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MA5 Masterarbeit

Sexualberatung mit trans* Personen nach dem Modell Sexocorporel

Andrea Baese untersucht in der Masterarbeit «Sexualberatung mit trans* Personen nach dem Modell Sexocorporel» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

«Die Beckenbodenmuskulatur wird auch nach der Transition vorhanden sein. Selbst wenn der Penis nicht mehr da ist — die Beckenbodenmuskulatur ist da.» Dieser Satz einer befragten Fachperson erklärt, warum ein körperorientiertes Modell in der Beratung von trans* Personen funktionieren kann. Die Arbeit prüft, wo es trägt und wo es an seine Grenzen kommt.

Warum kommt Sexualität in der Trans*beratung kaum vor?

Drei von vier befragten Fachpersonen geben an, dass Sexualität bei trans* Personen in ihrer Einzelberatung kein grosses Thema ist — oder dass sie dazu noch wenig Praxiserfahrung haben.

Alle vier benennen denselben Grund für die Lücke: In den begleitenden Psychotherapien spielt Sexualität nach ihrer Erfahrung oft keine Rolle. Der Blick richtet sich auf die Transition, auf Diagnostik und Begutachtung, auf medizinische Schritte — das sexuelle Erleben fällt heraus.

Das deckt sich mit dem Ausgangspunkt der Arbeit: Trans* Klient*innen werden im sexualwissenschaftlichen Diskurs und in der Beratungspraxis häufig auf medizinisch-funktionale Perspektiven reduziert.

Wie liesse sich damit arbeiten?

Eine der befragten Fachpersonen bietet ergänzend zur Einzelberatung Gruppenworkshops zu Trans*körperlichkeit und Sexualität an und arbeitet dabei in einem Dreischritt.

Erstens Grounding: ich und mein sexueller Körper — Körperwahrnehmung und Selbstsicherheit. Zweitens ich und die anderen: wie erlebe ich Dating, wie erlebe ich mich, wenn ich mit meinem sexuellen Körper in Kontakt zu anderen gehe. Drittens die Frage, wo mir Sicherheit begegnet und wo Unsicherheit.

Eine andere Fachperson beschreibt, mit einer trans* weiblichen Person mit der ganzen Klaviatur des Modells Sexocorporel gearbeitet zu haben — also nicht mit Anpassungen am Rand, sondern mit dem vollständigen Instrumentarium.

Wo liegen die Grenzen des Modells?

Die Arbeit stellt sie an den Anfang statt sie zu verschweigen: Das Modell Sexocorporel ist historisch hetero-binär geprägt. Die Frage lautet also nicht, ob es passt, sondern was mit welchen Anpassungen möglich wird.

Ihre Antwort fällt differenziert aus. Mit gezielten Adaptionen und kritischer Reflexion öffnen sich Zugänge zu Körpererleben, sexueller Lust und individueller Identitätsgestaltung. Besondere Chancen liegen in der Förderung der Körperwahrnehmung, in der Entwicklung eigener Sexualitätskonzepte und in der Ressourcenaktivierung jenseits normativer Vorstellungen.

Grenzen benennt die Arbeit dort, wo die ursprünglichen binären Konzepte nicht ausreichend überwunden sind. Diese Stellen sind nicht durch Wortwahl zu beheben.

Was heisst das für die Praxis?

Der Ansatzpunkt liegt im Körper, der bleibt. Muskulatur, Atmung, Bewegung, Wahrnehmung — diese Grössen existieren unabhängig davon, welche medizinischen Schritte jemand gegangen ist. Genau darauf zielt das eingangs zitierte Beispiel.

Für cis Beratende formuliert die Arbeit eine zusätzliche Anforderung: die eigene Haltung zu klären und die historische wie persönliche Leidensgeschichte von trans* Personen mitzudenken. Fachwissen allein genügt hier nicht.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine theoretische Analyse verbunden mit qualitativen Interviews mit vier Fachpersonen. Befragt wurden also Beratende, nicht trans* Personen selbst — die Arbeit beschreibt die Praxis aus Sicht derer, die sie anbieten.

Dass drei von vier wenig Praxiserfahrung mit sexuellen Anliegen dieser Zielgruppe haben, ist zugleich Befund und Einschränkung: Es zeigt die Versorgungslücke, und es begrenzt, wie viel über gelungene Beratung gesagt werden kann.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 90 Seiten. Sie enthält die kritische Analyse des Modells Sexocorporel auf seine binären Prägungen, den Forschungsstand zu trans*sensibler Beratung, die vollständige Auswertung der Interviews mit Kategoriensystem und Interviewleitfaden sowie die Ableitungen für eine körperzentrierte Beratungspraxis.

Abstract der Arbeit

Diese Arbeit untersucht das Potenzial des körperorientierten Modells Sexocorporel für die Sexualberatung von trans* Personen. Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass trans* Klient*innen bislang im sexualwissenschaftlichen Diskurs und in der Beratungspraxis häufig auf medizinisch-funktionale Perspektiven reduziert werden, während körperliche Selbstwahrnehmung und sexuelle Selbstbestimmung wenig Beachtung finden. Im Rahmen einer theoretischen Analyse sowie qualitativer Expert*innen-Interviews wird geprüft, inwiefern das Modell Sexocorporel, trotz seiner historischen hetero-binären Prägung, für eine transsensible und körperzentrierte Beratung nutzbar gemacht werden kann. Die Ergebnisse zeigen, dass durch gezielte Adaptionen und kritische Reflexionen des Modells vielfältige Zugänge zu Körpererleben, sexueller Lust und individueller Identitätsgestaltung für trans* Personen geöffnet werden können. Besondere Chancen liegen in der Förderung von Körperwahrnehmung, der Entwicklung individueller Sexualitätskonzepte sowie der Ressourcenaktivierung jenseits normativer Vorstellungen. Gleichzeitig werden Grenzen des Modells benannt, insbesondere dort, wo ursprüngliche binäre Konzepte nicht ausreichend überwunden werden. Die Arbeit leistet damit einen Beitrag zur Weiterentwicklung transsensibler sexualberaterischer Ansätze und formuliert Handlungsempfehlungen für die Praxis. This thesis examines the potential of the body-centered model Sexocorporel in providing sexual counseling for trans* individuals. It addresses the prevalent gap in current practice and research, where trans* clients are often approached from a predominantly medical or functional perspective, while aspects of bodily self-awareness and sexual autonomy are largely overlooked. Through a combination of theoretical analysis and qualitative expert interviews, the study investigates how the Sexocorporel model ꟷ despite its historically binary foundations ꟷ can be critically adapted to support a transsensitive and body-oriented counseling approach. The findings highlight the model’s capacity to foster body awareness, empower sexual agency, and support the development of individualized sexualities beyond normative frameworks. Simultaneously, the study outlines limitations where traditional binary structures remain embedded within the model. Overall, this work contributes to the advancement of transsensitve counseling practices and offers concrete recommendations for a more holistic and affirming approach to sexual health and well-being.

Andrea Baese, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
SEXUALBERATUNG MIT TRANS* PERSONEN MIT DEM MODELL SEXOCORPOREL – Ein körperorientierter Ansatz zur Förderung von Sexualität und Körpererleben bei trans* Personen

Verfasst von
Andrea Baese

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Geschlecht & Identität · Sexualberatung · Körperarbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Andrea Baese: «SEXUALBERATUNG MIT TRANS* PERSONEN MIT DEM MODELL SEXOCORPOREL – Ein körperorientierter Ansatz zur Förderung von Sexualität und Körpererleben bei trans* Personen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Liebe als Gefahr – verliebte Ordensleute im Zwiespalt

Anouk Battefeld untersucht in der Masterarbeit «Liebe als Gefahr – verliebte Ordensleute im Zwiespalt» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Was geschieht, wenn sich ein Mensch verliebt, der ein Keuschheitsgelübde abgelegt hat? Diese Arbeit befragt vier Ordensmänner, denen genau das passiert ist und die im Orden geblieben sind — ein Thema, zu dem es bisher keine Forschung gab.

