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MA4 Masterarbeit

Das Erleben der eigenen Person in der sexuellen Fantasie

Martina Güdel untersucht in der Masterarbeit «Das Erleben der eigenen Person in der sexuellen Fantasie» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Eine Frau, die ihren Körper beim Sex aktiv einsetzt und ein erotisiertes Verhältnis zum eigenen Geschlecht hat, findet sich in ihren Fantasien kaum in einem unbewegten Szenario der Unterwerfung wieder. Das ist die These dieser Arbeit — und sie verschiebt die Frage weg vom Inhalt der Fantasie hin zur eigenen Position darin.

Warum die eigene Position und nicht der Inhalt?

Weil der Inhalt einer Fantasie wenig darüber sagt, wie jemand sich selbst erlebt. Die Autorin untersucht stattdessen, wie sich die Person in ihrer eigenen Fantasie erlebt — als Spiegel der inneren Selbstwahrnehmung.

Ausgangspunkt ist eine Annahme des Modells Sexocorporel: Der Einsatz des Körpers bei der Erregung — über die drei Dimensionen Muskelspannung, Bewegung und Atmung sowie die Stimulation unterschiedlicher Rezeptoren — steht in Wechselwirkung mit dem Auftreten und den Inhalten sexueller Fantasien.

In der Beratung wird meist über den Inhalt gesprochen. Die Frage nach der eigenen Position darin wird selten gestellt.

Was zeigt die Untersuchung?

Es gibt Hinweise darauf, dass sexuelle Fantasien eng mit dem körperlichen Geschehen verbunden sind — und zwar nicht nur mit der Erregung, sondern auch mit den spezifischen Stimulationsmustern, den Körperhaltungen und der gesamten Sensumotorik.

Die Autorin ordnet das in den grösseren Rahmen ein: Phänomene, bei denen geistige Aktivität körperliche Folgen hat und umgekehrt, sind nicht isoliert zu betrachten, sondern im Kontext der Körper-Hirn-Einheit.

Daraus folgt ihre zugespitzte These: Vor dem Hintergrund der Embodimentforschung, der klinischen Erfahrung mit dem Modell und ihrer eigenen Befunde ist eher nicht davon auszugehen, dass eine Frau mit stark erotisiertem sexuellem Archetyp, intensiver Auseinandersetzung mit dem eigenen Geschlecht und aktiver Bewegung beim Sex sich in ihren Fantasien in einem unbewegten Unterwerfungsszenario wiederfindet.

Was heisst das für die Beratung?

Wenn Körperdynamik und Fantasieposition zusammenhängen, ist die Fantasie ein diagnostischer Zugang — besonders dort, wo sich über den Körper schwer sprechen lässt.

Zugleich entlastet die These. Wer sich in seinen Fantasien in einer Rolle wiederfindet, die er ablehnt, muss das nicht als Wunsch deuten. Es kann auf eine Körperdynamik verweisen, an der sich arbeiten lässt.

Damit steht diese Arbeit neben jener von Debora Dürst, die denselben Zusammenhang von der anderen Seite her untersucht — über die Muskelspannung.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Sechs qualitative Interviews mit erwachsenen Cis-Frauen. Die Autorin spricht durchgehend von Hinweisen, nicht von Nachweisen — und ihre zentrale These formuliert sie ausdrücklich als Wahrscheinlichkeitsaussage.

Diese Vorsicht ist angebracht. Sechs Interviews können einen Zusammenhang plausibel machen, nicht belegen. Was die Arbeit leistet, ist eine gut begründete Hypothese, die sich prüfen liesse.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 117 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu sexuellen Fantasien und Embodiment, die Herleitung aus dem Modell Sexocorporel sowie die vollständige Auswertung der sechs Interviews.

Abstract der Arbeit

Das Erleben der eigenen Person in der sexuellen Fantasie – Eine empirische Un- tersuchung zum persönlichen Erleben sexueller Fantasien bei erwachsenen Cis- Frauen und deren Zusammenhang mit der Art und Weise der Erregungssteigerung. Diese Masterarbeit untersucht das Erleben der eigenen Person in sexuellen Fanta- sien und deren Zusammenhang mit der Art und Weise der Erregungssteigerung. Ausgehend von der theoretischen und praxisgeprüften Annahme des Modells Sexocorporel, das davon ausgeht, dass der Einsatz des Körpers in der sexuellen Erregung – mit Fokus auf die drei Dimensionen des Körpers (Muskelspannung, Be- wegung, Atmung) und der Stimulation unterschiedlichster Rezeptoren – in Wech- selwirkung mit dem Auftreten und den Inhalten sexueller Fantasien steht, wurde das Erleben des eigenen Selbst in der sexuellen Fantasie als Spiegel der inneren Selbstwahrnehmung untersucht. In sechs qualitativen Interviews wurden die drei Hauptfragestellungen erforscht und die zugrunde liegenden Annahmen geprüft.

Martina Güdel, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Das Erleben der eigenen Person in der sexuellen Fantasie : Eine empirische Untersuchung zum persönlichen Erleben sexueller Fantasien bei erwachsenen Cis-Frauen und deren Zusammenhang mit der Art und Weise der Erregungssteigerung

Verfasst von
Martina Güdel

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Sexuelle Fantasien · Pornografie · Verhütung · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Martina Güdel: «Das Erleben der eigenen Person in der sexuellen Fantasie : Eine empirische Untersuchung zum persönlichen Erleben sexueller Fantasien bei erwachsenen Cis-Frauen und deren Zusammenhang mit der Art und Weise der Erregungssteigerung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Sprechende Sexualkörper – Innere Bilder in der Sexualtherapie

Slobodanka Periz untersucht in der Masterarbeit «Sprechende Sexualkörper – Innere Bilder in der Sexualtherapie» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Manche Klientinnen kommen an ihr Körperempfinden kaum heran. Diese Arbeit prüft, ob sich dafür Werkzeuge aus anderen Verfahren nutzen lassen — und findet einen Weg, starke Emotionen zu bearbeiten, ohne zu retraumatisieren.

Welche Werkzeuge werden verbunden?

Logosynthese und Bodenanker, wie sie aus der systemischen Aufstellung und dem NLP bekannt sind — verbunden mit der Sexualtherapie nach dem Modell Sexocorporel und dem Embodiment-Ansatz.

Im Zentrum steht die Evokation von Inneren Bildern, Emotionen und Körperempfindungen. Der Nutzen zeigt sich nach dieser Arbeit besonders bei Klientinnen und Klienten, die Schwierigkeiten mit der Körperwahrnehmung haben.

