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MA5 Masterarbeit

Sexualberatung mit trans* Personen nach dem Modell Sexocorporel

Andrea Baese untersucht in der Masterarbeit «Sexualberatung mit trans* Personen nach dem Modell Sexocorporel» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

«Die Beckenbodenmuskulatur wird auch nach der Transition vorhanden sein. Selbst wenn der Penis nicht mehr da ist — die Beckenbodenmuskulatur ist da.» Dieser Satz einer befragten Fachperson erklärt, warum ein körperorientiertes Modell in der Beratung von trans* Personen funktionieren kann. Die Arbeit prüft, wo es trägt und wo es an seine Grenzen kommt.

Warum kommt Sexualität in der Trans*beratung kaum vor?

Drei von vier befragten Fachpersonen geben an, dass Sexualität bei trans* Personen in ihrer Einzelberatung kein grosses Thema ist — oder dass sie dazu noch wenig Praxiserfahrung haben.

Alle vier benennen denselben Grund für die Lücke: In den begleitenden Psychotherapien spielt Sexualität nach ihrer Erfahrung oft keine Rolle. Der Blick richtet sich auf die Transition, auf Diagnostik und Begutachtung, auf medizinische Schritte — das sexuelle Erleben fällt heraus.

Das deckt sich mit dem Ausgangspunkt der Arbeit: Trans* Klient*innen werden im sexualwissenschaftlichen Diskurs und in der Beratungspraxis häufig auf medizinisch-funktionale Perspektiven reduziert.

Wie liesse sich damit arbeiten?

Eine der befragten Fachpersonen bietet ergänzend zur Einzelberatung Gruppenworkshops zu Trans*körperlichkeit und Sexualität an und arbeitet dabei in einem Dreischritt.

Erstens Grounding: ich und mein sexueller Körper — Körperwahrnehmung und Selbstsicherheit. Zweitens ich und die anderen: wie erlebe ich Dating, wie erlebe ich mich, wenn ich mit meinem sexuellen Körper in Kontakt zu anderen gehe. Drittens die Frage, wo mir Sicherheit begegnet und wo Unsicherheit.

Eine andere Fachperson beschreibt, mit einer trans* weiblichen Person mit der ganzen Klaviatur des Modells Sexocorporel gearbeitet zu haben — also nicht mit Anpassungen am Rand, sondern mit dem vollständigen Instrumentarium.

Wo liegen die Grenzen des Modells?

Die Arbeit stellt sie an den Anfang statt sie zu verschweigen: Das Modell Sexocorporel ist historisch hetero-binär geprägt. Die Frage lautet also nicht, ob es passt, sondern was mit welchen Anpassungen möglich wird.

Ihre Antwort fällt differenziert aus. Mit gezielten Adaptionen und kritischer Reflexion öffnen sich Zugänge zu Körpererleben, sexueller Lust und individueller Identitätsgestaltung. Besondere Chancen liegen in der Förderung der Körperwahrnehmung, in der Entwicklung eigener Sexualitätskonzepte und in der Ressourcenaktivierung jenseits normativer Vorstellungen.

Grenzen benennt die Arbeit dort, wo die ursprünglichen binären Konzepte nicht ausreichend überwunden sind. Diese Stellen sind nicht durch Wortwahl zu beheben.

Was heisst das für die Praxis?

Der Ansatzpunkt liegt im Körper, der bleibt. Muskulatur, Atmung, Bewegung, Wahrnehmung — diese Grössen existieren unabhängig davon, welche medizinischen Schritte jemand gegangen ist. Genau darauf zielt das eingangs zitierte Beispiel.

Für cis Beratende formuliert die Arbeit eine zusätzliche Anforderung: die eigene Haltung zu klären und die historische wie persönliche Leidensgeschichte von trans* Personen mitzudenken. Fachwissen allein genügt hier nicht.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine theoretische Analyse verbunden mit qualitativen Interviews mit vier Fachpersonen. Befragt wurden also Beratende, nicht trans* Personen selbst — die Arbeit beschreibt die Praxis aus Sicht derer, die sie anbieten.

Dass drei von vier wenig Praxiserfahrung mit sexuellen Anliegen dieser Zielgruppe haben, ist zugleich Befund und Einschränkung: Es zeigt die Versorgungslücke, und es begrenzt, wie viel über gelungene Beratung gesagt werden kann.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 90 Seiten. Sie enthält die kritische Analyse des Modells Sexocorporel auf seine binären Prägungen, den Forschungsstand zu trans*sensibler Beratung, die vollständige Auswertung der Interviews mit Kategoriensystem und Interviewleitfaden sowie die Ableitungen für eine körperzentrierte Beratungspraxis.