Wie wurde das untersucht?

Über einen schriftlichen Fragebogen mit offenen Fragen und einer Skalenfrage. Vier Ordensmänner, die sich im Verlauf ihres Ordenslebens verliebt haben und in ihrer Gemeinschaft verblieben sind, nahmen teil.

Der Zugang entstand über eine engagierte Vertrauensperson, überwiegend im Rahmen eines Ordenstreffens. Bei einem Thema, das mit einem Gelübde in Konflikt steht, ist das der entscheidende und schwierigste Teil einer solchen Arbeit.

Theoretisch verbindet die Arbeit aktuelle Erkenntnisse der Hirnforschung zum Verlieben mit dem römisch-katholischen Kirchenrecht, dem Habitus des Ordenslebens und dem Keuschheitsgelübde.

Was leistet das Modell Sexocorporel hier?

Es bietet den theoretischen Rahmen für eine ganzheitliche Betrachtung affektiv-körperlicher Erfahrungen — indem es Sexualität als Ausdruck persönlicher Entwicklung, leiblicher Identität und Beziehungskompetenz versteht.

Gerade im Kontext religiöser Enthaltsamkeit öffnet das eine bestimmte Perspektive: Die Erfahrungen lassen sich als entwicklungsrelevante Prozesse deuten statt als Verfehlung.

Die Schilderungen der Befragten lassen sich zudem mit zentralen Ergebnissen der neurowissenschaftlichen Forschung zum Verliebtsein in Verbindung bringen. Was sie beschreiben, ist nicht Ausdruck von Schwäche, sondern ein körperlicher Vorgang.

Was ist das Ergebnis?

Verliebtheit im Ordensleben ist kein randständiges Phänomen, sondern eine existenzielle Erfahrung. Das ist der Kernbefund und er widerspricht der Erwartung, es handle sich um seltene Ausnahmefälle.

Für die Begleitung von Menschen in institutionell gebundenen Lebensformen ist das eine seltene Grundlage. Sie zeigt, dass es einen Ort braucht, an dem diese Erfahrung besprochen werden kann — und dass dieser Ort innerhalb der Institution schwer zu finden ist.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier Personen, schriftlich befragt, alle männlich, alle im Orden geblieben. Die Arbeit ist qualitativ-explorativ angelegt und beansprucht nichts anderes.

Die Auswahl ist zweifach eingeschränkt: Wer den Orden verlassen hat, kommt nicht vor — und wer sich über eine Vertrauensperson an einem Ordenstreffen erreichen lässt, gehört zu denen, die darüber sprechen können.

Für ein bislang unerforschtes Thema an der Schnittstelle von Theologie, Psychologie und Spiritualität ist die Arbeit ein sorgfältig gearbeiteter erster Zugang.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 93 Seiten. Sie enthält die Hirnforschung zum Verlieben, die kirchenrechtlichen Grundlagen, die Darstellung des Ordenslebens und des Keuschheitsgelübdes sowie die vollständige Auswertung der vier Befragungen entlang der Komponenten des Modells Sexocorporel.

Abstract der Arbeit

Diese Arbeit untersucht das Phänomen des Verliebtseins bei Ordensleuten und die Entscheidungsfindung, was ein bislang unerforschtes Thema an der Schnittstelle von Theologie, Psychologie und Spiritualität ist. Ziel war es, zu erfassen, wie Or- densleute Verliebtheit im Kontext der durch das Keuschheitsgelübde geprägten Le- bensform erleben, deuten und bewältigen. Die Arbeit verbindet aktuelle Ergebnisse der Hirnforschung zum Thema Verlieben mit römisch-katholischen, kirchenrechtli- chen Grundlagen, stellt den Habitus und die Grundlage des Ordenslebens dar mit dem Schwerpunkt des Keuschheitsgelübdes und dem Modell Sexocorporel. Empirisch wurde ein qualitativ-exploratives Vorgehen gewählt: Vier Ordensmänner, die sich im Verlauf ihres Ordenslebens verliebt haben und im Orden verblieben sind, beantworteten einen schriftlichen Fragebogen mit offenen Fragen und einer Ska- lenfrage. Die Teilnehmenden wurden durch einen engagierten «Türöffner» überwie- gend im Rahmen eines Ordenstreffens auf diese Studie aufmerksam. Die Auswer- tung konzentrierte sich anhand der Forschungsfragen auf Vergleiche der Antworten und einer vertieften Zuordnung im Kontext aktueller wissenschaftlicher Literatur. Die Ergebnisse zeigen: Verliebtheit im Ordensleben ist kein randständiges Phäno- men, sondern eine existenzielle Erfahrung mit herausfordernder Ambivalenz. Sie kann zur spirituellen Vertiefung und Reifung beitragen. Die Arbeit leistet einen Bei- trag zur Sichtbarmachung innerer Konflikte im subjektiven Ordensleben und eröffnet neue Perspektiven auf gelebte Spiritualität, die einen Zwiespalt nicht ausschliesst, sondern auf individuelle Weise integriert. Abstract (Englisch Version) This thesis explores a largely under-researched phenomenon at the intersection of theology, psychology and sexuality: the experience of romantic love among mem- bers of Roman Catholic male religious orders. The focus lies on the subjective ex- perience of the inner conflict between the religious vow of chastity and the human longing for intimacy, emotional closeness and physical contact. The empirical basis of the study consists of qualitative written responses from four Catholic male members of a religious order who remained in their communities des- pite having fallen in love. Due to the sensitive nature of the topic, a written survey method was chosen, allowing for anonymous participation and multilingual acess

Anouk Battefeld, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Liebe als Gefahr – Verliebte Ordensleute im Zwiespalt zwischen Bleiben und Gehen

Verfasst von
Anouk Battefeld

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Institutionelle Begleitung · Recht & Ethik · Soziale Arbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Anouk Battefeld: «Liebe als Gefahr – Verliebte Ordensleute im Zwiespalt zwischen Bleiben und Gehen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Self-Affirming Masturbation and Sexual Self-Confidence

Valentine Friedli untersucht in der Masterarbeit «Self-Affirming Masturbation and Sexual Self-Confidence» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Selbstbefriedigung ist weit verbreitet und bleibt stigmatisiert — unter Gleichaltrigen wird kaum darüber gesprochen, in der Sexualaufklärung kommt sie kaum vor, im gesellschaftlichen Diskurs ebenso wenig. Diese Arbeit untersucht, was sie für das sexuelle Selbstbild leistet.

Warum überhaupt darüber forschen?

Weil die Diskrepanz auffällig ist. Solosexualität ist ein häufiger Aspekt menschlicher Sexualität und trotzdem von Stigma und soziokulturellen Einflüssen geprägt.

Dabei stellt sie nach dieser Arbeit eine wichtige Dimension der sexuellen Entwicklung dar und trägt bedeutsam zur sexuellen Gesundheit insgesamt bei.

