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MA3 Masterarbeit

Sextoys, das Versprechen von Lust und Orgasmen

Tamara Schmucki untersucht in der Masterarbeit «Sextoys, das Versprechen von Lust und Orgasmen» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Sextoys werden millionenfach verkauft, und niemand kann genau sagen, was sie eigentlich stimulieren. Diese Arbeit hat die Lücke bemerkt und selbst gefüllt: Sie zeichnet für jede Kategorie von Sextoy auf, welche Areale und tieferen Schichten des weiblichen Geschlechts erreicht werden — samt Vergleich zum Penis.

Was fehlt in der Literatur?

Es gibt wissenschaftliche Modelle des weiblichen Geschlechts, und es gibt Beschreibungen der empfindlichen Zonen. Was fehlt, sind Darstellungen darüber, welche körperliche Wirkung eine bestimmte Stimulationsart mit einem Sexspielzeug tatsächlich hat.

Die Autorin hat diese Darstellungen erstellt. Auf Grundlage eines anatomischen Vulva-Modells legt sie für jedes Toy eine Skizze an und vergleicht die stimulierten Bereiche mit denen bei Penetration durch einen Penis. Sie weist ausdrücklich darauf hin, dass jedes Toy unterschiedlich angewendet werden kann und jeder Körper anders gebaut ist — die Skizzen zeigen je eine mögliche Anwendungsform.

Was stimuliert ein Vibrator tatsächlich?

Der Befund ist anschaulich. Befindet sich ein Vibrator in der Vagina, werden alle umliegenden Gewebe und Organe in Schwingung versetzt. Die Stimulation erreicht das gesamte weibliche Geschlecht: Anus und Enddarm, die Klitorisschenkel, die Vorhofbulben der Klitoris, die Beckenbodenmuskulatur sowie Blase, Harnröhre und Uterus.

Das erklärt, warum die Wirkung so viel weiter reicht als die Berührungsfläche vermuten lässt — und warum sich Geschwindigkeit, Vibrationsstärke, Rhythmus und Einführtiefe unterschiedlich anfühlen. Alle drei befragten Frauen verwenden den Vibrator sowohl aussen an der Vulva als auch innen in der Vagina.

Was bedeutet das für die sexuellen Lernschritte?

Hier liegt der eigentliche Ertrag für die Beratungspraxis. Die Arbeit fragt nicht nur, ob Sextoys wirken, sondern welche sexuellen Lernschritte Frauen zwischen 20 und 30 machen — und welche davon durch ein Sextoy begünstigt und welche möglicherweise verhindert werden.

Diese Unterscheidung ist der Grund, warum die Arbeit über eine Produktbetrachtung hinausgeht. Ein Hilfsmittel, das zuverlässig zum Orgasmus führt, kann einen Lernschritt abkürzen — oder ihn ersetzen. Die Auswertung erfolgt entlang des Modells Sexocorporel und ausdrücklich kritisch.

Wenn in der Beratung die Frage auftaucht, ob ein Toy weiterhilft oder im Weg steht, ist das die Grundlage, um differenziert zu antworten.

Warum überhaupt darüber schreiben?

Die Autorin nennt den Grund selbst: Sextoys sind gesellschaftlich noch immer ein Tabuthema, und um Tabuthemen ranken sich Mythen und falsches Wissen. Ihre Arbeit will beides aufbrechen.

Das erklärt auch die ungewöhnliche Machart. Wer eine Wirkung erklären will, für die es keine Darstellungen gibt, muss sie zuerst zeichnen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Drei qualitative Interviews mit Nutzerinnen, ausgewertet nach Mayring, ergänzt durch eine Literaturrecherche. Drei Frauen sind keine Grundlage für allgemeine Aussagen über die Wirkung von Sextoys.

Die anatomischen Darstellungen sind Herleitungen aus dem Modell, keine Messungen. Sie zeigen plausibel, welche Strukturen bei welcher Anwendung erreicht werden — nicht, wie stark sie im Einzelfall reagieren. Als Erklärungsgrundlage für ein Gespräch bleiben sie dennoch brauchbar.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 99 Seiten. Sie enthält die Definition und Kategorisierung von Sextoys, den Forschungsstand zu ihrer Verbreitung und Wirkung, die anatomischen Vergleichsskizzen, die vollständige Auswertung der drei Interviews und die Einordnung in das Modell Sexocorporel.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit befasst sich mit Sextoys für Frauen. Es wird der Forschungsstand von Sextoys und deren Wirkung untersucht. Der Fokus liegt dabei auf der sexuellen Lust und der Orgasmusfähigkeit von Frauen zwischen 20 und 30 Jahren. Es wird der Frage nachgegangen, welche Lernschritte Frauen in diesem Alter in der Sexualität machen und welche Lernschritte anhand von Sextoys begünstigt oder verhindert werden können. Mit drei qualitativen Interviews werden Nutzerinnen von Sextoys befragt, wie sie diese in der Paarsexualität, sowie der Selbstbefriedigung einsetzen und welchen Nutzen sie daraus für die sexuelle Lust und die Orgasmusfähigkeit ziehen. Zudem wird untersucht, welche Wirkung unterschiedliche Sextoys haben. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse werden anhand des Modells Sexocorporel in Bezug auf die Aktivierung sexueller Lust und dem Auslösen eines Orgasmus kritisch beleuchtet. Sextoys sind noch immer ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. Um Tabuthemen existieren immer auch Mythen und falsches Wissen. Die vorliegende Masterarbeit soll helfen das Tabuthema aufzubrechen und das Wissen über Sextoys zu erweitern.

