzung gemeldet — die ablehnende Haltung, die verändert werden sollte, war bei ihnen vermutlich weniger verfestigt als bei jenen, die man erreichen müsste.

Mit 67 Seiten ist es eine der kürzesten Arbeiten der Sammlung.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 67 Seiten. Sie enthält die theoretischen Grundlagen zu Körper, Psyche und somatischer Achtsamkeit, das vollständige dreiwöchige Online-Programm sowie die Auswertung des Vorher-Nachher-Vergleichs und der schriftlichen Reflexionen.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit verortet sich im Feld der niederschwelligen körperorientierten sexuellen Bildung als Teilbereich der Sexologie. Sie umfasst einen theoretisch- konzeptionellen sowie einen praktischen Teil. Im theoretischen Teil werden zentrale Aspekte des Zusammenspiels von Körper und Psyche aufgezeigt, sowie die Bedeutung von somatischer Achtsamkeit und die bewusste Körperwahrnehmung in den Kontext der sexuellen Gesundheit gestellt. Im praktischen Teil wurde ein dreiwöchiges Online-Programm entwickelt und umgesetzt, das auf körperorientierten Übungen und gezielte Wissensvermittlung basierte. Die Intervention hatte zum Ziel die Wahrnehmung sexueller Erregung zu intensivieren und eine positivere, erotisch konnotierte Haltung gegenüber der Verwendung von Kondomen zu fördern. Zur Datenerhebung wurden ein Prä-Post-Vergleich sowie schriftliche Reflexionen der Teilnehmenden während der Interventionswochen herangezogen und mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass die Intervention zu einer gesteigerten Sinneswahrnehmung, einem intensiveren lustvollen Erleben und einer erleichterten Integration des Kondoms in das Sexualleben führte. Damit wird verdeutlicht, dass körperorientierte Ansätze in der sexuellen Bildung einen relevanten Beitrag zur Förderung einer lustvollen und selbstbestimmten Sexualität leisten können. Um alle Personengruppen sprachlich einzuschliessen, wurde in dieser Arbeit eine diversitätssensible Sprache verwendet. Dies geschieht einerseits durch geschlechtsneutrale Sammelbegriffe (z. B. Teilnehmende) und andererseits durch die Verwendung des Gendersternchens (z. B. Proband*innen, Sexualberater* Sexualberaterinnen).

Salomé Savoy, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Das Kondom neu entdecken – Die Entwicklung und Evaluation eines Programms zur Förderung der Kondomnutzung bei Männern durch Erotisierung

Verfasst von
Salomé Savoy

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Verhütung · Jugendsexualität · Körperarbeit

Lizenz und Nachweis. Salomé Savoy: «Das Kondom neu entdecken – Die Entwicklung und Evaluation eines Programms zur Förderung der Kondomnutzung bei Männern durch Erotisierung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Die Kraft des Sexualkapitals

Aveline Voramwald untersucht in der Masterarbeit «Die Kraft des Sexualkapitals» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Attraktivität lässt sich in Vorteile umsetzen — im Beruf, in Beziehungen, in der Sichtbarkeit. Diese Arbeit prüft, ob sich das als eigene Kapitalform fassen lässt, und kommt zu einem Befund, der die Frage verschiebt: Was als begehrenswert gilt, ist nicht naturgegeben, sondern gemacht.

Was ist Sexualkapital?

Die Ausgangsfrage lautet, ob Sexualkapital eine eigenständige Kapitalform ist oder eine Erscheinungsform bestehender Arten wie des kulturellen oder symbolischen Kapitals.

Die Arbeit prüft das im Rahmen von Pierre Bourdieus Theorie sozialer Praxis und arbeitet dabei die Unterschiede zwischen Catherine Hakims Konzept des erotischen Kapitals und den Erweiterungen durch Kaplan und Illouz heraus.

Ihr Ergebnis: Das Konzept weist eine hohe theoretische Komplexität auf und ist in einem Spannungsfeld zwischen Macht, Körper, Begehren und sozialer Anerkennung verortet.

Warum ist das mehr als Theorie?

Weil daraus eine Aussage über soziale Ungleichheit folgt. Jene Merkmale, die als begehrenswert gelten, sind nicht naturgegeben, sondern gesellschaftlich konstruiert — geprägt durch Normen, symbolische Ordnungen und Ausschlussmechanismen.

Bourdieus Begriffe Habitus, Kapital und Feld erlauben es, diese Ungleichheiten als strukturell verankert zu begreifen statt als individuelles Versagen. Das ist der praktisch entlastende Teil der Analyse.

Besonders ambivalent ist die Sichtbarkeit. Sie ist Voraussetzung dafür, dass Sexualkapital überhaupt wirkt — und zugleich ein Mechanismus sozialer Kontrolle.

Wo stösst Bourdieu an Grenzen?

Bei Sexualität und Körper braucht seine Theorie nach dieser Arbeit Ergänzungen. Feministische und intersektionale Ansätze liefern sie: Sie erlauben, auch die Wirksamkeit von Normen und die Erfahrung von Mehrfachdiskriminierung zu erfassen.

Damit ist die Arbeit selbstkritisch gegenüber ihrem eigenen Werkzeug — sie prüft nicht nur ein Konzept an einer Theorie, sondern auch die Theorie an ihrem Gegenstand.

Die Ambivalenzen des Konzepts arbeitet sie ausdrücklich heraus, statt es entweder zu übernehmen oder zu verwerfen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine theoretische Arbeit mit kritischer Analyse der Fachliteratur, ohne eigene Erhebung. Sie ist eine der wenigen der Sammlung, die ohne empirischen Teil auskommt.

Ihre Aussagen sind Argumente, keine Messwerte. Wer wissen will, wie sexuelles Kapital in der Praxis eingesetzt wird, findet das in der Arbeit von Noomi Dürrenmatt über OnlyFans — die dieselben Theorien empirisch prüft.

Mit 62 Seiten ist es eine der kürzeren Arbeiten der Sammlung.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 62 Seiten. Sie enthält die Darstellung von Bourdieus Theorie sozialer Praxis, die Auseinandersetzung mit Hakim, Kaplan und Illouz sowie die kritische Analyse der Ambivalenzen und theoretischen Grenzen des Konzepts.

Die Fragestellung

Die Arbeit geht diesen Fragen nach:

  • Was ist Sexualkapital, und wie wurde es in der bisherigen Forschung konzipiert?
  • Wie lässt sich Sexualkapital im Verhältnis zu Bourdieus Kapitalarten positionieren?
  • Wie wirkt sich das Sexualkapital auf Habitus und soziale Positionierung aus?

