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MA5 Masterarbeit

Neosexualität und sexuelles Kapital auf OnlyFans

Noomi Dürrenmatt untersucht in der Masterarbeit «Neosexualität und sexuelles Kapital auf OnlyFans» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Was auf OnlyFans als spontane Nähe erscheint, ist häufig vorproduziert, archiviert und von externen Schreibteams beantwortet. Diese Arbeit hat fünf Akteur:innen der Plattform befragt — und beschreibt, wie Begehren dort hergestellt statt gezeigt wird.

Wie entsteht Nähe auf OnlyFans?

Nicht im Moment. Die Befragten schildern, dass Inhalte überwiegend vorproduziert und zeitversetzt veröffentlicht werden — ein Bezug zur aktuellen Lebenssituation entfällt damit. Einzelne sprechen von archivierten Clips und von der mehrfachen Wiederverwendung bereits produzierter Videos.

Auch die Kommunikation wird ausgelagert. Externe Schreibteams zu beschäftigen, wird als gängige Praxis beschrieben, besonders bei hohen Follower-Zahlen. Vereinzelt kommen automatisiert erzeugte Inhalte durch KI-Modelle zur Sprache.

Gleichzeitig werden alltägliche Situationen einbezogen — Kochen, Fernsehen, Aufenthalte im öffentlichen Raum. Das Alltägliche ist dabei nicht das Gegenteil der Inszenierung, sondern ihr Material.

Was heisst das für den Begriff der Authentizität?

Die Arbeit beantwortet das theoretisch scharf: Begehren wird nicht als natürlich vorausgesetzt, sondern über narrative Skripte, Zuschreibungen und dialogische Kommunikation erzeugt.

Authentizität ist in dieser Lesart keine Eigenschaft, sondern eine eingesetzte Ressource — Teil einer parasozialen Nähe, die zwischen Person und Publikum hergestellt wird.

Kennzeichnend ist dabei die Entkopplung: Sexualisierte Inhalte werden von emotionalen und beziehungsbezogenen Bedeutungen gelöst und in alltägliche Routinen eingebettet.

Wie wird sexuelles Kapital eingesetzt?

Es lässt sich in modifizierten Formen rekonstruieren. Zentral sind drei Strategien: Branding, Differenzierung von anderen Anbietenden und medienvermittelte Körperinszenierung.

Theoretisch verbindet die Arbeit dafür drei Zugänge — Volkmar Siguschs neosexuelle Prozesse, die Typologie sexuellen Kapitals nach Kaplan und Illouz sowie Govrins Überlegungen zum Begehren als Wertform.

Die neosexuellen Prozesse Dissoziation, Dispersion und Diversifikation lassen sich auf der Plattform in spezifischen Ausprägungen beobachten. Was Sigusch theoretisch beschrieben hat, wird hier an einem konkreten Geschäftsmodell sichtbar.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Fünf leitfadengestützte Interviews, ausgewertet über eine deduktive qualitative Inhaltsanalyse. Fünf Personen bilden ein grosses und sehr heterogenes Feld nicht ab.

Die deduktive Vorgehensweise bringt eine zweite Einschränkung mit sich: Die Kategorien stammen aus der Theorie. Was in den Interviews vorkommt, aber in keiner Kategorie Platz findet, bleibt eher unsichtbar. Die Arbeit prüft also Theorien an der Praxis — sie entwickelt keine neue aus ihr heraus.

Für die Beratung ist sie dennoch aufschlussreich: Wer mit Menschen arbeitet, die auf solchen Plattformen tätig sind oder deren Inhalte konsumieren, findet hier eine nüchterne Beschreibung dessen, was dort produziert wird.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 112 Seiten. Sie enthält die theoretischen Grundlagen zu Neosexualität und sexuellem Kapital, die vollständige Auswertung der fünf Interviews, die Diskussion der Limitationen sowie sexualwissenschaftliche Schlussfolgerungen.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit untersucht, wie sexuelles Kapital auf der Plattform OnlyFans eingesetzt wird, um Begehren zu erzeugen und ökonomisch zu verwerten. Theoretisch stützt sich die Arbeit auf Siguschs neosexuelle Prozesse, die Typologie sexuellen Kapitals nach Kaplan und Illouz sowie Govrins Überlegungen zum Begehrenswert und zur Funktion von Authen- tizität. Methodisch wurde eine qualitative deduktive Inhaltsanalyse anhand von fünf leitfa- dengestützten Interviews mit Akteur:innen der Plattform OnlyFans durchgeführt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass neosexuelle Prozesse wie Dissoziation, Dispersion und Diversifikation auf der Plattform in spezifischen Ausprägungen beobachtbar sind. Se- xuelles Kapital lässt sich in modifizierten Formen rekonstruieren, wobei insbesondere Stra- tegien des Brandings, der Differenzierung und der medienvermittelten Körperinszenierung zentral sind. Hinweise aus dem Datenmaterial legen nahe, dass Begehren nicht natürlich vorausgesetzt, sondern über narrative Skripte, Zuschreibungen und dialogische Kommuni- kation erzeugt wird. Authentizität erscheint dabei als eingesetzte Ressource im Rahmen parasozialer Nähe. This master's thesis analyses how sexual capital is used on the OnlyFans platform to ge- nerate desire and exploit it economically. Theoretically, the work is based on Sigusch's neo- sexual processes, Kaplan and Illouz's typology of sexual capital and Govrin's considerations on desirability and the function of authenticity. Methodologically, a qualitative deductive con- tent analysis was conducted on the basis of five guided interviews with actors on the On- lyFans platform. The results indicate that neosexual processes such as dissociation, dispersion and diversi- fication can be observed in specific forms on the platform. Sexual capital can be recons- tructed in modified forms, with strategies of branding, differentiation and media-mediated body staging are particularly central. Indications from the data material suggest that desire is not naturally assumed, but is generated via narrative scripts, attributions and dialogue- based communication. Authenticity appears to be a deliberate resource in the context of parasocial proximity formats.

Noomi Dürrenmatt, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Neosexualität und der Einsatz sexuellen Kapitals: die Erzeugung von Begehren auf OnlyFans

Verfasst von
Noomi Dürrenmatt

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexarbeit · Sexuelles Verlangen · Selbstwirksamkeit

Lizenz und Nachweis. Noomi Dürrenmatt: «Neosexualität und der Einsatz sexuellen Kapitals: die Erzeugung von Begehren auf OnlyFans». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Einfluss von TRE (Tension/Trauma Releasing Exercises) auf die Sexualität

Edona Hasanagic untersucht in der Masterarbeit «Einfluss von TRE (Tension/Trauma Releasing Exercises) auf die Sexualität» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Fünfzehn Menschen führten in zwei Wochen drei angeleitete TRE-Sitzungen durch. Danach war bei einem Teil die Genitalwahrnehmung besser und die Lust höher — und bei manchen wichen die Messwerte deutlich vom eigenen Empfinden ab. Genau diese Diskrepanz macht die Arbeit lesenswert.

Was ist TRE?

Tension and Trauma Releasing Exercises: eine Methode, die über gezielte Körperübungen ein neurogenes Zittern auslöst und darüber die Körperspannung reguliert.

Der Anschluss an die Sexualität liegt im Becken. Muskuläre Spannungsmuster, besonders in dieser Region, gelten als möglicher Einflussfaktor für sexuelles Erleben und Wohlbefinden — und Sexualität ist ein biopsychosoziales Geschehen, das eng mit Körperwahrnehmung und Spannungsregulation verbunden ist.

Untersucht wurde beides gleichzeitig: die wahrgenommene Sexualität und die persönliche Körperwahrnehmung, erhoben über Online-Fragebogen vor und nach der Intervention.

Was hat sich verändert?

