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MA4 Masterarbeit

Traumatische Kindheitserlebnisse und sexuelle Funktionsstörungen

Mirjam Städeli untersucht in der Masterarbeit «Traumatische Kindheitserlebnisse und sexuelle Funktionsstörungen» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Traumatische Kindheitserlebnisse sind häufig, sexuelle Funktionsstörungen ebenfalls. Erklärungsmodelle für den Zusammenhang gibt es zahlreiche — ein begründetes Störungsmodell, das der Komplexität beider gerecht wird, gibt es bis heute nicht. Diese Arbeit verfolgt einen körperlichen Pfad.

Welcher Weg wird untersucht?

Das autonome Nervensystem. Chronisch veränderte Reaktionsmuster hin zu einer Überaktivierung des Kampf- und Fluchtsystems sind eine häufige Traumafolge — und dasselbe Nervensystem versorgt bei Frauen wie Männern den grössten Teil der inneren und äusseren Geschlechtsorgane.

Damit ist es für die sexuelle Reaktionsfähigkeit unverzichtbar. Die Verbindung liegt also nahe, wird aber selten ausbuchstabiert.

Dazu kommt der Erregungsmodus: Erregung lässt sich über Rhythmus, muskuläre Spannung und Bewegung aufbauen und steuern. Die Mehrheit der Menschen erregt sich mit viel Druck und hoher Anspannung — im sogenannten Spannungsmodus.

Was hat die Arbeit gezeigt?

Sie konnte einen Zusammenhang zwischen Veränderungen des autonomen Nervensystems hin zur Aktivierung des Kampf-Flucht-Systems und der Wahl eines Erregungsmodus mit viel Spannung nachzeichnen.

Das ist deshalb bedeutsam, weil zum Erregungsmodus nach Sexocorporel und seinem Verhältnis zum autonomen Nervensystem bislang sehr wenige bis gar keine Untersuchungen vorliegen — und damit auch nicht dazu, wie er sexuelle Funktionsstörungen begünstigen kann.

Für die Praxis heisst das: Wer mit Traumafolgen arbeitet, findet hier eine körperbezogene Erklärung dafür, warum sexuelle Beschwerden auftreten — und einen Ansatzpunkt, der nicht über die Erinnerung läuft, sondern über die Regulation.

Warum fehlt bisher ein Modell?

Weil beide Seiten für sich schon komplex sind. Die Arbeit verweist darauf, dass in der Literatur kein begründetes Störungsmodell existiert, das der Komplexität von Traumatisierungen und sexuellen Funktionsstörungen gerecht wird.

Die vorliegende Untersuchung liefert kein solches Modell — sie prüft einen einzelnen, bislang unbeachteten Pfad. Das ist eine bescheidenere und ehrlichere Zielsetzung.

Für die sexologische Praxis ist der Ertrag gleichwohl konkret: Der Erregungsmodus ist erhebbar und veränderbar. Wo eine Traumageschichte vorliegt, lohnt der Blick darauf.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturrecherche und eine eigene Studie zu Sexualfunktion und Erregungsmodus im Zusammenhang mit traumatischer Stressgeschichte und dem autonomen Nervensystem.

Sie zeigt einen Zusammenhang, keine Ursache. Ob die Traumafolge den Erregungsmodus prägt oder ob beides gemeinsam auf etwas Drittes zurückgeht, lässt sich so nicht entscheiden.

Der Wert liegt darin, ein Feld zu betreten, zu dem es kaum Vorarbeiten gibt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 124 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu traumatischen Kindheitserlebnissen und sexuellen Funktionsstörungen, die physiologischen Grundlagen zum autonomen Nervensystem, die Darstellung des Erregungsmodus nach Sexocorporel sowie die vollständige Auswertung der eigenen Erhebung.