Untersucht werden zwei Konstrukte des Modells Sexocorporel, die eng mit sexueller Gesundheit und Zufriedenheit zusammenhängen: das sexuelle Selbstkonzept und die sexuelle Selbstsicherheit. Beide beeinflussen, wie Menschen ihre Sexualität wahrnehmen und bewerten.

Was sind die Ergebnisse?

Die Zusammenhänge fallen durchwegs positiv aus, und zwar über fünf Dimensionen des sexuellen Selbstkonzepts hinweg: sexuelles Selbstwertgefühl, Körperbild, genitales Bild, sexuelle Durchsetzungsfähigkeit und sexuelle Selbstwirksamkeit.

Auch mit der sexuellen Selbstsicherheit zeigt sich ein positiver Zusammenhang.

Die Arbeit belässt es nicht bei der Feststellung. Sie arbeitet die zugrunde liegenden Mechanismen und Wege heraus, die sich in den Interviews zeigten — und benennt als mitwirkende Faktoren Geschlechterrollen, Kognitionen, Emotionen und gesellschaftliche Einflüsse.

Was heisst das für die Praxis?

Wenn Solosexualität mit fünf Dimensionen des sexuellen Selbstkonzepts positiv zusammenhängt, ist sie kein Randthema der Beratung, sondern ein Zugang.

Für die Sexualaufklärung folgt daraus die deutlichste Konsequenz: Ein Bereich, der zur sexuellen Gesundheit beiträgt, kommt im Unterricht kaum vor. Die Arbeit liefert das Argument, das zu ändern.

Sie ergänzt damit die Untersuchung von Vera Matjaz, die Solosexualität bei Erwachsenen mit ADHS quantitativ untersucht hat.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Halbstrukturierte Interviews mit sechs jungen Erwachsenen — drei Cis-Frauen und drei Cis-Männern. Die Arbeit ist auf Englisch verfasst.

Sechs Personen erlauben keine Aussagen über Häufigkeiten oder Ursachen. Es handelt sich zudem um Selbstauskünfte zu einem stigmatisierten Thema — wer darüber spricht, hat vermutlich ein unbelasteteres Verhältnis dazu als der Durchschnitt.

Die Arbeit spricht durchgehend von Zusammenhängen, nicht von Wirkungen. Ob Solosexualität das sexuelle Selbstkonzept stärkt oder ob ein starkes Selbstkonzept sie erleichtert, bleibt offen.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 138 Seiten und ist auf Englisch verfasst. Sie enthält eine systematische Literaturrecherche zu Solosexualität und Stigma, die Darstellung von sexuellem Selbstkonzept und sexueller Selbstsicherheit nach Sexocorporel, die vollständige Auswertung der sechs Interviews sowie Empfehlungen für Forschung und Praxis.

Methodisches Vorgehen

Die Arbeit stützt sich auf eine systematische Literaturrecherche und eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring. Der Volltext umfasst 138 Seiten.

Abstract der Arbeit

Background and Central Questions: Solitary sex is a widespread yet often stigmatised aspect of human sexuality, underrepresented in societal discourse and sexual education. Despite this, it plays a key role in sexual development and health. To examine this dynamic further, this Master’s thesis explores how solitary sex influences sexual self-concept and sexual self-confidence as defined in the Sexocorporel model. These two constructs are associated with how individuals perceive and value their sexuality, and both impact sexual behaviour, functioning, satisfaction, and well-being. Methodology: Using a qualitative methodology, semi-structured interviews were conducted with a sample of young adults, comprising three cis women and three cis men. Conclusion: The findings indicated generally positive associations between solitary sex and five dimensions of sexual self-concept: sexual self-esteem, body image, genital image, sexual assertiveness, and sexual self-efficacy. Solitary sex was also linked to increased sexual self-confidence. Both associations appeared to be influenced by a variety of underlying mechanisms and pathways identified throughout the interviews. Various influencing factors, including gender roles, cognitions, emotions and societal influences, seemed to play a role in shaping these experiences. The results underscore solitary sex as a potentially empowering practice, with important implications for fostering sexual self- concept, sexual self-confidence and overall sexual well-being and health.

Valentine Friedli, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Self-Affirming Masturbation – Exploring the Impact of Solitary Sex on Sexual Self-Concept and Sexual Self-Confidence As Per Sexocorporel in Young Adults

Verfasst von
Valentine Friedli

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Selbstwirksamkeit · Wechseljahre · Körperbild · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Valentine Friedli: «Self-Affirming Masturbation – Exploring the Impact of Solitary Sex on Sexual Self-Concept and Sexual Self-Confidence As Per Sexocorporel in Young Adults». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Solosexuelles Erleben und Verhalten bei Erwachsenen mit ADHS

Vera Matjaz untersucht in der Masterarbeit «Solosexuelles Erleben und Verhalten bei Erwachsenen mit ADHS» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Menschen mit ADHS masturbieren nicht häufiger, haben nicht mehr Lust darauf und nutzen es nicht öfter zur emotionalen Regulierung. Ein Unterschied bleibt: Ihr Erregungsmodus ist enger. Das zeigt diese Arbeit an 711 Teilnehmenden, darunter 202 mit ADHS-Diagnose — die grösste Stichprobe dieser Sammlung.

Was heisst «enger Erregungsmodus»?

Der Begriff stammt aus dem Modell Sexocorporel und beschreibt, wie jemand Erregung aufbaut: über welche Muskelspannung, welchen Rhythmus, welche Bewegung. Ein enger Modus ist auf einen bestimmten Ablauf festgelegt und lässt wenig Variation zu — was zum Problem wird, sobald sich die Umstände ändern, etwa in der Paarsexualität.

Erfasst wurde er über den Mittelwert mehrerer Fragebogenitems auf einer zehnstufigen Skala, wobei höhere Werte einen engeren Modus anzeigen.

Was zeigen die Zahlen?

Die Gruppe mit ADHS erreicht im Mittel 6,24, die Gruppe ohne ADHS 5,96 — ein Unterschied von rund 0,28 Punkten. Der Unterschied ist statistisch bedeutsam, und die Autorin prüft ihn zusätzlich mit einem Verfahren für ungleiche Varianzen, das dasselbe Ergebnis bestätigt.

Entscheidend ist die Grösse des Effekts, und hier wird die Arbeit vorbildlich deutlich: Cohen’s d liegt bei 0,19 — klein, aber stabil. Das Regressionsmodell erklärt zwei Prozent der Streuung im Erregungsmodus. Achtundneunzig Prozent bleiben unerklärt.

Anders gesagt: ADHS sagt etwas über den Erregungsmodus aus, aber sehr wenig. Wer aus dieser Arbeit ableitet, Menschen mit ADHS hätten ein sexuelles Problem, liest sie falsch.

Was unterscheidet sich nicht?

Das ist der zweite und für die Beratung wichtigere Befund. Bei der Häufigkeit der Solosexualität, bei der Lust darauf und bei ihrer Nutzung zur emotionalen Regulation zeigten sich keine bedeutsamen Unterschiede zwischen den Gruppen.

Das widerspricht verbreiteten Annahmen. Die Forschungslage, die die Arbeit aufarbeitet, verbindet ADHS mit erhöhten Raten sexueller Funktionsstörungen, mit hypersexuellem Verhalten und mit höherem Pornografiekonsum — Letzteres vor allem bei Männern. Für die Solosexualität selbst findet diese Untersuchung diese Unterschiede nicht.

Was heisst das für die Praxis?

Das Modell Sexocorporel betrachtet die Solosexualität als Ort des sexuellen Lernens — dort wird erprobt, was später in der Paarsexualität zur Verfügung steht. Genau deshalb ist ein enger Erregungsmodus dort kein Nebenbefund, sondern ein Ansatzpunkt.