Der theoretische Rahmen ist breit angelegt: von Descartes‘ Leib-Seele-Trennung über Embodiment bis zur Frage, welche Rolle Zeit und Präsenz in der Therapie spielen.

Was zeigt die Fallvignette?

Drei Sitzungen mit einer Cis-Frau, dokumentiert und ausgewertet. Die Ergebnisse betreffen zwei Ebenen.

Erstens verbesserten sich Körperempfinden und der Kontakt zum eigenen Geschlecht — auf der Ebene der Gefühle wie der Körperwahrnehmung. Kommunikation und Empathie für das eigene Geschlecht wurden aktiviert.

Zweitens, und methodisch wichtiger: Die schrittweise Annäherung an starke Emotionen über eine Metaposition auf einem separaten Bodenanker im Raum ermöglichte einen retraumatisierungsfreien Prozess. Der Abstand ist dabei nicht metaphorisch, sondern räumlich — man steht woanders.

Was heisst das für die Praxis?

Die Arbeit hält fest, dass sich Coachingelemente wie Logosynthese und Bodenanker gut in die sexologische Praxis integrieren lassen — und dass körpertherapeutische Interventionen während der gesamten Arbeit eingebunden werden können, um Körperwahrnehmung und Verständnis der Körperdynamik zu erhöhen.

Ein Satz beschreibt die Haltung dahinter am besten: Der Körper der Klientin gibt an, wann er von sich aus etwas sagen oder zeigen will. Die Methode drängt nicht, sie schafft Gelegenheit.

Die Autorin sieht Potenzial für künftige Arbeiten im Bereich von Neovaginen und Neopenissen und vermutet, dass die Methoden für alle Geschlechter und Operationsstadien nutzbar sein könnten.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine Fallvignette über drei Sitzungen mit einer Person, ergänzt durch parallel geführte Expertengespräche. Das ist der kleinstmögliche empirische Umfang — und für die Erprobung eines Vorgehens eine legitime Form.

Was die Arbeit zeigt, ist Machbarkeit und ein plausibler Wirkweg, nicht Wirksamkeit. Wer die Methode übernehmen will, sollte den Hinweis der Autorin beherzigen: Sie beschreibt ausdrücklich, was in einer Aufstellung nie gemacht wird, und formuliert eine Warnung zur therapeutischen Haltung.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 95 Seiten. Sie enthält die theoretischen Grundlagen zu Embodiment, Inneren Bildern und Imagination, die ausführliche Anleitung zum Vorgehen mit Bodenankern samt Warnungen und Grenzen sowie die vollständige Fallvignette.

Die Fragestellung

Die Arbeit geht diesen Fragen nach:

  • Wie kann sie gestaltet werden und womit wird sie auf welche Weise gefüllt?
  • Was ist Descartes Ziel mit seiner Schrift?

Methodisches Vorgehen

Die Arbeit stützt sich auf Interviews mit Fachpersonen. Der Volltext umfasst 95 Seiten.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Verbindungsmöglichkeit von Logosynthese und Bodenankern (wie in der Systemischen Aufstellung oder im NLP) mit der Sexualtherapie nach dem Modell Sexocorporel und dem Embodimentansatz. Es geht um die Evokation von Inneren Bildern, Emotionen und Körperempfindungen. Der Nutzen scheint sich besonders bei Klienten zu zeigen, die Schwierigkeiten mit der Körperwahrnehmung haben. Eine Fallvignette, bestehend aus drei Sitzungen, mit einer CIS-Frau, demonstriert Vorteile im Körperempfinden und im Kontakt mit dem eigenen Geschlecht auf der Ebene der Gefühle und Körperwahrnehmung. Kommunikation und Empathie für das eigene Geschlecht wurden aktiviert. Die schrittweise Annäherung an starke Emotionen mithilfe der Metaposition auf einem separaten (Boden)Anker im Raum, ermöglichte einen retraumatisierungsfreien Prozess. Coachingelemente wie Logosynthese und Bodenanker lassen sich gut in die sexologische Praxis integrieren. Abschliessend lässt sich zusammenfassen, dass körpertherapeutische Interventionen während der gesamten Arbeit eingebunden werden können, um die Körperwahrnehmung und das Verständnis der Körperdynamik zu erhöhen. Der Körper der Klientin gibt an, wann er von sich aus etwas sagen oder zeigen will. Diese Methoden bieten Potenzial für zukünftige Arbeiten im Bereich von Neovaginen und Neopenissen und deuten darauf hin, dass sie auch für alle Geschlechter und Operationsstadien nutzbar sein könnten.

Slobodanka Periz, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Sprechende Sexualkörper – Die Arbeit mit Inneren Bildern in der Sexualtherapie

Verfasst von
Slobodanka Periz

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Sexualtherapie · Sexuelle Fantasien · Soziale Arbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Slobodanka Periz: «Sprechende Sexualkörper – Die Arbeit mit Inneren Bildern in der Sexualtherapie». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA3 Masterarbeit

Sexuelle Lust im Kontext der Sexarbeit

Ricarda Bacchi und Linda Spörri untersucht in der Masterarbeit «Sexuelle Lust im Kontext der Sexarbeit» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Forschung zur Sexarbeit blickt meist auf die — überwiegend männlichen — Freier. Diese Arbeit dreht die Perspektive um und fragt die Sexarbeitenden selbst: Unterscheidet sich ihr Lustempfinden im beruflichen Sex von dem im privaten? Die Antwort fällt anders aus als erwartet.

Woran hängt das Lustempfinden?

Nicht am Kontext, sondern an der eigenen Geschichte. Das Lustempfinden der Befragten bezieht sich in erster Linie auf ihre persönlichen sexuellen Lernschritte.

Daraus folgt der zentrale Befund: Können sie ihre Tätigkeit in einem sicheren Umfeld ausüben, frei von Zwang und ohne negative Erfahrungen, kann das Lustempfinden im beruflichen Sex ebenso wahrgenommen werden wie im privaten.

Das widerspricht der verbreiteten Annahme, beruflicher Sex sei per se lustlos. Es widerspricht ebenso der Vorstellung, er sei unproblematisch — die Bedingungen im Satz sind entscheidend.

Wie wurde vorgegangen?

Die Arbeit ordnet zunächst den Sexmarkt Schweiz mit Schwerpunkt auf der Stadt Zürich ein und erläutert die einschlägigen Begriffe und Gesetzesartikel — eine Grundlage, die man selten so ausführlich findet.

