Kategorien
MA5 Masterarbeit

Die Integration körperorientierter Ansätze in die Sexualtherapie nach dem Sexocorporel-Modell

Patricia Zoller untersucht in der Masterarbeit «Die Integration körperorientierter Ansätze in die Sexualtherapie nach dem Sexocorporel-Modell» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Körperorientierte Verfahren gelten in der Sexualtherapie oft als ergänzende Technik. Diese Arbeit widerspricht: Sie prüft Tanztherapie, Achtsamkeitspraxis und Bioenergetik systematisch am Modell Sexocorporel und kommt zum Schluss, dass sie integrale Bestandteile sind — nicht Beiwerk.

Was verbindet drei so verschiedene Verfahren?

Tanztherapie, Achtsamkeitspraxis und Bioenergetik stammen aus unterschiedlichen theoretischen Traditionen und sind methodisch klar voneinander zu unterscheiden.

Was sie verbindet, ist ein gemeinsames Anliegen: die Verkörperung psychischer, affektiver und relationaler Prozesse. Genau darin liegt nach dieser Analyse ihr komplementäres Potenzial zum Modell Sexocorporel.

Was fügen sie dem Modell hinzu?

Die Arbeit formuliert das präzise und ist dabei auch gegenüber dem eigenen Modell kritisch: Sexocorporel war bislang vorrangig auf funktionale Körperarbeit und edukative Vermittlung ausgerichtet.

Die körperzentrierten Ansätze vertiefen es um symbolische, affektive und beziehungsdynamische Erfahrungsdimensionen — also um genau jene Ebenen, die in sprachlich-kognitiven Formaten schwer zugänglich bleiben.

Und sie wirken auf mehreren Ebenen zugleich: Sie unterstützen physiologische Regulation und affektive Durchlässigkeit, fördern aber ebenso Selbstbeobachtung, Beziehungsgestaltung und kognitive Neuorientierung.

Wie ist die Analyse aufgebaut?

Jedes Verfahren wird entlang der vier Komponenten des Modells eingeordnet — physiologisch, sexodynamisch, kognitiv und beziehungsdynamisch — und auf theoretische Grundlagen, Anwendungsmöglichkeiten und Passung geprüft. Methodisch stützt sich die Arbeit auf eine systematische Literaturrecherche.

Dazu kommt ein Übungsdossier mit konkreten Beispielen. Es zeigt, wie sich somatische Verfahren entlang der Modellkomponenten tatsächlich einbinden lassen — die Arbeit bleibt also nicht bei der Einordnung stehen.

Für wen ist das brauchbar?

Für alle, die überlegen, ein weiteres körperorientiertes Verfahren in die eigene Arbeit zu holen. Statt sich durch die Literatur dreier Schulen zu arbeiten, findet man hier die Vorarbeit — mit der Passung zum eigenen Modell bereits geprüft.

Mit 253 Seiten ist es die umfangreichste Arbeit dieser Sammlung und als Nachschlagewerk angelegt.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Es handelt sich um eine theoriegeleitete Analyse auf Basis einer systematischen Literaturrecherche — ohne eigene empirische Erhebung. Das Übungsdossier ist ein begründeter Vorschlag, keine erprobte Intervention.

Was die Arbeit also zeigt, ist Anschlussfähigkeit: dass sich die drei Verfahren theoretisch stimmig mit dem Modell verbinden lassen. Ob die vorgeschlagenen Übungen in der Praxis wirken, müsste geprüft werden.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 253 Seiten. Sie enthält die theoretischen Grundlagen der drei Verfahren, ihre systematische Einordnung entlang der vier Komponenten des Modells Sexocorporel sowie das vollständige Übungsdossier für die Praxis.

Abstract der Arbeit

Die Sexualtherapie steht zunehmend vor der Herausforderung, körperliche und psychische Prozesse integrativ zu behandeln. Körperorientierte Ansätze gewinnen hierbei an Bedeutung, da sie auf physischer Ebene ansetzen und emotionale sowie sexuelle Blockaden adressieren können. Ziel dieser Arbeit ist es, die Eignung und das Potenzial ausgewählter körperorientierter Ansätze – Tanztherapie, Achtsamkeitspraxis und Bioenergetik – für den Einsatz in der sexualtherapeutischen Praxis zu untersuchen. Das theoretische Fundament bildet das Sexocorporel-Modell von Jean-Yves Desjardins, in dessen Rahmen die genannten Methoden eingeordnet und analysiert werden. Die Analyse erfolgt entlang der vier Komponenten des Modells – physiologisch, sexodynamisch, kognitiv und beziehungsdynamisch. Methodisch basiert die Arbeit auf einer systematischen Literaturrecherche. Die ausgewählten körperorientierten Ansätze werden hinsichtlich ihrer theoretischen Grundlagen, Anwendungsmöglichkeiten und Passung zum Sexocorporel-Modell untersucht. Ergänzend werden exemplarische Übungen in einem Übungsdossier vorgestellt, das praktische Anwendungsideen für die sexualtherapeutische Arbeit liefert. Die Arbeit verfolgt das Ziel, eine fundierte, theoretisch und praktisch anschlussfähige Grundlage für die Integration körperorientierter Ansätze in die Sexualtherapie zu schaffen. Sie richtet sich an Fachpersonen, die ihr Verständnis für körperbasierte Ansätze vertiefen und ihre sexualtherapeutische Praxis erweitern möchten.

Patricia Zoller, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Die Integration körperorientierter Ansätze in die Sexualtherapie nach dem Sexocorporel-Modell

Verfasst von
Patricia Zoller

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Körperarbeit · Sexualtherapie · Recht & Ethik · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Patricia Zoller: «Die Integration körperorientierter Ansätze in die Sexualtherapie nach dem Sexocorporel-Modell». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

Verwandte Masterarbeiten

Weiterführend

Kategorien
MA5 Masterarbeit

Nicht-Binarität in der Sexualtherapie

Caroline Schenk untersucht in der Masterarbeit «Nicht-Binarität in der Sexualtherapie» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Das «Gefühl der Geschlechtszugehörigkeit» ist ein Kernbegriff des Modells Sexocorporel — und er setzt voraus, dass es eine Zugehörigkeit gibt, zu der man sich zugehörig fühlen kann. Diese Arbeit prüft, was mit dem Konzept geschieht, wenn eine Person sich keiner der beiden Kategorien zuordnet. Ihre Antwort beginnt bei einem einzigen Buchstaben.

Was ändert ein Wort?

Aus dem «Gefühl der Geschlechtszugehörigkeit» wird das «Gefühl der Geschlechterzugehörigkeit». Die Änderung ist minimal und folgenreich: Der Plural schliesst mehrere Geschlechterrealitäten ein, wo der Singular eine voraussetzt.

Zwei weitere Begriffe haben sich in der Praxis als hilfreich erwiesen — das Gefühl der Zugehörigkeit zum eigenen sexuellen Körper und das Gefühl der Zugehörigkeit zur eigenen Gendergruppe.

Damit verschiebt sich der Fokus weg von der Geschlechtsidentität hin zum individuellen Erleben: im eigenen Körper, mit den eigenen Genitalien, und in Bezug auf andere Menschen. Die begriffliche Änderung allein öffnet den Blick weg von einer binären Ordnung und weg von einem Richtig und Falsch.

Reicht die neue Sprache?

Nein — und das ist die wichtigste Erkenntnis der Arbeit. Obwohl die befragten Fachpersonen die Begriffe unterschiedlich anpassten und nutzten, zeigte sich eine Konstante: Alle hatten sich im Lauf ihrer Praxis eine trans*sensible Haltung erarbeitet.

Die Autorin formuliert den Schluss unmissverständlich: Eine sprachliche Veränderung bewegt nichts, wenn sich die Einstellung dahinter nicht mitverändert. Kein Konzept steht für sich allein — jedes ist mit der Person verbunden, die es anwendet.

