Kategorien
MA5 Masterarbeit

Bindung und Sexualität: die Rolle des genitalen Selbstbildes

Markus Kremer untersucht in der Masterarbeit «Bindung und Sexualität: die Rolle des genitalen Selbstbildes» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Dass unsichere Bindung mit geringerer sexueller Zufriedenheit einhergeht, ist gut belegt. Wodurch dieser Zusammenhang zustande kommt, war offen. Diese Arbeit prüft an 1’220 Personen einen Weg — und findet ihn: über das genitale Selbstbild, also die eigene Bewertung des eigenen Genitals.

Was wurde untersucht?

Eine Online-Querschnittsstudie mit einer deutschsprachigen Stichprobe von 1’220 Teilnehmenden, davon 63 Prozent cis-weiblich, 28 Prozent cis-männlich und 8,5 Prozent geschlechtlich divers. Das ist mit Abstand die grösste Stichprobe dieser Sammlung.

Erhoben wurden die Bindungsdimensionen Bindungsangst und Bindungsvermeidung über den Bochumer Bindungsfragebogen, das genitale Selbstbild über die Genital Self-Image Scale sowie sexuelle Zufriedenheit und verschiedene Funktionsbereiche über die PROMIS-SexFS-Profile.

Geprüft wurde die Vermittlung mit Strukturgleichungsmodellen und Bootstrapping-Verfahren. Der Abstract ist auf Englisch verfasst.

Was kam heraus?

Das genitale Selbstbild vermittelt den Zusammenhang zwischen Bindungsunsicherheit und sexueller Zufriedenheit deutlich und stabil — und zwar sowohl bei cis-Männern als auch bei cis-Frauen. Unsichere Bindung wirkt also unter anderem darüber, dass Betroffene ihr eigenes Genital negativer bewerten.

Ein zweiter Befund weist über die Arbeit hinaus: Bei der Bindungsvermeidung blieben in beiden Gruppen zusätzliche direkte Effekte bestehen. Das genitale Selbstbild erklärt den Zusammenhang also nicht vollständig — es gibt weitere, bislang unerforschte Einflussfaktoren.

Was heisst das für die Therapie?

Der praktische Ertrag ist konkret. Das genitale Selbstbild wird damit zu einem geschlechterübergreifend bedeutsamen Ansatzpunkt für sexualtherapeutische Diagnostik und Intervention.

Für die Praxis heisst das: Auch wenn ein Anliegen zunächst nach Bindung klingt — nach Nähe, Angst, Rückzug —, lohnt sich die Frage nach dem Verhältnis zum eigenen Genital. Und umgekehrt: An diesem Verhältnis lässt sich arbeiten, während sich ein Bindungsmuster nur langsam verändert.

Mehrere andere Arbeiten dieser Sammlung entwickeln genau dafür Übungen und Kursformate. Diese hier liefert das Argument, warum sie sich lohnen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Die Stichprobe ist gross, die Instrumente sind etabliert und validiert, und die statistische Auswertung ist anspruchsvoll — methodisch ist das die stärkste Arbeit dieser Sammlung.

Die entscheidende Einschränkung nennt der Autor selbst: Es handelt sich um eine Querschnittserhebung. Ob ein negatives genitales Selbstbild Folge der Bindungsunsicherheit ist oder umgekehrt, lässt sich aus einer Momentaufnahme nicht entscheiden. Die identifizierten Kausalpfade müssten in Längsschnittstudien geprüft werden.

Für geschlechtsdiverse Teilnehmende reichte die Gruppengrösse nicht für eigene Analysen — der Autor benennt diese Lücke als Forschungsbedarf.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 99 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu Bindung, Körperbild und sexuellem Erleben, die vollständige Beschreibung der eingesetzten Instrumente sowie die komplette statistische Auswertung samt Mediationsanalysen.

Abstract der Arbeit

Abstract (EN) Background: Insecure attachment styles are consistently associated with lower sexual satisfaction and poorer sexual function, yet the underlying psychological mechanisms are insufficiently understood. The present study investigates the hypothesis that genital selfimage – the subjective evaluation of one's own genitals – plays a mediating role in this relationship. Method: In a cross-sectional online study, a German-speaking sample of N = 1220 participants (63.0% cis-female, 28.4% cis-male, 8.5% gender-diverse) was recruited. Measures included the attachment dimensions (attachment anxiety and avoidance) using the Bochum Attachment Questionnaire (BoBi), genital self-image using the Genital Self-Image Scale (GSIS), and sexual satisfaction and various dimensions of sexual function (e.g., orgasm, erectile function, sexual interest) using the PROMIS® SexFS brief profiles. Hypotheses were tested using structural equation modeling with bootstrapping procedures. Results: Bivariate analyses confirmed significant negative associations between attachment insecurity, a negative genital self-image, and sexual satisfaction as well as various dimensions of sexual function. The mediation analyses showed that genital self-image significantly and robustly mediated the relationship between both attachment dimensions and a broad spectrum of sexual outcomes, including sexual satisfaction, orgasm ability, orgasm pleasure, and erectile function. For interest in sexual activity, an inconsistent mediation was found, in which a negative indirect effect was opposed by a positive direct effect of attachment anxiety. Conclusion: Genital self-image represents a significant, empirically supported mechanism through which attachment insecurity affects sexual experience. The results highlight the relevance of genital self-image as an important, cross-gender target for sex-therapeutic practice and the necessity of considering body-image-related factors in the treatment of attachment-related sexual difficulties. I

