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MA4 Masterarbeit

«Neue Männlichkeit» als sexuelle Herausforderung

Eleanor Büchler untersucht in der Masterarbeit «‹Neue Männlichkeit› als sexuelle Herausforderung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

«Neue Männlichkeit» klingt nach Fortschritt und erzeugt zugleich Druck. Diese Arbeit zeigt, dass die widersprüchlichen Anforderungen bis ins sexuelle Erleben durchschlagen — allerdings nicht bei allen Männern gleich. Entscheidend sind die vorhandenen persönlichen Ressourcen.

Wer ist betroffen — und wer nicht?

Die Arbeit bestätigt ihre erste Ausgangsthese: Aktuelle Männlichkeitskonstruktionen im Kontext des emanzipatorischen Diskurses führen bei Männern mit fehlenden persönlichen Ressourcen zu Verunsicherung im Erleben und Gestalten der Paarsexualität.

Der Zusatz ist der Kern. Nicht der Diskurs verunsichert, sondern das Zusammentreffen von widersprüchlichen Erwartungen mit fehlenden Ressourcen. Damit lässt sich erklären, warum bestimmte Männer betroffen sind und andere nicht.

Untersucht wurden cis-heterosexuelle Männer zwischen 30 und 45 in der Schweiz und in Deutschland. Die Arbeit ist auf Englisch verfasst.

Was folgt aus der Verunsicherung?

Die Arbeit arbeitet drei Ebenen heraus: mögliche Ursachen, die daraus folgenden Effekte in Form von Konflikten und Ängsten — und die individuellen Lösungsversuche der Betroffenen.

Diese Dreiteilung macht sie für die Praxis brauchbar. Wer in der Beratung nur die Symptome sieht, übersieht, dass die Lösungsversuche der Männer bereits Teil des Problems sein können.

Aus den Befunden leitet die Arbeit Entwicklungsbereiche ab und beschreibt Methoden und therapeutische Haltungen, die eine nachhaltige Begleitung tragen — teils bestätigt sie damit Bekanntes, teils ergänzt sie es.

Was heisst das für die Sexualtherapie?

Die zweite Ausgangsthese der Arbeit lautet, dass Verunsicherung im sexuellen Erleben von Männern eine differenzierte Betrachtung und Begleitung durch sexualtherapeutische Fachpersonen erfordert — und zwar damit nachhaltige Veränderungen in sexueller Zufriedenheit und sexueller Identität möglich werden.

Der Punkt richtet sich gegen zwei verbreitete Kurzschlüsse. Weder ist Verunsicherung ein Symptom, das sich beheben liesse, noch ist sie eine blosse Zeiterscheinung, die vorübergeht.

Gearbeitet wird aus der sexologischen Praxis nach Desjardins‘ Ansatz Sexocorporel — also körperbezogen und nicht nur über das Gespräch über Rollenbilder.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine qualitative Untersuchung aus der sexologischen Praxis mit einer klar umrissenen Zielgruppe: cis-heterosexuelle Männer eines bestimmten Alters in zwei Ländern.

Die Erhebung erfolgt aus der Praxis heraus, das heisst über Männer, die bereits in Behandlung sind. Wie verbreitet die beschriebene Verunsicherung ausserhalb dieses Rahmens ist, zeigt die Arbeit nicht.

Ihre Stärke liegt in der Differenzierung. Sie beschreibt nicht «die verunsicherten Männer», sondern unterscheidet, unter welchen Bedingungen Verunsicherung entsteht.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 121 Seiten und ist auf Englisch verfasst. Sie enthält die Analyse aktueller Männlichkeitskonstruktionen, die qualitative Untersuchung aus der sexologischen Praxis sowie die abgeleiteten Entwicklungsbereiche und therapeutischen Haltungen.

Abstract der Arbeit

In today's social context, the construction and perception of masculinity is undergoing profound change. Traditional gender roles and stereotypical expectations are increasingly being questioned and newly interpreted. These developments put forward important questions, particularly with regard to individual self-awareness and the social acceptance of modern masculinities. «New masculinity» as a leitmotif and with overlapping and contradictory expectations towards the contemporary male of today can result in uncertainty about masculinity. The presented paper examines the dynamics of current constructions of masculinity within the context of emancipatory discourse and their specific effects on the sexual experience of cis-heterosexual men aged 30 to 45 in couple sexuality in Switzerland and Germany. The qualitative study of sexological practice according to Desjardins’ approach Sexocorporel, helps to better understand the specific quality of masculine insecurity in sexual experience. The study provides indications as to why certain men are affected contrary to others, what the possible causes could be and which conflicts, anxieties and individual solutions result thereof. From this, on the one hand, areas of development can be derived and, on the other, helpful methods and therapeutic stances for sustainable therapeutic support can be described or confirmed. The study further shows that a salutogenetic approach such as Sexocorporel can support clients in discovering security in their own individuality and freedom from the external parameters of orientational-constraint. More widely accessible sexological expertise could positively complement social and socio-cultural developments, alleviate problematising dynamics surrounding male sexuality and promote individual development and emancipational processes. Uncertainty of one's own masculinity, due to the contemporary constructions of masculinity in the broader context of emancipatory discourse, should be regarded more positively than is currently the case. Uncertainty ought to be seen as integral part of the process towards an authentically experienced, individual male sexual identity.

Eleanor Büchler, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
«Neue Männlichkeit» als sexuelle Herausforderung Verunsicherte Männlichkeit im Kontext aktueller Männlichkeitskonstruktionen – eine Betrachtung aus sexualtherapeutischer Praxisperspektive

Verfasst von
Eleanor Büchler

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Männlichkeit · Paarsexualität · Geschlecht & Identität · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Eleanor Büchler: «‹Neue Männlichkeit› als sexuelle Herausforderung Verunsicherte Männlichkeit im Kontext aktueller Männlichkeitskonstruktionen – eine Betrachtung aus sexualtherapeutischer Praxisperspektive». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

How to Keep it Hot – die Vielfalt des sexuellen Begehrens

Stephanie Dietrich untersucht in der Masterarbeit «How to Keep it Hot – die Vielfalt des sexuellen Begehrens» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Wenn ein Paar unterschiedlich viel Lust hat, lautet der übliche Rat: an der Beziehung arbeiten, mehr Nähe, mehr Intimität. Diese Untersuchung mit 149 Personen findet das Gegenteil. Wer vor allem aus emotionalen Gründen Sex hat, berichtet von weniger Begehren, weniger Zufriedenheit — und erlebt Unterschiede im Verlangen häufiger als Problem.

Worum geht es bei sexuellen Motiven?

Sexuelle Motive sind die Gründe, aus denen Menschen Sex haben. Die Arbeit unterscheidet vier Kategorien: genitale Annäherung (Lust, Erregung, körperliches Verlangen), emotionale Annäherung (Nähe, Verbundenheit, Bestätigung), genitale Vermeidung und emotionale Vermeidung.

Der Blick auf die Motive ist doppelt aufschlussreich. Er zeigt, welche Reize in der sexuellen Lerngeschichte einer Person mit Erregung und Genuss verknüpft wurden — und er hängt messbar mit Begehren, Zufriedenheit und Häufigkeit zusammen.

Was die Zahlen zeigen

Befragt wurden 55 Männer und 94 Frauen in verbindlichen Partnerschaften über einen eigens entwickelten Fragebogen.

Das sexuelle Begehren unterscheidet sich zwischen den Geschlechtern statistisch bedeutsam, mit einem mittleren Effekt. Bei der Zahl der genannten Motive gibt es dagegen keinen bedeutsamen Unterschied — Frauen nennen im Schnitt sogar etwas mehr.