Menschenbild, Haltung, Wissen, Privilegien, Lebenserfahrung und auch Unsicherheiten schwingen dabei jederzeit mit. Eine geschlechtersensible Sexualtherapie setzt deshalb voraus, dass das Konzept kritisch reflektiert und differenziert eingesetzt wird.

Was heisst das für die Arbeit mit nichtbinären Menschen?

Körperzentrierte Interventionen schätzt die Arbeit grundsätzlich als hilfreich ein — unter einer Bedingung: Sie müssen individuell angepasst und sensibel gestaltet sein.

Das ist kein Vorbehalt aus Vorsicht. Wer mit einem Modell arbeitet, das binär entstanden ist, muss wissen, an welchen Stellen es Erwartungen mitbringt, die im Gespräch nichts zu suchen haben.

Bemerkenswert ist, wie viel Erfahrungswissen bei den Fachpersonen bereits vorliegt. Die Arbeit macht es sichtbar und ordnet es — was sie für die Ausbildung ebenso brauchbar macht wie für die Praxis.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Fünf Interviews mit Fachpersonen, qualitativ ausgewertet. Befragt wurden Therapeut*innen, nicht nichtbinäre Klient*innen — die Arbeit beschreibt also, wie Fachpersonen das Konzept anwenden und anpassen, nicht wie es erlebt wird.

Als Beitrag zur Weiterentwicklung eines Modells ist das die passende Perspektive. Für die Frage, ob nichtbinäre Menschen sich in der Beratung wiederfinden, bräuchte es eine zweite Arbeit.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 76 Seiten. Sie enthält die kritische Reflexion des Konzepts «Gefühl der Geschlechtszugehörigkeit» auf seine binären und heteronormativen Prägungen, die vollständige Auswertung der fünf Interviews und Impulse für eine geschlechtersensible Weiterentwicklung des Modells.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit untersucht, wie das Konzept des Gefühls der Geschlechtszu- gehörigkeit (GdG) nach dem Modell Sexocorporel in der sexualtherapeutischen Begleitung nichtbinärer Menschen angewendet werden kann. Der Hintergrund der Arbeit ist eine kriti- sche Reflexion potenzieller binärer und heteronormativer Prägungen des Modells. Auf die- ser Grundlage wurden fünf Interviews mit Expert*innen durchgeführt und qualitativ ausge- wertet. Anliegen der Arbeit ist es, die Anwendbarkeit des GdG kritisch zu reflektieren und Impulse für eine geschlechtersensible Weiterentwicklung des Modells zu geben. Hierdurch soll ein Beitrag dazu geleistet werden, dass geschlechtliche Vielfalt in Theorie, Praxis und Ausbildung bewusster reflektiert und differenzierter berücksichtigt wird. Die Ergebnisse zei- gen, dass das ursprüngliche GdG Konzept normativ geprägt ist. Es kann jedoch durch Wei- terentwicklungen, wie beispielsweise dem Gefühl der Zugehörigkeit zum sexuellen Körper und dem Gefühl der Zugehörigkeit zur eigenen Gendergruppe, an geschlechtliche Vielfalt anschlussfähig gemacht werden. Körperzentrierte Interventionen werden in der Arbeit mit nichtbinären Menschen grundsätzlich als hilfreich eingeschätzt, wenn sie individuell ange- passt und sensibel gestaltet werden. Als zentral für eine gelingende Begleitung erweist sich die Haltung und das Menschenbild der Fachperson, welche die therapeutische Arbeit mit dem Modell prägen. Die Arbeit leistet einen praxisnahen Beitrag zur Weiterentwicklung ei- ner inklusiven, geschlechterreflektierten Sexualtherapie und Beratung.

Caroline Schenk, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Nicht-Binarität in der Sexualtherapie – Zum Umgang des Gefühls der Geschlechtszugehörigkeit nach Sexocorporel

Verfasst von
Caroline Schenk

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Geschlecht & Identität · Sexualtherapie · Körperarbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Caroline Schenk: «Nicht-Binarität in der Sexualtherapie – Zum Umgang des Gefühls der Geschlechtszugehörigkeit nach Sexocorporel». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

Verwandte Masterarbeiten

Weiterführend

Kategorien
MA4 Masterarbeit

Wann ist Pornokonsum ein Problem?

Wer sich selbst für pornosüchtig hält, ist es meistens nicht. Was Leidensdruck erzeugt, ist in vielen Fällen nicht die Menge des Konsums, sondern der Widerspruch zwischen dem eigenen Verhalten und den eigenen moralischen Überzeugungen. Eine Masterarbeit am ISP Zürich hat geprüft, ob dieser Erklärungsansatz aus den USA auch für die deutschsprachige Schweiz trägt, und dafür drei erfahrene Sexualtherapeut*innen befragt.

Was ist moralische Inkongruenz?

Der Begriff stammt aus dem PPMI-Modell von Grubbs und Kolleg*innen aus dem Jahr 2019. Es unterscheidet drei Wege, auf denen jemand seinen Pornokonsum als problematisch erlebt: über tatsächlich dysreguliertes Verhalten, über blosse Nutzungsgewohnheiten, und über moralische Inkongruenz.

Moralische Inkongruenz meint die Lücke zwischen dem, was jemand für richtig hält, und dem, was er tut. Wer Pornografie grundsätzlich ablehnt und trotzdem regelmässig konsumiert, erlebt diesen Widerspruch als Belastung, unabhängig davon, wie viel er tatsächlich schaut. Der Leidensdruck entsteht dann nicht aus dem Verhalten, sondern aus der Bewertung des eigenen Verhaltens.

Sind die meisten Betroffenen pornosüchtig?

Nach Einschätzung der befragten Fachpersonen: nein. Ursina Donatsch, eine der drei Interviewten, stufte von zehn Klienten mit selbstwahrgenommenem problematischem Konsum lediglich zwei als tatsächlich dysreguliert konsumierend ein.

Die Selbstzuschreibung «süchtig» erwies sich in der Untersuchung als etwas anderes, als sie zunächst scheint. Sie dient im Schweizer Praxisalltag kaum dazu, weiteren Konsum zu rechtfertigen. Sie ist eher eine anfängliche Auslagerung des Problems: Wer sich als süchtig beschreibt, macht das Verhalten zu etwas, das ihm zustösst, statt zu etwas, das er tut. Im Verlauf einer Therapie lässt sich diese Zuschreibung aufarbeiten.

Damit ist zugleich gesagt, was sie nicht ist: eine Entwertung des Leidens. Der Druck ist real, nur die Erklärung dafür trägt nicht.

Woher kommt der innere Konflikt?

Das ursprüngliche Modell führt moralische Inkongruenz vor allem auf Religiosität zurück. In den Interviews zeigte sich für die Schweiz ein anderes Bild. Die Fachpersonen nannten übereinstimmend Gründe, die im Modell nicht vorgesehen sind:

  • Geschlechterethische Bedenken. Männer, die Gleichstellung und feministische Positionen vertreten, geraten in Konflikt mit dem, was sie in Pornografie sehen und trotzdem nutzen.
  • Erziehung. Vermittelte Haltungen zu Sexualität wirken weiter, auch ohne religiösen Rahmen.
  • Sexuelle Biografie und Traumatisierungen. Frühere Erfahrungen prägen, wie das eigene Konsumverhalten bewertet wird.

Religion spielte in den Schilderungen eine deutlich geringere Rolle als in der amerikanischen Forschung. Das ist der Kernbefund für den deutschsprachigen Raum: Das Modell trägt, aber seine Begründung muss ausgetauscht werden.

Was bedeutet das für die Therapie?

Die Arbeit zieht daraus eine klare Konsequenz. Eine Abklärung, die nur prüft, ob jemand die diagnostischen Kriterien für problematisches Sexualverhalten erfüllt, greift zu kurz. Entscheidend sind die Gründe hinter dem Verhalten.

Daraus folgt ein Behandlungsziel, das viele überrascht: Die Reduktion des Konsums muss nicht das Ziel sein. Wo der Leidensdruck aus moralischer Inkongruenz stammt, kann auch die Auseinandersetzung mit den eigenen Massstäben zur Auflösung des inneren Konflikts führen.

