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MA5 Masterarbeit

Die Auswirkungen von Diabetes mellitus Typ 2 auf die Sexualität bei Frauen

Pascale Olivia Schwarz untersucht in der Masterarbeit «Die Auswirkungen von Diabetes mellitus Typ 2 auf die Sexualität bei Frauen» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Keine einzige der befragten Frauen wusste, dass Diabetes mellitus Typ 2 ihre Sexualität beeinflusst. Beim Mann ist der Zusammenhang medizinisch bekannt und wird beachtet. Bei Vulva und Vagina ist er weit weniger präsent — obwohl die Studienlage auch dort erhebliche Auswirkungen zeigt.

Was wissen betroffene Frauen?

Die Arbeit prüfte die These, dass Frauen mit Diabetes Typ 2 kein Wissen über den Einfluss der Erkrankung auf ihre Sexualität haben. Sie bestätigt sich vollständig: Keine der Teilnehmerinnen war sich dessen bewusst.

Das deckt sich mit der internationalen Forschung. In einer Interviewstudie mit Betroffenen war den meisten Teilnehmenden der Zusammenhang ebenfalls nicht bekannt.

Eine zweite Studie erklärt, warum das folgenreich ist: Postmenopausale Frauen schreiben sexuelle Beschwerden vor allem dem Alter und der Menopause zu und halten sie für einen natürlichen Alterungsprozess. Sie sind sich nicht bewusst, unter Einschränkungen zu leiden, die behandelbar wären.

Warum ist die Lücke so gross?

Weil Diabetes und Sexualität in zwei getrennten Zuständigkeiten liegen. Die Diabetesberatung kümmert sich um Blutzucker, Ernährung und Folgeerkrankungen, die Gynäkologie um den Befund — und die Frage nach dem sexuellen Erleben stellt niemand.

Beim Mann ist das anders. Der Einfluss auf die Erektionsfähigkeit gehört zum medizinischen Standardwissen und wird in Fachkreisen beachtet. Genau diese Asymmetrie macht die Arbeit sichtbar.

Es gibt zudem insgesamt wenige Studien, die das Wissen von Betroffenen über den Zusammenhang überhaupt erhoben haben. Die Forschung teilt die Lücke also mit der Praxis.

Was hat die Arbeit erhoben?

Sie fragt nicht nur nach der körperlichen Wahrnehmung, sondern nach vier Dingen zugleich: was die Frauen über den Einfluss der Erkrankung wissen, an wen sie sich wenden können, welche Behandlungsmöglichkeiten sie kennen und was sie sich wünschen.

Diese Anlage macht die Arbeit für die Versorgung brauchbar. Sie beschreibt nicht nur ein Defizit, sondern zeigt, an welcher Stelle im Behandlungsweg die Information fehlt.

Diabetes Typ 2 gehört zu den häufigsten Erkrankungen weltweit, und die Häufigkeit steigt — in der Schweiz wie anderswo. Die Lücke betrifft also sehr viele Frauen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Qualitative Interviews mit betroffenen Frauen, ergänzt durch eine Literaturrecherche. Die Zahl der Befragten ist klein, und die Arbeit prüft ihre Thesen einzeln und diskutiert sie an der Studienlage.

Dass alle Befragten dasselbe Nichtwissen berichten, ist bei kleiner Stichprobe dennoch aussagekräftig — weil es sich mit den internationalen Befunden deckt. Für Häufigkeitsaussagen taugt die Arbeit nicht, für die Frage, ob überhaupt informiert wird, sehr wohl.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 76 Seiten. Sie enthält die medizinischen Grundlagen zu Diabetes mellitus Typ 2, den Forschungsstand zum Einfluss auf die weibliche Sexualität, die vollständige Auswertung der Interviews sowie Empfehlungen für Praxis und weiterführende Forschung.

Abstract der Arbeit

Diabetes mellitus Typ 2 (DM2) ist eines der häufigsten Krankheitsbilder der modernen Zivilisation und zählt zu der Gruppe der nichtübertragbaren Krankheiten, welche die häufigste Haupttodesursache weltweit darstellt. Die Prävalenz ist sowohl weltweit als auch in der Schweiz steigend. DM2, beeinflusst den Blutzuckerspiegel und hat dadurch auf verschiedene Bereiche des Körpers Einfluss und fordert als chronische Krankheit die betroffenen Personen sowohl körperlich als auch psychisch. Der Einfluss von DM2 auf das Genital ist vor allem bei Personen mit Penis bekannt und wird in medizinischen Fachkreisen auch beachtet. Der Einfluss auf Vulva und Vagina ist weit weniger bekannt, obwohl die Studienlage aufzeigt, dass auch einen erheblichen Einfluss auf die sexuelle Funktion durch DM2 besteht. Die vorliegende Arbeit untersucht in Interviews mit betroffenen Frauen neben der körperlichen Wahrnehmung auch andere Bereiche wie das Wissen über die Krankheit und Einfluss auf die Sexualität, Ansprechpersonen und Therapiemöglichkeiten sowie Wünsche und Zukunftsaussichten der betroffenen Frauen.