Die Ergebnisse liefern erste Hinweise darauf, dass TRE bei einem Teil der Teilnehmenden zu einer verbesserten Genitalwahrnehmung, einer Reduktion körperlicher Spannungen und einer gesteigerten sexuellen Erregbarkeit führen kann.

Besonders deutlich zeigte sich der Anstieg bei Genitalwahrnehmung und sexueller Lust. Andere Bereiche veränderten sich nur wenig oder wurden subjektiv nicht als verändert erlebt.

Die Arbeit unterscheidet damit sauber zwischen dem, was sich bewegt hat, und dem, was gleich blieb — statt eine Gesamtwirkung zu behaupten.

Warum ist die Diskrepanz interessant?

Weil sie in beide Richtungen auftrat. Einige Teilnehmende berichteten von spürbaren Veränderungen, obwohl die Messwerte kaum abwichen. Andere zeigten auf den Skalen Fortschritte, ohne sie subjektiv zu bemerken.

Für die Praxis ist das ein wichtiger Hinweis. Wer eine körperorientierte Intervention nur über Fragebogen bewertet, misst womöglich nicht das, was die Person erlebt — und umgekehrt.

Für die Forschung stellt sich damit die Frage, welches der beiden Mass das bessere ist. Die Arbeit beantwortet sie nicht, aber sie stellt sie.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Fünfzehn Teilnehmende, drei Sitzungen in zwei Wochen, keine Kontrollgruppe. Die Autorin ordnet ihre Ergebnisse selbst als erste explorative Anhaltspunkte ein.

Es ist die erste Untersuchung dieser Art zum Zusammenhang von TRE, Körperwahrnehmung und Sexualität. Für ein niederschwelliges körpertherapeutisches Verfahren, das sich ohne grossen Aufwand anleiten lässt, ist das ein sinnvoller Ausgangspunkt — mehr aber nicht.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 78 Seiten. Sie enthält die Grundlagen zu TRE und Spannungsregulation, das biopsychosoziale Verständnis von Sexualität, die vollständige Intervention sowie die quantitative und qualitative Auswertung.

Abstract der Arbeit

Die Sexualität ist ein komplexes biopsychosoziales Geschehen, das eng mit der körperlichen Selbstwahrnehmung und Spannungsregulation verbunden ist. Muskuläre Spannungsmuster, insbesondere im Bereich des Beckens, gelten als möglicher Einflussfaktor für sexuelles Erleben und Wohlbefinden. Die Methode der Tension & Trauma Releasing Exercises (TRE) setzt über gezielte Körperübungen an diesem Bereich an, indem durch neurogenes Zittern eine Regulation von Körperspannung ermöglicht werden soll. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, die möglichen Zusammenhänge zwischen TRE, Körperwahrnehmung und Sexualität zu untersuchen. Hierzu führten 15 Teilnehmende innerhalb von zwei Wochen drei angeleitete TRE-Sitzungen durch. Die subjektiv wahrgenommene Sexualität sowie persönliche Körperwahrnehmung wurden mittels Online-Fragebögen vor und nach der Intervention erfasst. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass TRE zu einer positiven Veränderung der Körperwahrnehmung sowie des sexuellen Erlebens beitragen kann. Die Studie liefert erste explorative Anhaltspunkte auf das Potenzial von TRE als niedrigschwellige körpertherapeutische Methode im Kontext von Sexualität. Aufgrund methodischer Limitationen, wie einer geringen Stichprobengrösse von 15 Personen und fehlender Kontrollgruppe, sind die Ergebnisse vorläufig und bedürfen weiterer Forschung.

Edona Hasanagic, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Einfluss von TRE (Tension/Trauma Releasing Exercises) auf die Sexualität

Verfasst von
Edona Hasanagic

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Körperarbeit · Sexuelle Zufriedenheit · Sexuelles Verlangen

Lizenz und Nachweis. Edona Hasanagic: «Einfluss von TRE (Tension/Trauma Releasing Exercises) auf die Sexualität». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Solosexuelles Erleben und Verhalten bei Erwachsenen mit ADHS

Vera Matjaz untersucht in der Masterarbeit «Solosexuelles Erleben und Verhalten bei Erwachsenen mit ADHS» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Menschen mit ADHS masturbieren nicht häufiger, haben nicht mehr Lust darauf und nutzen es nicht öfter zur emotionalen Regulierung. Ein Unterschied bleibt: Ihr Erregungsmodus ist enger. Das zeigt diese Arbeit an 711 Teilnehmenden, darunter 202 mit ADHS-Diagnose — die grösste Stichprobe dieser Sammlung.

Was heisst «enger Erregungsmodus»?

Der Begriff stammt aus dem Modell Sexocorporel und beschreibt, wie jemand Erregung aufbaut: über welche Muskelspannung, welchen Rhythmus, welche Bewegung. Ein enger Modus ist auf einen bestimmten Ablauf festgelegt und lässt wenig Variation zu — was zum Problem wird, sobald sich die Umstände ändern, etwa in der Paarsexualität.

Erfasst wurde er über den Mittelwert mehrerer Fragebogenitems auf einer zehnstufigen Skala, wobei höhere Werte einen engeren Modus anzeigen.

Was zeigen die Zahlen?

Die Gruppe mit ADHS erreicht im Mittel 6,24, die Gruppe ohne ADHS 5,96 — ein Unterschied von rund 0,28 Punkten. Der Unterschied ist statistisch bedeutsam, und die Autorin prüft ihn zusätzlich mit einem Verfahren für ungleiche Varianzen, das dasselbe Ergebnis bestätigt.

Entscheidend ist die Grösse des Effekts, und hier wird die Arbeit vorbildlich deutlich: Cohen’s d liegt bei 0,19 — klein, aber stabil. Das Regressionsmodell erklärt zwei Prozent der Streuung im Erregungsmodus. Achtundneunzig Prozent bleiben unerklärt.

Anders gesagt: ADHS sagt etwas über den Erregungsmodus aus, aber sehr wenig. Wer aus dieser Arbeit ableitet, Menschen mit ADHS hätten ein sexuelles Problem, liest sie falsch.

Was unterscheidet sich nicht?

Das ist der zweite und für die Beratung wichtigere Befund. Bei der Häufigkeit der Solosexualität, bei der Lust darauf und bei ihrer Nutzung zur emotionalen Regulation zeigten sich keine bedeutsamen Unterschiede zwischen den Gruppen.

Das widerspricht verbreiteten Annahmen. Die Forschungslage, die die Arbeit aufarbeitet, verbindet ADHS mit erhöhten Raten sexueller Funktionsstörungen, mit hypersexuellem Verhalten und mit höherem Pornografiekonsum — Letzteres vor allem bei Männern. Für die Solosexualität selbst findet diese Untersuchung diese Unterschiede nicht.

Was heisst das für die Praxis?

Das Modell Sexocorporel betrachtet die Solosexualität als Ort des sexuellen Lernens — dort wird erprobt, was später in der Paarsexualität zur Verfügung steht. Genau deshalb ist ein enger Erregungsmodus dort kein Nebenbefund, sondern ein Ansatzpunkt.

Für die Beratung heisst das konkret: Bei Klientinnen und Klienten mit ADHS lohnt sich der Blick darauf, wie Erregung aufgebaut wird — nicht darauf, wie oft. Und es heisst, mit der Erwartung vorsichtig zu sein, eine ADHS erkläre sexuelle Schwierigkeiten. Nach diesen Daten erklärt sie zwei Prozent davon.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine quantitative Erhebung mit standardisierten Fragebogen und 711 auswertbaren Teilnehmenden, davon 202 mit ADHS-Diagnose. Das ist für eine Masterarbeit eine ungewöhnlich grosse Stichprobe, und die statistische Auswertung ist sorgfältig — inklusive Prüfung der Voraussetzungen und Angabe der Konfidenzintervalle.