Abstract der Arbeit

Diese Arbeit untersucht das Potenzial des körperorientierten Modells Sexocorporel für die Sexualberatung von trans* Personen. Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass trans* Klient*innen bislang im sexualwissenschaftlichen Diskurs und in der Beratungspraxis häufig auf medizinisch-funktionale Perspektiven reduziert werden, während körperliche Selbstwahrnehmung und sexuelle Selbstbestimmung wenig Beachtung finden. Im Rahmen einer theoretischen Analyse sowie qualitativer Expert*innen-Interviews wird geprüft, inwiefern das Modell Sexocorporel, trotz seiner historischen hetero-binären Prägung, für eine transsensible und körperzentrierte Beratung nutzbar gemacht werden kann. Die Ergebnisse zeigen, dass durch gezielte Adaptionen und kritische Reflexionen des Modells vielfältige Zugänge zu Körpererleben, sexueller Lust und individueller Identitätsgestaltung für trans* Personen geöffnet werden können. Besondere Chancen liegen in der Förderung von Körperwahrnehmung, der Entwicklung individueller Sexualitätskonzepte sowie der Ressourcenaktivierung jenseits normativer Vorstellungen. Gleichzeitig werden Grenzen des Modells benannt, insbesondere dort, wo ursprüngliche binäre Konzepte nicht ausreichend überwunden werden. Die Arbeit leistet damit einen Beitrag zur Weiterentwicklung transsensibler sexualberaterischer Ansätze und formuliert Handlungsempfehlungen für die Praxis. This thesis examines the potential of the body-centered model Sexocorporel in providing sexual counseling for trans* individuals. It addresses the prevalent gap in current practice and research, where trans* clients are often approached from a predominantly medical or functional perspective, while aspects of bodily self-awareness and sexual autonomy are largely overlooked. Through a combination of theoretical analysis and qualitative expert interviews, the study investigates how the Sexocorporel model ꟷ despite its historically binary foundations ꟷ can be critically adapted to support a transsensitive and body-oriented counseling approach. The findings highlight the model’s capacity to foster body awareness, empower sexual agency, and support the development of individualized sexualities beyond normative frameworks. Simultaneously, the study outlines limitations where traditional binary structures remain embedded within the model. Overall, this work contributes to the advancement of transsensitve counseling practices and offers concrete recommendations for a more holistic and affirming approach to sexual health and well-being.

Andrea Baese, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
SEXUALBERATUNG MIT TRANS* PERSONEN MIT DEM MODELL SEXOCORPOREL – Ein körperorientierter Ansatz zur Förderung von Sexualität und Körpererleben bei trans* Personen

Verfasst von
Andrea Baese

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Geschlecht & Identität · Sexualberatung · Körperarbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Andrea Baese: «SEXUALBERATUNG MIT TRANS* PERSONEN MIT DEM MODELL SEXOCORPOREL – Ein körperorientierter Ansatz zur Förderung von Sexualität und Körpererleben bei trans* Personen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Sexualität und Krebs – Interventionen in der Behandlung

Jeannette Stucki untersucht in der Masterarbeit «Sexualität und Krebs – Interventionen in der Behandlung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Eine Krebserkrankung greift in die Lebensqualität ein, und die Sexualität gehört dazu. Das Angebot ist gewachsen — sichtbar ist es nicht. Diese Erkundungsstudie hat nachgesehen, was es in der Deutschschweiz tatsächlich gibt, und findet ein Muster, das für die Praxis entlastend ist.

Wie sieht das Angebot aus?

In den letzten Jahren hat sich viel getan: Die Bedeutung des Themas wurde erkannt, und das Angebot ist gewachsen. Trotzdem ist es teilweise nach wie vor zu wenig sichtbar und präsent.

Besonders deutlich zeigt sich das dort, wo Betroffene zuerst sind: In Spitälern und Kliniken wird Sexualität nicht als vorrangig angesehen.

Die Folge benennt die Arbeit klar: Betroffene gehen oft erst nach ein paar Jahren in Beratung oder Therapie, um ihre Anliegen zur Sexualität zu besprechen. Jahre, in denen sie damit allein sind.

Gibt es die richtige Behandlung?

Nein — und das ist der für die Praxis wichtigste Befund. Einen klaren Best-Practice-Ansatz gibt es nicht. Je nach Fachperson kommen verschiedene Interventionen zum Einsatz, und diese lassen sich nicht unbedingt auf ein Merkmal der Betroffenen zurückführen.

Daraus folgt etwas Entlastendes: Menschen mit verschiedenen Krebsarten können gleichermassen von einer Sexualberatung profitieren. Es braucht also keine Spezialisierung nach Diagnose.

Was es braucht, ist der Blick auf die einzelne Person — auf das, was sie an Ressourcen und Anknüpfungspunkten mitbringt. Die Diagnose bestimmt nicht das Vorgehen.

Was heisst das für Fachpersonen?

Für die Onkologie ist die Arbeit vor allem eine Orientierung: Sie zeigt, was es gibt und wohin verwiesen werden kann.

Für die Sexualberatung heisst der Befund, dass die eigene Unsicherheit gegenüber onkologischen Krankheitsbildern kein Hinderungsgrund sein muss. Gefragt ist nicht Fachwissen über den Tumor, sondern die Arbeit mit dem, was die Person mitbringt.

Für ein systematischeres Verständnis dessen, was in diesem eher tabuisierten Bereich am besten wirkt, braucht es nach der Autorin eine vertieftere Analyse.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine Erkundungsstudie — die Arbeit nennt sich selbst so. Sie kombiniert eine kurze Online-Befragung zum Angebot in der Deutschschweiz mit drei Interviews mit Fachpersonen.