Der Unterschied liegt in der Zusammensetzung. Genitale Annäherungsmotive machen bei Männern im Schnitt knapp 65 Prozent des persönlichen Motivprofils aus, bei Frauen gut 53 Prozent. Emotionale Vermeidungsmotive wählen Frauen deutlich häufiger.

Der überraschende Befund

Genitale Annäherungsmotive hängen am stärksten mit hohem Begehren zusammen — und ebenso mit sexueller Zufriedenheit, mit der Häufigkeit in der Paarbeziehung und damit, dass Unterschiede im Verlangen unproblematisch erlebt werden.

Für emotionale Annäherungsmotive gilt das Umgekehrte. Je stärker sie das Motivprofil prägen, desto geringer sind Begehren und Zufriedenheit — und desto eher wird eine Begehrensdiskrepanz als Problem erlebt. Die Autorin zieht daraus einen unbequemen Schluss: Die paartherapeutische Bearbeitung von Begehrensproblemen über Nähe und gemeinsame Intimität greift zu kurz.

Ihr Gegenvorschlag ist konkret: Eine therapeutische Arbeit an der Beziehung zur eigenen Genitalität dürfte das Erleben der gemeinsamen Paarsexualität positiver beeinflussen.

Was heisst das für die Paarberatung?

Entscheidend für die sexuelle Zufriedenheit ist nach dieser Untersuchung nicht, ob zwei Menschen gleich viel Lust haben. Entscheidend ist, ob der Unterschied als stimmig und unproblematisch erlebt wird. Paare, die ihn als Problem wahrnehmen, sind mit Beziehung und Paarsexualität tendenziell weniger zufrieden.

Damit verschiebt sich das Beratungsziel. Statt die Häufigkeit anzugleichen, geht es darum, wie das Paar die Differenz deutet — und darum, wie jede Person für sich zur eigenen Erregung und Genitalität steht.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Die Stichprobe umfasst 149 Personen und ist damit für eine Masterarbeit gross, aber es handelt sich um eine Gelegenheitsstichprobe, nicht um eine repräsentative Auswahl. Der Fragebogen wurde für diese Arbeit neu entwickelt und in einem Probelauf getestet; ein etabliertes, validiertes Instrument ist er nicht.

Die Zusammenhänge sind Korrelationen. Ob genitale Annäherungsmotive das Begehren stärken oder ob starkes Begehren solche Motive hervorbringt, lässt sich aus Querschnittsdaten nicht entscheiden. Die Effektstärken liegen im schwachen bis mittleren Bereich.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 125 Seiten und ist auf Englisch verfasst. Sie enthält den Forschungsstand zum Auf und Ab des Begehrens in festen Partnerschaften, die Darstellung des Ansatzes Sexocorporel in der Arbeit mit Begehrensanliegen, den entwickelten Fragebogen und die vollständige statistische Auswertung.

Abstract der Arbeit

The master thesis on hand tries to convey the status of current research concerning the ebb and flow of sexual desire in committed relationships. At that, it will explore the connection between sexual desire and sexual satisfaction with a special focus on couples who observe incongruences in desire for sexual connection in their relationship. In addition, it will contemplate and examine the sexual motives and how they influence sexual experiences of people in committed relation- ships. In the following passages the thesis at hand attempts to describe the approach Sexocorporel and how it is employed in sex therapy with clients who want to work on challenges with their sexual desire. A questionnaire was constructed, derived from findings of current research and the frame of reference the approach Sexocorporel offers. To capture sexual desire in a resource- and solution-focused manner according to the approach Sexocorporel, while also taking the multifactorial composition of sexual desire in committed relationships into account, was the goal of said questionnaire. Furthermore, the survey was constructed to investigate the connec- tion between sexual motives that form the basis of sexual desire, and sexual satisfaction in committed couples. The questionnaire was tested in a trial run and afterwards used in an opportunity sample. It was found that there are connections between sexual motives and sexual desire, sexual satisfaction and how problematic sexual incongruences were perceived in committed couples. Some of these connections were gender-specific in their peculiarity and can shape how clients can be approached in sex therapy.

Stephanie Dietrich, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
How to Keep it Hot – Von der Vielfalt des sexuellen Begehrens nach dem Ansatz Sexocorporel

Verfasst von
Stephanie Dietrich

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Sexuelles Verlangen · Paarsexualität · Verhütung · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Stephanie Dietrich: «How to Keep it Hot – Von der Vielfalt des sexuellen Begehrens nach dem Ansatz Sexocorporel». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Das Erleben der eigenen Person in der sexuellen Fantasie

Martina Güdel untersucht in der Masterarbeit «Das Erleben der eigenen Person in der sexuellen Fantasie» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Eine Frau, die ihren Körper beim Sex aktiv einsetzt und ein erotisiertes Verhältnis zum eigenen Geschlecht hat, findet sich in ihren Fantasien kaum in einem unbewegten Szenario der Unterwerfung wieder. Das ist die These dieser Arbeit — und sie verschiebt die Frage weg vom Inhalt der Fantasie hin zur eigenen Position darin.

Warum die eigene Position und nicht der Inhalt?

Weil der Inhalt einer Fantasie wenig darüber sagt, wie jemand sich selbst erlebt. Die Autorin untersucht stattdessen, wie sich die Person in ihrer eigenen Fantasie erlebt — als Spiegel der inneren Selbstwahrnehmung.

Ausgangspunkt ist eine Annahme des Modells Sexocorporel: Der Einsatz des Körpers bei der Erregung — über die drei Dimensionen Muskelspannung, Bewegung und Atmung sowie die Stimulation unterschiedlicher Rezeptoren — steht in Wechselwirkung mit dem Auftreten und den Inhalten sexueller Fantasien.

In der Beratung wird meist über den Inhalt gesprochen. Die Frage nach der eigenen Position darin wird selten gestellt.

Was zeigt die Untersuchung?

Es gibt Hinweise darauf, dass sexuelle Fantasien eng mit dem körperlichen Geschehen verbunden sind — und zwar nicht nur mit der Erregung, sondern auch mit den spezifischen Stimulationsmustern, den Körperhaltungen und der gesamten Sensumotorik.

Die Autorin ordnet das in den grösseren Rahmen ein: Phänomene, bei denen geistige Aktivität körperliche Folgen hat und umgekehrt, sind nicht isoliert zu betrachten, sondern im Kontext der Körper-Hirn-Einheit.

Daraus folgt ihre zugespitzte These: Vor dem Hintergrund der Embodimentforschung, der klinischen Erfahrung mit dem Modell und ihrer eigenen Befunde ist eher nicht davon auszugehen, dass eine Frau mit stark erotisiertem sexuellem Archetyp, intensiver Auseinandersetzung mit dem eigenen Geschlecht und aktiver Bewegung beim Sex sich in ihren Fantasien in einem unbewegten Unterwerfungsszenario wiederfindet.

Was heisst das für die Beratung?

Wenn Körperdynamik und Fantasieposition zusammenhängen, ist die Fantasie ein diagnostischer Zugang — besonders dort, wo sich über den Körper schwer sprechen lässt.

Zugleich entlastet die These. Wer sich in seinen Fantasien in einer Rolle wiederfindet, die er ablehnt, muss das nicht als Wunsch deuten. Es kann auf eine Körperdynamik verweisen, an der sich arbeiten lässt.

Damit steht diese Arbeit neben jener von Debora Dürst, die denselben Zusammenhang von der anderen Seite her untersucht — über die Muskelspannung.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Sechs qualitative Interviews mit erwachsenen Cis-Frauen. Die Autorin spricht durchgehend von Hinweisen, nicht von Nachweisen — und ihre zentrale These formuliert sie ausdrücklich als Wahrscheinlichkeitsaussage.

Diese Vorsicht ist angebracht. Sechs Interviews können einen Zusammenhang plausibel machen, nicht belegen. Was die Arbeit leistet, ist eine gut begründete Hypothese, die sich prüfen liesse.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 117 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu sexuellen Fantasien und Embodiment, die Herleitung aus dem Modell Sexocorporel sowie die vollständige Auswertung der sechs Interviews.