Für die Beratung heisst das konkret: Bei Klientinnen und Klienten mit ADHS lohnt sich der Blick darauf, wie Erregung aufgebaut wird — nicht darauf, wie oft. Und es heisst, mit der Erwartung vorsichtig zu sein, eine ADHS erkläre sexuelle Schwierigkeiten. Nach diesen Daten erklärt sie zwei Prozent davon.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine quantitative Erhebung mit standardisierten Fragebogen und 711 auswertbaren Teilnehmenden, davon 202 mit ADHS-Diagnose. Das ist für eine Masterarbeit eine ungewöhnlich grosse Stichprobe, und die statistische Auswertung ist sorgfältig — inklusive Prüfung der Voraussetzungen und Angabe der Konfidenzintervalle.

Die Einschränkungen liegen anderswo: Es handelt sich um eine Querschnittserhebung mit Selbstauskunft. Die ADHS-Diagnose wurde nicht überprüft, und aus einer Momentaufnahme lässt sich keine Ursache ableiten. Was die Arbeit zeigt, ist ein Zusammenhang, kein Wirkmechanismus.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 73 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu ADHS und Sexualität im Erwachsenenalter, die vollständige statistische Auswertung mit allen Testverfahren und Tabellen sowie die Einordnung in das Modell Sexocorporel.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Solosexualität, einem oft vernachlässigten Aspekt der Sexualität. Die Forschung in diesem Bereich ist begrenzt, obwohl sowohl ADHS als auch Solosexualität bedeutende Einflussfaktoren auf das sexuelle Erleben und die individuelle Sexualität darstellen. Ziel der Arbeit ist es, die Unterschiede in der Wahrnehmung und Auslebung von Solosexualität zwischen Erwachsenen mit und ohne ADHS zu analysieren. Durch eine quantitative Erhebung mittels standardisierter Fragebögen wurden Daten von 716 Teilnehmenden gesammelt, darunter 202 mit ADHS-Diagnose. Die Ergebnisse zeigen, dass Personen mit ADHS tendenziell einen engeren Erregungsmodus aufweisen. Im Gegensatz dazu konnten keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Häufigkeit, der Lust auf Solosexualität oder der Nutzung von Solosexualität zur emotionalen Regulation festgestellt werden. Diese Erkenntnisse eröffnen neue Perspektiven für die sexuelle Gesundheit und Therapieansätze, insbesondere im Rahmen des Sexocorporel-Modells, das die Bedeutung der Solosexualität für das sexuelle Lernen und Wohlbefinden betont.

Vera Matjaz, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Solosexuelles Erleben und Verhalten bei Erwachsenen mit ADHS – Eine quantitative Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Solosexualität und ADHS-Symptomen

Verfasst von
Vera Matjaz

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
ADHS · Sexuelle Zufriedenheit · Sexuelles Verlangen · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Vera Matjaz: «Solosexuelles Erleben und Verhalten bei Erwachsenen mit ADHS – Eine quantitative Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Solosexualität und ADHS-Symptomen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Das genitale Selbstbild im Kontext von Female Genital Mutilation/Cutting

Alexandra Ursula Meisser untersucht in der Masterarbeit «Das genitale Selbstbild im Kontext von Female Genital Mutilation/Cutting» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Frauen mit einer Genitalbeschneidung begegnen im Gesundheitswesen meist einer medizinischen Sicht auf ihren Körper. Wie sie ihr eigenes Genital wahrnehmen, wird selten gefragt. Diese Arbeit hat genau das getan — und kommt zu einem Ergebnis, das jede Verallgemeinerung verbietet.

Gibt es «das» genitale Selbstbild nach FGM/C?

Nein. Das ist der erste und wichtigste Befund. Die Wahrnehmungen der befragten Frauen fallen so unterschiedlich aus, dass sich keine verallgemeinerbaren Aussagen ableiten lassen.

Jede betroffene Frau verfügt über eigene Ressourcen, Grenzen und Herausforderungen. Weder das genitale Selbstbild noch die sexuelle Selbstsicherheit verlaufen einheitlich.

Daraus folgt für die Praxis unmittelbar: Es braucht in jedem Einzelfall eine eigene Erhebung, wie das genitale Selbstbild und die sexuelle Selbstsicherheit ausgeprägt sind. Von der Diagnose auf das Erleben zu schliessen, geht fehl.

Was hängt womit zusammen?

Genitales Selbstbild und sexuelle Selbstsicherheit stehen in wechselseitigem Zusammenhang — und diese Wechselwirkung findet sich auch bei Frauen mit FGM/C. Das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Befund: Was für andere Frauen gilt, gilt hier ebenso.

Für die Förderung eines konstruktiven Zugangs zum eigenen Genital schlägt die Arbeit den körperorientierten Ansatz Sexocorporel vor, insbesondere über die schrittweise Entwicklung sexueller Lernprozesse. Nicht als Korrektur, sondern als Weg zu einem eigenen Verhältnis zum eigenen Körper.

Ist das ein Thema der Frau allein?

Nein, und dieser Hinweis der Arbeit ist für die Praxis besonders wertvoll. Die Beschneidung sollte in der therapeutischen Begleitung nicht ausschliesslich als individuelles Thema der Frau verstanden werden, sondern ebenso als Paardynamik.

Wo es möglich ist, kann es entsprechend hilfreich sein, den Partner in den Therapieprozess einzubeziehen. Was zwischen zwei Menschen geschieht, lässt sich selten allein bearbeiten.

Was braucht die Fachperson?

Die Arbeit spricht offen aus, was in Leitfäden selten steht: Es handelt sich um ein hochsensibles Themenfeld, und Therapeutinnen und Therapeuten müssen auf ihre eigene Zentrierung und Selbstregulation achten.

Konkret empfiehlt sie, Pausen, humorvolle Elemente und körperbezogene Übungen ins Gespräch zu integrieren — für die Klientin ebenso wie für die begleitende Person. Wer beim Zuhören selbst in Anspannung gerät, kann nicht gut begleiten.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine explorative qualitative Arbeit mit halbstrukturierten Interviews, theoretisch gerahmt durch das Modell Sexocorporel nach Jean-Yves Desjardins. Die Autorin stellt selbst an den Anfang ihres Fazits, dass sich keine Rückschlüsse auf jede Frau mit FGM/C ziehen lassen.

Was die Arbeit liefert, sind Anhaltspunkte für die sexualtherapeutische Arbeit — und die Stimmen von Frauen, die in der Forschung zu diesem Thema selten selbst zu Wort kommen.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 103 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu FGM/C, die theoretischen Grundlagen zu genitalem Selbstbild und sexueller Selbstsicherheit, die vollständige Auswertung der Interviews und die Ableitungen für die sexualtherapeutische Praxis.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit befasst sich mit dem Einfluss der weiblichen Genitalbeschneidung (FGM/C) auf das genitale Selbstbild und in diesem Zusammenhang auf die sexuelle Selbstsicherheit. Ziel der Untersuchung ist es, mögliche Handlungsansätze für die sexualtherapeutische Praxis zu identifizieren. Als theoretischer Bezugsrahmen dient das Modell des Sexocorporel nach Jean- Yves Desjardins. Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurden halbstrukturierte Interviews mit betroffenen Frauen durchgeführt. Im Zentrum stand die Erfassung subjektiver Wahrnehmungen und individueller Erlebensweisen im Hinblick auf das genitale Selbstbild und die sexuelle Selbstsicherheit. Die vorliegende Arbeit verfolgt das Anliegen, durch die Stimmen der interviewten Frauen Erkenntnisse über den Einfluss von FGM/C auf diese Themenbereiche zu gewinnen. Die qualitative Analyse der Interviews machte unterschiedliche Perspektiven sichtbar. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sowohl das genitale Selbstbild als auch die sexuelle Selbstsicherheit nicht einheitlich verlaufen, sondern individuell geprägt sind. Ebenso zeigt sich, dass der Zugang zum eigenen Genital von einer Vielzahl unterschiedlicher Erfahrungen beeinflusst wird. Aus den erhobenen Daten lassen sich Hinweise ableiten, dass sexualtherapeutische Interventionen zur Förderung eines positiven genitalen Selbstbildes und zur Stärkung der sexuellen Selbstsicherheit bei Frauen mit FGM/C einen unterstützenden Beitrag leisten können.