Methodisches Vorgehen

Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturrecherche. Der Volltext umfasst 62 Seiten.

Abstract der Arbeit

In der vorliegenden Masterarbeit wird das Konzept des Sexualkapitals im Kontext von Pierre Bourdieus Theorie sozialer Praxis untersucht. Ausgangspunkt der Untersuchung ist die Frage, ob Sexualkapital als eigenständige Kapitalform betrachtet werden kann oder eine Erscheinungsform bestehender Kapitalarten, wie kulturelles oder symbolisches Kapital darstellt. Auf theoretischer Grundlage werden Konzepte Bourdieus mit aktuellen Debatten um körperliche Attraktivität, Geschlecht, Sexualität, Sichtbarkeit und soziale Machtverhältnisse verknüpft. In diesem Zusammenhang ist insbesondere die Unterscheidung zwischen Catherine Hakims Konzept des ‘erotischen Kapitals’ und den Erweiterungen durch Kaplan und Illouz hervorzuheben. Durch eine kritische Analyse der Fachliteratur wird erkennbar, dass das Konzept des Sexualkapitals nicht neutral verfügbar ist, sondern durch hegemoniale Normen, symbolische Ordnungen und soziale Felder strukturiert wird. Der Aspekt der Sichtbarkeit wirkt einerseits als zentrale Bedingung zur Wirksamkeit, andererseits stellt es ein Mechanismus sozialer Kontrolle dar. Die Arbeit reflektiert sowohl die Ressourcen und Potenziale als auch die Ambivalenzen des Konzepts und arbeitet dessen theoretische Grenzen heraus. Sie gelangt zu dem Schluss, dass Sexualkapital als eine feldabhängige, körpergebundene und symbolisch bewertete Ressource verstanden werden muss, deren soziale Wirkung feministisch und intersektional analysiert werden kann. Diese Perspektiven erweisen sich dabei als essenziell, um Körper, Begehren und Anerkennung im Rahmen sozialer Positionierung zu erfassen. This master's thesis examines the concept of sexual capital in the context of Pierre Bourdieu's theory of social practice. It explores whether sexual capital constitutes a distinct form or reflects existing types such as cultural or symbolic capital. Bourdieu's concepts are linked with debates on attractiveness, gender, sexuality, visibility, and power. A critical literature analysis reveals that sexual capital is shaped by hegemonic norms, symbolic orders, and social fields. Visibility emerges as a key condition for its effectiveness—and as a mechanism of control. The analysis highlights how sexual capital both opens opportunities and reproduces inequalities. The thesis argues that sexual capital must be understood as a field-dependent, body-bound, and symbolically valued resource. Feminist and intersectional perspectives are essential to grasp the body, desire, and recognition as factors of social positioning.

Aveline Voramwald, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Die Kraft des Sexualkapitals Wie das Sexualkapital Bourdieus Konzepte von Habitus und Kapitalstruktur erweitert

Verfasst von
Aveline Voramwald

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexarbeit · Sexuelles Verlangen · Jugendsexualität

Lizenz und Nachweis. Aveline Voramwald: «Die Kraft des Sexualkapitals Wie das Sexualkapital Bourdieus Konzepte von Habitus und Kapitalstruktur erweitert». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Sexuelle Bildung an Sonderschulen Typ C im Kanton Zürich

Milena Weilenmann untersucht in der Masterarbeit «Sexuelle Bildung an Sonderschulen Typ C im Kanton Zürich» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Der Lehrplan 21 ist seit dem Schuljahr 2018/19 verbindlich und enthält Kompetenzen zur sexuellen Bildung. An Sonderschulen des Typs C im Kanton Zürich kommt er in diesem Bereich kaum vor — weder in den Konzepten noch im Unterricht. Das ist der zentrale Befund dieser Untersuchung.

Wie ist die Lage?

Die Arbeit zeichnet ein Handlungsfeld, das von hoher Komplexität, institutioneller Eigenständigkeit und struktureller Uneinheitlichkeit geprägt ist.

Die Relevanz sexueller Bildung wird allgemein anerkannt. Systematisch im Curriculum verankert ist sie trotzdem nicht — das belegen sowohl die schriftliche Erhebung als auch die Interviews.

Viele Lehrpersonen handeln nach wie vor weitgehend situativ und ohne strukturelle Einbettung. Angesichts der Schutz- und Bildungsbedürfnisse dieser Schüler*innen bewertet die Arbeit das als herausfordernd — eine zurückhaltende Formulierung für ein Problem.

Wer ist zuständig?

Häufig niemand ausdrücklich. Nur wenige Schulen haben klare Rollenzuweisungen im Bereich der sexuellen Bildung vorgenommen.

Die Autorin verweist darauf, dass internationale Forschung zum selben Ergebnis kommt und ebenfalls fehlende Rollenzuweisungen benennt. Es handelt sich also nicht um eine Zürcher Besonderheit.

Die Folgen sind zweifach: Die uneinheitliche Rollenverteilung erschwert die nachhaltige Umsetzung, und sie wirkt sich auf die Qualität dessen aus, was tatsächlich stattfindet. Wo Zuständigkeit fehlt, hängt alles am Engagement Einzelner.

Was funktioniert trotzdem?

Die Arbeit belässt es nicht bei der Kritik. Sie hat Best-Practice-Beispiele identifiziert, die das Potenzial kreativer und praxisnaher Lösungsansätze zeigen.

Schwierig wird es besonders bei zwei Dingen: beim Umgang mit sensiblen Themen und bei der Auswahl geeigneter Materialien. Für eine Zielgruppe mit kognitiver Beeinträchtigung gibt es wenig passendes Material, und die vorhandenen Angebote sind selten auf diese Schulform zugeschnitten.

Für Schulleitungen, die vom Einzelengagement zu einem Konzept kommen wollen, ist die Arbeit damit eine brauchbare Grundlage — sie zeigt, wo anzusetzen wäre und was anderswo bereits gelingt.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Ein Mixed-Methods-Ansatz: eine schriftliche Befragung der Sonderschulen sowie acht vertiefende Interviews mit Fachpersonen aus Schul- und Bereichsleitung sowie Heil- und Sozialpädagogik, ausgewertet nach Mayring.

Die Kombination aus Breite und Tiefe ist für diese Fragestellung angemessen. Befragt wurden allerdings Fachpersonen, nicht Schüler*innen — wie sexuelle Bildung an diesen Schulen erlebt wird, bleibt offen.

