Kategorien
MA5 Masterarbeit

Liebe als Gefahr – verliebte Ordensleute im Zwiespalt

Anouk Battefeld untersucht in der Masterarbeit «Liebe als Gefahr – verliebte Ordensleute im Zwiespalt» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Was geschieht, wenn sich ein Mensch verliebt, der ein Keuschheitsgelübde abgelegt hat? Diese Arbeit befragt vier Ordensmänner, denen genau das passiert ist und die im Orden geblieben sind — ein Thema, zu dem es bisher keine Forschung gab.

Wie wurde das untersucht?

Über einen schriftlichen Fragebogen mit offenen Fragen und einer Skalenfrage. Vier Ordensmänner, die sich im Verlauf ihres Ordenslebens verliebt haben und in ihrer Gemeinschaft verblieben sind, nahmen teil.

Der Zugang entstand über eine engagierte Vertrauensperson, überwiegend im Rahmen eines Ordenstreffens. Bei einem Thema, das mit einem Gelübde in Konflikt steht, ist das der entscheidende und schwierigste Teil einer solchen Arbeit.

Theoretisch verbindet die Arbeit aktuelle Erkenntnisse der Hirnforschung zum Verlieben mit dem römisch-katholischen Kirchenrecht, dem Habitus des Ordenslebens und dem Keuschheitsgelübde.

Was leistet das Modell Sexocorporel hier?

Es bietet den theoretischen Rahmen für eine ganzheitliche Betrachtung affektiv-körperlicher Erfahrungen — indem es Sexualität als Ausdruck persönlicher Entwicklung, leiblicher Identität und Beziehungskompetenz versteht.

Gerade im Kontext religiöser Enthaltsamkeit öffnet das eine bestimmte Perspektive: Die Erfahrungen lassen sich als entwicklungsrelevante Prozesse deuten statt als Verfehlung.

Die Schilderungen der Befragten lassen sich zudem mit zentralen Ergebnissen der neurowissenschaftlichen Forschung zum Verliebtsein in Verbindung bringen. Was sie beschreiben, ist nicht Ausdruck von Schwäche, sondern ein körperlicher Vorgang.

Was ist das Ergebnis?

Verliebtheit im Ordensleben ist kein randständiges Phänomen, sondern eine existenzielle Erfahrung. Das ist der Kernbefund und er widerspricht der Erwartung, es handle sich um seltene Ausnahmefälle.

Für die Begleitung von Menschen in institutionell gebundenen Lebensformen ist das eine seltene Grundlage. Sie zeigt, dass es einen Ort braucht, an dem diese Erfahrung besprochen werden kann — und dass dieser Ort innerhalb der Institution schwer zu finden ist.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier Personen, schriftlich befragt, alle männlich, alle im Orden geblieben. Die Arbeit ist qualitativ-explorativ angelegt und beansprucht nichts anderes.

Die Auswahl ist zweifach eingeschränkt: Wer den Orden verlassen hat, kommt nicht vor — und wer sich über eine Vertrauensperson an einem Ordenstreffen erreichen lässt, gehört zu denen, die darüber sprechen können.

Für ein bislang unerforschtes Thema an der Schnittstelle von Theologie, Psychologie und Spiritualität ist die Arbeit ein sorgfältig gearbeiteter erster Zugang.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 93 Seiten. Sie enthält die Hirnforschung zum Verlieben, die kirchenrechtlichen Grundlagen, die Darstellung des Ordenslebens und des Keuschheitsgelübdes sowie die vollständige Auswertung der vier Befragungen entlang der Komponenten des Modells Sexocorporel.

Abstract der Arbeit

Diese Arbeit untersucht das Phänomen des Verliebtseins bei Ordensleuten und die Entscheidungsfindung, was ein bislang unerforschtes Thema an der Schnittstelle von Theologie, Psychologie und Spiritualität ist. Ziel war es, zu erfassen, wie Or- densleute Verliebtheit im Kontext der durch das Keuschheitsgelübde geprägten Le- bensform erleben, deuten und bewältigen. Die Arbeit verbindet aktuelle Ergebnisse der Hirnforschung zum Thema Verlieben mit römisch-katholischen, kirchenrechtli- chen Grundlagen, stellt den Habitus und die Grundlage des Ordenslebens dar mit dem Schwerpunkt des Keuschheitsgelübdes und dem Modell Sexocorporel. Empirisch wurde ein qualitativ-exploratives Vorgehen gewählt: Vier Ordensmänner, die sich im Verlauf ihres Ordenslebens verliebt haben und im Orden verblieben sind, beantworteten einen schriftlichen Fragebogen mit offenen Fragen und einer Ska- lenfrage. Die Teilnehmenden wurden durch einen engagierten «Türöffner» überwie- gend im Rahmen eines Ordenstreffens auf diese Studie aufmerksam. Die Auswer- tung konzentrierte sich anhand der Forschungsfragen auf Vergleiche der Antworten und einer vertieften Zuordnung im Kontext aktueller wissenschaftlicher Literatur. Die Ergebnisse zeigen: Verliebtheit im Ordensleben ist kein randständiges Phäno- men, sondern eine existenzielle Erfahrung mit herausfordernder Ambivalenz. Sie kann zur spirituellen Vertiefung und Reifung beitragen. Die Arbeit leistet einen Bei- trag zur Sichtbarmachung innerer Konflikte im subjektiven Ordensleben und eröffnet neue Perspektiven auf gelebte Spiritualität, die einen Zwiespalt nicht ausschliesst, sondern auf individuelle Weise integriert. Abstract (Englisch Version) This thesis explores a largely under-researched phenomenon at the intersection of theology, psychology and sexuality: the experience of romantic love among mem- bers of Roman Catholic male religious orders. The focus lies on the subjective ex- perience of the inner conflict between the religious vow of chastity and the human longing for intimacy, emotional closeness and physical contact. The empirical basis of the study consists of qualitative written responses from four Catholic male members of a religious order who remained in their communities des- pite having fallen in love. Due to the sensitive nature of the topic, a written survey method was chosen, allowing for anonymous participation and multilingual acess