Markus Kremer, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Bindung und Sexualität: Die vermittelnde Rolle des genitalen Selbstbildes – Eine Mediationsanalyse in einer deutschsprachigen Stichprobe

Verfasst von
Markus Kremer

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Genitales Selbstbild · Sexuelle Zufriedenheit · ADHS

Lizenz und Nachweis. Markus Kremer: «Bindung und Sexualität: Die vermittelnde Rolle des genitalen Selbstbildes – Eine Mediationsanalyse in einer deutschsprachigen Stichprobe». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

Verwandte Masterarbeiten

Weiterführend

Kategorien
MA5 Masterarbeit

Das genitale Selbstbild im Kontext von Female Genital Mutilation/Cutting

Alexandra Ursula Meisser untersucht in der Masterarbeit «Das genitale Selbstbild im Kontext von Female Genital Mutilation/Cutting» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Frauen mit einer Genitalbeschneidung begegnen im Gesundheitswesen meist einer medizinischen Sicht auf ihren Körper. Wie sie ihr eigenes Genital wahrnehmen, wird selten gefragt. Diese Arbeit hat genau das getan — und kommt zu einem Ergebnis, das jede Verallgemeinerung verbietet.

Gibt es «das» genitale Selbstbild nach FGM/C?

Nein. Das ist der erste und wichtigste Befund. Die Wahrnehmungen der befragten Frauen fallen so unterschiedlich aus, dass sich keine verallgemeinerbaren Aussagen ableiten lassen.

Jede betroffene Frau verfügt über eigene Ressourcen, Grenzen und Herausforderungen. Weder das genitale Selbstbild noch die sexuelle Selbstsicherheit verlaufen einheitlich.

Daraus folgt für die Praxis unmittelbar: Es braucht in jedem Einzelfall eine eigene Erhebung, wie das genitale Selbstbild und die sexuelle Selbstsicherheit ausgeprägt sind. Von der Diagnose auf das Erleben zu schliessen, geht fehl.

Was hängt womit zusammen?

Genitales Selbstbild und sexuelle Selbstsicherheit stehen in wechselseitigem Zusammenhang — und diese Wechselwirkung findet sich auch bei Frauen mit FGM/C. Das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Befund: Was für andere Frauen gilt, gilt hier ebenso.

Für die Förderung eines konstruktiven Zugangs zum eigenen Genital schlägt die Arbeit den körperorientierten Ansatz Sexocorporel vor, insbesondere über die schrittweise Entwicklung sexueller Lernprozesse. Nicht als Korrektur, sondern als Weg zu einem eigenen Verhältnis zum eigenen Körper.

Ist das ein Thema der Frau allein?

Nein, und dieser Hinweis der Arbeit ist für die Praxis besonders wertvoll. Die Beschneidung sollte in der therapeutischen Begleitung nicht ausschliesslich als individuelles Thema der Frau verstanden werden, sondern ebenso als Paardynamik.

Wo es möglich ist, kann es entsprechend hilfreich sein, den Partner in den Therapieprozess einzubeziehen. Was zwischen zwei Menschen geschieht, lässt sich selten allein bearbeiten.

Was braucht die Fachperson?

Die Arbeit spricht offen aus, was in Leitfäden selten steht: Es handelt sich um ein hochsensibles Themenfeld, und Therapeutinnen und Therapeuten müssen auf ihre eigene Zentrierung und Selbstregulation achten.

Konkret empfiehlt sie, Pausen, humorvolle Elemente und körperbezogene Übungen ins Gespräch zu integrieren — für die Klientin ebenso wie für die begleitende Person. Wer beim Zuhören selbst in Anspannung gerät, kann nicht gut begleiten.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine explorative qualitative Arbeit mit halbstrukturierten Interviews, theoretisch gerahmt durch das Modell Sexocorporel nach Jean-Yves Desjardins. Die Autorin stellt selbst an den Anfang ihres Fazits, dass sich keine Rückschlüsse auf jede Frau mit FGM/C ziehen lassen.

Was die Arbeit liefert, sind Anhaltspunkte für die sexualtherapeutische Arbeit — und die Stimmen von Frauen, die in der Forschung zu diesem Thema selten selbst zu Wort kommen.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 103 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu FGM/C, die theoretischen Grundlagen zu genitalem Selbstbild und sexueller Selbstsicherheit, die vollständige Auswertung der Interviews und die Ableitungen für die sexualtherapeutische Praxis.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit befasst sich mit dem Einfluss der weiblichen Genitalbeschneidung (FGM/C) auf das genitale Selbstbild und in diesem Zusammenhang auf die sexuelle Selbstsicherheit. Ziel der Untersuchung ist es, mögliche Handlungsansätze für die sexualtherapeutische Praxis zu identifizieren. Als theoretischer Bezugsrahmen dient das Modell des Sexocorporel nach Jean- Yves Desjardins. Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurden halbstrukturierte Interviews mit betroffenen Frauen durchgeführt. Im Zentrum stand die Erfassung subjektiver Wahrnehmungen und individueller Erlebensweisen im Hinblick auf das genitale Selbstbild und die sexuelle Selbstsicherheit. Die vorliegende Arbeit verfolgt das Anliegen, durch die Stimmen der interviewten Frauen Erkenntnisse über den Einfluss von FGM/C auf diese Themenbereiche zu gewinnen. Die qualitative Analyse der Interviews machte unterschiedliche Perspektiven sichtbar. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sowohl das genitale Selbstbild als auch die sexuelle Selbstsicherheit nicht einheitlich verlaufen, sondern individuell geprägt sind. Ebenso zeigt sich, dass der Zugang zum eigenen Genital von einer Vielzahl unterschiedlicher Erfahrungen beeinflusst wird. Aus den erhobenen Daten lassen sich Hinweise ableiten, dass sexualtherapeutische Interventionen zur Förderung eines positiven genitalen Selbstbildes und zur Stärkung der sexuellen Selbstsicherheit bei Frauen mit FGM/C einen unterstützenden Beitrag leisten können.