Alexandra Ursula Meisser, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Das genitale Selbstbild im Kontext von Female Genital Mutilation/Cutting: Eine qualitative Studie zu Erfahrungen von Frauen mit FGM/C

Verfasst von
Alexandra Ursula Meisser

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Genitales Selbstbild · Selbstwirksamkeit · Körperarbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Alexandra Ursula Meisser: «Das genitale Selbstbild im Kontext von Female Genital Mutilation/Cutting: Eine qualitative Studie zu Erfahrungen von Frauen mit FGM/C». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Nicht-Binarität in der Sexualtherapie

Caroline Schenk untersucht in der Masterarbeit «Nicht-Binarität in der Sexualtherapie» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Das «Gefühl der Geschlechtszugehörigkeit» ist ein Kernbegriff des Modells Sexocorporel — und er setzt voraus, dass es eine Zugehörigkeit gibt, zu der man sich zugehörig fühlen kann. Diese Arbeit prüft, was mit dem Konzept geschieht, wenn eine Person sich keiner der beiden Kategorien zuordnet. Ihre Antwort beginnt bei einem einzigen Buchstaben.

Was ändert ein Wort?

Aus dem «Gefühl der Geschlechtszugehörigkeit» wird das «Gefühl der Geschlechterzugehörigkeit». Die Änderung ist minimal und folgenreich: Der Plural schliesst mehrere Geschlechterrealitäten ein, wo der Singular eine voraussetzt.

Zwei weitere Begriffe haben sich in der Praxis als hilfreich erwiesen — das Gefühl der Zugehörigkeit zum eigenen sexuellen Körper und das Gefühl der Zugehörigkeit zur eigenen Gendergruppe.

Damit verschiebt sich der Fokus weg von der Geschlechtsidentität hin zum individuellen Erleben: im eigenen Körper, mit den eigenen Genitalien, und in Bezug auf andere Menschen. Die begriffliche Änderung allein öffnet den Blick weg von einer binären Ordnung und weg von einem Richtig und Falsch.

Reicht die neue Sprache?

Nein — und das ist die wichtigste Erkenntnis der Arbeit. Obwohl die befragten Fachpersonen die Begriffe unterschiedlich anpassten und nutzten, zeigte sich eine Konstante: Alle hatten sich im Lauf ihrer Praxis eine trans*sensible Haltung erarbeitet.

Die Autorin formuliert den Schluss unmissverständlich: Eine sprachliche Veränderung bewegt nichts, wenn sich die Einstellung dahinter nicht mitverändert. Kein Konzept steht für sich allein — jedes ist mit der Person verbunden, die es anwendet.

Menschenbild, Haltung, Wissen, Privilegien, Lebenserfahrung und auch Unsicherheiten schwingen dabei jederzeit mit. Eine geschlechtersensible Sexualtherapie setzt deshalb voraus, dass das Konzept kritisch reflektiert und differenziert eingesetzt wird.

Was heisst das für die Arbeit mit nichtbinären Menschen?

Körperzentrierte Interventionen schätzt die Arbeit grundsätzlich als hilfreich ein — unter einer Bedingung: Sie müssen individuell angepasst und sensibel gestaltet sein.

Das ist kein Vorbehalt aus Vorsicht. Wer mit einem Modell arbeitet, das binär entstanden ist, muss wissen, an welchen Stellen es Erwartungen mitbringt, die im Gespräch nichts zu suchen haben.

Bemerkenswert ist, wie viel Erfahrungswissen bei den Fachpersonen bereits vorliegt. Die Arbeit macht es sichtbar und ordnet es — was sie für die Ausbildung ebenso brauchbar macht wie für die Praxis.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Fünf Interviews mit Fachpersonen, qualitativ ausgewertet. Befragt wurden Therapeut*innen, nicht nichtbinäre Klient*innen — die Arbeit beschreibt also, wie Fachpersonen das Konzept anwenden und anpassen, nicht wie es erlebt wird.

Als Beitrag zur Weiterentwicklung eines Modells ist das die passende Perspektive. Für die Frage, ob nichtbinäre Menschen sich in der Beratung wiederfinden, bräuchte es eine zweite Arbeit.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 76 Seiten. Sie enthält die kritische Reflexion des Konzepts «Gefühl der Geschlechtszugehörigkeit» auf seine binären und heteronormativen Prägungen, die vollständige Auswertung der fünf Interviews und Impulse für eine geschlechtersensible Weiterentwicklung des Modells.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit untersucht, wie das Konzept des Gefühls der Geschlechtszu- gehörigkeit (GdG) nach dem Modell Sexocorporel in der sexualtherapeutischen Begleitung nichtbinärer Menschen angewendet werden kann. Der Hintergrund der Arbeit ist eine kriti- sche Reflexion potenzieller binärer und heteronormativer Prägungen des Modells. Auf die- ser Grundlage wurden fünf Interviews mit Expert*innen durchgeführt und qualitativ ausge- wertet. Anliegen der Arbeit ist es, die Anwendbarkeit des GdG kritisch zu reflektieren und Impulse für eine geschlechtersensible Weiterentwicklung des Modells zu geben. Hierdurch soll ein Beitrag dazu geleistet werden, dass geschlechtliche Vielfalt in Theorie, Praxis und Ausbildung bewusster reflektiert und differenzierter berücksichtigt wird. Die Ergebnisse zei- gen, dass das ursprüngliche GdG Konzept normativ geprägt ist. Es kann jedoch durch Wei- terentwicklungen, wie beispielsweise dem Gefühl der Zugehörigkeit zum sexuellen Körper und dem Gefühl der Zugehörigkeit zur eigenen Gendergruppe, an geschlechtliche Vielfalt anschlussfähig gemacht werden. Körperzentrierte Interventionen werden in der Arbeit mit nichtbinären Menschen grundsätzlich als hilfreich eingeschätzt, wenn sie individuell ange- passt und sensibel gestaltet werden. Als zentral für eine gelingende Begleitung erweist sich die Haltung und das Menschenbild der Fachperson, welche die therapeutische Arbeit mit dem Modell prägen. Die Arbeit leistet einen praxisnahen Beitrag zur Weiterentwicklung ei- ner inklusiven, geschlechterreflektierten Sexualtherapie und Beratung.