Anouk Battefeld, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Liebe als Gefahr – Verliebte Ordensleute im Zwiespalt zwischen Bleiben und Gehen

Verfasst von
Anouk Battefeld

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Institutionelle Begleitung · Recht & Ethik · Soziale Arbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Anouk Battefeld: «Liebe als Gefahr – Verliebte Ordensleute im Zwiespalt zwischen Bleiben und Gehen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

Verwandte Masterarbeiten

Weiterführend

Kategorien
MA5 Masterarbeit

Spielend verführen – ein Spielkonzept für sexuelles Begehren

Dominique Tanner untersucht in der Masterarbeit «Spielend verführen – ein Spielkonzept für sexuelles Begehren» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Begehren lässt sich nicht befehlen, aber vielleicht spielen. Diese Arbeit entwickelt ein Spielkonzept für Paare — und begründet es mit einer Annahme, die überraschend trägt: Spielen ist ein natürlicher menschlicher Trieb, der soziale Kompetenzen erfahrbar macht und neue Fähigkeiten hervorbringt.

Was soll das Spiel bewirken?

Es soll Paaren ermöglichen, drei Dinge spielerisch zu fördern: ihre Kommunikation, ihr sexuelles Begehren und ihre Verführungskompetenzen.

Das zentrale Anliegen war dabei, Spielfreude und Zielorientierung zu verbinden. Ein Spiel, das sich wie eine Übung anfühlt, verfehlt seinen Zweck — eines ohne Richtung ebenfalls.

Der theoretische Teil geht deshalb in zwei Richtungen: zum Spiel selbst mit Definition, Geschichte, Funktion und den Spielpersönlichkeiten nach Brown — und zu Begehren, Bedürfnissen und Beziehung.

Wie versteht die Arbeit Begehren?

Als Wechselwirkung zwischen Reiz und Emotion. Begehren löst eine positive Vorerwartung aus und gilt deshalb selbst als erstrebenswert — es ist nicht nur Mittel zum Zweck, sondern angenehm für sich.

Daraus folgt der praktische Kern: Die bewusste Wahrnehmung der eigenen Begehrensstruktur bildet eine wichtige Grundlage dafür, Wünsche überhaupt zu artikulieren.

Und das gilt nach dieser Arbeit nicht nur in Paarbeziehungen, sondern auch im alltäglichen Leben. Wer nicht weiss, was er will, kann es nicht sagen — im Bett so wenig wie sonst.

Was ist an der Arbeit methodisch bemerkenswert?

Zwei Dinge, die in Masterarbeiten selten so ausdrücklich vorkommen.

Erstens widmet sie der Forschungsethik ein eigenes Kapitel — vor der Methodik. Bei einer Arbeit, in der Paare ein Spiel zu ihrer Sexualität ausprobieren, ist das keine Formalität.

Zweitens legt sie die Nutzung von künstlicher Intelligenz offen. Das ist bei einer Arbeit aus dem Jahrgang 2025 zeitgemäss und in dieser Sammlung dennoch die Ausnahme.

Dazu kommt ein ausführliches Kapitel zur Paarkommunikation, das verbale, nonverbale und paraverbale Ebenen sowie Kommunikationsmodelle und -muster behandelt.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Das Spielkonzept wurde entwickelt und erprobt, die Auswertung stützt sich auf Leitfadeninterviews und Fragebogen mit einer sehr kleinen Zahl von Teilnehmenden.

Was die Arbeit liefert, ist ein durchdachtes und dokumentiertes Konzept samt ersten Rückmeldungen — keine Wirksamkeitsprüfung. Für die Arbeit mit Paaren ist es dennoch brauchbares Material, weil es die Begründung für jede Spielentscheidung mitliefert.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 111 Seiten. Sie enthält die Theorie des Spiels, die ausführliche Auseinandersetzung mit Begehren, Bedürfnissen und Paarkommunikation, das vollständige Spielkonzept sowie die Kapitel zu Forschungsethik und zum Einsatz künstlicher Intelligenz.

Methodisches Vorgehen

Die Arbeit stützt sich auf leitfadengestützte Interviews (zwei Personen). Der Volltext umfasst 111 Seiten.

