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MA5 Masterarbeit

Einfluss von TRE (Tension/Trauma Releasing Exercises) auf die Sexualität

Edona Hasanagic untersucht in der Masterarbeit «Einfluss von TRE (Tension/Trauma Releasing Exercises) auf die Sexualität» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Fünfzehn Menschen führten in zwei Wochen drei angeleitete TRE-Sitzungen durch. Danach war bei einem Teil die Genitalwahrnehmung besser und die Lust höher — und bei manchen wichen die Messwerte deutlich vom eigenen Empfinden ab. Genau diese Diskrepanz macht die Arbeit lesenswert.

Was ist TRE?

Tension and Trauma Releasing Exercises: eine Methode, die über gezielte Körperübungen ein neurogenes Zittern auslöst und darüber die Körperspannung reguliert.

Der Anschluss an die Sexualität liegt im Becken. Muskuläre Spannungsmuster, besonders in dieser Region, gelten als möglicher Einflussfaktor für sexuelles Erleben und Wohlbefinden — und Sexualität ist ein biopsychosoziales Geschehen, das eng mit Körperwahrnehmung und Spannungsregulation verbunden ist.

Untersucht wurde beides gleichzeitig: die wahrgenommene Sexualität und die persönliche Körperwahrnehmung, erhoben über Online-Fragebogen vor und nach der Intervention.

Was hat sich verändert?

Die Ergebnisse liefern erste Hinweise darauf, dass TRE bei einem Teil der Teilnehmenden zu einer verbesserten Genitalwahrnehmung, einer Reduktion körperlicher Spannungen und einer gesteigerten sexuellen Erregbarkeit führen kann.

Besonders deutlich zeigte sich der Anstieg bei Genitalwahrnehmung und sexueller Lust. Andere Bereiche veränderten sich nur wenig oder wurden subjektiv nicht als verändert erlebt.

Die Arbeit unterscheidet damit sauber zwischen dem, was sich bewegt hat, und dem, was gleich blieb — statt eine Gesamtwirkung zu behaupten.

Warum ist die Diskrepanz interessant?

Weil sie in beide Richtungen auftrat. Einige Teilnehmende berichteten von spürbaren Veränderungen, obwohl die Messwerte kaum abwichen. Andere zeigten auf den Skalen Fortschritte, ohne sie subjektiv zu bemerken.

Für die Praxis ist das ein wichtiger Hinweis. Wer eine körperorientierte Intervention nur über Fragebogen bewertet, misst womöglich nicht das, was die Person erlebt — und umgekehrt.

Für die Forschung stellt sich damit die Frage, welches der beiden Mass das bessere ist. Die Arbeit beantwortet sie nicht, aber sie stellt sie.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Fünfzehn Teilnehmende, drei Sitzungen in zwei Wochen, keine Kontrollgruppe. Die Autorin ordnet ihre Ergebnisse selbst als erste explorative Anhaltspunkte ein.

Es ist die erste Untersuchung dieser Art zum Zusammenhang von TRE, Körperwahrnehmung und Sexualität. Für ein niederschwelliges körpertherapeutisches Verfahren, das sich ohne grossen Aufwand anleiten lässt, ist das ein sinnvoller Ausgangspunkt — mehr aber nicht.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 78 Seiten. Sie enthält die Grundlagen zu TRE und Spannungsregulation, das biopsychosoziale Verständnis von Sexualität, die vollständige Intervention sowie die quantitative und qualitative Auswertung.

Abstract der Arbeit

Die Sexualität ist ein komplexes biopsychosoziales Geschehen, das eng mit der körperlichen Selbstwahrnehmung und Spannungsregulation verbunden ist. Muskuläre Spannungsmuster, insbesondere im Bereich des Beckens, gelten als möglicher Einflussfaktor für sexuelles Erleben und Wohlbefinden. Die Methode der Tension & Trauma Releasing Exercises (TRE) setzt über gezielte Körperübungen an diesem Bereich an, indem durch neurogenes Zittern eine Regulation von Körperspannung ermöglicht werden soll. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, die möglichen Zusammenhänge zwischen TRE, Körperwahrnehmung und Sexualität zu untersuchen. Hierzu führten 15 Teilnehmende innerhalb von zwei Wochen drei angeleitete TRE-Sitzungen durch. Die subjektiv wahrgenommene Sexualität sowie persönliche Körperwahrnehmung wurden mittels Online-Fragebögen vor und nach der Intervention erfasst. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass TRE zu einer positiven Veränderung der Körperwahrnehmung sowie des sexuellen Erlebens beitragen kann. Die Studie liefert erste explorative Anhaltspunkte auf das Potenzial von TRE als niedrigschwellige körpertherapeutische Methode im Kontext von Sexualität. Aufgrund methodischer Limitationen, wie einer geringen Stichprobengrösse von 15 Personen und fehlender Kontrollgruppe, sind die Ergebnisse vorläufig und bedürfen weiterer Forschung.