Die Ergebnisse beziehen sich auf einen Schultyp in einem Kanton. Das ist eng gefasst, aber es macht die Aussagen präzise.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 120 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu sexueller Bildung bei kognitiver Beeinträchtigung, die Analyse der Lehrplan-21-Kompetenzen, die vollständige Auswertung von Befragung und Interviews sowie die identifizierten Best-Practice-Beispiele.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit untersucht die Umsetzung der sexuellen Bildung an Sonderschulen des Typs C im Kanton Zürich vor dem Hintergrund des Lehrplan 21. Ziel war es, zu analysieren, inwieweit und in welcher Form die sexuelle Bildung in sonderpädagogischen Institutionen strukturell verankert und praktisch umgesetzt wird. Dabei standen sowohl die curriculare Orientierung als auch Herausforderungen und Gelingensfaktoren im Fokus. Methodisch wurde ein Mixed-Methods-Ansatz verfolgt. Eine schriftliche Befragung der Sonderschulen sowie acht vertiefende Expert*inneninterviews mit Fachpersonen aus den Bereichen Schul- und Bereichsleitung, Heil- und Sozialpädagogik lieferten die Grundlage. Die qualitativen Daten wurden nach dem Verfahren der inhaltlich strukturierenden Inhaltsanalyse (Mayring, 2022) ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen eine grosse Heterogenität hinsichtlich der Um- setzung. Während an vielen Schulen engagierte Einzelinitiativen existieren, fehlt häufig eine systematische curriculare Einbettung, institutionalisierte Zuständigkeiten sowie ge- zielte Weiterbildungsangebote. Besonders im Umgang mit sensiblen Themen und der Ma- terialauswahl ergeben sich spezifische Herausforderungen. Zugleich wurden Best-Practice- Beispiele identifiziert, die auf das Potenzial kreativer und praxisnaher Lösungsansätze hin- weisen. Die Arbeit schliesst mit konkreten Handlungsempfehlungen zur strukturellen Ver- ankerung der sexuellen Bildung im sonderpädagogischen Setting sowie dem Aufruf, sexu- elle Bildung als gleichwertige Bildungsaufgabe in der Sonderpädagogik anzuerkennen und weiterzuentwickeln.

Milena Weilenmann, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexuelle Bildung an Sonderschulen Typ C im Kanton Zürich – Eine Evaluation der Umsetzung des Lehrplan 21

Verfasst von
Milena Weilenmann

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexualität & Behinderung · Jugendsexualität · Sexuelle Bildung

Lizenz und Nachweis. Milena Weilenmann: «Sexuelle Bildung an Sonderschulen Typ C im Kanton Zürich – Eine Evaluation der Umsetzung des Lehrplan 21». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Sexuelle Bildung als Allgemeingut im Kontext institutioneller schulischer Arbeit

Rahel Bühler untersucht in der Masterarbeit «Sexuelle Bildung als Allgemeingut im Kontext institutioneller schulischer Arbeit» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Sexualpädagogik in einer Stadtschule und in einer Landgemeinde sind zwei verschiedene Aufgaben. Diese Arbeit untersucht, was es in ländlichen Gemeinden der Deutschschweiz braucht — und liefert am Ende kein Plädoyer, sondern ein Vorgehensraster.

Wovon hängt es ab?

Vier Faktoren bestimmen nach dieser Untersuchung, ob Sexualpädagogik an einer Landschule gelingt: die Ausbildung und Kompetenz der Lehrpersonen, die Unterstützung und Akzeptanz durch die Eltern, die politischen Rahmenbedingungen und die Verfügbarkeit geeigneter Konzepte.

Als zentral erwiesen sich Einstellung und Engagement der Lehrpersonen. Wer gut ausgebildet und motiviert ist, kann entscheidend zu einer offenen Atmosphäre beitragen — und umgekehrt.

Das deckt sich mit anderen Arbeiten dieser Sammlung: Die Haltung der unterrichtenden Person wirkt stärker als der Lehrplan.

Welche Rolle spielen die Eltern?

Eine grössere, als in Konzepten meist vorgesehen ist. Die Ergebnisse zeigen, dass eine aktive und offene Kommunikation zwischen Schule und Elternhaus wesentlich ist, um Vorbehalte abzubauen.

Als hilfreiche Instrumente nennt die Arbeit Informationsveranstaltungen und Weiterbildungsangebote — also Formate, die Eltern nicht nur informieren, sondern einbeziehen.

Gerade in ländlichen Gemeinden, wo sich Widerstand schneller organisiert und Fachstellen weiter entfernt sind, ist dieser Punkt keine Nebensache.

Was müsste die Politik tun?

Klare Vorgaben und Leitlinien seitens der Bildungsbehörden erleichtern die Umsetzung, ebenso die Bereitstellung von Ressourcen und Fortbildungsangeboten für Lehrpersonen.

Die Arbeit belässt es nicht bei dieser Forderung. Sie entwickelt am Schluss ein Vorgehensraster für systemische Sexualpädagogik, mit dem eine ländliche Schule ein eigenes Konzept erarbeiten kann. Das ist der Teil, der über die Diagnose hinausgeht.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Ein qualitatives Untersuchungsdesign mit halbstrukturierten Interviews mit Fachpersonen und Schulakteur:innen. Dass mehrere Perspektiven auf dieselbe Lage zusammenkommen, macht das Bild dichter als eine Befragung nur einer Gruppe.