Angaben zur Arbeit

Titel
Spielend verführen Entwicklung eines Spielkonzepts zur Förderung und Erhaltung von sexuellem

Verfasst von
Dominique Tanner

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexuelles Verlangen · Paarsexualität · Recht & Ethik · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Dominique Tanner: «Spielend verführen Entwicklung eines Spielkonzepts zur Förderung und Erhaltung von sexuellem». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

Verwandte Masterarbeiten

Weiterführend

Kategorien
MA5 Masterarbeit

Die Integration körperorientierter Ansätze in die Sexualtherapie nach dem Sexocorporel-Modell

Patricia Zoller untersucht in der Masterarbeit «Die Integration körperorientierter Ansätze in die Sexualtherapie nach dem Sexocorporel-Modell» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Körperorientierte Verfahren gelten in der Sexualtherapie oft als ergänzende Technik. Diese Arbeit widerspricht: Sie prüft Tanztherapie, Achtsamkeitspraxis und Bioenergetik systematisch am Modell Sexocorporel und kommt zum Schluss, dass sie integrale Bestandteile sind — nicht Beiwerk.

Was verbindet drei so verschiedene Verfahren?

Tanztherapie, Achtsamkeitspraxis und Bioenergetik stammen aus unterschiedlichen theoretischen Traditionen und sind methodisch klar voneinander zu unterscheiden.

Was sie verbindet, ist ein gemeinsames Anliegen: die Verkörperung psychischer, affektiver und relationaler Prozesse. Genau darin liegt nach dieser Analyse ihr komplementäres Potenzial zum Modell Sexocorporel.

Was fügen sie dem Modell hinzu?

Die Arbeit formuliert das präzise und ist dabei auch gegenüber dem eigenen Modell kritisch: Sexocorporel war bislang vorrangig auf funktionale Körperarbeit und edukative Vermittlung ausgerichtet.

Die körperzentrierten Ansätze vertiefen es um symbolische, affektive und beziehungsdynamische Erfahrungsdimensionen — also um genau jene Ebenen, die in sprachlich-kognitiven Formaten schwer zugänglich bleiben.

Und sie wirken auf mehreren Ebenen zugleich: Sie unterstützen physiologische Regulation und affektive Durchlässigkeit, fördern aber ebenso Selbstbeobachtung, Beziehungsgestaltung und kognitive Neuorientierung.

Wie ist die Analyse aufgebaut?

Jedes Verfahren wird entlang der vier Komponenten des Modells eingeordnet — physiologisch, sexodynamisch, kognitiv und beziehungsdynamisch — und auf theoretische Grundlagen, Anwendungsmöglichkeiten und Passung geprüft. Methodisch stützt sich die Arbeit auf eine systematische Literaturrecherche.

Dazu kommt ein Übungsdossier mit konkreten Beispielen. Es zeigt, wie sich somatische Verfahren entlang der Modellkomponenten tatsächlich einbinden lassen — die Arbeit bleibt also nicht bei der Einordnung stehen.

Für wen ist das brauchbar?

Für alle, die überlegen, ein weiteres körperorientiertes Verfahren in die eigene Arbeit zu holen. Statt sich durch die Literatur dreier Schulen zu arbeiten, findet man hier die Vorarbeit — mit der Passung zum eigenen Modell bereits geprüft.

Mit 253 Seiten ist es die umfangreichste Arbeit dieser Sammlung und als Nachschlagewerk angelegt.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Es handelt sich um eine theoriegeleitete Analyse auf Basis einer systematischen Literaturrecherche — ohne eigene empirische Erhebung. Das Übungsdossier ist ein begründeter Vorschlag, keine erprobte Intervention.

Was die Arbeit also zeigt, ist Anschlussfähigkeit: dass sich die drei Verfahren theoretisch stimmig mit dem Modell verbinden lassen. Ob die vorgeschlagenen Übungen in der Praxis wirken, müsste geprüft werden.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 253 Seiten. Sie enthält die theoretischen Grundlagen der drei Verfahren, ihre systematische Einordnung entlang der vier Komponenten des Modells Sexocorporel sowie das vollständige Übungsdossier für die Praxis.

Abstract der Arbeit

Die Sexualtherapie steht zunehmend vor der Herausforderung, körperliche und psychische Prozesse integrativ zu behandeln. Körperorientierte Ansätze gewinnen hierbei an Bedeutung, da sie auf physischer Ebene ansetzen und emotionale sowie sexuelle Blockaden adressieren können. Ziel dieser Arbeit ist es, die Eignung und das Potenzial ausgewählter körperorientierter Ansätze – Tanztherapie, Achtsamkeitspraxis und Bioenergetik – für den Einsatz in der sexualtherapeutischen Praxis zu untersuchen. Das theoretische Fundament bildet das Sexocorporel-Modell von Jean-Yves Desjardins, in dessen Rahmen die genannten Methoden eingeordnet und analysiert werden. Die Analyse erfolgt entlang der vier Komponenten des Modells – physiologisch, sexodynamisch, kognitiv und beziehungsdynamisch. Methodisch basiert die Arbeit auf einer systematischen Literaturrecherche. Die ausgewählten körperorientierten Ansätze werden hinsichtlich ihrer theoretischen Grundlagen, Anwendungsmöglichkeiten und Passung zum Sexocorporel-Modell untersucht. Ergänzend werden exemplarische Übungen in einem Übungsdossier vorgestellt, das praktische Anwendungsideen für die sexualtherapeutische Arbeit liefert. Die Arbeit verfolgt das Ziel, eine fundierte, theoretisch und praktisch anschlussfähige Grundlage für die Integration körperorientierter Ansätze in die Sexualtherapie zu schaffen. Sie richtet sich an Fachpersonen, die ihr Verständnis für körperbasierte Ansätze vertiefen und ihre sexualtherapeutische Praxis erweitern möchten.