Tamara Schmucki, Abstract der Masterarbeit, 2022

Angaben zur Arbeit

Titel
Sextoys, das Versprechen von Lust und Orgasmen : Die Wirkung von Sextoys auf die sexuelle Lust und die Orgasmusfähigkeit von Frauen zwischen 20 und 30 Jahren in der Selbstbefriedigung und der Paarsexualität

Verfasst von
Tamara Schmucki

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3

Jahr
2022

Themen
Sexuelles Verlangen · Paarsexualität · Sexuelle Zufriedenheit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Tamara Schmucki: «Sextoys, das Versprechen von Lust und Orgasmen : Die Wirkung von Sextoys auf die sexuelle Lust und die Orgasmusfähigkeit von Frauen zwischen 20 und 30 Jahren in der Selbstbefriedigung und der Paarsexualität». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA3 Masterarbeit

Sexuelle Lust heterosexueller Paare zwischen 50 und 70 Jahren

Marianne Brunner untersucht in der Masterarbeit «Die sexuelle Lust heterosexueller Paare zwischen 50 und 70 Jahren in l» am ISP. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Beim Erleben sexueller Lust geht es nicht in erster Linie um genitale Entladung, sondern um die Verbindung genitaler Erregung mit emotionaler Erregung. Diese Arbeit prüft, was die Lust in langjährigen Beziehungen zwischen fünfzig und siebzig erhält — und findet in Studien, Therapieansätzen und den Erzählungen zweier Paare eine bemerkenswerte Übereinstimmung.

Was erhält die sexuelle Lust im Alter?

Die systematische Literaturrecherche fördert Faktoren zutage, die teils banal und teils überraschend sind: das Vorhandensein einer Partnerin oder eines Partners, die gesundheitliche Verfassung, ein aktiver Lebensstil, die sexuelle Sozialisation in jungen Jahren, die sexuelle Zufriedenheit und der Stellenwert, den Sexualität im bisherigen Leben hatte.

Besonders deutlich bestätigte sich der Einfluss der frühen Prägung: Eine körperfreundliche und sexpositive Umgebung in jungen Jahren erweist sich als förderlich für den Erhalt der Lust Jahrzehnte später. Das ist eine Aussage über Sexualerziehung, verpackt in eine Arbeit über Menschen ab fünfzig.

Dazu kommen drei Wirkfaktoren aus der Studienlage: Verbundenheit und Selbstöffnung, Erotik und Lusterleben.

Genital oder emotional?

Der zentrale Befund der Arbeit liegt in dieser Verbindung. Die befragten Paare beschreiben sexuelle Lust nicht nur genital, sondern ebenso emotional — und bekunden damit ihre Verbundenheit.

Im Modell Sexocorporel wird das als Verbindung von oberer und unterer Schaukel beschrieben, umgangssprachlich: die Verbindung von Genital und Herz. Beide Paare nennen sie, und viele Studien zeigen dasselbe. Sexuelle Lust hat nach dieser Lesart die Fähigkeit, Verbundenheit, Selbstoffenbarung, Verletzlichkeit und Ergriffenheit erlebbar zu machen wie kaum etwas anderes — die Paare gebrauchen dafür Wörter wie Ekstase und Verschmelzung.

Eine allgemeingültige Definition sexueller Lust findet die Arbeit weder in der Literatur noch bei den Paaren. Diese Vielfalt selbst ist ein Ergebnis.

Wie wurde das erhoben?

Die Arbeit verbindet eine systematische Literaturrecherche mit zwei ausführlichen Leitfadeninterviews mit sexuell aktiven Paaren um die siebzig, die seit Jahrzehnten zusammenleben.

Ungewöhnlich ist ein methodisches Detail: Die Interviewten verfassten kurze Gedichte zur sexuellen Lust. In der Reduktion der Worte, schreibt die Autorin, zeigten sich Dichte und Tiefe — und bei einem der Paare wird gerade darin die Verbindung von Genital und Herz sichtbar. Beide Partner begannen ihr Gedicht mit demselben Wort: Freude.

Bei diesem Paar zeigt sich zudem etwas, das die Arbeit nicht auflöst, aber festhält: Schwere Schicksalsschläge über fast fünfzig gemeinsame Jahre hatten das Paar nicht getrennt, sondern näher zusammengebracht.

Was heisst das für die Beratung?

Die Arbeit stellt drei körperorientierte sexualtherapeutische Ansätze nebeneinander und zeigt, was jeder beitragen kann: Sexual Crucible nach Schnarch, Sexocorporel nach Desjardins und Sensate Focus nach dem Hamburger Modell.

Daraus wird ersichtlich, welchen Beitrag eine Sexualberatung zur Erhaltung der sexuellen Lust leisten kann — und zwar ohne die Erwartung, den Zustand von vor dreissig Jahren wiederherzustellen. Die Zielrichtung ist eine andere: die genitale Erregung mit der emotionalen zu verbinden.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Der Literaturteil ist systematisch gearbeitet und trägt den Hauptteil der Aussagen. Die beiden Interviews sind ausdrücklich exemplarisch — zwei Paare belegen nichts, sie veranschaulichen.

Die Auswahl verstärkt das: Befragt wurden sexuell aktive Paare in langjährigen Beziehungen. Wie es Paaren ergeht, bei denen die Lust erloschen ist, zeigt diese Arbeit nicht. Die hohe Übereinstimmung zwischen Studienlage, Therapieansätzen und den Schilderungen bleibt dennoch bemerkenswert.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 103 Seiten. Sie enthält die systematische Literaturrecherche zu sexueller Lust, den altersbedingten körperlichen Veränderungen und den Wirkfaktoren, die Darstellung der drei sexualtherapeutischen Ansätze sowie die vollständige Auswertung der beiden Paarinterviews.