Die Zahl der Befragten ist klein, und die Ergebnisse beziehen sich auf ländliche Gemeinden der Deutschschweiz. Übertragbar auf städtische Verhältnisse oder andere Sprachregionen sind sie nur bedingt — was die Arbeit auch nicht behauptet.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 104 Seiten. Sie enthält die theoretischen Grundlagen sexueller Bildung samt ihrer Bedeutung für sexuelle Gesundheit und Gerechtigkeit, die Analyse sozialer und politischer Herausforderungen, die vollständige Auswertung der Interviews sowie das Vorgehensraster für die Konzeptentwicklung.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit untersucht die Situation Sexueller Bildung in ländlichen Gemeinden der Deutschschweiz. Das zentrale Anliegen der Arbeit ist, die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Sexualpädagogik in Schulen dieser Regionen zu analysieren und zu verbes- sern. Die Arbeit beleuchtet die theoretischen Grundlagen von Sexueller Bildung, einschließ- lich ihrer Bedeutung für die sexuelle Gesundheit und Gerechtigkeit. Eine detaillierte Be- trachtung der sozialen und politischen Herausforderungen sowie der institutionellen schuli- schen Arbeit bildet den Hintergrund der Untersuchung. Methodisch stützt sich die Arbeit auf ein qualitatives Untersuchungsdesign. Im Zuge dessen werden halbstrukturierte Interviews mit Expert:innen und Schulakteur:innen durchgeführt. Daraus entsteht ein Bild der Situation anhand von unterschiedlichen Perspektiven. Die Ergebnisse zeigen, dass eine erfolgreiche Sexualpädagogik von mehreren Faktoren abhängt: den politischen Rahmenbedingungen, der Handlungssicherheit der Lehrpersonen, der Vernetzung mit Fachstellen sowie systemi- schen Herangehensweisen. Abschließend wird ein Vorgehensraster für systemische Sexu- alpädagogik erstellt, das die Entwicklung eines Sexualpädagogikkonzepts einer ländlichen Schule erleichtern soll. Diese Masterarbeit leistet einen wichtigen Beitrag zur Diskussion über die Verbesserung der Sexuellen Bildung in ländlichen Regionen und bietet praktische Empfehlungen für die erfolgreiche Implementierung von Sexualpädagogik in Schulen. Durch die Berücksichtigung der spezifischen Herausforderungen ländlicher Gemeinden kann Sexuelle Bildung geför- dert werden, die zur Gesundheit und Gleichstellung in der Bevölkerung beiträgt. (193 Wör- ter, 1488 Zeichen ohne Leerzeichen)

Rahel Bühler, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexuelle Bildung als Allgemeingut im Kontext institutioneller schulischer Arbeit : Das Schaffen zielführender Voraussetzungen in der Bevölkerung für gelingende Sexualpädagogik in Schulen ländlicher Gemeinden

Verfasst von
Rahel Bühler

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Institutionelle Begleitung · Sexuelle Bildung · Jugendsexualität

Lizenz und Nachweis. Rahel Bühler: «Sexuelle Bildung als Allgemeingut im Kontext institutioneller schulischer Arbeit : Das Schaffen zielführender Voraussetzungen in der Bevölkerung für gelingende Sexualpädagogik in Schulen ländlicher Gemeinden». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA3 Masterarbeit

Sexualisierte Gewalt gegen Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren

Karin Nicole Laowé Bürstl untersucht in der Masterarbeit «Sexualisierte Gewalt gegen Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Sobald sexualisierte Gewalt gegen eine minderjährige Person bekannt wird, greifen viele Stellen zu — und die betroffene Person verliert im selben Moment die Entscheidungsmacht darüber, was als Nächstes geschieht. Diese Arbeit macht dieses Ineinandergreifen erklärbar.

Wer wird tätig, und mit welchem Anspruch?

Behörden, Ämter, Institutionen und die dort angestellten Fachpersonen erheben Anspruch darauf, die Situation zu bearbeiten. Jede Stelle bringt eigene Aufgaben, eigene Möglichkeiten und eigene Macht mit.

Die Arbeit fordert, dass sich Fachpersonen dieser Wirkung stets bewusst sein sollten — der eigenen Aufgabe ebenso wie der eigenen Macht gegenüber den Betroffenen.

Fast unabdingbar erscheint deshalb, dass die Beteiligten über fachübergreifende Kenntnisse verfügen: Sie müssen im Kern wissen, was Aufgaben, Möglichkeiten und Grenzen ihrer Fachkolleginnen und -kollegen sind.

Warum ist das für die Betroffenen entscheidend?

Weil sie sonst nicht verstehen, was mit ihnen geschieht. Ohne dieses Wissen können Fachpersonen den Betroffenen das komplexe Ineinandergreifen der verschiedenen Disziplinen schlicht nicht erklären.

Dazu kommt ein Machtverhältnis, das die Arbeit deutlich benennt: Ab dem Zeitpunkt, an dem minderjährige Betroffene einen Übergriff einer Vertrauensperson mitteilen, geben sie die Entscheidungsmacht grösstenteils ab. Wer künftig mitspricht, entscheiden andere — etwa die Eltern darüber, ob Strafanzeige erstattet wird.

Diese Verschiebung ist rechtlich begründet und für die Betroffenen dennoch eine zweite Erfahrung von Kontrollverlust. Vernetzung kann nur gelingen, wenn die Abläufe so weit wie möglich transparent sind und das Ziel erkennbar bleibt.

Was leistet die Arbeit konkret?

Sie ist als Orientierungshilfe für den Kanton Aargau angelegt und arbeitet auf, welche Fachdisziplinen beteiligt sind, was sie leisten dürfen und wo ihre Grenzen liegen.

Damit richtet sie sich an Lehrpersonen, Sozialarbeitende, Beratungsstellen und alle, die in einem solchen Fall erklären müssen, warum jetzt was geschieht — und die dafür bisher keine zusammenhängende Darstellung zur Hand hatten.

Der Fokus auf Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren ist dabei bewusst gewählt: Es ist die Altersgruppe, in der sexuelle Selbstbestimmung und Schutzbedürfnis am stärksten in Spannung geraten.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Es handelt sich um eine institutionelle Kontextualisierung, nicht um eine empirische Erhebung. Die Arbeit systematisiert Zuständigkeiten, Abläufe und rechtliche Rahmenbedingungen.

Sie gilt für einen Kanton und einen Rechtsstand. Zuständigkeiten ändern sich, und wer die Arbeit als Orientierung nutzt, sollte den aktuellen Stand prüfen. Als Darstellung des Zusammenspiels der Akteure bleibt sie brauchbar.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 118 Seiten. Sie enthält die Aufarbeitung der beteiligten Fachdisziplinen mit ihren Aufgaben und Grenzen, die rechtlichen Grundlagen sowie die Orientierungshilfe für den Kanton Aargau.