Patricia Zoller, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Die Integration körperorientierter Ansätze in die Sexualtherapie nach dem Sexocorporel-Modell

Verfasst von
Patricia Zoller

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Körperarbeit · Sexualtherapie · Recht & Ethik · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Patricia Zoller: «Die Integration körperorientierter Ansätze in die Sexualtherapie nach dem Sexocorporel-Modell». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

Verwandte Masterarbeiten

Weiterführend

Kategorien
MA5 Masterarbeit

Jenseits der Nymphomanie – dranghafte Sexualität bei Frauen

Karoline de Falco untersucht in der Masterarbeit «Jenseits der Nymphomanie – dranghafte Sexualität bei Frauen» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Männer melden sich mit einer Selbstdiagnose: sexsüchtig, pornosüchtig. Frauen tun das fast nie. Sie sagen «ich habe es nicht im Griff», «es überwältigt mich», «es zerstört meine Beziehung» — und meist erst nach Monaten, wenn sie wegen etwas anderem gekommen sind. Diese Arbeit hat Fachpersonen befragt, wie dranghafte Sexualität bei Frauen in der Praxis überhaupt sichtbar wird und was dann hilft.

Warum kommt das Thema so selten zur Sprache?

Nach Auskunft der befragten Fachpersonen melden sich Klientinnen fast nie mit dem ausdrücklichen Anliegen einer dranghaften Sexualität. Im Vordergrund stehen zunächst andere Themen: Lustlosigkeit, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Vaginismus oder die Verarbeitung übergriffiger Erfahrungen. Erst im Verlauf der Therapie rückt die Dranghaftigkeit in den Blick.

Eine Fachperson berichtet, sie habe es nur ein einziges Mal erlebt, dass jemand sich damit gemeldet habe. Der Grund liegt nicht darin, dass es das Phänomen nicht gäbe, sondern in der Scham: Frauen verbergen solches Verhalten lange, aus Angst vor Verurteilung. Das ist der deutlichste Geschlechterunterschied, den die Arbeit herausarbeitet — und er hat Folgen dafür, wer überhaupt Hilfe bekommt.

Was steht hinter dem Verhalten?

Die befragten Therapeut*innen beschreiben dranghafte Sexualität bei Frauen selten als isoliertes Phänomen. Häufig steht sie in Verbindung mit anderen psychischen Belastungen — genannt wird unter anderem eine Borderline-Diagnostik, verbunden mit riskanten Kontakten und fehlendem Selbstschutz.

Eine zentrale Rolle spielen traumatische Erfahrungen in der Biografie. Sie wirken auf Selbstbild und emotionale Regulation und führen zu Mustern, die die Betroffenen in belastende Lagen bringen. Eine Fachperson schildert eine Klientin, die eigentlich Panik hatte und sie übersetzte, indem sie alles sexualisierte — es war ihre Hauptstrategie, die Angst vor erneuter Traumatisierung zu überwinden.

Daraus folgt für die Praxis die Zusammenarbeit: Häufig laufen Traumatherapie und Sexualtherapie parallel, in Co-Therapie zweier Fachpersonen.

Was hilft?

Die Arbeit kommt zu einem klaren Ergebnis: Körperzentrierte Interventionen sind ein wichtiger Zugang. Präsenz- und Wahrnehmungsübungen ermöglichen ein Bewusstsein für den eigenen Körper und für die Logik hinter dem eigenen Verhalten.

Der Grund dafür ist einleuchtend: Emotionale und kognitive Vorgänge werden unmittelbar körperlich erlebt. Wer nur kognitiv arbeitet, erreicht die Ebene nicht, auf der das Muster läuft. Körperzentrierte Arbeit erlaubt es, Wahrnehmung, emotionale Regulation und Impulskontrolle zusammenzubringen.

Ebenso wichtig ist die Haltung. Die Fachpersonen betonen Normalisierung und Enttabuisierung, um Druck und Scham zu mindern. Eine Interviewpartnerin bringt es so auf den Punkt: Man müsse aufhören, Moralpolizei zu spielen, und stattdessen fragen, was der Mensch brauche, damit es ihm besser gehe. Manchmal wirke schon die moralische Entlastung.

Was heisst das für die Beratung?

Drei Konsequenzen ergeben sich unmittelbar. Erstens: Wer nur auf das Anliegen hört, mit dem eine Frau kommt, wird dranghafte Sexualität selten finden — sie zeigt sich hinter Lustlosigkeit und Schmerz.

Zweitens: Die Frage nach der Biografie ist keine Nebensache. Wo Trauma im Spiel ist, braucht es Zusammenarbeit statt Alleingang.

Drittens: Der therapeutische Prozess zielt nicht auf Reduktion des Verhaltens, sondern auf das Verstehen der individuellen sexuellen Logik und auf eine gestärkte Körperwahrnehmung — mit dem Ziel einer lustvollen und selbstbestimmten Sexualität.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Die Arbeit stützt sich auf Leitfadeninterviews mit Fachpersonen, nicht auf Betroffene selbst. Sie beschreibt also, wie Therapeut*innen das Phänomen wahrnehmen — was gerade bei einem Thema, das lange verborgen bleibt, eine wichtige Einschränkung ist.