Abstract der Arbeit

Die hier vorgelegte Arbeit hat zum Ziel, den Zusammenhang zwischen traumatischen Kind- heitserlebnissen und sexuellen Funktionsstörungen anhand der Rolle des sexuellen Erre- gungsmodus und des autonomen Nervensystems zu untersuchen. Traumatische Kindheits- erlebnisse sind häufig und können langfristige und verheerende Folgen nach sich ziehen. Ebenso sind sexuelle Funktionsstörungen weit verbreitet. Erklärungsmodelle für die Zu- sammenhänge gibt es zahlreiche. Chronisch veränderte Reaktionsmuster des autonomen Nervensystems hin zu einer Überaktivierung des Kampf-/Fluchtmodus sind eine häufige Folge von traumatischen Erlebnissen. Das autonome Nervensystem ist bei Frauen wie auch Männern zuständig für den Grossteil der Versorgung der inneren und äusseren Ge- schlechtsorgane und essentiell für die sexuelle Reaktionsfähigkeit. Der Mensch kann durch ein Spiel mit Rhythmen, muskulärer Spannung und Bewegung sexuelle Erregung modulie- ren und kontrollieren und sie bis zum orgasmischen Höhepunkt aufbauen. Eine Mehrheit der Menschen erregt sich auf eine Art, die entweder mit viel Druck und/oder hoher körper- licher Anspannung verbunden ist und als Spannungsmodus bezeichnet wird. Die hier vor- gestellte Studie „Sexualfunktion und sexueller Erregungsmodus in Zusammenhang mit traumatischer Stressgeschichte und dem autonomen Nervensystem an einer Stichprobe von Sexocorporel-Studierenden“ untersucht die Zusammenhänge zwischen Herzratenvari- abilitätsmessungen (HRV) und den Antworten auf validierte Fragebögen an einer Stich- probe von 88 ehemaligen oder aktuellen Sexocorporel-Studierenden. Die Resultate zeigen signifikante Zusammenhänge zwischen einem überaktivierten Nervensystem hin zum Kampf-/Fluchtmodus und der Wahl eines sexuellen Erregungsmodus mit viel Spannung. Des Weiteren zeigt sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen einem sexuellen Erre- gungsmodus mit viel Spannung und erektilen Einschränkungen. Die Resultate zwischen Herzratenvariabilität und sexuellem Erregungsmodus zeigen gegensätzliche Resultate zur Theorie und zur Hypothese, insofern, dass eine höhere HRV, indikativ für höhere parasym- pathische Aktivierung, mit einem Spannungsmodus einhergeht. Keine signifikanten Resul- tate können zwischen sexuellem Erregungsmodus und dem PEP (premature ejaculation profile) und dem FSFI (female sexual functioning index) gefunden werden. Zukünftige Stu- dien sollen die Zusammenhänge zwischen traumatischen Kindheitserfahrungen und Sexu- alfunktion genauer untersuchen und weitere Forschung, insbesondere zum sexuellen Erre- gungsmodus nach Sexocorporel, betreiben.

Mirjam Städeli, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Traumatische Kindheitserlebnisse und sexuelle Funktionsstörungen : Sexualfunktion und sexueller Erregungsmodus in Zusammenhang mit traumatischen Kindheitserlebnissen und dem autonomen Nervensystem

Verfasst von
Mirjam Städeli

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Sexualisierte Gewalt · Paarsexualität · Sexuelle Zufriedenheit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Mirjam Städeli: «Traumatische Kindheitserlebnisse und sexuelle Funktionsstörungen : Sexualfunktion und sexueller Erregungsmodus in Zusammenhang mit traumatischen Kindheitserlebnissen und dem autonomen Nervensystem». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Sexologische Arbeit mit Sexualstraftätern

Olivia Zurlinden untersucht in der Masterarbeit «Sexologische Arbeit mit Sexualstraftätern» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Im Schweizer Massnahmenvollzug werden Sexualstraftäter deliktorientiert behandelt: Im Zentrum steht die Tat und ihre Vermeidung. Diese Arbeit prüft, ob sich daneben körperorientiert nach dem Modell Sexocorporel arbeiten liesse — und ist bei der entscheidenden Frage ehrlich.

