Monika Nänni untersucht in der Masterarbeit «‹Die goldene Mitte› – ein Workshop zu den Wechseljahren» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.
Wie Frauen die Wechseljahre erleben, hängt nicht nur an den Hormonen. Die Selbstakzeptanz und die Einstellung zu dieser Lebensphase lassen sich beeinflussen — und beide wirken darauf, wie stark die Symptome belasten. Diese Arbeit hat daraus ein dreiteiliges Bildungsprogramm gebaut, es mit elf Frauen durchgeführt und ausgewertet, was sich verändert hat.
Was wollen Frauen in den Wechseljahren wissen?
Vor dem Programm wurden die elf Teilnehmerinnen nach ihren Erwartungen gefragt. Acht wollten schlicht mehr über die Wechseljahre erfahren — um gewappnet zu sein, oder um mit Mythen aufzuräumen.
Sechs wünschten sich den Austausch mit anderen Frauen und wollten wissen, wie es diesen ergeht. Je drei interessierten sich für Methoden zur Bewältigung der Symptome und für den medizinischen Hintergrund und die Hormone. Je eine wollte wissen, was von dieser Lebensphase zu erwarten sei und wie gesundes Altern geht.
Diese Verteilung ist selbst ein Ergebnis: Der grösste Bedarf liegt bei Wissen und Austausch, nicht bei Therapie.
Wie ist das Programm aufgebaut?
Die dreiteilige Workshopreihe «Die goldene Mitte» verbindet biomedizinisches und psychosoziales Wissen mit Achtsamkeitstraining und körperorientierten Methoden.
Konkret heisst das: stille Atemmeditation zum Ankommen, Bewegungs- und Aufwärmspiele, Reflexion über das bisher Geleistete und darüber, was in die neue Lebensphase mitgenommen und was zurückgelassen werden soll. Eine gemeinsam gefüllte «Schatzkiste» sammelt Ideen zur Selbstfürsorge für Zeiten der Erschöpfung. Zum Abschluss schreiben die Frauen einander Komplimente.
Eine der wirksamsten Übungen war die einfachste: den eigenen nackten Körper im Spiegel betrachten.
Was hat sich verändert?
Die Auswertung erfolgte über Fragebogen vor und nach der Reihe sowie eine Gruppendiskussion — und sie unterscheidet sorgfältig, was sich bewegt hat und was nicht.
Verändert hat sich die Selbstakzeptanz: höhere Zufriedenheit mit sich selbst, mehr Achtung vor der eigenen Person, eine wohlwollendere Haltung. Über den Zugang der Achtsamkeit wurde der eigene Körper weniger bewertet. Nebenbei entstand ein praktischer Nutzen — wer Körperempfindungen bewusster wahrnimmt, erkennt und ordnet Symptome besser ein.
Nicht verändert hat sich die Akzeptanz des eigenen Aussehens: Sämtliche Teilnehmerinnen bewerteten sie vorher und nachher gleich. Die Autorin nennt drei mögliche Gründe und behauptet keinen Erfolg, wo keiner messbar war.
Bei der Einstellung zu den Wechseljahren fällt das Ergebnis deutlicher aus. Die Frauen kommen nachweislich besser mit dieser Lebensphase zurecht, bewerten das Gefühl einer Frau in der Perimenopause als wertvoller und attraktiver und fühlen sich durch den Wissenszuwachs gelassener — vor allem, weil sie den Symptomen nicht mehr hilflos ausgeliefert sind.
Was war den Teilnehmerinnen am wichtigsten?
Nicht das Wissen, sondern die anderen Frauen. Sieben von elf nannten den Austausch als besonders wertvoll. Eine fasste es so zusammen: mit dem Thema nicht mehr alleine zu sein.
Ebenso viele empfanden die Wissensvermittlung als sehr informativ, sechs lobten die Mischung der Inhalte. Für alle, die selbst ein Angebot zu den Wechseljahren planen, ist das der wichtigste Hinweis: Der Gruppenraum ist nicht Beiwerk zum Inhalt, er ist ein Teil davon.