Anschliessend wurden je drei Interviews mit Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern geführt. Ausgewertet wurden sie entlang der Dimensionen des Modells Sexocorporel, darunter sexueller Archetyp, sexuelle Anziehungscodes, sexuelle Fantasien und sexuelles Lustempfinden.

Dass auch Sexarbeiter befragt wurden und nicht nur Sexarbeiterinnen, ist ungewöhnlich und erweitert das Bild.

Was ist das Anliegen der Autorinnen?

Sie formulieren es selbst: Die Leserschaft soll ein vertieftes Verständnis und eine Wertschätzung gegenüber dem Beruf der Sexarbeit entwickeln.

Damit ist die Arbeit auch ein Beitrag zur Entstigmatisierung — und sie liefert das Material dafür nicht über ein Plädoyer, sondern über die Schilderungen der Befragten.

Es ist zudem die einzige Arbeit dieser Sammlung, die von zwei Personen gemeinsam verfasst wurde. Die Verantwortlichkeiten sind im Text kapitelweise gekennzeichnet.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Sechs Interviews, ausgewertet entlang eines festen Kategoriensystems. Sexarbeit umfasst sehr unterschiedliche Arbeitsbedingungen, Rechtsstellungen und Abhängigkeiten — sechs Personen bilden dieses Feld nicht ab.

Wer sich für ein Interview über das eigene Lustempfinden zur Verfügung stellt, arbeitet zudem wahrscheinlich unter vergleichsweise guten Bedingungen. Genau diese Bedingungen sind aber die Voraussetzung im Hauptbefund — die Arbeit beschreibt also, was möglich ist, nicht was üblich ist.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 132 Seiten. Sie enthält die Einordnung des Sexmarkts Schweiz mit Begriffen und Gesetzesartikeln, die vollständige Auswertung der sechs Interviews entlang der Dimensionen des Modells Sexocorporel sowie die Erkenntnisse für die sexologische Tätigkeit.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der sexuellen Lust im Bereich der Sexarbeit. Anders als in vielen Forschungsarbeiten, wird hier die Perspektive seitens der Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter erforscht und nicht jene der meist männlichen Freier. Somit wird der Frage nachgegangen, inwiefern sich das sexuelle Lustempfinden von Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter der Stadt Zürich hinsichtlich des beruflichen Sex und privatem Sex unterschei- det. Um diese Frage zu beantworten, wird zunächst der Sexmarkt Schweiz, mit Fokus auf die Stadt Zürich, näher betrachtet und verschiedene Begriffe sowie Gesetzesartikel detailliert erläutert. Um in die Lebenswelten der Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter einzutauchen und ihre Sexualität möglichst ganzheitlich zu verstehen, wurden von beiden Geschlechtern je- weils drei Interviews durchgeführt. Die gewonnen Daten wurden strukturiert, ausgewertet, mit der Theorie verknüpft und diskutiert. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich das sexuelle Lustempfinden der Sexar- beiterinnen und Sexarbeiter in erster Linie auf ihre Lernschritte ihrer persönlichen Sexualität bezieht. Können sie in einem sicheren Umfeld, frei von Zwang und negativen Erfahrungen ihre Tätigkeit ausüben, kann das Lustempfinden im beruflichen Sex gleichermassen wahr- genommen werden, wie im privaten Sex. Die Autorinnen der vorliegenden Arbeit erhoffen sich, dass die Leserschaft ein vertieftes Verständnis und eine Wertschätzung gegenüber dem Beruf der Sexarbeit entwickelt und die spannenden sexuellen Facetten erkennt. Schlüsselbegriffe Sexarbeit – Sexuelle Lust – Sexocorporel – Sexarbeiterinnen – Sexarbeiter – Zürich – Sexmarkt – Vulnerabilitätsfaktoren – Sexuelle Gesundheit – Polyvagaltheorie

Ricarda Bacchi und Linda Spörri, Abstract der Masterarbeit, 2022

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexuelle Lust im Kontext der Sexarbeit – Eine Gegenüberstellung von sexueller Lust zwischen beruflichem und privatem Sex von Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern

Verfasst von
Ricarda Bacchi und Linda Spörri

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3

Jahr
2022

Themen
Sexarbeit · Sexuelles Verlangen · Sexuelle Fantasien · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Ricarda Bacchi und Linda Spörri: «Sexuelle Lust im Kontext der Sexarbeit – Eine Gegenüberstellung von sexueller Lust zwischen beruflichem und privatem Sex von Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA3 Masterarbeit

Porno-Bild-Fantasien – eine malerische Auseinandersetzung

Joana Bösch untersucht in der Masterarbeit «Porno-Bild-Fantasien – eine malerische Auseinandersetzung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Joana Bösch nähert sich der Pornografie nicht über die Analyse, sondern über den Pinsel. Sie malt Pornofilme — und dokumentiert dabei, wie sich ihre eigene Haltung zum Thema verändert. Das macht diese Arbeit zur ungewöhnlichsten der Sammlung.

Wie funktioniert der malerische Zugang?

Aus dem Pornofilm entsteht ein Gemälde, das seinerseits sexuelle Fantasien anregen kann. Die Autorin beschreibt das als transformativen Prozess: Das Bewegtbild wird zum Standbild, das Konsumierte zum Gestalteten.

Während dieses Prozesses entstehen Fragen aus einer weiblichen Perspektive — wie sich Porno überhaupt definieren lässt, oder ob Pornos sexualtherapeutisch nutzbar sind. Diesen Fragen geht sie über eine Literaturrecherche nach.

Das Ergebnis ist deshalb zweierlei: eine literaturgestützte Auseinandersetzung mit Pornografie und sexuellen Fantasien — und eigenständige Gemälde mit begleitenden Texten.

Was verändert die Auseinandersetzung?

Hier wird die Arbeit methodisch bemerkenswert. Die Autorin hält ihre eigene Haltung zu Beginn fest — neugierig, offen, Mainstream-Pornos konsumierend — und prüft am Ende, was sich verändert hat.

Kurzfristig, noch während des Projekts: ein abnehmendes Bedürfnis, Mainstream-Pornos zu schauen, nachdem sie unzählige davon angesehen hatte. Dazu das Suchen und Entdecken sehr unterschiedlicher Angebote, die Pornografie auf andere Weise darstellen.

Langfristig, auch Monate später: ein stärkeres Bewusstsein für die Hintergründe von Pornografie. Konkret heisst das, dass es ihr wichtig geworden ist, für die Pornos, die sie schaut, zu bezahlen.