Alexandra Ursula Meisser, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Das genitale Selbstbild im Kontext von Female Genital Mutilation/Cutting: Eine qualitative Studie zu Erfahrungen von Frauen mit FGM/C

Verfasst von
Alexandra Ursula Meisser

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Genitales Selbstbild · Selbstwirksamkeit · Körperarbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Alexandra Ursula Meisser: «Das genitale Selbstbild im Kontext von Female Genital Mutilation/Cutting: Eine qualitative Studie zu Erfahrungen von Frauen mit FGM/C». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

Verwandte Masterarbeiten

Weiterführend

Kategorien
MA5 Masterarbeit

Die Auswirkungen von Diabetes mellitus Typ 2 auf die Sexualität bei Frauen

Pascale Olivia Schwarz untersucht in der Masterarbeit «Die Auswirkungen von Diabetes mellitus Typ 2 auf die Sexualität bei Frauen» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Keine einzige der befragten Frauen wusste, dass Diabetes mellitus Typ 2 ihre Sexualität beeinflusst. Beim Mann ist der Zusammenhang medizinisch bekannt und wird beachtet. Bei Vulva und Vagina ist er weit weniger präsent — obwohl die Studienlage auch dort erhebliche Auswirkungen zeigt.

Was wissen betroffene Frauen?

Die Arbeit prüfte die These, dass Frauen mit Diabetes Typ 2 kein Wissen über den Einfluss der Erkrankung auf ihre Sexualität haben. Sie bestätigt sich vollständig: Keine der Teilnehmerinnen war sich dessen bewusst.

Das deckt sich mit der internationalen Forschung. In einer Interviewstudie mit Betroffenen war den meisten Teilnehmenden der Zusammenhang ebenfalls nicht bekannt.

Eine zweite Studie erklärt, warum das folgenreich ist: Postmenopausale Frauen schreiben sexuelle Beschwerden vor allem dem Alter und der Menopause zu und halten sie für einen natürlichen Alterungsprozess. Sie sind sich nicht bewusst, unter Einschränkungen zu leiden, die behandelbar wären.

Warum ist die Lücke so gross?

Weil Diabetes und Sexualität in zwei getrennten Zuständigkeiten liegen. Die Diabetesberatung kümmert sich um Blutzucker, Ernährung und Folgeerkrankungen, die Gynäkologie um den Befund — und die Frage nach dem sexuellen Erleben stellt niemand.

Beim Mann ist das anders. Der Einfluss auf die Erektionsfähigkeit gehört zum medizinischen Standardwissen und wird in Fachkreisen beachtet. Genau diese Asymmetrie macht die Arbeit sichtbar.

Es gibt zudem insgesamt wenige Studien, die das Wissen von Betroffenen über den Zusammenhang überhaupt erhoben haben. Die Forschung teilt die Lücke also mit der Praxis.

Was hat die Arbeit erhoben?

Sie fragt nicht nur nach der körperlichen Wahrnehmung, sondern nach vier Dingen zugleich: was die Frauen über den Einfluss der Erkrankung wissen, an wen sie sich wenden können, welche Behandlungsmöglichkeiten sie kennen und was sie sich wünschen.

Diese Anlage macht die Arbeit für die Versorgung brauchbar. Sie beschreibt nicht nur ein Defizit, sondern zeigt, an welcher Stelle im Behandlungsweg die Information fehlt.

Diabetes Typ 2 gehört zu den häufigsten Erkrankungen weltweit, und die Häufigkeit steigt — in der Schweiz wie anderswo. Die Lücke betrifft also sehr viele Frauen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Qualitative Interviews mit betroffenen Frauen, ergänzt durch eine Literaturrecherche. Die Zahl der Befragten ist klein, und die Arbeit prüft ihre Thesen einzeln und diskutiert sie an der Studienlage.

Dass alle Befragten dasselbe Nichtwissen berichten, ist bei kleiner Stichprobe dennoch aussagekräftig — weil es sich mit den internationalen Befunden deckt. Für Häufigkeitsaussagen taugt die Arbeit nicht, für die Frage, ob überhaupt informiert wird, sehr wohl.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 76 Seiten. Sie enthält die medizinischen Grundlagen zu Diabetes mellitus Typ 2, den Forschungsstand zum Einfluss auf die weibliche Sexualität, die vollständige Auswertung der Interviews sowie Empfehlungen für Praxis und weiterführende Forschung.