Wie belastbar sind diese Ergebnisse?
Elf Teilnehmerinnen, kein Kontrollgruppendesign, Erhebung über selbst ausgefüllte Fragebogen und eine Gruppendiskussion — durchgeführt und ausgewertet von derselben Person, die das Programm entwickelt hat.
Die Arbeit geht damit offen um und benennt ihre Grenzen in einem eigenen Kapitel. Was sie liefert, ist ein vollständig dokumentiertes, erprobtes Konzept samt Rückmeldungen — nicht der Wirksamkeitsnachweis einer Methode.
Die Arbeit im Original
Die vollständige Masterarbeit umfasst 158 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zur Perimenopause aus medizinischer und psychosozialer Sicht, das ausgearbeitete Workshop-Konzept mit vollständigem Ablaufplan und Quellenangaben zu jeder Übung sowie die komplette Auswertung.
Abstract der Arbeit
Die Perimenopause ist ein komplexes Phänomen. Neben hormonellen Veränderun- gen wirken sich auch psychosoziale und kulturelle Einflüsse auf das Erleben der Wechseljahre und die Sexualität aus. Die vorliegende Masterarbeit untersucht, wel- chen Anforderungen ein Angebot sexueller Bildung entsprechen muss, um Frauen während den Wechseljahren in ihrem psychosozialen Wohlbefinden zu unterstüt- zen. Aus der Forschung zeigen sich die Selbstakzeptanz und die Einstellung ge- genüber den Wechseljahren als beeinflussbare Faktoren, die einen positiven Ein- fluss auf das Erleben der Perimenopause und den Umgang mit Symptomen ausü- ben können. In der Konzeption der 3-teiligen Workshopreihe «Die goldene Mitte» wird die Selbstakzeptanz gestärkt durch die Vermittlung von biomedizinischem, wie auch psychosozialem Wissen, Achtsamkeitstraining und körperorientierten Metho- den. Die Verarbeitung von Erfahrungen auf der kognitiven, emotionalen und sozia- len Ebene sowie der Austausch mit anderen Frauen und das Erkennen eigener Ressourcen verbessern die Einstellung gegenüber den Wechseljahren und gegen- über dem Altern. Das Bildungsprogramm wird mit elf perimenopausalen Frauen durchgeführt und mittels Pre- und Post-Fragebogen sowie einer Gruppendiskussion ausgewertet. Die Evaluation der schriftlichen Rückmeldungen und die Ergebnisse der qualitativen Inhaltsanalyse zeigen, dass sich sowohl die Selbstakzeptanz als auch die Einstellung gegenüber den Wechseljahren bei den Teilnehmerinnen posi- tiv verändert haben. Damit stellt das sexuelle Bildungsprogramm «Die goldene Mitte» eine wirksame Massnahme zur Förderung der sexuellen Gesundheit von Frauen in der Perimenopause dar.
Monika Nänni, Abstract der Masterarbeit, 2024
Angaben zur Arbeit
Titel
«Die goldene Mitte» – ein Workshop zu den Wechseljahren. Der Einfluss gezielter sexueller Bildung auf die Selbstakzeptanz von Frauen in der Perimenopause und ihre Einstellung dazu
Verfasst von
Monika Nänni
Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4
Jahr
2024
Themen
Wechseljahre · Körperarbeit · Verhütung
Lizenz und Nachweis. Monika Nänni: «‹Die goldene Mitte› – ein Workshop zu den Wechseljahren. Der Einfluss gezielter sexueller Bildung auf die Selbstakzeptanz von Frauen in der Perimenopause und ihre Einstellung dazu». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.
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Weiterführend
- Master of Arts in Sexologie, der Studiengang, aus dem diese Arbeit stammt
- Diplomlehrgang Sexualtherapie
- Diplomlehrgang Sexualpädagogik