Warum ist das mehr als eine persönliche Notiz?

Weil es die eigene Position offenlegt, statt sie zu verstecken. Wer über Pornografie forscht, hat eine Haltung dazu — die meisten Arbeiten sagen nicht welche.

Für die sexualpädagogische Praxis ist die Beobachtung zudem übertragbar: Die intensive, bewusste Auseinandersetzung mit dem Material verändert den Konsum stärker als jede Ermahnung. Das ist derselbe Mechanismus, den mehrere andere Arbeiten dieser Sammlung beschreiben.

Wer Pornografie in der Beratung sonst nur als Problem behandelt, findet hier einen anderen Zugang.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Es handelt sich um eine künstlerisch-reflexive Arbeit mit Literaturrecherche, nicht um eine empirische Untersuchung. Es gibt keine Befragten und keine Stichprobe — die Erfahrungsbasis ist die Autorin selbst.

Entsprechend lassen sich die Beobachtungen nicht verallgemeinern, und die Arbeit beansprucht es auch nicht. Was sie leistet, ist ein Zugang zu einem Thema, der in der Sexualwissenschaft selten gewählt wird, und eine sorgfältig dokumentierte Selbstreflexion.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 75 Seiten. Sie enthält die literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Pornografie und sexuellen Fantasien, die Dokumentation des malerischen Prozesses, die entstandenen Gemälde mit den begleitenden Texten sowie die Reflexion der eigenen Haltung.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit nutzt den malerischen Prozess, um sich mit dem Pornofilm auseinanderzusetzen. Dabei wird ein transformativer Prozess erlebt, in welchem aus dem Pornofilm ein Gemälde entsteht, das sexuelle Fantasien anregen kann. Während dieses Prozesses findet eine persönliche Reflexion zur Pornografie statt, welche Fragen zur Pornografie aufwirft, die eine weibliche Perspektive widerspiegeln. Durch Literaturrecherche wird versucht, Antworten auf diese Fragen zu finden. Ergebnisse dieser Arbeit sind, neben der literaturwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Pornografie und sexuellen Fantasien, eigenständige Gemälde. Diese Gemälde werden von Texten begleitet, welche sexuelle Fantasien widerspiegeln und diese anregen können.

Joana Bösch, Abstract der Masterarbeit, 2022

Angaben zur Arbeit

Titel
Porno-Bild-Fantasien – eine malerische Auseinandersetzung

Verfasst von
Joana Bösch

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3

Jahr
2022

Themen
Pornografie · Sexuelle Fantasien · Recht & Ethik

Lizenz und Nachweis. Joana Bösch: «Porno-Bild-Fantasien – eine malerische Auseinandersetzung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA3 Masterarbeit

Sexualität junger Männer zwischen tradierten und modernen Geschlechterrollenbildern

Lea von Mühlenen untersucht in der Masterarbeit «Sexualität junger Männer zwischen tradierten und modernen Geschlechterrollenbildern» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

«Wer ist jetzt bei euch zuhause das Oberhaupt?» Diese Frage bekam einer der vier befragten jungen Männer zu hören, weil seine Freundin mehr verdient und beruflich erfolgreicher ist. Die Arbeit zeigt, was es kostet, sich vom traditionellen Rollenbild zu lösen — und was dabei hilft.

Wie sehen sich junge Männer heute?

Die vier Befragten sind sehr unterschiedlich aufgewachsen und haben dennoch ähnliche Vorstellungen: Sie distanzieren sich klar von den klassischen Geschlechterrollenbildern.

Ihre Selbstbeschreibung deckt sich mit dem Bild des «neuen Mannes» aus der Forschung — eines Mannes, der sich im Alltag mit der Partnerin abspricht und gemeinsame Vorstellungen von Elternschaft und Partnerschaft im Team umsetzt.

Das ist zunächst eine Erfolgsgeschichte. Die Arbeit zeigt aber auch, was sie kostet.

Was kostet die Distanzierung?

Rollenabweichendes Verhalten bleibt im Umfeld nicht unbemerkt. Der Befragte, dessen Partnerin mehr verdient, erhielt Kommentare, die infrage stellten, wer zuhause das Sagen habe — eine Erfahrung, die auch die Forschungsliteratur beschreibt.

Insgesamt identifiziert die Arbeit fünf Spannungsfelder, die aus den widersprüchlichen Erwartungshaltungen entstehen. Drei davon betreffen unmittelbar die Sexualität.

Die Distanzierung vom traditionellen Bild ist also keine einmalige Entscheidung, sondern eine dauernde Aushandlung mit dem Umfeld.

Was hilft dabei?

Neben persönlichen und sozialen Ressourcen findet die Arbeit viele Ressourcen im Gefühl der Geschlechtszugehörigkeit — also genau dort, wo das Modell Sexocorporel ansetzt.

Das ist der eigentliche Beitrag der Arbeit zur sexologischen Praxis. Wenn sich ein junger Mann zwischen widersprüchlichen Erwartungen zerrieben fühlt, liegt der Ansatzpunkt nicht nur im Gespräch über Rollen, sondern im eigenen Verhältnis zum Geschlecht, dem er sich zugehörig fühlt.

Die Autorin hält fest, dass weitere Forschung nötig ist, um diese Ergebnisse zu untermauern.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Teilstandardisierte Leitfadeninterviews mit vier jungen Männern, ausgewertet nach Mayring. Vier Personen bilden keine Generation ab.

Auffällig ist die Einheitlichkeit der Aussagen trotz sehr unterschiedlicher Herkunft — das spricht für ein verbreitetes Muster, kann aber auch daran liegen, welche jungen Männer sich für ein Gespräch über Männlichkeit und Sexualität zur Verfügung stellen.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 152 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu Männlichkeit und Geschlechterrollen, die Herleitung der fünf Spannungsfelder, die vollständige Auswertung der vier Interviews sowie die Einordnung in das Modell Sexocorporel.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den teilweise konträren traditionellen und moder- nen Erwartungen an das männliche Geschlechterrollenbild und den daraus resultierenden Spannungsfeldern für junge Männer. Die Datenerhebung erfolgte durch teilstandardisierte Leitfadeninterviews und zur Auswertung der Daten wurde eine Inhaltsanalyse nach May- ring durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die jungen Männer vom traditionellen Geschlechterrollenbild distanzieren und beschreiben ihre Rolle mehr im Kontext des Rol- lenmodells des “neuen Mannes”. Insgesamt konnten fünf Spannungsfelder aus den ver- schiedenen Erwartungshaltungen identifiziert werden, wovon drei Spannungsfelder die Sexualität betreffen. Neben persönlichen und sozialen Ressourcen zeigten die Ergeb- nisse, dass viele Ressourcen im Gefühl der Geschlechtszugehörigkeit junge Männer bei der Bewältigung der Spannungsfelder unterstützen können. Weitere Forschung ist in Zu- kunft nötig, um diese Ergebnisse zu untermauern.