Die Arbeit hält zugleich fest, dass das PPMI-Modell nie als therapeutisches Modell entwickelt wurde und für die Praxis deutliche Grenzen hat. Die Dynamiken im Behandlungszimmer sind komplexer als drei Pfade.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Die Untersuchung beruht auf drei Experteninterviews, ausgewertet nach der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring. Die Verfasserin benennt die Grenzen selbst: Drei Personen sind nicht repräsentativ für die Fachgemeinschaft, die Aussagen beruhen auf subjektiven Einschätzungen aus der eigenen Praxis, und die Interviews bezogen sich ausschliesslich auf männliche Klienten. Eine Übertragung auf andere Geschlechter ist damit nicht gedeckt.

Die Arbeit dient der Gewinnung neuer Erkenntnisse, nicht der Prüfung von Hypothesen. Eine quantitative Überprüfung der gefundenen Zusammenhänge steht aus.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 99 Seiten und steht unter einer Creative-Commons-Lizenz frei zur Verfügung. Sie enthält den Forschungsstand zum PPMI-Modell, die Auswertung der drei Experteninterviews und die vollständigen Schlussfolgerungen für die Praxis.

Abstract der Verfasserin

Die vorliegende Masterarbeit befasst sich mit einem häufig in der sexualtherapeutischen Praxis auftretendem Thema: Männer, die Unterstützung suchen, weil sie ihren Pornografiekonsum als zu hoch einschätzen. Ziel dieser Arbeit ist es, bestehende theoretische Erklärungsmodelle zur Interpretation des Pornografiekonsums, die hauptsächlich aus dem US-amerikanischen Raum stammen, zusammenzufassen und deren Anwendbarkeit im europäischen, deutschsprachigen gesellschaftlichen Kontext zu prüfen. Im Fokus steht dabei das Modell der pornography problems due to moral incongruence (PPMI-Modell), das die Diskrepanz zwischen den persönlichen moralischen Überzeugungen eines Individuums und seinem tatsächlichen Konsumverhalten als moralische Inkongruenz definiert und als Kernkonzept nutzt.
Die Arbeit untersucht, wie Sexualtherapeutinnen und Sexualtherapeuten das PPMI-Modell und die Rolle der moralischen Inkongruenz in ihrer Praxis einschätzen. Dabei wird insbesondere beleuchtet, inwiefern kulturell und gesellschaftlich geprägte Wert- und Moralvorstellungen Einfluss auf die moralische Inkongruenz haben können und ob diese Diskrepanz möglicherweise dazu führen kann, dass sich Personen als «pornografiesüchtig» betrachten. Zur Untersuchung dieser Aspekte werden Interviews mit führenden Expertinnen und Experten aus der deutschsprachigen Schweiz im Bereich der Sexualtherapie durchgeführt.
Ariane Speck-Wyrsch, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel:
Moralische Inkongruenz bei Männern mit selbstwahrgenommenem problematischen Pornografiekonsum. Theoretische Aspekte und deren Bedeutung für die sexualtherapeutische Praxis

Verfasserin:
Ariane Speck-Wyrsch

Begutachtung:
Dr. Heinz Jufer, Prof. Dr. Konrad Weller

Abschluss:
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang IV 2021–2024

Methode:
Literaturanalyse und drei leitfadengestützte Experteninterviews, qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring

Schlagwörter:
Pornografiesucht · Erklärungsmodelle zur Interpretation des Pornografiekonsums · PPMI-Modell

Dokumenttyp:
Masterarbeit, Hochschulschrift · Sachgruppe DDC 300 Sozialwissenschaften · Sprache Deutsch · 99 Seiten

Veröffentlicht:
November 2024, Open Access

Dauerhafte Adressen:
DOI 10.25673/117476
URN urn:nbn:de:gbv:542-1981185920-1194350

Lizenz und Nachweis. Ariane Speck-Wyrsch: «Moralische Inkongruenz bei Männern mit selbstwahrgenommenem problematischen Pornografiekonsum». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Lizenziert unter CC BY-SA 4.0. Der Volltext liegt im Repositorium der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt. Abstract im Wortlaut übernommen, die übrige Zusammenfassung wurde vom ISP Zürich verfasst.

Verwandte Masterarbeiten

Weiterführend

Kategorien
MA4 Masterarbeit

Do it yourself! Designrichtlinien für internetbasierte Selbsthilfe

Nina Jost untersucht in der Masterarbeit «Do it yourself! Designrichtlinien für internetbasierte Selbsthilfe» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Sexuelle Probleme sind weit verbreitet, und viele Betroffene suchen keine Hilfe. Internetbasierte Selbsthilfe könnte diese Lücke schliessen — nur fehlten bisher Anhaltspunkte, wie solche Programme gestaltet sein müssen. Diese Arbeit liefert sie und lässt sie von Fachpersonen prüfen.

Woher kommen die Richtlinien?

Nicht aus der Erfahrung, sondern aus der Lerntheorie. Die Autorin verbindet mehrere etablierte Konzepte — unter anderem die kognitive Theorie multimedialen Lernens in mehreren Ausprägungen, das Fogg Behavior Model zur Verhaltensänderung und den Gamifizierungsansatz.

Daraus entwickelt sie ein Set von Designrichtlinien und darauf aufbauend ein Umsetzungskonzept. Beides wurde anschliessend empirisch überprüft, in vier Expert:innenbefragungen mit anschliessender strukturierender Inhaltsanalyse nach Mayring.

Halten die Richtlinien der Prüfung stand?

Weitgehend. Keine der Designrichtlinien wurde als falsch oder überholt eingestuft, und es kamen keine gänzlich neuen Aspekte auf, die zusätzliche Richtlinien erfordert hätten. Die Forschungsfrage lässt sich damit bejahen.

Einzelne Richtlinien wurden allerdings als herausfordernd in der Umsetzung beurteilt. Und die Autorin benennt selbst, was noch zu tun wäre: Manche Richtlinien liessen sich schärfer voneinander abgrenzen, andere zusammenführen. Sie führt die betroffenen Abhängigkeiten einzeln auf, statt bei der allgemeinen Feststellung zu bleiben.

Dem Umsetzungskonzept wurde zudem Neuigkeitswert zugesprochen.

Für wen ist das brauchbar?

Für alle, die ein digitales Angebot in der Sexualtherapie planen. Mehrere Arbeiten dieser Sammlung entwickeln genau solche Programme — zur frühzeitigen Ejakulation, zur Sexualität nach der Geburt, zur Lust in Langzeitbeziehungen, zur Kondomnutzung.

Diese Arbeit liefert die Ebene darunter: nicht ein weiteres Programm, sondern die Grundlage dafür, wie solche Programme gebaut sein sollten. Wer das übergeht, entwickelt Inhalte für ein Format, dessen Wirkung er nicht kennt.

Die Zahlen aus den anderen Arbeiten geben ihr recht: Bei der Online-Intervention für Paare fiel die Teilnehmendenzahl von 22 auf fünf. Gestaltung entscheidet darüber, ob jemand dabeibleibt.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier Expert:innenbefragungen sind eine schmale Prüfbasis. Geprüft wurde zudem die Plausibilität der Richtlinien, nicht ihre Wirkung: Ob ein nach diesen Richtlinien gebautes Programm tatsächlich besser funktioniert, zeigt die Arbeit nicht.