Abstract der Arbeit

Diabetes mellitus Typ 2 (DM2) ist eines der häufigsten Krankheitsbilder der modernen Zivilisation und zählt zu der Gruppe der nichtübertragbaren Krankheiten, welche die häufigste Haupttodesursache weltweit darstellt. Die Prävalenz ist sowohl weltweit als auch in der Schweiz steigend. DM2, beeinflusst den Blutzuckerspiegel und hat dadurch auf verschiedene Bereiche des Körpers Einfluss und fordert als chronische Krankheit die betroffenen Personen sowohl körperlich als auch psychisch. Der Einfluss von DM2 auf das Genital ist vor allem bei Personen mit Penis bekannt und wird in medizinischen Fachkreisen auch beachtet. Der Einfluss auf Vulva und Vagina ist weit weniger bekannt, obwohl die Studienlage aufzeigt, dass auch einen erheblichen Einfluss auf die sexuelle Funktion durch DM2 besteht. Die vorliegende Arbeit untersucht in Interviews mit betroffenen Frauen neben der körperlichen Wahrnehmung auch andere Bereiche wie das Wissen über die Krankheit und Einfluss auf die Sexualität, Ansprechpersonen und Therapiemöglichkeiten sowie Wünsche und Zukunftsaussichten der betroffenen Frauen.

Pascale Olivia Schwarz, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Die Auswirkungen von Diabetes mellitus Typ 2 auf die Sexualität bei Frauen – Einblicke aus qualitativen Interviews mit betroffenen Frauen

Verfasst von
Pascale Olivia Schwarz

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexualität & Krankheit · Genitales Selbstbild · Wechseljahre

Lizenz und Nachweis. Pascale Olivia Schwarz: «Die Auswirkungen von Diabetes mellitus Typ 2 auf die Sexualität bei Frauen – Einblicke aus qualitativen Interviews mit betroffenen Frauen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

Verwandte Masterarbeiten

Weiterführend

Kategorien
MA5 Masterarbeit

Lichen sclerosus – weibliche Sexualität bei chronischer Erkrankung

Sara Waldispühl untersucht in der Masterarbeit «Lichen sclerosus – weibliche Sexualität bei chronischer Erkrankung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Lichen sclerosus betrifft schätzungsweise eine von fünfzig Frauen, verursacht Juckreiz, wunde Stellen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr — und wird von der Ärzteschaft fast nie im Zusammenhang mit Sexualität angesprochen. Diese Arbeit hat fünf betroffene Frauen gefragt, wie sie damit umgehen.

Was ist Lichen sclerosus?

Eine chronisch entzündliche Hauterkrankung, die vorwiegend die Genitalregion von Frauen betrifft. Typische Beschwerden sind Juckreiz, wunde Stellen und Brennen. Die Häufigkeit ist schwer zu bestimmen; geschätzt wird, dass etwa eine von fünfzig Frauen betroffen ist.

Die Ursachen sind ungeklärt, die Behandlungsmöglichkeiten begrenzt. Die Erkrankung kann zu sichtbaren Veränderungen der Vulva führen, was das Körperbild belastet. Für die Sexualität sind Einreissen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr die häufigsten Folgen.

Wie gehen Betroffene damit um?

Die Analyse der Interviews zeigt eine Vielzahl von Strategien, die die Frauen entwickelt haben, um mit den Auswirkungen auf ihre Sexualität umzugehen. Diese Strategien stammen nicht aus der Behandlung — sie sind selbst erarbeitet.

Die Autorin beschreibt im Schlusswort, was sie an den Gesprächen beeindruckt hat: der individuelle Umgang der Betroffenen mit der Erkrankung und ihre scheinbar unerschütterliche Zuversicht, Lösungen für die eigene Situation zu finden.

Zugleich wurde deutlich, wie stark Sexualität von Erwartungen, Bildern und Normen geprägt ist — und dass deren Nichterfüllung zu Selbstzweifeln, Schuldgefühlen und Abwertung führen kann.

Spricht die Ärzteschaft das Thema an?

Kaum. Das ist der zweite Befund der Arbeit, und sie hat ausdrücklich danach gefragt: ob und wie Sexualität bei Diagnosestellung und Behandlung zur Sprache kommt.

Die Befragten wurden von ärztlicher Seite kaum darüber informiert, was Lichen sclerosus für ihre Sexualität bedeutet. Die Autorin nennt den Grund ein doppeltes Tabu: Sexualität und Vulvakrankheit treffen aufeinander, und beides wird ungern besprochen.

Das ist ein Muster, das mehrere Arbeiten dieser Sammlung finden. Bei chronischen Erkrankungen des Genitals fällt die Sexualität zwischen alle Zuständigkeiten — die Dermatologie behandelt die Haut, die Gynäkologie den Befund, und für das Erleben ist niemand vorgesehen.

Was heisst das für die Praxis?

Für Fachpersonen ist der Schluss unmittelbar: Es braucht Aufklärung zu einem Thema, über das doppelt geschwiegen wird — und es braucht die Bereitschaft, die Frage von sich aus zu stellen.

Die Autorin zieht daraus für ihre eigene sexologische Arbeit die Konsequenz, Menschen zur Reflexion ihrer eigenen Vorstellungen anzuregen und ein Bild von Sexualität zu vermitteln, das vielfältig und individuell gestaltbar ist. Genau darin liegt bei einer Erkrankung, die den bisherigen Ablauf unmöglich macht, der praktische Ansatz.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Leitfadeninterviews mit fünf betroffenen Frauen, ergänzt durch eine Literaturrecherche. Bei einer Erkrankung, zu der wenig geforscht wird und deren Häufigkeit sich nicht sicher bestimmen lässt, sind fünf ausführliche Gespräche eine übliche und angemessene Grundlage — sie erlauben aber keine Aussage darüber, wie verbreitet die geschilderten Erfahrungen sind.

Was die Arbeit leistet, ist Sichtbarkeit für eine Erkrankung, über die im Zusammenhang mit Sexualität kaum etwas vorliegt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 122 Seiten. Sie enthält den medizinischen Forschungsstand zu Lichen sclerosus, den Stand zu Sexualität bei chronischen Erkrankungen, die vollständige Auswertung der fünf Interviews und die Ableitungen für Beratung und Aufklärung.