Caroline Schenk, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Nicht-Binarität in der Sexualtherapie – Zum Umgang des Gefühls der Geschlechtszugehörigkeit nach Sexocorporel

Verfasst von
Caroline Schenk

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Geschlecht & Identität · Sexualtherapie · Körperarbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Caroline Schenk: «Nicht-Binarität in der Sexualtherapie – Zum Umgang des Gefühls der Geschlechtszugehörigkeit nach Sexocorporel». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Spielend verführen – ein Spielkonzept für sexuelles Begehren

Dominique Tanner untersucht in der Masterarbeit «Spielend verführen – ein Spielkonzept für sexuelles Begehren» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Begehren lässt sich nicht befehlen, aber vielleicht spielen. Diese Arbeit entwickelt ein Spielkonzept für Paare — und begründet es mit einer Annahme, die überraschend trägt: Spielen ist ein natürlicher menschlicher Trieb, der soziale Kompetenzen erfahrbar macht und neue Fähigkeiten hervorbringt.

Was soll das Spiel bewirken?

Es soll Paaren ermöglichen, drei Dinge spielerisch zu fördern: ihre Kommunikation, ihr sexuelles Begehren und ihre Verführungskompetenzen.

Das zentrale Anliegen war dabei, Spielfreude und Zielorientierung zu verbinden. Ein Spiel, das sich wie eine Übung anfühlt, verfehlt seinen Zweck — eines ohne Richtung ebenfalls.

Der theoretische Teil geht deshalb in zwei Richtungen: zum Spiel selbst mit Definition, Geschichte, Funktion und den Spielpersönlichkeiten nach Brown — und zu Begehren, Bedürfnissen und Beziehung.

Wie versteht die Arbeit Begehren?

Als Wechselwirkung zwischen Reiz und Emotion. Begehren löst eine positive Vorerwartung aus und gilt deshalb selbst als erstrebenswert — es ist nicht nur Mittel zum Zweck, sondern angenehm für sich.

Daraus folgt der praktische Kern: Die bewusste Wahrnehmung der eigenen Begehrensstruktur bildet eine wichtige Grundlage dafür, Wünsche überhaupt zu artikulieren.

Und das gilt nach dieser Arbeit nicht nur in Paarbeziehungen, sondern auch im alltäglichen Leben. Wer nicht weiss, was er will, kann es nicht sagen — im Bett so wenig wie sonst.

Was ist an der Arbeit methodisch bemerkenswert?

Zwei Dinge, die in Masterarbeiten selten so ausdrücklich vorkommen.

Erstens widmet sie der Forschungsethik ein eigenes Kapitel — vor der Methodik. Bei einer Arbeit, in der Paare ein Spiel zu ihrer Sexualität ausprobieren, ist das keine Formalität.

Zweitens legt sie die Nutzung von künstlicher Intelligenz offen. Das ist bei einer Arbeit aus dem Jahrgang 2025 zeitgemäss und in dieser Sammlung dennoch die Ausnahme.

Dazu kommt ein ausführliches Kapitel zur Paarkommunikation, das verbale, nonverbale und paraverbale Ebenen sowie Kommunikationsmodelle und -muster behandelt.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Das Spielkonzept wurde entwickelt und erprobt, die Auswertung stützt sich auf Leitfadeninterviews und Fragebogen mit einer sehr kleinen Zahl von Teilnehmenden.

Was die Arbeit liefert, ist ein durchdachtes und dokumentiertes Konzept samt ersten Rückmeldungen — keine Wirksamkeitsprüfung. Für die Arbeit mit Paaren ist es dennoch brauchbares Material, weil es die Begründung für jede Spielentscheidung mitliefert.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 111 Seiten. Sie enthält die Theorie des Spiels, die ausführliche Auseinandersetzung mit Begehren, Bedürfnissen und Paarkommunikation, das vollständige Spielkonzept sowie die Kapitel zu Forschungsethik und zum Einsatz künstlicher Intelligenz.

Methodisches Vorgehen

Die Arbeit stützt sich auf leitfadengestützte Interviews (zwei Personen). Der Volltext umfasst 111 Seiten.

Angaben zur Arbeit

Titel
Spielend verführen Entwicklung eines Spielkonzepts zur Förderung und Erhaltung von sexuellem

Verfasst von
Dominique Tanner

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexuelles Verlangen · Paarsexualität · Recht & Ethik · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Dominique Tanner: «Spielend verführen Entwicklung eines Spielkonzepts zur Förderung und Erhaltung von sexuellem». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Die Integration körperorientierter Ansätze in die Sexualtherapie nach dem Sexocorporel-Modell

Patricia Zoller untersucht in der Masterarbeit «Die Integration körperorientierter Ansätze in die Sexualtherapie nach dem Sexocorporel-Modell» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Körperorientierte Verfahren gelten in der Sexualtherapie oft als ergänzende Technik. Diese Arbeit widerspricht: Sie prüft Tanztherapie, Achtsamkeitspraxis und Bioenergetik systematisch am Modell Sexocorporel und kommt zum Schluss, dass sie integrale Bestandteile sind — nicht Beiwerk.

Was verbindet drei so verschiedene Verfahren?

Tanztherapie, Achtsamkeitspraxis und Bioenergetik stammen aus unterschiedlichen theoretischen Traditionen und sind methodisch klar voneinander zu unterscheiden.

Was sie verbindet, ist ein gemeinsames Anliegen: die Verkörperung psychischer, affektiver und relationaler Prozesse. Genau darin liegt nach dieser Analyse ihr komplementäres Potenzial zum Modell Sexocorporel.

Was fügen sie dem Modell hinzu?

Die Arbeit formuliert das präzise und ist dabei auch gegenüber dem eigenen Modell kritisch: Sexocorporel war bislang vorrangig auf funktionale Körperarbeit und edukative Vermittlung ausgerichtet.

Die körperzentrierten Ansätze vertiefen es um symbolische, affektive und beziehungsdynamische Erfahrungsdimensionen — also um genau jene Ebenen, die in sprachlich-kognitiven Formaten schwer zugänglich bleiben.

Und sie wirken auf mehreren Ebenen zugleich: Sie unterstützen physiologische Regulation und affektive Durchlässigkeit, fördern aber ebenso Selbstbeobachtung, Beziehungsgestaltung und kognitive Neuorientierung.

Wie ist die Analyse aufgebaut?

Jedes Verfahren wird entlang der vier Komponenten des Modells eingeordnet — physiologisch, sexodynamisch, kognitiv und beziehungsdynamisch — und auf theoretische Grundlagen, Anwendungsmöglichkeiten und Passung geprüft. Methodisch stützt sich die Arbeit auf eine systematische Literaturrecherche.

Dazu kommt ein Übungsdossier mit konkreten Beispielen. Es zeigt, wie sich somatische Verfahren entlang der Modellkomponenten tatsächlich einbinden lassen — die Arbeit bleibt also nicht bei der Einordnung stehen.

Für wen ist das brauchbar?

Für alle, die überlegen, ein weiteres körperorientiertes Verfahren in die eigene Arbeit zu holen. Statt sich durch die Literatur dreier Schulen zu arbeiten, findet man hier die Vorarbeit — mit der Passung zum eigenen Modell bereits geprüft.

Mit 253 Seiten ist es die umfangreichste Arbeit dieser Sammlung und als Nachschlagewerk angelegt.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Es handelt sich um eine theoriegeleitete Analyse auf Basis einer systematischen Literaturrecherche — ohne eigene empirische Erhebung. Das Übungsdossier ist ein begründeter Vorschlag, keine erprobte Intervention.

Was die Arbeit also zeigt, ist Anschlussfähigkeit: dass sich die drei Verfahren theoretisch stimmig mit dem Modell verbinden lassen. Ob die vorgeschlagenen Übungen in der Praxis wirken, müsste geprüft werden.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 253 Seiten. Sie enthält die theoretischen Grundlagen der drei Verfahren, ihre systematische Einordnung entlang der vier Komponenten des Modells Sexocorporel sowie das vollständige Übungsdossier für die Praxis.