Pascale Olivia Schwarz, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Die Auswirkungen von Diabetes mellitus Typ 2 auf die Sexualität bei Frauen – Einblicke aus qualitativen Interviews mit betroffenen Frauen

Verfasst von
Pascale Olivia Schwarz

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexualität & Krankheit · Genitales Selbstbild · Wechseljahre

Lizenz und Nachweis. Pascale Olivia Schwarz: «Die Auswirkungen von Diabetes mellitus Typ 2 auf die Sexualität bei Frauen – Einblicke aus qualitativen Interviews mit betroffenen Frauen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Lichen sclerosus – weibliche Sexualität bei chronischer Erkrankung

Sara Waldispühl untersucht in der Masterarbeit «Lichen sclerosus – weibliche Sexualität bei chronischer Erkrankung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Lichen sclerosus betrifft schätzungsweise eine von fünfzig Frauen, verursacht Juckreiz, wunde Stellen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr — und wird von der Ärzteschaft fast nie im Zusammenhang mit Sexualität angesprochen. Diese Arbeit hat fünf betroffene Frauen gefragt, wie sie damit umgehen.

Was ist Lichen sclerosus?

Eine chronisch entzündliche Hauterkrankung, die vorwiegend die Genitalregion von Frauen betrifft. Typische Beschwerden sind Juckreiz, wunde Stellen und Brennen. Die Häufigkeit ist schwer zu bestimmen; geschätzt wird, dass etwa eine von fünfzig Frauen betroffen ist.

Die Ursachen sind ungeklärt, die Behandlungsmöglichkeiten begrenzt. Die Erkrankung kann zu sichtbaren Veränderungen der Vulva führen, was das Körperbild belastet. Für die Sexualität sind Einreissen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr die häufigsten Folgen.

Wie gehen Betroffene damit um?

Die Analyse der Interviews zeigt eine Vielzahl von Strategien, die die Frauen entwickelt haben, um mit den Auswirkungen auf ihre Sexualität umzugehen. Diese Strategien stammen nicht aus der Behandlung — sie sind selbst erarbeitet.

Die Autorin beschreibt im Schlusswort, was sie an den Gesprächen beeindruckt hat: der individuelle Umgang der Betroffenen mit der Erkrankung und ihre scheinbar unerschütterliche Zuversicht, Lösungen für die eigene Situation zu finden.

Zugleich wurde deutlich, wie stark Sexualität von Erwartungen, Bildern und Normen geprägt ist — und dass deren Nichterfüllung zu Selbstzweifeln, Schuldgefühlen und Abwertung führen kann.

Spricht die Ärzteschaft das Thema an?

Kaum. Das ist der zweite Befund der Arbeit, und sie hat ausdrücklich danach gefragt: ob und wie Sexualität bei Diagnosestellung und Behandlung zur Sprache kommt.

Die Befragten wurden von ärztlicher Seite kaum darüber informiert, was Lichen sclerosus für ihre Sexualität bedeutet. Die Autorin nennt den Grund ein doppeltes Tabu: Sexualität und Vulvakrankheit treffen aufeinander, und beides wird ungern besprochen.

Das ist ein Muster, das mehrere Arbeiten dieser Sammlung finden. Bei chronischen Erkrankungen des Genitals fällt die Sexualität zwischen alle Zuständigkeiten — die Dermatologie behandelt die Haut, die Gynäkologie den Befund, und für das Erleben ist niemand vorgesehen.

Was heisst das für die Praxis?

Für Fachpersonen ist der Schluss unmittelbar: Es braucht Aufklärung zu einem Thema, über das doppelt geschwiegen wird — und es braucht die Bereitschaft, die Frage von sich aus zu stellen.

Die Autorin zieht daraus für ihre eigene sexologische Arbeit die Konsequenz, Menschen zur Reflexion ihrer eigenen Vorstellungen anzuregen und ein Bild von Sexualität zu vermitteln, das vielfältig und individuell gestaltbar ist. Genau darin liegt bei einer Erkrankung, die den bisherigen Ablauf unmöglich macht, der praktische Ansatz.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Leitfadeninterviews mit fünf betroffenen Frauen, ergänzt durch eine Literaturrecherche. Bei einer Erkrankung, zu der wenig geforscht wird und deren Häufigkeit sich nicht sicher bestimmen lässt, sind fünf ausführliche Gespräche eine übliche und angemessene Grundlage — sie erlauben aber keine Aussage darüber, wie verbreitet die geschilderten Erfahrungen sind.

Was die Arbeit leistet, ist Sichtbarkeit für eine Erkrankung, über die im Zusammenhang mit Sexualität kaum etwas vorliegt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 122 Seiten. Sie enthält den medizinischen Forschungsstand zu Lichen sclerosus, den Stand zu Sexualität bei chronischen Erkrankungen, die vollständige Auswertung der fünf Interviews und die Ableitungen für Beratung und Aufklärung.