Abstract der Arbeit

In der vorliegenden Masterarbeit wird untersucht, welche Wirkfaktoren zur Erhaltung der sexuellen Lust von Frauen und Männern in langjährigen Beziehungen unter Einbezug altersbedingter körperlicher Veränderungen beitragen. Zur Beantwortung dieser Frage wird in einem ersten Teil eine systematische Literaturrecherche vorgenommen, welche sich der Definition von sexueller Lust, den Gemeinsamkeiten und Unterschieden der sexuellen Lust von Frauen und Männern, den Entwicklungen der sexuellen Lust in langjährigen Beziehungen und den körperlichen Veränderungen bei Frauen und Männern im Alter von 50 bis 70 Jahren widmet. Es zeigt sich, dass für den Erhalt der sexuellen Lust im Alter das Vorhandensein eines Partners, bzw. einer Partnerin, die gesundheitliche Verfassung und ein aktiver Lebensstil, die sexuelle Sozialisation in jungen Jahren, die sexuelle Zufrieden- heit sowie der Stellenwert der Sexualität im Verlaufe des Lebens ausschlaggebend sind. Weiter werden aufgrund von Studienergebnissen die Wirkfaktoren «Verbundenheit und Selbstöffnung», «Erotik» und «Lusterleben» dargestellt, welche wesentlich zum Erhalt der sexuellen Lust in einer langjährigen Beziehung beitragen. Diese werden ergänzt mit praxisnahen Beiträgen von den drei körperorientierten sexualtherapeutischen Ansätzen «Sexual crucible» nach Schnarch, «Sexocorporel» nach Desjardins und «Sensate Focus» nach dem Hamburger Modell. Dadurch wird ersichtlich, welchen Beitrag eine Sexual- beratung zur Erhaltung der sexuellen Lust leisten kann. In zwei exemplarischen Leitfaden- interviews mit sexuell aktiven Paaren in einer langjährigen Beziehung und im Alter von rund 70 Jahren werden die gleichen Themenbereiche erforscht und die Ergebnisse mit den Erkenntnissen aus der Literatur und den sexualtherapeutischen Ansätzen verglichen. Daraus werden konkrete Empfehlungen für die Sexualberatung abgeleitet.

Marianne Brunner, Abstract der Masterarbeit, 2022

Angaben zur Arbeit

Titel
Die sexuelle Lust heterosexueller Paare zwischen 50 und 70 Jahren in langjährigen Beziehungen : Wirkfaktoren, welche zur Erhaltung der sexuellen Lust von Frauen und Männern beitragen, unter Einbezug körperlicher Veränderungen im Alter – aufgezeigt anhand von Studien, Befragungen und drei sexualtherapeutischen Ansätzen

Verfasst von
Marianne Brunner

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3

Jahr
2022

Themen
Sexualität im Alter · Sexualtherapie · Sexuelles Verlangen · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Marianne Brunner: «Die sexuelle Lust heterosexueller Paare zwischen 50 und 70 Jahren in langjährigen Beziehungen : Wirkfaktoren, welche zur Erhaltung der sexuellen Lust von Frauen und Männern beitragen, unter Einbezug körperlicher Veränderungen im Alter – aufgezeigt anhand von Studien, Befragungen und drei sexualtherapeutischen Ansätzen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA3 Masterarbeit

Sexuelle Lust im Kontext der Sexarbeit

Ricarda Bacchi und Linda Spörri untersucht in der Masterarbeit «Sexuelle Lust im Kontext der Sexarbeit» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Forschung zur Sexarbeit blickt meist auf die — überwiegend männlichen — Freier. Diese Arbeit dreht die Perspektive um und fragt die Sexarbeitenden selbst: Unterscheidet sich ihr Lustempfinden im beruflichen Sex von dem im privaten? Die Antwort fällt anders aus als erwartet.

Woran hängt das Lustempfinden?

Nicht am Kontext, sondern an der eigenen Geschichte. Das Lustempfinden der Befragten bezieht sich in erster Linie auf ihre persönlichen sexuellen Lernschritte.

Daraus folgt der zentrale Befund: Können sie ihre Tätigkeit in einem sicheren Umfeld ausüben, frei von Zwang und ohne negative Erfahrungen, kann das Lustempfinden im beruflichen Sex ebenso wahrgenommen werden wie im privaten.

Das widerspricht der verbreiteten Annahme, beruflicher Sex sei per se lustlos. Es widerspricht ebenso der Vorstellung, er sei unproblematisch — die Bedingungen im Satz sind entscheidend.

Wie wurde vorgegangen?

Die Arbeit ordnet zunächst den Sexmarkt Schweiz mit Schwerpunkt auf der Stadt Zürich ein und erläutert die einschlägigen Begriffe und Gesetzesartikel — eine Grundlage, die man selten so ausführlich findet.

Anschliessend wurden je drei Interviews mit Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern geführt. Ausgewertet wurden sie entlang der Dimensionen des Modells Sexocorporel, darunter sexueller Archetyp, sexuelle Anziehungscodes, sexuelle Fantasien und sexuelles Lustempfinden.

Dass auch Sexarbeiter befragt wurden und nicht nur Sexarbeiterinnen, ist ungewöhnlich und erweitert das Bild.

Was ist das Anliegen der Autorinnen?