Abstract der Arbeit

Die Sexualtherapie steht zunehmend vor der Herausforderung, körperliche und psychische Prozesse integrativ zu behandeln. Körperorientierte Ansätze gewinnen hierbei an Bedeutung, da sie auf physischer Ebene ansetzen und emotionale sowie sexuelle Blockaden adressieren können. Ziel dieser Arbeit ist es, die Eignung und das Potenzial ausgewählter körperorientierter Ansätze – Tanztherapie, Achtsamkeitspraxis und Bioenergetik – für den Einsatz in der sexualtherapeutischen Praxis zu untersuchen. Das theoretische Fundament bildet das Sexocorporel-Modell von Jean-Yves Desjardins, in dessen Rahmen die genannten Methoden eingeordnet und analysiert werden. Die Analyse erfolgt entlang der vier Komponenten des Modells – physiologisch, sexodynamisch, kognitiv und beziehungsdynamisch. Methodisch basiert die Arbeit auf einer systematischen Literaturrecherche. Die ausgewählten körperorientierten Ansätze werden hinsichtlich ihrer theoretischen Grundlagen, Anwendungsmöglichkeiten und Passung zum Sexocorporel-Modell untersucht. Ergänzend werden exemplarische Übungen in einem Übungsdossier vorgestellt, das praktische Anwendungsideen für die sexualtherapeutische Arbeit liefert. Die Arbeit verfolgt das Ziel, eine fundierte, theoretisch und praktisch anschlussfähige Grundlage für die Integration körperorientierter Ansätze in die Sexualtherapie zu schaffen. Sie richtet sich an Fachpersonen, die ihr Verständnis für körperbasierte Ansätze vertiefen und ihre sexualtherapeutische Praxis erweitern möchten.

Patricia Zoller, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Die Integration körperorientierter Ansätze in die Sexualtherapie nach dem Sexocorporel-Modell

Verfasst von
Patricia Zoller

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Körperarbeit · Sexualtherapie · Recht & Ethik · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Patricia Zoller: «Die Integration körperorientierter Ansätze in die Sexualtherapie nach dem Sexocorporel-Modell». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Jenseits der Nymphomanie – dranghafte Sexualität bei Frauen

Karoline de Falco untersucht in der Masterarbeit «Jenseits der Nymphomanie – dranghafte Sexualität bei Frauen» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Männer melden sich mit einer Selbstdiagnose: sexsüchtig, pornosüchtig. Frauen tun das fast nie. Sie sagen «ich habe es nicht im Griff», «es überwältigt mich», «es zerstört meine Beziehung» — und meist erst nach Monaten, wenn sie wegen etwas anderem gekommen sind. Diese Arbeit hat Fachpersonen befragt, wie dranghafte Sexualität bei Frauen in der Praxis überhaupt sichtbar wird und was dann hilft.

Warum kommt das Thema so selten zur Sprache?

Nach Auskunft der befragten Fachpersonen melden sich Klientinnen fast nie mit dem ausdrücklichen Anliegen einer dranghaften Sexualität. Im Vordergrund stehen zunächst andere Themen: Lustlosigkeit, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Vaginismus oder die Verarbeitung übergriffiger Erfahrungen. Erst im Verlauf der Therapie rückt die Dranghaftigkeit in den Blick.

Eine Fachperson berichtet, sie habe es nur ein einziges Mal erlebt, dass jemand sich damit gemeldet habe. Der Grund liegt nicht darin, dass es das Phänomen nicht gäbe, sondern in der Scham: Frauen verbergen solches Verhalten lange, aus Angst vor Verurteilung. Das ist der deutlichste Geschlechterunterschied, den die Arbeit herausarbeitet — und er hat Folgen dafür, wer überhaupt Hilfe bekommt.

Was steht hinter dem Verhalten?

Die befragten Therapeut*innen beschreiben dranghafte Sexualität bei Frauen selten als isoliertes Phänomen. Häufig steht sie in Verbindung mit anderen psychischen Belastungen — genannt wird unter anderem eine Borderline-Diagnostik, verbunden mit riskanten Kontakten und fehlendem Selbstschutz.

Eine zentrale Rolle spielen traumatische Erfahrungen in der Biografie. Sie wirken auf Selbstbild und emotionale Regulation und führen zu Mustern, die die Betroffenen in belastende Lagen bringen. Eine Fachperson schildert eine Klientin, die eigentlich Panik hatte und sie übersetzte, indem sie alles sexualisierte — es war ihre Hauptstrategie, die Angst vor erneuter Traumatisierung zu überwinden.

Daraus folgt für die Praxis die Zusammenarbeit: Häufig laufen Traumatherapie und Sexualtherapie parallel, in Co-Therapie zweier Fachpersonen.

Was hilft?

Die Arbeit kommt zu einem klaren Ergebnis: Körperzentrierte Interventionen sind ein wichtiger Zugang. Präsenz- und Wahrnehmungsübungen ermöglichen ein Bewusstsein für den eigenen Körper und für die Logik hinter dem eigenen Verhalten.

Der Grund dafür ist einleuchtend: Emotionale und kognitive Vorgänge werden unmittelbar körperlich erlebt. Wer nur kognitiv arbeitet, erreicht die Ebene nicht, auf der das Muster läuft. Körperzentrierte Arbeit erlaubt es, Wahrnehmung, emotionale Regulation und Impulskontrolle zusammenzubringen.

Ebenso wichtig ist die Haltung. Die Fachpersonen betonen Normalisierung und Enttabuisierung, um Druck und Scham zu mindern. Eine Interviewpartnerin bringt es so auf den Punkt: Man müsse aufhören, Moralpolizei zu spielen, und stattdessen fragen, was der Mensch brauche, damit es ihm besser gehe. Manchmal wirke schon die moralische Entlastung.

Was heisst das für die Beratung?

Drei Konsequenzen ergeben sich unmittelbar. Erstens: Wer nur auf das Anliegen hört, mit dem eine Frau kommt, wird dranghafte Sexualität selten finden — sie zeigt sich hinter Lustlosigkeit und Schmerz.

Zweitens: Die Frage nach der Biografie ist keine Nebensache. Wo Trauma im Spiel ist, braucht es Zusammenarbeit statt Alleingang.

Drittens: Der therapeutische Prozess zielt nicht auf Reduktion des Verhaltens, sondern auf das Verstehen der individuellen sexuellen Logik und auf eine gestärkte Körperwahrnehmung — mit dem Ziel einer lustvollen und selbstbestimmten Sexualität.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Die Arbeit stützt sich auf Leitfadeninterviews mit Fachpersonen, nicht auf Betroffene selbst. Sie beschreibt also, wie Therapeut*innen das Phänomen wahrnehmen — was gerade bei einem Thema, das lange verborgen bleibt, eine wichtige Einschränkung ist.

Die Autorin benennt zudem die grössere Lücke: Zur Wirksamkeit und zu den Wirkmechanismen körperzentrierter Ansätze fehlt systematische empirische Forschung. Als künftiges Feld nennt sie digitale Formate wie Apps und Tagebuchfunktionen, mit denen sich Emotionen und Erregungsmuster dokumentieren und therapeutisch nutzen liessen.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 66 Seiten und ist auf Englisch verfasst. Sie enthält den Forschungsstand zu zwanghaftem Sexualverhalten, die vollständige Auswertung der Interviews mit wörtlichen Zitaten und die Ableitungen für körperzentrierte Interventionen.