Abstract der Arbeit

Abstract Deutsch Lichen sclerosus ist eine chronisch entzündliche Hauterkrankung, die vorwiegend die Genitalregion von Frauen betrifft. Typische Symptome können Juckreiz, wunde Stellen und Brennen sein. Die Prävalenz ist schwierig zu ermitteln. Es wird vermutet, dass ca. 1 von 50 Frauen betroffen ist. Die Ursachen der Erkrankung sind noch ungeklärt und die Behandlungsmöglichkeiten sind eingeschränkt. Die Erkrankung kann zu sichtbaren Veränderungen der Vulva führen, was das Körperbild der Betroffenen einschränken kann. Lichen sclerosus kann erhebliche negative Auswirkungen auf die Sexualität der Betroffenen haben. Häufig wird von Einreissen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr berichtet. Die vorliegende Arbeit untersucht mittels qualitativer Forschungsmethode, wie betroffene Frauen mit der Erkrankung im Kontext ihrer Sexualität umgehen. Zudem soll in Erfahrung gebracht werden, inwiefern die Ärzteschaft das Thema Sexualität im Rahmen der Diagnosestellung und Behandlung von Lichen sclerosus anspricht. Die Analyse der Interviews zeigt, dass die Betroffenen eine Vielzahl von Strategien anwenden, um mit den Auswirkungen der Erkrankung auf die Sexualität umzugehen. Zudem wird deutlich, dass die Befragten kaum von der Ärzteschaft zum Thema Sexualität mit Lichen sclerosus informiert und beraten wurden. Abstract Englisch Lichen sclerosus is a chronic inflammatory skin disease that primarily affects the genital region in women. Typical symptoms include itching, sores, and burning. Its prevalence is difficult to determine. It is estimated that approximately 1 in 50 women are affected. The causes of the disease are still unclear and treatment options are limited. The disease can lead to visible changes in the vulva, which can affect the body image. Lichen sclerosus can have a significant negative impact on the sexuality of those affected. Tearing and pain during sexual intercourse are commonly reported. This study uses qualitative research methods to investigate how affected women deal with the disease in the context of their sexuality. It also aims to find out to what extent the medical profession addresses the issue of sexuality in the diagnosis and treatment of lichen sclerosus. The analysis of the interviews shows that those affected use a variety of strategies to deal with the effects of the disease on their sexuality. It also becomes clear that the respondents received little information and advice from the medical profession on the subject of sexuality with lichen sclerosus.

Sara Waldispühl, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Lichen sclerosus – Weibliche Sexualität im Kontext einer chronischen Erkrankung

Verfasst von
Sara Waldispühl

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexualität & Krankheit · Genitales Selbstbild · Körperbild

Lizenz und Nachweis. Sara Waldispühl: «Lichen sclerosus – Weibliche Sexualität im Kontext einer chronischen Erkrankung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Sexualität mit diagnostizierter Endometriose

Madeleine Wüthrich untersucht in der Masterarbeit «Sexualität mit diagnostizierter Endometriose» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

«Sie können die Schmerzen doch ignorieren, es ist ja nichts auffindbar.» Diesen Satz bekam eine der vier befragten Frauen von ihrem Arzt zu hören. Bei Endometriose gehören Schmerzen beim Sex zu den häufigen Beschwerden — und die Sexualität ist genau der Teil, über den in der Behandlung am wenigsten gesprochen wird. Diese Arbeit hat vier Betroffene ausführlich befragt.

Wie lange dauert es bis zur Diagnose?

Die vier Befragten sind zwischen 37 und 40 Jahre alt, drei leben in der Schweiz, eine in Deutschland. Ihre Wege bis zur Diagnose ähneln sich auf eine Weise, die aufhorchen lässt.

Bei drei von vier traten die ersten Beschwerden nach dem Absetzen der hormonellen Verhütung auf — eine Frau war damals dreissig. Eine vierte hatte bereits mit vierzehn Symptome, ordnete den Rückenschmerz aber jahrelang nicht zu.

Bestätigt wurde die Diagnose bei allen erst durch eine Bauchspiegelung, teils als Zufallsbefund. Eine Frau wurde von einem Viszeralchirurgen operiert, einem Bauchspeicheldrüsen-Spezialisten, der die Endometriose nebenbei entdeckte. Zwei erhielten zusätzlich den Verdacht auf eine Adenomyose.

Warum ist Endometriose so schwer zu fassen?

Weil sie nicht an einem Ort sitzt. Die Herde lagen bei den Befragten sehr unterschiedlich: an Eierstöcken und Eileitern, an der Gebärmutter, im Douglas-Raum, rund um den Darm, am Bauchfell, an der Blase. In einem Fall wurde ein kleiner Herd auf einem Nerv in der Bauchdecke gefunden.

Entsprechend breit sind die Beschwerden. Die Befragten berichten von starken Schmerzen, chronischer Erschöpfung und eingeschränkter Beweglichkeit, dazu Schlafstörungen, Kopfschmerzen und kognitive Einbussen. Eine beschreibt messerstichartige Schmerzen im Unterbauch, ausstrahlend bis zum Knie, dazu heftige Rückenschmerzen und eine Blutung von mindestens anderthalb Wochen.

Zur körperlichen Belastung kommt die psychische, die aus der jahrelangen Ungewissheit vor der Diagnose entsteht.

Was macht die Erkrankung mit der Sexualität?

Die Arbeit untersucht drei Ebenen: sexuelle Funktionen und Lustempfinden, die Körperwahrnehmung sowie die Strategien, mit denen die Betroffenen Sexualität weiterhin möglich machen.

Die Beeinträchtigung ist erheblich, und sie läuft über drei Wege zugleich: chronische Schmerzen, eine veränderte Wahrnehmung des eigenen Körpers und emotionale Belastung. Die Befragten entwickeln eigene Anpassungsstrategien und greifen teils auf komplementäre Therapieformen zurück.

Bemerkenswert ist, was die Arbeit daraus schliesst: Endometriose geht weit über ein gynäkologisches Krankheitsbild hinaus. Sie berührt Körperbild, emotionale und psychosoziale Stabilität — und die Sexualität ist dabei ein zentraler, im medizinischen Alltag aber randständiger Aspekt.