Abstract der Arbeit

Abstract Deutsch Lichen sclerosus ist eine chronisch entzündliche Hauterkrankung, die vorwiegend die Genitalregion von Frauen betrifft. Typische Symptome können Juckreiz, wunde Stellen und Brennen sein. Die Prävalenz ist schwierig zu ermitteln. Es wird vermutet, dass ca. 1 von 50 Frauen betroffen ist. Die Ursachen der Erkrankung sind noch ungeklärt und die Behandlungsmöglichkeiten sind eingeschränkt. Die Erkrankung kann zu sichtbaren Veränderungen der Vulva führen, was das Körperbild der Betroffenen einschränken kann. Lichen sclerosus kann erhebliche negative Auswirkungen auf die Sexualität der Betroffenen haben. Häufig wird von Einreissen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr berichtet. Die vorliegende Arbeit untersucht mittels qualitativer Forschungsmethode, wie betroffene Frauen mit der Erkrankung im Kontext ihrer Sexualität umgehen. Zudem soll in Erfahrung gebracht werden, inwiefern die Ärzteschaft das Thema Sexualität im Rahmen der Diagnosestellung und Behandlung von Lichen sclerosus anspricht. Die Analyse der Interviews zeigt, dass die Betroffenen eine Vielzahl von Strategien anwenden, um mit den Auswirkungen der Erkrankung auf die Sexualität umzugehen. Zudem wird deutlich, dass die Befragten kaum von der Ärzteschaft zum Thema Sexualität mit Lichen sclerosus informiert und beraten wurden. Abstract Englisch Lichen sclerosus is a chronic inflammatory skin disease that primarily affects the genital region in women. Typical symptoms include itching, sores, and burning. Its prevalence is difficult to determine. It is estimated that approximately 1 in 50 women are affected. The causes of the disease are still unclear and treatment options are limited. The disease can lead to visible changes in the vulva, which can affect the body image. Lichen sclerosus can have a significant negative impact on the sexuality of those affected. Tearing and pain during sexual intercourse are commonly reported. This study uses qualitative research methods to investigate how affected women deal with the disease in the context of their sexuality. It also aims to find out to what extent the medical profession addresses the issue of sexuality in the diagnosis and treatment of lichen sclerosus. The analysis of the interviews shows that those affected use a variety of strategies to deal with the effects of the disease on their sexuality. It also becomes clear that the respondents received little information and advice from the medical profession on the subject of sexuality with lichen sclerosus.

Sara Waldispühl, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Lichen sclerosus – Weibliche Sexualität im Kontext einer chronischen Erkrankung

Verfasst von
Sara Waldispühl

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexualität & Krankheit · Genitales Selbstbild · Körperbild

Lizenz und Nachweis. Sara Waldispühl: «Lichen sclerosus – Weibliche Sexualität im Kontext einer chronischen Erkrankung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

Verwandte Masterarbeiten

Weiterführend

Kategorien
MA4 Masterarbeit

Körperbild und die Entscheidung für eine ästhetische Intimchirurgie

Trime Misini untersucht in der Masterarbeit «Körperbild und die Entscheidung für eine ästhetische Intimchirurgie» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Der Intimbereich wird häufig getrennt vom übrigen Körperbild betrachtet. Eine Frau kann mit ihrem Körper im Reinen sein und trotzdem über eine Operation an der Vulva nachdenken. Diese Arbeit geht dem Entscheidungsprozess nach — und stiess dabei gleich zu Beginn auf ein Problem, das viel über das Thema aussagt.

Warum ist der Intimbereich ein Sonderfall?

Das ist der zentrale Befund. Die narrativen Interviews zeigen, dass der Intimbereich beim Körperbild oft abgespalten wird — er folgt eigenen Massstäben und wird an eigenen Normen gemessen.

Verstärkt wird der Wunsch nach einem Eingriff durch zwei Kräfte zugleich: äussere Normen und persönliche Unsicherheiten. Biografische, gesellschaftliche und mediale Einflüsse wirken dabei zusammen; keiner davon erklärt die Entscheidung allein.

Für die Forschung leitet die Arbeit daraus eine konkrete Forderung ab: Das Selbstwertgefühl in Bezug auf den Körper und auf den Intimbereich sollte getrennt betrachtet werden.

Wer entscheidet sich für so einen Eingriff?

Diese Frage konnte die Arbeit nicht beantworten — und das ist selbst aufschlussreich. Ursprünglich wollte die Autorin Frauen befragen, die eine ästhetische Intimchirurgie bereits hinter sich haben. Gefunden hat sie zwei Frauen, die darüber nachdenken.

Die eine meldete sich über eine Facebook-Gruppe, den Kontakt zur anderen vermittelte eine Bekannte, die über einen WhatsApp-Status auf das Projekt aufmerksam geworden war. Beide luden die Interviewerin zu sich nach Hause ein; die Gespräche fanden am Esstisch statt.

Die Autorin hat den Fokus daraufhin verschoben — vom Eingriff auf den Entscheidungsprozess. Dass sich keine Frau mit erfolgtem Eingriff fand, sagt etwas über die Scham, die dieses Thema umgibt.

Was folgt daraus für die Beratung?

Die Arbeit plädiert für zweierlei: eine tiefere Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper und dem Intimbereich, und eine stärkere Normalisierung körperlicher Vielfalt.

