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MA5 Masterarbeit

Konsens in der Sexarbeit

Alexandra Hüsser untersucht in der Masterarbeit «Konsens in der Sexarbeit» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Konsens ist zum Leitbegriff der Debatte über Sexualität geworden. Ausgerechnet denen, die ihn beruflich täglich aushandeln, wird die Fähigkeit dazu regelmässig abgesprochen. Diese Arbeit hat drei Sexarbeitende gefragt, wie sie Einverständnis und Grenzen tatsächlich klären.

Wie wird Konsens in der Sexarbeit verhandelt?

Die Befragten verfügen über ausgeprägte kommunikative und körperbasierte Kompetenzen, mit denen sie Konsens differenziert aushandeln. Die Interviews geben detaillierten Einblick in diese Praktiken und in die Strategien der Grenzverhandlung im beruflichen Alltag.

Das ist mehr als eine Ehrenrettung. Es beschreibt Fähigkeiten, die anderswo mühsam gelehrt werden — und die hier unter Bedingungen entwickelt wurden, unter denen ein Fehler teuer ist.

Was begrenzt diese Aushandlung?

Der zweite Befund fällt nüchterner aus. Die Möglichkeiten konsensueller Gestaltung sind wesentlich durch strukturelle und soziale Rahmenbedingungen geprägt.

Konsensverhandlungen stehen nie für sich. Sie sind in gesellschaftliche Zusammenhänge eingebettet und werden durch rechtliche Regulierung, ökonomische Abhängigkeiten und soziale Zugehörigkeiten beeinflusst.

Sexarbeitende agieren damit in einem Spannungsfeld zwischen individueller Handlungsmacht und struktureller Begrenzung — und entwickeln darin Strategien, die Aushandlung aktiv zu gestalten.

Was folgert die Arbeit daraus?

Hier bezieht sie ausdrücklich Position. Repressive Regulierungen, Verbote und stigmatisierende Diskurse stehen nach ihren Befunden dem Ziel entgegen, Konsensprozesse zu stärken.

Nötig seien stattdessen strukturelle Rahmenbedingungen, die auf Entkriminalisierung, rechtliche Absicherung und soziale Anerkennung zielen. Erst wenn Sexarbeit als legitime Form von Arbeit anerkannt werde, könne ein Umfeld entstehen, das Handlungsspielräume tatsächlich erweitert.

Zentral sei dabei der Abbau von Stigmatisierung — weil sie nicht nur individuelle Lebensrealitäten belastet, sondern Sexarbeitende systematisch aus gesellschaftlichen Schutzräumen ausschliesst.

Wie ist die Arbeit angelegt?

Theoretisch stützt sie sich auf die Konsenstheorien von Joris Kern und Maria Dalhoff und entwickelt daraus ein machtkritisches Verständnis von Konsens. Ergänzend zieht sie die Agency-Theorie von Emirbayer und Mische heran, um die Handlungsmacht der Befragten vielschichtig zu erfassen.

Ein zweiter Ausgangspunkt ist die epistemische Ungerechtigkeit, die Sexarbeitende erleben: Ihr Erfahrungswissen bleibt aus wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskursen weitgehend ausgeschlossen. Diesem Wissen Sichtbarkeit zu verschaffen, ist erklärtes Ziel der Arbeit.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Drei qualitative Interviews, ausgewertet über eine kritische Diskursanalyse und eine Inhaltsanalyse nach Mayring. Drei Personen bilden ein sehr heterogenes Feld nicht ab — Sexarbeit umfasst sehr unterschiedliche Arbeitsbedingungen, Rechtsstellungen und Abhängigkeiten.

Die politischen Schlussfolgerungen sind entsprechend als Position der Arbeit zu lesen, nicht als empirisch abgesicherte Wirkungsaussage. Was die Interviews belegen, ist die Kompetenz der Befragten; was daraus für die Regulierung folgt, ist ein Argument.