Abstract der Arbeit

Das Erleben der eigenen Person in der sexuellen Fantasie – Eine empirische Un- tersuchung zum persönlichen Erleben sexueller Fantasien bei erwachsenen Cis- Frauen und deren Zusammenhang mit der Art und Weise der Erregungssteigerung. Diese Masterarbeit untersucht das Erleben der eigenen Person in sexuellen Fanta- sien und deren Zusammenhang mit der Art und Weise der Erregungssteigerung. Ausgehend von der theoretischen und praxisgeprüften Annahme des Modells Sexocorporel, das davon ausgeht, dass der Einsatz des Körpers in der sexuellen Erregung – mit Fokus auf die drei Dimensionen des Körpers (Muskelspannung, Be- wegung, Atmung) und der Stimulation unterschiedlichster Rezeptoren – in Wech- selwirkung mit dem Auftreten und den Inhalten sexueller Fantasien steht, wurde das Erleben des eigenen Selbst in der sexuellen Fantasie als Spiegel der inneren Selbstwahrnehmung untersucht. In sechs qualitativen Interviews wurden die drei Hauptfragestellungen erforscht und die zugrunde liegenden Annahmen geprüft.

Martina Güdel, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Das Erleben der eigenen Person in der sexuellen Fantasie : Eine empirische Untersuchung zum persönlichen Erleben sexueller Fantasien bei erwachsenen Cis-Frauen und deren Zusammenhang mit der Art und Weise der Erregungssteigerung

Verfasst von
Martina Güdel

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Sexuelle Fantasien · Pornografie · Verhütung · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Martina Güdel: «Das Erleben der eigenen Person in der sexuellen Fantasie : Eine empirische Untersuchung zum persönlichen Erleben sexueller Fantasien bei erwachsenen Cis-Frauen und deren Zusammenhang mit der Art und Weise der Erregungssteigerung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

ADHS und Sexualität in der Paarbeziehung

Manuela Kurz untersucht in der Masterarbeit «ADHS und Sexualität in der Paarbeziehung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

«Ich habe immer das Gefühl, ich spüre meine Beine nicht, ich bin immer irgendwie mit dem Kopf weg.» Der Satz stammt von einer der vier befragten Frauen mit ADHS-Diagnose. Diese Arbeit hat sie und ihre Partner gemeinsam befragt — und findet, dass die Schwierigkeiten in der Paarsexualität sehr genau den Diagnosekriterien folgen.

Warum ist Aufmerksamkeit beim Sex ein Problem?

Ablenkung durch äussere Reize wirkt sich in der Paarsexualität von ADHS-diagnostizierten Frauen sehr stark auf die Aufmerksamkeit aus — stärker als alles andere, was die Arbeit untersucht hat.

Eine Befragte beschreibt, dass gleichzeitiges Geben und Empfangen sie überfordert. Ihre Aufmerksamkeit steigt, wenn sie in die passive Rolle wechselt und gedanklich loslassen kann, im Wissen, dass in diesem Moment nichts von ihr erwartet wird. Bewusst eingesetzter Blickkontakt hilft zusätzlich.

Die Unterschiede zwischen den Frauen sind gross. Eine nimmt ihren Körper so intensiv wahr, dass sie alles um sich herum nicht mehr mitbekommt. Eine andere hat ihren Körper nach eigener Aussage nie richtig gespürt und ist stark im Kopf.

Was hilft konkret?

Die Arbeit leitet daraus einen klaren Ansatz ab: eine maximale Reduktion äusserer Sinnesreize. Erst dann gelingt die körperliche Präsenz, die lustvolles Erleben möglich macht.

Ein zweiter Befund überrascht: Die sexuell erregendsten Begegnungen entstehen, wenn Verantwortung und Kontrolle abgegeben werden. Der Wechsel in die passive Rolle senkt die emotionale Überreagibilität — die Frauen kommen in einen entspannteren Zustand. Die dabei entstehende Dominanz des Partners kann dabei selbst erregend wirken.

Berührung ist ein eigenes Thema. Die Befragten haben eine erhöhte Empfindlichkeit, deren Ausprägung von der Tagesform abhängt. Was gestern angenehm war, kann heute zu viel sein.

Spontan oder geplant?

Hier zeigt sich das desorganisierte Verhalten aus den Diagnosekriterien unmittelbar in der Sexualität. Spontane Begegnungen werden bevorzugt, weil sie im Moment geschehen und sich weniger ablenkende Gedanken einmischen. Geplante Paarsexualität muss dagegen oft erst erlernt werden.

Für Paare hat das eine praktische Folge, die dem üblichen Rat widerspricht: Wenn wenig Raum für Spontaneität bleibt, wirkt sich das für eine Frau mit ADHS negativ aus. Der verbreitete Vorschlag, Sex zu terminieren, geht hier am Problem vorbei.

Geduld ist die grösste Herausforderung. Stimmt der Zeitpunkt nicht, verflüchtigt sich die Lust.

Was ist die Ressource?

Die Arbeit fragt ausdrücklich nicht nur nach Schwierigkeiten. Hohe kognitive Präsenz und gedankliche Kreativität erlauben es den Befragten, sexuelle Begegnungen über Fantasien und Vorstellungen zu intensivieren.

Diese Stärke hat eine Kehrseite, und die Arbeit benennt sie präzise: Die Frauen neigen dazu, mangelnden körperlichen Einsatz gedanklich zu kompensieren und ihre Erregung so zu steigern. Damit verstärken sie die Spannung eines ohnehin erhöhten Grundtonus.

In ihrer negativen Form zeigt sich dieselbe Gedankenkraft als ablenkende Gedanken, oft zusammen mit Affektlabilität — und dann kommt sexueller Austausch gar nicht erst zustande.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier Interviews mit ADHS-diagnostizierten Frauen und ihren Partnerinnen und Partnern, ausgewertet nach Mayring und zugeordnet zu den vier Komponenten des Modells Sexocorporel. Dass beide Seiten befragt wurden, ist für eine Arbeit dieses Umfangs ungewöhnlich und macht die Schilderungen dichter.

Vier Paare sind keine repräsentative Auswahl, und die Ergebnisse gelten für Frauen. Wie sich ADHS bei Männern in der Paarsexualität zeigt, untersucht diese Arbeit nicht.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 115 Seiten. Sie enthält einen Überblick über den Forschungsstand zu ADHS bei Erwachsenen und besonders bei Frauen mit historischen, medizinischen, therapeutischen und diagnostischen Aspekten, die Zuordnung der Wender-Utah-Diagnosekriterien zu den vier Komponenten des Modells Sexocorporel und die vollständige Auswertung der vier Paarinterviews mit Zitaten.

Abstract der Arbeit

Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine neurobiologische Störung, die sich in Konzentrationsstörungen in Verbindung mit Hyperaktivität und impulsivem Handeln zeigt. Diese Masterarbeit gibt einen Überblick über den aktuellen wissenschaftlichen Stand der ADHS von Erwachsenen, insbesondere der ADHS von Frauen und zeigt historische, medizinische, therapeutische und diagnostische Aspekte der ADHS. Sie klärt auf, wie sich die ADHS-Wender-Utah Diagnosekriterien für Erwachsene im Erleben der vier Komponenten des sexualwissenschaftlichen Modells Sexocorporel zeigen und welche Ressourcen und Herausforderungen die ADHS in der Paarsexualität mit sich bringt. In einer qualitativen Untersuchung wurden vier Interviews mit Paaren geführt, um das Erleben der ADHS von ADHS-diagnostizierten Frauen in Bezug zur Paarsexualität zu ermitteln. Die anschliessende Auswertung der qualitativen

Manuela Kurz, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
ADHS und Sexualität : Aspekte der Paarsexualität im Kontext einer ADHS-Diagnose

Verfasst von
Manuela Kurz

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
ADHS · Paarsexualität · Schwangerschaft & Geburt · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Manuela Kurz: «ADHS und Sexualität : Aspekte der Paarsexualität im Kontext einer ADHS-Diagnose». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Sprechende Sexualkörper – Innere Bilder in der Sexualtherapie

Slobodanka Periz untersucht in der Masterarbeit «Sprechende Sexualkörper – Innere Bilder in der Sexualtherapie» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Manche Klientinnen kommen an ihr Körperempfinden kaum heran. Diese Arbeit prüft, ob sich dafür Werkzeuge aus anderen Verfahren nutzen lassen — und findet einen Weg, starke Emotionen zu bearbeiten, ohne zu retraumatisieren.