Sie formulieren es selbst: Die Leserschaft soll ein vertieftes Verständnis und eine Wertschätzung gegenüber dem Beruf der Sexarbeit entwickeln.

Damit ist die Arbeit auch ein Beitrag zur Entstigmatisierung — und sie liefert das Material dafür nicht über ein Plädoyer, sondern über die Schilderungen der Befragten.

Es ist zudem die einzige Arbeit dieser Sammlung, die von zwei Personen gemeinsam verfasst wurde. Die Verantwortlichkeiten sind im Text kapitelweise gekennzeichnet.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Sechs Interviews, ausgewertet entlang eines festen Kategoriensystems. Sexarbeit umfasst sehr unterschiedliche Arbeitsbedingungen, Rechtsstellungen und Abhängigkeiten — sechs Personen bilden dieses Feld nicht ab.

Wer sich für ein Interview über das eigene Lustempfinden zur Verfügung stellt, arbeitet zudem wahrscheinlich unter vergleichsweise guten Bedingungen. Genau diese Bedingungen sind aber die Voraussetzung im Hauptbefund — die Arbeit beschreibt also, was möglich ist, nicht was üblich ist.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 132 Seiten. Sie enthält die Einordnung des Sexmarkts Schweiz mit Begriffen und Gesetzesartikeln, die vollständige Auswertung der sechs Interviews entlang der Dimensionen des Modells Sexocorporel sowie die Erkenntnisse für die sexologische Tätigkeit.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der sexuellen Lust im Bereich der Sexarbeit. Anders als in vielen Forschungsarbeiten, wird hier die Perspektive seitens der Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter erforscht und nicht jene der meist männlichen Freier. Somit wird der Frage nachgegangen, inwiefern sich das sexuelle Lustempfinden von Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter der Stadt Zürich hinsichtlich des beruflichen Sex und privatem Sex unterschei- det. Um diese Frage zu beantworten, wird zunächst der Sexmarkt Schweiz, mit Fokus auf die Stadt Zürich, näher betrachtet und verschiedene Begriffe sowie Gesetzesartikel detailliert erläutert. Um in die Lebenswelten der Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter einzutauchen und ihre Sexualität möglichst ganzheitlich zu verstehen, wurden von beiden Geschlechtern je- weils drei Interviews durchgeführt. Die gewonnen Daten wurden strukturiert, ausgewertet, mit der Theorie verknüpft und diskutiert. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich das sexuelle Lustempfinden der Sexar- beiterinnen und Sexarbeiter in erster Linie auf ihre Lernschritte ihrer persönlichen Sexualität bezieht. Können sie in einem sicheren Umfeld, frei von Zwang und negativen Erfahrungen ihre Tätigkeit ausüben, kann das Lustempfinden im beruflichen Sex gleichermassen wahr- genommen werden, wie im privaten Sex. Die Autorinnen der vorliegenden Arbeit erhoffen sich, dass die Leserschaft ein vertieftes Verständnis und eine Wertschätzung gegenüber dem Beruf der Sexarbeit entwickelt und die spannenden sexuellen Facetten erkennt. Schlüsselbegriffe Sexarbeit – Sexuelle Lust – Sexocorporel – Sexarbeiterinnen – Sexarbeiter – Zürich – Sexmarkt – Vulnerabilitätsfaktoren – Sexuelle Gesundheit – Polyvagaltheorie

Ricarda Bacchi und Linda Spörri, Abstract der Masterarbeit, 2022

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexuelle Lust im Kontext der Sexarbeit – Eine Gegenüberstellung von sexueller Lust zwischen beruflichem und privatem Sex von Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern

Verfasst von
Ricarda Bacchi und Linda Spörri

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3

Jahr
2022

Themen
Sexarbeit · Sexuelles Verlangen · Sexuelle Fantasien · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Ricarda Bacchi und Linda Spörri: «Sexuelle Lust im Kontext der Sexarbeit – Eine Gegenüberstellung von sexueller Lust zwischen beruflichem und privatem Sex von Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Sexuelle Lust und Unlust von Frauen im Zusammenhang mit hormoneller Empfängnisverhütung

Christina Schnurrenberger untersucht in der Masterarbeit «Sexuelle Lust und Unlust von Frauen im Zusammenhang mit hormoneller Empfängnisverhütung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

«Seit ich die Pille nehme, ist die Lust weg» — der Satz fällt in Beratungen regelmässig, und ebenso regelmässig bleibt offen, was daran am Hormon liegt. Diese Arbeit nimmt einen zweiten Faktor dazu, der sonst getrennt behandelt wird: das erlernte körperliche Verhalten in der Sexualität.

Warum zwei Faktoren statt einem?

Weil beide gleichzeitig wirken. Die hormonelle Empfängnisverhütung greift in den Hormonhaushalt ein — und wie eine Frau ihren Körper beim Sex einsetzt, ist erlernt und veränderbar.

Wer nur auf das Präparat schaut, hat für den Fall, dass ein Wechsel nichts bringt, keine zweite Karte. Genau darum geht es dieser Arbeit: den Blick auf beides zu richten.

Untersucht werden dabei nicht «Lust» als Ganzes, sondern drei Grössen getrennt — sexuelles Verlangen, sexuelles Vergnügen und sexuelle Motivation.

Was hat die Befragung ergeben?

Die Aussagen der sechs befragten Frauen im gebärfähigen Alter stützen die Annahme: Sowohl die hormonelle Empfängnisverhütung als auch das erlernte körperliche Verhalten können sich auf die sexuelle Lust auswirken.