Mit 203 Seiten gehört die Arbeit zu den umfangreichsten der Sammlung.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 203 Seiten. Sie enthält die Konsenstheorien im Überblick, die Auseinandersetzung mit Agency und epistemischer Ungerechtigkeit, die vollständige Auswertung der drei Interviews sowie die Diskussion struktureller Rahmenbedingungen.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit untersucht, wie Sexarbeitende Konsens in ihrer beruflichen Praxis aus- handeln und welche Strategien sie anwenden, um Einverständnis und Grenzen im Arbeits- kontext zu gestalten. Ausgehend von gesellschaftlichen Debatten um sexuelle Selbstbe- stimmung und Konsens sowie von der epistemischen Ungerechtigkeit, die Sexarbeitende erleben, soll die vorliegende Arbeit zur Sichtbarmachung von Erfahrungswissen beitragen, das bislang weitgehend aus wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskursen ausge- schlossen bleibt. Auf der theoretischen Grundlage der Konsenstheorien von Joris Kern (2022) und Maria Dalhoff (2021) wird ein machtkritisches Verständnis von Konsens entwi- ckelt. Um diese Prozesse adäquat erfassen zu können, wird ergänzend auf die Agency- Theorie nach Emirbayer und Mische (1998) zurückgegriffen, um die Agency der Befragten vielschichtig erfassen zu können. Die empirische Untersuchung basiert auf drei qualitativen Interviews mit Sexarbeitenden. Methodisch stützt sich die Arbeit auf eine kritische Dis- kursanalyse sowie eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring (2014). Die Ergebnisse zei- gen, dass Sexarbeitende über spezifische kommunikative und körperbasierte Kompeten- zen verfügen, mit denen sie Konsens im beruflichen Handeln differenziert verhandeln. Zu- gleich werden diese Aushandlungsprozesse wesentlich durch strukturelle Faktoren wie rechtliche Unsicherheit, soziale Stigmatisierung und ökonomische Rahmenbedingungen geprägt. Die Arbeit plädiert für eine Erweiterung bestehender Konsenstheorien um praxis- theoretische und machtkritische Perspektiven sowie für gesellschaftliche Rahmenbedin- gungen, die die Handlungsspielräume von Sexarbeitenden stärken und ihre Erfahrungen in konsensuelle Diskurse einbeziehen.

Alexandra Hüsser, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Konsens in der Sexarbeit – Wie Sexarbeitende Konsens und Grenzen in ihrer Arbeit verhandeln

Verfasst von
Alexandra Hüsser

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexarbeit · Sexuelle Kommunikation · Geschlecht & Identität

Lizenz und Nachweis. Alexandra Hüsser: «Konsens in der Sexarbeit – Wie Sexarbeitende Konsens und Grenzen in ihrer Arbeit verhandeln». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Die Kraft des Sexualkapitals

Aveline Voramwald untersucht in der Masterarbeit «Die Kraft des Sexualkapitals» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Attraktivität lässt sich in Vorteile umsetzen — im Beruf, in Beziehungen, in der Sichtbarkeit. Diese Arbeit prüft, ob sich das als eigene Kapitalform fassen lässt, und kommt zu einem Befund, der die Frage verschiebt: Was als begehrenswert gilt, ist nicht naturgegeben, sondern gemacht.

Was ist Sexualkapital?

Die Ausgangsfrage lautet, ob Sexualkapital eine eigenständige Kapitalform ist oder eine Erscheinungsform bestehender Arten wie des kulturellen oder symbolischen Kapitals.

Die Arbeit prüft das im Rahmen von Pierre Bourdieus Theorie sozialer Praxis und arbeitet dabei die Unterschiede zwischen Catherine Hakims Konzept des erotischen Kapitals und den Erweiterungen durch Kaplan und Illouz heraus.

Ihr Ergebnis: Das Konzept weist eine hohe theoretische Komplexität auf und ist in einem Spannungsfeld zwischen Macht, Körper, Begehren und sozialer Anerkennung verortet.

Warum ist das mehr als Theorie?

Weil daraus eine Aussage über soziale Ungleichheit folgt. Jene Merkmale, die als begehrenswert gelten, sind nicht naturgegeben, sondern gesellschaftlich konstruiert — geprägt durch Normen, symbolische Ordnungen und Ausschlussmechanismen.

Bourdieus Begriffe Habitus, Kapital und Feld erlauben es, diese Ungleichheiten als strukturell verankert zu begreifen statt als individuelles Versagen. Das ist der praktisch entlastende Teil der Analyse.

Besonders ambivalent ist die Sichtbarkeit. Sie ist Voraussetzung dafür, dass Sexualkapital überhaupt wirkt — und zugleich ein Mechanismus sozialer Kontrolle.

Wo stösst Bourdieu an Grenzen?