Welche Werkzeuge werden verbunden?

Logosynthese und Bodenanker, wie sie aus der systemischen Aufstellung und dem NLP bekannt sind — verbunden mit der Sexualtherapie nach dem Modell Sexocorporel und dem Embodiment-Ansatz.

Im Zentrum steht die Evokation von Inneren Bildern, Emotionen und Körperempfindungen. Der Nutzen zeigt sich nach dieser Arbeit besonders bei Klientinnen und Klienten, die Schwierigkeiten mit der Körperwahrnehmung haben.

Der theoretische Rahmen ist breit angelegt: von Descartes‘ Leib-Seele-Trennung über Embodiment bis zur Frage, welche Rolle Zeit und Präsenz in der Therapie spielen.

Was zeigt die Fallvignette?

Drei Sitzungen mit einer Cis-Frau, dokumentiert und ausgewertet. Die Ergebnisse betreffen zwei Ebenen.

Erstens verbesserten sich Körperempfinden und der Kontakt zum eigenen Geschlecht — auf der Ebene der Gefühle wie der Körperwahrnehmung. Kommunikation und Empathie für das eigene Geschlecht wurden aktiviert.

Zweitens, und methodisch wichtiger: Die schrittweise Annäherung an starke Emotionen über eine Metaposition auf einem separaten Bodenanker im Raum ermöglichte einen retraumatisierungsfreien Prozess. Der Abstand ist dabei nicht metaphorisch, sondern räumlich — man steht woanders.

Was heisst das für die Praxis?

Die Arbeit hält fest, dass sich Coachingelemente wie Logosynthese und Bodenanker gut in die sexologische Praxis integrieren lassen — und dass körpertherapeutische Interventionen während der gesamten Arbeit eingebunden werden können, um Körperwahrnehmung und Verständnis der Körperdynamik zu erhöhen.

Ein Satz beschreibt die Haltung dahinter am besten: Der Körper der Klientin gibt an, wann er von sich aus etwas sagen oder zeigen will. Die Methode drängt nicht, sie schafft Gelegenheit.

Die Autorin sieht Potenzial für künftige Arbeiten im Bereich von Neovaginen und Neopenissen und vermutet, dass die Methoden für alle Geschlechter und Operationsstadien nutzbar sein könnten.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine Fallvignette über drei Sitzungen mit einer Person, ergänzt durch parallel geführte Expertengespräche. Das ist der kleinstmögliche empirische Umfang — und für die Erprobung eines Vorgehens eine legitime Form.

Was die Arbeit zeigt, ist Machbarkeit und ein plausibler Wirkweg, nicht Wirksamkeit. Wer die Methode übernehmen will, sollte den Hinweis der Autorin beherzigen: Sie beschreibt ausdrücklich, was in einer Aufstellung nie gemacht wird, und formuliert eine Warnung zur therapeutischen Haltung.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 95 Seiten. Sie enthält die theoretischen Grundlagen zu Embodiment, Inneren Bildern und Imagination, die ausführliche Anleitung zum Vorgehen mit Bodenankern samt Warnungen und Grenzen sowie die vollständige Fallvignette.

Die Fragestellung

Die Arbeit geht diesen Fragen nach:

  • Wie kann sie gestaltet werden und womit wird sie auf welche Weise gefüllt?
  • Was ist Descartes Ziel mit seiner Schrift?

Methodisches Vorgehen

Die Arbeit stützt sich auf Interviews mit Fachpersonen. Der Volltext umfasst 95 Seiten.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Verbindungsmöglichkeit von Logosynthese und Bodenankern (wie in der Systemischen Aufstellung oder im NLP) mit der Sexualtherapie nach dem Modell Sexocorporel und dem Embodimentansatz. Es geht um die Evokation von Inneren Bildern, Emotionen und Körperempfindungen. Der Nutzen scheint sich besonders bei Klienten zu zeigen, die Schwierigkeiten mit der Körperwahrnehmung haben. Eine Fallvignette, bestehend aus drei Sitzungen, mit einer CIS-Frau, demonstriert Vorteile im Körperempfinden und im Kontakt mit dem eigenen Geschlecht auf der Ebene der Gefühle und Körperwahrnehmung. Kommunikation und Empathie für das eigene Geschlecht wurden aktiviert. Die schrittweise Annäherung an starke Emotionen mithilfe der Metaposition auf einem separaten (Boden)Anker im Raum, ermöglichte einen retraumatisierungsfreien Prozess. Coachingelemente wie Logosynthese und Bodenanker lassen sich gut in die sexologische Praxis integrieren. Abschliessend lässt sich zusammenfassen, dass körpertherapeutische Interventionen während der gesamten Arbeit eingebunden werden können, um die Körperwahrnehmung und das Verständnis der Körperdynamik zu erhöhen. Der Körper der Klientin gibt an, wann er von sich aus etwas sagen oder zeigen will. Diese Methoden bieten Potenzial für zukünftige Arbeiten im Bereich von Neovaginen und Neopenissen und deuten darauf hin, dass sie auch für alle Geschlechter und Operationsstadien nutzbar sein könnten.

Slobodanka Periz, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Sprechende Sexualkörper – Die Arbeit mit Inneren Bildern in der Sexualtherapie

Verfasst von
Slobodanka Periz

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Sexualtherapie · Sexuelle Fantasien · Soziale Arbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Slobodanka Periz: «Sprechende Sexualkörper – Die Arbeit mit Inneren Bildern in der Sexualtherapie». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Frauen mit starkem sexuellen Begehren

Laila Schläfli untersucht in der Masterarbeit «Frauen mit starkem sexuellen Begehren» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Die Forschung zum weiblichen Verlangen fragt fast immer, warum es fehlt. Diese Arbeit dreht die Richtung um und befragt fünf Frauen, die ein starkes sexuelles Begehren verspüren: Was haben sie in ihrer Biografie gemeinsam? Eine einzelne Ursache findet sie nicht — dafür mehrere Faktoren, an denen sich arbeiten lässt.

Gibt es den einen Grund für starkes Begehren?

Nein. Das ist das erste Ergebnis, und es ist wichtiger, als es klingt. In jeder der fünf ausgewerteten Biografien waren andere Faktoren entscheidend. Wer in der Beratung nach der Ursache sucht, sucht nach etwas, das es so nicht gibt.

Die Arbeit ordnet die gefundenen Faktoren stattdessen den Komponenten des Modells Sexocorporel zu — kognitiv, physiologisch, beziehungsdynamisch. Das macht sie für die Praxis brauchbar, weil sich daraus ergibt, wo anzusetzen wäre.

Was im Denken das Begehren stärkt

Ein Befund betrifft die Definition von Sex. Frauen, die mehr als penetrativen Geschlechtsverkehr als Sex verstehen, haben nach dieser Auswertung vermutlich ein stärkeres Begehren. Wer Sexualität eng definiert, engt damit auch die Gelegenheiten ein, bei denen Verlangen entstehen kann.