Lassen sich die beiden Zugänge verbinden?

Ja. Das ist der klarste Befund der Arbeit, und er ergab sich schon aus dem Material: Bei der Bildung der Kategorien für die Auswertung zeigte sich, dass sich die beiden Bereiche in den Interviews bereits überschneiden und ineinander verflechten.

Befragt wurden vier Fachpersonen mit unterschiedlichen Schwerpunkten — eine rein deliktorientiert, zwei mit beiden Zugängen, eine mit Sexocorporel. Diese Zusammensetzung erlaubt den Vergleich.

Die Diskussion bestätigt, was die Kategorienbildung nahelegte: Die theoretischen Grundlagen beider Modelle lassen sich gut miteinander in Verbindung bringen.

Senkt das die Rückfallgefahr?

Diese Frage kann die Arbeit nicht beantworten, und sie sagt das ausdrücklich. Ob sich die Einbindung sexologischer Arbeit auf das individuelle Rückfallrisiko auswirkt, lässt sich mit vier qualitativen Interviews nicht klären.

Was sie sagen kann, ist etwas anderes: Die Arbeit nach Sexocorporel trägt dazu bei, dass sich Vergewaltiger und Pädosexuelle auf eine neue Art mit sich auseinandersetzen — unter Einbezug ihres Körpers und vertieft mit der Logik ihres sexuellen Systems. Das fördert das Verständnis für die eigene Funktionalität.

Bedarf und Bedeutung einer solchen Ergänzung sieht die Arbeit damit als gegeben an. Den Wirksamkeitsnachweis behauptet sie nicht.

Warum könnte es trotzdem etwas bringen?

Die Autorin nennt einen Grund, der aus ihrer eigenen Erfahrung stammt: Auch wenn in der Theorie der Deliktorientierung und in ihrer therapeutischen Umsetzung von Ressourcenorientierung die Rede ist, bleibt der Ansatz in der Praxis eher defizitorientiert.

Das Modell Sexocorporel setzt umgekehrt bei sexueller Gesundheit an. In einem Setting, in dem Menschen eine gesetzlich auferlegte Therapie durchlaufen, kann diese Ausrichtung motivierend wirken — nicht als Milde, sondern als Bedingung dafür, dass jemand überhaupt mitarbeitet.

Damit ist die Arbeit eine der wenigen, die den Ansatz in einen Zwangskontext übersetzen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier Leitfadeninterviews mit Fachpersonen, ausgewertet nach Mayring. Befragt wurden Behandelnde, nicht Behandelte — was bei dieser Zielgruppe naheliegt, aber eine ganze Perspektive auslässt.

Die Arbeit ist als Machbarkeitsprüfung angelegt und hält ihre Reichweite ein. Sie zeigt, dass sich zwei Modelle verbinden lassen und dass Fachpersonen darin Sinn sehen. Was das im Vollzug bewirken würde, müsste eine andere Untersuchung zeigen.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 130 Seiten. Sie enthält die Grundlagen des Modells Sexocorporel, Definitionen und Erklärungsansätze zu den beiden untersuchten dissexuellen Verhaltensweisen, die theoretischen Hintergründe deliktorientierter Behandlung sowie die vollständige Auswertung der vier Interviews.

