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MA3 Masterarbeit

Sexualisierte Gewalt gegen Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren

Karin Nicole Laowé Bürstl untersucht in der Masterarbeit «Sexualisierte Gewalt gegen Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Sobald sexualisierte Gewalt gegen eine minderjährige Person bekannt wird, greifen viele Stellen zu — und die betroffene Person verliert im selben Moment die Entscheidungsmacht darüber, was als Nächstes geschieht. Diese Arbeit macht dieses Ineinandergreifen erklärbar.

Wer wird tätig, und mit welchem Anspruch?

Behörden, Ämter, Institutionen und die dort angestellten Fachpersonen erheben Anspruch darauf, die Situation zu bearbeiten. Jede Stelle bringt eigene Aufgaben, eigene Möglichkeiten und eigene Macht mit.

Die Arbeit fordert, dass sich Fachpersonen dieser Wirkung stets bewusst sein sollten — der eigenen Aufgabe ebenso wie der eigenen Macht gegenüber den Betroffenen.

Fast unabdingbar erscheint deshalb, dass die Beteiligten über fachübergreifende Kenntnisse verfügen: Sie müssen im Kern wissen, was Aufgaben, Möglichkeiten und Grenzen ihrer Fachkolleginnen und -kollegen sind.

Warum ist das für die Betroffenen entscheidend?

Weil sie sonst nicht verstehen, was mit ihnen geschieht. Ohne dieses Wissen können Fachpersonen den Betroffenen das komplexe Ineinandergreifen der verschiedenen Disziplinen schlicht nicht erklären.

Dazu kommt ein Machtverhältnis, das die Arbeit deutlich benennt: Ab dem Zeitpunkt, an dem minderjährige Betroffene einen Übergriff einer Vertrauensperson mitteilen, geben sie die Entscheidungsmacht grösstenteils ab. Wer künftig mitspricht, entscheiden andere — etwa die Eltern darüber, ob Strafanzeige erstattet wird.

Diese Verschiebung ist rechtlich begründet und für die Betroffenen dennoch eine zweite Erfahrung von Kontrollverlust. Vernetzung kann nur gelingen, wenn die Abläufe so weit wie möglich transparent sind und das Ziel erkennbar bleibt.

Was leistet die Arbeit konkret?

Sie ist als Orientierungshilfe für den Kanton Aargau angelegt und arbeitet auf, welche Fachdisziplinen beteiligt sind, was sie leisten dürfen und wo ihre Grenzen liegen.

Damit richtet sie sich an Lehrpersonen, Sozialarbeitende, Beratungsstellen und alle, die in einem solchen Fall erklären müssen, warum jetzt was geschieht — und die dafür bisher keine zusammenhängende Darstellung zur Hand hatten.

Der Fokus auf Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren ist dabei bewusst gewählt: Es ist die Altersgruppe, in der sexuelle Selbstbestimmung und Schutzbedürfnis am stärksten in Spannung geraten.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Es handelt sich um eine institutionelle Kontextualisierung, nicht um eine empirische Erhebung. Die Arbeit systematisiert Zuständigkeiten, Abläufe und rechtliche Rahmenbedingungen.

Sie gilt für einen Kanton und einen Rechtsstand. Zuständigkeiten ändern sich, und wer die Arbeit als Orientierung nutzt, sollte den aktuellen Stand prüfen. Als Darstellung des Zusammenspiels der Akteure bleibt sie brauchbar.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 118 Seiten. Sie enthält die Aufarbeitung der beteiligten Fachdisziplinen mit ihren Aufgaben und Grenzen, die rechtlichen Grundlagen sowie die Orientierungshilfe für den Kanton Aargau.

Abstract der Arbeit

Sobald Menschen von (sexualisierter) Gewalt betroffen sind, hat dies oftmals zur Folge, dass die verschiedensten Behörden, Ämter, Institutionen und damit die dort angestellten Fachpersonen einen Anspruch darauf erheben, die Situation zu bearbeiten. Gerade Fachpersonen, die in Fällen von (sexualisierter) Gewalt involviert werden, sollten sich ihrer jeweiligen, zu erfüllenden Aufgabengebiete, ihrer Wirkung und ggf. auch ihrer Macht in Bezug auf die Situation der betroffenen Person(en) stets bewusst sein. Damit wird deutlich, dass es fast unabdingbar erscheint, dass die einzelnen Akteur:innen über fach- übergreifende Kenntnisse verfügen oder dass sie im Kern darüber Bescheid wissen, was die Aufgaben, Möglichkeiten und Grenzen ihrer Fachkolleg:innen sind. Ansonsten können sie den Betroffenen das komplexe Ineinandergreifen der verschiedenen Disziplinen nicht erläutern. Diese Vernetzung kann den involvierten Professionellen jedoch nur dann gelingen, wenn Abläufe so weit wie möglich transparent sind und ersichtlich wird, welches Ziel verfolgt wird. Erschwerend kommt hinzu, dass minderjährige Betroffene von sexualisierten Grenzüber- schreitungen und/oder Gewalt ab dem Zeitpunkt der Bekanntgabe des vorgefallenen Über- griffes an eine Vertrauensperson, grösstenteils die Entscheidungsmacht darüber abgeben (Machtverlust), welche Akteur:innen ein Mitspracherecht (Machtgewinn) über die weiteren Geschehnisse/Abläufe haben. Es sind etwa die Eltern, die darüber entscheiden, ob eine Strafanzeige erstattet wird oder ob eine Therapie notwendig ist. Auch entscheiden sie dar- über, mit wem gesprochen wird und wo das Wissen über den Vorfall deponiert wird. Die minderjährige Person hat kaum die Möglichkeit, über solche Themen gänzlich selbst zu entscheiden. Ausserdem ist es auch für Fachpersonen oftmals schwierig zu beurteilen, wann welche Instanzen/Institutionen informiert werden müssen bzw. dürfen. Die vorliegende Arbeit versucht anhand zehn anonymisierter Fälle herauszuarbeiten, wel- che Institutionen involviert werden, bzw. sind und ob diese in einen logischen Prozessablauf gestellt werden können. Auch soll kurz umrissen werden, wie die verschiedenen Gesetzes- artikel aus verschiedenen Gesetzesbücher und die entsprechenden Aufgabengebiete der verschiedenen Fachdisziplinen rudimentär ineinandergreifen.

Karin Nicole Laowé Bürstl, Abstract der Masterarbeit, 2022

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexualisierte Gewalt gegen Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren Institutionelle Kontextualisierung und Orientierungshilfe für den Kanton Aargau

Verfasst von
Karin Nicole Laowé Bürstl

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3

Jahr
2022

Themen
Sexualisierte Gewalt · Jugendsexualität · Institutionelle Begleitung

Lizenz und Nachweis. Karin Nicole Laowé Bürstl: «Sexualisierte Gewalt gegen Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren Institutionelle Kontextualisierung und Orientierungshilfe für den Kanton Aargau». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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