Abstract der Arbeit

This master’s thesis focuses on compulsive sexuality in women and explores its therapeutic treatment based on the Sexocorporel model. Central to the study is how professionals perceive and address the phenomenon in clinical practice and what experiences they have with body-centered interventions. Guided expert interviews were conducted to examine how compulsive sexuality is named, understood, and treated in therapeutic settings. The findings show that compulsive sexual behavior is often experienced as a dysfunctional yet comprehensible coping strategy to regulate emotional tension. The therapeutic process emphasizes understanding the individual sexual logic and enhancing body awareness in order to foster pleasurable and self-determined sexuality. The results provide insights into key change processes and highlight the potential of body-based interventions within a resource- oriented sexological framework.

Karoline de Falco, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Jenseits der Nymphomanie – Eine Untersuchung zur Behandlung dranghafter Sexualität bei Frauen basierend auf dem Modell Sexocorporel

Verfasst von
Karoline de Falco

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Pornografie · Geschlecht & Identität · Recht & Ethik · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Karoline de Falco: «Jenseits der Nymphomanie – Eine Untersuchung zur Behandlung dranghafter Sexualität bei Frauen basierend auf dem Modell Sexocorporel». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

ADHS und Sexualität in der Paarbeziehung

Manuela Kurz untersucht in der Masterarbeit «ADHS und Sexualität in der Paarbeziehung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

«Ich habe immer das Gefühl, ich spüre meine Beine nicht, ich bin immer irgendwie mit dem Kopf weg.» Der Satz stammt von einer der vier befragten Frauen mit ADHS-Diagnose. Diese Arbeit hat sie und ihre Partner gemeinsam befragt — und findet, dass die Schwierigkeiten in der Paarsexualität sehr genau den Diagnosekriterien folgen.

Warum ist Aufmerksamkeit beim Sex ein Problem?

Ablenkung durch äussere Reize wirkt sich in der Paarsexualität von ADHS-diagnostizierten Frauen sehr stark auf die Aufmerksamkeit aus — stärker als alles andere, was die Arbeit untersucht hat.

Eine Befragte beschreibt, dass gleichzeitiges Geben und Empfangen sie überfordert. Ihre Aufmerksamkeit steigt, wenn sie in die passive Rolle wechselt und gedanklich loslassen kann, im Wissen, dass in diesem Moment nichts von ihr erwartet wird. Bewusst eingesetzter Blickkontakt hilft zusätzlich.

Die Unterschiede zwischen den Frauen sind gross. Eine nimmt ihren Körper so intensiv wahr, dass sie alles um sich herum nicht mehr mitbekommt. Eine andere hat ihren Körper nach eigener Aussage nie richtig gespürt und ist stark im Kopf.

Was hilft konkret?

Die Arbeit leitet daraus einen klaren Ansatz ab: eine maximale Reduktion äusserer Sinnesreize. Erst dann gelingt die körperliche Präsenz, die lustvolles Erleben möglich macht.

Ein zweiter Befund überrascht: Die sexuell erregendsten Begegnungen entstehen, wenn Verantwortung und Kontrolle abgegeben werden. Der Wechsel in die passive Rolle senkt die emotionale Überreagibilität — die Frauen kommen in einen entspannteren Zustand. Die dabei entstehende Dominanz des Partners kann dabei selbst erregend wirken.

Berührung ist ein eigenes Thema. Die Befragten haben eine erhöhte Empfindlichkeit, deren Ausprägung von der Tagesform abhängt. Was gestern angenehm war, kann heute zu viel sein.

Spontan oder geplant?

Hier zeigt sich das desorganisierte Verhalten aus den Diagnosekriterien unmittelbar in der Sexualität. Spontane Begegnungen werden bevorzugt, weil sie im Moment geschehen und sich weniger ablenkende Gedanken einmischen. Geplante Paarsexualität muss dagegen oft erst erlernt werden.

Für Paare hat das eine praktische Folge, die dem üblichen Rat widerspricht: Wenn wenig Raum für Spontaneität bleibt, wirkt sich das für eine Frau mit ADHS negativ aus. Der verbreitete Vorschlag, Sex zu terminieren, geht hier am Problem vorbei.

Geduld ist die grösste Herausforderung. Stimmt der Zeitpunkt nicht, verflüchtigt sich die Lust.

Was ist die Ressource?

Die Arbeit fragt ausdrücklich nicht nur nach Schwierigkeiten. Hohe kognitive Präsenz und gedankliche Kreativität erlauben es den Befragten, sexuelle Begegnungen über Fantasien und Vorstellungen zu intensivieren.

Diese Stärke hat eine Kehrseite, und die Arbeit benennt sie präzise: Die Frauen neigen dazu, mangelnden körperlichen Einsatz gedanklich zu kompensieren und ihre Erregung so zu steigern. Damit verstärken sie die Spannung eines ohnehin erhöhten Grundtonus.

In ihrer negativen Form zeigt sich dieselbe Gedankenkraft als ablenkende Gedanken, oft zusammen mit Affektlabilität — und dann kommt sexueller Austausch gar nicht erst zustande.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier Interviews mit ADHS-diagnostizierten Frauen und ihren Partnerinnen und Partnern, ausgewertet nach Mayring und zugeordnet zu den vier Komponenten des Modells Sexocorporel. Dass beide Seiten befragt wurden, ist für eine Arbeit dieses Umfangs ungewöhnlich und macht die Schilderungen dichter.

Vier Paare sind keine repräsentative Auswahl, und die Ergebnisse gelten für Frauen. Wie sich ADHS bei Männern in der Paarsexualität zeigt, untersucht diese Arbeit nicht.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 115 Seiten. Sie enthält einen Überblick über den Forschungsstand zu ADHS bei Erwachsenen und besonders bei Frauen mit historischen, medizinischen, therapeutischen und diagnostischen Aspekten, die Zuordnung der Wender-Utah-Diagnosekriterien zu den vier Komponenten des Modells Sexocorporel und die vollständige Auswertung der vier Paarinterviews mit Zitaten.

Abstract der Arbeit

Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine neurobiologische Störung, die sich in Konzentrationsstörungen in Verbindung mit Hyperaktivität und impulsivem Handeln zeigt. Diese Masterarbeit gibt einen Überblick über den aktuellen wissenschaftlichen Stand der ADHS von Erwachsenen, insbesondere der ADHS von Frauen und zeigt historische, medizinische, therapeutische und diagnostische Aspekte der ADHS. Sie klärt auf, wie sich die ADHS-Wender-Utah Diagnosekriterien für Erwachsene im Erleben der vier Komponenten des sexualwissenschaftlichen Modells Sexocorporel zeigen und welche Ressourcen und Herausforderungen die ADHS in der Paarsexualität mit sich bringt. In einer qualitativen Untersuchung wurden vier Interviews mit Paaren geführt, um das Erleben der ADHS von ADHS-diagnostizierten Frauen in Bezug zur Paarsexualität zu ermitteln. Die anschliessende Auswertung der qualitativen

Manuela Kurz, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
ADHS und Sexualität : Aspekte der Paarsexualität im Kontext einer ADHS-Diagnose

Verfasst von
Manuela Kurz

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
ADHS · Paarsexualität · Schwangerschaft & Geburt · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Manuela Kurz: «ADHS und Sexualität : Aspekte der Paarsexualität im Kontext einer ADHS-Diagnose». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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