Abstract der Arbeit

In der vorliegenden Masterarbeit wird aufgezeigt, inwiefern männliche Sexualstraftäter (Pädose- xuelle und Vergewaltiger) zusätzlich zur deliktorientierten Straftäterbehandlung im Schweizer Massnahmenvollzug sexologisch anhand des Modells Sexocorporel behandelt werden können. Auf Grundlage relevanter Bezüge zum Modell Sexocorporel, Definitionen und Erklärungsansätze der beiden fokussierten dissexuellen Verhaltensweisen sowie theoretischer Hintergründe delikt- orientierter Sexualstraftäterbehandlung wurde eine qualitative Forschung anhand von Interviews mit einer Expertin und drei Experten durchgeführt. Somit wurden Bedarf, Bedeutung sowie Um- setzungsmöglichkeiten sexologischer Arbeit nach Sexocorporel im Massnahmenvollzug eruiert und in der Diskussion mit dem theoretischen Bezugsrahmen in Verbindung gesetzt. Die Master- arbeit zeigt auf, dass die theoretischen Grundlagen der beiden Modelle Sexocorporel und Delik- torientierung gut miteinander verbunden werden können und dass körperorientierte Behandlung nach dem Modell Sexocorporel ebenfalls deliktrelevante Persönlichkeitsmerkmale von Sexual- straftätern bearbeitet. Der Einbezug der ressourcenorientierten Sichtweise des Modells Sexocor- porel mit Ziel sexueller Gesundheit kann zudem motivationsfördernd auf die sich in gesetzlich auferlegten Therapien befindenden Sexualstraftäter wirken. Die Einbettung sexologischer Arbeit nach Sexocorporel in die bisherige deliktorientierte Behandlung von Vergewaltigern und Pädose- xuellen ist unter Voraussetzung von deren Tateinsicht und Willen zur Auseinandersetzung und Veränderung ihrer Sexualität möglich. Die über den Körper herbeigeführte Veränderung der Se- xualität, welche Kognitionen und Emotionen beeinflusst, basiert dabei auf dem Verständnis der Logik des eigenen sexuellen Systems des Sexualstraftäters unter Berücksichtigung des Ziels der Rückfallrisikosenkung.

Olivia Zurlinden, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexologische Arbeit mit Sexualstraftätern : Bedarf und Bedeutung sowie Umsetzungsmöglichkeiten sexologischer Arbeit nach Sexocorporel mit Sexualstraftätern im Massnahmenvollzug

Verfasst von
Olivia Zurlinden

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Sexualisierte Gewalt · Institutionelle Begleitung · Körperarbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Olivia Zurlinden: «Sexologische Arbeit mit Sexualstraftätern : Bedarf und Bedeutung sowie Umsetzungsmöglichkeiten sexologischer Arbeit nach Sexocorporel mit Sexualstraftätern im Massnahmenvollzug». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA3 Masterarbeit

Sexualisierte Gewalt gegen Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren

Karin Nicole Laowé Bürstl untersucht in der Masterarbeit «Sexualisierte Gewalt gegen Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Sobald sexualisierte Gewalt gegen eine minderjährige Person bekannt wird, greifen viele Stellen zu — und die betroffene Person verliert im selben Moment die Entscheidungsmacht darüber, was als Nächstes geschieht. Diese Arbeit macht dieses Ineinandergreifen erklärbar.

Wer wird tätig, und mit welchem Anspruch?

Behörden, Ämter, Institutionen und die dort angestellten Fachpersonen erheben Anspruch darauf, die Situation zu bearbeiten. Jede Stelle bringt eigene Aufgaben, eigene Möglichkeiten und eigene Macht mit.

Die Arbeit fordert, dass sich Fachpersonen dieser Wirkung stets bewusst sein sollten — der eigenen Aufgabe ebenso wie der eigenen Macht gegenüber den Betroffenen.

Fast unabdingbar erscheint deshalb, dass die Beteiligten über fachübergreifende Kenntnisse verfügen: Sie müssen im Kern wissen, was Aufgaben, Möglichkeiten und Grenzen ihrer Fachkolleginnen und -kollegen sind.

Warum ist das für die Betroffenen entscheidend?

Weil sie sonst nicht verstehen, was mit ihnen geschieht. Ohne dieses Wissen können Fachpersonen den Betroffenen das komplexe Ineinandergreifen der verschiedenen Disziplinen schlicht nicht erklären.