Das ist mehr als ein Appell. Wenn der Wunsch nach dem Eingriff aus dem Abgleich mit einer Norm entsteht, die kaum jemand kennt, dann ist Wissen über die tatsächliche Bandbreite eine Intervention. Mehrere andere Arbeiten dieser Sammlung setzen genau dort an — mit Workshops und Körperübungen zum genitalen Selbstbild.

Für die Beratungspraxis heisst das auch: Der Zeitpunkt vor dem Termin beim Chirurgen ist der, an dem ein Gespräch etwas ändern kann.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Zwei narrative Interviews — eine sehr kleine Grundlage, und die Autorin macht daraus kein Geheimnis. Beide Befragten erwägen den Eingriff, keine hat ihn vollzogen; über die Erfahrung danach sagt die Arbeit nichts.

Das narrative Interview lässt Lebensgeschichten in ihrer eigenen Logik erzählen, statt sie in Kategorien zu pressen. Für den Zugang zu einem schambesetzten Thema ist das die richtige Wahl — für Aussagen über Häufigkeiten taugt es nicht.

Die Rekrutierung über Facebook und den Bekanntenkreis der Forscherin schränkt zusätzlich ein, wer überhaupt erreicht wurde. Die Arbeit dokumentiert dieses Vorgehen vollständig und nachvollziehbar.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 82 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu ästhetischer Intimchirurgie mit historischen und ethischen Perspektiven, die Theorie zu Körperbild und Körpernormen, die vollständig dokumentierte Rekrutierung und Datenerhebung sowie die Auswertung der beiden Interviews.

Abstract der Arbeit

Die ästhetische Intimchirurgie hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen und stellt ein wichtiges Thema in der medizinischen und gesellschaftlichen Diskussion dar. Diese Arbeit un- tersucht individuelle Entscheidungsprozesse aufgrund von biografischen Hintergründe der Frauen. Sie ermöglicht Einblicke in das komplexe Zusammenspiel von Körperbild, gesell- schaftlichen Normen und individuellen Entscheidungsverläufe. Die zentrale Fragestellung ist, wie Frauen, die eine ästhetische Intimchirurgie in Erwägung ziehen, ihren eigenen Körper, ihr individuelles Körperbild und ihren Intimbereich wahrnehmen. Der Umfang der Forschung um- fasst die Analyse der individuellen Wahrnehmung, der Beziehungsgestaltung von Körper und Intimbereich und der Körperbilder dieser Frauen sowie die Untersuchung der Einflüsse, die ihre Entscheidung prägen. Die Forschung basiert auf einem qualitativen Ansatz, wobei narra- tive Interviews als primäre Datenerhebungsmethode verwendet werden. Durch biografische Methoden sollen tiefere Einblicke in die individuelle Lebensgeschichten und die vielfältigen Einflüsse gewonnen werden, die zu der Entscheidung für eine ästhetische Intimchirurgie ge- führt haben. Die Forschungsarbeit zeigt, dass die Entscheidung für oder gegen eine ästheti- sche Intimchirurgie tief in den biografischen und leiblichen Erfahrungen der Frauen verwurzelt ist. Es wird deutlich, dass sowohl äussere Einflüsse wie kulturelle Normen und Medienpräsenz als auch funktionale und emotionale Gründe eine Rolle spielen. Die Ergebnisse betonen die Bedeutung des sexuellen Selbstwertgefühls und der allgemeinen Körperzufriedenheit. Diese Arbeit trägt zum Verständnis der Motivationen und Wahrnehmungen von Frauen bei, die sich im Entscheidungsprozess hinsichtlich einer ästhetischen Intimchirurgie befinden. Die gewon- nen Erkenntnisse können zukünftige Forschungsansätze und therapeutische Praktiken infor- mieren und verbessern, um Frauen bei einer informierten und selbstbestimmten Entscheidung zu unterstützen. Abstract in English Aesthetic genital surgery has gained importance in recent years and represents a significant topic in medical and societal discussions. This study examines individual decision-making pro- cesses based on the biographical backgrounds of women. It provides insights into the complex interplay of body image, societal norms, and individual decision-making processes. The central research question is how women who consider aesthetic genital surgery perceive their own bodies, individual body image, and intimate areas. The scope of the research includes the analysis

Trime Misini, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Die Rolle der Einstellung von Frauen zu Körper und Körperbilder auf den Entscheidungsprozess hinsichtlich einer ästhetischen Intimchirurgie

Verfasst von
Trime Misini

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Körperbild · Operative Eingriffe · Genitales Selbstbild

Lizenz und Nachweis. Trime Misini: «Die Rolle der Einstellung von Frauen zu Körper und Körperbilder auf den Entscheidungsprozess hinsichtlich einer ästhetischen Intimchirurgie». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

Verwandte Masterarbeiten

Weiterführend

Kategorien
MA2 Masterarbeit

Die gestützte Selbstbeobachtung des weiblichen Zyklus

Caroline Fux untersucht in der Masterarbeit «Die gestützte Selbstbeobachtung des weiblichen Zyklus» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Drei Frauen kolorierten einen Zyklus lang täglich zehn Minuten Malvorlagen zum Thema Menstruation. Danach war ihr Bewusstsein für Zyklus und Genital deutlich gestiegen — die Menstruationsbeschwerden aber unverändert. Diese Arbeit berichtet beides und benennt zudem eine Bedingung, die leicht zu übersehen ist.

Was wurde gemacht?