Die Einschränkungen liegen anderswo: Es handelt sich um eine Querschnittserhebung mit Selbstauskunft. Die ADHS-Diagnose wurde nicht überprüft, und aus einer Momentaufnahme lässt sich keine Ursache ableiten. Was die Arbeit zeigt, ist ein Zusammenhang, kein Wirkmechanismus.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 73 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu ADHS und Sexualität im Erwachsenenalter, die vollständige statistische Auswertung mit allen Testverfahren und Tabellen sowie die Einordnung in das Modell Sexocorporel.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Solosexualität, einem oft vernachlässigten Aspekt der Sexualität. Die Forschung in diesem Bereich ist begrenzt, obwohl sowohl ADHS als auch Solosexualität bedeutende Einflussfaktoren auf das sexuelle Erleben und die individuelle Sexualität darstellen. Ziel der Arbeit ist es, die Unterschiede in der Wahrnehmung und Auslebung von Solosexualität zwischen Erwachsenen mit und ohne ADHS zu analysieren. Durch eine quantitative Erhebung mittels standardisierter Fragebögen wurden Daten von 716 Teilnehmenden gesammelt, darunter 202 mit ADHS-Diagnose. Die Ergebnisse zeigen, dass Personen mit ADHS tendenziell einen engeren Erregungsmodus aufweisen. Im Gegensatz dazu konnten keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Häufigkeit, der Lust auf Solosexualität oder der Nutzung von Solosexualität zur emotionalen Regulation festgestellt werden. Diese Erkenntnisse eröffnen neue Perspektiven für die sexuelle Gesundheit und Therapieansätze, insbesondere im Rahmen des Sexocorporel-Modells, das die Bedeutung der Solosexualität für das sexuelle Lernen und Wohlbefinden betont.

Vera Matjaz, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Solosexuelles Erleben und Verhalten bei Erwachsenen mit ADHS – Eine quantitative Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Solosexualität und ADHS-Symptomen

Verfasst von
Vera Matjaz

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
ADHS · Sexuelle Zufriedenheit · Sexuelles Verlangen · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Vera Matjaz: «Solosexuelles Erleben und Verhalten bei Erwachsenen mit ADHS – Eine quantitative Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Solosexualität und ADHS-Symptomen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Spielend verführen – ein Spielkonzept für sexuelles Begehren

Dominique Tanner untersucht in der Masterarbeit «Spielend verführen – ein Spielkonzept für sexuelles Begehren» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Begehren lässt sich nicht befehlen, aber vielleicht spielen. Diese Arbeit entwickelt ein Spielkonzept für Paare — und begründet es mit einer Annahme, die überraschend trägt: Spielen ist ein natürlicher menschlicher Trieb, der soziale Kompetenzen erfahrbar macht und neue Fähigkeiten hervorbringt.

Was soll das Spiel bewirken?

Es soll Paaren ermöglichen, drei Dinge spielerisch zu fördern: ihre Kommunikation, ihr sexuelles Begehren und ihre Verführungskompetenzen.

Das zentrale Anliegen war dabei, Spielfreude und Zielorientierung zu verbinden. Ein Spiel, das sich wie eine Übung anfühlt, verfehlt seinen Zweck — eines ohne Richtung ebenfalls.

Der theoretische Teil geht deshalb in zwei Richtungen: zum Spiel selbst mit Definition, Geschichte, Funktion und den Spielpersönlichkeiten nach Brown — und zu Begehren, Bedürfnissen und Beziehung.

Wie versteht die Arbeit Begehren?

Als Wechselwirkung zwischen Reiz und Emotion. Begehren löst eine positive Vorerwartung aus und gilt deshalb selbst als erstrebenswert — es ist nicht nur Mittel zum Zweck, sondern angenehm für sich.

Daraus folgt der praktische Kern: Die bewusste Wahrnehmung der eigenen Begehrensstruktur bildet eine wichtige Grundlage dafür, Wünsche überhaupt zu artikulieren.

Und das gilt nach dieser Arbeit nicht nur in Paarbeziehungen, sondern auch im alltäglichen Leben. Wer nicht weiss, was er will, kann es nicht sagen — im Bett so wenig wie sonst.

Was ist an der Arbeit methodisch bemerkenswert?

Zwei Dinge, die in Masterarbeiten selten so ausdrücklich vorkommen.

Erstens widmet sie der Forschungsethik ein eigenes Kapitel — vor der Methodik. Bei einer Arbeit, in der Paare ein Spiel zu ihrer Sexualität ausprobieren, ist das keine Formalität.

Zweitens legt sie die Nutzung von künstlicher Intelligenz offen. Das ist bei einer Arbeit aus dem Jahrgang 2025 zeitgemäss und in dieser Sammlung dennoch die Ausnahme.

Dazu kommt ein ausführliches Kapitel zur Paarkommunikation, das verbale, nonverbale und paraverbale Ebenen sowie Kommunikationsmodelle und -muster behandelt.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Das Spielkonzept wurde entwickelt und erprobt, die Auswertung stützt sich auf Leitfadeninterviews und Fragebogen mit einer sehr kleinen Zahl von Teilnehmenden.

Was die Arbeit liefert, ist ein durchdachtes und dokumentiertes Konzept samt ersten Rückmeldungen — keine Wirksamkeitsprüfung. Für die Arbeit mit Paaren ist es dennoch brauchbares Material, weil es die Begründung für jede Spielentscheidung mitliefert.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 111 Seiten. Sie enthält die Theorie des Spiels, die ausführliche Auseinandersetzung mit Begehren, Bedürfnissen und Paarkommunikation, das vollständige Spielkonzept sowie die Kapitel zu Forschungsethik und zum Einsatz künstlicher Intelligenz.

Methodisches Vorgehen

Die Arbeit stützt sich auf leitfadengestützte Interviews (zwei Personen). Der Volltext umfasst 111 Seiten.

Angaben zur Arbeit

Titel
Spielend verführen Entwicklung eines Spielkonzepts zur Förderung und Erhaltung von sexuellem

Verfasst von
Dominique Tanner

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexuelles Verlangen · Paarsexualität · Recht & Ethik · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Dominique Tanner: «Spielend verführen Entwicklung eines Spielkonzepts zur Förderung und Erhaltung von sexuellem». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Die Kraft des Sexualkapitals

Aveline Voramwald untersucht in der Masterarbeit «Die Kraft des Sexualkapitals» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Attraktivität lässt sich in Vorteile umsetzen — im Beruf, in Beziehungen, in der Sichtbarkeit. Diese Arbeit prüft, ob sich das als eigene Kapitalform fassen lässt, und kommt zu einem Befund, der die Frage verschiebt: Was als begehrenswert gilt, ist nicht naturgegeben, sondern gemacht.

Was ist Sexualkapital?

Die Ausgangsfrage lautet, ob Sexualkapital eine eigenständige Kapitalform ist oder eine Erscheinungsform bestehender Arten wie des kulturellen oder symbolischen Kapitals.

Die Arbeit prüft das im Rahmen von Pierre Bourdieus Theorie sozialer Praxis und arbeitet dabei die Unterschiede zwischen Catherine Hakims Konzept des erotischen Kapitals und den Erweiterungen durch Kaplan und Illouz heraus.

Ihr Ergebnis: Das Konzept weist eine hohe theoretische Komplexität auf und ist in einem Spannungsfeld zwischen Macht, Körper, Begehren und sozialer Anerkennung verortet.

Warum ist das mehr als Theorie?

Weil daraus eine Aussage über soziale Ungleichheit folgt. Jene Merkmale, die als begehrenswert gelten, sind nicht naturgegeben, sondern gesellschaftlich konstruiert — geprägt durch Normen, symbolische Ordnungen und Ausschlussmechanismen.

