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MA5 Masterarbeit

Das Kondom neu entdecken – Kondomnutzung durch Erotisierung

Salomé Savoy untersucht in der Masterarbeit «Das Kondom neu entdecken – Kondomnutzung durch Erotisierung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Kondome werden als Vernunftentscheidung beworben und damit gegen die Lust gestellt. Diese Arbeit dreht das um: Sie versucht, das Kondom zu erotisieren — und zeigt, dass schon kleine Veränderungen im Körpererleben spürbar wirken.

Was wurde gemacht?

Ein dreiwöchiges Online-Programm aus körperorientierten Übungen und gezielter Wissensvermittlung. Ziel war, die Wahrnehmung sexueller Erregung zu intensivieren und eine erotisch besetzte Haltung gegenüber der Kondomnutzung zu fördern.

Die Arbeit verortet sich im Feld der niederschwelligen körperorientierten sexuellen Bildung. Der theoretische Teil zeigt das Zusammenspiel von Körper und Psyche und stellt somatische Achtsamkeit sowie bewusste Körperwahrnehmung in den Zusammenhang der sexuellen Gesundheit.

Erhoben wurde über einen Vorher-Nachher-Vergleich und schriftliche Reflexionen der Teilnehmenden während der Interventionswochen, ausgewertet über eine qualitative Inhaltsanalyse.

Was hat es gebracht?

Die Ergebnisse zeigen eine gesteigerte Sinneswahrnehmung, ein intensiveres lustvolles Erleben und eine erleichterte Integration des Kondoms ins Sexualleben.

Die bewusste Auseinandersetzung mit somatischer Achtsamkeit und genitaler Sensibilisierung kann also die Wahrnehmung von Lust vertiefen und ablehnende Haltungen gegenüber dem Kondom positiv beeinflussen.

Bemerkenswert ist ein Detail: Schon kleine Veränderungen im Körpererleben hatten für die Teilnehmenden spürbare Effekte auf die sexuelle Erfahrung. Es braucht keinen grossen Eingriff.

Warum ist der Ansatz besonders?

Weil das Programm nicht nur den Schutzaspekt in den Mittelpunkt stellt, sondern das lustvolle Erleben. Damit steht es im Einklang mit dem Verständnis sexueller Gesundheit, wie es die Weltgesundheitsorganisation formuliert.

Für die Präventionsarbeit ist das ein Richtungswechsel. Statt über Risiken aufzuklären und auf Einsicht zu hoffen, wird an der Wahrnehmung gearbeitet — dort, wo die Ablehnung tatsächlich entsteht.

Wer Präventionsangebote gestaltet, findet hier ein durchgeführtes und ausgewertetes Beispiel.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Ein dreiwöchiges Programm mit einer kleinen Gruppe, ohne Kontrollgruppe, ausgewertet über Selbstauskünfte. Das erlaubt keine Wirksamkeitsaussage im klinischen Sinn.

Die Teilnehmenden haben sich zudem freiwillig für ein Programm zur Kondomnutzung gemeldet — die ablehnende Haltung, die verändert werden sollte, war bei ihnen vermutlich weniger verfestigt als bei jenen, die man erreichen müsste.

Mit 67 Seiten ist es eine der kürzesten Arbeiten der Sammlung.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 67 Seiten. Sie enthält die theoretischen Grundlagen zu Körper, Psyche und somatischer Achtsamkeit, das vollständige dreiwöchige Online-Programm sowie die Auswertung des Vorher-Nachher-Vergleichs und der schriftlichen Reflexionen.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit verortet sich im Feld der niederschwelligen körperorientierten sexuellen Bildung als Teilbereich der Sexologie. Sie umfasst einen theoretisch- konzeptionellen sowie einen praktischen Teil. Im theoretischen Teil werden zentrale Aspekte des Zusammenspiels von Körper und Psyche aufgezeigt, sowie die Bedeutung von somatischer Achtsamkeit und die bewusste Körperwahrnehmung in den Kontext der sexuellen Gesundheit gestellt. Im praktischen Teil wurde ein dreiwöchiges Online-Programm entwickelt und umgesetzt, das auf körperorientierten Übungen und gezielte Wissensvermittlung basierte. Die Intervention hatte zum Ziel die Wahrnehmung sexueller Erregung zu intensivieren und eine positivere, erotisch konnotierte Haltung gegenüber der Verwendung von Kondomen zu fördern. Zur Datenerhebung wurden ein Prä-Post-Vergleich sowie schriftliche Reflexionen der Teilnehmenden während der Interventionswochen herangezogen und mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass die Intervention zu einer gesteigerten Sinneswahrnehmung, einem intensiveren lustvollen Erleben und einer erleichterten Integration des Kondoms in das Sexualleben führte. Damit wird verdeutlicht, dass körperorientierte Ansätze in der sexuellen Bildung einen relevanten Beitrag zur Förderung einer lustvollen und selbstbestimmten Sexualität leisten können. Um alle Personengruppen sprachlich einzuschliessen, wurde in dieser Arbeit eine diversitätssensible Sprache verwendet. Dies geschieht einerseits durch geschlechtsneutrale Sammelbegriffe (z. B. Teilnehmende) und andererseits durch die Verwendung des Gendersternchens (z. B. Proband*innen, Sexualberater* Sexualberaterinnen).

Salomé Savoy, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Das Kondom neu entdecken – Die Entwicklung und Evaluation eines Programms zur Förderung der Kondomnutzung bei Männern durch Erotisierung

Verfasst von
Salomé Savoy

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Verhütung · Jugendsexualität · Körperarbeit

Lizenz und Nachweis. Salomé Savoy: «Das Kondom neu entdecken – Die Entwicklung und Evaluation eines Programms zur Förderung der Kondomnutzung bei Männern durch Erotisierung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Sexualität und Endlichkeit

Miriam Siegenthaler untersucht in der Masterarbeit «Sexualität und Endlichkeit» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Dass sich Sexualität verändert, wird meist als Verlust erlebt. Diese Arbeit prüft das Gegenteil: Kann das Bewusstsein für Vergänglichkeit die sexuelle Zufriedenheit sogar erhöhen? Ihr Ergebnis ist ein Ja mit einer klaren Bedingung.

Wie wurde das untersucht?

Der Zugang ist ungewöhnlich. Die Teilnehmerinnen — gesunde Frauen im mittleren Lebensalter — nahmen zuerst an einer sechswöchigen Schreibintervention teil, deren Ziel die ressourcenorientierte Aktivierung des Vergänglichkeitsbewusstseins in Bezug auf die eigene Sexualität war.

Erst danach folgten halbstrukturierte Interviews, in denen subjektive Erfahrungen, Bedeutungen und Reflexionen erhoben wurden — sowohl zum Zusammenhang von Vergänglichkeit und Zufriedenheit als auch zur Schreibintervention selbst.

Zugrunde liegt ein Verständnis von Sexualität als lebenslangem, lern- und entwickelbarem Prozess.

Wie wirkt das Vergänglichkeitsbewusstsein?

Über drei Wege, die die Arbeit benennt. Die Präsenz im Moment steigt. Normative Vorstellungen über Sexualität werden relativiert. Und die Selbstwirksamkeit wird gestärkt.

Alle drei sind aus der sexologischen Praxis vertraut — nur wird dort selten die Vergänglichkeit als Zugang gewählt. Der Gedanke ist eigentlich naheliegend: Wer weiss, dass etwas nicht bleibt, ist eher bereit, es jetzt zu gestalten.

Unter welcher Bedingung?

Hier liegt die entscheidende Einschränkung. Das Vergänglichkeitsbewusstsein wirkt insbesondere dann positiv, wenn die Vergänglichkeit und die damit einhergehenden Reaktionen und Emotionen akzeptiert und als Grundlage für Entwicklung verstanden werden.

Ohne diese Akzeptanz bleibt das Bewusstsein für Vergänglichkeit eine Belastung. Die Arbeit verkauft also nicht die Einsicht als Rezept, sondern die Haltung dazu.