Dazu kommt ein Machtverhältnis, das die Arbeit deutlich benennt: Ab dem Zeitpunkt, an dem minderjährige Betroffene einen Übergriff einer Vertrauensperson mitteilen, geben sie die Entscheidungsmacht grösstenteils ab. Wer künftig mitspricht, entscheiden andere — etwa die Eltern darüber, ob Strafanzeige erstattet wird.

Diese Verschiebung ist rechtlich begründet und für die Betroffenen dennoch eine zweite Erfahrung von Kontrollverlust. Vernetzung kann nur gelingen, wenn die Abläufe so weit wie möglich transparent sind und das Ziel erkennbar bleibt.

Was leistet die Arbeit konkret?

Sie ist als Orientierungshilfe für den Kanton Aargau angelegt und arbeitet auf, welche Fachdisziplinen beteiligt sind, was sie leisten dürfen und wo ihre Grenzen liegen.

Damit richtet sie sich an Lehrpersonen, Sozialarbeitende, Beratungsstellen und alle, die in einem solchen Fall erklären müssen, warum jetzt was geschieht — und die dafür bisher keine zusammenhängende Darstellung zur Hand hatten.

Der Fokus auf Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren ist dabei bewusst gewählt: Es ist die Altersgruppe, in der sexuelle Selbstbestimmung und Schutzbedürfnis am stärksten in Spannung geraten.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Es handelt sich um eine institutionelle Kontextualisierung, nicht um eine empirische Erhebung. Die Arbeit systematisiert Zuständigkeiten, Abläufe und rechtliche Rahmenbedingungen.

Sie gilt für einen Kanton und einen Rechtsstand. Zuständigkeiten ändern sich, und wer die Arbeit als Orientierung nutzt, sollte den aktuellen Stand prüfen. Als Darstellung des Zusammenspiels der Akteure bleibt sie brauchbar.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 118 Seiten. Sie enthält die Aufarbeitung der beteiligten Fachdisziplinen mit ihren Aufgaben und Grenzen, die rechtlichen Grundlagen sowie die Orientierungshilfe für den Kanton Aargau.

Abstract der Arbeit

Sobald Menschen von (sexualisierter) Gewalt betroffen sind, hat dies oftmals zur Folge, dass die verschiedensten Behörden, Ämter, Institutionen und damit die dort angestellten Fachpersonen einen Anspruch darauf erheben, die Situation zu bearbeiten. Gerade Fachpersonen, die in Fällen von (sexualisierter) Gewalt involviert werden, sollten sich ihrer jeweiligen, zu erfüllenden Aufgabengebiete, ihrer Wirkung und ggf. auch ihrer Macht in Bezug auf die Situation der betroffenen Person(en) stets bewusst sein. Damit wird deutlich, dass es fast unabdingbar erscheint, dass die einzelnen Akteur:innen über fach- übergreifende Kenntnisse verfügen oder dass sie im Kern darüber Bescheid wissen, was die Aufgaben, Möglichkeiten und Grenzen ihrer Fachkolleg:innen sind. Ansonsten können sie den Betroffenen das komplexe Ineinandergreifen der verschiedenen Disziplinen nicht erläutern. Diese Vernetzung kann den involvierten Professionellen jedoch nur dann gelingen, wenn Abläufe so weit wie möglich transparent sind und ersichtlich wird, welches Ziel verfolgt wird. Erschwerend kommt hinzu, dass minderjährige Betroffene von sexualisierten Grenzüber- schreitungen und/oder Gewalt ab dem Zeitpunkt der Bekanntgabe des vorgefallenen Über- griffes an eine Vertrauensperson, grösstenteils die Entscheidungsmacht darüber abgeben (Machtverlust), welche Akteur:innen ein Mitspracherecht (Machtgewinn) über die weiteren Geschehnisse/Abläufe haben. Es sind etwa die Eltern, die darüber entscheiden, ob eine Strafanzeige erstattet wird oder ob eine Therapie notwendig ist. Auch entscheiden sie dar- über, mit wem gesprochen wird und wo das Wissen über den Vorfall deponiert wird. Die minderjährige Person hat kaum die Möglichkeit, über solche Themen gänzlich selbst zu entscheiden. Ausserdem ist es auch für Fachpersonen oftmals schwierig zu beurteilen, wann welche Instanzen/Institutionen informiert werden müssen bzw. dürfen. Die vorliegende Arbeit versucht anhand zehn anonymisierter Fälle herauszuarbeiten, wel- che Institutionen involviert werden, bzw. sind und ob diese in einen logischen Prozessablauf gestellt werden können. Auch soll kurz umrissen werden, wie die verschiedenen Gesetzes- artikel aus verschiedenen Gesetzesbücher und die entsprechenden Aufgabengebiete der verschiedenen Fachdisziplinen rudimentär ineinandergreifen.