Lea von Mühlenen, Abstract der Masterarbeit, 2022

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexualität junger Männer zwischen tradierten und modernen Geschlechterrollenbildern : Eine qualitative Untersuchung zum Gefühl der Geschlechtszugehörigkeit und dessen Interdependenzen im Modell Sexocorporel

Verfasst von
Lea von Mühlenen

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3

Jahr
2022

Themen
Geschlecht & Identität · Männlichkeit · Sexuelle Fantasien

Lizenz und Nachweis. Lea von Mühlenen: «Sexualität junger Männer zwischen tradierten und modernen Geschlechterrollenbildern : Eine qualitative Untersuchung zum Gefühl der Geschlechtszugehörigkeit und dessen Interdependenzen im Modell Sexocorporel». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Die Bedeutung sexueller Fantasien unter hoher Muskelspannung

Debora Dürst untersucht in der Masterarbeit «Die Bedeutung sexueller Fantasien unter hoher Muskelspannung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Das Modell Sexocorporel nimmt an, dass Körper und Geist eine Einheit bilden — dass der Geist widerspiegelt, was der Körper erlebt. Diese Arbeit prüft die Annahme an einem konkreten Fall: Zeigt sich hohe Muskelspannung während der Erregung in den sexuellen Fantasien?

Wie lässt sich das überhaupt prüfen?

Die Autorin befragte fünf Frauen, die in Sexualtherapie sind und einen Erregungsmodus mit hoher Muskelspannung haben. Die Interviews wertete sie inhaltlich strukturierend nach Kuckartz aus.

Geprüft wurde zweierlei: erstens, ob sich die Muskelspannung in den Fantasien überhaupt zeigt — und zweitens, falls ja, auf welche Weise. Ziel war, die sexuellen Fantasien als Instrument der Sexualevaluation nutzbar zu machen.

Was zeigen die Fantasien?

Die Kriterien, die das Modell für hohe Muskelspannung annimmt, tauchen in den Interviews mehrheitlich auf — und es zeichnen sich weitere ab, die im Modell bisher nicht vorgesehen sind.

Bei jeder Befragten liessen sich Rückschlüsse auf ihre Muskelspannung ziehen, für die das Modell eine Erklärung bietet. Die Untersuchung stützt damit die Grundannahme von Körper und Geist als Einheit.

Ein Beispiel macht deutlich, worum es geht: Eine Teilnehmerin hat in ihren Fantasien Gewaltbilder, die sie nie erlebt hat und auch nicht erleben will. Solche Inhalte sind nicht als Wunsch zu lesen — sie haben nach dieser Lesart eine körperliche Entsprechung.

Was heisst das für die Beratung?

Der praktische Wert liegt in einem zusätzlichen Zugang. Wer nach der Muskelspannung fragt, bekommt oft keine brauchbare Antwort, weil sie nicht bewusst ist. Über die Fantasie lässt sie sich möglicherweise erschliessen.

Die Einschränkung, die die Arbeit selbst formuliert, ist dabei entscheidend: Einzeln und aus dem Zusammenhang gelöst lassen sich diese Kriterien nicht auf die Muskelspannung zurückführen. Als Hinweis innerhalb einer ganzheitlichen Evaluation sind sie brauchbar — als Test für sich genommen nicht.

Für Klientinnen kann das entlastend wirken. Wenn der Inhalt einer Fantasie nichts über einen Wunsch aussagt, sondern über eine Körperdynamik, verliert er einen Teil seiner Bedrohlichkeit.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Fünf Interviews mit Frauen, die bereits in Sexualtherapie sind und bei denen der Erregungsmodus eingeordnet wurde. Diese Auswahl ist der Fragestellung geschuldet und begrenzt sie zugleich: Eine Vergleichsgruppe mit anderem Erregungsmodus gibt es nicht.

Damit lässt sich zeigen, dass die Kriterien bei diesen Frauen auftreten — nicht, dass sie bei anderen fehlen. Genau das ist der Grund, warum die Autorin die Fantasien als Hinweis und nicht als Nachweis einordnet.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 118 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu sexuellen Fantasien, die Darstellung des Erregungsmodus im Modell Sexocorporel, die vollständige Auswertung der fünf Interviews sowie die Ableitungen für die sexualtherapeutische Praxis.

Abstract der Arbeit

Das Ziel der vorliegenden Masterarbeit war, die Bedeutung von sexuellen Fantasien als Beratungsinstrument zu untersuchen. Es wurde eruiert, ob die Arbeit mit sexuellen Fantasien ein wichtiges Instrument für die Sexualevaluation sein kann. Dafür wurde der Annahme von Sexocorporel, einem Modell für sexuelle Gesundheit, nachgegangen, dass die Muskelspannung während der Selbstbefriedigung oder der partnerschaftlichen Sexualität einen Einfluss auf die sexuellen Fantasien haben kann. Es wurden fünf qualitative Interviews mit Frauen geführt, die in einer Sexualtherapie sind und einen Erregungsmodus mit hoher Muskelspannung haben. Die Ergebnisse der inhaltlich strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz stützen die Annahme des Modells Sexocorporel von Körper und Geist als Einheit. Kriterien, die gemäss Sexocorporel auf eine hohe Muskelspannung hinweisen, sind vorgekommen und es liessen sich noch weitere Kriterien finden. Es zeigt sich, dass diese Kriterien als wichtiger Hinweis in der ganzheitlichen Sexualevaluation verwendet werden können. Alleine und losgelöst vom Kontext können sie nicht auf die Muskelspannung rückgeführt werden. .