Als offene Forschungsfrage formuliert die Autorin, unter welchen Bedingungen Vergänglichkeit tatsächlich zur Ressource wird — und inwiefern das Bewusstsein dafür eine entwicklungsbejahende Haltung fördert.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Ein qualitativ-exploratives Vorgehen mit einer kleinen Gruppe gesunder Frauen im mittleren Lebensalter. Wer sich auf eine sechswöchige Schreibintervention zur eigenen Vergänglichkeit einlässt, bringt eine besondere Bereitschaft mit.

Die Ergebnisse decken sich mit der internationalen Forschungslage, auf die sich die Autorin bezieht. Das spricht für die Richtung des Befunds — beweist ihn aber nicht.

Für die Beratungspraxis liegt der Wert in der Schreibintervention selbst: ein Format, das sich ohne grossen Aufwand anbieten lässt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 139 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu Vergänglichkeit und sexueller Zufriedenheit, die vollständige Schreibintervention, die Auswertung der Interviews sowie die abgeleiteten Möglichkeiten für weitere Forschung.

Abstract der Arbeit

Sexualität und Endlichkeit Zusammenhänge zwischen dem Bewusstsein für Vergänglichkeit und der sexuellen Zufriedenheit gesunder Frauen im mittleren Lebensalter Mittels eines qualitativ-explorativen Vorgehens wird in dieser Masterarbeit untersucht, inwiefern das Bewusstsein für Vergänglichkeit mit der sexuellen Zufriedenheit bei gesunden Frauen im mittleren Lebensalter zusammenhängt. Ausgangspunkt ist dabei ein Verständnis von Sexualität als lebenslanger, lern- und entwickelbarer Prozess. Die Teilnehmerinnen nehmen zuerst an einer sechswöchigen Schreibintervention teil, deren Ziel die ressourcenorientierte Aktivierung des Vergänglichkeitsbewusstseins in Bezug auf die Sexualität ist. Anschliessend werden im Rahmen halbstrukturierter Interviews subjektive Erfahrungen, Bedeutungen und Reflexionen erhoben, die mögliche Zusammenhänge zwischen dem Bewusstsein dafür, dass Sexualität wandelbar, fluide und veränderlich ist, und der sexuellen Zufriedenheit sowie Erkenntnisse in Bezug auf die Schreibintervention erheben. Die qualitative Inhaltsanalyse zeigt, dass durch das Vergänglichkeitsbewusstsein die sexuelle Zufriedenheit zunimmt und Vergänglichkeit von den Teilnehmerinnen als Ausgangspunkt für Entwicklung verstanden wird. In einem letzten Schritt werden aus den gewonnenen Erkenntnissen relevante Impulse für die Sexualtherapie abgeleitet. Sexuality and Finiteness Relationship between awareness of transience and sexual satisfaction in healthy, middle-aged women Using a qualitative-explorative approach, this master's thesis examines the extent to which awareness of transience is related to sexual satisfaction in healthy middle-aged women. The starting point is an understanding of sexuality as a lifelong process that can be learned and developed. The participants first take part in a six-week writing intervention, the aim of which is the resource-oriented activation of transience awareness in relation to sexuality. Subsequently, subjective experiences, meanings and reflections are collected in semi-structured interviews, which explore possible connections between the awareness that sexuality is changeable and fluid and sexual satisfaction as well as findings in relation to the writing intervention. The qualitative content analysis shows that sexual satisfaction increases as a result of transience awareness and that transience is understood by the participants as a starting point for development. In a final step, relevant impulses for sex therapy are derived from the findings.

Miriam Siegenthaler, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexualität und Endlichkeit – Zusammenhänge zwischen dem Bewusstsein für Vergänglichkeit und der sexuellen Zufriedenheit gesunder Frauen im mittleren Lebensalter

Verfasst von
Miriam Siegenthaler

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexuelle Zufriedenheit · Verhütung · Selbstwirksamkeit

Lizenz und Nachweis. Miriam Siegenthaler: «Sexualität und Endlichkeit – Zusammenhänge zwischen dem Bewusstsein für Vergänglichkeit und der sexuellen Zufriedenheit gesunder Frauen im mittleren Lebensalter». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

How to Keep it Hot – die Vielfalt des sexuellen Begehrens

Stephanie Dietrich untersucht in der Masterarbeit «How to Keep it Hot – die Vielfalt des sexuellen Begehrens» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Wenn ein Paar unterschiedlich viel Lust hat, lautet der übliche Rat: an der Beziehung arbeiten, mehr Nähe, mehr Intimität. Diese Untersuchung mit 149 Personen findet das Gegenteil. Wer vor allem aus emotionalen Gründen Sex hat, berichtet von weniger Begehren, weniger Zufriedenheit — und erlebt Unterschiede im Verlangen häufiger als Problem.

Worum geht es bei sexuellen Motiven?

Sexuelle Motive sind die Gründe, aus denen Menschen Sex haben. Die Arbeit unterscheidet vier Kategorien: genitale Annäherung (Lust, Erregung, körperliches Verlangen), emotionale Annäherung (Nähe, Verbundenheit, Bestätigung), genitale Vermeidung und emotionale Vermeidung.

Der Blick auf die Motive ist doppelt aufschlussreich. Er zeigt, welche Reize in der sexuellen Lerngeschichte einer Person mit Erregung und Genuss verknüpft wurden — und er hängt messbar mit Begehren, Zufriedenheit und Häufigkeit zusammen.

Was die Zahlen zeigen

Befragt wurden 55 Männer und 94 Frauen in verbindlichen Partnerschaften über einen eigens entwickelten Fragebogen.

Das sexuelle Begehren unterscheidet sich zwischen den Geschlechtern statistisch bedeutsam, mit einem mittleren Effekt. Bei der Zahl der genannten Motive gibt es dagegen keinen bedeutsamen Unterschied — Frauen nennen im Schnitt sogar etwas mehr.

Der Unterschied liegt in der Zusammensetzung. Genitale Annäherungsmotive machen bei Männern im Schnitt knapp 65 Prozent des persönlichen Motivprofils aus, bei Frauen gut 53 Prozent. Emotionale Vermeidungsmotive wählen Frauen deutlich häufiger.

Der überraschende Befund

Genitale Annäherungsmotive hängen am stärksten mit hohem Begehren zusammen — und ebenso mit sexueller Zufriedenheit, mit der Häufigkeit in der Paarbeziehung und damit, dass Unterschiede im Verlangen unproblematisch erlebt werden.

Für emotionale Annäherungsmotive gilt das Umgekehrte. Je stärker sie das Motivprofil prägen, desto geringer sind Begehren und Zufriedenheit — und desto eher wird eine Begehrensdiskrepanz als Problem erlebt. Die Autorin zieht daraus einen unbequemen Schluss: Die paartherapeutische Bearbeitung von Begehrensproblemen über Nähe und gemeinsame Intimität greift zu kurz.

Ihr Gegenvorschlag ist konkret: Eine therapeutische Arbeit an der Beziehung zur eigenen Genitalität dürfte das Erleben der gemeinsamen Paarsexualität positiver beeinflussen.

Was heisst das für die Paarberatung?

Entscheidend für die sexuelle Zufriedenheit ist nach dieser Untersuchung nicht, ob zwei Menschen gleich viel Lust haben. Entscheidend ist, ob der Unterschied als stimmig und unproblematisch erlebt wird. Paare, die ihn als Problem wahrnehmen, sind mit Beziehung und Paarsexualität tendenziell weniger zufrieden.

Damit verschiebt sich das Beratungsziel. Statt die Häufigkeit anzugleichen, geht es darum, wie das Paar die Differenz deutet — und darum, wie jede Person für sich zur eigenen Erregung und Genitalität steht.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Die Stichprobe umfasst 149 Personen und ist damit für eine Masterarbeit gross, aber es handelt sich um eine Gelegenheitsstichprobe, nicht um eine repräsentative Auswahl. Der Fragebogen wurde für diese Arbeit neu entwickelt und in einem Probelauf getestet; ein etabliertes, validiertes Instrument ist er nicht.