Karin Nicole Laowé Bürstl, Abstract der Masterarbeit, 2022

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexualisierte Gewalt gegen Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren Institutionelle Kontextualisierung und Orientierungshilfe für den Kanton Aargau

Verfasst von
Karin Nicole Laowé Bürstl

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3

Jahr
2022

Themen
Sexualisierte Gewalt · Jugendsexualität · Institutionelle Begleitung

Lizenz und Nachweis. Karin Nicole Laowé Bürstl: «Sexualisierte Gewalt gegen Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren Institutionelle Kontextualisierung und Orientierungshilfe für den Kanton Aargau». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Förderung sexueller Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung

Selina Killer untersucht in der Masterarbeit «Förderung sexueller Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Die sexuelle Gesundheit von Menschen im Asyl- und Flüchtlingsbereich ist im Vergleich zur einheimischen Bevölkerung prekär. Diese Arbeit fragt, was Jugendliche und junge Erwachsene mit Fluchterfahrung brauchen — und bezieht dafür ihre eigene Perspektive ein, statt nur über sie zu forschen.

Was heisst sexuelle Bildung hier?

Der Begriff markiert nach dieser Arbeit einen Wechsel gegenüber der klassischen Aufklärung. Im Zentrum steht die Selbstbestimmung des Individuums, nicht die Vermittlung von Wissen über einen Sachverhalt.

Die Verankerung ist dabei nicht beliebig. Die Weltgesundheitsorganisation hält fest, dass sich sexuelle Gesundheit erlangen und erhalten lässt, wenn die sexuellen Rechte geachtet, geschützt und garantiert werden. Das Recht auf Bildung und Information gehört zu diesen Rechten, und die Bildung zur sexuellen Gesundheit ist in der Schweiz ein ausgewiesenes Handlungsfeld.

Sexuelle Bildung ist damit keine freiwillige Zusatzleistung, sondern die Einlösung eines Rechts.

Was braucht diese Zielgruppe besonders?

Drei Wissensbestände hält die Arbeit für unverzichtbar, wenn sexuelle Bildung mit jungen Menschen mit Fluchterfahrung gelingen soll: Kenntnisse zur sexuellen Entwicklung, intersektionale Pädagogik und transkulturelle Kompetenzen.

Das ist mehr als eine Aufzählung. Wer nur über sexuelle Entwicklung Bescheid weiss, übersieht, dass Herkunft, Aufenthaltsstatus, Geschlecht und Sprache gleichzeitig wirken. Wer nur transkulturell denkt, übersieht die Entwicklungsaufgaben des Jugendalters.

Die Befragten selbst äussern zwei Bedürfnisse: die Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität und den Erwerb sexueller Kompetenzen. Woran es fehlt, sind nicht Interesse oder Bereitschaft, sondern Zugänge.

Wie wurde vorgegangen?

Die Arbeit verbindet eine vertiefte Literaturaufbereitung mit qualitativer Sozialforschung. Über problemzentrierte Interviews bezieht sie die Perspektive der jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung ein; ausgewertet wird nach der Methodologie der Grounded Theory.