Die Autorin benennt zudem die grössere Lücke: Zur Wirksamkeit und zu den Wirkmechanismen körperzentrierter Ansätze fehlt systematische empirische Forschung. Als künftiges Feld nennt sie digitale Formate wie Apps und Tagebuchfunktionen, mit denen sich Emotionen und Erregungsmuster dokumentieren und therapeutisch nutzen liessen.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 66 Seiten und ist auf Englisch verfasst. Sie enthält den Forschungsstand zu zwanghaftem Sexualverhalten, die vollständige Auswertung der Interviews mit wörtlichen Zitaten und die Ableitungen für körperzentrierte Interventionen.

Abstract der Arbeit

This master’s thesis focuses on compulsive sexuality in women and explores its therapeutic treatment based on the Sexocorporel model. Central to the study is how professionals perceive and address the phenomenon in clinical practice and what experiences they have with body-centered interventions. Guided expert interviews were conducted to examine how compulsive sexuality is named, understood, and treated in therapeutic settings. The findings show that compulsive sexual behavior is often experienced as a dysfunctional yet comprehensible coping strategy to regulate emotional tension. The therapeutic process emphasizes understanding the individual sexual logic and enhancing body awareness in order to foster pleasurable and self-determined sexuality. The results provide insights into key change processes and highlight the potential of body-based interventions within a resource- oriented sexological framework.

Karoline de Falco, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Jenseits der Nymphomanie – Eine Untersuchung zur Behandlung dranghafter Sexualität bei Frauen basierend auf dem Modell Sexocorporel

Verfasst von
Karoline de Falco

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Pornografie · Geschlecht & Identität · Recht & Ethik · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Karoline de Falco: «Jenseits der Nymphomanie – Eine Untersuchung zur Behandlung dranghafter Sexualität bei Frauen basierend auf dem Modell Sexocorporel». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

Verwandte Masterarbeiten

Weiterführend

Kategorien
MA4 Masterarbeit

Wann ist Pornokonsum ein Problem?

Wer sich selbst für pornosüchtig hält, ist es meistens nicht. Was Leidensdruck erzeugt, ist in vielen Fällen nicht die Menge des Konsums, sondern der Widerspruch zwischen dem eigenen Verhalten und den eigenen moralischen Überzeugungen. Eine Masterarbeit am ISP Zürich hat geprüft, ob dieser Erklärungsansatz aus den USA auch für die deutschsprachige Schweiz trägt, und dafür drei erfahrene Sexualtherapeut*innen befragt.

Was ist moralische Inkongruenz?

Der Begriff stammt aus dem PPMI-Modell von Grubbs und Kolleg*innen aus dem Jahr 2019. Es unterscheidet drei Wege, auf denen jemand seinen Pornokonsum als problematisch erlebt: über tatsächlich dysreguliertes Verhalten, über blosse Nutzungsgewohnheiten, und über moralische Inkongruenz.

Moralische Inkongruenz meint die Lücke zwischen dem, was jemand für richtig hält, und dem, was er tut. Wer Pornografie grundsätzlich ablehnt und trotzdem regelmässig konsumiert, erlebt diesen Widerspruch als Belastung, unabhängig davon, wie viel er tatsächlich schaut. Der Leidensdruck entsteht dann nicht aus dem Verhalten, sondern aus der Bewertung des eigenen Verhaltens.

Sind die meisten Betroffenen pornosüchtig?

Nach Einschätzung der befragten Fachpersonen: nein. Ursina Donatsch, eine der drei Interviewten, stufte von zehn Klienten mit selbstwahrgenommenem problematischem Konsum lediglich zwei als tatsächlich dysreguliert konsumierend ein.

Die Selbstzuschreibung «süchtig» erwies sich in der Untersuchung als etwas anderes, als sie zunächst scheint. Sie dient im Schweizer Praxisalltag kaum dazu, weiteren Konsum zu rechtfertigen. Sie ist eher eine anfängliche Auslagerung des Problems: Wer sich als süchtig beschreibt, macht das Verhalten zu etwas, das ihm zustösst, statt zu etwas, das er tut. Im Verlauf einer Therapie lässt sich diese Zuschreibung aufarbeiten.

Damit ist zugleich gesagt, was sie nicht ist: eine Entwertung des Leidens. Der Druck ist real, nur die Erklärung dafür trägt nicht.

Woher kommt der innere Konflikt?

Das ursprüngliche Modell führt moralische Inkongruenz vor allem auf Religiosität zurück. In den Interviews zeigte sich für die Schweiz ein anderes Bild. Die Fachpersonen nannten übereinstimmend Gründe, die im Modell nicht vorgesehen sind:

  • Geschlechterethische Bedenken. Männer, die Gleichstellung und feministische Positionen vertreten, geraten in Konflikt mit dem, was sie in Pornografie sehen und trotzdem nutzen.
  • Erziehung. Vermittelte Haltungen zu Sexualität wirken weiter, auch ohne religiösen Rahmen.
  • Sexuelle Biografie und Traumatisierungen. Frühere Erfahrungen prägen, wie das eigene Konsumverhalten bewertet wird.

Religion spielte in den Schilderungen eine deutlich geringere Rolle als in der amerikanischen Forschung. Das ist der Kernbefund für den deutschsprachigen Raum: Das Modell trägt, aber seine Begründung muss ausgetauscht werden.

Was bedeutet das für die Therapie?

Die Arbeit zieht daraus eine klare Konsequenz. Eine Abklärung, die nur prüft, ob jemand die diagnostischen Kriterien für problematisches Sexualverhalten erfüllt, greift zu kurz. Entscheidend sind die Gründe hinter dem Verhalten.