Aufschlussreicher ist der Zusammenhang zwischen den drei Grössen. Das sexuelle Vergnügen kann auf das Verlangen und auf die Motivation wirken — und die Motivation wiederum auf das Verlangen.

Das ist keine Nebensache, sondern eine andere Reihenfolge als die vertraute. Nicht das Verlangen führt zum Vergnügen, sondern das Vergnügen kann Verlangen erzeugen. Wer wartet, bis Lust da ist, wartet womöglich am falschen Ende.

Was heisst das für die Beratung?

Wenn eine Frau nach einem Wechsel des Verhütungsmittels fragt, ist das eine legitime Frage — aber selten die einzige. Diese Arbeit zeigt, wo daneben anzusetzen wäre: beim körperlichen Verhalten während der Erregung, das sich erlernen und verändern lässt.

Die Autorin ist bei der Reichweite ihrer Daten ausdrücklich vorsichtig. Sechs Interviews erlauben keine allgemeinen Schlüsse; um kausale Zusammenhänge zwischen Einflussfaktoren und sexueller Lust allgemeingültig zu formulieren, brauche es eine deutlich grössere Teilnehmerzahl. Sie benennt diesen Forschungsbedarf selbst.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine Aufarbeitung des Forschungsstands verbunden mit einer qualitativen Befragung von sechs Frauen im gebärfähigen Alter.

Ein methodischer Punkt verdient Beachtung: Die Leitfragen liessen sich den Befragten nicht direkt stellen — niemand kann aus dem Stand sagen, ob ein Präparat seine sexuelle Motivation beeinflusst. Sie wurden deshalb in Interviewfragen übersetzt. Die Auswertung ist damit eine Deutung von Schilderungen, keine Messung.

Was die Arbeit leistet, ist die Verbindung zweier Erklärungswege, die sonst getrennt verhandelt werden.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 151 Seiten. Sie enthält die Aufarbeitung früherer Forschung zu hormoneller Verhütung und sexueller Lust, die theoretischen Grundlagen zum erlernten körperlichen Verhalten sowie die vollständige Auswertung der sechs Interviews.

Abstract der Arbeit

Abstrakt Einführung: In der Masterarbeit fasst die Verfasserin die Ergebnisse anderer Forschungen und die Ergebnisse eigener Untersuchungen zum Thema der beiden Faktoren zusammen, welche die sexuelle Lust bei Frauen beeinflussen – die hormonelle Empfängnisverhütung und das erlernte körperliche Verhalten in der Sexualität. Methodik: Forschungsarbeit mit Aufarbeitung der Ergebnisse früherer, von anderen durchgeführter Forschungen und der Ergebnisse der eigenen Untersuchung mittels qualitativer Befragung von sechs Frauen im gebärfähigen Alter. Ergebnis: Aufgrund der bei der Befragung erhaltenen Antworten wurde aufgezeigt, dass die hormonelle Empfängnisverhütung und das erlernte körperliche Verhalten in der Sexualität Einfluss auf die sexuelle Lust haben können (auf das sexuelle Verlangen und das sexuelle Vergnügen). Der Untersuchung nach kann das sexuelle Vergnügen Auswirkungen auf das sexuelle Verlangen und die sexuelle Motivation haben. Gleichermassen wirkt sich die sexuelle Motivation auf das sexuelle Verlangen aus. Schlussfolgerung: Die hormonelle Empfängnisverhütung und das erlernte körperliche Verhalten können sich auf das sexuelle Verlangen, das sexuelle Vergnügen und die sexuelle Motivation bei Frauen auswirken. Da die Befragung jedoch lediglich unter Mitwirkung von sechs Frauen durchgeführt wurde, ist eine weiterführende Forschung notwendig, um unter Einbindung einer höheren Anzahl an Frauen allgemeine Schlussfolgerungen ziehen zu können. Mit einer erhöhten Teilnehmerzahl könnten die kausalen Zusammenhänge zwischen Einflussfaktoren und sexueller Lust allgemeingültig formuliert werden.

Christina Schnurrenberger, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexuelle Lust und Unlust von Frauen im Zusammenhang mit hormoneller Empfängnisverhütung und erlerntem körperlichem Verhalten in der Sexualität

Verfasst von
Christina Schnurrenberger

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Verhütung · Sexuelles Verlangen · Schwangerschaft & Geburt

Lizenz und Nachweis. Christina Schnurrenberger: «Sexuelle Lust und Unlust von Frauen im Zusammenhang mit hormoneller Empfängnisverhütung und erlerntem körperlichem Verhalten in der Sexualität». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Körperorientierte Übungen zu genitaler Wahrnehmung und sexueller Lust

Claudia Märki untersucht in der Masterarbeit «Körperorientierte Übungen zu genitaler Wahrnehmung und sexueller Lust» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Für Frauen, die etwas über den eigenen Körper und die eigene Lust lernen möchten, gibt es Ratgeber und Therapie — dazwischen kaum etwas. Diese Arbeit hat die Lücke nicht nur beschrieben, sondern gefüllt: mit einem Kurs, der entwickelt, durchgeführt und ausgewertet wurde.

Warum braucht es das Angebot?

Die Begründung setzt ungewöhnlich an. Statt von einem Defizit auszugehen, zeigt die Arbeit auf, welche sexuellen Rechte für heterosexuelle Frauen noch nicht erfüllt sind — und leitet daraus die Notwendigkeit eines Bildungsangebots ab.

Daraus entstand ein Curriculum und der Kurs «lustvoll sexuell». Er verfolgt drei Ziele: die genitale Wahrnehmung fördern, anatomisches Wissen über das weibliche Geschlecht vermitteln und den positiven genitalen Selbstbezug stärken.