Was sie leistet, ist eine theoretisch fundierte und fachlich geprüfte Ausgangslage, wo es zuvor gar keine gab. Die Autorin unterzieht Methode und Datenerhebung am Schluss selbst einer kritischen Betrachtung und zeigt auf, wie mit den Ergebnissen weitergearbeitet werden kann.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 111 Seiten. Sie enthält die verhaltenspsychologischen und lerntheoretischen Grundlagen, das vollständige Set der Designrichtlinien, das darauf aufbauende Umsetzungskonzept sowie die Auswertung der Expert:innenbefragungen.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit basiert auf der weltweiten Verbreitung sexueller Probleme und der Beobachtung, dass viele Betroffene aus unterschiedlichen Grün- den keine professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Internetbasierte Selbsthilfepro- gramme scheinen geeignet, die identifizierte Versorgungslücke mit leicht zugänglichen, flexiblen und anonymen Behandlungsmöglichkeiten zu schliessen. Dennoch existieren kaum wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse, auf welche Fak- toren bei der Bereitstellung solcher Programme im sexualtherapeutischen Kontext geachtet werden sollte. Allgemeingültige Richtlinien für die lernförderliche Gestal- tung digitaler Selbsthilfeprogramme für die Sexualtherapie fehlen gänzlich. Das Ziel der vorliegenden Masterarbeit besteht darin, auf Basis ausgewählter ver- haltenspsychologischer und lerntheoretischer Konzepte relevante, verständliche und anwendungsfreundliche Designrichtlinien zu entwickeln. Zudem soll auf deren Grundlage ein Umsetzungskonzept ausgearbeitet werden. Sowohl die Richtlinien als auch das Konzept wurden mithilfe von vier Expert:innenbefragungen empirisch überprüft. Die folgende qualitative, strukturierende Inhaltsanalyse nach Mayring (2015) hat gezeigt, dass die Design- richtlinien in ihrer Güte überwiegend positiv beurteilt wurden. Auch wurde das Um- setzungskonzept hinsichtlich seines Neuigkeitswerts und des potenziellen Nutzens für die Sexualtherapie hervorgehoben. Insbesondere die adaptive, sequenzielle Struktur der Selbsthilfe, die Niederschwelligkeit und Praxisrelevanz der Lösung, so- wie die erwartete Nutzungsfreundlichkeit der Anwendung wurden als positive Aspekte bewertet, während die hohe Komplexität bei der Zusammenstellung und Priorisierung der Selbsthilfesequenzen als grösste Herausforderung angesehen wurde. Mit dieser Arbeit trägt die Autorin zur Verbesserung der Zugänglichkeit und Wirk- samkeit von Methoden der Sexualtherapie bei und eröffnet neue Möglichkeiten für den Einsatz digitaler Medien in diesem Bereich.

Nina Jost, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Do it yourself! Designrichtlinien für internetbasierte Selbsthilfeprogramme für die Sexualtherapie

Verfasst von
Nina Jost

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Digitale Medien · Sexualtherapie · Soziale Arbeit

Lizenz und Nachweis. Nina Jost: «Do it yourself! Designrichtlinien für internetbasierte Selbsthilfeprogramme für die Sexualtherapie». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

Verwandte Masterarbeiten

Weiterführend

Kategorien
MA4 Masterarbeit

Der (schwierige) Umgang des Rechts mit Sexualität

Sandro Körber untersucht in der Masterarbeit «Der (schwierige) Umgang des Rechts mit Sexualität» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Das Recht muss Sexualität regeln, ohne sie beschreiben zu können. Diese Arbeit geht diesem Verhältnis rechtsgeschichtlich nach — mit Schwerpunkt auf dem schweizerischen Familienrecht — und ist damit ein Sonderfall in dieser Sammlung.

Worum geht es?

Um zwei Fragen. Erstens: Wie lässt sich Sexualität überhaupt begreifen, verstehen, ja definieren? Zweitens: Wo liegen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der sexualwissenschaftlichen und der juristischen Sicht?

Der Zugang ist rechtsgeschichtlich. Das Recht hat Sexualität zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich gefasst, und diese Fassungen wirken bis in heutige Bestimmungen nach.

Der Autor versteht die Sexualwissenschaft ausdrücklich als nicht in sich geschlossene Disziplin, die auf die Beiträge anderer Fachrichtungen angewiesen ist. Das Recht ist eine davon.

Warum ist das für die Praxis relevant?

Weil sexualberaterische Arbeit ständig auf rechtliche Rahmen trifft — bei Eheschliessung und Trennung, im Kindesschutz, bei Beistandschaften, bei Fragen der Urteilsfähigkeit.

Fachpersonen begegnen diesen Rahmen meist als Vorgaben, die zu beachten sind. Diese Arbeit zeigt, dass sie das Ergebnis historischer Aushandlungen sind — und damit veränderlich.

Für die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist das eine brauchbare Grundlage. Wer versteht, wie Juristinnen und Juristen über Sexualität denken müssen, kann anders mit ihnen sprechen.

Was macht die Arbeit besonders?

Sie ist die einzige der Sammlung, die ohne empirische Erhebung auskommt und ohne die Kategorien des Modells Sexocorporel arbeitet. Keine Interviews, keine Fallzahlen — eine Analyse zweier Denkweisen, die aufeinander angewiesen sind und einander schlecht verstehen.

Für Fachpersonen mit juristischen Berührungspunkten ist sie die einzige Arbeit dieser Sammlung, die diese Verbindung ausdrücklich herstellt.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Es handelt sich um eine rechtsgeschichtliche und sexualwissenschaftliche Analyse. Ihre Aussagen sind Argumente, keine Messwerte — und wie bei jeder rechtlichen Betrachtung gilt: Sie bildet einen Rechtsstand ab.

Wer die Arbeit für die Praxis nutzt, sollte den aktuellen Stand der Gesetzgebung prüfen. Die historische Rekonstruktion und die begriffliche Klärung bleiben davon unberührt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 100 Seiten. Sie enthält die rechtsgeschichtliche Rekonstruktion des Umgangs des Rechts mit Sexualität, die Auseinandersetzung mit dem schweizerischen Familienrecht sowie die Gegenüberstellung juristischer und sexualwissenschaftlicher Perspektiven.

Abstract der Arbeit

IV Vorwort Die vorliegende Arbeit bildet den «krönenden Abschluss» des Studiums gemäss Studienorganisation für den Master of Arts in Sexologie 2021–2024 am Institut für Sexualpädagogik und Sexualtherapie ISP, Zürich, in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Deutschland. Mit dieser schriftlichen Abhandlung soll der Nachweis erbracht werden, dass ein (sexualwissenschaftliches) Thema ausführlich, gewissenhaft und kritisch bearbeitet werden kann, wobei wissenschaftliches Arbeiten dabei eine zentrale Rolle einnimmt. Dadurch soll auch ein innovativer Beitrag zur Weiterentwicklung der Sexualwissenschaft und Sexualberatung geleistet werden. Auf den Grundlagen der interdisziplinären Sexualwissenschaft verfolgt der weiterführende Lehrgang das Ziel, anwendungsorientiert darauf aufzubauen und die theoretischen Hintergründe mit der Praxis zu verbinden. Qualifizierte Fachleute aus dem sozialen, (psycho-)therapeutischen, medizinischen und pädagogischen Bereich erhalten dadurch die Befähigung, Menschen in ihrer sexuellen Gesundheit und Bildung zu begleiten und zu beraten, damit sie ihre Sexualität weiter entfalten können. Wird die Sexualwissenschaft verstanden als eine nicht in sich geschlossene Wissenschaftsdisziplin, sondern dass auch «Fraktionen» verschiedener Disziplinen mit einzubeziehen sind, um sich auf dieser Grundlage mit den diversen Aspekten der Sexualität und dem diesbezüglichen Umgang des Menschen zu befassen, treten auch verschiedene wissenschaftliche Perspektiven, Herangehensweisen und Würdigungen zutage. Allen an der sexualwissenschaftlichen Lehre beteiligten Disziplinen ist indessen gemein, ihren Teil an den gesamten «Wissenschaften des Sexuellen» beizutragen und so eine multidisziplinäre Sicht zu ermöglichen. Dies gilt auch für die vorliegende Untersuchung, die auf einem wissenschaftlichen Fachgebiet basiert, das sich – wie sich zeigen wird – entweder nur am Rand und implizit oder aber sehr explizit mit der Sexualität der Menschen befasst. Es ist naheliegend, dass die Rechtswissenschaft, die sich mit einem abstrakten Begriff beschäftigt und durch starre Definition, Logik, Konstruktion und Systematik ihre Lehre und Praxis aufbaut, auf einem divergierenden akademischen Konzept und mithin einer anderen Vorgehens- und Betrachtungsweise beruht. Die juristische Terminologie, Fachsprache, und Zitation stehen immer im Spannungsverhältnis zwischen Präzision, Wissenschaftlichkeit und Adressatengerechtigkeit. Diese abweichenden Grunddeutungen sind genauso zu berücksichtigen und zu würdigen, um das integrative Fachgebiet der Sexualwissenschaften diskussions- u