Zu den Wertvorstellungen aus dem Elternhaus liess sich der erwartete Zusammenhang nicht bestätigen. Auffällig war dafür etwas anderes: Alle fünf Frauen erwähnten ausdrücklich die Zeitschrift «Bravo», teilweise positiv. Die Autorin folgert daraus, dass Gleichaltrige und deren Medien im Jugendalter an Bedeutung gewinnen und die Prägung des Elternhauses ausgleichen können — und dass ein Zugang zu wertfreiem Wissen dem Begehren vermutlich zuträglich ist.

Was der Körper dazu beiträgt

Hier ist der Befund am deutlichsten. Alle befragten Frauen bestätigten den Nutzen der Selbstbefriedigung: Dadurch lernten sie ihren Körper kennen und lernten, zuverlässig den Punkt zu erreichen, ab dem der Orgasmus nicht mehr aufzuhalten ist.

Die Autorin schliesst daraus, dass regelmässige Selbstbefriedigung das sexuelle Begehren von Frauen stärkt — und ergänzt einen Hinweis, der in der Beratung selten fällt: Es scheint wichtig, dass Frauen die Vagina dabei einbeziehen.

Ein weiterer Faktor ist das erste Mal. Ein positiv erlebter erster Geschlechtsverkehr ist für die Entwicklung des Begehrens bedeutsam, wobei es nach den Schilderungen auch darauf ankommt, in welchem Verhältnis die Frau zu diesem ersten Partner stand.

Was heisst das für die Beratung?

Die Arbeit widerspricht der verbreiteten Annahme, Frauen hätten grundsätzlich weniger Lust auf Sex als Männer. Sie zeigt, dass Frauen ein intensives Verlangen entwickeln können — und benennt Bedingungen, unter denen das geschieht.

Für die Praxis heisst das: Statt nach Störungen zu suchen, lässt sich fragen, wie weit die eigene Definition von Sex reicht, welches Verhältnis eine Frau zur Selbstbefriedigung hat und ob sie dabei ihren ganzen Körper einbezieht. Das sind Ansatzpunkte, keine Diagnosen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Fünf qualitative Interviews mit heterosexuellen Frauen, die ein starkes Begehren verspüren. Es gibt keine Vergleichsgruppe, und die Autorin formuliert ihre Schlüsse entsprechend vorsichtig — mehrfach steht dort «vermutlich» oder «konnte nicht abschliessend geklärt werden».

Diese Zurückhaltung ist angebracht. Was die Arbeit leistet, ist eine sorgfältig gearbeitete Sammlung von Hypothesen, die es zu prüfen lohnt — nicht der Nachweis von Ursachen.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 116 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zum weiblichen Begehren, einen historischen Rückblick auf die weibliche Sexualität, die vollständige Auswertung der fünf Interviews und die Zuordnung aller gefundenen Faktoren zu den Komponenten des Modells Sexocorporel.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, Gemeinsamkeiten in der sexuellen Biografie von heterosexuellen Frauen zu identifizieren, die ein starkes sexuelles Verlangen haben. Welche möglichen Faktoren in ihrer Summe zu einem starken sexuellen Begehren führen können, wird mit dieser Arbeit untersucht. Die zugrunde liegende These lautet, dass Frauen in der Lage sind, ein intensives sexuelles Verlangen zu entwickeln – entgegen der verbreiteten Annahme, dass Frauen im Allgemeinen weniger Lust auf Sex haben als Männer (Conley et al., 2011). Zur Beantwortung der Forschungsfrage wird im ersten Teil dieser Arbeit der aktuelle Wissensstand zum weiblichen Begehren dargestellt und um einem kurzen Rückblick in die Geschichte der weiblichen Sexualität ergänzt. Der zweite Teil erforscht die Fragestellung dieser Arbeit anhand qualitativer Interviews mit fünf Frauen, die ein starkes sexuelles Begehren verspüren. Die Ergebnisse werden anhand des Modells ,Sexocorporel’ analysiert und vorgestellt. The present work aims to identify similarities in the sexual biography of heterosexual women who have a strong sexual desire. This work examines which possible factors in their sum can lead to a strong sexual desire. The underlying thesis is that women are able to develop an intense sexual desire – contrary to the widespread assumption that women generally have less desire for sex than men (Conley et al., 2011). In order to answer the research question, the first part of this work presents the current state of knowledge about female desire and is supplemented by a brief review of the history of female sexuality. The second part explores the question of this work through qualitative interviews with five women who feel a strong sexual desire. The results are analysed and presented using the ,Sexocorporel’ model.

Laila Schläfli, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Frauen mit starkem sexuellen Begehren : Eine qualitative Untersuchung zu möglichen Faktoren

Verfasst von
Laila Schläfli

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Sexuelles Verlangen · Paarsexualität · Geschlecht & Identität · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Laila Schläfli: «Frauen mit starkem sexuellen Begehren : Eine qualitative Untersuchung zu möglichen Faktoren». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Traumatische Kindheitserlebnisse und sexuelle Funktionsstörungen

Mirjam Städeli untersucht in der Masterarbeit «Traumatische Kindheitserlebnisse und sexuelle Funktionsstörungen» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Traumatische Kindheitserlebnisse sind häufig, sexuelle Funktionsstörungen ebenfalls. Erklärungsmodelle für den Zusammenhang gibt es zahlreiche — ein begründetes Störungsmodell, das der Komplexität beider gerecht wird, gibt es bis heute nicht. Diese Arbeit verfolgt einen körperlichen Pfad.

Welcher Weg wird untersucht?

Das autonome Nervensystem. Chronisch veränderte Reaktionsmuster hin zu einer Überaktivierung des Kampf- und Fluchtsystems sind eine häufige Traumafolge — und dasselbe Nervensystem versorgt bei Frauen wie Männern den grössten Teil der inneren und äusseren Geschlechtsorgane.

Damit ist es für die sexuelle Reaktionsfähigkeit unverzichtbar. Die Verbindung liegt also nahe, wird aber selten ausbuchstabiert.

Dazu kommt der Erregungsmodus: Erregung lässt sich über Rhythmus, muskuläre Spannung und Bewegung aufbauen und steuern. Die Mehrheit der Menschen erregt sich mit viel Druck und hoher Anspannung — im sogenannten Spannungsmodus.

Was hat die Arbeit gezeigt?

Sie konnte einen Zusammenhang zwischen Veränderungen des autonomen Nervensystems hin zur Aktivierung des Kampf-Flucht-Systems und der Wahl eines Erregungsmodus mit viel Spannung nachzeichnen.

Das ist deshalb bedeutsam, weil zum Erregungsmodus nach Sexocorporel und seinem Verhältnis zum autonomen Nervensystem bislang sehr wenige bis gar keine Untersuchungen vorliegen — und damit auch nicht dazu, wie er sexuelle Funktionsstörungen begünstigen kann.

Für die Praxis heisst das: Wer mit Traumafolgen arbeitet, findet hier eine körperbezogene Erklärung dafür, warum sexuelle Beschwerden auftreten — und einen Ansatzpunkt, der nicht über die Erinnerung läuft, sondern über die Regulation.

Warum fehlt bisher ein Modell?

Weil beide Seiten für sich schon komplex sind. Die Arbeit verweist darauf, dass in der Literatur kein begründetes Störungsmodell existiert, das der Komplexität von Traumatisierungen und sexuellen Funktionsstörungen gerecht wird.

Die vorliegende Untersuchung liefert kein solches Modell — sie prüft einen einzelnen, bislang unbeachteten Pfad. Das ist eine bescheidenere und ehrlichere Zielsetzung.