Bourdieus Begriffe Habitus, Kapital und Feld erlauben es, diese Ungleichheiten als strukturell verankert zu begreifen statt als individuelles Versagen. Das ist der praktisch entlastende Teil der Analyse.

Besonders ambivalent ist die Sichtbarkeit. Sie ist Voraussetzung dafür, dass Sexualkapital überhaupt wirkt — und zugleich ein Mechanismus sozialer Kontrolle.

Wo stösst Bourdieu an Grenzen?

Bei Sexualität und Körper braucht seine Theorie nach dieser Arbeit Ergänzungen. Feministische und intersektionale Ansätze liefern sie: Sie erlauben, auch die Wirksamkeit von Normen und die Erfahrung von Mehrfachdiskriminierung zu erfassen.

Damit ist die Arbeit selbstkritisch gegenüber ihrem eigenen Werkzeug — sie prüft nicht nur ein Konzept an einer Theorie, sondern auch die Theorie an ihrem Gegenstand.

Die Ambivalenzen des Konzepts arbeitet sie ausdrücklich heraus, statt es entweder zu übernehmen oder zu verwerfen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine theoretische Arbeit mit kritischer Analyse der Fachliteratur, ohne eigene Erhebung. Sie ist eine der wenigen der Sammlung, die ohne empirischen Teil auskommt.

Ihre Aussagen sind Argumente, keine Messwerte. Wer wissen will, wie sexuelles Kapital in der Praxis eingesetzt wird, findet das in der Arbeit von Noomi Dürrenmatt über OnlyFans — die dieselben Theorien empirisch prüft.

Mit 62 Seiten ist es eine der kürzeren Arbeiten der Sammlung.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 62 Seiten. Sie enthält die Darstellung von Bourdieus Theorie sozialer Praxis, die Auseinandersetzung mit Hakim, Kaplan und Illouz sowie die kritische Analyse der Ambivalenzen und theoretischen Grenzen des Konzepts.

Die Fragestellung

Die Arbeit geht diesen Fragen nach:

  • Was ist Sexualkapital, und wie wurde es in der bisherigen Forschung konzipiert?
  • Wie lässt sich Sexualkapital im Verhältnis zu Bourdieus Kapitalarten positionieren?
  • Wie wirkt sich das Sexualkapital auf Habitus und soziale Positionierung aus?

Methodisches Vorgehen

Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturrecherche. Der Volltext umfasst 62 Seiten.

Abstract der Arbeit

In der vorliegenden Masterarbeit wird das Konzept des Sexualkapitals im Kontext von Pierre Bourdieus Theorie sozialer Praxis untersucht. Ausgangspunkt der Untersuchung ist die Frage, ob Sexualkapital als eigenständige Kapitalform betrachtet werden kann oder eine Erscheinungsform bestehender Kapitalarten, wie kulturelles oder symbolisches Kapital darstellt. Auf theoretischer Grundlage werden Konzepte Bourdieus mit aktuellen Debatten um körperliche Attraktivität, Geschlecht, Sexualität, Sichtbarkeit und soziale Machtverhältnisse verknüpft. In diesem Zusammenhang ist insbesondere die Unterscheidung zwischen Catherine Hakims Konzept des ‘erotischen Kapitals’ und den Erweiterungen durch Kaplan und Illouz hervorzuheben. Durch eine kritische Analyse der Fachliteratur wird erkennbar, dass das Konzept des Sexualkapitals nicht neutral verfügbar ist, sondern durch hegemoniale Normen, symbolische Ordnungen und soziale Felder strukturiert wird. Der Aspekt der Sichtbarkeit wirkt einerseits als zentrale Bedingung zur Wirksamkeit, andererseits stellt es ein Mechanismus sozialer Kontrolle dar. Die Arbeit reflektiert sowohl die Ressourcen und Potenziale als auch die Ambivalenzen des Konzepts und arbeitet dessen theoretische Grenzen heraus. Sie gelangt zu dem Schluss, dass Sexualkapital als eine feldabhängige, körpergebundene und symbolisch bewertete Ressource verstanden werden muss, deren soziale Wirkung feministisch und intersektional analysiert werden kann. Diese Perspektiven erweisen sich dabei als essenziell, um Körper, Begehren und Anerkennung im Rahmen sozialer Positionierung zu erfassen. This master's thesis examines the concept of sexual capital in the context of Pierre Bourdieu's theory of social practice. It explores whether sexual capital constitutes a distinct form or reflects existing types such as cultural or symbolic capital. Bourdieu's concepts are linked with debates on attractiveness, gender, sexuality, visibility, and power. A critical literature analysis reveals that sexual capital is shaped by hegemonic norms, symbolic orders, and social fields. Visibility emerges as a key condition for its effectiveness—and as a mechanism of control. The analysis highlights how sexual capital both opens opportunities and reproduces inequalities. The thesis argues that sexual capital must be understood as a field-dependent, body-bound, and symbolically valued resource. Feminist and intersectional perspectives are essential to grasp the body, desire, and recognition as factors of social positioning.

Aveline Voramwald, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Die Kraft des Sexualkapitals Wie das Sexualkapital Bourdieus Konzepte von Habitus und Kapitalstruktur erweitert

Verfasst von
Aveline Voramwald

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexarbeit · Sexuelles Verlangen · Jugendsexualität

Lizenz und Nachweis. Aveline Voramwald: «Die Kraft des Sexualkapitals Wie das Sexualkapital Bourdieus Konzepte von Habitus und Kapitalstruktur erweitert». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Online-Intervention für Paare zur Förderung der sexuellen Lust

Sereina Wüst untersucht in der Masterarbeit «Online-Intervention für Paare zur Förderung der sexuellen Lust» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

In langen Beziehungen geht die sexuelle Lust bei vielen Paaren zurück — lange bevor daraus ein behandlungsbedürftiges Problem wird. Diese Arbeit entwickelt ein Angebot für genau diese Zwischenzone: vorbeugend, selbstgeleitet, ohne Praxisbesuch.

Für wen ist das gedacht?

Ausdrücklich für Paare ohne klinisch relevante Sexualstörung. Das ist der Kern des Ansatzes — ein präventives, niederschwelliges Angebot statt einer Behandlung.

Der Ausgangspunkt: Sexuelle Lust hat zentralen Einfluss auf die partnerschaftliche Intimität, die Beziehungszufriedenheit und die emotionale Verbundenheit. In Langzeitbeziehungen unterliegt sie vielfältigen biopsychosozialen Einflüssen, die den Rückgang begünstigen.

Das vierwöchige Online-Programm verbindet psychoedukative Inhalte mit körperorientierten Übungen und alltagsnahen Impulsen.

Was hat die Auswertung ergeben?

Die Intervention wurde überwiegend positiv bewertet. Förderliche Effekte zeigten sich vor allem bei der Zufriedenheit mit der Paarsexualität und bei der subjektiven Wahrnehmung von Lustveränderungen.

Ein zweiter Befund geht über das Programm hinaus: Sexuelle Lust ist nicht nur ein individuelles, sondern auch ein relationales Phänomen. Die Paarperspektive lässt sich nicht wegkürzen.

Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht — die meisten Angebote und Messinstrumente behandeln Lust als Eigenschaft einer Person.

Wie ehrlich ist die Arbeit mit ihren Zahlen?

Sehr. Am Vorfragebogen nahmen 22 Personen teil, am Nachfragebogen noch fünf. Die Autorin hält ausdrücklich fest, dass die Ergebnisse damit weder statistisch bedeutsam noch übertragbar sind.

Sie ordnet ihre Auswertung selbst als explorativ ein und benennt die begrenzte Dauer und die geringe Stichprobengrösse als Einschränkungen.