Abstract der Arbeit

Sobald Menschen von (sexualisierter) Gewalt betroffen sind, hat dies oftmals zur Folge, dass die verschiedensten Behörden, Ämter, Institutionen und damit die dort angestellten Fachpersonen einen Anspruch darauf erheben, die Situation zu bearbeiten. Gerade Fachpersonen, die in Fällen von (sexualisierter) Gewalt involviert werden, sollten sich ihrer jeweiligen, zu erfüllenden Aufgabengebiete, ihrer Wirkung und ggf. auch ihrer Macht in Bezug auf die Situation der betroffenen Person(en) stets bewusst sein. Damit wird deutlich, dass es fast unabdingbar erscheint, dass die einzelnen Akteur:innen über fach- übergreifende Kenntnisse verfügen oder dass sie im Kern darüber Bescheid wissen, was die Aufgaben, Möglichkeiten und Grenzen ihrer Fachkolleg:innen sind. Ansonsten können sie den Betroffenen das komplexe Ineinandergreifen der verschiedenen Disziplinen nicht erläutern. Diese Vernetzung kann den involvierten Professionellen jedoch nur dann gelingen, wenn Abläufe so weit wie möglich transparent sind und ersichtlich wird, welches Ziel verfolgt wird. Erschwerend kommt hinzu, dass minderjährige Betroffene von sexualisierten Grenzüber- schreitungen und/oder Gewalt ab dem Zeitpunkt der Bekanntgabe des vorgefallenen Über- griffes an eine Vertrauensperson, grösstenteils die Entscheidungsmacht darüber abgeben (Machtverlust), welche Akteur:innen ein Mitspracherecht (Machtgewinn) über die weiteren Geschehnisse/Abläufe haben. Es sind etwa die Eltern, die darüber entscheiden, ob eine Strafanzeige erstattet wird oder ob eine Therapie notwendig ist. Auch entscheiden sie dar- über, mit wem gesprochen wird und wo das Wissen über den Vorfall deponiert wird. Die minderjährige Person hat kaum die Möglichkeit, über solche Themen gänzlich selbst zu entscheiden. Ausserdem ist es auch für Fachpersonen oftmals schwierig zu beurteilen, wann welche Instanzen/Institutionen informiert werden müssen bzw. dürfen. Die vorliegende Arbeit versucht anhand zehn anonymisierter Fälle herauszuarbeiten, wel- che Institutionen involviert werden, bzw. sind und ob diese in einen logischen Prozessablauf gestellt werden können. Auch soll kurz umrissen werden, wie die verschiedenen Gesetzes- artikel aus verschiedenen Gesetzesbücher und die entsprechenden Aufgabengebiete der verschiedenen Fachdisziplinen rudimentär ineinandergreifen.

Karin Nicole Laowé Bürstl, Abstract der Masterarbeit, 2022

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexualisierte Gewalt gegen Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren Institutionelle Kontextualisierung und Orientierungshilfe für den Kanton Aargau

Verfasst von
Karin Nicole Laowé Bürstl

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3

Jahr
2022

Themen
Sexualisierte Gewalt · Jugendsexualität · Institutionelle Begleitung

Lizenz und Nachweis. Karin Nicole Laowé Bürstl: «Sexualisierte Gewalt gegen Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren Institutionelle Kontextualisierung und Orientierungshilfe für den Kanton Aargau». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA3 Masterarbeit

Sexualität und Selbstsicherheit

Anne-Sophia Döbeli untersucht in der Masterarbeit «Sexualität und Selbstsicherheit» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Jugendliche Mädchen wissen viel über Sexualität — vieles davon aus den Medien. Was ihnen fehlt, ist nicht Wissen, sondern Begleitung bei dessen Verarbeitung. Diese Arbeit hat 16- und 17-Jährige selbst gefragt, was sie brauchen.

Brauchen Jugendliche mehr Aufklärung?

Nicht in der üblichen Form. Die befragten Mädchen haben wenig Bedürfnis nach reiner kognitiver Wissensvermittlung — sie verfügen allgemein über viel Wissen, auch medial vermitteltes.

Überfordert sind sie dann, wenn sie diese Informationen nicht begleitend verarbeiten können. Das ist eine andere Diagnose als die verbreitete Annahme eines Wissensdefizits, und sie verlangt einen anderen Unterricht.

Daraus folgt für die Arbeit eine praktische Konsequenz: Um am Lernstand der Mädchen anknüpfen zu können, ist eine vorangehende Analyse dieses Lernstands unabdingbar. Wer mit einem Standardprogramm beginnt, trifft womöglich niemanden.

Was wünschen sich die Mädchen?

Drei Dinge nennen sie konkret. Erstens Mitsprache bei der Gestaltung des Unterrichts. Zweitens die Möglichkeit, Erfahrungswissen freiwillig und offen zu teilen. Drittens biologisches Lernen an Modellen des weiblichen Geschlechts.

Der dritte Punkt ist bemerkenswert, weil er dem ersten Befund scheinbar widerspricht. Es geht nicht um mehr Wissen, sondern um eine andere Art, es zu erwerben — begreifbar statt vorgetragen.

Genau darin liegt der Kern: Die Jugendlichen brauchen eine aktive, persönliche und auch körperliche Auseinandersetzung mit sexuellen Themen, um ihr Wissen zu erweitern.

Was bewirkt das?

Die Ergebnisse zeigen, dass durch diese Art der Auseinandersetzung nicht nur das Wissen wächst, sondern auch das Gefühl im eigenen Körper und die sexuelle Selbstsicherheit gestärkt werden.

Damit ist die Verbindung hergestellt, um die es der Arbeit geht. Sexuelle Selbstsicherheit entsteht nach der Forschungslage aus sexuellen Lernschritten und einer Lernumgebung, die diese zulässt — und die Schule kann eine solche Umgebung sein.

Die Förderung einer ganzheitlichen Sexualaufklärung ist deshalb nach dieser Arbeit unerlässlich. Und die Autorin richtet ihre Forderung nach einer Modernisierung ausdrücklich nicht nur an Fachpersonen, sondern auch an Lehrpersonen und Eltern.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier halbstrukturierte Interviews, ausgewertet mit einer strukturierten qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring anhand festgelegter Kategorien aus dem Modell Sexocorporel.

Vier Mädchen sind eine kleine Gruppe, und wer sich für ein Gespräch über Sexualität zur Verfügung stellt, ist bereits eine Auswahl. Die Arbeit erhebt Bedürfnisse, nicht Häufigkeiten.

Für die sexualpädagogische Praxis ist sie dennoch brauchbar, weil sie eine seltene Perspektive einnimmt: die der Zielgruppe.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 88 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu sexueller Selbstsicherheit und sexuellen Lernschritten, die Zuordnung zu den Komponenten des Modells Sexocorporel sowie die vollständige Auswertung der vier Interviews.