Die Zusammenhänge sind Korrelationen. Ob genitale Annäherungsmotive das Begehren stärken oder ob starkes Begehren solche Motive hervorbringt, lässt sich aus Querschnittsdaten nicht entscheiden. Die Effektstärken liegen im schwachen bis mittleren Bereich.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 125 Seiten und ist auf Englisch verfasst. Sie enthält den Forschungsstand zum Auf und Ab des Begehrens in festen Partnerschaften, die Darstellung des Ansatzes Sexocorporel in der Arbeit mit Begehrensanliegen, den entwickelten Fragebogen und die vollständige statistische Auswertung.

Abstract der Arbeit

The master thesis on hand tries to convey the status of current research concerning the ebb and flow of sexual desire in committed relationships. At that, it will explore the connection between sexual desire and sexual satisfaction with a special focus on couples who observe incongruences in desire for sexual connection in their relationship. In addition, it will contemplate and examine the sexual motives and how they influence sexual experiences of people in committed relation- ships. In the following passages the thesis at hand attempts to describe the approach Sexocorporel and how it is employed in sex therapy with clients who want to work on challenges with their sexual desire. A questionnaire was constructed, derived from findings of current research and the frame of reference the approach Sexocorporel offers. To capture sexual desire in a resource- and solution-focused manner according to the approach Sexocorporel, while also taking the multifactorial composition of sexual desire in committed relationships into account, was the goal of said questionnaire. Furthermore, the survey was constructed to investigate the connec- tion between sexual motives that form the basis of sexual desire, and sexual satisfaction in committed couples. The questionnaire was tested in a trial run and afterwards used in an opportunity sample. It was found that there are connections between sexual motives and sexual desire, sexual satisfaction and how problematic sexual incongruences were perceived in committed couples. Some of these connections were gender-specific in their peculiarity and can shape how clients can be approached in sex therapy.

Stephanie Dietrich, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
How to Keep it Hot – Von der Vielfalt des sexuellen Begehrens nach dem Ansatz Sexocorporel

Verfasst von
Stephanie Dietrich

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Sexuelles Verlangen · Paarsexualität · Verhütung · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Stephanie Dietrich: «How to Keep it Hot – Von der Vielfalt des sexuellen Begehrens nach dem Ansatz Sexocorporel». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Das Erleben der eigenen Person in der sexuellen Fantasie

Martina Güdel untersucht in der Masterarbeit «Das Erleben der eigenen Person in der sexuellen Fantasie» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Eine Frau, die ihren Körper beim Sex aktiv einsetzt und ein erotisiertes Verhältnis zum eigenen Geschlecht hat, findet sich in ihren Fantasien kaum in einem unbewegten Szenario der Unterwerfung wieder. Das ist die These dieser Arbeit — und sie verschiebt die Frage weg vom Inhalt der Fantasie hin zur eigenen Position darin.

Warum die eigene Position und nicht der Inhalt?

Weil der Inhalt einer Fantasie wenig darüber sagt, wie jemand sich selbst erlebt. Die Autorin untersucht stattdessen, wie sich die Person in ihrer eigenen Fantasie erlebt — als Spiegel der inneren Selbstwahrnehmung.

Ausgangspunkt ist eine Annahme des Modells Sexocorporel: Der Einsatz des Körpers bei der Erregung — über die drei Dimensionen Muskelspannung, Bewegung und Atmung sowie die Stimulation unterschiedlicher Rezeptoren — steht in Wechselwirkung mit dem Auftreten und den Inhalten sexueller Fantasien.

In der Beratung wird meist über den Inhalt gesprochen. Die Frage nach der eigenen Position darin wird selten gestellt.

Was zeigt die Untersuchung?

Es gibt Hinweise darauf, dass sexuelle Fantasien eng mit dem körperlichen Geschehen verbunden sind — und zwar nicht nur mit der Erregung, sondern auch mit den spezifischen Stimulationsmustern, den Körperhaltungen und der gesamten Sensumotorik.

Die Autorin ordnet das in den grösseren Rahmen ein: Phänomene, bei denen geistige Aktivität körperliche Folgen hat und umgekehrt, sind nicht isoliert zu betrachten, sondern im Kontext der Körper-Hirn-Einheit.

Daraus folgt ihre zugespitzte These: Vor dem Hintergrund der Embodimentforschung, der klinischen Erfahrung mit dem Modell und ihrer eigenen Befunde ist eher nicht davon auszugehen, dass eine Frau mit stark erotisiertem sexuellem Archetyp, intensiver Auseinandersetzung mit dem eigenen Geschlecht und aktiver Bewegung beim Sex sich in ihren Fantasien in einem unbewegten Unterwerfungsszenario wiederfindet.

Was heisst das für die Beratung?

Wenn Körperdynamik und Fantasieposition zusammenhängen, ist die Fantasie ein diagnostischer Zugang — besonders dort, wo sich über den Körper schwer sprechen lässt.

Zugleich entlastet die These. Wer sich in seinen Fantasien in einer Rolle wiederfindet, die er ablehnt, muss das nicht als Wunsch deuten. Es kann auf eine Körperdynamik verweisen, an der sich arbeiten lässt.

Damit steht diese Arbeit neben jener von Debora Dürst, die denselben Zusammenhang von der anderen Seite her untersucht — über die Muskelspannung.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Sechs qualitative Interviews mit erwachsenen Cis-Frauen. Die Autorin spricht durchgehend von Hinweisen, nicht von Nachweisen — und ihre zentrale These formuliert sie ausdrücklich als Wahrscheinlichkeitsaussage.

Diese Vorsicht ist angebracht. Sechs Interviews können einen Zusammenhang plausibel machen, nicht belegen. Was die Arbeit leistet, ist eine gut begründete Hypothese, die sich prüfen liesse.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 117 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu sexuellen Fantasien und Embodiment, die Herleitung aus dem Modell Sexocorporel sowie die vollständige Auswertung der sechs Interviews.

Abstract der Arbeit

Das Erleben der eigenen Person in der sexuellen Fantasie – Eine empirische Un- tersuchung zum persönlichen Erleben sexueller Fantasien bei erwachsenen Cis- Frauen und deren Zusammenhang mit der Art und Weise der Erregungssteigerung. Diese Masterarbeit untersucht das Erleben der eigenen Person in sexuellen Fanta- sien und deren Zusammenhang mit der Art und Weise der Erregungssteigerung. Ausgehend von der theoretischen und praxisgeprüften Annahme des Modells Sexocorporel, das davon ausgeht, dass der Einsatz des Körpers in der sexuellen Erregung – mit Fokus auf die drei Dimensionen des Körpers (Muskelspannung, Be- wegung, Atmung) und der Stimulation unterschiedlichster Rezeptoren – in Wech- selwirkung mit dem Auftreten und den Inhalten sexueller Fantasien steht, wurde das Erleben des eigenen Selbst in der sexuellen Fantasie als Spiegel der inneren Selbstwahrnehmung untersucht. In sechs qualitativen Interviews wurden die drei Hauptfragestellungen erforscht und die zugrunde liegenden Annahmen geprüft.

Martina Güdel, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Das Erleben der eigenen Person in der sexuellen Fantasie : Eine empirische Untersuchung zum persönlichen Erleben sexueller Fantasien bei erwachsenen Cis-Frauen und deren Zusammenhang mit der Art und Weise der Erregungssteigerung

Verfasst von
Martina Güdel

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Sexuelle Fantasien · Pornografie · Verhütung · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Martina Güdel: «Das Erleben der eigenen Person in der sexuellen Fantasie : Eine empirische Untersuchung zum persönlichen Erleben sexueller Fantasien bei erwachsenen Cis-Frauen und deren Zusammenhang mit der Art und Weise der Erregungssteigerung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

«Die goldene Mitte» – ein Workshop zu den Wechseljahren

Monika Nänni untersucht in der Masterarbeit «‹Die goldene Mitte› – ein Workshop zu den Wechseljahren» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Wie Frauen die Wechseljahre erleben, hängt nicht nur an den Hormonen. Die Selbstakzeptanz und die Einstellung zu dieser Lebensphase lassen sich beeinflussen — und beide wirken darauf, wie stark die Symptome belasten. Diese Arbeit hat daraus ein dreiteiliges Bildungsprogramm gebaut, es mit elf Frauen durchgeführt und ausgewertet, was sich verändert hat.