Für alle, die ein solches Programm planen, ist gerade dieser Schwund die wertvollste Information. Er zeigt, dass die eigentliche Herausforderung nicht im Inhalt liegt, sondern darin, dass Paare dabei bleiben.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Als Wirksamkeitsnachweis taugt die Arbeit nicht, und sie behauptet es auch nicht. Was sie liefert, ist ein vollständig dokumentiertes Konzept, eine erste Evaluation und eine realistische Erfahrung mit dem Ausstieg unterwegs.

Sie ist zudem eine von mehreren Arbeiten dieser Sammlung, die Online-Interventionen nach Sexocorporel prüfen — ein Feld, zu dem es kaum empirische Belege gibt. Die Designrichtlinien von Nina Jost liefern dazu die konzeptionelle Grundlage.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 104 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu sexueller Lust in Langzeitbeziehungen, das vollständige vierwöchige Online-Programm sowie die Auswertung der Vor- und Nachbefragung samt Diskussion der Limitationen.

Abstract der Arbeit

Hintergrund: Die Paarsexualität stellt einen zentralen Bestandteil partnerschaftlicher Inti- mität und Beziehungszufriedenheit dar. Wesentlich dafür ist die sexuelle Lust, die zur se- xuellen Interaktion motiviert. In Langzeitbeziehungen unterliegt sie jedoch vielfältigen bi- opsychosozialen Einflüssen, die oftmals zu einem Rückgang der sexuellen Lust im Verlauf der Beziehungsdauer führen. Online-Interventionen haben in den letzten Jahren aufgrund erster vielversprechender Wirksamkeitsstudien zunehmend an Bedeutung gewonnen und eignen sich daher auch für sexualwissenschaftliche Präventionsansätze. Deshalb war das Ziel dieser Arbeit die Kon- zeption, Umsetzung und Evaluation eines vierwöchigen, selbstgeleiteten Online-Pro- gramms zur Förderung sexueller Lust in Langzeitbeziehungen. Methodik: Die Intervention kombiniert psychoedukative Inhalte mit körperorientierten Übungen und alltagsnahen Impulsen. Die Evaluation erfolgte im Rahmen eines Mixed- Methods-Ansatzes durch einen Vor- und Nachfragebogen. Insgesamt nahmen 22 Perso- nen am Vorfragebogen und fünf am Nachfragebogen teil. Aufgrund der geringen Stichprobe sind die Ergebnisse weder statistisch signifikant noch generalisierbar. Diskussion: Die Ergebnisse zeigen, dass die Intervention von den Teilnehmenden über- wiegend positiv erlebt wurde, insbesondere in Bezug auf die Zufriedenheit mit der Paarse- xualität. Die sexuelle Lust veränderte sich quantitativ nur geringfügig, wurde jedoch subjek- tiv als gesteigert wahrgenommen. Besonders hilfreich wurden körperbezogene Übungen und strukturierte Gespräche bewertet. Herausforderungen lagen in der Integration in den oftmals stressigen Alltag sowie in der begrenzten Programmdauer. Die hohe Abbruchquote verweist auf die Grenzen unbegleiteter Formate hin. Deshalb erscheint eine Weiterentwick- lung mit modularen und flexibleren Inhalten und optionaler Begleitung sinnvoll. Background: Couple sexuality represents a central aspect of intimate partnerships and relationship satisfaction. A key factor in this context is sexual desire, which motivates sexual interaction. In long-term relationships, however, sexual desire is subject to diverse biopsy- chosocial influences that often lead to a decline over time. Online interventions have gained increasing relevance in recent years due to promising evidence regarding their effectiveness and are therefore well suited for use in sexological prevention. The aim of this study was to develop, implement, and evaluate a four-week, self-guided online program to promote sexual desire in long-term relationships. Methodology: The int

Sereina Wüst, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Online-Intervention für Paare – Entwicklung eines selbstgesteuerten Programms zur Förderung der sexuellen Lust in Langzeitbeziehungen

Verfasst von
Sereina Wüst

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Digitale Medien · Paarsexualität · Sexuelles Verlangen

Lizenz und Nachweis. Sereina Wüst: «Online-Intervention für Paare – Entwicklung eines selbstgesteuerten Programms zur Förderung der sexuellen Lust in Langzeitbeziehungen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

How to Keep it Hot – die Vielfalt des sexuellen Begehrens

Stephanie Dietrich untersucht in der Masterarbeit «How to Keep it Hot – die Vielfalt des sexuellen Begehrens» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Wenn ein Paar unterschiedlich viel Lust hat, lautet der übliche Rat: an der Beziehung arbeiten, mehr Nähe, mehr Intimität. Diese Untersuchung mit 149 Personen findet das Gegenteil. Wer vor allem aus emotionalen Gründen Sex hat, berichtet von weniger Begehren, weniger Zufriedenheit — und erlebt Unterschiede im Verlangen häufiger als Problem.

Worum geht es bei sexuellen Motiven?

Sexuelle Motive sind die Gründe, aus denen Menschen Sex haben. Die Arbeit unterscheidet vier Kategorien: genitale Annäherung (Lust, Erregung, körperliches Verlangen), emotionale Annäherung (Nähe, Verbundenheit, Bestätigung), genitale Vermeidung und emotionale Vermeidung.

Der Blick auf die Motive ist doppelt aufschlussreich. Er zeigt, welche Reize in der sexuellen Lerngeschichte einer Person mit Erregung und Genuss verknüpft wurden — und er hängt messbar mit Begehren, Zufriedenheit und Häufigkeit zusammen.

Was die Zahlen zeigen

Befragt wurden 55 Männer und 94 Frauen in verbindlichen Partnerschaften über einen eigens entwickelten Fragebogen.

Das sexuelle Begehren unterscheidet sich zwischen den Geschlechtern statistisch bedeutsam, mit einem mittleren Effekt. Bei der Zahl der genannten Motive gibt es dagegen keinen bedeutsamen Unterschied — Frauen nennen im Schnitt sogar etwas mehr.

Der Unterschied liegt in der Zusammensetzung. Genitale Annäherungsmotive machen bei Männern im Schnitt knapp 65 Prozent des persönlichen Motivprofils aus, bei Frauen gut 53 Prozent. Emotionale Vermeidungsmotive wählen Frauen deutlich häufiger.

Der überraschende Befund

Genitale Annäherungsmotive hängen am stärksten mit hohem Begehren zusammen — und ebenso mit sexueller Zufriedenheit, mit der Häufigkeit in der Paarbeziehung und damit, dass Unterschiede im Verlangen unproblematisch erlebt werden.

Für emotionale Annäherungsmotive gilt das Umgekehrte. Je stärker sie das Motivprofil prägen, desto geringer sind Begehren und Zufriedenheit — und desto eher wird eine Begehrensdiskrepanz als Problem erlebt. Die Autorin zieht daraus einen unbequemen Schluss: Die paartherapeutische Bearbeitung von Begehrensproblemen über Nähe und gemeinsame Intimität greift zu kurz.

Ihr Gegenvorschlag ist konkret: Eine therapeutische Arbeit an der Beziehung zur eigenen Genitalität dürfte das Erleben der gemeinsamen Paarsexualität positiver beeinflussen.

Was heisst das für die Paarberatung?

Entscheidend für die sexuelle Zufriedenheit ist nach dieser Untersuchung nicht, ob zwei Menschen gleich viel Lust haben. Entscheidend ist, ob der Unterschied als stimmig und unproblematisch erlebt wird. Paare, die ihn als Problem wahrnehmen, sind mit Beziehung und Paarsexualität tendenziell weniger zufrieden.

Damit verschiebt sich das Beratungsziel. Statt die Häufigkeit anzugleichen, geht es darum, wie das Paar die Differenz deutet — und darum, wie jede Person für sich zur eigenen Erregung und Genitalität steht.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Die Stichprobe umfasst 149 Personen und ist damit für eine Masterarbeit gross, aber es handelt sich um eine Gelegenheitsstichprobe, nicht um eine repräsentative Auswahl. Der Fragebogen wurde für diese Arbeit neu entwickelt und in einem Probelauf getestet; ein etabliertes, validiertes Instrument ist er nicht.