Drei Interviews und eine kurze Befragung ergeben eine Momentaufnahme, keine Bestandsaufnahme. Die Autorin sagt selbst, dass es eine systematischere Betrachtung braucht.

Für eine erste Orientierung in einem Feld, zu dem es kaum Übersichten gibt, ist das angemessen. Mit 62 Seiten ist es eine der kürzeren Arbeiten der Sammlung.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 62 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu Sexualität bei Krebserkrankungen, die Ergebnisse der Online-Befragung zum Angebot in der Deutschschweiz sowie die vollständige Auswertung der drei Fachinterviews.

Abstract der Arbeit

Eine Krebserkrankung ist ein einschneidendes Erlebnis für die Betroffenen und deren Umfeld. Eine solche Erkrankung kann Folgen auf die Lebensqualität ha- ben, darunter auch auf die sexuelle Gesundheit. In den letzten Jahrzehnten wurde das Unterstützungsangebot für Betroffene mit sexuellen Anliegen immer stärker ausgebaut, trotzdem sind nach wie vor einige Hürden für umfassende Hilfestellungen vorhanden. Die Auswahl an möglichen Interventionen, um die Betroffenen in ihrer Sexualität zu unterstützen, scheint jedoch gross. Somit stellt sich die Frage, wie das Angebot denn tatsächlich aussieht und ob es vielleicht sogar eine Standardbehandlung gibt, welche Betroffene unabhängig irgend ei- nes Merkmals unterstützt. Um erste Ansätze auf diese Frage zu erhalten, wurde eine Erkundungsstudie mit einer kurzen Online-Befragung zum Angebot in der Deutschschweiz sowie Experteninterviews mit drei Experten und Expertinnen geführt. Es zeigt sich, dass ein Angebot zwar da ist, dies womöglich noch aus- gebaut oder vor allem auch präsenter gemacht werden kann. Einen klaren best- practice Ansatz scheint es nicht zu geben, womöglich helfen verschiedene In- terventionen, um die sexuellen Anliegen nach oder während einer Krebserkran- kung anzugehen. Wichtig dabei ist immer, dass das Individuum mit seinen gan- zen Erfahrungen und Ressourcen berücksichtig wird. Die Erkundungsstudie gibt Anhaltspunkte, um das Angebot und die Wirksamkeit der Interventionen in künf- tiger Forschung genauer zu betrachten.

Jeannette Stucki, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexualität und Krebs : Sexualitätsbezogene Interventionen in der Behandlung von Menschen mit einer Krebserkrankung: eine Erkundungsstudie

Verfasst von
Jeannette Stucki

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Sexualität & Krankheit · Erektile Dysfunktion · Sexualberatung

Lizenz und Nachweis. Jeannette Stucki: «Sexualität und Krebs : Sexualitätsbezogene Interventionen in der Behandlung von Menschen mit einer Krebserkrankung: eine Erkundungsstudie». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA3 Masterarbeit

Vaginismus und Behandlungsansätze

Sarah Graf untersucht in der Masterarbeit «Vaginismus und Behandlungsansätze» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Fünf bis siebzehn Prozent der Patientinnen in klinischen Einrichtungen sind betroffen — und viele Fachpersonen kennen das Störungsbild kaum. Diese Arbeit erklärt, was Vaginismus von Dyspareunie unterscheidet, und untersucht, was Betroffenen tatsächlich hilft.

Was ist Vaginismus genau?

Eine sexuelle Funktionsstörung, die im DSM-5 zusammen mit der Dyspareunie als Genito-pelvine Schmerz-Penetrationsstörung geführt wird. Die Unterscheidung ist trotzdem wesentlich.

Bei der Dyspareunie bestehen Schmerzen in der Vulva. Vaginismus dagegen ist Ausdruck einer phobischen Vermeidung: Die Angst vor einer möglichen Penetration verursacht einen reflexartigen Zusammenzug des Beckenbodens, der die Penetration mit einem Objekt wie Tampon oder Spekulum oder mit einem Körperteil teilweise oder vollständig verhindert.

Unterschieden wird zudem zwischen primärem Vaginismus, der immer schon bestand, und sekundärem, bei dem die Symptome erst später auftreten. Auch diese Abgrenzung ist nicht einfach — die Übergänge der Störungsbilder sind fliessend.

Warum wird er so selten erkannt?

Weil er trotz seiner Häufigkeit beim Fachpersonal wenig bekannt ist. Das ist die Beobachtung, von der die Arbeit ausgeht, und sie erklärt einen Teil der langen Wege, die Betroffene zurücklegen.

Die Arbeit fragt deshalb nicht nur nach der Behandlung, sondern nach dem gesamten Weg: Wer stellt die Diagnose, wie verläuft die Behandlung, welche Auswirkungen hat die Störung auf den Alltag, und wo finden Betroffene überhaupt Hilfe?

Was hilft bei der Genesung?

Die empirische Grundlage bilden Interviews mit zwei Betroffenen und zwei Fachfrauen — einer Gynäkologin mit sexualmedizinischer Beratung und einer Beckenbodenphysiotherapeutin. Ergänzt wird das durch Gespräche mit einer weiteren Betroffenen, einer Sexualtherapeutin und einem Online-Coach.

