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MA5 Masterarbeit

Das genitale Selbstbild im Kontext von Female Genital Mutilation/Cutting

Alexandra Ursula Meisser untersucht in der Masterarbeit «Das genitale Selbstbild im Kontext von Female Genital Mutilation/Cutting» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Frauen mit einer Genitalbeschneidung begegnen im Gesundheitswesen meist einer medizinischen Sicht auf ihren Körper. Wie sie ihr eigenes Genital wahrnehmen, wird selten gefragt. Diese Arbeit hat genau das getan — und kommt zu einem Ergebnis, das jede Verallgemeinerung verbietet.

Gibt es «das» genitale Selbstbild nach FGM/C?

Nein. Das ist der erste und wichtigste Befund. Die Wahrnehmungen der befragten Frauen fallen so unterschiedlich aus, dass sich keine verallgemeinerbaren Aussagen ableiten lassen.

Jede betroffene Frau verfügt über eigene Ressourcen, Grenzen und Herausforderungen. Weder das genitale Selbstbild noch die sexuelle Selbstsicherheit verlaufen einheitlich.

Daraus folgt für die Praxis unmittelbar: Es braucht in jedem Einzelfall eine eigene Erhebung, wie das genitale Selbstbild und die sexuelle Selbstsicherheit ausgeprägt sind. Von der Diagnose auf das Erleben zu schliessen, geht fehl.

Was hängt womit zusammen?

Genitales Selbstbild und sexuelle Selbstsicherheit stehen in wechselseitigem Zusammenhang — und diese Wechselwirkung findet sich auch bei Frauen mit FGM/C. Das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Befund: Was für andere Frauen gilt, gilt hier ebenso.

Für die Förderung eines konstruktiven Zugangs zum eigenen Genital schlägt die Arbeit den körperorientierten Ansatz Sexocorporel vor, insbesondere über die schrittweise Entwicklung sexueller Lernprozesse. Nicht als Korrektur, sondern als Weg zu einem eigenen Verhältnis zum eigenen Körper.

Ist das ein Thema der Frau allein?

Nein, und dieser Hinweis der Arbeit ist für die Praxis besonders wertvoll. Die Beschneidung sollte in der therapeutischen Begleitung nicht ausschliesslich als individuelles Thema der Frau verstanden werden, sondern ebenso als Paardynamik.

Wo es möglich ist, kann es entsprechend hilfreich sein, den Partner in den Therapieprozess einzubeziehen. Was zwischen zwei Menschen geschieht, lässt sich selten allein bearbeiten.

Was braucht die Fachperson?

Die Arbeit spricht offen aus, was in Leitfäden selten steht: Es handelt sich um ein hochsensibles Themenfeld, und Therapeutinnen und Therapeuten müssen auf ihre eigene Zentrierung und Selbstregulation achten.

Konkret empfiehlt sie, Pausen, humorvolle Elemente und körperbezogene Übungen ins Gespräch zu integrieren — für die Klientin ebenso wie für die begleitende Person. Wer beim Zuhören selbst in Anspannung gerät, kann nicht gut begleiten.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine explorative qualitative Arbeit mit halbstrukturierten Interviews, theoretisch gerahmt durch das Modell Sexocorporel nach Jean-Yves Desjardins. Die Autorin stellt selbst an den Anfang ihres Fazits, dass sich keine Rückschlüsse auf jede Frau mit FGM/C ziehen lassen.

Was die Arbeit liefert, sind Anhaltspunkte für die sexualtherapeutische Arbeit — und die Stimmen von Frauen, die in der Forschung zu diesem Thema selten selbst zu Wort kommen.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 103 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu FGM/C, die theoretischen Grundlagen zu genitalem Selbstbild und sexueller Selbstsicherheit, die vollständige Auswertung der Interviews und die Ableitungen für die sexualtherapeutische Praxis.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit befasst sich mit dem Einfluss der weiblichen Genitalbeschneidung (FGM/C) auf das genitale Selbstbild und in diesem Zusammenhang auf die sexuelle Selbstsicherheit. Ziel der Untersuchung ist es, mögliche Handlungsansätze für die sexualtherapeutische Praxis zu identifizieren. Als theoretischer Bezugsrahmen dient das Modell des Sexocorporel nach Jean- Yves Desjardins. Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurden halbstrukturierte Interviews mit betroffenen Frauen durchgeführt. Im Zentrum stand die Erfassung subjektiver Wahrnehmungen und individueller Erlebensweisen im Hinblick auf das genitale Selbstbild und die sexuelle Selbstsicherheit. Die vorliegende Arbeit verfolgt das Anliegen, durch die Stimmen der interviewten Frauen Erkenntnisse über den Einfluss von FGM/C auf diese Themenbereiche zu gewinnen. Die qualitative Analyse der Interviews machte unterschiedliche Perspektiven sichtbar. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sowohl das genitale Selbstbild als auch die sexuelle Selbstsicherheit nicht einheitlich verlaufen, sondern individuell geprägt sind. Ebenso zeigt sich, dass der Zugang zum eigenen Genital von einer Vielzahl unterschiedlicher Erfahrungen beeinflusst wird. Aus den erhobenen Daten lassen sich Hinweise ableiten, dass sexualtherapeutische Interventionen zur Förderung eines positiven genitalen Selbstbildes und zur Stärkung der sexuellen Selbstsicherheit bei Frauen mit FGM/C einen unterstützenden Beitrag leisten können.

Alexandra Ursula Meisser, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Das genitale Selbstbild im Kontext von Female Genital Mutilation/Cutting: Eine qualitative Studie zu Erfahrungen von Frauen mit FGM/C

Verfasst von
Alexandra Ursula Meisser

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Genitales Selbstbild · Selbstwirksamkeit · Körperarbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Alexandra Ursula Meisser: «Das genitale Selbstbild im Kontext von Female Genital Mutilation/Cutting: Eine qualitative Studie zu Erfahrungen von Frauen mit FGM/C». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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