Was fehlt in der Versorgung?

Hier liegt der deutlichste Befund, und er betrifft nicht die Krankheit, sondern die Behandlung. Sexualität wird selten angesprochen, sexualmedizinische Beratung fehlt weitgehend, psychosoziale Unterstützung ist knapp, und Entscheidungen werden selten gemeinsam getroffen.

Was sich die Befragten wünschen, ist eine Begleitung, die medizinische, psychologische und sexualtherapeutische Aspekte verbindet. Die Fachliteratur beschreibt genau das als wünschenswert und notwendig — umgesetzt wird es kaum.

Für Gynäkologie, Physiotherapie, Hausarztpraxis und Sexualberatung ist die Arbeit deshalb vor allem eine Aufforderung, die Frage überhaupt zu stellen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier qualitative Interviews, ausgewertet nach Mayring, entlang von drei forschungsleitenden Hypothesen. Vier Frauen zwischen 37 und 40, alle in heteronormativen Beziehungen — das ist kein Querschnitt der Betroffenen.

Was diese Arbeit leisten kann, ist Tiefe statt Breite: ausführliche Schilderungen mit wörtlichen Zitaten, die zeigen, wie sich die Erkrankung im Alltag und in der Sexualität anfühlt. Die Autorin benennt den Forschungsbedarf zur sexualitätsbezogenen Versorgung bei Endometriose ausdrücklich.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 105 Seiten. Sie enthält den medizinischen Forschungsstand zu Endometriose, den Stand zur sexuellen Gesundheit bei chronischen Erkrankungen, die vollständige Auswertung der vier Interviews mit Zitaten und die Ableitungen für eine betroffenenzentrierte Versorgung.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit untersucht die Auswirkungen der chronischen Erkrankung Endometri- ose auf die Sexualität betroffener Personen, unter besonderer Berücksichtigung psychoso- zialer, körperlicher und medizinischer Einflussfaktoren. Grundlage der Untersuchung sind qualitative Interviews mit vier Betroffenen, die mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (2022) systematisch ausgewertet wurden. Die Analyse orientiert sich an drei for- schungsleitenden Hypothesen und fokussiert auf sexuelle Funktionen, Lustempfinden, Kör- perwahrnehmung sowie Bewältigungsstrategien und Erfahrungen im medizinischen Ver- sorgungskontext. Die Ergebnisse zeigen, dass Endometriose die sexuelle Gesundheit erheblich beeinträch- tigt – insbesondere durch chronische Schmerzen, eine veränderte Körperwahrnehmung und emotionale Belastung. Die Befragten entwickeln individuelle Strategien zur sexuellen Anpassung und greifen teilweise auf komplementäre Therapieformen zurück. Gleichzeitig offenbaren sich deutliche Defizite in der medizinischen Versorgung: Sexualität wird selten thematisiert, sexualmedizinische Beratung fehlt weitgehend, psychosoziale Unterstützung und partizipative Entscheidungsprozesse bleiben eingeschränkt. Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigen deutlich, dass sich Betroffene eine ganzheitlich ausge- richtete Versorgung wünschen, die medizinische, psychologische und sexualtherapeuti- sche Aspekte miteinander verbindet. Diese Form der interdisziplinären Betreuung wird auch in der einschlägigen Literatur als wünschenswert und notwendig beschrieben. In der Praxis wird sie bislang jedoch kaum umgesetzt. Darüber hinaus betont die Arbeit den Forschungs- bedarf hinsichtlich sexualitätsbezogener Versorgung bei Endometriose. Die Ergebnisse lie- fern praxisrelevante Impulse für eine stärkere Berücksichtigung sexueller Gesundheit in der Endometriose-Versorgung und für die Weiterentwicklung bedarfsgerechter Behandlungs- modelle.

Madeleine Wüthrich, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Endometriose – Sexualität mit diagnostizierter Endometriose

Verfasst von
Madeleine Wüthrich

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexualität & Krankheit · Schwangerschaft & Geburt · Vaginismus

Lizenz und Nachweis. Madeleine Wüthrich: «Endometriose – Sexualität mit diagnostizierter Endometriose». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Sexualität und Krebs – Interventionen in der Behandlung

Jeannette Stucki untersucht in der Masterarbeit «Sexualität und Krebs – Interventionen in der Behandlung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Eine Krebserkrankung greift in die Lebensqualität ein, und die Sexualität gehört dazu. Das Angebot ist gewachsen — sichtbar ist es nicht. Diese Erkundungsstudie hat nachgesehen, was es in der Deutschschweiz tatsächlich gibt, und findet ein Muster, das für die Praxis entlastend ist.

Wie sieht das Angebot aus?

In den letzten Jahren hat sich viel getan: Die Bedeutung des Themas wurde erkannt, und das Angebot ist gewachsen. Trotzdem ist es teilweise nach wie vor zu wenig sichtbar und präsent.

Besonders deutlich zeigt sich das dort, wo Betroffene zuerst sind: In Spitälern und Kliniken wird Sexualität nicht als vorrangig angesehen.

Die Folge benennt die Arbeit klar: Betroffene gehen oft erst nach ein paar Jahren in Beratung oder Therapie, um ihre Anliegen zur Sexualität zu besprechen. Jahre, in denen sie damit allein sind.