Diese Zusammensetzung ist die Stärke der Arbeit: Sie deckt medizinische, körpertherapeutische und sexualtherapeutische Perspektiven gleichzeitig ab — also genau die Stellen, zwischen denen Betroffene sonst hin- und hergeschickt werden.

Zusätzlich vergleicht die Arbeit die sexuelle Zufriedenheit vor und nach einer erfolgreichen Behandlung. Die Ergebnisse werden ausdrücklich auf ihre Bedeutung für die Beratungsarbeit hin geprüft.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Insgesamt sieben Gespräche, ausgewertet nach Mayring — davon drei mit Betroffenen. Das erlaubt keine Aussagen über Häufigkeiten oder Erfolgsquoten.

Was es erlaubt, ist die Rekonstruktion von Verläufen aus mehreren Blickwinkeln. Für Fachpersonen, die Vaginismus selten sehen und dann nicht recht weiterwissen, ist das die praktischste Arbeit dieser Sammlung zum Thema. Wer die Frage historisch und feministisch vertiefen will, findet sie in der Arbeit von Romina Fliri.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 115 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu Vaginismus mit Diagnosekriterien und Abgrenzungen, die Darstellung verschiedener Behandlungsansätze, die vollständige Auswertung aller Interviews sowie die Reflexion für die Beratungspraxis.

Abstract der Arbeit

Vaginismus wird als ein unwillkürlicher, heftiger, reflexartiger Zusammenzug vom Becken- boden beschrieben, der aufgrund Angst vor Schmerzen im Zusammenhang mit der vagi- nalen Penetration auftritt und eine Frau daran hindert, penetrativen, vaginalen Geschlechts- verkehr zu erleben, obwohl sie sich dies wünscht. Vaginismus kann Betroffene in ihrem Alltag stark belasten und zu Vermeidungsstrategien führen. Die Diagnose gestaltet sich nicht ganz einfach, da die Übergänge der Störungsbilder fliessend sind und Vaginismus beim Fachpersonal, trotz einer Prävalenz von 5- 17 % im klinischen Setting, relativ unbe- kannt ist. Die vorliegende Arbeit untersucht verschiedene Behandlungsansätze und die Wirkfaktoren welche die Frauen in ihrem Genesungsprozess unterstützen. Des Weiteren soll die sexuelle Zufriedenheit von den Betroffenen vor und nach erfolgreicher Behandlung verglichen werden. Die empirische Grundlage der Arbeit bildet die Analyse von Interviews von zwei Betroffenen und zwei Expertinnen, einer Gynäkologin, welche sexualmedizinische Beratungen führt, sowie einer Beckenbodenphysiotherapeutin. Die Gespräche mit drei wei- teren Personen, zwei Expertinnen (einer Online-Coach und einer Sexualtherapeutin) und einer weiteren Betroffenen, ergänzen die erhobenen Daten. Die Ergebnisse werden in Be- zug auf deren Relevanz für die Forschung und praktische Beratungsarbeit reflektiert.

Sarah Graf, Abstract der Masterarbeit, 2022

Angaben zur Arbeit

Titel
Vaginismus und Behandlungsansätze : Wirkfaktoren zur Genesung eines Vaginismus sowie der Zustand sexueller Zufriedenheit vor und nach einer Behandlung, aufgezeigt anhand zwei unterschiedlicher Behandlungsansätze sowie qualitativer Befragungen von Fachleuten und betroffener Frauen nach erfolgreicher Behandlung

Verfasst von
Sarah Graf

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3

Jahr
2022

Themen
Vaginismus · Sexuelle Zufriedenheit · Sexualberatung

Lizenz und Nachweis. Sarah Graf: «Vaginismus und Behandlungsansätze : Wirkfaktoren zur Genesung eines Vaginismus sowie der Zustand sexueller Zufriedenheit vor und nach einer Behandlung, aufgezeigt anhand zwei unterschiedlicher Behandlungsansätze sowie qualitativer Befragungen von Fachleuten und betroffener Frauen nach erfolgreicher Behandlung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA3 Masterarbeit

Stillerfahrungen jenseits gesellschaftlicher Stillnormen

Samira Lütscher untersucht in der Masterarbeit «Stillerfahrungen jenseits gesellschaftlicher Stillnormen» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Alle fünf befragten Frauen hatten sich auf das Stillen gefreut und waren davon ausgegangen, es werde ein schönes Erlebnis. Bei allen war die erlebte Lebensqualität während der Stillzeit schlecht. Und alle nennen dieselbe Mitursache: die Literatur, die sie vorher gelesen hatten.

Woher kommt die Enttäuschung?

Nicht allein aus dem, was geschah, sondern aus dem Abstand zwischen Erwartung und Erfahrung. Die Arbeit bringt dafür den Begriff des Calman Gap ins Spiel — die Lücke zwischen Erhofftem und Eingetretenem.

Alle Befragten hatten hohe Erwartungen, und alle nennen die konsultierte Ratgeberliteratur als Mitursache dafür. Da die Realität diesen Erwartungen nicht entsprechen konnte, war die subjektiv erlebte Lebensqualität während der Stillzeit bei allen schlecht.