Für die sexologische Praxis ist der Ertrag gleichwohl konkret: Der Erregungsmodus ist erhebbar und veränderbar. Wo eine Traumageschichte vorliegt, lohnt der Blick darauf.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturrecherche und eine eigene Studie zu Sexualfunktion und Erregungsmodus im Zusammenhang mit traumatischer Stressgeschichte und dem autonomen Nervensystem.

Sie zeigt einen Zusammenhang, keine Ursache. Ob die Traumafolge den Erregungsmodus prägt oder ob beides gemeinsam auf etwas Drittes zurückgeht, lässt sich so nicht entscheiden.

Der Wert liegt darin, ein Feld zu betreten, zu dem es kaum Vorarbeiten gibt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 124 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu traumatischen Kindheitserlebnissen und sexuellen Funktionsstörungen, die physiologischen Grundlagen zum autonomen Nervensystem, die Darstellung des Erregungsmodus nach Sexocorporel sowie die vollständige Auswertung der eigenen Erhebung.

Abstract der Arbeit

Die hier vorgelegte Arbeit hat zum Ziel, den Zusammenhang zwischen traumatischen Kind- heitserlebnissen und sexuellen Funktionsstörungen anhand der Rolle des sexuellen Erre- gungsmodus und des autonomen Nervensystems zu untersuchen. Traumatische Kindheits- erlebnisse sind häufig und können langfristige und verheerende Folgen nach sich ziehen. Ebenso sind sexuelle Funktionsstörungen weit verbreitet. Erklärungsmodelle für die Zu- sammenhänge gibt es zahlreiche. Chronisch veränderte Reaktionsmuster des autonomen Nervensystems hin zu einer Überaktivierung des Kampf-/Fluchtmodus sind eine häufige Folge von traumatischen Erlebnissen. Das autonome Nervensystem ist bei Frauen wie auch Männern zuständig für den Grossteil der Versorgung der inneren und äusseren Ge- schlechtsorgane und essentiell für die sexuelle Reaktionsfähigkeit. Der Mensch kann durch ein Spiel mit Rhythmen, muskulärer Spannung und Bewegung sexuelle Erregung modulie- ren und kontrollieren und sie bis zum orgasmischen Höhepunkt aufbauen. Eine Mehrheit der Menschen erregt sich auf eine Art, die entweder mit viel Druck und/oder hoher körper- licher Anspannung verbunden ist und als Spannungsmodus bezeichnet wird. Die hier vor- gestellte Studie „Sexualfunktion und sexueller Erregungsmodus in Zusammenhang mit traumatischer Stressgeschichte und dem autonomen Nervensystem an einer Stichprobe von Sexocorporel-Studierenden“ untersucht die Zusammenhänge zwischen Herzratenvari- abilitätsmessungen (HRV) und den Antworten auf validierte Fragebögen an einer Stich- probe von 88 ehemaligen oder aktuellen Sexocorporel-Studierenden. Die Resultate zeigen signifikante Zusammenhänge zwischen einem überaktivierten Nervensystem hin zum Kampf-/Fluchtmodus und der Wahl eines sexuellen Erregungsmodus mit viel Spannung. Des Weiteren zeigt sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen einem sexuellen Erre- gungsmodus mit viel Spannung und erektilen Einschränkungen. Die Resultate zwischen Herzratenvariabilität und sexuellem Erregungsmodus zeigen gegensätzliche Resultate zur Theorie und zur Hypothese, insofern, dass eine höhere HRV, indikativ für höhere parasym- pathische Aktivierung, mit einem Spannungsmodus einhergeht. Keine signifikanten Resul- tate können zwischen sexuellem Erregungsmodus und dem PEP (premature ejaculation profile) und dem FSFI (female sexual functioning index) gefunden werden. Zukünftige Stu- dien sollen die Zusammenhänge zwischen traumatischen Kindheitserfahrungen und Sexu- alfunktion genauer untersuchen und weitere Forschung, insbesondere zum sexuellen Erre- gungsmodus nach Sexocorporel, betreiben.

Mirjam Städeli, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Traumatische Kindheitserlebnisse und sexuelle Funktionsstörungen : Sexualfunktion und sexueller Erregungsmodus in Zusammenhang mit traumatischen Kindheitserlebnissen und dem autonomen Nervensystem

Verfasst von
Mirjam Städeli

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Sexualisierte Gewalt · Paarsexualität · Sexuelle Zufriedenheit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Mirjam Städeli: «Traumatische Kindheitserlebnisse und sexuelle Funktionsstörungen : Sexualfunktion und sexueller Erregungsmodus in Zusammenhang mit traumatischen Kindheitserlebnissen und dem autonomen Nervensystem». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Oh Baby! Let’s talk about sex

Fabienne Studer untersucht in der Masterarbeit «Oh Baby! Let’s talk about sex» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Ein vierwöchiges Online-Programm für Paare nach der Geburt — und nach dem Programm war messbar nichts besser. Diese Arbeit berichtet ihr Nullergebnis offen, und gerade das macht sie brauchbar: Sie zeigt, woran es lag, und was für Paare in dieser Phase wirklich zählt.

Warum ist Sexualität nach der Geburt so schwierig?

Sie verändert sich auf allen Ebenen gleichzeitig — körperlich, psychisch, sozial, partnerschaftlich. Viele Paare, und vor allem Frauen, fühlen sich darauf unzureichend vorbereitet, und im Alltag bleibt das Thema weitgehend tabu.

Die Arbeit richtet den Blick auf die subjektive Wahrnehmung der eigenen und der partnerschaftlichen sexuellen Zufriedenheit — und darauf, ob sich Intimität und die Kommunikation sexueller Bedürfnisse über sexuelle Lernschritte nach dem Modell Sexocorporel steigern lassen.

Was wurde geprüft?

Die Autorin entwickelte eine ungeleitete Online-Selbsthilfe mit Wissensvermittlung, individuellen Übungen und Übungen zu zweit. Gemessen wurde vor und nach dem Programm mit etablierten Instrumenten: der New Sexual Satisfaction Scale in zwei Unterskalen, Globalskalen zur Beziehungszufriedenheit, einem Fragebogen zu sexuellen Bedenken und der Einschätzung der Zufriedenheit des Partners.

An der Vorher-Messung nahmen 41 Personen teil.

Was kam heraus?

Beim Vergleich vorher und nachher zeigte sich in keiner der geprüften Grössen eine bedeutsame Veränderung — weder bei der selbstfokussierten noch bei der partnerfokussierten sexuellen Zufriedenheit, weder bei der Beziehungszufriedenheit noch bei der sexuellen Kommunikation.

Das Programm hat in dieser Untersuchung also nicht gewirkt, oder die Untersuchung konnte eine Wirkung nicht zeigen. Beides ist möglich, und die Arbeit behauptet nichts anderes.

Aufschlussreich ist dagegen die Vorher-Messung. Dort zeigten sich starke Zusammenhänge zwischen sexueller Zufriedenheit einerseits und der Liebe in der Beziehung, der sexuellen Kommunikation, der eingeschätzten Zufriedenheit des Partners und dem Ausmass der Veränderung nach der Geburt andererseits. Wer wissen will, woran es in dieser Phase hängt, findet hier die Antwort — auch ohne dass das Programm sie verändert hätte.

Was folgt daraus?

Die Arbeit zieht zwei Schlüsse. Erstens: Unterstützung müsste früher ansetzen — Angebote, Information und Aufklärung schon vor der Geburt, nicht erst danach.

Zweitens: Die Forschung ist frauenlastig und müsste den Partner einbeziehen. Studien zu den Einflussfaktoren postpartaler sexueller Funktionsstörungen gibt es reichlich; Untersuchungen dazu, wie sich partnerschaftliche Intimität unter Einbezug beider erhalten lässt, kaum.