Die Werkzeuge stammen aus der achtsamkeitsbasierten Sexualtherapie, dem Modell Sexocorporel und der Sportdidaktik — eine Kombination, die man selten zusammen sieht.

Was hat der Kurs bewirkt?

Die Evaluation zeigt exemplarisch, dass die gesetzten Ziele erreicht wurden: eine erste Verbesserung der genitalen Wahrnehmung, ein messbarer Wissenszuwachs, ein gestärkter positiver Selbstbezug.

Das stärkste Ergebnis war jedoch ein anderes, das im Konzept gar nicht als Ziel stand: der offene Austausch. Die Teilnehmerinnen erachteten ihn als grösste Stärke des Kurses.

Dieselbe Beobachtung machen mehrere andere Arbeiten dieser Sammlung. Wer ein Gruppenangebot plant, sollte den Austausch nicht als Beiwerk einplanen, sondern als Wirkstoff.

Was macht ein gutes Bildungsangebot aus?

Die Arbeit formuliert es so: Ein körperorientiertes Angebot, lustfreundlich und sexualitätsbejahend gestaltet, schafft ein sicheres Erfahrungsfeld für individuelle sexuelle Lernprozesse — auf kognitiver, emotionaler und körperlicher Ebene zugleich.

Der Grundgedanke dahinter: Die Fähigkeit zu sexueller Erregung ist angeboren, sexuelles Lernen aber findet lebenslang statt und beginnt in frühester Kindheit. Was gelernt wurde, lässt sich auch später erweitern.

Wer selbst ein Angebot aufbauen will, findet hier ein vollständig durchgerechnetes und erprobtes Konzept.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Der Kurs wurde von der Autorin entwickelt, selbst durchgeführt und selbst evaluiert. Das ist bei einer Konzeptarbeit üblich, färbt aber auf die Rückmeldungen ab.

Die Evaluation ist ausdrücklich exemplarisch angelegt — sie zeigt an einem Durchgang, dass die Ziele erreichbar sind, nicht dass sie regelmässig erreicht werden. Eine Kontrollgruppe oder eine Nachbefragung nach längerer Zeit gibt es nicht.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 120 Seiten. Sie enthält die Begründung aus den sexuellen Rechten, die Analyse der Faktoren, die sexuelles Lernen bei Frauen einschränken, das vollständige Curriculum und Kurskonzept sowie die Auswertung der Durchführung.

Abstract der Arbeit

Bildungsangebote für die sexuelle Erwachsenenbildung gibt es bislang wenige. Die vorliegende Arbeit erstellt theoriegeleitet ein Konzept für eine Bildungsveranstaltung der sexuellen Erwachsenenbildung für heterosexuelle Frauen. Darin wird gezeigt, welche Faktoren den sexuellen Lernprozess von heterosexuellen Frauen beschränken. Die vorliegende Arbeit begründet die Entwicklung eines Curriculums zur Unterstützung des sexuellen Lernens auf Grundlage der sexuellen Rechte. Ein Kurs „lustvoll sexuell“ wird entwickelt, durch den Frauen grundlegendes anatomisches Wissen vermittelt wird. Es wird der positive, genitale Selbstbezug gestärkt und durch Körperübungen wird die genitale Wahrnehmung gefördert. Es werden Werkzeuge aus der achtsamkeitsbasierten Sexualtherapie, dem Modell Sexocoporel und der Sportdidaktik vorgestellt. Der entwickelte Kurs wird von der Verfasserin durchgeführt und evaluiert. Die Evaluation wertet den Inhalt des Kurses und den durch die Körperübungen erreichten Lerntransfer zur Verbesserung der genitalen Wahrnehmung exemplarisch aus. Die Auswertung zeigt, dass bei der Zielgruppe eine erste Verbesserung der genitalen Wahrnehmung stattfindet, das vermittelte Wissen einen Lernzuwachs erzielt und der positive genitale Selbstbezug gefördert wird. Das offene Sprechen erweist sich als stärkstes Ergebnis des Kurses. Damit stellt die durch die vorliegende Arbeit konzipierte Bildungsveranstaltung eine wirksame Massnahme in der sexuellen Gesundheitsförderung von heterosexuellen Frauen dar.

Claudia Märki, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Körperorientierte Übungen zu genitaler Wahrnehmung und sexueller Lust in der sexuellen Erwachsenenbildung

Verfasst von
Claudia Märki

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Körperarbeit · Genitales Selbstbild · Sexuelles Verlangen

Lizenz und Nachweis. Claudia Märki: «Körperorientierte Übungen zu genitaler Wahrnehmung und sexueller Lust in der sexuellen Erwachsenenbildung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Sexuelle Lust von Frauen im Alter von 40+ in langfristigen Beziehungen

Katja Merk untersucht in der Masterarbeit «Sexuelle Lust von Frauen im Alter von 40+ in langfristigen Beziehungen» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Frauen, bei denen die Lust nach zwanzig Jahren Beziehung noch da ist, haben kein Glück gehabt. Sie tun etwas dafür. Das ist der Kernbefund dieser Arbeit — und er widerspricht der verbreiteten Annahme, sexuelle Lust sei eine Eigenschaft, die man hat oder eben nicht.

Was aktiviert sexuelle Lust in einer langen Beziehung?

Drei Frauen über vierzig, alle seit mehr als zwanzig Jahren in derselben Beziehung, wurden ausführlich befragt. Was sie beschreiben, ist konkret und erlernbar.