Sandro Körber, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Der (schwierige) Umgang des Rechts mit Sexualität unter besonderer Berücksichtigung des schweizerischen Familienrechts : Eine rechtsgeschichtliche und -philosophische Untersuchung

Verfasst von
Sandro Körber

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Recht & Ethik · Sexualtherapie · Sexuelle Bildung

Lizenz und Nachweis. Sandro Körber: «Der (schwierige) Umgang des Rechts mit Sexualität unter besonderer Berücksichtigung des schweizerischen Familienrechts : Eine rechtsgeschichtliche und -philosophische Untersuchung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

Verwandte Masterarbeiten

Weiterführend

Kategorien
MA4 Masterarbeit

Sprechende Sexualkörper – Innere Bilder in der Sexualtherapie

Slobodanka Periz untersucht in der Masterarbeit «Sprechende Sexualkörper – Innere Bilder in der Sexualtherapie» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Manche Klientinnen kommen an ihr Körperempfinden kaum heran. Diese Arbeit prüft, ob sich dafür Werkzeuge aus anderen Verfahren nutzen lassen — und findet einen Weg, starke Emotionen zu bearbeiten, ohne zu retraumatisieren.

Welche Werkzeuge werden verbunden?

Logosynthese und Bodenanker, wie sie aus der systemischen Aufstellung und dem NLP bekannt sind — verbunden mit der Sexualtherapie nach dem Modell Sexocorporel und dem Embodiment-Ansatz.

Im Zentrum steht die Evokation von Inneren Bildern, Emotionen und Körperempfindungen. Der Nutzen zeigt sich nach dieser Arbeit besonders bei Klientinnen und Klienten, die Schwierigkeiten mit der Körperwahrnehmung haben.

Der theoretische Rahmen ist breit angelegt: von Descartes‘ Leib-Seele-Trennung über Embodiment bis zur Frage, welche Rolle Zeit und Präsenz in der Therapie spielen.

Was zeigt die Fallvignette?

Drei Sitzungen mit einer Cis-Frau, dokumentiert und ausgewertet. Die Ergebnisse betreffen zwei Ebenen.

Erstens verbesserten sich Körperempfinden und der Kontakt zum eigenen Geschlecht — auf der Ebene der Gefühle wie der Körperwahrnehmung. Kommunikation und Empathie für das eigene Geschlecht wurden aktiviert.

Zweitens, und methodisch wichtiger: Die schrittweise Annäherung an starke Emotionen über eine Metaposition auf einem separaten Bodenanker im Raum ermöglichte einen retraumatisierungsfreien Prozess. Der Abstand ist dabei nicht metaphorisch, sondern räumlich — man steht woanders.

Was heisst das für die Praxis?

Die Arbeit hält fest, dass sich Coachingelemente wie Logosynthese und Bodenanker gut in die sexologische Praxis integrieren lassen — und dass körpertherapeutische Interventionen während der gesamten Arbeit eingebunden werden können, um Körperwahrnehmung und Verständnis der Körperdynamik zu erhöhen.

Ein Satz beschreibt die Haltung dahinter am besten: Der Körper der Klientin gibt an, wann er von sich aus etwas sagen oder zeigen will. Die Methode drängt nicht, sie schafft Gelegenheit.

Die Autorin sieht Potenzial für künftige Arbeiten im Bereich von Neovaginen und Neopenissen und vermutet, dass die Methoden für alle Geschlechter und Operationsstadien nutzbar sein könnten.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine Fallvignette über drei Sitzungen mit einer Person, ergänzt durch parallel geführte Expertengespräche. Das ist der kleinstmögliche empirische Umfang — und für die Erprobung eines Vorgehens eine legitime Form.

Was die Arbeit zeigt, ist Machbarkeit und ein plausibler Wirkweg, nicht Wirksamkeit. Wer die Methode übernehmen will, sollte den Hinweis der Autorin beherzigen: Sie beschreibt ausdrücklich, was in einer Aufstellung nie gemacht wird, und formuliert eine Warnung zur therapeutischen Haltung.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 95 Seiten. Sie enthält die theoretischen Grundlagen zu Embodiment, Inneren Bildern und Imagination, die ausführliche Anleitung zum Vorgehen mit Bodenankern samt Warnungen und Grenzen sowie die vollständige Fallvignette.

Die Fragestellung

Die Arbeit geht diesen Fragen nach:

  • Wie kann sie gestaltet werden und womit wird sie auf welche Weise gefüllt?
  • Was ist Descartes Ziel mit seiner Schrift?

Methodisches Vorgehen

Die Arbeit stützt sich auf Interviews mit Fachpersonen. Der Volltext umfasst 95 Seiten.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Verbindungsmöglichkeit von Logosynthese und Bodenankern (wie in der Systemischen Aufstellung oder im NLP) mit der Sexualtherapie nach dem Modell Sexocorporel und dem Embodimentansatz. Es geht um die Evokation von Inneren Bildern, Emotionen und Körperempfindungen. Der Nutzen scheint sich besonders bei Klienten zu zeigen, die Schwierigkeiten mit der Körperwahrnehmung haben. Eine Fallvignette, bestehend aus drei Sitzungen, mit einer CIS-Frau, demonstriert Vorteile im Körperempfinden und im Kontakt mit dem eigenen Geschlecht auf der Ebene der Gefühle und Körperwahrnehmung. Kommunikation und Empathie für das eigene Geschlecht wurden aktiviert. Die schrittweise Annäherung an starke Emotionen mithilfe der Metaposition auf einem separaten (Boden)Anker im Raum, ermöglichte einen retraumatisierungsfreien Prozess. Coachingelemente wie Logosynthese und Bodenanker lassen sich gut in die sexologische Praxis integrieren. Abschliessend lässt sich zusammenfassen, dass körpertherapeutische Interventionen während der gesamten Arbeit eingebunden werden können, um die Körperwahrnehmung und das Verständnis der Körperdynamik zu erhöhen. Der Körper der Klientin gibt an, wann er von sich aus etwas sagen oder zeigen will. Diese Methoden bieten Potenzial für zukünftige Arbeiten im Bereich von Neovaginen und Neopenissen und deuten darauf hin, dass sie auch für alle Geschlechter und Operationsstadien nutzbar sein könnten.

Slobodanka Periz, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Sprechende Sexualkörper – Die Arbeit mit Inneren Bildern in der Sexualtherapie

Verfasst von
Slobodanka Periz

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Sexualtherapie · Sexuelle Fantasien · Soziale Arbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Slobodanka Periz: «Sprechende Sexualkörper – Die Arbeit mit Inneren Bildern in der Sexualtherapie». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

Verwandte Masterarbeiten

Weiterführend

Kategorien
MA4 Masterarbeit

Beziehungsgestaltung zwischen Therapeut*in und Klient*in in der Sexualtherapie

Jasmin Witschi untersucht in der Masterarbeit «Beziehungsgestaltung zwischen Therapeut*in und Klient*in in der Sexualtherapie» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Die therapeutische Beziehung gilt als einer der stärksten Wirkfaktoren der Psychotherapie. In dieser Untersuchung sagen die befragten Sexualtherapeut*innen etwas Differenzierteres: Sie ist wichtig — aber nicht immer der entscheidende Faktor für den Erfolg.

Was trägt eine sexualtherapeutische Beziehung?

An erster Stelle stehen klare und realistische Ziele, die gemeinsam mit den Klient*innen formuliert werden. Nicht das Gespräch an sich, sondern die geteilte Richtung.