Abstract der Arbeit

Das Thema dieser vorliegenden Masterarbeit ist die Sexualität und sexuelle Selbstsicherheit von 16/17-jährigen jugendlichen Mädchen. Studien und diverse Literatur weisen darauf hin, dass sexuelle Selbstsicherheit von sexuellen Lernschritten und weiteren Gegebenheiten der Lernumgebung beeinflusst wird. Durch vier halbstrukturierte persönliche Interviews nach Döring und Bortz (2016) werden die Bedürfnisse jugendlicher Mädchen bezüglich sexualpädagogischer Arbeit und ihrer sexuellen Selbstsicherheit erforscht. Mit der strukturierten qualitativen Inhaltsanalyse anhand festgelegter Kategorien nach Mayring (2015) wird untersucht, in welchen Komponenten nach dem Modell Sexocorporel Bedarf an sexueller Bildung besteht. Genauer soll analysiert werden, welchen Austausch sich die Mädchen wünschen, um eigenes Körperverhalten verstehen zu können, damit sie auf ihrem sexuellen Weg gestärkt werden. Die Ergebnisse dieser Masterarbeit belegen, wie zwingend die Förderung einer bedürfnisorientierten ganzheitlichen Sexualaufklärung für jugendliche Mädchen ist.

Anne-Sophia Döbeli, Abstract der Masterarbeit, 2022

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexualität und Selbstsicherheit : Eine Bedürfnisanalyse von 16/17- jährigen Mädchen im sexualpädagogischen Kontext basierend auf dem Modell Sexocorporel

Verfasst von
Anne-Sophia Döbeli

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3

Jahr
2022

Themen
Jugendsexualität · Selbstwirksamkeit · Sexuelle Bildung · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Anne-Sophia Döbeli: «Sexualität und Selbstsicherheit : Eine Bedürfnisanalyse von 16/17- jährigen Mädchen im sexualpädagogischen Kontext basierend auf dem Modell Sexocorporel». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Bildung zur sexuellen Gesundheit im schulischen Kontext in der Innerschweiz

Natalie Blaser untersucht in der Masterarbeit «Bildung zur sexuellen Gesundheit im schulischen Kontext in der Innerschweiz» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Schulische Sexualerziehung ist ein gesetzlicher Bildungsauftrag — umgesetzt wird er sehr unterschiedlich. Diese Arbeit fragt nicht die Schulen, sondern die Jugendlichen der Innerschweiz. Das Bild, das dabei entsteht, nennt die Autorin selbst bedenklich.

Was bekommen Jugendliche vermittelt?

Oberflächliches Wissen. Auf die Anliegen der Jugendlichen wird kaum eingegangen. Das ist der Befund, den die Interviews mit Jugendlichen aus der Innerschweiz ergeben.

Gewünscht werden dagegen konkrete Themen — genannt werden unter anderem sexuelle Gewalt und Beziehung. Also genau die Bereiche, die über Biologie hinausgehen und im Unterricht am ehesten ausgespart bleiben.

Die Gründe für die uneinheitliche Umsetzung sind bekannt: die fehlende Verankerung in den Lehrplänen, die persönlichen Einstellungen der Lehrpersonen und die Vorgaben der Institution.

Was schlägt die Arbeit vor?

Zwei Handlungsempfehlungen, die beide praktisch umsetzbar sind.

Erstens: Jugendliche sollen bei der Gestaltung des Unterrichts ein Mitspracherecht haben. Das heisst, sie werden aktiv nach Wünschen, Bedürfnissen und Interessen befragt — anonym, etwa schriftlich oder über eine Online-Plattform. Die Antworten werden ausgewertet und in den Unterricht eingebaut.

Zweitens: Lehrpersonen sollen externe Hilfe beiziehen können. Es sollte für die Schule selbstverständlich sein, dass für die Sexualpädagogik externe Fachpersonen zu Rate gezogen werden — und Lehrpersonen sollten ausdrücklich ermutigt werden, das bei Unsicherheit zu tun.

Aus beidem ergibt sich das Kooperationsmodell, das die Arbeit als erstrebenswert beschreibt.

Warum lohnt sich das?

Weil eine frühe und umfangreiche Sexualerziehung gute Rahmenbedingungen schafft, um die Entwicklungsaufgaben des Kindes- und Jugendalters zu bewältigen und einen verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität zu lernen.

Voraussetzung dafür ist eine altersgerechte und fachlich korrekte sexuelle Bildung, die den Bedürfnissen der Zielgruppe entspricht. Genau daran hakt es — nicht am guten Willen, sondern an der Passung.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Qualitative Interviews mit Jugendlichen aus der Innerschweiz, eingeordnet in den Forschungsstand und in die Entwicklungsaufgaben des Jugendalters. Die Zahl der Befragten ist klein, und sie stammen aus einer Region.

Der Wert liegt in der Perspektive. Über schulische Sexualerziehung wird meist mit Lehrpersonen, Schulleitungen und Eltern gesprochen. Hier kommen diejenigen zu Wort, um die es geht.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 83 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zur schulischen Sexualerziehung, die Einordnung in die Entwicklungsaufgaben des Jugendalters, die vollständige Auswertung der Interviews sowie die abgeleiteten Handlungsempfehlungen.

Abstract der Arbeit

Nicht nur die Eltern leisten als primäre Sozialisationsinstanz einen wesentlichen Beitrag zur Sexualerziehung, sondern auch die Instanz Schule übernimmt eine wichtige Funktion zur Förderung und Erhaltung der sexuellen Gesundheit im Kindes- und Jugendalter. Dieser gesetzliche Bildungsauftrag wird jedoch nicht überall gleichermassen umgesetzt, was häufig auf die fehlende Verankerung in den Lehrplänen, wie auch auf persönliche Einstellungen der Lehrpersonen oder Vorgaben der Institution zurückzuführen ist. Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, die Bedürfnisse der Jugendlichen bezüglich Schulischer Sexualerziehung aufzuzeigen und diese anhand von bisheriger Forschungsliteratur sowie Ergebnissen aus qualitativen Interviews mit Jugendlichen aus der Innerschweiz in einen Zusammenhang mit den Entwicklungsaufgaben des Jugendalters zu stellen. Dabei wird ein genaueres Augenmerk zu sexuellen Themen im Unterricht gelegt. Bezüglich der Umsetzung der Schulischen Sexualerziehung in der Innerschweiz zeichnet sich ein bedenkliches Bild ab, da den Jugendlichen nur oberflächliches Wissen zu Sexualität vermittelt und auf ihre Bedürfnisse zu sexuellen Inhalten kaum eingegangen wird. Die Heranwachsenden wünschen sich hingegen vermehrt Informationen zu spezifischen Themen wie beispielsweise «Sexuelle Gewalt» oder «Beziehung». Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, bietet sich im schulischen Kontext das erstrebenswerte Kooperationsmodell an, welches den Lehrpersonen durch externe Fachkräfte Unterstützung zu solch sensiblen Themen zusichert, wodurch auf die geäusserten Bedürfnisse der Jugendlichen besser eingegangen werden könnte.