Was wollen Frauen in den Wechseljahren wissen?

Vor dem Programm wurden die elf Teilnehmerinnen nach ihren Erwartungen gefragt. Acht wollten schlicht mehr über die Wechseljahre erfahren — um gewappnet zu sein, oder um mit Mythen aufzuräumen.

Sechs wünschten sich den Austausch mit anderen Frauen und wollten wissen, wie es diesen ergeht. Je drei interessierten sich für Methoden zur Bewältigung der Symptome und für den medizinischen Hintergrund und die Hormone. Je eine wollte wissen, was von dieser Lebensphase zu erwarten sei und wie gesundes Altern geht.

Diese Verteilung ist selbst ein Ergebnis: Der grösste Bedarf liegt bei Wissen und Austausch, nicht bei Therapie.

Wie ist das Programm aufgebaut?

Die dreiteilige Workshopreihe «Die goldene Mitte» verbindet biomedizinisches und psychosoziales Wissen mit Achtsamkeitstraining und körperorientierten Methoden.

Konkret heisst das: stille Atemmeditation zum Ankommen, Bewegungs- und Aufwärmspiele, Reflexion über das bisher Geleistete und darüber, was in die neue Lebensphase mitgenommen und was zurückgelassen werden soll. Eine gemeinsam gefüllte «Schatzkiste» sammelt Ideen zur Selbstfürsorge für Zeiten der Erschöpfung. Zum Abschluss schreiben die Frauen einander Komplimente.

Eine der wirksamsten Übungen war die einfachste: den eigenen nackten Körper im Spiegel betrachten.

Was hat sich verändert?

Die Auswertung erfolgte über Fragebogen vor und nach der Reihe sowie eine Gruppendiskussion — und sie unterscheidet sorgfältig, was sich bewegt hat und was nicht.

Verändert hat sich die Selbstakzeptanz: höhere Zufriedenheit mit sich selbst, mehr Achtung vor der eigenen Person, eine wohlwollendere Haltung. Über den Zugang der Achtsamkeit wurde der eigene Körper weniger bewertet. Nebenbei entstand ein praktischer Nutzen — wer Körperempfindungen bewusster wahrnimmt, erkennt und ordnet Symptome besser ein.

Nicht verändert hat sich die Akzeptanz des eigenen Aussehens: Sämtliche Teilnehmerinnen bewerteten sie vorher und nachher gleich. Die Autorin nennt drei mögliche Gründe und behauptet keinen Erfolg, wo keiner messbar war.

Bei der Einstellung zu den Wechseljahren fällt das Ergebnis deutlicher aus. Die Frauen kommen nachweislich besser mit dieser Lebensphase zurecht, bewerten das Gefühl einer Frau in der Perimenopause als wertvoller und attraktiver und fühlen sich durch den Wissenszuwachs gelassener — vor allem, weil sie den Symptomen nicht mehr hilflos ausgeliefert sind.

Was war den Teilnehmerinnen am wichtigsten?

Nicht das Wissen, sondern die anderen Frauen. Sieben von elf nannten den Austausch als besonders wertvoll. Eine fasste es so zusammen: mit dem Thema nicht mehr alleine zu sein.

Ebenso viele empfanden die Wissensvermittlung als sehr informativ, sechs lobten die Mischung der Inhalte. Für alle, die selbst ein Angebot zu den Wechseljahren planen, ist das der wichtigste Hinweis: Der Gruppenraum ist nicht Beiwerk zum Inhalt, er ist ein Teil davon.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Elf Teilnehmerinnen, kein Kontrollgruppendesign, Erhebung über selbst ausgefüllte Fragebogen und eine Gruppendiskussion — durchgeführt und ausgewertet von derselben Person, die das Programm entwickelt hat.

Die Arbeit geht damit offen um und benennt ihre Grenzen in einem eigenen Kapitel. Was sie liefert, ist ein vollständig dokumentiertes, erprobtes Konzept samt Rückmeldungen — nicht der Wirksamkeitsnachweis einer Methode.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 158 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zur Perimenopause aus medizinischer und psychosozialer Sicht, das ausgearbeitete Workshop-Konzept mit vollständigem Ablaufplan und Quellenangaben zu jeder Übung sowie die komplette Auswertung.

Abstract der Arbeit

Die Perimenopause ist ein komplexes Phänomen. Neben hormonellen Veränderun- gen wirken sich auch psychosoziale und kulturelle Einflüsse auf das Erleben der Wechseljahre und die Sexualität aus. Die vorliegende Masterarbeit untersucht, wel- chen Anforderungen ein Angebot sexueller Bildung entsprechen muss, um Frauen während den Wechseljahren in ihrem psychosozialen Wohlbefinden zu unterstüt- zen. Aus der Forschung zeigen sich die Selbstakzeptanz und die Einstellung ge- genüber den Wechseljahren als beeinflussbare Faktoren, die einen positiven Ein- fluss auf das Erleben der Perimenopause und den Umgang mit Symptomen ausü- ben können. In der Konzeption der 3-teiligen Workshopreihe «Die goldene Mitte» wird die Selbstakzeptanz gestärkt durch die Vermittlung von biomedizinischem, wie auch psychosozialem Wissen, Achtsamkeitstraining und körperorientierten Metho- den. Die Verarbeitung von Erfahrungen auf der kognitiven, emotionalen und sozia- len Ebene sowie der Austausch mit anderen Frauen und das Erkennen eigener Ressourcen verbessern die Einstellung gegenüber den Wechseljahren und gegen- über dem Altern. Das Bildungsprogramm wird mit elf perimenopausalen Frauen durchgeführt und mittels Pre- und Post-Fragebogen sowie einer Gruppendiskussion ausgewertet. Die Evaluation der schriftlichen Rückmeldungen und die Ergebnisse der qualitativen Inhaltsanalyse zeigen, dass sich sowohl die Selbstakzeptanz als auch die Einstellung gegenüber den Wechseljahren bei den Teilnehmerinnen posi- tiv verändert haben. Damit stellt das sexuelle Bildungsprogramm «Die goldene Mitte» eine wirksame Massnahme zur Förderung der sexuellen Gesundheit von Frauen in der Perimenopause dar.

Monika Nänni, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
«Die goldene Mitte» – ein Workshop zu den Wechseljahren. Der Einfluss gezielter sexueller Bildung auf die Selbstakzeptanz von Frauen in der Perimenopause und ihre Einstellung dazu

Verfasst von
Monika Nänni

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Wechseljahre · Körperarbeit · Verhütung

Lizenz und Nachweis. Monika Nänni: «‹Die goldene Mitte› – ein Workshop zu den Wechseljahren. Der Einfluss gezielter sexueller Bildung auf die Selbstakzeptanz von Frauen in der Perimenopause und ihre Einstellung dazu». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Sex im Rausch – Chemsex aus sexologischer Sicht

Laura Tschuor untersucht in der Masterarbeit «Sex im Rausch – Chemsex aus sexologischer Sicht» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Wer Chemsex praktiziert, beschreibt Sex ohne Substanzen als langweilig und nicht erfüllend. Das ist der übereinstimmende Befund dieser Arbeit — und daraus folgt ein therapeutischer Ratschlag, der auf den ersten Blick verkehrt wirkt: Sexualität am Anfang der Behandlung gerade nicht zum Thema zu machen.

Was ist Chemsex?

Gezielter Substanzkonsum im sexuellen Kontext von Männern, die Sex mit Männern haben. Die Arbeit untersucht, wie sich der Konsum auf das sexuelle Erleben auswirkt, wie Sexualität ohne Substanzen erlebt wird und aus welchen Motiven Chemsex praktiziert wird.

Grundlage sind semistrukturierte Interviews mit Männern, die Chemsex praktizieren oder praktiziert haben. Auf Anlaufstellen geht die Arbeit ausdrücklich ein — angesichts der Risiken hochpotenter Substanzen ist das keine Nebensache.

Was verändert der Konsum?

Die Substanzen intensivieren sexuelles Verlangen und Wahrnehmung. Bei hochpotenten Drogen geht die Unterscheidung zwischen sexuellem Erleben und Rauscherleben verloren — beides ist nicht mehr trennbar.