Drei Frauen, die gewöhnlich unter starken Menstruationsbeschwerden leiden, malten über einen ganzen Zyklus hinweg täglich zehn Minuten in einem Malbuch mit Bildern zum Thema Menstruation.

Vor und nach diesem Zyklus wurden sie zu Menstruation, Zyklus und genitalem Selbstbild befragt; die Gespräche wurden qualitativ inhaltsanalytisch ausgewertet, ergänzt durch einen Fragebogen.

Die Zeitvorgabe hat sich als sinnvoll bemessen erwiesen. Zehn Minuten reichen, um in die Tätigkeit einzutauchen und von der entspannenden Wirkung zu profitieren.

Was hat sich verändert — und was nicht?

Das Bewusstsein für den eigenen Zyklus und das eigene Genital stieg deutlich, und die Frauen bewerteten das positiv. Auch verschiedene Bewertungen in den Bereichen Zyklus, Menstruation und genitales Selbstbild verbesserten sich.

Auf die Menstruationsbeschwerden hatte das Malen nach Angabe der Teilnehmerinnen keinen Einfluss. Die Arbeit verspricht also keine medizinische Wirkung — und das ist ein Vorzug.

Was die Frauen hervorhoben: Das tägliche Malen über den ganzen Zyklus wirkte entspannend und zentrierend.

Die Bedingung, die leicht übersehen wird

Die Autorin formuliert ihre Schlussfolgerung mit einer Einschränkung, die für jede Anwendung entscheidend ist: Die positiven Effekte zeigten sich, wenn das Malen durch ein Rahmenprogramm begleitet wurde — in diesem Fall durch die Interviews und den Fragebogen.

Ob die Malvorlagen für sich allein im Alltag dasselbe bewirken, ist damit offen. Das gesteigerte Bewusstsein dürfte die Selbstbeobachtung erleichtern und eine gute Grundlage für sexualtherapeutische Interventionen sein — als begleitetes Angebot, nicht als Selbstläufer.

Erste Hinweise gibt es zudem darauf, dass sich die Malvorlagen für Personen in einem breiten Altersspektrum eignen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Drei Teilnehmerinnen ohne Kontrollgruppe. Die Autorin benennt selbst, dass weitere Forschung nötig ist, um zu klären, unter welchen Umständen sich der Einsatz im Alltag lohnt.

Bemerkenswert ist die Trennschärfe: Wo eine Wirkung ausblieb, steht das im Ergebnis. Die Arbeit ist auf Deutsch und Englisch abgefasst.

Für die sexuelle Bildung ist der Befund dennoch brauchbar. Er zeigt, dass niederschwellige, körperbezogene Übungen etwas verändern können — an der Wahrnehmung, nicht am Symptom.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 74 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu Zykluswahrnehmung und genitalem Selbstbild, die Beschreibung des Vorgehens mit den Malvorlagen sowie die vollständige Auswertung der Interviews vor und nach dem Zyklus.

Abstract der Arbeit

Für diese Untersuchung haben drei Frauen einen Zyklus lang jeweils während zehn Minuten pro Tag Malvorlagen koloriert, die Bilder zum Thema Menstruation zeigen. Vor und nach dem begleiteten Zyklus wurden sie zu den Themen Zyklus, Menstruation und ihrem genitalem Selbstbild befragt. Ihre Aussagen wurden durch eine qualitative Inhaltsanalyse ausgewertet. Die Untersuchung konnte zeigen, dass das Bewusstsein der Frauen für ihren Zyklus und ihr Genital durch die Studie anstieg, was die Frauen positiv bewerteten. Alle drei Frauen erleben normalerweise starke Menstruationsbeschwerden. Auf diese hatte das Malen gemäss den Teilnehmerinnen keinen Einfluss, die Frauen betonten jedoch, dass sie das tägliche Malen während des ganzen Zyklus entspannte und zentrierte. For this study three women used a menstruation-themed coloring book for one menstruation cycle. They were coloring for ten minutes every day. Before and after this cycle they were interviewed about the topics menstruation, cycle and genital self-image. The transcripts of those interviews were analyzed with qualitative content analysis. This study could show that the awareness of their cycles and their genital was raised by the daily coloring, which the women experienced as highly beneficial. All women partaking in this study usually suffer from quite severe menstrual pain. According to them the coloring did not affect this pain, but the women stressed, that the coloring helped them to relax and to find focus.

Caroline Fux, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Die gestützte Selbstbeobachtung des weiblichen Zyklus – Wie Frauen ihren Zyklus, ihre Menstruation und ihr Genital erleben, wenn sie sich einen Zyklus lang mit Hilfe eines Mediums täglich damit beschäftigen

Verfasst von
Caroline Fux

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Verhütung · Genitales Selbstbild · Schwangerschaft & Geburt

Lizenz und Nachweis. Caroline Fux: «Die gestützte Selbstbeobachtung des weiblichen Zyklus – Wie Frauen ihren Zyklus, ihre Menstruation und ihr Genital erleben, wenn sie sich einen Zyklus lang mit Hilfe eines Mediums täglich damit beschäftigen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

Verwandte Masterarbeiten

Weiterführend

Kategorien
MA2 Masterarbeit

Körperorientierte Übungen zu genitaler Wahrnehmung und sexueller Lust

Claudia Märki untersucht in der Masterarbeit «Körperorientierte Übungen zu genitaler Wahrnehmung und sexueller Lust» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Für Frauen, die etwas über den eigenen Körper und die eigene Lust lernen möchten, gibt es Ratgeber und Therapie — dazwischen kaum etwas. Diese Arbeit hat die Lücke nicht nur beschrieben, sondern gefüllt: mit einem Kurs, der entwickelt, durchgeführt und ausgewertet wurde.