Dazu kommt eine vertrauensvolle Beziehung, die Sicherheit bietet. Als zentrale Elemente einer stabilen Beziehung nennen die Befragten Authentizität, Ehrlichkeit und Transparenz — Eigenschaften, die Vertrauen und offene Kommunikation fördern.

Auf Seiten der therapierenden Person zählen die eigene therapeutische Haltung, Neugier sowie Fach- und Methodenkompetenz. Besonders viel hängt an der Anfangsphase der Therapie.

Was macht das Bezahlen mit der Beziehung?

Ein Befund, der in Lehrbüchern selten steht: Die Selbstzahlung der Therapie erhöht den Druck auf eine positive Beziehungsgestaltung.

In der Sexualtherapie ist das die Regel — sie wird in der Schweiz meist nicht von der Grundversicherung getragen. Wer selbst bezahlt, erwartet schneller Ergebnisse und wechselt eher, wenn die Chemie nicht stimmt.

Für die Praxis heisst das, dass die Beziehungsgestaltung hier unter anderen Bedingungen steht als in einem kassenfinanzierten Setting — ein Umstand, der die Arbeit prägt, aber selten benannt wird.

Woran scheitert es?

Schwierigkeiten entstehen nach den Interviews vor allem aus zwei Quellen: aus persönlichen Überzeugungen der Klient*innen und aus gesellschaftlichen Mythen über Sexualität.

Beides lässt sich nicht durch mehr Empathie auflösen. Die Befragten beschreiben stattdessen drei Antworten: flexible Anpassung des Vorgehens, Supervision — und manchmal die Überweisung an eine andere Fachperson.

Dass Überweisung als legitime Option genannt wird, ist bemerkenswert. Es setzt voraus, die Grenzen der eigenen Passung zu erkennen, statt sie als persönliches Scheitern zu werten.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine Literaturrecherche verbunden mit fünf Interviews mit Sexualtherapeut*innen, qualitativ ausgewertet. Befragt wurden also die Therapierenden, nicht die Klient*innen.

Das ist für die Frage nach der Beziehungsgestaltung eine spürbare Einschränkung: Was eine Beziehung trägt, wissen beide Seiten unterschiedlich gut. Die Arbeit benennt ihre Limitationen und die daraus folgenden Ansätze für weitere Forschung selbst.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 105 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zur therapeutischen Beziehung, die vollständige Auswertung der fünf Interviews entlang der Therapiephasen sowie die Diskussion der Limitationen.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit untersuchte die Aspekte und Bedeutung der Beziehungsgestal- tung zwischen Therapeut*in und Klient*in im Kontext der Sexualtherapie. Ziel der Stu- die war es, die entscheidenden Aspekte zu identifizieren, die eine starke und vertrau- ensvolle therapeutische Beziehung fördern. Weiter wurde die Bedeutung der thera- peutischen Beziehung in den verschiedenen Phasen der Sexualtherapie untersucht. Für die theoretische Beantwortung der Forschungsfragen wurde eine Recherche an- hand von Literatur durchgeführt. Zusätzlich wurden fünf Interviews mit Sexualthera- peut*innen geführt, in denen sie zu Aspekten und der Bedeutung der Beziehungsge- staltung in der Sexualtherapie befragt wurden. Diese Interviews wurden anschlies- send qualitativ ausgewertet. Die Ergebnisse der Literaturrecherche und der Interviews zeigen, dass die Beziehung in der Sexualtherapie eine zentrale Rolle spielt. Der Aufbau von Vertrauen sowie per- sönliche und professionelle Merkmale der therapierenden Person wie Authentizität und Fach- und Methodenkompetenz massgeblich zu einer stabilen therapeutischen Beziehung bei. Besonders in der Anfangsphase der Therapie hat die Beziehungsge- staltung eine grosse Bedeutung. Am Ende der Arbeit werden die Limitationen der Studie sowie Vorschläge für künftige Forschungen aufgezeigt. This master's thesis examined the aspects and significance of the relationship be- tween therapist and client in the context of sex therapy. The aim of the study was to identify the key aspects that promote a strong and trusting therapeutic relationship. The importance of the therapeutic relationship in the various phases of sex therapy was also investigated. A literature review was conducted to provide theoretical answers to the research questions. In addition, five interviews were conducted with sex therapists, in which they were asked about aspects and the importance of relationship formation in sex therapy. These interviews were then analysed qualitatively. The results of the literature research and the interviews show that the relationship plays a central role in sex therapy. The establishment of trust as well as personal and professional characteristics of the therapist, such as authenticity and professional and

Jasmin Witschi, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Aspekte und Bedeutung der Beziehungsgestaltung zwischen Therapeut*in und Klient*in im sexualtherapeutischen Kontext Eine qualitative Untersuchung der therapeutischen Beziehungsarbeit

Verfasst von
Jasmin Witschi

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Sexualtherapie · Soziale Arbeit · Sexuelle Bildung

Lizenz und Nachweis. Jasmin Witschi: «Aspekte und Bedeutung der Beziehungsgestaltung zwischen Therapeut*in und Klient*in im sexualtherapeutischen Kontext Eine qualitative Untersuchung der therapeutischen Beziehungsarbeit». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

Verwandte Masterarbeiten

Weiterführend

Kategorien
MA3 Masterarbeit

Sexuelle Lust heterosexueller Paare zwischen 50 und 70 Jahren

Marianne Brunner untersucht in der Masterarbeit «Die sexuelle Lust heterosexueller Paare zwischen 50 und 70 Jahren in l» am ISP. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Beim Erleben sexueller Lust geht es nicht in erster Linie um genitale Entladung, sondern um die Verbindung genitaler Erregung mit emotionaler Erregung. Diese Arbeit prüft, was die Lust in langjährigen Beziehungen zwischen fünfzig und siebzig erhält — und findet in Studien, Therapieansätzen und den Erzählungen zweier Paare eine bemerkenswerte Übereinstimmung.

Was erhält die sexuelle Lust im Alter?

Die systematische Literaturrecherche fördert Faktoren zutage, die teils banal und teils überraschend sind: das Vorhandensein einer Partnerin oder eines Partners, die gesundheitliche Verfassung, ein aktiver Lebensstil, die sexuelle Sozialisation in jungen Jahren, die sexuelle Zufriedenheit und der Stellenwert, den Sexualität im bisherigen Leben hatte.

Besonders deutlich bestätigte sich der Einfluss der frühen Prägung: Eine körperfreundliche und sexpositive Umgebung in jungen Jahren erweist sich als förderlich für den Erhalt der Lust Jahrzehnte später. Das ist eine Aussage über Sexualerziehung, verpackt in eine Arbeit über Menschen ab fünfzig.

Dazu kommen drei Wirkfaktoren aus der Studienlage: Verbundenheit und Selbstöffnung, Erotik und Lusterleben.

Genital oder emotional?

Der zentrale Befund der Arbeit liegt in dieser Verbindung. Die befragten Paare beschreiben sexuelle Lust nicht nur genital, sondern ebenso emotional — und bekunden damit ihre Verbundenheit.

Im Modell Sexocorporel wird das als Verbindung von oberer und unterer Schaukel beschrieben, umgangssprachlich: die Verbindung von Genital und Herz. Beide Paare nennen sie, und viele Studien zeigen dasselbe. Sexuelle Lust hat nach dieser Lesart die Fähigkeit, Verbundenheit, Selbstoffenbarung, Verletzlichkeit und Ergriffenheit erlebbar zu machen wie kaum etwas anderes — die Paare gebrauchen dafür Wörter wie Ekstase und Verschmelzung.

Eine allgemeingültige Definition sexueller Lust findet die Arbeit weder in der Literatur noch bei den Paaren. Diese Vielfalt selbst ist ein Ergebnis.

Wie wurde das erhoben?

Die Arbeit verbindet eine systematische Literaturrecherche mit zwei ausführlichen Leitfadeninterviews mit sexuell aktiven Paaren um die siebzig, die seit Jahrzehnten zusammenleben.

