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MA5 Masterarbeit

Liebe als Gefahr – verliebte Ordensleute im Zwiespalt

Anouk Battefeld untersucht in der Masterarbeit «Liebe als Gefahr – verliebte Ordensleute im Zwiespalt» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Was geschieht, wenn sich ein Mensch verliebt, der ein Keuschheitsgelübde abgelegt hat? Diese Arbeit befragt vier Ordensmänner, denen genau das passiert ist und die im Orden geblieben sind — ein Thema, zu dem es bisher keine Forschung gab.

Wie wurde das untersucht?

Über einen schriftlichen Fragebogen mit offenen Fragen und einer Skalenfrage. Vier Ordensmänner, die sich im Verlauf ihres Ordenslebens verliebt haben und in ihrer Gemeinschaft verblieben sind, nahmen teil.

Der Zugang entstand über eine engagierte Vertrauensperson, überwiegend im Rahmen eines Ordenstreffens. Bei einem Thema, das mit einem Gelübde in Konflikt steht, ist das der entscheidende und schwierigste Teil einer solchen Arbeit.

Theoretisch verbindet die Arbeit aktuelle Erkenntnisse der Hirnforschung zum Verlieben mit dem römisch-katholischen Kirchenrecht, dem Habitus des Ordenslebens und dem Keuschheitsgelübde.

Was leistet das Modell Sexocorporel hier?

Es bietet den theoretischen Rahmen für eine ganzheitliche Betrachtung affektiv-körperlicher Erfahrungen — indem es Sexualität als Ausdruck persönlicher Entwicklung, leiblicher Identität und Beziehungskompetenz versteht.

Gerade im Kontext religiöser Enthaltsamkeit öffnet das eine bestimmte Perspektive: Die Erfahrungen lassen sich als entwicklungsrelevante Prozesse deuten statt als Verfehlung.

Die Schilderungen der Befragten lassen sich zudem mit zentralen Ergebnissen der neurowissenschaftlichen Forschung zum Verliebtsein in Verbindung bringen. Was sie beschreiben, ist nicht Ausdruck von Schwäche, sondern ein körperlicher Vorgang.

Was ist das Ergebnis?

Verliebtheit im Ordensleben ist kein randständiges Phänomen, sondern eine existenzielle Erfahrung. Das ist der Kernbefund und er widerspricht der Erwartung, es handle sich um seltene Ausnahmefälle.

Für die Begleitung von Menschen in institutionell gebundenen Lebensformen ist das eine seltene Grundlage. Sie zeigt, dass es einen Ort braucht, an dem diese Erfahrung besprochen werden kann — und dass dieser Ort innerhalb der Institution schwer zu finden ist.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier Personen, schriftlich befragt, alle männlich, alle im Orden geblieben. Die Arbeit ist qualitativ-explorativ angelegt und beansprucht nichts anderes.

Die Auswahl ist zweifach eingeschränkt: Wer den Orden verlassen hat, kommt nicht vor — und wer sich über eine Vertrauensperson an einem Ordenstreffen erreichen lässt, gehört zu denen, die darüber sprechen können.

Für ein bislang unerforschtes Thema an der Schnittstelle von Theologie, Psychologie und Spiritualität ist die Arbeit ein sorgfältig gearbeiteter erster Zugang.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 93 Seiten. Sie enthält die Hirnforschung zum Verlieben, die kirchenrechtlichen Grundlagen, die Darstellung des Ordenslebens und des Keuschheitsgelübdes sowie die vollständige Auswertung der vier Befragungen entlang der Komponenten des Modells Sexocorporel.

Abstract der Arbeit

Diese Arbeit untersucht das Phänomen des Verliebtseins bei Ordensleuten und die Entscheidungsfindung, was ein bislang unerforschtes Thema an der Schnittstelle von Theologie, Psychologie und Spiritualität ist. Ziel war es, zu erfassen, wie Or- densleute Verliebtheit im Kontext der durch das Keuschheitsgelübde geprägten Le- bensform erleben, deuten und bewältigen. Die Arbeit verbindet aktuelle Ergebnisse der Hirnforschung zum Thema Verlieben mit römisch-katholischen, kirchenrechtli- chen Grundlagen, stellt den Habitus und die Grundlage des Ordenslebens dar mit dem Schwerpunkt des Keuschheitsgelübdes und dem Modell Sexocorporel. Empirisch wurde ein qualitativ-exploratives Vorgehen gewählt: Vier Ordensmänner, die sich im Verlauf ihres Ordenslebens verliebt haben und im Orden verblieben sind, beantworteten einen schriftlichen Fragebogen mit offenen Fragen und einer Ska- lenfrage. Die Teilnehmenden wurden durch einen engagierten «Türöffner» überwie- gend im Rahmen eines Ordenstreffens auf diese Studie aufmerksam. Die Auswer- tung konzentrierte sich anhand der Forschungsfragen auf Vergleiche der Antworten und einer vertieften Zuordnung im Kontext aktueller wissenschaftlicher Literatur. Die Ergebnisse zeigen: Verliebtheit im Ordensleben ist kein randständiges Phäno- men, sondern eine existenzielle Erfahrung mit herausfordernder Ambivalenz. Sie kann zur spirituellen Vertiefung und Reifung beitragen. Die Arbeit leistet einen Bei- trag zur Sichtbarmachung innerer Konflikte im subjektiven Ordensleben und eröffnet neue Perspektiven auf gelebte Spiritualität, die einen Zwiespalt nicht ausschliesst, sondern auf individuelle Weise integriert. Abstract (Englisch Version) This thesis explores a largely under-researched phenomenon at the intersection of theology, psychology and sexuality: the experience of romantic love among mem- bers of Roman Catholic male religious orders. The focus lies on the subjective ex- perience of the inner conflict between the religious vow of chastity and the human longing for intimacy, emotional closeness and physical contact. The empirical basis of the study consists of qualitative written responses from four Catholic male members of a religious order who remained in their communities des- pite having fallen in love. Due to the sensitive nature of the topic, a written survey method was chosen, allowing for anonymous participation and multilingual acess

Anouk Battefeld, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Liebe als Gefahr – Verliebte Ordensleute im Zwiespalt zwischen Bleiben und Gehen

Verfasst von
Anouk Battefeld

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Institutionelle Begleitung · Recht & Ethik · Soziale Arbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Anouk Battefeld: «Liebe als Gefahr – Verliebte Ordensleute im Zwiespalt zwischen Bleiben und Gehen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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