Natalie Blaser, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Bildung zur sexuellen Gesundheit im schulischen Kontext in der Innerschweiz

Verfasst von
Natalie Blaser

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Jugendsexualität · Geschlecht & Identität · Sexualberatung

Lizenz und Nachweis. Natalie Blaser: «Bildung zur sexuellen Gesundheit im schulischen Kontext in der Innerschweiz». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Förderung sexueller Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung

Selina Killer untersucht in der Masterarbeit «Förderung sexueller Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Die sexuelle Gesundheit von Menschen im Asyl- und Flüchtlingsbereich ist im Vergleich zur einheimischen Bevölkerung prekär. Diese Arbeit fragt, was Jugendliche und junge Erwachsene mit Fluchterfahrung brauchen — und bezieht dafür ihre eigene Perspektive ein, statt nur über sie zu forschen.

Was heisst sexuelle Bildung hier?

Der Begriff markiert nach dieser Arbeit einen Wechsel gegenüber der klassischen Aufklärung. Im Zentrum steht die Selbstbestimmung des Individuums, nicht die Vermittlung von Wissen über einen Sachverhalt.

Die Verankerung ist dabei nicht beliebig. Die Weltgesundheitsorganisation hält fest, dass sich sexuelle Gesundheit erlangen und erhalten lässt, wenn die sexuellen Rechte geachtet, geschützt und garantiert werden. Das Recht auf Bildung und Information gehört zu diesen Rechten, und die Bildung zur sexuellen Gesundheit ist in der Schweiz ein ausgewiesenes Handlungsfeld.

Sexuelle Bildung ist damit keine freiwillige Zusatzleistung, sondern die Einlösung eines Rechts.

Was braucht diese Zielgruppe besonders?

Drei Wissensbestände hält die Arbeit für unverzichtbar, wenn sexuelle Bildung mit jungen Menschen mit Fluchterfahrung gelingen soll: Kenntnisse zur sexuellen Entwicklung, intersektionale Pädagogik und transkulturelle Kompetenzen.

Das ist mehr als eine Aufzählung. Wer nur über sexuelle Entwicklung Bescheid weiss, übersieht, dass Herkunft, Aufenthaltsstatus, Geschlecht und Sprache gleichzeitig wirken. Wer nur transkulturell denkt, übersieht die Entwicklungsaufgaben des Jugendalters.

Die Befragten selbst äussern zwei Bedürfnisse: die Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität und den Erwerb sexueller Kompetenzen. Woran es fehlt, sind nicht Interesse oder Bereitschaft, sondern Zugänge.

Wie wurde vorgegangen?

Die Arbeit verbindet eine vertiefte Literaturaufbereitung mit qualitativer Sozialforschung. Über problemzentrierte Interviews bezieht sie die Perspektive der jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung ein; ausgewertet wird nach der Methodologie der Grounded Theory.

Dass die Zielgruppe selbst befragt wurde und nicht nur die Fachpersonen, die sie betreuen, ist der methodische Kern dieser Arbeit — und bei dieser Personengruppe keine Selbstverständlichkeit.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Die Zahl der Interviews ist klein, und die Arbeit stützt ihre Schlüsse auf die Verbindung von Literatur und empirischen Erkenntnissen, nicht auf die Interviews allein.

Bei einer Gruppe, deren Aufenthaltsstatus unsicher ist und die über Sexualität in einer Fremdsprache sprechen soll, ist der Zugang selbst die grösste Hürde. Wer sich für ein solches Gespräch zur Verfügung stellt, ist bereits eine Auswahl.

Was die Arbeit leistet, ist die Übersetzung eines anerkannten Rechts in konkrete Anforderungen an die professionelle Betreuung und Begleitung.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 106 Seiten. Sie enthält die Aufarbeitung des Forschungsstands zur sexuellen Gesundheit im Asyl- und Flüchtlingsbereich, die theoretischen Grundlagen zu sexueller Bildung, intersektionaler Pädagogik und transkultureller Kompetenz sowie die vollständige Auswertung der Interviews.

Abstract der Arbeit

Diese Arbeit bearbeitet die Frage 'Was brauchen Jugendliche und junge Erwachsene mit Fluchterfahrung im Hinblick auf ihre sexuelle Gesundheit und welche Anforderungen leiten sich daraus an die professionelle Betreuung und Begleitung ab?'. Die Auseinandersetzung mit aktueller Literatur zeigt auf, dass die sexuelle Gesundheit von Menschen im Asyl- und Flüchtlingsbereich, im Vergleich zur einheimischen Bevölkerung, prekär ist (Amacker et al., 2019; BAG, 2012; Cignacco et al., 2017). Aufgrund dieser Analysen fokussiert sich diese Arbeit auf die Handlungsfelder der Förderung sexueller Gesundheit und widmet sich spezifisch der sexuellen Bildung (Sexuelle Gesundheit Schweiz, 2018). Der Begriff der sexuellen Bildung stellt einen Paradigmawechsel dar. Die Selbstbestimmung des Individuums steht im Zentrum (Valtl, 2013). Die vertiefte Literaturaufbereitung ermittelt spezifische Grundlagen, die in der sexuellen Bildung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung einbezogen werden müssen; nämlich Kenntnisse zur sexuellen Entwicklung, zur intersektionalen Pädagogik und zu transkulturellen Kompetenzen. Die qualitative Sozialforschung dieser Arbeit bezieht anhand problemzentrierter Interviews auch die Perspektive der jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung mit ein. In der Analyse nach der Methodologie der Grounded-Theory werden Theorien entwickelt, welche der Beantwortung der Fragestellung dienen. Die abschliessende Antwort basiert auf der Diskussion von Literatur und empirischen Erkenntnissen. Jugendliche und junge Erwachsene mit Fluchterfahrung haben Bedürfnisse nach Auseinandersetzung mit der individuellen Sexualität, ebenso wie nach dem Erwerb sexueller Kompetenzen. Es besteht ein Bedarf an Zugängen der sexuellen Bildung und an kompetenten, vertrauenswürdigen Fach- sowie Ansprechpersonen. Die professionelle Betreuung und Begleitung muss sich deshalb Kompetenzen in sexueller Bildung aneignen und Zugänge zu sexueller Bildung schaffen.