Die Aussagen der Befragten stimmen dabei auffallend stark überein und zeigen wenig Varianz. Sexualität ohne Substanzen wird als langweilig und nicht erfüllend wahrgenommen.

Genau darin liegt die therapeutische Schwierigkeit. Wer den Konsum beenden will, steht vor einer Sexualität, die sich im Vergleich flach anfühlt — und das ist kein Motivationsproblem, sondern eine Folge dessen, was im Belohnungssystem gekoppelt wurde.

Warum zuerst nicht über Sexualität sprechen?

Hier liegt die praktisch wichtigste Empfehlung der Arbeit. Bei einem Wunsch nach Drogenabstinenz kann eine sexologische Beratung die Suchttherapie unterstützen — für Achtsamkeit und Wahrnehmung. Zu Beginn aber ausdrücklich ohne Einbezug der Sexualität, um das Verlangen nach der Droge nicht auszulösen.

Die Arbeit stützt sich dabei auf David Fawcett, der die Bedeutung sexueller Abstinenz betont: Sie soll die Entkopplung von Substanzen und Sex in den Hirnstrukturen ermöglichen.

Erst zu gegebener Zeit lassen sich die eigentlichen sexologischen Themen bearbeiten — die Erotisierung des eigenen Geschlechts und die Fähigkeit, über den eigenen Körper Erregung zu steigern und als lustvoll zu erleben. Beides setzt voraus, dass Körperwahrnehmung überhaupt wieder möglich ist.

Was braucht die begleitende Fachperson?

Die Arbeit ist an dieser Stelle ungewöhnlich deutlich. Erstens: Wissen über die Substanzen, ihre Wirkung und die Risikofaktoren. Zweitens: die eigenen Grenzen und die Grenzen der Sexologie kennen und andere Fachbereiche beiziehen.

Drittens — und das ist der heikelste Punkt — muss sich die begleitende Person über ihre eigene Haltung zu Homosexualität, Homonegativität und Grenzüberschreitungen im Klaren sein. Ohne diese Klärung entsteht kein wertfreier Raum.

Die Autorin beschreibt im Schlusswort eine Welt, die von der normativen Gesellschaft ausgegrenzt wird und in der Offenheit keine Selbstverständlichkeit ist. Ihr Schluss: Es braucht Sensibilisierung bei Fachpersonen und einen Raum, in dem gefragt und gesprochen werden kann.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Semistrukturierte Interviews mit einer kleinen Zahl von Männern, ausgewertet nach Mayring. Die Autorin hält selbst fest, dass sich keine allgemeingültige Aussage zur therapeutischen Herangehensweise ableiten lässt.

Die hohe Übereinstimmung der Aussagen ist dabei zweischneidig: Sie spricht für ein stabiles Muster — und sie kann auch daran liegen, dass sich für ein solches Gespräch nur eine bestimmte Gruppe zur Verfügung stellt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 76 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu Chemsex mit Substanzkunde und Risikofaktoren, die vollständige Auswertung der Interviews, den Verweis auf Anlaufstellen und die Ableitungen für die sexualtherapeutische Begleitung.

Abstract der Arbeit

Das Phänomen Chemsex – gezielter Substanzkonsum im sexuellen Kontext von Männern, die Sex mit Männern haben. In der vorliegenden Arbeit wird untersucht, wie sich der Substanzkonsum auf das sexuelle Erleben und die Sexualität ohne Substanzen auswirkt und aus welchen Motiven Chemsex praktiziert wird. Mithilfe semistrukturierter Interviews mit Männern, die Chemsex praktizieren oder praktiziert haben, werden diese Fragen beleuchtet. Aufgrund der hohen Risikofaktoren dieses Phänomens wird ebenfalls auf entsprechende Anlaufstellen Bezug genommen. Der Substanzkonsum intensiviert das sexuelle Verlangen und die Wahrnehmung. Durch den Konsum hochpotenter Drogen wird eine Unterscheidung zwischen sexuellem Erleben und Rauscherleben unmöglich. Die Aussagen der Probanden zeigen eine hohe Übereinstimmung und wenig Varietät. Die Sexualität ohne Substanzen wird als langweilig und nicht erfüllend wahrgenommen. Eine Sensibilisierung für Chemsex bei Fachpersonen ist notwendig; es sollte ein Raum für Aufklärung, Gespräche und Fragen geschaffen werden. The phenomenon of chemsex – targeted substance use in the sexual context of men, who have sex with men. This study examines the effects of substance use on sexual experience and sexuality without substances and the motives for practicing chemsex. Semi- structured interviews with men who practice or have practiced chemsex are used to shed light on these questions. Due to the high risk factors of this phenomenon, reference is also made to appropriate contact points. Substance use intensifies sexual desire and perception. The use of highly potent drugs makes it impossible to distinguish between sexual experience and intoxication. The subjects' statements show a high degree of agreement and little variation. Sexuality without substances is perceived as boring and unfulfilling. Professionals need to be made more aware of chemsex; a space should be created for education, discussions and questions.

Laura Tschuor, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Sex im Rausch : Eine sexologische Sicht auf Chemsex anhand des Modells Sexocorporel

Verfasst von
Laura Tschuor

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Chemsex & Substanzen · Geschlecht & Identität · Verhütung

Lizenz und Nachweis. Laura Tschuor: «Sex im Rausch : Eine sexologische Sicht auf Chemsex anhand des Modells Sexocorporel». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Einfluss der Vasektomie auf sexuelle Selbstsicherheit und Selbstverständnis als Mann

Thomas Luginbühl untersucht in der Masterarbeit «Einfluss operativer Unterbindung auf die sexuelle Selbstsicherheit und» am ISP. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Vier Männer, die sich unterbinden liessen, wurden vor und nach dem Eingriff ausführlich befragt. Keiner berichtete von einer Einbusse. Drei erlebten in den Wochen danach eine stärkere Libido, einer nahm seinen ganzen Körper empfindsamer wahr — und Erektion, Ejakulation und Orgasmusgefühl blieben bei allen unverändert. Die Angst, nach der Operation «nur noch ein halber Mann» zu sein, findet in dieser Arbeit keine Grundlage.

Verändert eine Vasektomie das sexuelle Erleben?

Die vier Befragten beschrieben die Zeit nach dem Eingriff übereinstimmend als unproblematisch. Die sexuelle Pause fiel kürzer aus, als der Autor erwartet hatte: Selbstbefriedigung war teils schon am Folgetag möglich, Geschlechtsverkehr nach wenigen Tagen bis einer Woche.

Mehrere Männer berichteten von einer intensiveren Wahrnehmung ihres Genitales und einer gesteigerten genitalen Erregbarkeit. Drei erlebten eine stärkere Libido und entsprechend mehr sexuelle Aktivität — ein Effekt, der nach einigen Wochen wieder abklang. Als Grund vermuten sie nicht die Operation selbst, sondern das, was sie ermöglicht: sexuelle Freiheit, keine Verhütungssorgen, keine Unterbrüche.

Erektile Funktion, Ejakulation und Orgasmusgefühl gaben alle vier als unverändert an. Das deckt sich mit der wissenschaftlichen Datenlage. Einzig ein Kandidat hatte nach einer Wundinfektion eine Woche ohne Libido und Erektionen und danach für einige Wochen ein unangenehmes Ziehen im Hodensack.

Woher kommen die Mythen?

Die Antwort liegt in der Geschichte des Eingriffs. Die Unterbindung wurde im 19. Jahrhundert eingeführt, als sie im Volksmund noch weitgehend mit der Kastration gleichgesetzt wurde. Der anatomische Unterschied — durchtrennt wird allein der Samenleiter — war nur Fachleuten bewusst.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde sie als Verjüngungsoperation beworben, als Jungbrunnen für die männliche Potenz; Sigmund Freud soll sich ihr beim Pionier Eugen Steinach unterzogen haben. Danach kam der Einsatz im Rahmen von Euthanasie und Rassenhygiene, nicht nur in NS-Deutschland. Erst gegen Mitte des Jahrhunderts setzte sie sich als Verhütungsmethode durch.