Das deckt sich mit der Forschungslage: Enttäuschungen während der Stillzeit und die daraus folgende Verurteilung des eigenen Körpers können zu depressiven Symptomen führen.

Was passiert mit den Erwartungen?

Hier liegt der überraschendste Befund. Man würde annehmen, dass die Frauen ihre Erwartungen nach dieser Erfahrung korrigieren. Sie tun es nicht.

Für eine mögliche künftige Stillzeit halten sie an ihren grundsätzlichen Erwartungen fest. Die Autorin fasst es mit dem Satz zusammen, dass die Hoffnung zuletzt stirbt.

Für die Beratung ist das wichtig. Wer glaubt, eine schlechte Erfahrung führe automatisch zu realistischeren Erwartungen, unterschätzt, wie stark die gesellschaftliche Norm wirkt — und wie wenig eine einzelne Erfahrung dagegen ausrichtet.

Was folgt daraus?

Die Arbeit zeigt zunächst, wie wenig unerfüllte Stillerwartungen in der gesellschaftlichen Debatte und im wissenschaftlichen Diskurs vorkommen. Wer damit ringt, findet also weder Sprache noch Gesellschaft.

Im empirischen Teil rekonstruiert sie, wie die Frauen diese Erfahrung beschreiben und wie sie damit umgegangen sind. Anschliessend verortet sie das Thema im Modell Sexocorporel.

Daraus leitet sie ab, was für die sexologische Beratung und Begleitung von Frauen folgt — für ein Thema, das in der Sexualberatung selten auftaucht, obwohl es unmittelbar an Körper, Scham und Selbstbild rührt.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Halbstrukturierte Interviews mit fünf Frauen, die Arbeit ist auf Englisch verfasst. Befragt wurden ausschliesslich Frauen mit unerfüllten Stillerwartungen — die Arbeit beschreibt also diese Erfahrung, nicht ihre Häufigkeit.

Mit 215 Seiten gehört sie zu den ausführlichsten der Sammlung. Der Umfang kommt vor allem dem theoretischen Teil zugute, der ein bislang kaum bearbeitetes Feld erschliesst.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 215 Seiten und ist auf Englisch verfasst. Sie enthält die Aufarbeitung des gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskurses zum Stillen, die vollständige Auswertung der fünf Interviews sowie die Verortung im Modell Sexocorporel.

Abstract der Arbeit

In the theoretical part of this master's thesis, the extent to which unfulfilled breastfeeding expectations are only marginally addressed in the social debate and in scientific discourse is presented. In the subsequent empirical part, semi-structured interviews with five women are used to examine how they describe their experiences in connection with unfulfilled breastfeeding expectations and how they dealt with the experience in each case. Finally, the topic is located in the Sexocorporel model and implications from the theoretical and empirical discussion for sexological counseling and support of women are discussed. HS Merseburg / ISP Uster Samira Lütscher Stillerfahrungen jenseits gesellschaftlicher Stillnormen

Samira Lütscher, Abstract der Masterarbeit, 2022

Angaben zur Arbeit

Titel
Stillerfahrungen jenseits gesellschaftlicher Stillnormen : Eine qualitative Untersuchung über unerfüllte Stillerwartungen und Bezugspunkte zum Modell Sexocorporel

Verfasst von
Samira Lütscher

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3

Jahr
2022

Themen
Schwangerschaft & Geburt · Sexualberatung · Sexualtherapie · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Samira Lütscher: «Stillerfahrungen jenseits gesellschaftlicher Stillnormen : Eine qualitative Untersuchung über unerfüllte Stillerwartungen und Bezugspunkte zum Modell Sexocorporel». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Die Bedeutung sexueller Fantasien in der Sexualberatung nach Sexocorporel

Jessica Müller untersucht in der Masterarbeit «Die Bedeutung sexueller Fantasien in der Sexualberatung nach Sexocorporel» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Sexuelle Fantasien kommen in der Beratung oft zur Sprache — und ebenso oft weiss die Fachperson nicht recht, was damit anzufangen ist. Diese Arbeit fragt drei Sexualberater*innen, die nach Sexocorporel arbeiten, wie sie damit umgehen. Ihre erste Antwort: Eine saubere Definition gibt es nicht.

Was ist eine sexuelle Fantasie?

Weder in der Literatur noch bei den Befragten findet sich eine einheitliche Definition. Die Autorin beschreibt das Verhältnis treffend als gemeinsamen Kern mit unterschiedlichen Blüten drumherum.

Auch eine Kategorisierung scheitert. Die Inhalte sexueller Fantasien weisen jeweils Aspekte mehrerer Kategorien gleichzeitig auf, sodass eine eindeutige Systematisierung nicht möglich ist.

Für die Beratung ist das keine akademische Feststellung. Wer nach Fantasien fragt, sollte nicht voraussetzen, dass alle dasselbe meinen — die Klärung ist Teil des Gesprächs.

Körperliche oder emotionale Erregung?

Hier liegt eine begriffliche Unterscheidung, die die Arbeit klarer trifft als ein Grossteil der Literatur. Sexuelle Fantasien stehen in direktem Zusammenhang mit der emotionalen Erregung und können sie auslösen.