Gibt es die richtige Behandlung?

Nein — und das ist der für die Praxis wichtigste Befund. Einen klaren Best-Practice-Ansatz gibt es nicht. Je nach Fachperson kommen verschiedene Interventionen zum Einsatz, und diese lassen sich nicht unbedingt auf ein Merkmal der Betroffenen zurückführen.

Daraus folgt etwas Entlastendes: Menschen mit verschiedenen Krebsarten können gleichermassen von einer Sexualberatung profitieren. Es braucht also keine Spezialisierung nach Diagnose.

Was es braucht, ist der Blick auf die einzelne Person — auf das, was sie an Ressourcen und Anknüpfungspunkten mitbringt. Die Diagnose bestimmt nicht das Vorgehen.

Was heisst das für Fachpersonen?

Für die Onkologie ist die Arbeit vor allem eine Orientierung: Sie zeigt, was es gibt und wohin verwiesen werden kann.

Für die Sexualberatung heisst der Befund, dass die eigene Unsicherheit gegenüber onkologischen Krankheitsbildern kein Hinderungsgrund sein muss. Gefragt ist nicht Fachwissen über den Tumor, sondern die Arbeit mit dem, was die Person mitbringt.

Für ein systematischeres Verständnis dessen, was in diesem eher tabuisierten Bereich am besten wirkt, braucht es nach der Autorin eine vertieftere Analyse.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine Erkundungsstudie — die Arbeit nennt sich selbst so. Sie kombiniert eine kurze Online-Befragung zum Angebot in der Deutschschweiz mit drei Interviews mit Fachpersonen.

Drei Interviews und eine kurze Befragung ergeben eine Momentaufnahme, keine Bestandsaufnahme. Die Autorin sagt selbst, dass es eine systematischere Betrachtung braucht.

Für eine erste Orientierung in einem Feld, zu dem es kaum Übersichten gibt, ist das angemessen. Mit 62 Seiten ist es eine der kürzeren Arbeiten der Sammlung.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 62 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu Sexualität bei Krebserkrankungen, die Ergebnisse der Online-Befragung zum Angebot in der Deutschschweiz sowie die vollständige Auswertung der drei Fachinterviews.

Abstract der Arbeit

Eine Krebserkrankung ist ein einschneidendes Erlebnis für die Betroffenen und deren Umfeld. Eine solche Erkrankung kann Folgen auf die Lebensqualität ha- ben, darunter auch auf die sexuelle Gesundheit. In den letzten Jahrzehnten wurde das Unterstützungsangebot für Betroffene mit sexuellen Anliegen immer stärker ausgebaut, trotzdem sind nach wie vor einige Hürden für umfassende Hilfestellungen vorhanden. Die Auswahl an möglichen Interventionen, um die Betroffenen in ihrer Sexualität zu unterstützen, scheint jedoch gross. Somit stellt sich die Frage, wie das Angebot denn tatsächlich aussieht und ob es vielleicht sogar eine Standardbehandlung gibt, welche Betroffene unabhängig irgend ei- nes Merkmals unterstützt. Um erste Ansätze auf diese Frage zu erhalten, wurde eine Erkundungsstudie mit einer kurzen Online-Befragung zum Angebot in der Deutschschweiz sowie Experteninterviews mit drei Experten und Expertinnen geführt. Es zeigt sich, dass ein Angebot zwar da ist, dies womöglich noch aus- gebaut oder vor allem auch präsenter gemacht werden kann. Einen klaren best- practice Ansatz scheint es nicht zu geben, womöglich helfen verschiedene In- terventionen, um die sexuellen Anliegen nach oder während einer Krebserkran- kung anzugehen. Wichtig dabei ist immer, dass das Individuum mit seinen gan- zen Erfahrungen und Ressourcen berücksichtig wird. Die Erkundungsstudie gibt Anhaltspunkte, um das Angebot und die Wirksamkeit der Interventionen in künf- tiger Forschung genauer zu betrachten.

Jeannette Stucki, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexualität und Krebs : Sexualitätsbezogene Interventionen in der Behandlung von Menschen mit einer Krebserkrankung: eine Erkundungsstudie

Verfasst von
Jeannette Stucki

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Sexualität & Krankheit · Erektile Dysfunktion · Sexualberatung

Lizenz und Nachweis. Jeannette Stucki: «Sexualität und Krebs : Sexualitätsbezogene Interventionen in der Behandlung von Menschen mit einer Krebserkrankung: eine Erkundungsstudie». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA3 Masterarbeit

Erotisieren der Analregion – Voraussetzungen und Möglichkeiten

Simone Haug untersucht in der Masterarbeit «Erotisieren der Analregion – Voraussetzungen und Möglichkeiten» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Aufnehmender Analverkehr wird häufiger praktiziert, als darüber gesprochen wird — und fundierte Fachliteratur dazu ist rar. Diese Arbeit befragt Menschen unterschiedlichen Geschlechts und unterschiedlicher sexueller Orientierung, die Erfahrung damit haben, und arbeitet heraus, was es braucht, damit es lustvoll erlebt wird. Die Antwort ist konkreter, als man erwartet.

Was braucht es körperlich?

An erster Stelle steht Schmerzfreiheit. So lustvoll Schmerz im Zusammenhang mit bestimmten Praktiken sein kann — bei der analen Aufnahme wird er als lusthemmend erlebt.