Debora Dürst, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Die Bedeutung sexueller Fantasien unter hoher Muskelspannung

Verfasst von
Debora Dürst

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Sexuelle Fantasien · Geschlecht & Identität · Körperarbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Debora Dürst: «Die Bedeutung sexueller Fantasien unter hoher Muskelspannung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Die Bedeutung sexueller Fantasien in der Sexualberatung nach Sexocorporel

Jessica Müller untersucht in der Masterarbeit «Die Bedeutung sexueller Fantasien in der Sexualberatung nach Sexocorporel» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Sexuelle Fantasien kommen in der Beratung oft zur Sprache — und ebenso oft weiss die Fachperson nicht recht, was damit anzufangen ist. Diese Arbeit fragt drei Sexualberater*innen, die nach Sexocorporel arbeiten, wie sie damit umgehen. Ihre erste Antwort: Eine saubere Definition gibt es nicht.

Was ist eine sexuelle Fantasie?

Weder in der Literatur noch bei den Befragten findet sich eine einheitliche Definition. Die Autorin beschreibt das Verhältnis treffend als gemeinsamen Kern mit unterschiedlichen Blüten drumherum.

Auch eine Kategorisierung scheitert. Die Inhalte sexueller Fantasien weisen jeweils Aspekte mehrerer Kategorien gleichzeitig auf, sodass eine eindeutige Systematisierung nicht möglich ist.

Für die Beratung ist das keine akademische Feststellung. Wer nach Fantasien fragt, sollte nicht voraussetzen, dass alle dasselbe meinen — die Klärung ist Teil des Gesprächs.

Körperliche oder emotionale Erregung?

Hier liegt eine begriffliche Unterscheidung, die die Arbeit klarer trifft als ein Grossteil der Literatur. Sexuelle Fantasien stehen in direktem Zusammenhang mit der emotionalen Erregung und können sie auslösen.

Der Forschungsstand stützt das: Fantasien können sowohl die physiologischen als auch die psychologischen Anteile der sexuellen Reaktion beeinflussen, etwa indem beim Auftreten einer Fantasie Gefühle fokussiert werden.

Die Autorin weist darauf hin, dass viele Autor*innen schlicht von sexueller Erregung sprechen, ohne kenntlich zu machen, ob körperliche, emotionale oder beides gemeint sind. Wer die beiden trennt, kann in der Beratung anders arbeiten.

Welche Interventionen bieten sich an?

Aus den Interviews treten sechs Themen hervor, darunter die Fantasie als Teil des Körpers, ihr Verhältnis zum Bedürfnis nach genitaler Erregung, ihre Rolle in der Paarbeziehung — und die Fantasie als Möglichkeitsform: können statt sein.

Die Arbeit zeigt, dass sich rund um Fantasien verschiedene Interventionen anbieten, die beraterisch vielseitig einsetzbar sind.

Bemerkenswert ist der Umgang mit der Scham, die im Zusammenhang mit Fantasien fast immer auftaucht. Sie wird nicht als Hindernis behandelt, das wegzuräumen wäre, sondern als etwas, das seine Sinnhaftigkeit hat und beraterisch genutzt werden kann.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Drei Interviews mit Sexualberater*innen, die nach dem Sexocorporel-Ansatz arbeiten, ausgewertet nach einer an der Grounded Theory orientierten Methode.

Befragt wurde damit eine sehr spezifische Gruppe — Fachpersonen eines Ansatzes. Wie Beraterinnen anderer Schulen mit Fantasien arbeiten, zeigt die Arbeit nicht, und sie beansprucht es auch nicht.

Der Ertrag liegt in der theoretischen Einbettung: Der Begriff wird über kognitive Psychologie, Sexualwissenschaft, systemische Therapie und Sexoanalyse verortet, bevor die Praxis zu Wort kommt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 93 Seiten. Sie enthält die theoretische Einbettung des Konzepts der sexuellen Fantasie, die vollständige Auswertung der drei Interviews entlang der sechs Themenbereiche sowie die Diskussion der Scham als beraterische Ressource.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersuchte die Frage, welche Bedeutung sexuelle Fantasien in der Sexualberatung nach Sexocorporel haben. Dabei wurde den Fragen nachgegangen, wie sexuelle Fantasien innerhalb des Modells zu verstehen sind und welche beraterischen Interventionen sich rund um sexuelle Fantasien in der Sexualberatung nach Sexocorporel anbieten. Zur theoretischen Einbettung des Konzepts der sexuellen Fantasie, wurden Literatur und Studien aus den Bereichen der kognitiven Psychologie, der Sexualwissenschaft, der systemischen Therapie, bezüglich der Sexoanalyse und des Modells Sexocorporel hinzugezogen. Um die Fragestellungen zu beantworten wurden Expert*inneninterviews mit drei Sexualberater*innen durchgeführt, welche nach dem Sexocorporel-Ansatz arbeiten. Basierend auf einer qualitativen Auswertungsmethode nach Bogner, Littig, und Menz (2014), welche sich an der Grounded-Theory-Methodologie orientiert, wurden die Interviews kodiert und ausgewertet. Aus den Daten ergaben sich folgende zentrale Themen: Offenheit der Definition sexueller Fantasien; Sexuelle Fantasie als Teil des Körpers; Sexuelle Fantasien und das Bedürfnis nach genitaler Erregung; Sexuelle Fantasien im Kontext der Paarbeziehung; Sexuelle Fantasie als Möglichkeitsform – können statt sein; Vielfalt der Interventionen. Die vorliegende Arbeit zeigt auf, dass sich rund um sexuelle Fantasien verschiedene Interventionen anbieten, die beraterisch vielseitig eingesetzt werden können. Es wird diskutiert, dass auch die Scham, häufig im Zusammenhang mit sexuellen Fantasien auftretend, ihre Sinnhaftigkeit hat und beraterisch genutzt werden kann.

Jessica Müller, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Die Bedeutung sexueller Fantasien in der Sexualberatung nach Sexocorporel

Verfasst von
Jessica Müller

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Sexuelle Fantasien · Sexualberatung · Paarsexualität · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Jessica Müller: «Die Bedeutung sexueller Fantasien in der Sexualberatung nach Sexocorporel». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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Kategorien
MA2 Masterarbeit

Sexuelle Lust von Frauen im Alter von 40+ in langfristigen Beziehungen

Katja Merk untersucht in der Masterarbeit «Sexuelle Lust von Frauen im Alter von 40+ in langfristigen Beziehungen» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Frauen, bei denen die Lust nach zwanzig Jahren Beziehung noch da ist, haben kein Glück gehabt. Sie tun etwas dafür. Das ist der Kernbefund dieser Arbeit — und er widerspricht der verbreiteten Annahme, sexuelle Lust sei eine Eigenschaft, die man hat oder eben nicht.

Was aktiviert sexuelle Lust in einer langen Beziehung?