Bei Sexualität und Körper braucht seine Theorie nach dieser Arbeit Ergänzungen. Feministische und intersektionale Ansätze liefern sie: Sie erlauben, auch die Wirksamkeit von Normen und die Erfahrung von Mehrfachdiskriminierung zu erfassen.

Damit ist die Arbeit selbstkritisch gegenüber ihrem eigenen Werkzeug — sie prüft nicht nur ein Konzept an einer Theorie, sondern auch die Theorie an ihrem Gegenstand.

Die Ambivalenzen des Konzepts arbeitet sie ausdrücklich heraus, statt es entweder zu übernehmen oder zu verwerfen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine theoretische Arbeit mit kritischer Analyse der Fachliteratur, ohne eigene Erhebung. Sie ist eine der wenigen der Sammlung, die ohne empirischen Teil auskommt.

Ihre Aussagen sind Argumente, keine Messwerte. Wer wissen will, wie sexuelles Kapital in der Praxis eingesetzt wird, findet das in der Arbeit von Noomi Dürrenmatt über OnlyFans — die dieselben Theorien empirisch prüft.

Mit 62 Seiten ist es eine der kürzeren Arbeiten der Sammlung.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 62 Seiten. Sie enthält die Darstellung von Bourdieus Theorie sozialer Praxis, die Auseinandersetzung mit Hakim, Kaplan und Illouz sowie die kritische Analyse der Ambivalenzen und theoretischen Grenzen des Konzepts.

Die Fragestellung

Die Arbeit geht diesen Fragen nach:

  • Was ist Sexualkapital, und wie wurde es in der bisherigen Forschung konzipiert?
  • Wie lässt sich Sexualkapital im Verhältnis zu Bourdieus Kapitalarten positionieren?
  • Wie wirkt sich das Sexualkapital auf Habitus und soziale Positionierung aus?

Methodisches Vorgehen

Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturrecherche. Der Volltext umfasst 62 Seiten.

Abstract der Arbeit

In der vorliegenden Masterarbeit wird das Konzept des Sexualkapitals im Kontext von Pierre Bourdieus Theorie sozialer Praxis untersucht. Ausgangspunkt der Untersuchung ist die Frage, ob Sexualkapital als eigenständige Kapitalform betrachtet werden kann oder eine Erscheinungsform bestehender Kapitalarten, wie kulturelles oder symbolisches Kapital darstellt. Auf theoretischer Grundlage werden Konzepte Bourdieus mit aktuellen Debatten um körperliche Attraktivität, Geschlecht, Sexualität, Sichtbarkeit und soziale Machtverhältnisse verknüpft. In diesem Zusammenhang ist insbesondere die Unterscheidung zwischen Catherine Hakims Konzept des ‘erotischen Kapitals’ und den Erweiterungen durch Kaplan und Illouz hervorzuheben. Durch eine kritische Analyse der Fachliteratur wird erkennbar, dass das Konzept des Sexualkapitals nicht neutral verfügbar ist, sondern durch hegemoniale Normen, symbolische Ordnungen und soziale Felder strukturiert wird. Der Aspekt der Sichtbarkeit wirkt einerseits als zentrale Bedingung zur Wirksamkeit, andererseits stellt es ein Mechanismus sozialer Kontrolle dar. Die Arbeit reflektiert sowohl die Ressourcen und Potenziale als auch die Ambivalenzen des Konzepts und arbeitet dessen theoretische Grenzen heraus. Sie gelangt zu dem Schluss, dass Sexualkapital als eine feldabhängige, körpergebundene und symbolisch bewertete Ressource verstanden werden muss, deren soziale Wirkung feministisch und intersektional analysiert werden kann. Diese Perspektiven erweisen sich dabei als essenziell, um Körper, Begehren und Anerkennung im Rahmen sozialer Positionierung zu erfassen. This master's thesis examines the concept of sexual capital in the context of Pierre Bourdieu's theory of social practice. It explores whether sexual capital constitutes a distinct form or reflects existing types such as cultural or symbolic capital. Bourdieu's concepts are linked with debates on attractiveness, gender, sexuality, visibility, and power. A critical literature analysis reveals that sexual capital is shaped by hegemonic norms, symbolic orders, and social fields. Visibility emerges as a key condition for its effectiveness—and as a mechanism of control. The analysis highlights how sexual capital both opens opportunities and reproduces inequalities. The thesis argues that sexual capital must be understood as a field-dependent, body-bound, and symbolically valued resource. Feminist and intersectional perspectives are essential to grasp the body, desire, and recognition as factors of social positioning.