Schmerzfreiheit setzt voraus, dass Beckenboden und Schliessmuskulatur entspannt sind und sich dehnen lassen. Dafür nennt die Arbeit einen zeitlichen Rahmen, den viele unterschätzen: ein schrittweises Erarbeiten über Wochen und Monate, dazu ein langsames Vorgehen in der konkreten Situation, mit allgemeiner sexueller Stimulation und gegebenenfalls gezielter Massage rund um den Anus. Entspannt sich der äussere Schliessmuskel, überträgt sich das auf den inneren.

Auch die Position wirkt mit. Empfohlen wird — von proktologischen Schriften wie von den Befragten — die Rückenlage mit angewinkelten Beinen und einem Kissen unter dem Gesäss, damit die inneren Organe vom Beckenboden wegrutschen. Die Praktizierenden schätzen daran zusätzlich, dass man sich dabei ansehen kann.

Was braucht es darüber hinaus?

Die Arbeit fasst die Voraussetzungen in fünf Punkten zusammen:

  • Kommunikation vor, während und nach dem Sex ist zentral.
  • Auf der körperlichen Ebene sind Entspannung und Schmerzfreiheit entscheidend.
  • Lustvoll wahrgenommene Berührungen wirken sich positiv auf die Erotisierung aus.
  • Ein stabiles und neugieriges Selbstbild sowie ein wohlwollendes Verhältnis zum eigenen Anus tragen wesentlich bei.
  • Wissen über Anatomie und körperliche Vorgänge beugt Schmerzen und Verletzungen vor — und hilft beim Abbau von Scham und Ekel.

Warum ist Vertrauen eine körperliche Grösse?

Der Zusammenhang, den die Arbeit herausarbeitet, ist bemerkenswert direkt. Die Entspannung des Beckenbodens wird nicht nur durch Zeit und Technik begünstigt, sondern auch durch das Vertrauen in die eindringende Person — dass Grenzen respektiert werden und dass alle Massnahmen gegen die Übertragung von Krankheiten getroffen wurden.

Damit ist Kommunikation keine Höflichkeitsfrage, sondern eine Voraussetzung dafür, dass der Muskel nachgibt. Was in anderen Zusammenhängen als weicher Faktor gilt, ist hier physiologisch wirksam.

Was heisst das für die Praxis?

Die Arbeit richtet sich ausdrücklich an Sexolog:innen im Arbeitsalltag — und ihr Nutzen ist bereits belegt. Die Autorin schildert im Schlusswort, wie sie im sexualpädagogischen Unterricht von einem 18-Jährigen gefragt wurde, wie das mit dem Analsex genau funktioniere. Zum ersten Mal habe sie sich sicher und kompetent gefühlt, mit der Gruppe darüber zu sprechen.

Das benennt den eigentlichen Bedarf. Nicht das Interesse fehlt, sondern das gesicherte Wissen auf Seiten der Fachpersonen — und mit ihm die Sicherheit, ohne Verlegenheit zu antworten.

Ausgearbeitet werden die Voraussetzungen entlang aller Komponenten des Modells Sexocorporel, also körperlich, kognitiv, emotional und beziehungsbezogen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Die Arbeit stützt sich auf halbstrukturierte Interviews mit Praktizierenden, ergänzt um den Forschungsstand sowie medizinisch-anatomische und polyvagale Überlegungen. Sie ist auf Englisch verfasst.

Befragt wurden Menschen, die aufnehmenden Analverkehr als lustvoll erleben. Was Menschen berichten, bei denen es nicht gelingt, bleibt damit ausserhalb des Blickfelds — die Arbeit beschreibt Gelingensbedingungen, nicht Häufigkeiten. Für die Beratung ist genau das brauchbar.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 145 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu aufnehmendem Analverkehr, die anatomischen und polyvagalen Grundlagen, die vollständige Auswertung der Interviews und die Diskussion entlang der Komponenten des Modells Sexocorporel.

Abstract der Arbeit

In the master thesis, the current state of research regarding receptive anal intercourse will be reviewed. Medical-anatomical and polyvagal considerations will also be taken into account. By means of semi-structured interviews with practitioners of different gender and sexual orientation, preconditions will be identified that were experienced as supportive in learning anal sex. The preconditions are elaborated on using aspects of the model of the sexocorporel. The following prerequisites were considered important by practitioners; communication before, during and after receptive anal sex, pain free experience, relaxation, taking time and a careful slow learning process, a willingness to experiment, and a benevolent relationship with one's anus. In addition, previous knowledge of possible pains and injuries helps to avoid them and enables one to deal with uncomfortable feelings.

Simone Haug, Abstract der Masterarbeit, 2022

Angaben zur Arbeit

Titel
Erotisieren der Analregion – Voraussetzungen und Möglichkeiten

Verfasst von
Simone Haug

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3

Jahr
2022

Themen
Vaginismus · Sexualität & Krankheit · Pornografie · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Simone Haug: «Erotisieren der Analregion – Voraussetzungen und Möglichkeiten». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Fortbildungsprogramm „Sexuelle Gesundheit“ für Hausärzte

Sandra Hauptmann untersucht in der Masterarbeit «Fortbildungsprogramm „Sexuelle Gesundheit“ für Hausärzte» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Patientinnen und Patienten möchten sexuelle Probleme mit ihrer Hausärztin besprechen. Studien zeigen zugleich, dass sich die meisten Hausärztinnen und Hausärzte dabei unsicher fühlen — und dass seit vierzig Jahren mehr Weiterbildung gefordert wird, ohne dass viel geschehen wäre. Diese Arbeit hat daraus keinen weiteren Appell gemacht, sondern ein Programm.

