Master of Arts in Sexologie Thesen

Hier finden Sie eine kleine Auswahl der Abschlussarbeiten des Masterstudiums in Sexologie des ISP Zürich & Uster.

Master II –  2020

Analverkehr in heterosexuellen Beziehungen

Michael Gregory Walser

Hinsichtlich der sexuellen Wahrnehmung der anal aufnehmenden Frau in heterosexuellen Beziehungen sowie ihren diesbezüglichen sexuellen Bedürfnisse und Kompetenzen existieren Forschungserkenntnisse zur sexuellen Stimulation, sexuellen Abwechslung sowie zur Beziehungsgestaltung. Entsprechend vergleichbare Erkenntnisse für den anal eindringenden Mann in heterosexuellen Beziehungen bestehen vor allem im deutschsprachigen Raum kaum. Basierend auf theoretischen Ansätzen zu Ekel und Scham, Selbstbild und Kommunikation verschafft diese Masterarbeit einen Überblick über die sexuellen Bedürfnisse, Kompetenzen und Wahrnehmungen von anal eindringenden Männern in heterosexuellen Beziehungen. Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurden qualitative Forschungsmethoden herangezogen. Unter Anwendung des Problemzentrierten Interviews nach Witzel wurden Daten aus vier Einzelinterviews erhoben und anschliessend durch das Verfahren der Grounded Theory nach Strauss und Corbin analysiert. Es konnte nachgewiesen werden, dass der eindringende Analverkehr eine spezifische, moderierende Funktion zwischen der Art und Weise der Aushandlung des eindringenden Analverkehrs einerseits und der Herausbildung und des Erhalts des Selbstbilds der Männer andererseits ausfüllt. Dieser wechselseitig von statten gehende Vorgang verdeutlicht, dass der eindringende Analverkehr für die befragten Männer vor allem seinen Reiz aus den besonderen kommunikativen und beziehungsrelevanten Bedeutungen und Bedeutungszuschreibungen innerhalb der Beziehungen zu den Sexualpartnerinnen zieht. Der eindringende Analverkehr wird somit von den befragten Männern als ein wesentlicher und emotional bedeutsamer Entwicklungs- und Qualitätsaspekt in den Beziehungen zu ihren Sexualpartnerinnen als auch für die Weiterentwicklung ihrer persönlichen Sexualität aufgefasst.

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Einfluss operativer Unterbindung auf die sexuelle Selbstsicherheit und das Selbstverständnis als Mann

Thomas Luginbühl

Die männliche Sterilisation oder Unterbindung gehört heutzutage weltweit zu den am häufigsten durchgeführten urologischen Operationen und hat in den letzten Jahrzehnten eine zunehmende Bedeutung im Rahmen der Verhütung des Mannes erlangt. Für den betroffenen Mann ist das Wissen um die Veränderung im sexuellen Erleben für seinen Entscheid für oder gegen die Operation zentral. Aus therapeutischer Sicht wird aktuell eher weniger auf die sexuellen Aspekte eingegangen. Zudem halten sich trotz medial breit verfügbarer Informationen hartnäckige Volksmythen wie „nach der OP bis du nur noch ein halber Mann“ oder „der Mann kann danach nicht mehr scharf schiessen“ oder auch „mit der Erektion und Ejakulation ist es nicht mehr wie vorher“. Ob dem wirklich so ist, darüber gibt diese Literaturrecherche und qualitative Datenerhebung ausführlich Auskunft. Insbesondere soll die Bedeutung einer allumfassenden medizinischen und sexologischen Beratung des Mannes aufgezeigt werden. Zusammenfassend muss festgestellt werden, dass die Unterbindung zwar einen Einfluss auf die postoperative sexuelle Zufriedenheit haben kann, diese aber nicht ausschliesslich von der Operation abhängt. Die aktive Entscheidungsfindung und der Bezug zum Geschlecht oder das Selbstverständnis als Mann haben ebenso grosse Bedeutung. Die bisherigen Forschungsdaten suggerieren eine sehr hohe postoperative Zufriedenheit bei niedriger Komplikationsrate, wobei sowohl die Beurteilungskriterien als auch der Zeithorizont eng gehalten werden. Doch scheinen gerade die sexuellen Gewohnheiten vor der Operation sowie die persönliche Einstellung des Patienten zur Operation eine wichtige Rolle zu spielen. Somit sind eine ganzheitliche Beurteilung und das Begleiten des Mannes hinsichtlich der langfristigen sexuellen Zufriedenheit nach einer Unterbindung äusserst wichtig.