Ungewöhnlich ist ein methodisches Detail: Die Interviewten verfassten kurze Gedichte zur sexuellen Lust. In der Reduktion der Worte, schreibt die Autorin, zeigten sich Dichte und Tiefe — und bei einem der Paare wird gerade darin die Verbindung von Genital und Herz sichtbar. Beide Partner begannen ihr Gedicht mit demselben Wort: Freude.

Bei diesem Paar zeigt sich zudem etwas, das die Arbeit nicht auflöst, aber festhält: Schwere Schicksalsschläge über fast fünfzig gemeinsame Jahre hatten das Paar nicht getrennt, sondern näher zusammengebracht.

Was heisst das für die Beratung?

Die Arbeit stellt drei körperorientierte sexualtherapeutische Ansätze nebeneinander und zeigt, was jeder beitragen kann: Sexual Crucible nach Schnarch, Sexocorporel nach Desjardins und Sensate Focus nach dem Hamburger Modell.

Daraus wird ersichtlich, welchen Beitrag eine Sexualberatung zur Erhaltung der sexuellen Lust leisten kann — und zwar ohne die Erwartung, den Zustand von vor dreissig Jahren wiederherzustellen. Die Zielrichtung ist eine andere: die genitale Erregung mit der emotionalen zu verbinden.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Der Literaturteil ist systematisch gearbeitet und trägt den Hauptteil der Aussagen. Die beiden Interviews sind ausdrücklich exemplarisch — zwei Paare belegen nichts, sie veranschaulichen.

Die Auswahl verstärkt das: Befragt wurden sexuell aktive Paare in langjährigen Beziehungen. Wie es Paaren ergeht, bei denen die Lust erloschen ist, zeigt diese Arbeit nicht. Die hohe Übereinstimmung zwischen Studienlage, Therapieansätzen und den Schilderungen bleibt dennoch bemerkenswert.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 103 Seiten. Sie enthält die systematische Literaturrecherche zu sexueller Lust, den altersbedingten körperlichen Veränderungen und den Wirkfaktoren, die Darstellung der drei sexualtherapeutischen Ansätze sowie die vollständige Auswertung der beiden Paarinterviews.

Abstract der Arbeit

In der vorliegenden Masterarbeit wird untersucht, welche Wirkfaktoren zur Erhaltung der sexuellen Lust von Frauen und Männern in langjährigen Beziehungen unter Einbezug altersbedingter körperlicher Veränderungen beitragen. Zur Beantwortung dieser Frage wird in einem ersten Teil eine systematische Literaturrecherche vorgenommen, welche sich der Definition von sexueller Lust, den Gemeinsamkeiten und Unterschieden der sexuellen Lust von Frauen und Männern, den Entwicklungen der sexuellen Lust in langjährigen Beziehungen und den körperlichen Veränderungen bei Frauen und Männern im Alter von 50 bis 70 Jahren widmet. Es zeigt sich, dass für den Erhalt der sexuellen Lust im Alter das Vorhandensein eines Partners, bzw. einer Partnerin, die gesundheitliche Verfassung und ein aktiver Lebensstil, die sexuelle Sozialisation in jungen Jahren, die sexuelle Zufrieden- heit sowie der Stellenwert der Sexualität im Verlaufe des Lebens ausschlaggebend sind. Weiter werden aufgrund von Studienergebnissen die Wirkfaktoren «Verbundenheit und Selbstöffnung», «Erotik» und «Lusterleben» dargestellt, welche wesentlich zum Erhalt der sexuellen Lust in einer langjährigen Beziehung beitragen. Diese werden ergänzt mit praxisnahen Beiträgen von den drei körperorientierten sexualtherapeutischen Ansätzen «Sexual crucible» nach Schnarch, «Sexocorporel» nach Desjardins und «Sensate Focus» nach dem Hamburger Modell. Dadurch wird ersichtlich, welchen Beitrag eine Sexual- beratung zur Erhaltung der sexuellen Lust leisten kann. In zwei exemplarischen Leitfaden- interviews mit sexuell aktiven Paaren in einer langjährigen Beziehung und im Alter von rund 70 Jahren werden die gleichen Themenbereiche erforscht und die Ergebnisse mit den Erkenntnissen aus der Literatur und den sexualtherapeutischen Ansätzen verglichen. Daraus werden konkrete Empfehlungen für die Sexualberatung abgeleitet.

Marianne Brunner, Abstract der Masterarbeit, 2022

Angaben zur Arbeit

Titel
Die sexuelle Lust heterosexueller Paare zwischen 50 und 70 Jahren in langjährigen Beziehungen : Wirkfaktoren, welche zur Erhaltung der sexuellen Lust von Frauen und Männern beitragen, unter Einbezug körperlicher Veränderungen im Alter – aufgezeigt anhand von Studien, Befragungen und drei sexualtherapeutischen Ansätzen

Verfasst von
Marianne Brunner

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3

Jahr
2022

Themen
Sexualität im Alter · Sexualtherapie · Sexuelles Verlangen · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Marianne Brunner: «Die sexuelle Lust heterosexueller Paare zwischen 50 und 70 Jahren in langjährigen Beziehungen : Wirkfaktoren, welche zur Erhaltung der sexuellen Lust von Frauen und Männern beitragen, unter Einbezug körperlicher Veränderungen im Alter – aufgezeigt anhand von Studien, Befragungen und drei sexualtherapeutischen Ansätzen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

Verwandte Masterarbeiten

Weiterführend

Kategorien
MA3 Masterarbeit

Klient*innenmotivation in der Sexualtherapie

Michèle Hediger untersucht in der Masterarbeit «Klient*innenmotivation in der Sexualtherapie» am ISP. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

In der Psychotherapieforschung erklären Faktoren, die bei der Klientin selbst liegen, einen sehr grossen Teil des Behandlungserfolgs. Untersucht wurden sie trotzdem kaum. Für eine Sexualtherapie, die viel mit Körperübungen für zuhause arbeitet, ist das besonders folgenreich.

Was tun Fachpersonen bereits?

Die fünf befragten Sexolog*innen nannten fünf Interventionen, die sie zur Motivationsförderung einsetzen: eine gründliche Evaluation, das Fördern von Verständnis, einen ressourcenorientierten Umgang mit Fort- und Rückschritten bei den Übungen, das Anpassen der Übungen oder des Ziels — und die Integration der Übungen in den Alltag.

Die Autorin lässt offen, ob dieser Einsatz bewusst oder unbewusst geschieht. Das ist eine faire Beobachtung: Vieles davon dürfte eingespielte Praxis sein, ohne als Motivationsarbeit benannt zu werden.

Was fehlt im Repertoire?

Hier liegt der eigentliche Ertrag. Die Autorin ordnet psychologische Interventionen zur Motivationssteigerung in ein Diagnoseschema ein und findet mehrere, die von den Befragten nicht genannt wurden, aber die sexologische Praxis bereichern könnten.

Dazu gehören die Zielsetzung nach SMART, der Einsatz von Belohnung, die stellvertretende Erfahrung und das Verringern der Stressreaktion zur Erhöhung der Selbstwirksamkeitserwartung.

Besonders interessant sind zwei Verfahren gegen ein bekanntes Problem: mentales Kontrastieren und Implementations-Intentionen zur Überwindung der Lücke zwischen Vorsatz und Verhalten. Genau diese Lücke erklärt, warum Übungen für zuhause oft nicht gemacht werden.

Warum bleibt das Konkrete offen?

Weil die Befragten überwiegend übergeordnete Kategorien nannten statt konkreter Handlungen. «Verständnis fördern» ist eine Haltung, keine Anleitung.

Die Autorin ergänzt diese Kategorien deshalb um konkrete Interventionen, die sie in das Rheinberg-Modell der Motivation eingeordnet hat. Damit entsteht aus einer Sammlung von Praxiserfahrung eine verwendbare Systematik.