Der Forschungsstand stützt das: Fantasien können sowohl die physiologischen als auch die psychologischen Anteile der sexuellen Reaktion beeinflussen, etwa indem beim Auftreten einer Fantasie Gefühle fokussiert werden.

Die Autorin weist darauf hin, dass viele Autor*innen schlicht von sexueller Erregung sprechen, ohne kenntlich zu machen, ob körperliche, emotionale oder beides gemeint sind. Wer die beiden trennt, kann in der Beratung anders arbeiten.

Welche Interventionen bieten sich an?

Aus den Interviews treten sechs Themen hervor, darunter die Fantasie als Teil des Körpers, ihr Verhältnis zum Bedürfnis nach genitaler Erregung, ihre Rolle in der Paarbeziehung — und die Fantasie als Möglichkeitsform: können statt sein.

Die Arbeit zeigt, dass sich rund um Fantasien verschiedene Interventionen anbieten, die beraterisch vielseitig einsetzbar sind.

Bemerkenswert ist der Umgang mit der Scham, die im Zusammenhang mit Fantasien fast immer auftaucht. Sie wird nicht als Hindernis behandelt, das wegzuräumen wäre, sondern als etwas, das seine Sinnhaftigkeit hat und beraterisch genutzt werden kann.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Drei Interviews mit Sexualberater*innen, die nach dem Sexocorporel-Ansatz arbeiten, ausgewertet nach einer an der Grounded Theory orientierten Methode.

Befragt wurde damit eine sehr spezifische Gruppe — Fachpersonen eines Ansatzes. Wie Beraterinnen anderer Schulen mit Fantasien arbeiten, zeigt die Arbeit nicht, und sie beansprucht es auch nicht.

Der Ertrag liegt in der theoretischen Einbettung: Der Begriff wird über kognitive Psychologie, Sexualwissenschaft, systemische Therapie und Sexoanalyse verortet, bevor die Praxis zu Wort kommt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 93 Seiten. Sie enthält die theoretische Einbettung des Konzepts der sexuellen Fantasie, die vollständige Auswertung der drei Interviews entlang der sechs Themenbereiche sowie die Diskussion der Scham als beraterische Ressource.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersuchte die Frage, welche Bedeutung sexuelle Fantasien in der Sexualberatung nach Sexocorporel haben. Dabei wurde den Fragen nachgegangen, wie sexuelle Fantasien innerhalb des Modells zu verstehen sind und welche beraterischen Interventionen sich rund um sexuelle Fantasien in der Sexualberatung nach Sexocorporel anbieten. Zur theoretischen Einbettung des Konzepts der sexuellen Fantasie, wurden Literatur und Studien aus den Bereichen der kognitiven Psychologie, der Sexualwissenschaft, der systemischen Therapie, bezüglich der Sexoanalyse und des Modells Sexocorporel hinzugezogen. Um die Fragestellungen zu beantworten wurden Expert*inneninterviews mit drei Sexualberater*innen durchgeführt, welche nach dem Sexocorporel-Ansatz arbeiten. Basierend auf einer qualitativen Auswertungsmethode nach Bogner, Littig, und Menz (2014), welche sich an der Grounded-Theory-Methodologie orientiert, wurden die Interviews kodiert und ausgewertet. Aus den Daten ergaben sich folgende zentrale Themen: Offenheit der Definition sexueller Fantasien; Sexuelle Fantasie als Teil des Körpers; Sexuelle Fantasien und das Bedürfnis nach genitaler Erregung; Sexuelle Fantasien im Kontext der Paarbeziehung; Sexuelle Fantasie als Möglichkeitsform – können statt sein; Vielfalt der Interventionen. Die vorliegende Arbeit zeigt auf, dass sich rund um sexuelle Fantasien verschiedene Interventionen anbieten, die beraterisch vielseitig eingesetzt werden können. Es wird diskutiert, dass auch die Scham, häufig im Zusammenhang mit sexuellen Fantasien auftretend, ihre Sinnhaftigkeit hat und beraterisch genutzt werden kann.

Jessica Müller, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Die Bedeutung sexueller Fantasien in der Sexualberatung nach Sexocorporel

Verfasst von
Jessica Müller

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Sexuelle Fantasien · Sexualberatung · Paarsexualität · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Jessica Müller: «Die Bedeutung sexueller Fantasien in der Sexualberatung nach Sexocorporel». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Bildung zur sexuellen Gesundheit im schulischen Kontext in der Innerschweiz

Natalie Blaser untersucht in der Masterarbeit «Bildung zur sexuellen Gesundheit im schulischen Kontext in der Innerschweiz» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Schulische Sexualerziehung ist ein gesetzlicher Bildungsauftrag — umgesetzt wird er sehr unterschiedlich. Diese Arbeit fragt nicht die Schulen, sondern die Jugendlichen der Innerschweiz. Das Bild, das dabei entsteht, nennt die Autorin selbst bedenklich.

Was bekommen Jugendliche vermittelt?

Oberflächliches Wissen. Auf die Anliegen der Jugendlichen wird kaum eingegangen. Das ist der Befund, den die Interviews mit Jugendlichen aus der Innerschweiz ergeben.