Was blieb, sind Sätze wie «nach der OP bist du nur noch ein halber Mann» oder «der Mann kann danach nicht mehr scharf schiessen». Wie eng Männlichkeit und Zeugungsfähigkeit verknüpft werden, zeigt sich auch an den Operationszahlen: In stark patriarchal geprägten Kulturen wird die Unterbindung praktisch nicht angewendet.

Was entscheidet über die Zufriedenheit danach?

Nicht der Eingriff, sondern der Weg dorthin. Bei allen vier Männern zeigte der Entscheidungsprozess dieselben Merkmale: klare familiäre, situative und wirtschaftliche Beweggründe, eine ausreichende Entscheidungszeit von meist einem halben bis einem ganzen Jahr, ein Hinterfragen der eigenen Motivation und offene Kommunikation in der Partnerschaft. Keiner fühlte sich zur Operation gedrängt.

Ein Kandidat sagte, ihm sei die Tragweite seines Entscheids erst durch das sexologische Vorgespräch richtig bewusst geworden. Nachträgliche Zweifel wertet die Arbeit nicht als Fehlentscheid, sondern als Teil eines Abschiedsprozesses: Der Mann nimmt Abschied von der Zeugungsfähigkeit, und das kann von Zweifel, Melancholie und Freude zugleich begleitet sein.

Auf den Bezug zum eigenen Geschlecht hatte die Unterbindung keinen negativen Einfluss. Im Gegenteil — die Männer beschrieben einen Gewinn an sexueller Freiheit, eine Aufwertung ihrer Rolle als Partner und eine bessere Qualität der Paarsexualität. Penis und Hodensack sind optisch unverändert; die sichtbaren Pfeiler des männlichen Selbstverständnisses stehen also gar nicht zur Debatte.

Was heisst das für die Beratung?

Der Autor ist selbst Urologe und hat drei der vier Kandidaten operiert. Seine Folgerung richtet sich entsprechend an die eigene Zunft: Die medizinische Aufklärung über Risiken und Ablauf reicht nicht.

Was zählt, ist die Auseinandersetzung mit dem Entscheid — mit der Eigenmotivation, mit dem Abschied von der Zeugungsfähigkeit, mit den Erwartungen an das eigene Sexualleben danach. Diese Fragen stellt heute in der Sprechstunde kaum jemand. Für Männer, die zwischen Kondom, Coitus interruptus und einer Unterbindung wählen — mehr Optionen gibt es derzeit nicht —, ist das die entscheidende Lücke.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier Männer sind keine repräsentative Stichprobe, und das gilt umso mehr, als der Autor drei von ihnen selbst unterbunden hat. Wer den eigenen Patienten Fragen zur Zufriedenheit stellt, erhält andere Antworten als eine unbeteiligte Person. Die Arbeit ergänzt die Interviews deshalb mit einer ausführlichen Literaturrecherche.

Auch dort liegt eine Einschränkung: Die Forschungsdaten zeigen zwar sehr hohe Zufriedenheit bei niedriger Komplikationsrate, arbeiten aber mit eng gefassten Kriterien und kurzen Zeiträumen. Und noch eine Beobachtung der Arbeit verdient Beachtung: Die Partnerinnen haben sich über die Sexualität nach dem Eingriff nicht beklagt — aktiv gefragt hat sie allerdings auch niemand.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 115 Seiten. Sie enthält die medizinischen Grundlagen der Unterbindung, ihre Geschichte, den Forschungsstand zur postoperativen Zufriedenheit sowie die vollständigen Interviews mit der sexologischen Gruppe und der Kontrollgruppe.

Abstract der Arbeit

Die männliche Sterilisation oder Unterbindung gehört heutzutage weltweit zu den am häufigsten durchgeführten urologischen Operationen und hat in den letzten Jahrzehnten eine zunehmende Bedeutung im Rahmen der Verhütung des Mannes erlangt. Für den betroffenen Mann ist das Wissen um die Veränderung im sexuellen Erleben für seinen Entscheid für oder gegen die Operation zentral. Aus therapeutischer Sicht wird aktuell eher weniger auf die sexuellen Aspekte eingegangen. Zudem halten sich trotz medial breit verfügbarer Informationen hartnäckige Volksmythen wie „nach der OP bis du nur noch ein halber Mann“ oder „der Mann kann danach nicht mehr scharf schiessen“ oder auch „mit der Erektion und Ejakulation ist es nicht mehr wie vorher“. Ob dem wirklich so ist, darüber gibt diese Literaturrecherche und qualitative Datenerhebung ausführlich Auskunft. Insbesondere soll die Bedeutung einer allumfassenden medizinischen und sexologischen Beratung des Mannes aufgezeigt werden. Zusammenfassend muss festgestellt werden, dass die Unterbindung zwar einen Einfluss auf die postoperative sexuelle Zufriedenheit haben kann, diese aber nicht ausschliesslich von der Operation abhängt. Die aktive Entscheidungsfindung und der Bezug zum Geschlecht oder das Selbstverständnis als Mann haben ebenso grosse Bedeutung. Die bisherigen Forschungsdaten suggerieren eine sehr hohe postoperative Zufriedenheit bei niedriger Komplikationsrate, wobei sowohl die Beurteilungskriterien als auch der Zeithorizont eng gehalten werden. Doch scheinen gerade die sexuellen Gewohnheiten vor der Operation sowie die persönliche Einstellung des Patienten zur Operation eine wichtige Rolle zu spielen. Somit sind eine ganzheitliche Beurteilung und das Begleiten des Mannes hinsichtlich der langfristigen sexuellen Zufriedenheit nach einer Unterbindung äusserst wichtig.

Thomas Luginbühl, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Einfluss operativer Unterbindung auf die sexuelle Selbstsicherheit und das Selbstverständnis als Mann Zusammenhänge zwischen der Entscheidung zur Unterbindung und der Bedeutung der Sexualberatung im präoperativen und postoperativen Zeitraum

Verfasst von
Thomas Luginbühl

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Operative Eingriffe · Verhütung · Sexuelle Zufriedenheit

Lizenz und Nachweis. Thomas Luginbühl: «Einfluss operativer Unterbindung auf die sexuelle Selbstsicherheit und das Selbstverständnis als Mann Zusammenhänge zwischen der Entscheidung zur Unterbindung und der Bedeutung der Sexualberatung im präoperativen und postoperativen Zeitraum». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Die gestützte Selbstbeobachtung des weiblichen Zyklus

Caroline Fux untersucht in der Masterarbeit «Die gestützte Selbstbeobachtung des weiblichen Zyklus» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Drei Frauen kolorierten einen Zyklus lang täglich zehn Minuten Malvorlagen zum Thema Menstruation. Danach war ihr Bewusstsein für Zyklus und Genital deutlich gestiegen — die Menstruationsbeschwerden aber unverändert. Diese Arbeit berichtet beides und benennt zudem eine Bedingung, die leicht zu übersehen ist.

Was wurde gemacht?

Drei Frauen, die gewöhnlich unter starken Menstruationsbeschwerden leiden, malten über einen ganzen Zyklus hinweg täglich zehn Minuten in einem Malbuch mit Bildern zum Thema Menstruation.

Vor und nach diesem Zyklus wurden sie zu Menstruation, Zyklus und genitalem Selbstbild befragt; die Gespräche wurden qualitativ inhaltsanalytisch ausgewertet, ergänzt durch einen Fragebogen.

Die Zeitvorgabe hat sich als sinnvoll bemessen erwiesen. Zehn Minuten reichen, um in die Tätigkeit einzutauchen und von der entspannenden Wirkung zu profitieren.

Was hat sich verändert — und was nicht?

Das Bewusstsein für den eigenen Zyklus und das eigene Genital stieg deutlich, und die Frauen bewerteten das positiv. Auch verschiedene Bewertungen in den Bereichen Zyklus, Menstruation und genitales Selbstbild verbesserten sich.

Auf die Menstruationsbeschwerden hatte das Malen nach Angabe der Teilnehmerinnen keinen Einfluss. Die Arbeit verspricht also keine medizinische Wirkung — und das ist ein Vorzug.