Der Zugang zum eigenen Geschlecht und eine hohe sexuelle Selbstsicherheit wirkten sich deutlich positiv auf die Lust aus. Dazu kommt der Einsatz des Körpers während der Erregung: Bewegung, der Wechsel von Anspannung und Entspannung sowie tiefe Atmung aktivieren und steigern die Lust.

Voraussetzungen nennen die Befragten ebenfalls beim Namen — nicht gestresst sein, sich hingeben können, einen freien Kopf haben. Und die Wahrnehmung beim eigenen Körper zu halten statt beim Partner. Weiter aktivieren sie ihre Lust über sexuelle Fantasien und über Emotionen, die etwa Filme oder Musik auslösen.

Kommt die Lust vor oder nach der Erregung?

Hier liegt der Befund, der die verbreitete Erwartung am deutlichsten verschiebt. Anders als am Anfang einer Beziehung stellt sich die Lust bei den Befragten häufig erst nach der sexuellen Erregung ein — nicht davor.

Das hat praktische Folgen. Wer darauf wartet, Lust zu verspüren, bevor er sich auf Sexualität einlässt, wartet unter Umständen auf etwas, das sich in dieser Reihenfolge gar nicht mehr einstellt. Die anfängliche Verliebtheit, aus der sich die Lust am Beginn einer Beziehung speist, lässt mit der Zeit nach — was danach kommt, funktioniert anders.

Und was in einer Begegnung gelingt, wirkt weiter: Die Befragten beschreiben, dass eine gute Erfahrung die Lust auf die nächste erhöht.

Spielt das Alter eine Rolle?

Kaum. Nach den Ergebnissen dieser Arbeit ist nicht das tatsächliche Alter der Frau entscheidend, sondern die Dauer der Beziehung. Was verlorengeht, ist nicht die körperliche Fähigkeit, sondern der Antrieb aus der Verliebtheit — und der muss durch etwas anderes ersetzt werden.

Das ist eine ermutigende Aussage für Frauen, denen erklärt wird, in ihrem Alter sei das eben so. Und es verschiebt die Frage: nicht «was ist mit mir nicht in Ordnung», sondern «was tue ich dafür».

Was heisst das für die Beratung?

Kommt eine Frau mit einem Anliegen zur sexuellen Lust in die Praxis, empfiehlt die Arbeit, drei Bereiche genauer anzusehen: den Zugang zum eigenen Geschlecht, die sexuelle Selbstsicherheit und den Einsatz des Körpers während der Erregung.

Das Modell Sexocorporel sieht ein solches Vorgehen ohnehin vor — erst evaluieren, dann gezielt vorhandene Ressourcen stärken. Diese Arbeit belegt, dass sich der genaue Blick auf diese drei Bereiche lohnt.

Einen zweiten Schluss zieht die Autorin über die Beratung hinaus: Die Grundlagen für sexuelle Selbstsicherheit und einen guten Zugang zum eigenen Geschlecht werden in der Kindheit gelegt. Eine Erziehung, die die sexuelle Entwicklung zulässt und frei von Scham- und Schuldgefühlen ist, wirkt Jahrzehnte später.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Drei Interviews, ausgewertet nach Mayring. Die Autorin hält fest, dass weitere Gespräche womöglich weitere Aspekte zutage gefördert hätten.

Wichtiger noch ist die Auswahl: Befragt wurden ausschliesslich Frauen über vierzig in langjährigen Beziehungen, die noch immer Lust auf Sex mit ihrem Partner verspüren. Eine Vergleichsgruppe gibt es nicht. Die Arbeit zeigt also, was diese Frauen tun — nicht, dass genau das bei anderen wirken würde. Als Sammlung dessen, was in der Praxis funktioniert, bleibt sie dennoch aufschlussreich.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 99 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu sexueller Lust, die Einordnung in das Modell Sexocorporel, die vollständige Auswertung der drei Interviews und die Ableitungen für die Beratungspraxis.

Abstract der Arbeit

In langfristigen Beziehungen sinkt nach den Erkenntnissen der Literatur bei einem Grossteil der Frauen die sexuelle Lust, während sie bei anderen erhalten bleibt. Einen wesentlichen Einfluss auf die sexuelle Lust haben das Kennen eigener Bedürfnisse, deren Kommunikation in der Beziehung, die sexuelle Selbstsicherheit, die Wahrnehmung der eigenen Vagina und Vulva sowie der Einsatz des Körpers während der Erregungssteigerung. Das Ziel dieser Arbeit besteht darin herauszufinden, wie Frauen in langfristigen Beziehungen ihre sexuelle Lust aktivieren und steigern und welche Rolle dabei der Zugang zum eigenen Geschlecht, der Einsatz des Körpers während der Erregungssteigerung sowie die sexuelle Selbstsicherheit spielen. Mit Hilfe von drei leitfadengestützten Interviews wurden drei Frauen im Alter von 40+, welche alle seit über 20 Jahren in einer festen Beziehung leben, befragt. Die erhobenen Daten wurden mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass die sexuelle Lust im Vergleich zum Beziehungsanfang häufig erst nach der sexuellen Erregung eintritt. Voraussetzungen wie nicht gestresst sein, sich hingeben können und einen freien Kopf haben helfen sexuelle Lust aufkommen zu lassen. Die eigene Wahrnehmung beim eigenen Körper zu haben fördert die sexuelle Lust. Die Erregung und den Genuss durch tiefe Atmung und Bewegung des Beckens zu erhöhen sowie eigene Wünsche mitzuteilen steigern die sexuelle Lust ebenfalls und wirken sich positiv auf das Aufkommen letzterer für eine nächste sexuelle Begegnung aus. Weiter aktivieren Frauen ihre sexuelle Lust durch sexuelle Fantasien sowie durch Emotionen, welche beispielsweise durch Filme oder Musik hervorgerufen werden.