Und ein Satz, der in der Beratung mehr wert ist als jedes Programm: Frisch gewordenen Eltern hilft es zu wissen, dass sexuelle Schwierigkeiten in dieser Phase weit verbreitet sind.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Die Stichprobe schrumpfte zwischen Vorher- und Nachher-Messung erheblich, und ein ungeleitetes Selbsthilfeprogramm über vier Wochen ist ein schwacher Eingriff. Ein Nullergebnis unter diesen Bedingungen belegt nicht, dass der Ansatz nicht wirkt.

Die Arbeit ist eine der wenigen, die eine Online-Intervention nach Sexocorporel überhaupt wissenschaftlich geprüft haben — die Autorin weist selbst darauf hin, dass es zum Ansatz nur wenige empirische Belege gibt. Dass sie ein unbequemes Ergebnis vollständig berichtet, statt es zu beschönigen, ist der eigentliche Beitrag.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 119 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zur postpartalen Sexualität, das vollständige Online-Programm, alle eingesetzten Messinstrumente sowie die komplette statistische Auswertung mit Korrelationstabellen und Testergebnissen.

Abstract der Arbeit

Die postpartale Sexualität in einer Partnerschaft ist ein komplexes, vielschichtiges und heraus- forderndes Thema, welches die Individuen auf der physiologischen, psychologischen, sozialen, partnerschaftlichen und sexologischen Ebene unterschiedlich stark prägt. In der Praxis und im Alltag stellt die Thematik rund die postpartale Sexualität noch ein Tabuthema dar. Viele Paare, und vor allem Frauen, fühlen sich auf die Veränderungen in der Sexualität nach der Geburt eines Kindes unzureichend vorbereitet. Der Fokus der vorliegenden Arbeit liegt auf der subjek- tiven Wahrnehmung der eigenen und der partnerschaftlichen sexuellen Zufriedenheit nach der Geburt eines Kindes und der Möglichkeit, die partnerschaftliche Intimität und die Kommuni- kation der sexuellen Bedürfnisse mithilfe von sexuellen Lernschritten anhand des Modell Sexocorporels steigern zu können. Als Unterstützung für diese Forschungsarbeit wurde eine ungeleitete Selbsthilfe mit Wissensvermittlung, individuellen Übungen sowie partnerschaftli- chen Übungen entwickelt und in ihrer Wirksamkeit in Bezug auf die sexuelle Zufriedenheit, die wahrgenommene Nähe und die Kommunikationsfähigkeit geprüft.

Fabienne Studer, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Oh Baby! Let’s talk about sex Online-Selbsthilfe zur Förderung der partnerschaftlichen Sexualität nach der Geburt

Verfasst von
Fabienne Studer

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Schwangerschaft & Geburt · Digitale Medien · Vaginismus · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Fabienne Studer: «Oh Baby! Let’s talk about sex Online-Selbsthilfe zur Förderung der partnerschaftlichen Sexualität nach der Geburt». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Sexologische Arbeit mit Sexualstraftätern

Olivia Zurlinden untersucht in der Masterarbeit «Sexologische Arbeit mit Sexualstraftätern» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Im Schweizer Massnahmenvollzug werden Sexualstraftäter deliktorientiert behandelt: Im Zentrum steht die Tat und ihre Vermeidung. Diese Arbeit prüft, ob sich daneben körperorientiert nach dem Modell Sexocorporel arbeiten liesse — und ist bei der entscheidenden Frage ehrlich.

Lassen sich die beiden Zugänge verbinden?

Ja. Das ist der klarste Befund der Arbeit, und er ergab sich schon aus dem Material: Bei der Bildung der Kategorien für die Auswertung zeigte sich, dass sich die beiden Bereiche in den Interviews bereits überschneiden und ineinander verflechten.

Befragt wurden vier Fachpersonen mit unterschiedlichen Schwerpunkten — eine rein deliktorientiert, zwei mit beiden Zugängen, eine mit Sexocorporel. Diese Zusammensetzung erlaubt den Vergleich.

Die Diskussion bestätigt, was die Kategorienbildung nahelegte: Die theoretischen Grundlagen beider Modelle lassen sich gut miteinander in Verbindung bringen.

Senkt das die Rückfallgefahr?

Diese Frage kann die Arbeit nicht beantworten, und sie sagt das ausdrücklich. Ob sich die Einbindung sexologischer Arbeit auf das individuelle Rückfallrisiko auswirkt, lässt sich mit vier qualitativen Interviews nicht klären.

Was sie sagen kann, ist etwas anderes: Die Arbeit nach Sexocorporel trägt dazu bei, dass sich Vergewaltiger und Pädosexuelle auf eine neue Art mit sich auseinandersetzen — unter Einbezug ihres Körpers und vertieft mit der Logik ihres sexuellen Systems. Das fördert das Verständnis für die eigene Funktionalität.

Bedarf und Bedeutung einer solchen Ergänzung sieht die Arbeit damit als gegeben an. Den Wirksamkeitsnachweis behauptet sie nicht.

Warum könnte es trotzdem etwas bringen?

Die Autorin nennt einen Grund, der aus ihrer eigenen Erfahrung stammt: Auch wenn in der Theorie der Deliktorientierung und in ihrer therapeutischen Umsetzung von Ressourcenorientierung die Rede ist, bleibt der Ansatz in der Praxis eher defizitorientiert.

Das Modell Sexocorporel setzt umgekehrt bei sexueller Gesundheit an. In einem Setting, in dem Menschen eine gesetzlich auferlegte Therapie durchlaufen, kann diese Ausrichtung motivierend wirken — nicht als Milde, sondern als Bedingung dafür, dass jemand überhaupt mitarbeitet.

Damit ist die Arbeit eine der wenigen, die den Ansatz in einen Zwangskontext übersetzen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier Leitfadeninterviews mit Fachpersonen, ausgewertet nach Mayring. Befragt wurden Behandelnde, nicht Behandelte — was bei dieser Zielgruppe naheliegt, aber eine ganze Perspektive auslässt.

Die Arbeit ist als Machbarkeitsprüfung angelegt und hält ihre Reichweite ein. Sie zeigt, dass sich zwei Modelle verbinden lassen und dass Fachpersonen darin Sinn sehen. Was das im Vollzug bewirken würde, müsste eine andere Untersuchung zeigen.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 130 Seiten. Sie enthält die Grundlagen des Modells Sexocorporel, Definitionen und Erklärungsansätze zu den beiden untersuchten dissexuellen Verhaltensweisen, die theoretischen Hintergründe deliktorientierter Behandlung sowie die vollständige Auswertung der vier Interviews.

Abstract der Arbeit

In der vorliegenden Masterarbeit wird aufgezeigt, inwiefern männliche Sexualstraftäter (Pädose- xuelle und Vergewaltiger) zusätzlich zur deliktorientierten Straftäterbehandlung im Schweizer Massnahmenvollzug sexologisch anhand des Modells Sexocorporel behandelt werden können. Auf Grundlage relevanter Bezüge zum Modell Sexocorporel, Definitionen und Erklärungsansätze der beiden fokussierten dissexuellen Verhaltensweisen sowie theoretischer Hintergründe delikt- orientierter Sexualstraftäterbehandlung wurde eine qualitative Forschung anhand von Interviews mit einer Expertin und drei Experten durchgeführt. Somit wurden Bedarf, Bedeutung sowie Um- setzungsmöglichkeiten sexologischer Arbeit nach Sexocorporel im Massnahmenvollzug eruiert und in der Diskussion mit dem theoretischen Bezugsrahmen in Verbindung gesetzt. Die Master- arbeit zeigt auf, dass die theoretischen Grundlagen der beiden Modelle Sexocorporel und Delik- torientierung gut miteinander verbunden werden können und dass körperorientierte Behandlung nach dem Modell Sexocorporel ebenfalls deliktrelevante Persönlichkeitsmerkmale von Sexual- straftätern bearbeitet. Der Einbezug der ressourcenorientierten Sichtweise des Modells Sexocor- porel mit Ziel sexueller Gesundheit kann zudem motivationsfördernd auf die sich in gesetzlich auferlegten Therapien befindenden Sexualstraftäter wirken. Die Einbettung sexologischer Arbeit nach Sexocorporel in die bisherige deliktorientierte Behandlung von Vergewaltigern und Pädose- xuellen ist unter Voraussetzung von deren Tateinsicht und Willen zur Auseinandersetzung und Veränderung ihrer Sexualität möglich. Die über den Körper herbeigeführte Veränderung der Se- xualität, welche Kognitionen und Emotionen beeinflusst, basiert dabei auf dem Verständnis der Logik des eigenen sexuellen Systems des Sexualstraftäters unter Berücksichtigung des Ziels der Rückfallrisikosenkung.