Aveline Voramwald, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Die Kraft des Sexualkapitals Wie das Sexualkapital Bourdieus Konzepte von Habitus und Kapitalstruktur erweitert

Verfasst von
Aveline Voramwald

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexarbeit · Sexuelles Verlangen · Jugendsexualität

Lizenz und Nachweis. Aveline Voramwald: «Die Kraft des Sexualkapitals Wie das Sexualkapital Bourdieus Konzepte von Habitus und Kapitalstruktur erweitert». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Neosexualität und sexuelles Kapital auf OnlyFans

Noomi Dürrenmatt untersucht in der Masterarbeit «Neosexualität und sexuelles Kapital auf OnlyFans» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Was auf OnlyFans als spontane Nähe erscheint, ist häufig vorproduziert, archiviert und von externen Schreibteams beantwortet. Diese Arbeit hat fünf Akteur:innen der Plattform befragt — und beschreibt, wie Begehren dort hergestellt statt gezeigt wird.

Wie entsteht Nähe auf OnlyFans?

Nicht im Moment. Die Befragten schildern, dass Inhalte überwiegend vorproduziert und zeitversetzt veröffentlicht werden — ein Bezug zur aktuellen Lebenssituation entfällt damit. Einzelne sprechen von archivierten Clips und von der mehrfachen Wiederverwendung bereits produzierter Videos.

Auch die Kommunikation wird ausgelagert. Externe Schreibteams zu beschäftigen, wird als gängige Praxis beschrieben, besonders bei hohen Follower-Zahlen. Vereinzelt kommen automatisiert erzeugte Inhalte durch KI-Modelle zur Sprache.

Gleichzeitig werden alltägliche Situationen einbezogen — Kochen, Fernsehen, Aufenthalte im öffentlichen Raum. Das Alltägliche ist dabei nicht das Gegenteil der Inszenierung, sondern ihr Material.

Was heisst das für den Begriff der Authentizität?

Die Arbeit beantwortet das theoretisch scharf: Begehren wird nicht als natürlich vorausgesetzt, sondern über narrative Skripte, Zuschreibungen und dialogische Kommunikation erzeugt.

Authentizität ist in dieser Lesart keine Eigenschaft, sondern eine eingesetzte Ressource — Teil einer parasozialen Nähe, die zwischen Person und Publikum hergestellt wird.

Kennzeichnend ist dabei die Entkopplung: Sexualisierte Inhalte werden von emotionalen und beziehungsbezogenen Bedeutungen gelöst und in alltägliche Routinen eingebettet.

Wie wird sexuelles Kapital eingesetzt?

Es lässt sich in modifizierten Formen rekonstruieren. Zentral sind drei Strategien: Branding, Differenzierung von anderen Anbietenden und medienvermittelte Körperinszenierung.

Theoretisch verbindet die Arbeit dafür drei Zugänge — Volkmar Siguschs neosexuelle Prozesse, die Typologie sexuellen Kapitals nach Kaplan und Illouz sowie Govrins Überlegungen zum Begehren als Wertform.

Die neosexuellen Prozesse Dissoziation, Dispersion und Diversifikation lassen sich auf der Plattform in spezifischen Ausprägungen beobachten. Was Sigusch theoretisch beschrieben hat, wird hier an einem konkreten Geschäftsmodell sichtbar.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Fünf leitfadengestützte Interviews, ausgewertet über eine deduktive qualitative Inhaltsanalyse. Fünf Personen bilden ein grosses und sehr heterogenes Feld nicht ab.

Die deduktive Vorgehensweise bringt eine zweite Einschränkung mit sich: Die Kategorien stammen aus der Theorie. Was in den Interviews vorkommt, aber in keiner Kategorie Platz findet, bleibt eher unsichtbar. Die Arbeit prüft also Theorien an der Praxis — sie entwickelt keine neue aus ihr heraus.