Worauf stützt sich das Programm?

Auf vier Interviews mit Ärztinnen und Ärzten, die zusätzlich sexologisch oder sexualmedizinisch ausgebildet sind. Befragt wurden sie zu Häufigkeit, Ursachen und Therapie der verbreitetsten sexuellen Funktionsstörungen sowie zu ihren Empfehlungen für den Workshop.

Die Auswertung erfolgte über eine zusammenfassende Inhaltsanalyse nach Mayring und ist ungewöhnlich transparent dokumentiert: 198 Paraphrasen insgesamt, davon 115 zu den Ursachen sexueller Funktionsstörungen und 83 zu deren Behandlung.

Aus der Häufigkeit, mit der einzelne Störungsbilder genannt wurden, leitet die Autorin ab, welche Themen ins Programm gehören — ein einfaches, aber nachvollziehbares Vorgehen.

Ein unerwarteter Befund

Die Autorin hält fest, dass sie überrascht war: In den Interviews ging es deutlich mehr um die sexuellen Probleme der Männer als um jene der Frauen.

Das ist keine Nebenbemerkung. Es sagt etwas darüber, was in Praxen tatsächlich zur Sprache kommt — und damit auch darüber, wessen Anliegen gehört werden. Wer eine Fortbildung nur an dem ausrichtet, was berichtet wird, schreibt diese Schieflage fort.

Im entwickelten Programm bilden entsprechend die erektile Dysfunktion und die Lustlosigkeit bei Frauen die beiden Schwerpunkte — die Autorin hat also gegengesteuert.

Wie sieht der Workshop aus?

Er beginnt mit einer Einführung in das Modell Sexocorporel. Danach folgen zwei Rollenspiele: eines mit einem Mann mit erektiler Dysfunktion, eines mit einer Frau mit Lustlosigkeit. Anschliessend übernehmen die Teilnehmenden die Rollen selbst.

Zum Abschluss führen die Ärztinnen und Ärzte Körperübungen durch. Der Gedanke dahinter ist der eigentliche Kern: Wer den Unterschied in der eigenen Körperwahrnehmung selbst gespürt hat, spricht leichter mit Patientinnen darüber.

Damit setzt das Programm nicht bei Wissen an, sondern bei der Unsicherheit — dem Grund, aus dem die Gespräche bisher unterbleiben.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier Interviews mit ausgewählten Fachpersonen — Ärztinnen und Ärzte mit sexologischer Zusatzausbildung sind eine kleine und besondere Gruppe. Was sie berichten, ist Expertenwissen, keine repräsentative Erhebung der hausärztlichen Praxis.

Die Autorin sagt selbst, dass es sich bei der Zählung der Nennungen nicht um statistisch belastbares Material handelt, sondern um einen Hinweis. Und das Programm ist entwickelt, aber nicht erprobt — ob es wirkt, zeigt die Arbeit nicht.

Die Arbeit ist auf Englisch verfasst.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 165 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zur sexualmedizinischen Kompetenz in der Hausarztpraxis, die vollständige Auswertung der vier Interviews mit allen Paraphrasen sowie das ausgearbeitete Workshop-Programm.

Abstract der Arbeit

The family practitioner plays an important role when it comes to sexual issues. Patients want to talk about their sexual problems with their family doctor, but studies show that the majority of general practitioners feel insecure talking about it. For the last 40 years it is known that there should be more training opportunities for general practitioners, but major movements happened. Objective: The aim of this study was to develop a workshop program about sexual health for general practitioners based on four expert interviews. Method: 3 physicians who are also trained sexologists and one who is trained in sexual medicine were interviewed about the prevalence, causes and therapy of the most common sexual dysfunctions as well as about recommendations for the workshop. The interviews were transliterated. The author used the summarizing content analysis of Mayring as the evaluation method. Results: Erectile dysfunction (ED) and female lack of libido are the main topics to be discussed in the workshop. At the beginning of the workshop the Sexocorporel model is going to be explained, afterwards two role plays with a man with ED and a woman with lack of libido are going to be conducted. The participants are going to play the role play between themselves afterwards. Towards the end of the workshop the general practitioners are going to perform some body exercises in order to experience some differences in body awareness which should make it easier for them to talk with their patients about sexuality.

Sandra Hauptmann, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Fortbildungsprogramm „Sexuelle Gesundheit“ für Hausärzte Entwicklung eines Workshops

Verfasst von
Sandra Hauptmann

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Vaginismus · Erektile Dysfunktion · Sexualität & Krankheit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Sandra Hauptmann: «Fortbildungsprogramm „Sexuelle Gesundheit“ für Hausärzte Entwicklung eines Workshops». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA1 Masterarbeit

Weibliche Sexualität im Kontext einer Brustentfernung (Ablatio mammae)

Simone Dudle untersucht in der Masterarbeit «Weibliche Sexualität im Kontext einer Brustentfernung (Ablatio Mammae)» am ISP. Die Arbeit entstand 2017 im Jahrgang MA1 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Nach einer Brustentfernung richtet sich die Nachsorge auf Heilung, Rekonstruktion und Rückfallrisiko. Was mit der Sexualität geschieht, wird meist erst gefragt, wenn die Frau es selbst anspricht — und junge Frauen sprechen es selten an. Diese Arbeit hat zwei Betroffene ein Jahr nach dem Eingriff befragt.