Daraus folgt ein Behandlungsziel, das viele überrascht: Die Reduktion des Konsums muss nicht das Ziel sein. Wo der Leidensdruck aus moralischer Inkongruenz stammt, kann auch die Auseinandersetzung mit den eigenen Massstäben zur Auflösung des inneren Konflikts führen.

Die Arbeit hält zugleich fest, dass das PPMI-Modell nie als therapeutisches Modell entwickelt wurde und für die Praxis deutliche Grenzen hat. Die Dynamiken im Behandlungszimmer sind komplexer als drei Pfade.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Die Untersuchung beruht auf drei Experteninterviews, ausgewertet nach der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring. Die Verfasserin benennt die Grenzen selbst: Drei Personen sind nicht repräsentativ für die Fachgemeinschaft, die Aussagen beruhen auf subjektiven Einschätzungen aus der eigenen Praxis, und die Interviews bezogen sich ausschliesslich auf männliche Klienten. Eine Übertragung auf andere Geschlechter ist damit nicht gedeckt.

Die Arbeit dient der Gewinnung neuer Erkenntnisse, nicht der Prüfung von Hypothesen. Eine quantitative Überprüfung der gefundenen Zusammenhänge steht aus.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 99 Seiten und steht unter einer Creative-Commons-Lizenz frei zur Verfügung. Sie enthält den Forschungsstand zum PPMI-Modell, die Auswertung der drei Experteninterviews und die vollständigen Schlussfolgerungen für die Praxis.

Abstract der Verfasserin

Die vorliegende Masterarbeit befasst sich mit einem häufig in der sexualtherapeutischen Praxis auftretendem Thema: Männer, die Unterstützung suchen, weil sie ihren Pornografiekonsum als zu hoch einschätzen. Ziel dieser Arbeit ist es, bestehende theoretische Erklärungsmodelle zur Interpretation des Pornografiekonsums, die hauptsächlich aus dem US-amerikanischen Raum stammen, zusammenzufassen und deren Anwendbarkeit im europäischen, deutschsprachigen gesellschaftlichen Kontext zu prüfen. Im Fokus steht dabei das Modell der pornography problems due to moral incongruence (PPMI-Modell), das die Diskrepanz zwischen den persönlichen moralischen Überzeugungen eines Individuums und seinem tatsächlichen Konsumverhalten als moralische Inkongruenz definiert und als Kernkonzept nutzt.
Die Arbeit untersucht, wie Sexualtherapeutinnen und Sexualtherapeuten das PPMI-Modell und die Rolle der moralischen Inkongruenz in ihrer Praxis einschätzen. Dabei wird insbesondere beleuchtet, inwiefern kulturell und gesellschaftlich geprägte Wert- und Moralvorstellungen Einfluss auf die moralische Inkongruenz haben können und ob diese Diskrepanz möglicherweise dazu führen kann, dass sich Personen als «pornografiesüchtig» betrachten. Zur Untersuchung dieser Aspekte werden Interviews mit führenden Expertinnen und Experten aus der deutschsprachigen Schweiz im Bereich der Sexualtherapie durchgeführt.
Ariane Speck-Wyrsch, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel:
Moralische Inkongruenz bei Männern mit selbstwahrgenommenem problematischen Pornografiekonsum. Theoretische Aspekte und deren Bedeutung für die sexualtherapeutische Praxis

Verfasserin:
Ariane Speck-Wyrsch

Begutachtung:
Dr. Heinz Jufer, Prof. Dr. Konrad Weller

Abschluss:
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang IV 2021–2024

Methode:
Literaturanalyse und drei leitfadengestützte Experteninterviews, qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring

Schlagwörter:
Pornografiesucht · Erklärungsmodelle zur Interpretation des Pornografiekonsums · PPMI-Modell

Dokumenttyp:
Masterarbeit, Hochschulschrift · Sachgruppe DDC 300 Sozialwissenschaften · Sprache Deutsch · 99 Seiten

Veröffentlicht:
November 2024, Open Access

Dauerhafte Adressen:
DOI 10.25673/117476
URN urn:nbn:de:gbv:542-1981185920-1194350

Lizenz und Nachweis. Ariane Speck-Wyrsch: «Moralische Inkongruenz bei Männern mit selbstwahrgenommenem problematischen Pornografiekonsum». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Lizenziert unter CC BY-SA 4.0. Der Volltext liegt im Repositorium der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt. Abstract im Wortlaut übernommen, die übrige Zusammenfassung wurde vom ISP Zürich verfasst.

Verwandte Masterarbeiten

Weiterführend

Kategorien
MA4 Masterarbeit

Der (schwierige) Umgang des Rechts mit Sexualität

Sandro Körber untersucht in der Masterarbeit «Der (schwierige) Umgang des Rechts mit Sexualität» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Das Recht muss Sexualität regeln, ohne sie beschreiben zu können. Diese Arbeit geht diesem Verhältnis rechtsgeschichtlich nach — mit Schwerpunkt auf dem schweizerischen Familienrecht — und ist damit ein Sonderfall in dieser Sammlung.

Worum geht es?

Um zwei Fragen. Erstens: Wie lässt sich Sexualität überhaupt begreifen, verstehen, ja definieren? Zweitens: Wo liegen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der sexualwissenschaftlichen und der juristischen Sicht?