Für die Beratung ist sie dennoch aufschlussreich: Wer mit Menschen arbeitet, die auf solchen Plattformen tätig sind oder deren Inhalte konsumieren, findet hier eine nüchterne Beschreibung dessen, was dort produziert wird.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 112 Seiten. Sie enthält die theoretischen Grundlagen zu Neosexualität und sexuellem Kapital, die vollständige Auswertung der fünf Interviews, die Diskussion der Limitationen sowie sexualwissenschaftliche Schlussfolgerungen.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit untersucht, wie sexuelles Kapital auf der Plattform OnlyFans eingesetzt wird, um Begehren zu erzeugen und ökonomisch zu verwerten. Theoretisch stützt sich die Arbeit auf Siguschs neosexuelle Prozesse, die Typologie sexuellen Kapitals nach Kaplan und Illouz sowie Govrins Überlegungen zum Begehrenswert und zur Funktion von Authen- tizität. Methodisch wurde eine qualitative deduktive Inhaltsanalyse anhand von fünf leitfa- dengestützten Interviews mit Akteur:innen der Plattform OnlyFans durchgeführt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass neosexuelle Prozesse wie Dissoziation, Dispersion und Diversifikation auf der Plattform in spezifischen Ausprägungen beobachtbar sind. Se- xuelles Kapital lässt sich in modifizierten Formen rekonstruieren, wobei insbesondere Stra- tegien des Brandings, der Differenzierung und der medienvermittelten Körperinszenierung zentral sind. Hinweise aus dem Datenmaterial legen nahe, dass Begehren nicht natürlich vorausgesetzt, sondern über narrative Skripte, Zuschreibungen und dialogische Kommuni- kation erzeugt wird. Authentizität erscheint dabei als eingesetzte Ressource im Rahmen parasozialer Nähe. This master's thesis analyses how sexual capital is used on the OnlyFans platform to ge- nerate desire and exploit it economically. Theoretically, the work is based on Sigusch's neo- sexual processes, Kaplan and Illouz's typology of sexual capital and Govrin's considerations on desirability and the function of authenticity. Methodologically, a qualitative deductive con- tent analysis was conducted on the basis of five guided interviews with actors on the On- lyFans platform. The results indicate that neosexual processes such as dissociation, dispersion and diversi- fication can be observed in specific forms on the platform. Sexual capital can be recons- tructed in modified forms, with strategies of branding, differentiation and media-mediated body staging are particularly central. Indications from the data material suggest that desire is not naturally assumed, but is generated via narrative scripts, attributions and dialogue- based communication. Authenticity appears to be a deliberate resource in the context of parasocial proximity formats.

Noomi Dürrenmatt, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Neosexualität und der Einsatz sexuellen Kapitals: die Erzeugung von Begehren auf OnlyFans

Verfasst von
Noomi Dürrenmatt

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexarbeit · Sexuelles Verlangen · Selbstwirksamkeit

Lizenz und Nachweis. Noomi Dürrenmatt: «Neosexualität und der Einsatz sexuellen Kapitals: die Erzeugung von Begehren auf OnlyFans». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA3 Masterarbeit

Sexuelle Lust im Kontext der Sexarbeit

Ricarda Bacchi und Linda Spörri untersucht in der Masterarbeit «Sexuelle Lust im Kontext der Sexarbeit» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Forschung zur Sexarbeit blickt meist auf die — überwiegend männlichen — Freier. Diese Arbeit dreht die Perspektive um und fragt die Sexarbeitenden selbst: Unterscheidet sich ihr Lustempfinden im beruflichen Sex von dem im privaten? Die Antwort fällt anders aus als erwartet.

Woran hängt das Lustempfinden?

Nicht am Kontext, sondern an der eigenen Geschichte. Das Lustempfinden der Befragten bezieht sich in erster Linie auf ihre persönlichen sexuellen Lernschritte.

Daraus folgt der zentrale Befund: Können sie ihre Tätigkeit in einem sicheren Umfeld ausüben, frei von Zwang und ohne negative Erfahrungen, kann das Lustempfinden im beruflichen Sex ebenso wahrgenommen werden wie im privaten.

Das widerspricht der verbreiteten Annahme, beruflicher Sex sei per se lustlos. Es widerspricht ebenso der Vorstellung, er sei unproblematisch — die Bedingungen im Satz sind entscheidend.

Wie wurde vorgegangen?

Die Arbeit ordnet zunächst den Sexmarkt Schweiz mit Schwerpunkt auf der Stadt Zürich ein und erläutert die einschlägigen Begriffe und Gesetzesartikel — eine Grundlage, die man selten so ausführlich findet.