Was verändert sich?

Operation, Bestrahlung und medikamentöse Therapien wirken auf die körperliche, psychische und kognitive Ebene der weiblichen sexuellen Gesundheit — nicht nacheinander, sondern gleichzeitig.

Die Veränderungen am Körper lösen Emotionen aus und beeinflussen das sexuelle Erleben. Aus den psychischen und körperlichen Veränderungen können zwischenmenschliche Schwierigkeiten folgen.

Drei Dinge erschweren nach dieser Arbeit den Zugang zu lustvoller Sexualität besonders: Veränderungen des Körperbilds mit belastender Wirkung auf die weibliche Identität, sexuelle Funktionsstörungen und Kommunikationsprobleme in der Paarbeziehung.

Warum reicht es nicht, die Funktion zu behandeln?

Weil Funktionalität und Genusserleben eng zusammenhängen und gleichermassen beachtet werden müssen. Eine Nachsorge, die nur prüft, ob etwas möglich ist, übergeht die Frage, ob es als lustvoll erlebt wird.

Die Arbeit beschreibt, was nach einer Brustentfernung tatsächlich ansteht: eine sexuelle Neudefinition und Neuorientierung. Das ist kein Reparaturvorgang, sondern ein Prozess.

Er verlangt Abschied und Trauer, Loslassen — und erst später das Annehmen und Neubesetzen der sexuellen Identität. Wer diese Abfolge kennt, kann Betroffene anders begleiten als jemand, der auf schnelle Wiederherstellung zielt.

Was kann die Sexualberatung leisten?

Die Arbeit stellt die Erkenntnisse aus den Interviews Interventionen der Sexualberatung gegenüber und zeigt an einem Beispiel aus der eigenen Beratungspraxis, wie eine solche Begleitung konkret aussieht.

Als Grundlage dienen psychosomatische und sexualwissenschaftliche Ansätze, insbesondere das Modell Sexocorporel und das Konzept der Salutogenese — also ein Zugang, der nach den Kräften fragt, die Gesundheit erhalten, statt nach dem Defekt.

Für Fachpersonen in Onkologie, Nachsorge und Beratung ist die Arbeit deshalb brauchbar: Sie benennt den Bedarf und liefert das Vorgehen gleich mit.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Zwei retrospektive Interviews mit jungen betroffenen Frauen, geführt ein Jahr nach dem Eingriff mit einem teilstrukturierten Leitfaden. Zwei Frauen sind eine sehr schmale Grundlage.

Die Arbeit stützt ihre Schlüsse deshalb stark auf den Forschungsstand und nutzt die Interviews zur Veranschaulichung. Der zeitliche Abstand von einem Jahr ist dabei sinnvoll gewählt — er erfasst nicht die akute Phase, sondern den Zustand danach.

Es ist eine der beiden Arbeiten aus dem Jahrgang MA1, dem ersten des Studiengangs.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 127 Seiten. Sie enthält die psychosomatischen und sexualwissenschaftlichen Grundlagen, den Forschungsstand zu Sexualität nach Brustkrebs, die vollständige Auswertung der beiden Interviews sowie das Fallbeispiel aus der Beratungspraxis.

Abstract der Arbeit

In dieser Masterarbeit werden Aspekte weiblicher Sexualität und der sexuellen Gesundheit von Frauen im gebärfähigen Alter vor und nach einer Brustentfernung dargelegt und untersucht. Grundlage bilden dabei psychosomatische und sexualwissenschaftliche Ansätze wie das Modell Sexocorporel und das Konzept der Salutogenese. Es wurden zwei retrospektive Interviews mit jungen betroffenen Frauen ein Jahr nach dem Eingriff mittels teilstrukturiertem Interviewleitfaden durchgeführt. Die Ergebnisse geben Aufschluss über die Art der Veränderungen, deren Wahrnehmung durch die betroffenen Frauen sowie den Bedarf an zusätzlicher Begleitung durch eine Sexualberatung. Anhand eines Beispiels aus der Beratungspraxis der Autorin wird die Möglichkeit und die Bedeutung der Sexualberatung im Zusammenhang mit einer Brustentfernung aufgezeigt. Die Erkenntnisse aus den Interviews werden Interventionen der Sexualberatung gegenübergestellt.

Simone Dudle, Abstract der Masterarbeit, 2017

Angaben zur Arbeit

Titel
Weibliche Sexualität im Kontext einer Brustentfernung (Ablatio Mammae) : Sexuelles Erleben von Frauen im gebärfähigen Alter vor einer Krebserkrankung und ein Jahr nach einer Brustentfernung und die Bedeutung der Sexualberatung

Verfasst von
Simone Dudle

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA1

Jahr
2017

Themen
Sexualberatung · Sexualität & Krankheit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Simone Dudle: «Weibliche Sexualität im Kontext einer Brustentfernung (Ablatio Mammae) : Sexuelles Erleben von Frauen im gebärfähigen Alter vor einer Krebserkrankung und ein Jahr nach einer Brustentfernung und die Bedeutung der Sexualberatung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP, 2017. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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