Drei Frauen über vierzig, alle seit mehr als zwanzig Jahren in derselben Beziehung, wurden ausführlich befragt. Was sie beschreiben, ist konkret und erlernbar.

Der Zugang zum eigenen Geschlecht und eine hohe sexuelle Selbstsicherheit wirkten sich deutlich positiv auf die Lust aus. Dazu kommt der Einsatz des Körpers während der Erregung: Bewegung, der Wechsel von Anspannung und Entspannung sowie tiefe Atmung aktivieren und steigern die Lust.

Voraussetzungen nennen die Befragten ebenfalls beim Namen — nicht gestresst sein, sich hingeben können, einen freien Kopf haben. Und die Wahrnehmung beim eigenen Körper zu halten statt beim Partner. Weiter aktivieren sie ihre Lust über sexuelle Fantasien und über Emotionen, die etwa Filme oder Musik auslösen.

Kommt die Lust vor oder nach der Erregung?

Hier liegt der Befund, der die verbreitete Erwartung am deutlichsten verschiebt. Anders als am Anfang einer Beziehung stellt sich die Lust bei den Befragten häufig erst nach der sexuellen Erregung ein — nicht davor.

Das hat praktische Folgen. Wer darauf wartet, Lust zu verspüren, bevor er sich auf Sexualität einlässt, wartet unter Umständen auf etwas, das sich in dieser Reihenfolge gar nicht mehr einstellt. Die anfängliche Verliebtheit, aus der sich die Lust am Beginn einer Beziehung speist, lässt mit der Zeit nach — was danach kommt, funktioniert anders.

Und was in einer Begegnung gelingt, wirkt weiter: Die Befragten beschreiben, dass eine gute Erfahrung die Lust auf die nächste erhöht.

Spielt das Alter eine Rolle?

Kaum. Nach den Ergebnissen dieser Arbeit ist nicht das tatsächliche Alter der Frau entscheidend, sondern die Dauer der Beziehung. Was verlorengeht, ist nicht die körperliche Fähigkeit, sondern der Antrieb aus der Verliebtheit — und der muss durch etwas anderes ersetzt werden.

Das ist eine ermutigende Aussage für Frauen, denen erklärt wird, in ihrem Alter sei das eben so. Und es verschiebt die Frage: nicht «was ist mit mir nicht in Ordnung», sondern «was tue ich dafür».

Was heisst das für die Beratung?

Kommt eine Frau mit einem Anliegen zur sexuellen Lust in die Praxis, empfiehlt die Arbeit, drei Bereiche genauer anzusehen: den Zugang zum eigenen Geschlecht, die sexuelle Selbstsicherheit und den Einsatz des Körpers während der Erregung.

Das Modell Sexocorporel sieht ein solches Vorgehen ohnehin vor — erst evaluieren, dann gezielt vorhandene Ressourcen stärken. Diese Arbeit belegt, dass sich der genaue Blick auf diese drei Bereiche lohnt.

Einen zweiten Schluss zieht die Autorin über die Beratung hinaus: Die Grundlagen für sexuelle Selbstsicherheit und einen guten Zugang zum eigenen Geschlecht werden in der Kindheit gelegt. Eine Erziehung, die die sexuelle Entwicklung zulässt und frei von Scham- und Schuldgefühlen ist, wirkt Jahrzehnte später.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Drei Interviews, ausgewertet nach Mayring. Die Autorin hält fest, dass weitere Gespräche womöglich weitere Aspekte zutage gefördert hätten.

Wichtiger noch ist die Auswahl: Befragt wurden ausschliesslich Frauen über vierzig in langjährigen Beziehungen, die noch immer Lust auf Sex mit ihrem Partner verspüren. Eine Vergleichsgruppe gibt es nicht. Die Arbeit zeigt also, was diese Frauen tun — nicht, dass genau das bei anderen wirken würde. Als Sammlung dessen, was in der Praxis funktioniert, bleibt sie dennoch aufschlussreich.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 99 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu sexueller Lust, die Einordnung in das Modell Sexocorporel, die vollständige Auswertung der drei Interviews und die Ableitungen für die Beratungspraxis.

Abstract der Arbeit

In langfristigen Beziehungen sinkt nach den Erkenntnissen der Literatur bei einem Grossteil der Frauen die sexuelle Lust, während sie bei anderen erhalten bleibt. Einen wesentlichen Einfluss auf die sexuelle Lust haben das Kennen eigener Bedürfnisse, deren Kommunikation in der Beziehung, die sexuelle Selbstsicherheit, die Wahrnehmung der eigenen Vagina und Vulva sowie der Einsatz des Körpers während der Erregungssteigerung. Das Ziel dieser Arbeit besteht darin herauszufinden, wie Frauen in langfristigen Beziehungen ihre sexuelle Lust aktivieren und steigern und welche Rolle dabei der Zugang zum eigenen Geschlecht, der Einsatz des Körpers während der Erregungssteigerung sowie die sexuelle Selbstsicherheit spielen. Mit Hilfe von drei leitfadengestützten Interviews wurden drei Frauen im Alter von 40+, welche alle seit über 20 Jahren in einer festen Beziehung leben, befragt. Die erhobenen Daten wurden mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass die sexuelle Lust im Vergleich zum Beziehungsanfang häufig erst nach der sexuellen Erregung eintritt. Voraussetzungen wie nicht gestresst sein, sich hingeben können und einen freien Kopf haben helfen sexuelle Lust aufkommen zu lassen. Die eigene Wahrnehmung beim eigenen Körper zu haben fördert die sexuelle Lust. Die Erregung und den Genuss durch tiefe Atmung und Bewegung des Beckens zu erhöhen sowie eigene Wünsche mitzuteilen steigern die sexuelle Lust ebenfalls und wirken sich positiv auf das Aufkommen letzterer für eine nächste sexuelle Begegnung aus. Weiter aktivieren Frauen ihre sexuelle Lust durch sexuelle Fantasien sowie durch Emotionen, welche beispielsweise durch Filme oder Musik hervorgerufen werden.