Die Zusammenhänge sind Korrelationen. Ob genitale Annäherungsmotive das Begehren stärken oder ob starkes Begehren solche Motive hervorbringt, lässt sich aus Querschnittsdaten nicht entscheiden. Die Effektstärken liegen im schwachen bis mittleren Bereich.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 125 Seiten und ist auf Englisch verfasst. Sie enthält den Forschungsstand zum Auf und Ab des Begehrens in festen Partnerschaften, die Darstellung des Ansatzes Sexocorporel in der Arbeit mit Begehrensanliegen, den entwickelten Fragebogen und die vollständige statistische Auswertung.

Abstract der Arbeit

The master thesis on hand tries to convey the status of current research concerning the ebb and flow of sexual desire in committed relationships. At that, it will explore the connection between sexual desire and sexual satisfaction with a special focus on couples who observe incongruences in desire for sexual connection in their relationship. In addition, it will contemplate and examine the sexual motives and how they influence sexual experiences of people in committed relation- ships. In the following passages the thesis at hand attempts to describe the approach Sexocorporel and how it is employed in sex therapy with clients who want to work on challenges with their sexual desire. A questionnaire was constructed, derived from findings of current research and the frame of reference the approach Sexocorporel offers. To capture sexual desire in a resource- and solution-focused manner according to the approach Sexocorporel, while also taking the multifactorial composition of sexual desire in committed relationships into account, was the goal of said questionnaire. Furthermore, the survey was constructed to investigate the connec- tion between sexual motives that form the basis of sexual desire, and sexual satisfaction in committed couples. The questionnaire was tested in a trial run and afterwards used in an opportunity sample. It was found that there are connections between sexual motives and sexual desire, sexual satisfaction and how problematic sexual incongruences were perceived in committed couples. Some of these connections were gender-specific in their peculiarity and can shape how clients can be approached in sex therapy.

Stephanie Dietrich, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
How to Keep it Hot – Von der Vielfalt des sexuellen Begehrens nach dem Ansatz Sexocorporel

Verfasst von
Stephanie Dietrich

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Sexuelles Verlangen · Paarsexualität · Verhütung · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Stephanie Dietrich: «How to Keep it Hot – Von der Vielfalt des sexuellen Begehrens nach dem Ansatz Sexocorporel». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Über das Unterbewusstsein zu besserem Sex?

Yael Roth untersucht in der Masterarbeit «Über das Unterbewusstsein zu besserem Sex?» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Autosuggestion klingt nach Ratgeberregal. Diese Arbeit prüft sie als therapeutisches Werkzeug bei sexueller Lustlosigkeit — mit neun Frauen über dreissig Tage — und ordnet sie neurowissenschaftlich ein, statt sie zu behaupten.

Warum überhaupt Autosuggestion?

Weil es zu dieser Intervention bei konkret sexuellen Anliegen eine Forschungslücke gibt. Die Autorin arbeitet zunächst den Ursprung der Methode auf, setzt sie zu ähnlichen sexologischen Ansätzen in Beziehung und stellt ihre Grenzen dar.

Der Anschluss an die Sexualtherapie ist dabei enger, als der Begriff vermuten lässt. In embodimentorientierten Verfahren wird über den Körper gearbeitet, und über die Neuroplastizität des Gehirns entstehen neue Verknüpfungen, die für Lernprozesse zentral sind. Diese Prozesse können auch das Unterbewusstsein beeinflussen.

Empirisch gestützt wird das durch Befunde, wonach therapeutische Erfolge mit Veränderungen in der Präfrontalregion des Gehirns einhergehen.

Wie unterscheidet sich das von einer Sexualtherapie?

In der Reihenfolge. In einer Sexualtherapie werden über Gespräche und Übungen zunächst stereotype und soziale Einflüsse auf ein Anliegen wie sexuelle Lustlosigkeit reflektiert und bewusst gemacht.

Bei autosuggestiven Interventionen geht es dagegen darum, neue Glaubenssätze zu lernen, die das Unterbewusstsein auf positive Weise beeinflussen. Der Weg führt nicht über die Einsicht, sondern über die Wiederholung.

Die Arbeit stellt beides nebeneinander, statt eines gegen das andere auszuspielen — als zwei Zugänge zu denselben Lernprozessen.

Was hat die Intervention bewirkt?

Neun Cis-Frauen in hetero- und homosexuellen Beziehungen führten dreissig Tage lang eine autosuggestive Intervention zum Anliegen sexueller Lustlosigkeit durch. Erhoben wurde vorher und nachher über zwei schriftliche halbstandardisierte Fragebogen.

Das Ziel — unbewusste negative Glaubenssätze in positive oder wenigstens realistische umzulenken — gelang bei einem Teil der Frauen gut.

Wer weniger Wirkung berichtete, profitierte dennoch: von der Bewusstmachung ausgewählter Themen im Zusammenhang mit der Lustlosigkeit und davon, klarere Ziele für sich definieren zu können. Auch das ist ein Ergebnis.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Neun Frauen ohne Kontrollgruppe, dreissig Tage, Selbstauskunft über Fragebogen. Das erlaubt keine Wirksamkeitsaussage.

Die Arbeit differenziert allerdings sauber zwischen denen, bei denen die Umdeutung gelang, und denen, bei denen sie ausblieb — und benennt für beide Gruppen, was übrig blieb. Am Schluss reflektiert sie Ansätze zur Weiterentwicklung der Methode für sexologische Anliegen.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 132 Seiten. Sie enthält die Herkunft und theoretische Einordnung der Autosuggestion, den neurowissenschaftlichen Hintergrund, die vollständige Intervention sowie die Auswertung der Fragebogen vor und nach den dreissig Tagen.

Methodisches Vorgehen

Die Arbeit stützt sich auf qualitative Interviews und eine Literaturrecherche. Der Volltext umfasst 132 Seiten.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit befasst sich mit der Autosuggestion als therapeutische Methode für sexologische Anliegen. Dafür wurde ihr Ursprung aufgearbeitet, mit ähnlichen (sexologischen) Ansätzen in Bezug gesetzt, und die Grenzen davon dargestellt. Anhand der Recherche wurde weiter eine 30-tägige autosuggestive Intervention zum Anliegen sexueller Lustlosigkeit bei neun Cis-Frauen in hetero- und homosexuellen Beziehungen durchgeführt. Das Erleben mit dem Anliegen vor, sowie auch nach der Intervention wurde mit zwei qualitativen, halbstandardisierten, schriftlichen Fragebogen nach Döring (2022) erörtert. Das Ziel der Studie war, unbewusste, negative Glaubenssätze in Bezug zu sexueller Lustlosigkeit in positive und/ oder realistische umzulenken, was bei einigen Probandinnen gut gelungen ist. Diejenigen, die von weniger Wirkung berichteten, konnten trotzdem von einer Bewusstmachung ausgewählter Themen in Bezug zur sexuellen Lustlosigkeit profitieren und klarere Ziele für sich definieren. Zum Schluss werden in der Arbeit Ansätze zur Weiterentwicklung dieser Methode für sexologische Anliegen anhand der Theorie reflektiert, gemischt mit Erkenntnissen aus der Studie. This master's thesis deals with autosuggestion as a therapeutic method for sexological concerns. To this end, its origins were analyzed, related to similar (sexological) approaches, and the limitations of these approaches were presented. Based on the research, a 30-day autosuggestive intervention was carried out on nine cis-women in heterosexual and homosexual relationships to address the issue of sexual desirelessness. The experience before and after the intervention was evaluated using two qualitative, semi-standardized, written questionnaires according to Döring (2022). The aim of the study was to redirect unconscious, negative beliefs about sexual desirelessness into positive and/ or realistic ones, which was successful for some of the participants. Those who reported less impact were still able to benefit from raising awareness of selected issues relating to loss of sexual desire and defining clearer goals for themselves. Finally, the paper reflects on approaches for the further development of this method for sexological concerns based on theory, mixed with findings from the study.