Gewünscht werden dagegen konkrete Themen — genannt werden unter anderem sexuelle Gewalt und Beziehung. Also genau die Bereiche, die über Biologie hinausgehen und im Unterricht am ehesten ausgespart bleiben.

Die Gründe für die uneinheitliche Umsetzung sind bekannt: die fehlende Verankerung in den Lehrplänen, die persönlichen Einstellungen der Lehrpersonen und die Vorgaben der Institution.

Was schlägt die Arbeit vor?

Zwei Handlungsempfehlungen, die beide praktisch umsetzbar sind.

Erstens: Jugendliche sollen bei der Gestaltung des Unterrichts ein Mitspracherecht haben. Das heisst, sie werden aktiv nach Wünschen, Bedürfnissen und Interessen befragt — anonym, etwa schriftlich oder über eine Online-Plattform. Die Antworten werden ausgewertet und in den Unterricht eingebaut.

Zweitens: Lehrpersonen sollen externe Hilfe beiziehen können. Es sollte für die Schule selbstverständlich sein, dass für die Sexualpädagogik externe Fachpersonen zu Rate gezogen werden — und Lehrpersonen sollten ausdrücklich ermutigt werden, das bei Unsicherheit zu tun.

Aus beidem ergibt sich das Kooperationsmodell, das die Arbeit als erstrebenswert beschreibt.

Warum lohnt sich das?

Weil eine frühe und umfangreiche Sexualerziehung gute Rahmenbedingungen schafft, um die Entwicklungsaufgaben des Kindes- und Jugendalters zu bewältigen und einen verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität zu lernen.

Voraussetzung dafür ist eine altersgerechte und fachlich korrekte sexuelle Bildung, die den Bedürfnissen der Zielgruppe entspricht. Genau daran hakt es — nicht am guten Willen, sondern an der Passung.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Qualitative Interviews mit Jugendlichen aus der Innerschweiz, eingeordnet in den Forschungsstand und in die Entwicklungsaufgaben des Jugendalters. Die Zahl der Befragten ist klein, und sie stammen aus einer Region.

Der Wert liegt in der Perspektive. Über schulische Sexualerziehung wird meist mit Lehrpersonen, Schulleitungen und Eltern gesprochen. Hier kommen diejenigen zu Wort, um die es geht.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 83 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zur schulischen Sexualerziehung, die Einordnung in die Entwicklungsaufgaben des Jugendalters, die vollständige Auswertung der Interviews sowie die abgeleiteten Handlungsempfehlungen.

Abstract der Arbeit

Nicht nur die Eltern leisten als primäre Sozialisationsinstanz einen wesentlichen Beitrag zur Sexualerziehung, sondern auch die Instanz Schule übernimmt eine wichtige Funktion zur Förderung und Erhaltung der sexuellen Gesundheit im Kindes- und Jugendalter. Dieser gesetzliche Bildungsauftrag wird jedoch nicht überall gleichermassen umgesetzt, was häufig auf die fehlende Verankerung in den Lehrplänen, wie auch auf persönliche Einstellungen der Lehrpersonen oder Vorgaben der Institution zurückzuführen ist. Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, die Bedürfnisse der Jugendlichen bezüglich Schulischer Sexualerziehung aufzuzeigen und diese anhand von bisheriger Forschungsliteratur sowie Ergebnissen aus qualitativen Interviews mit Jugendlichen aus der Innerschweiz in einen Zusammenhang mit den Entwicklungsaufgaben des Jugendalters zu stellen. Dabei wird ein genaueres Augenmerk zu sexuellen Themen im Unterricht gelegt. Bezüglich der Umsetzung der Schulischen Sexualerziehung in der Innerschweiz zeichnet sich ein bedenkliches Bild ab, da den Jugendlichen nur oberflächliches Wissen zu Sexualität vermittelt und auf ihre Bedürfnisse zu sexuellen Inhalten kaum eingegangen wird. Die Heranwachsenden wünschen sich hingegen vermehrt Informationen zu spezifischen Themen wie beispielsweise «Sexuelle Gewalt» oder «Beziehung». Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, bietet sich im schulischen Kontext das erstrebenswerte Kooperationsmodell an, welches den Lehrpersonen durch externe Fachkräfte Unterstützung zu solch sensiblen Themen zusichert, wodurch auf die geäusserten Bedürfnisse der Jugendlichen besser eingegangen werden könnte.

Natalie Blaser, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Bildung zur sexuellen Gesundheit im schulischen Kontext in der Innerschweiz

Verfasst von
Natalie Blaser

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Jugendsexualität · Geschlecht & Identität · Sexualberatung

Lizenz und Nachweis. Natalie Blaser: «Bildung zur sexuellen Gesundheit im schulischen Kontext in der Innerschweiz». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA1 Masterarbeit

Weibliche Sexualität im Kontext einer Brustentfernung (Ablatio mammae)

Simone Dudle untersucht in der Masterarbeit «Weibliche Sexualität im Kontext einer Brustentfernung (Ablatio Mammae)» am ISP. Die Arbeit entstand 2017 im Jahrgang MA1 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Nach einer Brustentfernung richtet sich die Nachsorge auf Heilung, Rekonstruktion und Rückfallrisiko. Was mit der Sexualität geschieht, wird meist erst gefragt, wenn die Frau es selbst anspricht — und junge Frauen sprechen es selten an. Diese Arbeit hat zwei Betroffene ein Jahr nach dem Eingriff befragt.

