Sandro Körber untersucht in der Masterarbeit «Der (schwierige) Umgang des Rechts mit Sexualität» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.
Das Recht muss Sexualität regeln, ohne sie beschreiben zu können. Diese Arbeit geht diesem Verhältnis rechtsgeschichtlich nach — mit Schwerpunkt auf dem schweizerischen Familienrecht — und ist damit ein Sonderfall in dieser Sammlung.
Worum geht es?
Um zwei Fragen. Erstens: Wie lässt sich Sexualität überhaupt begreifen, verstehen, ja definieren? Zweitens: Wo liegen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der sexualwissenschaftlichen und der juristischen Sicht?
Der Zugang ist rechtsgeschichtlich. Das Recht hat Sexualität zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich gefasst, und diese Fassungen wirken bis in heutige Bestimmungen nach.
Der Autor versteht die Sexualwissenschaft ausdrücklich als nicht in sich geschlossene Disziplin, die auf die Beiträge anderer Fachrichtungen angewiesen ist. Das Recht ist eine davon.
Warum ist das für die Praxis relevant?
Weil sexualberaterische Arbeit ständig auf rechtliche Rahmen trifft — bei Eheschliessung und Trennung, im Kindesschutz, bei Beistandschaften, bei Fragen der Urteilsfähigkeit.
Fachpersonen begegnen diesen Rahmen meist als Vorgaben, die zu beachten sind. Diese Arbeit zeigt, dass sie das Ergebnis historischer Aushandlungen sind — und damit veränderlich.
Für die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist das eine brauchbare Grundlage. Wer versteht, wie Juristinnen und Juristen über Sexualität denken müssen, kann anders mit ihnen sprechen.
Was macht die Arbeit besonders?
Sie ist die einzige der Sammlung, die ohne empirische Erhebung auskommt und ohne die Kategorien des Modells Sexocorporel arbeitet. Keine Interviews, keine Fallzahlen — eine Analyse zweier Denkweisen, die aufeinander angewiesen sind und einander schlecht verstehen.
Für Fachpersonen mit juristischen Berührungspunkten ist sie die einzige Arbeit dieser Sammlung, die diese Verbindung ausdrücklich herstellt.
Wie belastbar sind diese Ergebnisse?
Es handelt sich um eine rechtsgeschichtliche und sexualwissenschaftliche Analyse. Ihre Aussagen sind Argumente, keine Messwerte — und wie bei jeder rechtlichen Betrachtung gilt: Sie bildet einen Rechtsstand ab.
Wer die Arbeit für die Praxis nutzt, sollte den aktuellen Stand der Gesetzgebung prüfen. Die historische Rekonstruktion und die begriffliche Klärung bleiben davon unberührt.
Die Arbeit im Original
Die vollständige Masterarbeit umfasst 100 Seiten. Sie enthält die rechtsgeschichtliche Rekonstruktion des Umgangs des Rechts mit Sexualität, die Auseinandersetzung mit dem schweizerischen Familienrecht sowie die Gegenüberstellung juristischer und sexualwissenschaftlicher Perspektiven.
Abstract der Arbeit
IV Vorwort Die vorliegende Arbeit bildet den «krönenden Abschluss» des Studiums gemäss Studienorganisation für den Master of Arts in Sexologie 2021–2024 am Institut für Sexualpädagogik und Sexualtherapie ISP, Zürich, in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Deutschland. Mit dieser schriftlichen Abhandlung soll der Nachweis erbracht werden, dass ein (sexualwissenschaftliches) Thema ausführlich, gewissenhaft und kritisch bearbeitet werden kann, wobei wissenschaftliches Arbeiten dabei eine zentrale Rolle einnimmt. Dadurch soll auch ein innovativer Beitrag zur Weiterentwicklung der Sexualwissenschaft und Sexualberatung geleistet werden. Auf den Grundlagen der interdisziplinären Sexualwissenschaft verfolgt der weiterführende Lehrgang das Ziel, anwendungsorientiert darauf aufzubauen und die theoretischen Hintergründe mit der Praxis zu verbinden. Qualifizierte Fachleute aus dem sozialen, (psycho-)therapeutischen, medizinischen und pädagogischen Bereich erhalten dadurch die Befähigung, Menschen in ihrer sexuellen Gesundheit und Bildung zu begleiten und zu beraten, damit sie ihre Sexualität weiter entfalten können. Wird die Sexualwissenschaft verstanden als eine nicht in sich geschlossene Wissenschaftsdisziplin, sondern dass auch «Fraktionen» verschiedener Disziplinen mit einzubeziehen sind, um sich auf dieser Grundlage mit den diversen Aspekten der Sexualität und dem diesbezüglichen Umgang des Menschen zu befassen, treten auch verschiedene wissenschaftliche Perspektiven, Herangehensweisen und Würdigungen zutage. Allen an der sexualwissenschaftlichen Lehre beteiligten Disziplinen ist indessen gemein, ihren Teil an den gesamten «Wissenschaften des Sexuellen» beizutragen und so eine multidisziplinäre Sicht zu ermöglichen. Dies gilt auch für die vorliegende Untersuchung, die auf einem wissenschaftlichen Fachgebiet basiert, das sich – wie sich zeigen wird – entweder nur am Rand und implizit oder aber sehr explizit mit der Sexualität der Menschen befasst. Es ist naheliegend, dass die Rechtswissenschaft, die sich mit einem abstrakten Begriff beschäftigt und durch starre Definition, Logik, Konstruktion und Systematik ihre Lehre und Praxis aufbaut, auf einem divergierenden akademischen Konzept und mithin einer anderen Vorgehens- und Betrachtungsweise beruht. Die juristische Terminologie, Fachsprache, und Zitation stehen immer im Spannungsverhältnis zwischen Präzision, Wissenschaftlichkeit und Adressatengerechtigkeit. Diese abweichenden Grunddeutungen sind genauso zu berücksichtigen und zu würdigen, um das integrative Fachgebiet der Sexualwissenschaften diskussions- u
Sandro Körber, Abstract der Masterarbeit, 2024
Angaben zur Arbeit
Titel
Der (schwierige) Umgang des Rechts mit Sexualität unter besonderer Berücksichtigung des schweizerischen Familienrechts : Eine rechtsgeschichtliche und -philosophische Untersuchung
Verfasst von
Sandro Körber
Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4
Jahr
2024
Themen
Recht & Ethik · Sexualtherapie · Sexuelle Bildung
Lizenz und Nachweis. Sandro Körber: «Der (schwierige) Umgang des Rechts mit Sexualität unter besonderer Berücksichtigung des schweizerischen Familienrechts : Eine rechtsgeschichtliche und -philosophische Untersuchung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.
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Weiterführend
- Master of Arts in Sexologie, der Studiengang, aus dem diese Arbeit stammt
- Diplomlehrgang Sexualtherapie
- Diplomlehrgang Sexualpädagogik