Der Zugang ist rechtsgeschichtlich. Das Recht hat Sexualität zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich gefasst, und diese Fassungen wirken bis in heutige Bestimmungen nach.

Der Autor versteht die Sexualwissenschaft ausdrücklich als nicht in sich geschlossene Disziplin, die auf die Beiträge anderer Fachrichtungen angewiesen ist. Das Recht ist eine davon.

Warum ist das für die Praxis relevant?

Weil sexualberaterische Arbeit ständig auf rechtliche Rahmen trifft — bei Eheschliessung und Trennung, im Kindesschutz, bei Beistandschaften, bei Fragen der Urteilsfähigkeit.

Fachpersonen begegnen diesen Rahmen meist als Vorgaben, die zu beachten sind. Diese Arbeit zeigt, dass sie das Ergebnis historischer Aushandlungen sind — und damit veränderlich.

Für die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist das eine brauchbare Grundlage. Wer versteht, wie Juristinnen und Juristen über Sexualität denken müssen, kann anders mit ihnen sprechen.

Was macht die Arbeit besonders?

Sie ist die einzige der Sammlung, die ohne empirische Erhebung auskommt und ohne die Kategorien des Modells Sexocorporel arbeitet. Keine Interviews, keine Fallzahlen — eine Analyse zweier Denkweisen, die aufeinander angewiesen sind und einander schlecht verstehen.

Für Fachpersonen mit juristischen Berührungspunkten ist sie die einzige Arbeit dieser Sammlung, die diese Verbindung ausdrücklich herstellt.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Es handelt sich um eine rechtsgeschichtliche und sexualwissenschaftliche Analyse. Ihre Aussagen sind Argumente, keine Messwerte — und wie bei jeder rechtlichen Betrachtung gilt: Sie bildet einen Rechtsstand ab.

Wer die Arbeit für die Praxis nutzt, sollte den aktuellen Stand der Gesetzgebung prüfen. Die historische Rekonstruktion und die begriffliche Klärung bleiben davon unberührt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 100 Seiten. Sie enthält die rechtsgeschichtliche Rekonstruktion des Umgangs des Rechts mit Sexualität, die Auseinandersetzung mit dem schweizerischen Familienrecht sowie die Gegenüberstellung juristischer und sexualwissenschaftlicher Perspektiven.

Abstract der Arbeit

IV Vorwort Die vorliegende Arbeit bildet den «krönenden Abschluss» des Studiums gemäss Studienorganisation für den Master of Arts in Sexologie 2021–2024 am Institut für Sexualpädagogik und Sexualtherapie ISP, Zürich, in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Deutschland. Mit dieser schriftlichen Abhandlung soll der Nachweis erbracht werden, dass ein (sexualwissenschaftliches) Thema ausführlich, gewissenhaft und kritisch bearbeitet werden kann, wobei wissenschaftliches Arbeiten dabei eine zentrale Rolle einnimmt. Dadurch soll auch ein innovativer Beitrag zur Weiterentwicklung der Sexualwissenschaft und Sexualberatung geleistet werden. Auf den Grundlagen der interdisziplinären Sexualwissenschaft verfolgt der weiterführende Lehrgang das Ziel, anwendungsorientiert darauf aufzubauen und die theoretischen Hintergründe mit der Praxis zu verbinden. Qualifizierte Fachleute aus dem sozialen, (psycho-)therapeutischen, medizinischen und pädagogischen Bereich erhalten dadurch die Befähigung, Menschen in ihrer sexuellen Gesundheit und Bildung zu begleiten und zu beraten, damit sie ihre Sexualität weiter entfalten können. Wird die Sexualwissenschaft verstanden als eine nicht in sich geschlossene Wissenschaftsdisziplin, sondern dass auch «Fraktionen» verschiedener Disziplinen mit einzubeziehen sind, um sich auf dieser Grundlage mit den diversen Aspekten der Sexualität und dem diesbezüglichen Umgang des Menschen zu befassen, treten auch verschiedene wissenschaftliche Perspektiven, Herangehensweisen und Würdigungen zutage. Allen an der sexualwissenschaftlichen Lehre beteiligten Disziplinen ist indessen gemein, ihren Teil an den gesamten «Wissenschaften des Sexuellen» beizutragen und so eine multidisziplinäre Sicht zu ermöglichen. Dies gilt auch für die vorliegende Untersuchung, die auf einem wissenschaftlichen Fachgebiet basiert, das sich – wie sich zeigen wird – entweder nur am Rand und implizit oder aber sehr explizit mit der Sexualität der Menschen befasst. Es ist naheliegend, dass die Rechtswissenschaft, die sich mit einem abstrakten Begriff beschäftigt und durch starre Definition, Logik, Konstruktion und Systematik ihre Lehre und Praxis aufbaut, auf einem divergierenden akademischen Konzept und mithin einer anderen Vorgehens- und Betrachtungsweise beruht. Die juristische Terminologie, Fachsprache, und Zitation stehen immer im Spannungsverhältnis zwischen Präzision, Wissenschaftlichkeit und Adressatengerechtigkeit. Diese abweichenden Grunddeutungen sind genauso zu berücksichtigen und zu würdigen, um das integrative Fachgebiet der Sexualwissenschaften diskussions- u