Katja Merk, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexuelle Lust von Frauen im Alter von 40+ in langfristigen Beziehungen – Die Rolle des Zugangs zum eigenen Geschlecht, der Art und Weise den Körper bei sexueller Erregung einzusetzen sowie der sexuellen Selbstsicherheit

Verfasst von
Katja Merk

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Sexuelles Verlangen · Selbstwirksamkeit · Sexuelle Fantasien

Lizenz und Nachweis. Katja Merk: «Sexuelle Lust von Frauen im Alter von 40+ in langfristigen Beziehungen – Die Rolle des Zugangs zum eigenen Geschlecht, der Art und Weise den Körper bei sexueller Erregung einzusetzen sowie der sexuellen Selbstsicherheit». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Effects of Feminist Pornography Consumption on Women

Kristi Moore untersucht in der Masterarbeit «Effects of Feminist Pornography Consumption on Women» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Die Debatte über Pornografie dreht sich meist um Schaden. Diese Arbeit stellt eine andere Frage: Lässt sich feministische Pornografie als therapeutische Intervention nutzen, wenn eine Frau mehr sexuelle Aktivität möchte — und was braucht es dafür?

Wie wurde das untersucht?

Die Autorin führte Interviews mit drei Frauen vor und nach der Teilnahme an einem Workshop zu feministischer Pornografie. Die Arbeit ist auf Englisch verfasst.

In den Gesprächen vor dem Workshop ging es um fünf Bereiche: das Bewusstsein für das eigene Genital und die subjektive Erregung, die vorhandenen Mittel zur Erregungssteigerung, die sexuelle Selbstsicherheit, die Einstellungen und Überzeugungen zu Pornografie sowie das Ausmass, in dem die Frau Verantwortung für ihre Sexualität übernimmt.

Der theoretische Teil arbeitet den Unterschied zwischen Mainstream- und feministischer Pornografie auf, dazu den Forschungsstand zu subjektiver und genitaler Erregung, die Rolle des emotionalen Kontexts sowie die Sicht des Modells Sexocorporel.

Was ist das Ergebnis?

Die Autorin hält nach vier Monaten Arbeit an ihrer Ausgangsthese fest: Das Betrachten sexuell relevanten Materials ist eine wirksame und effiziente Methode, die sexuelle Erregungsreaktion zu aktivieren.

Feministische Pornografie sieht sie darüber hinaus als einen Weg, über den Frauen Neues entdecken und sich selbst ermächtigen können — Sexualität als Quelle von Wohlbefinden und Lust zu erleben.

Entscheidend ist dabei nicht der Konsum an sich. Ihre These verbindet drei Bedingungen: eine bewusste Absicht beim Schauen, das Wissen um die eigene Erregungsreaktion und Pornografiekompetenz — begleitet durch Bildung und fachliche Unterstützung.

Was heisst das für die Beratung?

Es ist ein Gegenentwurf zur reinen Konsumreduktion. Wo Pornografie sonst als Problem behandelt wird, fragt diese Arbeit, unter welchen Bedingungen sie ein Mittel sein kann.

Für Fachpersonen, die mit Frauen an Erregung und Verlangen arbeiten, erweitert das die zur Verfügung stehenden Zugänge — vorausgesetzt, die genannten Bedingungen werden mitgedacht.

Ein Vergleich mit der Arbeit von Joana Bösch aus dem Jahrgang MA3 lohnt sich: Diese nähert sich Pornografie über den malerischen Prozess und aus weiblicher Perspektive.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Drei Frauen, vor und nach einem Workshop befragt. Das ist eine sehr kleine Grundlage für eine These über Wirksamkeit.

Die Autorin formuliert ihre Schlüsse denn auch als Überzeugung, an der sie festhält — nicht als Nachweis. Wer die Arbeit liest, sollte diese Unterscheidung mitlesen.

Der Wert liegt in der Fragestellung: Sie ist in der deutschsprachigen Sexualberatung selten und öffnet eine Perspektive, die sonst der Schadensdebatte überlassen bleibt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 96 Seiten und ist auf Englisch verfasst. Sie enthält die Unterscheidung von Mainstream- und feministischer Pornografie, den Forschungsstand zu Erregung, die Einordnung in das Modell Sexocorporel sowie die Auswertung der Interviews vor und nach dem Workshop.

Abstract der Arbeit

With this master’s thesis, the author examines three women’s pornography viewing behaviors and proposes that women who view feminist pornography with a purpose, along with awareness of their sexual arousal response, combined with pornography competence are able to increase the quantity of sexual activities they engage in. This is especially the case after attendance at an educational workshop and combined with support from a sexual health professional. A mixed methods study was conducted, which included an examination of the differences between mainstream and feminist pornography, a review of recent research on subjective and genital arousal, a review of recent work on how emotional context affects arousal and the potentially positive effects of feminist pornography viewing behaviors. This work also examines pornography viewing behaviors from the perspective of Sexocorporel. Feminist pornography is proposed as an aid for arousal and also for empowering oneself to experience sexual activities as a source of well-being and pleasure.

Kristi Moore, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Effects of Feminist Pornography Consumption on Women

Verfasst von
Kristi Moore

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Sexuelles Verlangen · Sexualtherapie · Sexuelle Bildung · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Kristi Moore: «Effects of Feminist Pornography Consumption on Women». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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