Was die Frauen hervorhoben: Das tägliche Malen über den ganzen Zyklus wirkte entspannend und zentrierend.

Die Bedingung, die leicht übersehen wird

Die Autorin formuliert ihre Schlussfolgerung mit einer Einschränkung, die für jede Anwendung entscheidend ist: Die positiven Effekte zeigten sich, wenn das Malen durch ein Rahmenprogramm begleitet wurde — in diesem Fall durch die Interviews und den Fragebogen.

Ob die Malvorlagen für sich allein im Alltag dasselbe bewirken, ist damit offen. Das gesteigerte Bewusstsein dürfte die Selbstbeobachtung erleichtern und eine gute Grundlage für sexualtherapeutische Interventionen sein — als begleitetes Angebot, nicht als Selbstläufer.

Erste Hinweise gibt es zudem darauf, dass sich die Malvorlagen für Personen in einem breiten Altersspektrum eignen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Drei Teilnehmerinnen ohne Kontrollgruppe. Die Autorin benennt selbst, dass weitere Forschung nötig ist, um zu klären, unter welchen Umständen sich der Einsatz im Alltag lohnt.

Bemerkenswert ist die Trennschärfe: Wo eine Wirkung ausblieb, steht das im Ergebnis. Die Arbeit ist auf Deutsch und Englisch abgefasst.

Für die sexuelle Bildung ist der Befund dennoch brauchbar. Er zeigt, dass niederschwellige, körperbezogene Übungen etwas verändern können — an der Wahrnehmung, nicht am Symptom.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 74 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu Zykluswahrnehmung und genitalem Selbstbild, die Beschreibung des Vorgehens mit den Malvorlagen sowie die vollständige Auswertung der Interviews vor und nach dem Zyklus.

Abstract der Arbeit

Für diese Untersuchung haben drei Frauen einen Zyklus lang jeweils während zehn Minuten pro Tag Malvorlagen koloriert, die Bilder zum Thema Menstruation zeigen. Vor und nach dem begleiteten Zyklus wurden sie zu den Themen Zyklus, Menstruation und ihrem genitalem Selbstbild befragt. Ihre Aussagen wurden durch eine qualitative Inhaltsanalyse ausgewertet. Die Untersuchung konnte zeigen, dass das Bewusstsein der Frauen für ihren Zyklus und ihr Genital durch die Studie anstieg, was die Frauen positiv bewerteten. Alle drei Frauen erleben normalerweise starke Menstruationsbeschwerden. Auf diese hatte das Malen gemäss den Teilnehmerinnen keinen Einfluss, die Frauen betonten jedoch, dass sie das tägliche Malen während des ganzen Zyklus entspannte und zentrierte. For this study three women used a menstruation-themed coloring book for one menstruation cycle. They were coloring for ten minutes every day. Before and after this cycle they were interviewed about the topics menstruation, cycle and genital self-image. The transcripts of those interviews were analyzed with qualitative content analysis. This study could show that the awareness of their cycles and their genital was raised by the daily coloring, which the women experienced as highly beneficial. All women partaking in this study usually suffer from quite severe menstrual pain. According to them the coloring did not affect this pain, but the women stressed, that the coloring helped them to relax and to find focus.

Caroline Fux, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Die gestützte Selbstbeobachtung des weiblichen Zyklus – Wie Frauen ihren Zyklus, ihre Menstruation und ihr Genital erleben, wenn sie sich einen Zyklus lang mit Hilfe eines Mediums täglich damit beschäftigen

Verfasst von
Caroline Fux

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Verhütung · Genitales Selbstbild · Schwangerschaft & Geburt

Lizenz und Nachweis. Caroline Fux: «Die gestützte Selbstbeobachtung des weiblichen Zyklus – Wie Frauen ihren Zyklus, ihre Menstruation und ihr Genital erleben, wenn sie sich einen Zyklus lang mit Hilfe eines Mediums täglich damit beschäftigen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Sexuelle Lust und Unlust von Frauen im Zusammenhang mit hormoneller Empfängnisverhütung

Christina Schnurrenberger untersucht in der Masterarbeit «Sexuelle Lust und Unlust von Frauen im Zusammenhang mit hormoneller Empfängnisverhütung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

«Seit ich die Pille nehme, ist die Lust weg» — der Satz fällt in Beratungen regelmässig, und ebenso regelmässig bleibt offen, was daran am Hormon liegt. Diese Arbeit nimmt einen zweiten Faktor dazu, der sonst getrennt behandelt wird: das erlernte körperliche Verhalten in der Sexualität.

Warum zwei Faktoren statt einem?

Weil beide gleichzeitig wirken. Die hormonelle Empfängnisverhütung greift in den Hormonhaushalt ein — und wie eine Frau ihren Körper beim Sex einsetzt, ist erlernt und veränderbar.

Wer nur auf das Präparat schaut, hat für den Fall, dass ein Wechsel nichts bringt, keine zweite Karte. Genau darum geht es dieser Arbeit: den Blick auf beides zu richten.

Untersucht werden dabei nicht «Lust» als Ganzes, sondern drei Grössen getrennt — sexuelles Verlangen, sexuelles Vergnügen und sexuelle Motivation.

Was hat die Befragung ergeben?

Die Aussagen der sechs befragten Frauen im gebärfähigen Alter stützen die Annahme: Sowohl die hormonelle Empfängnisverhütung als auch das erlernte körperliche Verhalten können sich auf die sexuelle Lust auswirken.

Aufschlussreicher ist der Zusammenhang zwischen den drei Grössen. Das sexuelle Vergnügen kann auf das Verlangen und auf die Motivation wirken — und die Motivation wiederum auf das Verlangen.

Das ist keine Nebensache, sondern eine andere Reihenfolge als die vertraute. Nicht das Verlangen führt zum Vergnügen, sondern das Vergnügen kann Verlangen erzeugen. Wer wartet, bis Lust da ist, wartet womöglich am falschen Ende.

Was heisst das für die Beratung?

Wenn eine Frau nach einem Wechsel des Verhütungsmittels fragt, ist das eine legitime Frage — aber selten die einzige. Diese Arbeit zeigt, wo daneben anzusetzen wäre: beim körperlichen Verhalten während der Erregung, das sich erlernen und verändern lässt.

Die Autorin ist bei der Reichweite ihrer Daten ausdrücklich vorsichtig. Sechs Interviews erlauben keine allgemeinen Schlüsse; um kausale Zusammenhänge zwischen Einflussfaktoren und sexueller Lust allgemeingültig zu formulieren, brauche es eine deutlich grössere Teilnehmerzahl. Sie benennt diesen Forschungsbedarf selbst.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine Aufarbeitung des Forschungsstands verbunden mit einer qualitativen Befragung von sechs Frauen im gebärfähigen Alter.

Ein methodischer Punkt verdient Beachtung: Die Leitfragen liessen sich den Befragten nicht direkt stellen — niemand kann aus dem Stand sagen, ob ein Präparat seine sexuelle Motivation beeinflusst. Sie wurden deshalb in Interviewfragen übersetzt. Die Auswertung ist damit eine Deutung von Schilderungen, keine Messung.

Was die Arbeit leistet, ist die Verbindung zweier Erklärungswege, die sonst getrennt verhandelt werden.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 151 Seiten. Sie enthält die Aufarbeitung früherer Forschung zu hormoneller Verhütung und sexueller Lust, die theoretischen Grundlagen zum erlernten körperlichen Verhalten sowie die vollständige Auswertung der sechs Interviews.

