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MA5 Masterarbeit

Jenseits des Östrogenspiegels – Sexualität in der Postmenopause

Melina Wyss untersucht in der Masterarbeit «Jenseits des Östrogenspiegels – Sexualität in der Postmenopause» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Über Sexualität nach den Wechseljahren wird meist in Hormonwerten gesprochen. Diese Arbeit fragt drei Frauen zwischen 50 und 60, wie sie es selbst erleben — und findet keine Verlustgeschichte. Die Befragten erleben ihre Sexualität nicht als defizitär, sondern richten sie neu aus.

Was verändert sich nach der Menopause wirklich?

Die Arbeit nimmt bewusst die psychosoziale Perspektive: subjektive Deutungsmuster, Selbst- und Körperbild, partnerschaftliche Dynamiken und gesellschaftliche Altersnormen.

Ihr zentrales Ergebnis widerspricht dem Defizitmodell. Sexualität in der Postmenopause erweist sich als dynamischer und individueller Prozess, der weit über hormonelle Veränderungen hinausgeht — als fortdauernde, wandelbare Dimension weiblicher Identität und Lebensqualität.

Nicht der Verlust steht im Vordergrund, sondern die Möglichkeit zur Neuausrichtung: Die Frauen entwickeln Strategien, um körperliche Veränderungen zu integrieren, neue Formen von Intimität zu leben und ihre Sexualität aktiv zu gestalten.

Was hilft?

Die Arbeit benennt die tragenden Ressourcen konkret: soziale Beziehungen, kommunikativer Austausch, ein reflektierter Umgang mit körperlichen Veränderungen und das bewusste Setzen persönlicher Grenzen.

Als zentrale Faktoren für ein selbstbestimmtes Erleben nennt sie emotionale Sicherheit, eine als hoch empfundene Beziehungsqualität, ein weitgehend positives Körperbild sowie kommunikative Kompetenzen und den Zugang zu Wissen und unterstützenden Angeboten.

Bemerkenswert ist, was die Frauen selbst tun: Sie stabilisieren ihre Sexualität über eigene Fürsorgepraktiken — nicht über eine Behandlung, sondern über die Art, wie sie mit sich umgehen.

Welche Rolle spielt die Hormonersatztherapie?

Alle drei Befragten nennen sie als wichtige medizinische Grundlage zur Linderung körperlicher Beschwerden. Die Arbeit spielt sie also nicht herunter.

Sie ordnet sie aber ein: Die Hormonersatztherapie bildet einen Teil eines umfassenderen Bewältigungskonzepts, nicht dessen Kern. Wer nur über Hormone spricht, verhandelt einen Ausschnitt.

Der Schluss der Arbeit ist entsprechend: Sexualität in der Postmenopause ist nicht biologisch vorgegeben, sondern biografisch, relational und kulturell verankert.

Was heisst das für die Beratung?

Die Autorin plädiert für ein lebensphasensensibles Verständnis, das Vielfalt, Autonomie und Entwicklungspotenzial auch im späteren Lebensverlauf sichtbar macht — und stellt fest, dass diese Perspektive weder im gesellschaftlichen Diskurs noch in der Forschung ausreichend vertreten ist.

Für die Praxis heisst das, die Frage anders zu stellen. Nicht «was funktioniert nicht mehr», sondern «was hat sich verschoben und wie liesse es sich gestalten».

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Drei leitfadengestützte Interviews mit Frauen zwischen 50 und 60, ausgewertet über eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring. Drei Frauen sind eine schmale Grundlage, und wer sich für ein solches Gespräch zur Verfügung stellt, hat zum Thema meist bereits ein Verhältnis gefunden.

Die Arbeit versteht sich ausdrücklich als Beitrag zur Anerkennung weiblicher Sexualität im Alter als eigenständigem Erfahrungsraum. Als Gegengewicht zur Defizitperspektive ist sie aufschlussreich, als Beleg für Häufigkeiten nicht gedacht.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 99 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu Sexualität in der Postmenopause, die Auseinandersetzung mit Altersnormen und Körperbild, die vollständige Auswertung der drei Interviews und die Ableitungen für eine lebensphasensensible Beratung.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit untersucht aus psychosozialer Perspektive, wie Frauen sexuelle Veränderungen in der Postmenopause erleben, deuten und bewältigen. Ziel ist es, zentrale Einflussfaktoren auf das sexuelle Erleben zu identifizieren sowie Ressourcen und Strategien sichtbar zu machen, mit denen Frauen ihre Sexualität in dieser Lebensphase gestalten. Im Fokus stehen dabei subjektive Deutungsmuster, das Selbst- sowie Körperbild, partnerschaftliche Dynamiken und gesellschaftliche Altersnormen. Die empirische Grundlage bilden drei leitfadengestützte Interviews mit Frauen zwischen 50 und 60 Jahren. Die Auswertung erfolgt mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring. Die Ergebnisse zeigen, dass Frauen ihre Sexualität nicht primär als defizitär erleben, sondern durch individuell geprägte Fürsorgepraktiken stabilisieren oder neu ausrichten. Soziale Beziehungen, kommunikativer Austausch, reflexiver Umgang mit körperlichen Veränderungen sowie das bewusste Setzen persönlicher Grenzen erweisen sich als zentrale psychosoziale Ressourcen. Die Hormonersatztherapie wird von allen Befragten als wichtige medizinische Grundlage zur Linderung körperlicher Beschwerden genannt, bildet jedoch nur einen Teil eines umfassenderen Bewältigungskonzepts. Die Ergebnisse machen deutlich, dass sexuelle Veränderungen in der Postmenopause nicht monokausal durch hormonelle Umstellungen erklärbar sind. Vielmehr zeigt sich ein komplexes Wechselspiel biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren. Diese Arbeit unterstreicht die Notwendigkeit, weibliche Sexualität in dieser Lebensphase als dynamisches und sozial eingebettetes Phänomen zu verstehen und sexualmedizinische sowie -therapeutische Angebote entsprechend biopsychosozial auszurichten hin zu einer lebensphasensensiblen, ressourcenfokussierten Begleitung. Daraus ergeben sich konkrete Implikationen für die sexualtherapeutische Praxis und den gesellschaftlichen Diskurs. HS Merseburg / ISP Zürich • Melina Wyss • Jenseits des Östrogenspiegels