Olivia Zurlinden, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexologische Arbeit mit Sexualstraftätern : Bedarf und Bedeutung sowie Umsetzungsmöglichkeiten sexologischer Arbeit nach Sexocorporel mit Sexualstraftätern im Massnahmenvollzug

Verfasst von
Olivia Zurlinden

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Sexualisierte Gewalt · Institutionelle Begleitung · Körperarbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Olivia Zurlinden: «Sexologische Arbeit mit Sexualstraftätern : Bedarf und Bedeutung sowie Umsetzungsmöglichkeiten sexologischer Arbeit nach Sexocorporel mit Sexualstraftätern im Massnahmenvollzug». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA3 Masterarbeit

Sextoys, das Versprechen von Lust und Orgasmen

Tamara Schmucki untersucht in der Masterarbeit «Sextoys, das Versprechen von Lust und Orgasmen» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Sextoys werden millionenfach verkauft, und niemand kann genau sagen, was sie eigentlich stimulieren. Diese Arbeit hat die Lücke bemerkt und selbst gefüllt: Sie zeichnet für jede Kategorie von Sextoy auf, welche Areale und tieferen Schichten des weiblichen Geschlechts erreicht werden — samt Vergleich zum Penis.

Was fehlt in der Literatur?

Es gibt wissenschaftliche Modelle des weiblichen Geschlechts, und es gibt Beschreibungen der empfindlichen Zonen. Was fehlt, sind Darstellungen darüber, welche körperliche Wirkung eine bestimmte Stimulationsart mit einem Sexspielzeug tatsächlich hat.

Die Autorin hat diese Darstellungen erstellt. Auf Grundlage eines anatomischen Vulva-Modells legt sie für jedes Toy eine Skizze an und vergleicht die stimulierten Bereiche mit denen bei Penetration durch einen Penis. Sie weist ausdrücklich darauf hin, dass jedes Toy unterschiedlich angewendet werden kann und jeder Körper anders gebaut ist — die Skizzen zeigen je eine mögliche Anwendungsform.

Was stimuliert ein Vibrator tatsächlich?

Der Befund ist anschaulich. Befindet sich ein Vibrator in der Vagina, werden alle umliegenden Gewebe und Organe in Schwingung versetzt. Die Stimulation erreicht das gesamte weibliche Geschlecht: Anus und Enddarm, die Klitorisschenkel, die Vorhofbulben der Klitoris, die Beckenbodenmuskulatur sowie Blase, Harnröhre und Uterus.

Das erklärt, warum die Wirkung so viel weiter reicht als die Berührungsfläche vermuten lässt — und warum sich Geschwindigkeit, Vibrationsstärke, Rhythmus und Einführtiefe unterschiedlich anfühlen. Alle drei befragten Frauen verwenden den Vibrator sowohl aussen an der Vulva als auch innen in der Vagina.

Was bedeutet das für die sexuellen Lernschritte?

Hier liegt der eigentliche Ertrag für die Beratungspraxis. Die Arbeit fragt nicht nur, ob Sextoys wirken, sondern welche sexuellen Lernschritte Frauen zwischen 20 und 30 machen — und welche davon durch ein Sextoy begünstigt und welche möglicherweise verhindert werden.

Diese Unterscheidung ist der Grund, warum die Arbeit über eine Produktbetrachtung hinausgeht. Ein Hilfsmittel, das zuverlässig zum Orgasmus führt, kann einen Lernschritt abkürzen — oder ihn ersetzen. Die Auswertung erfolgt entlang des Modells Sexocorporel und ausdrücklich kritisch.

Wenn in der Beratung die Frage auftaucht, ob ein Toy weiterhilft oder im Weg steht, ist das die Grundlage, um differenziert zu antworten.

Warum überhaupt darüber schreiben?

Die Autorin nennt den Grund selbst: Sextoys sind gesellschaftlich noch immer ein Tabuthema, und um Tabuthemen ranken sich Mythen und falsches Wissen. Ihre Arbeit will beides aufbrechen.

Das erklärt auch die ungewöhnliche Machart. Wer eine Wirkung erklären will, für die es keine Darstellungen gibt, muss sie zuerst zeichnen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Drei qualitative Interviews mit Nutzerinnen, ausgewertet nach Mayring, ergänzt durch eine Literaturrecherche. Drei Frauen sind keine Grundlage für allgemeine Aussagen über die Wirkung von Sextoys.

Die anatomischen Darstellungen sind Herleitungen aus dem Modell, keine Messungen. Sie zeigen plausibel, welche Strukturen bei welcher Anwendung erreicht werden — nicht, wie stark sie im Einzelfall reagieren. Als Erklärungsgrundlage für ein Gespräch bleiben sie dennoch brauchbar.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 99 Seiten. Sie enthält die Definition und Kategorisierung von Sextoys, den Forschungsstand zu ihrer Verbreitung und Wirkung, die anatomischen Vergleichsskizzen, die vollständige Auswertung der drei Interviews und die Einordnung in das Modell Sexocorporel.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit befasst sich mit Sextoys für Frauen. Es wird der Forschungsstand von Sextoys und deren Wirkung untersucht. Der Fokus liegt dabei auf der sexuellen Lust und der Orgasmusfähigkeit von Frauen zwischen 20 und 30 Jahren. Es wird der Frage nachgegangen, welche Lernschritte Frauen in diesem Alter in der Sexualität machen und welche Lernschritte anhand von Sextoys begünstigt oder verhindert werden können. Mit drei qualitativen Interviews werden Nutzerinnen von Sextoys befragt, wie sie diese in der Paarsexualität, sowie der Selbstbefriedigung einsetzen und welchen Nutzen sie daraus für die sexuelle Lust und die Orgasmusfähigkeit ziehen. Zudem wird untersucht, welche Wirkung unterschiedliche Sextoys haben. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse werden anhand des Modells Sexocorporel in Bezug auf die Aktivierung sexueller Lust und dem Auslösen eines Orgasmus kritisch beleuchtet. Sextoys sind noch immer ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. Um Tabuthemen existieren immer auch Mythen und falsches Wissen. Die vorliegende Masterarbeit soll helfen das Tabuthema aufzubrechen und das Wissen über Sextoys zu erweitern.

Tamara Schmucki, Abstract der Masterarbeit, 2022

Angaben zur Arbeit

Titel
Sextoys, das Versprechen von Lust und Orgasmen : Die Wirkung von Sextoys auf die sexuelle Lust und die Orgasmusfähigkeit von Frauen zwischen 20 und 30 Jahren in der Selbstbefriedigung und der Paarsexualität

Verfasst von
Tamara Schmucki

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3

Jahr
2022

Themen
Sexuelles Verlangen · Paarsexualität · Sexuelle Zufriedenheit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Tamara Schmucki: «Sextoys, das Versprechen von Lust und Orgasmen : Die Wirkung von Sextoys auf die sexuelle Lust und die Orgasmusfähigkeit von Frauen zwischen 20 und 30 Jahren in der Selbstbefriedigung und der Paarsexualität». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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