Dass die Zielgruppe selbst befragt wurde und nicht nur die Fachpersonen, die sie betreuen, ist der methodische Kern dieser Arbeit — und bei dieser Personengruppe keine Selbstverständlichkeit.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Die Zahl der Interviews ist klein, und die Arbeit stützt ihre Schlüsse auf die Verbindung von Literatur und empirischen Erkenntnissen, nicht auf die Interviews allein.

Bei einer Gruppe, deren Aufenthaltsstatus unsicher ist und die über Sexualität in einer Fremdsprache sprechen soll, ist der Zugang selbst die grösste Hürde. Wer sich für ein solches Gespräch zur Verfügung stellt, ist bereits eine Auswahl.

Was die Arbeit leistet, ist die Übersetzung eines anerkannten Rechts in konkrete Anforderungen an die professionelle Betreuung und Begleitung.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 106 Seiten. Sie enthält die Aufarbeitung des Forschungsstands zur sexuellen Gesundheit im Asyl- und Flüchtlingsbereich, die theoretischen Grundlagen zu sexueller Bildung, intersektionaler Pädagogik und transkultureller Kompetenz sowie die vollständige Auswertung der Interviews.

Abstract der Arbeit

Diese Arbeit bearbeitet die Frage 'Was brauchen Jugendliche und junge Erwachsene mit Fluchterfahrung im Hinblick auf ihre sexuelle Gesundheit und welche Anforderungen leiten sich daraus an die professionelle Betreuung und Begleitung ab?'. Die Auseinandersetzung mit aktueller Literatur zeigt auf, dass die sexuelle Gesundheit von Menschen im Asyl- und Flüchtlingsbereich, im Vergleich zur einheimischen Bevölkerung, prekär ist (Amacker et al., 2019; BAG, 2012; Cignacco et al., 2017). Aufgrund dieser Analysen fokussiert sich diese Arbeit auf die Handlungsfelder der Förderung sexueller Gesundheit und widmet sich spezifisch der sexuellen Bildung (Sexuelle Gesundheit Schweiz, 2018). Der Begriff der sexuellen Bildung stellt einen Paradigmawechsel dar. Die Selbstbestimmung des Individuums steht im Zentrum (Valtl, 2013). Die vertiefte Literaturaufbereitung ermittelt spezifische Grundlagen, die in der sexuellen Bildung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung einbezogen werden müssen; nämlich Kenntnisse zur sexuellen Entwicklung, zur intersektionalen Pädagogik und zu transkulturellen Kompetenzen. Die qualitative Sozialforschung dieser Arbeit bezieht anhand problemzentrierter Interviews auch die Perspektive der jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung mit ein. In der Analyse nach der Methodologie der Grounded-Theory werden Theorien entwickelt, welche der Beantwortung der Fragestellung dienen. Die abschliessende Antwort basiert auf der Diskussion von Literatur und empirischen Erkenntnissen. Jugendliche und junge Erwachsene mit Fluchterfahrung haben Bedürfnisse nach Auseinandersetzung mit der individuellen Sexualität, ebenso wie nach dem Erwerb sexueller Kompetenzen. Es besteht ein Bedarf an Zugängen der sexuellen Bildung und an kompetenten, vertrauenswürdigen Fach- sowie Ansprechpersonen. Die professionelle Betreuung und Begleitung muss sich deshalb Kompetenzen in sexueller Bildung aneignen und Zugänge zu sexueller Bildung schaffen.

Selina Killer, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Förderung sexueller Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung Einfluss von und Anforderungen an sexuelle Bildung in der professionellen Betreuung und Begleitung

Verfasst von
Selina Killer

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Jugendsexualität · Sexualisierte Gewalt · Verhütung

Lizenz und Nachweis. Selina Killer: «Förderung sexueller Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung Einfluss von und Anforderungen an sexuelle Bildung in der professionellen Betreuung und Begleitung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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