Sowohl die Literaturrecherche als auch die Befragung deuten in dieselbe Richtung: Die Klient*innenmotivation ist ein vernachlässigter, aber relevanter Faktor im Therapieprozess.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Fünf Sexolog*innen, die nach Sexocorporel arbeiten, in dreissigminütigen semistrukturierten Interviews. Das ist eine kurze Gesprächszeit für ein komplexes Thema, und die Auswahl ist auf einen Ansatz begrenzt.

Die Arbeit benennt Limitationen und Implikationen für künftige Forschung selbst. Ihr Grundgedanke geht über das Thema hinaus: Die sexologische Berufspraxis könnte von der psychologischen Grundlagenforschung profitieren — und umgekehrt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 88 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu Klient*innenfaktoren in der Psychotherapie, die Einordnung psychologischer Motivationsinterventionen in ein Diagnoseschema sowie die vollständige Auswertung der fünf Interviews.

Abstract der Arbeit

Die Wirkungsforschung in der Psychotherapie konzentrierte sich in der Vergangenheit wenig auf Klient*innenfaktoren (Gonzalez, 2016), obwohl extratherapeutische Faktoren (vor allem Klient*innenfaktoren) einen Anteil von 87% der Varianz des Behandlungser- gebnisses erklären (Wampold et al., 1997; 2002). Für die Sexualtherapie nach Sexocor- porel, die viel mit Körperübungen (u.a. für die Durchführung zuhause) arbeitet, sollte die Klient*innenmotivation aber besonders relevant sein. Vor diesem Hintergrund befasste sich die vorliegende Masterarbeit mit den Fragen wel- che Rolle die Klient*innenmotivation in der Sexualtherapie spielt und wie diese erhöht werden kann. Für die theoretische Beantwortung der Fragen wurden einerseits eine Lite- raturrecherche durchgeführt und andererseits psychologische Interventionen zur Motivati- onssteigerung in ein Diagnoseschema eingeordnet. In einem 2. Schritt wurden 5 Sexo- log*innen, die nach Sexocorporel arbeiten, in 30-minütigen semistrukturierten Interviews zu ihrer Erfahrung befragt. Sowohl die Literaturrecherche als auch die Befragung der Expert*innen weisen darauf hin, dass die Klient*innenmotivation ein vernachlässigter, jedoch relevanter Faktor im Thera- pieprozess zu sein scheint. Die von den Expert*innen genannten Interventionen konnten von der Autorin dieser Arbeit um Interventionen aus den vorhergehenden theoretischen Überlegungen ergänzt werden. Auf Limitationen der Arbeit und Implikationen für zukünfti- ge Forschung wird am Schluss eingegangen. Grundsätzlich könnte die sexologische Be- rufspraxis von der psychologischen Grundlagenforschung profitieren und umgekehrt.

Michèle Hediger, Abstract der Masterarbeit, 2022

Angaben zur Arbeit

Titel
Klient*innenmotivation in der Sexualtherapie : Eine exemplarische Untersuchung von Interventionen zur Steigerung der Kli-ent*innenmotivation in der Sexualtherapie

Verfasst von
Michèle Hediger

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3

Jahr
2022

Themen
Sexualtherapie · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Michèle Hediger: «Klient*innenmotivation in der Sexualtherapie : Eine exemplarische Untersuchung von Interventionen zur Steigerung der Kli-ent*innenmotivation in der Sexualtherapie». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

Verwandte Masterarbeiten

Weiterführend

Kategorien
MA3 Masterarbeit

Stillerfahrungen jenseits gesellschaftlicher Stillnormen

Samira Lütscher untersucht in der Masterarbeit «Stillerfahrungen jenseits gesellschaftlicher Stillnormen» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Alle fünf befragten Frauen hatten sich auf das Stillen gefreut und waren davon ausgegangen, es werde ein schönes Erlebnis. Bei allen war die erlebte Lebensqualität während der Stillzeit schlecht. Und alle nennen dieselbe Mitursache: die Literatur, die sie vorher gelesen hatten.

Woher kommt die Enttäuschung?

Nicht allein aus dem, was geschah, sondern aus dem Abstand zwischen Erwartung und Erfahrung. Die Arbeit bringt dafür den Begriff des Calman Gap ins Spiel — die Lücke zwischen Erhofftem und Eingetretenem.

Alle Befragten hatten hohe Erwartungen, und alle nennen die konsultierte Ratgeberliteratur als Mitursache dafür. Da die Realität diesen Erwartungen nicht entsprechen konnte, war die subjektiv erlebte Lebensqualität während der Stillzeit bei allen schlecht.

Das deckt sich mit der Forschungslage: Enttäuschungen während der Stillzeit und die daraus folgende Verurteilung des eigenen Körpers können zu depressiven Symptomen führen.

Was passiert mit den Erwartungen?

Hier liegt der überraschendste Befund. Man würde annehmen, dass die Frauen ihre Erwartungen nach dieser Erfahrung korrigieren. Sie tun es nicht.

Für eine mögliche künftige Stillzeit halten sie an ihren grundsätzlichen Erwartungen fest. Die Autorin fasst es mit dem Satz zusammen, dass die Hoffnung zuletzt stirbt.

Für die Beratung ist das wichtig. Wer glaubt, eine schlechte Erfahrung führe automatisch zu realistischeren Erwartungen, unterschätzt, wie stark die gesellschaftliche Norm wirkt — und wie wenig eine einzelne Erfahrung dagegen ausrichtet.

Was folgt daraus?

Die Arbeit zeigt zunächst, wie wenig unerfüllte Stillerwartungen in der gesellschaftlichen Debatte und im wissenschaftlichen Diskurs vorkommen. Wer damit ringt, findet also weder Sprache noch Gesellschaft.

Im empirischen Teil rekonstruiert sie, wie die Frauen diese Erfahrung beschreiben und wie sie damit umgegangen sind. Anschliessend verortet sie das Thema im Modell Sexocorporel.

Daraus leitet sie ab, was für die sexologische Beratung und Begleitung von Frauen folgt — für ein Thema, das in der Sexualberatung selten auftaucht, obwohl es unmittelbar an Körper, Scham und Selbstbild rührt.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Halbstrukturierte Interviews mit fünf Frauen, die Arbeit ist auf Englisch verfasst. Befragt wurden ausschliesslich Frauen mit unerfüllten Stillerwartungen — die Arbeit beschreibt also diese Erfahrung, nicht ihre Häufigkeit.

Mit 215 Seiten gehört sie zu den ausführlichsten der Sammlung. Der Umfang kommt vor allem dem theoretischen Teil zugute, der ein bislang kaum bearbeitetes Feld erschliesst.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 215 Seiten und ist auf Englisch verfasst. Sie enthält die Aufarbeitung des gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskurses zum Stillen, die vollständige Auswertung der fünf Interviews sowie die Verortung im Modell Sexocorporel.

Abstract der Arbeit

In the theoretical part of this master's thesis, the extent to which unfulfilled breastfeeding expectations are only marginally addressed in the social debate and in scientific discourse is presented. In the subsequent empirical part, semi-structured interviews with five women are used to examine how they describe their experiences in connection with unfulfilled breastfeeding expectations and how they dealt with the experience in each case. Finally, the topic is located in the Sexocorporel model and implications from the theoretical and empirical discussion for sexological counseling and support of women are discussed. HS Merseburg / ISP Uster Samira Lütscher Stillerfahrungen jenseits gesellschaftlicher Stillnormen

Samira Lütscher, Abstract der Masterarbeit, 2022

Angaben zur Arbeit

Titel
Stillerfahrungen jenseits gesellschaftlicher Stillnormen : Eine qualitative Untersuchung über unerfüllte Stillerwartungen und Bezugspunkte zum Modell Sexocorporel

Verfasst von
Samira Lütscher

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3

Jahr
2022

Themen
Schwangerschaft & Geburt · Sexualberatung · Sexualtherapie · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Samira Lütscher: «Stillerfahrungen jenseits gesellschaftlicher Stillnormen : Eine qualitative Untersuchung über unerfüllte Stillerwartungen und Bezugspunkte zum Modell Sexocorporel». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

Verwandte Masterarbeiten

Weiterführend