Was verändert sich?

Operation, Bestrahlung und medikamentöse Therapien wirken auf die körperliche, psychische und kognitive Ebene der weiblichen sexuellen Gesundheit — nicht nacheinander, sondern gleichzeitig.

Die Veränderungen am Körper lösen Emotionen aus und beeinflussen das sexuelle Erleben. Aus den psychischen und körperlichen Veränderungen können zwischenmenschliche Schwierigkeiten folgen.

Drei Dinge erschweren nach dieser Arbeit den Zugang zu lustvoller Sexualität besonders: Veränderungen des Körperbilds mit belastender Wirkung auf die weibliche Identität, sexuelle Funktionsstörungen und Kommunikationsprobleme in der Paarbeziehung.

Warum reicht es nicht, die Funktion zu behandeln?

Weil Funktionalität und Genusserleben eng zusammenhängen und gleichermassen beachtet werden müssen. Eine Nachsorge, die nur prüft, ob etwas möglich ist, übergeht die Frage, ob es als lustvoll erlebt wird.

Die Arbeit beschreibt, was nach einer Brustentfernung tatsächlich ansteht: eine sexuelle Neudefinition und Neuorientierung. Das ist kein Reparaturvorgang, sondern ein Prozess.

Er verlangt Abschied und Trauer, Loslassen — und erst später das Annehmen und Neubesetzen der sexuellen Identität. Wer diese Abfolge kennt, kann Betroffene anders begleiten als jemand, der auf schnelle Wiederherstellung zielt.

Was kann die Sexualberatung leisten?

Die Arbeit stellt die Erkenntnisse aus den Interviews Interventionen der Sexualberatung gegenüber und zeigt an einem Beispiel aus der eigenen Beratungspraxis, wie eine solche Begleitung konkret aussieht.

Als Grundlage dienen psychosomatische und sexualwissenschaftliche Ansätze, insbesondere das Modell Sexocorporel und das Konzept der Salutogenese — also ein Zugang, der nach den Kräften fragt, die Gesundheit erhalten, statt nach dem Defekt.

Für Fachpersonen in Onkologie, Nachsorge und Beratung ist die Arbeit deshalb brauchbar: Sie benennt den Bedarf und liefert das Vorgehen gleich mit.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Zwei retrospektive Interviews mit jungen betroffenen Frauen, geführt ein Jahr nach dem Eingriff mit einem teilstrukturierten Leitfaden. Zwei Frauen sind eine sehr schmale Grundlage.

Die Arbeit stützt ihre Schlüsse deshalb stark auf den Forschungsstand und nutzt die Interviews zur Veranschaulichung. Der zeitliche Abstand von einem Jahr ist dabei sinnvoll gewählt — er erfasst nicht die akute Phase, sondern den Zustand danach.

Es ist eine der beiden Arbeiten aus dem Jahrgang MA1, dem ersten des Studiengangs.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 127 Seiten. Sie enthält die psychosomatischen und sexualwissenschaftlichen Grundlagen, den Forschungsstand zu Sexualität nach Brustkrebs, die vollständige Auswertung der beiden Interviews sowie das Fallbeispiel aus der Beratungspraxis.

Abstract der Arbeit

In dieser Masterarbeit werden Aspekte weiblicher Sexualität und der sexuellen Gesundheit von Frauen im gebärfähigen Alter vor und nach einer Brustentfernung dargelegt und untersucht. Grundlage bilden dabei psychosomatische und sexualwissenschaftliche Ansätze wie das Modell Sexocorporel und das Konzept der Salutogenese. Es wurden zwei retrospektive Interviews mit jungen betroffenen Frauen ein Jahr nach dem Eingriff mittels teilstrukturiertem Interviewleitfaden durchgeführt. Die Ergebnisse geben Aufschluss über die Art der Veränderungen, deren Wahrnehmung durch die betroffenen Frauen sowie den Bedarf an zusätzlicher Begleitung durch eine Sexualberatung. Anhand eines Beispiels aus der Beratungspraxis der Autorin wird die Möglichkeit und die Bedeutung der Sexualberatung im Zusammenhang mit einer Brustentfernung aufgezeigt. Die Erkenntnisse aus den Interviews werden Interventionen der Sexualberatung gegenübergestellt.

Simone Dudle, Abstract der Masterarbeit, 2017

Angaben zur Arbeit

Titel
Weibliche Sexualität im Kontext einer Brustentfernung (Ablatio Mammae) : Sexuelles Erleben von Frauen im gebärfähigen Alter vor einer Krebserkrankung und ein Jahr nach einer Brustentfernung und die Bedeutung der Sexualberatung

Verfasst von
Simone Dudle

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA1

Jahr
2017

Themen
Sexualberatung · Sexualität & Krankheit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Simone Dudle: «Weibliche Sexualität im Kontext einer Brustentfernung (Ablatio Mammae) : Sexuelles Erleben von Frauen im gebärfähigen Alter vor einer Krebserkrankung und ein Jahr nach einer Brustentfernung und die Bedeutung der Sexualberatung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP, 2017. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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