Sandro Körber, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Der (schwierige) Umgang des Rechts mit Sexualität unter besonderer Berücksichtigung des schweizerischen Familienrechts : Eine rechtsgeschichtliche und -philosophische Untersuchung

Verfasst von
Sandro Körber

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Recht & Ethik · Sexualtherapie · Sexuelle Bildung

Lizenz und Nachweis. Sandro Körber: «Der (schwierige) Umgang des Rechts mit Sexualität unter besonderer Berücksichtigung des schweizerischen Familienrechts : Eine rechtsgeschichtliche und -philosophische Untersuchung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

Verwandte Masterarbeiten

Weiterführend

Kategorien
MA3 Masterarbeit

Porno-Bild-Fantasien – eine malerische Auseinandersetzung

Joana Bösch untersucht in der Masterarbeit «Porno-Bild-Fantasien – eine malerische Auseinandersetzung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Joana Bösch nähert sich der Pornografie nicht über die Analyse, sondern über den Pinsel. Sie malt Pornofilme — und dokumentiert dabei, wie sich ihre eigene Haltung zum Thema verändert. Das macht diese Arbeit zur ungewöhnlichsten der Sammlung.

Wie funktioniert der malerische Zugang?

Aus dem Pornofilm entsteht ein Gemälde, das seinerseits sexuelle Fantasien anregen kann. Die Autorin beschreibt das als transformativen Prozess: Das Bewegtbild wird zum Standbild, das Konsumierte zum Gestalteten.

Während dieses Prozesses entstehen Fragen aus einer weiblichen Perspektive — wie sich Porno überhaupt definieren lässt, oder ob Pornos sexualtherapeutisch nutzbar sind. Diesen Fragen geht sie über eine Literaturrecherche nach.

Das Ergebnis ist deshalb zweierlei: eine literaturgestützte Auseinandersetzung mit Pornografie und sexuellen Fantasien — und eigenständige Gemälde mit begleitenden Texten.

Was verändert die Auseinandersetzung?

Hier wird die Arbeit methodisch bemerkenswert. Die Autorin hält ihre eigene Haltung zu Beginn fest — neugierig, offen, Mainstream-Pornos konsumierend — und prüft am Ende, was sich verändert hat.

Kurzfristig, noch während des Projekts: ein abnehmendes Bedürfnis, Mainstream-Pornos zu schauen, nachdem sie unzählige davon angesehen hatte. Dazu das Suchen und Entdecken sehr unterschiedlicher Angebote, die Pornografie auf andere Weise darstellen.

Langfristig, auch Monate später: ein stärkeres Bewusstsein für die Hintergründe von Pornografie. Konkret heisst das, dass es ihr wichtig geworden ist, für die Pornos, die sie schaut, zu bezahlen.

Warum ist das mehr als eine persönliche Notiz?

Weil es die eigene Position offenlegt, statt sie zu verstecken. Wer über Pornografie forscht, hat eine Haltung dazu — die meisten Arbeiten sagen nicht welche.

Für die sexualpädagogische Praxis ist die Beobachtung zudem übertragbar: Die intensive, bewusste Auseinandersetzung mit dem Material verändert den Konsum stärker als jede Ermahnung. Das ist derselbe Mechanismus, den mehrere andere Arbeiten dieser Sammlung beschreiben.

Wer Pornografie in der Beratung sonst nur als Problem behandelt, findet hier einen anderen Zugang.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Es handelt sich um eine künstlerisch-reflexive Arbeit mit Literaturrecherche, nicht um eine empirische Untersuchung. Es gibt keine Befragten und keine Stichprobe — die Erfahrungsbasis ist die Autorin selbst.

Entsprechend lassen sich die Beobachtungen nicht verallgemeinern, und die Arbeit beansprucht es auch nicht. Was sie leistet, ist ein Zugang zu einem Thema, der in der Sexualwissenschaft selten gewählt wird, und eine sorgfältig dokumentierte Selbstreflexion.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 75 Seiten. Sie enthält die literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Pornografie und sexuellen Fantasien, die Dokumentation des malerischen Prozesses, die entstandenen Gemälde mit den begleitenden Texten sowie die Reflexion der eigenen Haltung.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit nutzt den malerischen Prozess, um sich mit dem Pornofilm auseinanderzusetzen. Dabei wird ein transformativer Prozess erlebt, in welchem aus dem Pornofilm ein Gemälde entsteht, das sexuelle Fantasien anregen kann. Während dieses Prozesses findet eine persönliche Reflexion zur Pornografie statt, welche Fragen zur Pornografie aufwirft, die eine weibliche Perspektive widerspiegeln. Durch Literaturrecherche wird versucht, Antworten auf diese Fragen zu finden. Ergebnisse dieser Arbeit sind, neben der literaturwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Pornografie und sexuellen Fantasien, eigenständige Gemälde. Diese Gemälde werden von Texten begleitet, welche sexuelle Fantasien widerspiegeln und diese anregen können.

Joana Bösch, Abstract der Masterarbeit, 2022

Angaben zur Arbeit

Titel
Porno-Bild-Fantasien – eine malerische Auseinandersetzung

Verfasst von
Joana Bösch

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3

Jahr
2022

Themen
Pornografie · Sexuelle Fantasien · Recht & Ethik

Lizenz und Nachweis. Joana Bösch: «Porno-Bild-Fantasien – eine malerische Auseinandersetzung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

Verwandte Masterarbeiten

Weiterführend