Warum braucht es das Angebot?

Die Begründung setzt ungewöhnlich an. Statt von einem Defizit auszugehen, zeigt die Arbeit auf, welche sexuellen Rechte für heterosexuelle Frauen noch nicht erfüllt sind — und leitet daraus die Notwendigkeit eines Bildungsangebots ab.

Daraus entstand ein Curriculum und der Kurs «lustvoll sexuell». Er verfolgt drei Ziele: die genitale Wahrnehmung fördern, anatomisches Wissen über das weibliche Geschlecht vermitteln und den positiven genitalen Selbstbezug stärken.

Die Werkzeuge stammen aus der achtsamkeitsbasierten Sexualtherapie, dem Modell Sexocorporel und der Sportdidaktik — eine Kombination, die man selten zusammen sieht.

Was hat der Kurs bewirkt?

Die Evaluation zeigt exemplarisch, dass die gesetzten Ziele erreicht wurden: eine erste Verbesserung der genitalen Wahrnehmung, ein messbarer Wissenszuwachs, ein gestärkter positiver Selbstbezug.

Das stärkste Ergebnis war jedoch ein anderes, das im Konzept gar nicht als Ziel stand: der offene Austausch. Die Teilnehmerinnen erachteten ihn als grösste Stärke des Kurses.

Dieselbe Beobachtung machen mehrere andere Arbeiten dieser Sammlung. Wer ein Gruppenangebot plant, sollte den Austausch nicht als Beiwerk einplanen, sondern als Wirkstoff.

Was macht ein gutes Bildungsangebot aus?

Die Arbeit formuliert es so: Ein körperorientiertes Angebot, lustfreundlich und sexualitätsbejahend gestaltet, schafft ein sicheres Erfahrungsfeld für individuelle sexuelle Lernprozesse — auf kognitiver, emotionaler und körperlicher Ebene zugleich.

Der Grundgedanke dahinter: Die Fähigkeit zu sexueller Erregung ist angeboren, sexuelles Lernen aber findet lebenslang statt und beginnt in frühester Kindheit. Was gelernt wurde, lässt sich auch später erweitern.

Wer selbst ein Angebot aufbauen will, findet hier ein vollständig durchgerechnetes und erprobtes Konzept.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Der Kurs wurde von der Autorin entwickelt, selbst durchgeführt und selbst evaluiert. Das ist bei einer Konzeptarbeit üblich, färbt aber auf die Rückmeldungen ab.

Die Evaluation ist ausdrücklich exemplarisch angelegt — sie zeigt an einem Durchgang, dass die Ziele erreichbar sind, nicht dass sie regelmässig erreicht werden. Eine Kontrollgruppe oder eine Nachbefragung nach längerer Zeit gibt es nicht.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 120 Seiten. Sie enthält die Begründung aus den sexuellen Rechten, die Analyse der Faktoren, die sexuelles Lernen bei Frauen einschränken, das vollständige Curriculum und Kurskonzept sowie die Auswertung der Durchführung.

Abstract der Arbeit

Bildungsangebote für die sexuelle Erwachsenenbildung gibt es bislang wenige. Die vorliegende Arbeit erstellt theoriegeleitet ein Konzept für eine Bildungsveranstaltung der sexuellen Erwachsenenbildung für heterosexuelle Frauen. Darin wird gezeigt, welche Faktoren den sexuellen Lernprozess von heterosexuellen Frauen beschränken. Die vorliegende Arbeit begründet die Entwicklung eines Curriculums zur Unterstützung des sexuellen Lernens auf Grundlage der sexuellen Rechte. Ein Kurs „lustvoll sexuell“ wird entwickelt, durch den Frauen grundlegendes anatomisches Wissen vermittelt wird. Es wird der positive, genitale Selbstbezug gestärkt und durch Körperübungen wird die genitale Wahrnehmung gefördert. Es werden Werkzeuge aus der achtsamkeitsbasierten Sexualtherapie, dem Modell Sexocoporel und der Sportdidaktik vorgestellt. Der entwickelte Kurs wird von der Verfasserin durchgeführt und evaluiert. Die Evaluation wertet den Inhalt des Kurses und den durch die Körperübungen erreichten Lerntransfer zur Verbesserung der genitalen Wahrnehmung exemplarisch aus. Die Auswertung zeigt, dass bei der Zielgruppe eine erste Verbesserung der genitalen Wahrnehmung stattfindet, das vermittelte Wissen einen Lernzuwachs erzielt und der positive genitale Selbstbezug gefördert wird. Das offene Sprechen erweist sich als stärkstes Ergebnis des Kurses. Damit stellt die durch die vorliegende Arbeit konzipierte Bildungsveranstaltung eine wirksame Massnahme in der sexuellen Gesundheitsförderung von heterosexuellen Frauen dar.

Claudia Märki, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Körperorientierte Übungen zu genitaler Wahrnehmung und sexueller Lust in der sexuellen Erwachsenenbildung

Verfasst von
Claudia Märki

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Körperarbeit · Genitales Selbstbild · Sexuelles Verlangen

Lizenz und Nachweis. Claudia Märki: «Körperorientierte Übungen zu genitaler Wahrnehmung und sexueller Lust in der sexuellen Erwachsenenbildung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

Verwandte Masterarbeiten

Weiterführend