Yael Roth, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Über das Unterbewusstsein zu besserem Sex? : Eine Untersuchung der Wirkung autosuggestiver Methoden zur Verbesserung sexueller Zufriedenheit

Verfasst von
Yael Roth

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Sexuelles Verlangen · Erektile Dysfunktion · Sexuelle Zufriedenheit

Lizenz und Nachweis. Yael Roth: «Über das Unterbewusstsein zu besserem Sex? : Eine Untersuchung der Wirkung autosuggestiver Methoden zur Verbesserung sexueller Zufriedenheit». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Frauen mit starkem sexuellen Begehren

Laila Schläfli untersucht in der Masterarbeit «Frauen mit starkem sexuellen Begehren» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Die Forschung zum weiblichen Verlangen fragt fast immer, warum es fehlt. Diese Arbeit dreht die Richtung um und befragt fünf Frauen, die ein starkes sexuelles Begehren verspüren: Was haben sie in ihrer Biografie gemeinsam? Eine einzelne Ursache findet sie nicht — dafür mehrere Faktoren, an denen sich arbeiten lässt.

Gibt es den einen Grund für starkes Begehren?

Nein. Das ist das erste Ergebnis, und es ist wichtiger, als es klingt. In jeder der fünf ausgewerteten Biografien waren andere Faktoren entscheidend. Wer in der Beratung nach der Ursache sucht, sucht nach etwas, das es so nicht gibt.

Die Arbeit ordnet die gefundenen Faktoren stattdessen den Komponenten des Modells Sexocorporel zu — kognitiv, physiologisch, beziehungsdynamisch. Das macht sie für die Praxis brauchbar, weil sich daraus ergibt, wo anzusetzen wäre.

Was im Denken das Begehren stärkt

Ein Befund betrifft die Definition von Sex. Frauen, die mehr als penetrativen Geschlechtsverkehr als Sex verstehen, haben nach dieser Auswertung vermutlich ein stärkeres Begehren. Wer Sexualität eng definiert, engt damit auch die Gelegenheiten ein, bei denen Verlangen entstehen kann.

Zu den Wertvorstellungen aus dem Elternhaus liess sich der erwartete Zusammenhang nicht bestätigen. Auffällig war dafür etwas anderes: Alle fünf Frauen erwähnten ausdrücklich die Zeitschrift «Bravo», teilweise positiv. Die Autorin folgert daraus, dass Gleichaltrige und deren Medien im Jugendalter an Bedeutung gewinnen und die Prägung des Elternhauses ausgleichen können — und dass ein Zugang zu wertfreiem Wissen dem Begehren vermutlich zuträglich ist.

Was der Körper dazu beiträgt

Hier ist der Befund am deutlichsten. Alle befragten Frauen bestätigten den Nutzen der Selbstbefriedigung: Dadurch lernten sie ihren Körper kennen und lernten, zuverlässig den Punkt zu erreichen, ab dem der Orgasmus nicht mehr aufzuhalten ist.

Die Autorin schliesst daraus, dass regelmässige Selbstbefriedigung das sexuelle Begehren von Frauen stärkt — und ergänzt einen Hinweis, der in der Beratung selten fällt: Es scheint wichtig, dass Frauen die Vagina dabei einbeziehen.

Ein weiterer Faktor ist das erste Mal. Ein positiv erlebter erster Geschlechtsverkehr ist für die Entwicklung des Begehrens bedeutsam, wobei es nach den Schilderungen auch darauf ankommt, in welchem Verhältnis die Frau zu diesem ersten Partner stand.

Was heisst das für die Beratung?

Die Arbeit widerspricht der verbreiteten Annahme, Frauen hätten grundsätzlich weniger Lust auf Sex als Männer. Sie zeigt, dass Frauen ein intensives Verlangen entwickeln können — und benennt Bedingungen, unter denen das geschieht.

Für die Praxis heisst das: Statt nach Störungen zu suchen, lässt sich fragen, wie weit die eigene Definition von Sex reicht, welches Verhältnis eine Frau zur Selbstbefriedigung hat und ob sie dabei ihren ganzen Körper einbezieht. Das sind Ansatzpunkte, keine Diagnosen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Fünf qualitative Interviews mit heterosexuellen Frauen, die ein starkes Begehren verspüren. Es gibt keine Vergleichsgruppe, und die Autorin formuliert ihre Schlüsse entsprechend vorsichtig — mehrfach steht dort «vermutlich» oder «konnte nicht abschliessend geklärt werden».

Diese Zurückhaltung ist angebracht. Was die Arbeit leistet, ist eine sorgfältig gearbeitete Sammlung von Hypothesen, die es zu prüfen lohnt — nicht der Nachweis von Ursachen.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 116 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zum weiblichen Begehren, einen historischen Rückblick auf die weibliche Sexualität, die vollständige Auswertung der fünf Interviews und die Zuordnung aller gefundenen Faktoren zu den Komponenten des Modells Sexocorporel.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, Gemeinsamkeiten in der sexuellen Biografie von heterosexuellen Frauen zu identifizieren, die ein starkes sexuelles Verlangen haben. Welche möglichen Faktoren in ihrer Summe zu einem starken sexuellen Begehren führen können, wird mit dieser Arbeit untersucht. Die zugrunde liegende These lautet, dass Frauen in der Lage sind, ein intensives sexuelles Verlangen zu entwickeln – entgegen der verbreiteten Annahme, dass Frauen im Allgemeinen weniger Lust auf Sex haben als Männer (Conley et al., 2011). Zur Beantwortung der Forschungsfrage wird im ersten Teil dieser Arbeit der aktuelle Wissensstand zum weiblichen Begehren dargestellt und um einem kurzen Rückblick in die Geschichte der weiblichen Sexualität ergänzt. Der zweite Teil erforscht die Fragestellung dieser Arbeit anhand qualitativer Interviews mit fünf Frauen, die ein starkes sexuelles Begehren verspüren. Die Ergebnisse werden anhand des Modells ,Sexocorporel’ analysiert und vorgestellt. The present work aims to identify similarities in the sexual biography of heterosexual women who have a strong sexual desire. This work examines which possible factors in their sum can lead to a strong sexual desire. The underlying thesis is that women are able to develop an intense sexual desire – contrary to the widespread assumption that women generally have less desire for sex than men (Conley et al., 2011). In order to answer the research question, the first part of this work presents the current state of knowledge about female desire and is supplemented by a brief review of the history of female sexuality. The second part explores the question of this work through qualitative interviews with five women who feel a strong sexual desire. The results are analysed and presented using the ,Sexocorporel’ model.

Laila Schläfli, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Frauen mit starkem sexuellen Begehren : Eine qualitative Untersuchung zu möglichen Faktoren

Verfasst von
Laila Schläfli

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Sexuelles Verlangen · Paarsexualität · Geschlecht & Identität · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Laila Schläfli: «Frauen mit starkem sexuellen Begehren : Eine qualitative Untersuchung zu möglichen Faktoren». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA3 Masterarbeit

Sexuelle Lust heterosexueller Paare zwischen 50 und 70 Jahren

Marianne Brunner untersucht in der Masterarbeit «Die sexuelle Lust heterosexueller Paare zwischen 50 und 70 Jahren in l» am ISP. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Beim Erleben sexueller Lust geht es nicht in erster Linie um genitale Entladung, sondern um die Verbindung genitaler Erregung mit emotionaler Erregung. Diese Arbeit prüft, was die Lust in langjährigen Beziehungen zwischen fünfzig und siebzig erhält — und findet in Studien, Therapieansätzen und den Erzählungen zweier Paare eine bemerkenswerte Übereinstimmung.