Anschliessend wurden je drei Interviews mit Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern geführt. Ausgewertet wurden sie entlang der Dimensionen des Modells Sexocorporel, darunter sexueller Archetyp, sexuelle Anziehungscodes, sexuelle Fantasien und sexuelles Lustempfinden.

Dass auch Sexarbeiter befragt wurden und nicht nur Sexarbeiterinnen, ist ungewöhnlich und erweitert das Bild.

Was ist das Anliegen der Autorinnen?

Sie formulieren es selbst: Die Leserschaft soll ein vertieftes Verständnis und eine Wertschätzung gegenüber dem Beruf der Sexarbeit entwickeln.

Damit ist die Arbeit auch ein Beitrag zur Entstigmatisierung — und sie liefert das Material dafür nicht über ein Plädoyer, sondern über die Schilderungen der Befragten.

Es ist zudem die einzige Arbeit dieser Sammlung, die von zwei Personen gemeinsam verfasst wurde. Die Verantwortlichkeiten sind im Text kapitelweise gekennzeichnet.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Sechs Interviews, ausgewertet entlang eines festen Kategoriensystems. Sexarbeit umfasst sehr unterschiedliche Arbeitsbedingungen, Rechtsstellungen und Abhängigkeiten — sechs Personen bilden dieses Feld nicht ab.

Wer sich für ein Interview über das eigene Lustempfinden zur Verfügung stellt, arbeitet zudem wahrscheinlich unter vergleichsweise guten Bedingungen. Genau diese Bedingungen sind aber die Voraussetzung im Hauptbefund — die Arbeit beschreibt also, was möglich ist, nicht was üblich ist.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 132 Seiten. Sie enthält die Einordnung des Sexmarkts Schweiz mit Begriffen und Gesetzesartikeln, die vollständige Auswertung der sechs Interviews entlang der Dimensionen des Modells Sexocorporel sowie die Erkenntnisse für die sexologische Tätigkeit.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der sexuellen Lust im Bereich der Sexarbeit. Anders als in vielen Forschungsarbeiten, wird hier die Perspektive seitens der Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter erforscht und nicht jene der meist männlichen Freier. Somit wird der Frage nachgegangen, inwiefern sich das sexuelle Lustempfinden von Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter der Stadt Zürich hinsichtlich des beruflichen Sex und privatem Sex unterschei- det. Um diese Frage zu beantworten, wird zunächst der Sexmarkt Schweiz, mit Fokus auf die Stadt Zürich, näher betrachtet und verschiedene Begriffe sowie Gesetzesartikel detailliert erläutert. Um in die Lebenswelten der Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter einzutauchen und ihre Sexualität möglichst ganzheitlich zu verstehen, wurden von beiden Geschlechtern je- weils drei Interviews durchgeführt. Die gewonnen Daten wurden strukturiert, ausgewertet, mit der Theorie verknüpft und diskutiert. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich das sexuelle Lustempfinden der Sexar- beiterinnen und Sexarbeiter in erster Linie auf ihre Lernschritte ihrer persönlichen Sexualität bezieht. Können sie in einem sicheren Umfeld, frei von Zwang und negativen Erfahrungen ihre Tätigkeit ausüben, kann das Lustempfinden im beruflichen Sex gleichermassen wahr- genommen werden, wie im privaten Sex. Die Autorinnen der vorliegenden Arbeit erhoffen sich, dass die Leserschaft ein vertieftes Verständnis und eine Wertschätzung gegenüber dem Beruf der Sexarbeit entwickelt und die spannenden sexuellen Facetten erkennt. Schlüsselbegriffe Sexarbeit – Sexuelle Lust – Sexocorporel – Sexarbeiterinnen – Sexarbeiter – Zürich – Sexmarkt – Vulnerabilitätsfaktoren – Sexuelle Gesundheit – Polyvagaltheorie

Ricarda Bacchi und Linda Spörri, Abstract der Masterarbeit, 2022

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexuelle Lust im Kontext der Sexarbeit – Eine Gegenüberstellung von sexueller Lust zwischen beruflichem und privatem Sex von Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern

Verfasst von
Ricarda Bacchi und Linda Spörri

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3

Jahr
2022

Themen
Sexarbeit · Sexuelles Verlangen · Sexuelle Fantasien · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Ricarda Bacchi und Linda Spörri: «Sexuelle Lust im Kontext der Sexarbeit – Eine Gegenüberstellung von sexueller Lust zwischen beruflichem und privatem Sex von Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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