Selina Killer, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Förderung sexueller Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung Einfluss von und Anforderungen an sexuelle Bildung in der professionellen Betreuung und Begleitung

Verfasst von
Selina Killer

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Jugendsexualität · Sexualisierte Gewalt · Verhütung

Lizenz und Nachweis. Selina Killer: «Förderung sexueller Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung Einfluss von und Anforderungen an sexuelle Bildung in der professionellen Betreuung und Begleitung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA1 Masterarbeit

Selbstwirksamkeit Jugendlicher im Massnahmenvollzug

Denise Fuchs untersucht in der Masterarbeit «Selbstwirksamkeit Jugendlicher im Massnahmenvollzug» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2017 im Jahrgang MA1 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Jugendliche im Massnahmenvollzug leben in einem Alltag, der fast alles regelt — nur die Sexualität ist selten ausdrücklich vorgesehen. Diese Arbeit fragt, was eine selbstwirksame sexuelle Entwicklung dort überhaupt bedeutet, und kommt zu einer Liste, die man einer Institution vorlegen kann.

Was brauchen Jugendliche für eine selbstwirksame sexuelle Entwicklung?

Die Arbeit beantwortet das konkret. Jugendliche brauchen soziale Begegnungen mit Gleichaltrigen, in denen sie sich austauschen und selbst erfahren können. Sie brauchen Rückzugsmöglichkeiten, um sich — auch sexuell — zu entdecken.

Sie brauchen ehrliche Rückmeldungen, um die eigene Selbstwahrnehmung zu regulieren. Und sie brauchen Bewegungsräume und Lernfelder, in denen sie sich ausprobieren, Ressourcen aufbauen und Erfahrungen sammeln können.

Gefördert wird all das durch eine Begleitung, die wohlwollend, ehrlich und kritisch zugleich ist. Als besondere Herausforderung nennt die Arbeit den Bezug zur eigenen Körperwahrnehmung und Körperakzeptanz.

Schutz oder Freiheit?

Beides — und darin liegt die Spannung, die den Massnahmenvollzug prägt. Jugendlichen steht ein Recht auf Schutz zu und zugleich ein Recht auf Freiheiten in sexuellen Belangen.

In einer Institution, deren Auftrag Schutz und Kontrolle ist, geraten diese beiden Rechte gegeneinander. Die Arbeit löst das nicht auf, aber sie benennt es — und macht damit besprechbar, was im Alltag meist als Sicherheitsfrage entschieden wird.

Grundlage einer selbstwirksamen Entwicklung ist nach dieser Arbeit differenziertes Wissen über den eigenen Körper, dazu Kenntnisse über Verhütung und über die eigenen Rechte.

Wie sieht die Praxis aus?

Die Autorin hat drei Fachleute eines Massnahmenzentrums befragt, wie sexuelle Gesundheit und Selbstwirksamkeit im Alltag der Institution tatsächlich vorkommen — und wie zentral diese Themen für die Jugendlichen dort sind.

Der Theorieteil arbeitet auf, wie sich das Selbst bei jungen Menschen bildet und welche Faktoren die sexuelle Entwicklung verletzlich machen. Beides zusammen ergibt die Grundlage für die abgeleiteten Begleitansätze.

Die Arbeit richtet sich damit an Fachpersonen der Sozialpädagogik und des Massnahmenvollzugs — und an alle, die sexuelle Bildung in einem Rahmen verantworten, in dem Freiwilligkeit und Zwang nebeneinanderliegen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Drei qualitative Interviews mit Fachleuten einer Institution. Befragt wurden also die Begleitenden, nicht die Jugendlichen — bei Minderjährigen im Massnahmenvollzug ist das nachvollziehbar und lässt dennoch eine ganze Perspektive aus.

Die Ergebnisse beziehen sich auf ein Massnahmenzentrum. Die abgeleiteten Ansätze stützen sich stark auf die Theorie und werden durch die Praxisaussagen bestätigt, nicht daraus gewonnen.

Es ist die einzige Arbeit des Jahrgangs MA1 mit diesem Schwerpunkt und die älteste Arbeit dieser Sammlung.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 106 Seiten. Sie enthält die Theorie zu Selbst und Selbstwirksamkeit, die Aufarbeitung vulnerabilitätsfördernder Faktoren, die vollständige Auswertung der drei Interviews sowie die abgeleiteten Begleitansätze.

Abstract der Arbeit

Die Masterarbeit untersucht das Selbst und die Selbstwirksamkeit in Bezug zur se- xuellen Gesundheit und zum sexuellen Verhalten Jugendlicher mit und ohne Prob- lemverhalten. Literatur und Studien zur Selbstwirksamkeit und zu Herausforderun- gen Jugendlicher in einer neoliberalen Gesellschaft werden beigezogen. Der zweite Teil beleuchtet vulnerabilitätsfördernde Faktoren und deren Zusammenhang mit der Selbstwirksamkeit und der sexuellen Entwicklung der Jugendlichen. Anhand drei qualitativer Interviews mit Fachleuten wird untersucht, wie die Praxis in einem Mass- nahmenzentrum die sexuelle Gesundheit und die Entwicklung der Selbstwirksamkeit in den Alltag einfliessen lässt und wie zentral diese Themen für die Jugendlichen im Massnahmenvollzug tatsächlich sind. Ein abschliessendes Kapitel zieht Rück- schlüsse zur selbstwirksamen sexuellen Entwicklung, zum Umgang mit der Sexuali- tät in einem Massnahmenvollzug und daraus resultierende Begleitansätze.

Denise Fuchs, Abstract der Masterarbeit, 2017

Angaben zur Arbeit

Titel
Die Selbstwirksamkeit Jugendlicher im Massnahmenvollzug im Kontext der Förderung sexueller Gesundheit : Vergleich der Selbstwirksamkeit in der Sexualität Jugendlicher mit und ohne Problemverhalten und deren Bedeutung für die Begleitung

Verfasst von
Denise Fuchs

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA1

Jahr
2017

Themen
Jugendsexualität · Institutionelle Begleitung · Selbstwirksamkeit

Lizenz und Nachweis. Denise Fuchs: «Die Selbstwirksamkeit Jugendlicher im Massnahmenvollzug im Kontext der Förderung sexueller Gesundheit : Vergleich der Selbstwirksamkeit in der Sexualität Jugendlicher mit und ohne Problemverhalten und deren Bedeutung für die Begleitung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2017. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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