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Online Lerntool Sexualpädagogik

Lorena Covolan 

Ziel dieser Forschungsarbeit ist den Weiterbildungsbedarf von Lehrpersonen in der schu-lischen Sexualaufklärung und die Interessen der Schüler und Schülerinnen1 zu erarbeiten, sowie ein Konzept für ein Online Lerntool für die Weiterbildung von Lehrpersonen zu ent-wickeln. Es wurden eine Literaturrecherche und für die Bedarfsanalyse teilstrukturierte Interviews mit drei Lehrpersonen durchgeführt. Darauf aufbauend wurden die Hauptthemen für das Online Lerntool identifiziert. Die Auswertung der Interviews und Literatur zeigte, dass Lehr-personen unzureichend für das Unterrichten schulischer Sexualaufklärung ausgebildet werden und dass deren Haltung zur Sexualität den Unterricht beeinflusst. Ausserdem bringt das Unterrichten schulischer Sexualaufklärung spezifische Herausforderungen mit sich. Ein möglicher Lösungsansatz dafür ist die Selbstreflexion der Lehrperson, welche von der Aus-einandersetzung mit ihrer eigenen Haltung und sexuellen Biografie profitiert. Das Online Lerntool Konzept enthält sechs Module, welche die Themen biologische Grundlagen, Ziele und Standards, Selbstreflexion, Bedürfnisse der Zielgruppe, Beziehungsebenen, Klassen-klima, Rollenverständnis der Lehrperson und sexuelle Identitäten beinhalten. Das Modul Selbstreflexion wurde aufgrund deren zentralen Bedeutung für das Unterrichten modellhaft ausgearbeitet.

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Sexuelle Unlust von Frauen im Kontext des Geschlechtsverkehrs und der Selbstbefriedigung

Lea Eisenring

Die vorliegende Masterarbeit befasst sich mit der sexuellen Unlust von Frauen. Anders als in vielen Arbeiten wird diese nicht nur auf die Paarsexualität bezogen, sondern auch auf die Selbstbefriedigung. Durch offene Leitfadeninterviews sowie einem Experteninterview wird der Frage nachgegangen, welchen Stellenwert die Selbstbefriedigung bei von sexueller Unlust betroffenen Frauen hat. Es zeigt sich, dass sowohl die Ursachen der sexuellen Unlust, das Erleben der sexuellen Unlust als auch die Gestaltung der Selbstbefriedigung sehr variantenreich sind. Die Selbstbefriedigung wird bei vielen Frauen auf eine bestimmte Art gestaltet und in immer wiederkehrendem Muster gelebt. Dieses Muster wurde seit Kindheit entwickelt und gefestigt. Zeigt sich dieses Muster sehr störungsanfällig und schwer umsetzbar, kann es in der Paarsexualität zu Problemen führen. Wird der Geschlechtsverkehr mit dem Partner oder Partnerin als wenig lustvoll erlebt und fehlen zudem andere Motive, sich auf den Geschlechtsverkehr einzulassen, kann dies die sexuelle Unlust positiv verstärken. Diese Ansicht ist für viele betroffenen Frauen zwar neu, in der Praxis jedoch häufig. Diese Erkenntnis sowie weitere Ergebnisse der vorliegenden Masterarbeit ermöglichen konkrete Hinweise für die Beratung von betroffenen Frauen.

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Master I –  2017 

Weibliche Sexualität im Kontext einer Brustentfernung (Ablatio Mammae)

Simone Dudle

In dieser Masterarbeit werden Aspekte weiblicher Sexualität und der sexuellen Gesundheit von Frauen im gebärfähigen Alter vor und nach einer Brustentfernung dargelegt und untersucht. Grundlage bilden dabei psychosomatische und sexualwissenschaftliche Ansätze wie das Modell Sexocorporel und das Konzept der Salutogenese. Es wurden zwei retrospektive Interviews mit jungen betroffenen Frauen ein Jahr nach dem Eingriff mittels teilstrukturiertem Interviewleitfaden durchgeführt. Die Ergebnisse geben Aufschluss über die Art der Veränderungen, deren Wahrnehmung durch die betroffenen Frauen sowie den Bedarf an zusätzlicher Begleitung durch eine Sexualberatung. Anhand eines Beispiels aus der Beratungspraxis der Autorin wird die Möglichkeit und die Bedeutung der Sexualberatung im Zusammenhang mit einer Brustentfernung aufgezeigt. Die Erkenntnisse aus den Interviews werden Interventionen der Sexualberatung gegenübergestellt.

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