Abstract der Arbeit

Abstrakt Einführung: In der Masterarbeit fasst die Verfasserin die Ergebnisse anderer Forschungen und die Ergebnisse eigener Untersuchungen zum Thema der beiden Faktoren zusammen, welche die sexuelle Lust bei Frauen beeinflussen – die hormonelle Empfängnisverhütung und das erlernte körperliche Verhalten in der Sexualität. Methodik: Forschungsarbeit mit Aufarbeitung der Ergebnisse früherer, von anderen durchgeführter Forschungen und der Ergebnisse der eigenen Untersuchung mittels qualitativer Befragung von sechs Frauen im gebärfähigen Alter. Ergebnis: Aufgrund der bei der Befragung erhaltenen Antworten wurde aufgezeigt, dass die hormonelle Empfängnisverhütung und das erlernte körperliche Verhalten in der Sexualität Einfluss auf die sexuelle Lust haben können (auf das sexuelle Verlangen und das sexuelle Vergnügen). Der Untersuchung nach kann das sexuelle Vergnügen Auswirkungen auf das sexuelle Verlangen und die sexuelle Motivation haben. Gleichermassen wirkt sich die sexuelle Motivation auf das sexuelle Verlangen aus. Schlussfolgerung: Die hormonelle Empfängnisverhütung und das erlernte körperliche Verhalten können sich auf das sexuelle Verlangen, das sexuelle Vergnügen und die sexuelle Motivation bei Frauen auswirken. Da die Befragung jedoch lediglich unter Mitwirkung von sechs Frauen durchgeführt wurde, ist eine weiterführende Forschung notwendig, um unter Einbindung einer höheren Anzahl an Frauen allgemeine Schlussfolgerungen ziehen zu können. Mit einer erhöhten Teilnehmerzahl könnten die kausalen Zusammenhänge zwischen Einflussfaktoren und sexueller Lust allgemeingültig formuliert werden.

Christina Schnurrenberger, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexuelle Lust und Unlust von Frauen im Zusammenhang mit hormoneller Empfängnisverhütung und erlerntem körperlichem Verhalten in der Sexualität

Verfasst von
Christina Schnurrenberger

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Verhütung · Sexuelles Verlangen · Schwangerschaft & Geburt

Lizenz und Nachweis. Christina Schnurrenberger: «Sexuelle Lust und Unlust von Frauen im Zusammenhang mit hormoneller Empfängnisverhütung und erlerntem körperlichem Verhalten in der Sexualität». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Förderung sexueller Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung

Selina Killer untersucht in der Masterarbeit «Förderung sexueller Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Die sexuelle Gesundheit von Menschen im Asyl- und Flüchtlingsbereich ist im Vergleich zur einheimischen Bevölkerung prekär. Diese Arbeit fragt, was Jugendliche und junge Erwachsene mit Fluchterfahrung brauchen — und bezieht dafür ihre eigene Perspektive ein, statt nur über sie zu forschen.

Was heisst sexuelle Bildung hier?

Der Begriff markiert nach dieser Arbeit einen Wechsel gegenüber der klassischen Aufklärung. Im Zentrum steht die Selbstbestimmung des Individuums, nicht die Vermittlung von Wissen über einen Sachverhalt.

Die Verankerung ist dabei nicht beliebig. Die Weltgesundheitsorganisation hält fest, dass sich sexuelle Gesundheit erlangen und erhalten lässt, wenn die sexuellen Rechte geachtet, geschützt und garantiert werden. Das Recht auf Bildung und Information gehört zu diesen Rechten, und die Bildung zur sexuellen Gesundheit ist in der Schweiz ein ausgewiesenes Handlungsfeld.

Sexuelle Bildung ist damit keine freiwillige Zusatzleistung, sondern die Einlösung eines Rechts.

Was braucht diese Zielgruppe besonders?

Drei Wissensbestände hält die Arbeit für unverzichtbar, wenn sexuelle Bildung mit jungen Menschen mit Fluchterfahrung gelingen soll: Kenntnisse zur sexuellen Entwicklung, intersektionale Pädagogik und transkulturelle Kompetenzen.

Das ist mehr als eine Aufzählung. Wer nur über sexuelle Entwicklung Bescheid weiss, übersieht, dass Herkunft, Aufenthaltsstatus, Geschlecht und Sprache gleichzeitig wirken. Wer nur transkulturell denkt, übersieht die Entwicklungsaufgaben des Jugendalters.

Die Befragten selbst äussern zwei Bedürfnisse: die Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität und den Erwerb sexueller Kompetenzen. Woran es fehlt, sind nicht Interesse oder Bereitschaft, sondern Zugänge.

Wie wurde vorgegangen?

Die Arbeit verbindet eine vertiefte Literaturaufbereitung mit qualitativer Sozialforschung. Über problemzentrierte Interviews bezieht sie die Perspektive der jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung ein; ausgewertet wird nach der Methodologie der Grounded Theory.

Dass die Zielgruppe selbst befragt wurde und nicht nur die Fachpersonen, die sie betreuen, ist der methodische Kern dieser Arbeit — und bei dieser Personengruppe keine Selbstverständlichkeit.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Die Zahl der Interviews ist klein, und die Arbeit stützt ihre Schlüsse auf die Verbindung von Literatur und empirischen Erkenntnissen, nicht auf die Interviews allein.

Bei einer Gruppe, deren Aufenthaltsstatus unsicher ist und die über Sexualität in einer Fremdsprache sprechen soll, ist der Zugang selbst die grösste Hürde. Wer sich für ein solches Gespräch zur Verfügung stellt, ist bereits eine Auswahl.

Was die Arbeit leistet, ist die Übersetzung eines anerkannten Rechts in konkrete Anforderungen an die professionelle Betreuung und Begleitung.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 106 Seiten. Sie enthält die Aufarbeitung des Forschungsstands zur sexuellen Gesundheit im Asyl- und Flüchtlingsbereich, die theoretischen Grundlagen zu sexueller Bildung, intersektionaler Pädagogik und transkultureller Kompetenz sowie die vollständige Auswertung der Interviews.

Abstract der Arbeit

Diese Arbeit bearbeitet die Frage 'Was brauchen Jugendliche und junge Erwachsene mit Fluchterfahrung im Hinblick auf ihre sexuelle Gesundheit und welche Anforderungen leiten sich daraus an die professionelle Betreuung und Begleitung ab?'. Die Auseinandersetzung mit aktueller Literatur zeigt auf, dass die sexuelle Gesundheit von Menschen im Asyl- und Flüchtlingsbereich, im Vergleich zur einheimischen Bevölkerung, prekär ist (Amacker et al., 2019; BAG, 2012; Cignacco et al., 2017). Aufgrund dieser Analysen fokussiert sich diese Arbeit auf die Handlungsfelder der Förderung sexueller Gesundheit und widmet sich spezifisch der sexuellen Bildung (Sexuelle Gesundheit Schweiz, 2018). Der Begriff der sexuellen Bildung stellt einen Paradigmawechsel dar. Die Selbstbestimmung des Individuums steht im Zentrum (Valtl, 2013). Die vertiefte Literaturaufbereitung ermittelt spezifische Grundlagen, die in der sexuellen Bildung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung einbezogen werden müssen; nämlich Kenntnisse zur sexuellen Entwicklung, zur intersektionalen Pädagogik und zu transkulturellen Kompetenzen. Die qualitative Sozialforschung dieser Arbeit bezieht anhand problemzentrierter Interviews auch die Perspektive der jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung mit ein. In der Analyse nach der Methodologie der Grounded-Theory werden Theorien entwickelt, welche der Beantwortung der Fragestellung dienen. Die abschliessende Antwort basiert auf der Diskussion von Literatur und empirischen Erkenntnissen. Jugendliche und junge Erwachsene mit Fluchterfahrung haben Bedürfnisse nach Auseinandersetzung mit der individuellen Sexualität, ebenso wie nach dem Erwerb sexueller Kompetenzen. Es besteht ein Bedarf an Zugängen der sexuellen Bildung und an kompetenten, vertrauenswürdigen Fach- sowie Ansprechpersonen. Die professionelle Betreuung und Begleitung muss sich deshalb Kompetenzen in sexueller Bildung aneignen und Zugänge zu sexueller Bildung schaffen.

Selina Killer, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Förderung sexueller Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung Einfluss von und Anforderungen an sexuelle Bildung in der professionellen Betreuung und Begleitung

Verfasst von
Selina Killer

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Jugendsexualität · Sexualisierte Gewalt · Verhütung

Lizenz und Nachweis. Selina Killer: «Förderung sexueller Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung Einfluss von und Anforderungen an sexuelle Bildung in der professionellen Betreuung und Begleitung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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