Was erhält die sexuelle Lust im Alter?

Die systematische Literaturrecherche fördert Faktoren zutage, die teils banal und teils überraschend sind: das Vorhandensein einer Partnerin oder eines Partners, die gesundheitliche Verfassung, ein aktiver Lebensstil, die sexuelle Sozialisation in jungen Jahren, die sexuelle Zufriedenheit und der Stellenwert, den Sexualität im bisherigen Leben hatte.

Besonders deutlich bestätigte sich der Einfluss der frühen Prägung: Eine körperfreundliche und sexpositive Umgebung in jungen Jahren erweist sich als förderlich für den Erhalt der Lust Jahrzehnte später. Das ist eine Aussage über Sexualerziehung, verpackt in eine Arbeit über Menschen ab fünfzig.

Dazu kommen drei Wirkfaktoren aus der Studienlage: Verbundenheit und Selbstöffnung, Erotik und Lusterleben.

Genital oder emotional?

Der zentrale Befund der Arbeit liegt in dieser Verbindung. Die befragten Paare beschreiben sexuelle Lust nicht nur genital, sondern ebenso emotional — und bekunden damit ihre Verbundenheit.

Im Modell Sexocorporel wird das als Verbindung von oberer und unterer Schaukel beschrieben, umgangssprachlich: die Verbindung von Genital und Herz. Beide Paare nennen sie, und viele Studien zeigen dasselbe. Sexuelle Lust hat nach dieser Lesart die Fähigkeit, Verbundenheit, Selbstoffenbarung, Verletzlichkeit und Ergriffenheit erlebbar zu machen wie kaum etwas anderes — die Paare gebrauchen dafür Wörter wie Ekstase und Verschmelzung.

Eine allgemeingültige Definition sexueller Lust findet die Arbeit weder in der Literatur noch bei den Paaren. Diese Vielfalt selbst ist ein Ergebnis.

Wie wurde das erhoben?

Die Arbeit verbindet eine systematische Literaturrecherche mit zwei ausführlichen Leitfadeninterviews mit sexuell aktiven Paaren um die siebzig, die seit Jahrzehnten zusammenleben.

Ungewöhnlich ist ein methodisches Detail: Die Interviewten verfassten kurze Gedichte zur sexuellen Lust. In der Reduktion der Worte, schreibt die Autorin, zeigten sich Dichte und Tiefe — und bei einem der Paare wird gerade darin die Verbindung von Genital und Herz sichtbar. Beide Partner begannen ihr Gedicht mit demselben Wort: Freude.

Bei diesem Paar zeigt sich zudem etwas, das die Arbeit nicht auflöst, aber festhält: Schwere Schicksalsschläge über fast fünfzig gemeinsame Jahre hatten das Paar nicht getrennt, sondern näher zusammengebracht.

Was heisst das für die Beratung?

Die Arbeit stellt drei körperorientierte sexualtherapeutische Ansätze nebeneinander und zeigt, was jeder beitragen kann: Sexual Crucible nach Schnarch, Sexocorporel nach Desjardins und Sensate Focus nach dem Hamburger Modell.

Daraus wird ersichtlich, welchen Beitrag eine Sexualberatung zur Erhaltung der sexuellen Lust leisten kann — und zwar ohne die Erwartung, den Zustand von vor dreissig Jahren wiederherzustellen. Die Zielrichtung ist eine andere: die genitale Erregung mit der emotionalen zu verbinden.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Der Literaturteil ist systematisch gearbeitet und trägt den Hauptteil der Aussagen. Die beiden Interviews sind ausdrücklich exemplarisch — zwei Paare belegen nichts, sie veranschaulichen.

Die Auswahl verstärkt das: Befragt wurden sexuell aktive Paare in langjährigen Beziehungen. Wie es Paaren ergeht, bei denen die Lust erloschen ist, zeigt diese Arbeit nicht. Die hohe Übereinstimmung zwischen Studienlage, Therapieansätzen und den Schilderungen bleibt dennoch bemerkenswert.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 103 Seiten. Sie enthält die systematische Literaturrecherche zu sexueller Lust, den altersbedingten körperlichen Veränderungen und den Wirkfaktoren, die Darstellung der drei sexualtherapeutischen Ansätze sowie die vollständige Auswertung der beiden Paarinterviews.

Abstract der Arbeit

In der vorliegenden Masterarbeit wird untersucht, welche Wirkfaktoren zur Erhaltung der sexuellen Lust von Frauen und Männern in langjährigen Beziehungen unter Einbezug altersbedingter körperlicher Veränderungen beitragen. Zur Beantwortung dieser Frage wird in einem ersten Teil eine systematische Literaturrecherche vorgenommen, welche sich der Definition von sexueller Lust, den Gemeinsamkeiten und Unterschieden der sexuellen Lust von Frauen und Männern, den Entwicklungen der sexuellen Lust in langjährigen Beziehungen und den körperlichen Veränderungen bei Frauen und Männern im Alter von 50 bis 70 Jahren widmet. Es zeigt sich, dass für den Erhalt der sexuellen Lust im Alter das Vorhandensein eines Partners, bzw. einer Partnerin, die gesundheitliche Verfassung und ein aktiver Lebensstil, die sexuelle Sozialisation in jungen Jahren, die sexuelle Zufrieden- heit sowie der Stellenwert der Sexualität im Verlaufe des Lebens ausschlaggebend sind. Weiter werden aufgrund von Studienergebnissen die Wirkfaktoren «Verbundenheit und Selbstöffnung», «Erotik» und «Lusterleben» dargestellt, welche wesentlich zum Erhalt der sexuellen Lust in einer langjährigen Beziehung beitragen. Diese werden ergänzt mit praxisnahen Beiträgen von den drei körperorientierten sexualtherapeutischen Ansätzen «Sexual crucible» nach Schnarch, «Sexocorporel» nach Desjardins und «Sensate Focus» nach dem Hamburger Modell. Dadurch wird ersichtlich, welchen Beitrag eine Sexual- beratung zur Erhaltung der sexuellen Lust leisten kann. In zwei exemplarischen Leitfaden- interviews mit sexuell aktiven Paaren in einer langjährigen Beziehung und im Alter von rund 70 Jahren werden die gleichen Themenbereiche erforscht und die Ergebnisse mit den Erkenntnissen aus der Literatur und den sexualtherapeutischen Ansätzen verglichen. Daraus werden konkrete Empfehlungen für die Sexualberatung abgeleitet.

Marianne Brunner, Abstract der Masterarbeit, 2022

Angaben zur Arbeit

Titel
Die sexuelle Lust heterosexueller Paare zwischen 50 und 70 Jahren in langjährigen Beziehungen : Wirkfaktoren, welche zur Erhaltung der sexuellen Lust von Frauen und Männern beitragen, unter Einbezug körperlicher Veränderungen im Alter – aufgezeigt anhand von Studien, Befragungen und drei sexualtherapeutischen Ansätzen

Verfasst von
Marianne Brunner

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3

Jahr
2022

Themen
Sexualität im Alter · Sexualtherapie · Sexuelles Verlangen · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Marianne Brunner: «Die sexuelle Lust heterosexueller Paare zwischen 50 und 70 Jahren in langjährigen Beziehungen : Wirkfaktoren, welche zur Erhaltung der sexuellen Lust von Frauen und Männern beitragen, unter Einbezug körperlicher Veränderungen im Alter – aufgezeigt anhand von Studien, Befragungen und drei sexualtherapeutischen Ansätzen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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