Melina Wyss, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Jenseits des Östrogenspiegels: Die Bedeutung psychosozialer Faktoren für die Sexualität von Frauen in der Postmenopause

Verfasst von
Melina Wyss

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Wechseljahre · Sexualität im Alter · Körperbild

Lizenz und Nachweis. Melina Wyss: «Jenseits des Östrogenspiegels: Die Bedeutung psychosozialer Faktoren für die Sexualität von Frauen in der Postmenopause». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA3 Masterarbeit

Sexuelle Lust heterosexueller Paare zwischen 50 und 70 Jahren

Marianne Brunner untersucht in der Masterarbeit «Die sexuelle Lust heterosexueller Paare zwischen 50 und 70 Jahren in l» am ISP. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Beim Erleben sexueller Lust geht es nicht in erster Linie um genitale Entladung, sondern um die Verbindung genitaler Erregung mit emotionaler Erregung. Diese Arbeit prüft, was die Lust in langjährigen Beziehungen zwischen fünfzig und siebzig erhält — und findet in Studien, Therapieansätzen und den Erzählungen zweier Paare eine bemerkenswerte Übereinstimmung.

Was erhält die sexuelle Lust im Alter?

Die systematische Literaturrecherche fördert Faktoren zutage, die teils banal und teils überraschend sind: das Vorhandensein einer Partnerin oder eines Partners, die gesundheitliche Verfassung, ein aktiver Lebensstil, die sexuelle Sozialisation in jungen Jahren, die sexuelle Zufriedenheit und der Stellenwert, den Sexualität im bisherigen Leben hatte.

Besonders deutlich bestätigte sich der Einfluss der frühen Prägung: Eine körperfreundliche und sexpositive Umgebung in jungen Jahren erweist sich als förderlich für den Erhalt der Lust Jahrzehnte später. Das ist eine Aussage über Sexualerziehung, verpackt in eine Arbeit über Menschen ab fünfzig.

Dazu kommen drei Wirkfaktoren aus der Studienlage: Verbundenheit und Selbstöffnung, Erotik und Lusterleben.

Genital oder emotional?

Der zentrale Befund der Arbeit liegt in dieser Verbindung. Die befragten Paare beschreiben sexuelle Lust nicht nur genital, sondern ebenso emotional — und bekunden damit ihre Verbundenheit.

Im Modell Sexocorporel wird das als Verbindung von oberer und unterer Schaukel beschrieben, umgangssprachlich: die Verbindung von Genital und Herz. Beide Paare nennen sie, und viele Studien zeigen dasselbe. Sexuelle Lust hat nach dieser Lesart die Fähigkeit, Verbundenheit, Selbstoffenbarung, Verletzlichkeit und Ergriffenheit erlebbar zu machen wie kaum etwas anderes — die Paare gebrauchen dafür Wörter wie Ekstase und Verschmelzung.

Eine allgemeingültige Definition sexueller Lust findet die Arbeit weder in der Literatur noch bei den Paaren. Diese Vielfalt selbst ist ein Ergebnis.

Wie wurde das erhoben?

Die Arbeit verbindet eine systematische Literaturrecherche mit zwei ausführlichen Leitfadeninterviews mit sexuell aktiven Paaren um die siebzig, die seit Jahrzehnten zusammenleben.

Ungewöhnlich ist ein methodisches Detail: Die Interviewten verfassten kurze Gedichte zur sexuellen Lust. In der Reduktion der Worte, schreibt die Autorin, zeigten sich Dichte und Tiefe — und bei einem der Paare wird gerade darin die Verbindung von Genital und Herz sichtbar. Beide Partner begannen ihr Gedicht mit demselben Wort: Freude.