Katja Merk, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexuelle Lust von Frauen im Alter von 40+ in langfristigen Beziehungen – Die Rolle des Zugangs zum eigenen Geschlecht, der Art und Weise den Körper bei sexueller Erregung einzusetzen sowie der sexuellen Selbstsicherheit

Verfasst von
Katja Merk

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Sexuelles Verlangen · Selbstwirksamkeit · Sexuelle Fantasien

Lizenz und Nachweis. Katja Merk: «Sexuelle Lust von Frauen im Alter von 40+ in langfristigen Beziehungen – Die Rolle des Zugangs zum eigenen Geschlecht, der Art und Weise den Körper bei sexueller Erregung einzusetzen sowie der sexuellen Selbstsicherheit». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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Kategorien
MA2 Masterarbeit

Sexuelle Fantasien im Kontext sexualtherapeutischer Körperarbeit

Petra Wohlwend untersucht in der Masterarbeit «Sexuelle Fantasien im Kontext sexualtherapeutischer Körperarbeit» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Wer seinen Körper während der Sexualität gut wahrnimmt, braucht sexuelle Fantasien möglicherweise nicht mehr. Das ist einer der Befunde dieser Arbeit — und er stellt die verbreitete Annahme auf den Kopf, Fantasien seien ein Mittel zur Steigerung der Erregung.

Was verändert Körperarbeit an den Fantasien?

Die Autorin befragte vier Personen während einer dreijährigen körperorientierten Sexualtherapieausbildung in semistrukturierten Einzelinterviews.

Ihre Ergebnisse geben erste Hinweise darauf, dass sich die sexuellen Fantasien in dieser Zeit verändern. Was Veränderung auslöst, benennt sie konkret: intensive, wiederholte Wahrnehmungsübungen und das Experimentieren mit dem eigenen Körper, auch in der Sexualität.

Danach entstehen neue Zugänge zu Fantasien, die eigene Position darin verschiebt sich, und das Spektrum wird breiter.

Welche Kette vermutet die Arbeit?

Die Autorin ist an dieser Stelle vorsichtig und ehrlich: Welche Faktoren letztlich für die Veränderung verantwortlich sind, sei spekulativ.

Vieles deute jedoch auf folgende Abfolge hin: Über die Körperarbeit verbessert sich die Wahrnehmung des eigenen Körpers. Diese bessere Wahrnehmung führt zu neuen sexuellen Erfahrungen und zu neuen oder intensivierten erogenen Zonen. Und diese wiederum verändern die Fantasien.

Offen bleibt, welche Rolle die intensive theoretische Auseinandersetzung mit Sexualität während einer dreijährigen Ausbildung dabei spielt. Die Arbeit kann Körperarbeit und Wissenszuwachs nicht trennen.

Werden Fantasien überflüssig?

Das ist der überraschendste Befund. Bei guter Wahrnehmung der Körperempfindungen während der Sexualität scheinen sexuelle Fantasien möglicherweise überflüssig zu werden.

Zugleich gilt das Umgekehrte: Über Körperarbeit können Fantasien überhaupt erst zugänglich gemacht werden — bei Menschen, die bisher keinen Zugang zu ihnen hatten.

Beides zusammen ergibt ein brauchbares Bild für die Praxis. Fantasien sind kein fester Bestand, sondern verändern sich mit dem Körpererleben. Was den Zugang blockiert, benennt die Arbeit ebenfalls: eine moralisierende oder schambesetzte innere Instanz.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Die Autorin sagt es selbst: Eine abschliessende Antwort auf ihre Forschungsfrage kann sie nicht geben. Vier Interviews mit Personen in einer Ausbildung liefern erste Hinweise, mehr nicht.

Die Befragten sind zudem eine besondere Gruppe: Menschen, die sich freiwillig über drei Jahre körperorientiert mit Sexualität befassen. Was bei ihnen geschieht, lässt sich nicht ohne Weiteres auf Klientinnen und Klienten übertragen.

Dass die Arbeit ihre Deutungskette ausdrücklich als spekulativ kennzeichnet, statt sie als Ergebnis zu verkaufen, macht sie lesbarer.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 72 Seiten. Sie enthält die Definition und Systematik sexueller Fantasien, den Forschungsstand zu ihrer Funktion, die vollständige Auswertung der vier Interviews sowie die Diskussion der vermuteten Wirkungskette. Der Abstract liegt auch auf Englisch vor.

Abstract der Arbeit

Sexuelle Fantasien hat fast jede Person, jedoch sind diese nicht immer auf Anhieb zugänglich. Meist haben sie die Funktion die sexuelle Erregung in der Selbstbefriedigung oder in der Paarsexualität zu steigern, kommen aber noch häufiger in Form von Tagträumereien ohne sexuelle Interaktion vor. Die sexuellen Fantasien sind Bilder und Szenarien mit sexuellen Inhalten, Erzählungen mit sexuellem Inhalt jedoch ohne Bilder oder Einzelbilder ohne sexuellen Inhalt. Die vorliegende Arbeit zeigt anhand von vier semistrukturierten Einzelinterviews auf, in welcher Form sich die sexuellen Fantasien während einer dreijährigen körperorientierten Sexualtherapieausbildung verändern können. Von zentraler Bedeutung für Veränderungen sind intensive, wiederholende Wahrnehmungsübungen sowie das Experimentieren mit dem Körper, auch in der Sexualität. Dadurch ergeben sich (neue) Zugänge zu den sexuellen Fantasien, veränderte Positionen in der Fantasie oder variantenreichere sexuelle Fantasien. Eine moralisierende oder schambesetzte Instanz bildet eine Barriere zu den sexuellen Fantasien. Nearly every person has sexual fantasies, yet these are not always readily accessible. In most cases, they have the function of increasing sexual arousal during masturbation or during couple sexuality. Yet they occur even more frequently in the form of daydreams not in combination with sexual activity. Sexual fantasies are defined as pictures and scenarios containing sexual content, narratives with sexual content but without pictures or single images with no sexual content. This thesis is based on four semi-structured individual interviews and examines the ways in which sexual fantasies can change during a three-year, body-oriented sexual therapy educational program. The central factors contributing to these changes are intensive, repetitive awareness exercises and experimentation with the body, including sexuality. The primary changes observed during this research are newly developed approaches to sexual fantasies, a different position in the fantasies or more varied sexual fantasies. Moral position or a sense of shame can be obstacles to developing sexual fantasies.

Petra Wohlwend, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexuelle Fantasien im Kontext sexualtherapeutischer Körperarbeit Zusammenhänge zwischen sexuellen Fantasien und dem Veränderungspotenzial durch Körperarbeit

Verfasst von
Petra Wohlwend

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Sexuelle Fantasien · Körperarbeit · Sexualtherapie

Lizenz und Nachweis. Petra Wohlwend: «Sexuelle Fantasien im Kontext sexualtherapeutischer Körperarbeit Zusammenhänge zwischen sexuellen Fantasien und dem Veränderungspotenzial durch Körperarbeit». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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