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MA3 Masterarbeit

Substance linked sex – sexuality under psychoactive substances

Agnes Silvani untersucht in der Masterarbeit «Substance linked sex – sexuality under psychoactive substances» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Sex unter Substanzeinfluss wird öffentlich fast nur als Chemsex verhandelt — bezogen auf Männer, die Sex mit Männern haben, und mit Blick auf Schäden und Todesfälle. Diese Arbeit wählt einen anderen Ausschnitt und einen anderen Ausgangspunkt: überwiegend heterosexuelle Personen, und die Frage, was sie dabei erleben.

Was untersucht die Arbeit?

Sie fragt nach körperlichen, psychischen und zwischenmenschlichen Veränderungen während Sex unter Substanzeinfluss — und zwar aus der Sicht des Modells Sexocorporel. Ein zweites Ziel ist, daraus abzuleiten, was für die sexualtherapeutische Praxis folgt.

Grundlage sind ausführliche qualitative Interviews mit sieben Personen, die solche Erfahrungen kürzlich gemacht haben. Die Arbeit ist auf Englisch verfasst.

Der Zugang ist salutogen: Nicht der Schaden steht am Anfang, sondern die Frage, was Menschen dabei erleben. Studien mit dieser Ausrichtung gibt es nur eine Handvoll.

Was verändert sich?

Die geschilderten Veränderungen fallen sehr unterschiedlich aus — und werden entlang der sexologischen Kategorien des Modells analysiert, statt in einer allgemeinen Wirkungsbeschreibung zu verschwinden.

Die Arbeit fragt darüber hinaus, was von diesen Erfahrungen dauerhaft bleibt. Das ist der für die Beratung entscheidende Punkt: Nicht was während des Konsums geschieht, sondern was danach von der Sexualität übrig ist.

Aus beidem leitet sie ab, was für die Arbeit mit Klientinnen und Klienten in der Sexualtherapie folgt.

Wie offen legt die Arbeit ihre Grenzen?

Ungewöhnlich offen — und das verdient eine eigene Erwähnung. Die Autorin listet vier Einschränkungen auf, statt sie in einem Nebensatz abzuhandeln.

Erstens: Eine qualitative Untersuchung mit sieben Befragten ist weder repräsentativ noch verallgemeinerbar. Ergebnisse und Diskussion seien als eine Sicht auf das Thema zu lesen, nicht als die Sicht.

Zweitens: Die Methodik enthielt zahlreiche Störfaktoren. Drittens war es schwierig, bestimmte Facetten des Modells Sexocorporel auf den Kodierprozess anzuwenden. Und viertens weist sie darauf hin, dass eine Arbeit von einer einzelnen Person anfälliger für Verzerrungen ist als Forschung im Team.

Wer die Ergebnisse liest, weiss danach genau, worauf sie beruhen.

Was heisst das für die Praxis?

Der Wert der Arbeit liegt darin, ein Thema aus der Randlage zu holen. Wer Substanzkonsum im sexuellen Kontext nur bei Männern, die Sex mit Männern haben, vermutet, übersieht einen Teil der Klientel.

Wer mit dem Modell Sexocorporel arbeitet, findet hier zudem eine der wenigen Anwendungen auf dieses Feld — samt der ehrlichen Auskunft darüber, an welchen Stellen das Modell dabei an Grenzen stösst.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 117 Seiten und ist auf Englisch verfasst. Sie enthält den Forschungsstand zu Sex unter Substanzeinfluss, die Analyse entlang des Modells Sexocorporel, die vollständige Auswertung der sieben Interviews sowie eine ausführliche Diskussion der Grenzen und Forschungsperspektiven.

Abstract der Arbeit

Substance linked sex (SLS) has recently received an increasing amount of media and public health attention. Research on the topic so far has mainly been coloured by the chemsex subculture specific to men who have sex with men in certain urban settings and drug-related morbidity and mortality. Fewer are the studies investigating SLS from the perspective of people of all sexual orientations and only a handful of studies have done so with a salutogenic approach. The aim of this master`s thesis is to investigate changes to sexual experiences induced by psychoactive substances using the framework of the Sexocorporel approach in predominantly heterosexual individuals. Within the setting of qualitative in-depth interviews, a number of subjects that had recently experienced SLS were interviewed about their experiences based on the tenets of the Sexocorporel approach. Substances caused variegated changes to the sexual experience and these were subsequently analysed from the particular viewpoint of Sexocorporel. Furthermore, sustainable changes to sexuality due to the experiences of SLS are also discussed, as are conclusions on SLS that can be extrapolated to the clinical work with clients in sexual therapy.

Agnes Silvani, Abstract der Masterarbeit, 2022

Angaben zur Arbeit

Titel
Substance linked sex : Sexual experiences altered by psychoactive substances from the viewpoint of the Sexocorporel approach

Verfasst von
Agnes Silvani

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3

Jahr
2022

Themen
Chemsex & Substanzen · Sexualtherapie · Sexuelle Bildung · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Agnes Silvani: «Substance linked sex : Sexual experiences altered by psychoactive substances from the viewpoint of the Sexocorporel approach». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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