Bei diesem Paar zeigt sich zudem etwas, das die Arbeit nicht auflöst, aber festhält: Schwere Schicksalsschläge über fast fünfzig gemeinsame Jahre hatten das Paar nicht getrennt, sondern näher zusammengebracht.

Was heisst das für die Beratung?

Die Arbeit stellt drei körperorientierte sexualtherapeutische Ansätze nebeneinander und zeigt, was jeder beitragen kann: Sexual Crucible nach Schnarch, Sexocorporel nach Desjardins und Sensate Focus nach dem Hamburger Modell.

Daraus wird ersichtlich, welchen Beitrag eine Sexualberatung zur Erhaltung der sexuellen Lust leisten kann — und zwar ohne die Erwartung, den Zustand von vor dreissig Jahren wiederherzustellen. Die Zielrichtung ist eine andere: die genitale Erregung mit der emotionalen zu verbinden.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Der Literaturteil ist systematisch gearbeitet und trägt den Hauptteil der Aussagen. Die beiden Interviews sind ausdrücklich exemplarisch — zwei Paare belegen nichts, sie veranschaulichen.

Die Auswahl verstärkt das: Befragt wurden sexuell aktive Paare in langjährigen Beziehungen. Wie es Paaren ergeht, bei denen die Lust erloschen ist, zeigt diese Arbeit nicht. Die hohe Übereinstimmung zwischen Studienlage, Therapieansätzen und den Schilderungen bleibt dennoch bemerkenswert.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 103 Seiten. Sie enthält die systematische Literaturrecherche zu sexueller Lust, den altersbedingten körperlichen Veränderungen und den Wirkfaktoren, die Darstellung der drei sexualtherapeutischen Ansätze sowie die vollständige Auswertung der beiden Paarinterviews.

Abstract der Arbeit

In der vorliegenden Masterarbeit wird untersucht, welche Wirkfaktoren zur Erhaltung der sexuellen Lust von Frauen und Männern in langjährigen Beziehungen unter Einbezug altersbedingter körperlicher Veränderungen beitragen. Zur Beantwortung dieser Frage wird in einem ersten Teil eine systematische Literaturrecherche vorgenommen, welche sich der Definition von sexueller Lust, den Gemeinsamkeiten und Unterschieden der sexuellen Lust von Frauen und Männern, den Entwicklungen der sexuellen Lust in langjährigen Beziehungen und den körperlichen Veränderungen bei Frauen und Männern im Alter von 50 bis 70 Jahren widmet. Es zeigt sich, dass für den Erhalt der sexuellen Lust im Alter das Vorhandensein eines Partners, bzw. einer Partnerin, die gesundheitliche Verfassung und ein aktiver Lebensstil, die sexuelle Sozialisation in jungen Jahren, die sexuelle Zufrieden- heit sowie der Stellenwert der Sexualität im Verlaufe des Lebens ausschlaggebend sind. Weiter werden aufgrund von Studienergebnissen die Wirkfaktoren «Verbundenheit und Selbstöffnung», «Erotik» und «Lusterleben» dargestellt, welche wesentlich zum Erhalt der sexuellen Lust in einer langjährigen Beziehung beitragen. Diese werden ergänzt mit praxisnahen Beiträgen von den drei körperorientierten sexualtherapeutischen Ansätzen «Sexual crucible» nach Schnarch, «Sexocorporel» nach Desjardins und «Sensate Focus» nach dem Hamburger Modell. Dadurch wird ersichtlich, welchen Beitrag eine Sexual- beratung zur Erhaltung der sexuellen Lust leisten kann. In zwei exemplarischen Leitfaden- interviews mit sexuell aktiven Paaren in einer langjährigen Beziehung und im Alter von rund 70 Jahren werden die gleichen Themenbereiche erforscht und die Ergebnisse mit den Erkenntnissen aus der Literatur und den sexualtherapeutischen Ansätzen verglichen. Daraus werden konkrete Empfehlungen für die Sexualberatung abgeleitet.

Marianne Brunner, Abstract der Masterarbeit, 2022

Angaben zur Arbeit

Titel
Die sexuelle Lust heterosexueller Paare zwischen 50 und 70 Jahren in langjährigen Beziehungen : Wirkfaktoren, welche zur Erhaltung der sexuellen Lust von Frauen und Männern beitragen, unter Einbezug körperlicher Veränderungen im Alter – aufgezeigt anhand von Studien, Befragungen und drei sexualtherapeutischen Ansätzen

Verfasst von
Marianne Brunner

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3

Jahr
2022

Themen
Sexualität im Alter · Sexualtherapie · Sexuelles Verlangen · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Marianne Brunner: «Die sexuelle Lust heterosexueller Paare zwischen 50 und 70 Jahren in langjährigen Beziehungen : Wirkfaktoren, welche zur Erhaltung der sexuellen Lust von Frauen und Männern beitragen, unter Einbezug körperlicher Veränderungen im Alter – aufgezeigt anhand von Studien, Befragungen und drei sexualtherapeutischen Ansätzen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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