Edona Hasanagic, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Einfluss von TRE (Tension/Trauma Releasing Exercises) auf die Sexualität

Verfasst von
Edona Hasanagic

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Körperarbeit · Sexuelle Zufriedenheit · Sexuelles Verlangen

Lizenz und Nachweis. Edona Hasanagic: «Einfluss von TRE (Tension/Trauma Releasing Exercises) auf die Sexualität». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Bindung und Sexualität: die Rolle des genitalen Selbstbildes

Markus Kremer untersucht in der Masterarbeit «Bindung und Sexualität: die Rolle des genitalen Selbstbildes» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Dass unsichere Bindung mit geringerer sexueller Zufriedenheit einhergeht, ist gut belegt. Wodurch dieser Zusammenhang zustande kommt, war offen. Diese Arbeit prüft an 1’220 Personen einen Weg — und findet ihn: über das genitale Selbstbild, also die eigene Bewertung des eigenen Genitals.

Was wurde untersucht?

Eine Online-Querschnittsstudie mit einer deutschsprachigen Stichprobe von 1’220 Teilnehmenden, davon 63 Prozent cis-weiblich, 28 Prozent cis-männlich und 8,5 Prozent geschlechtlich divers. Das ist mit Abstand die grösste Stichprobe dieser Sammlung.

Erhoben wurden die Bindungsdimensionen Bindungsangst und Bindungsvermeidung über den Bochumer Bindungsfragebogen, das genitale Selbstbild über die Genital Self-Image Scale sowie sexuelle Zufriedenheit und verschiedene Funktionsbereiche über die PROMIS-SexFS-Profile.

Geprüft wurde die Vermittlung mit Strukturgleichungsmodellen und Bootstrapping-Verfahren. Der Abstract ist auf Englisch verfasst.

Was kam heraus?

Das genitale Selbstbild vermittelt den Zusammenhang zwischen Bindungsunsicherheit und sexueller Zufriedenheit deutlich und stabil — und zwar sowohl bei cis-Männern als auch bei cis-Frauen. Unsichere Bindung wirkt also unter anderem darüber, dass Betroffene ihr eigenes Genital negativer bewerten.

Ein zweiter Befund weist über die Arbeit hinaus: Bei der Bindungsvermeidung blieben in beiden Gruppen zusätzliche direkte Effekte bestehen. Das genitale Selbstbild erklärt den Zusammenhang also nicht vollständig — es gibt weitere, bislang unerforschte Einflussfaktoren.

Was heisst das für die Therapie?

Der praktische Ertrag ist konkret. Das genitale Selbstbild wird damit zu einem geschlechterübergreifend bedeutsamen Ansatzpunkt für sexualtherapeutische Diagnostik und Intervention.

Für die Praxis heisst das: Auch wenn ein Anliegen zunächst nach Bindung klingt — nach Nähe, Angst, Rückzug —, lohnt sich die Frage nach dem Verhältnis zum eigenen Genital. Und umgekehrt: An diesem Verhältnis lässt sich arbeiten, während sich ein Bindungsmuster nur langsam verändert.

Mehrere andere Arbeiten dieser Sammlung entwickeln genau dafür Übungen und Kursformate. Diese hier liefert das Argument, warum sie sich lohnen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Die Stichprobe ist gross, die Instrumente sind etabliert und validiert, und die statistische Auswertung ist anspruchsvoll — methodisch ist das die stärkste Arbeit dieser Sammlung.

Die entscheidende Einschränkung nennt der Autor selbst: Es handelt sich um eine Querschnittserhebung. Ob ein negatives genitales Selbstbild Folge der Bindungsunsicherheit ist oder umgekehrt, lässt sich aus einer Momentaufnahme nicht entscheiden. Die identifizierten Kausalpfade müssten in Längsschnittstudien geprüft werden.

Für geschlechtsdiverse Teilnehmende reichte die Gruppengrösse nicht für eigene Analysen — der Autor benennt diese Lücke als Forschungsbedarf.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 99 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu Bindung, Körperbild und sexuellem Erleben, die vollständige Beschreibung der eingesetzten Instrumente sowie die komplette statistische Auswertung samt Mediationsanalysen.

Abstract der Arbeit

Abstract (EN) Background: Insecure attachment styles are consistently associated with lower sexual satisfaction and poorer sexual function, yet the underlying psychological mechanisms are insufficiently understood. The present study investigates the hypothesis that genital selfimage – the subjective evaluation of one's own genitals – plays a mediating role in this relationship. Method: In a cross-sectional online study, a German-speaking sample of N = 1220 participants (63.0% cis-female, 28.4% cis-male, 8.5% gender-diverse) was recruited. Measures included the attachment dimensions (attachment anxiety and avoidance) using the Bochum Attachment Questionnaire (BoBi), genital self-image using the Genital Self-Image Scale (GSIS), and sexual satisfaction and various dimensions of sexual function (e.g., orgasm, erectile function, sexual interest) using the PROMIS® SexFS brief profiles. Hypotheses were tested using structural equation modeling with bootstrapping procedures. Results: Bivariate analyses confirmed significant negative associations between attachment insecurity, a negative genital self-image, and sexual satisfaction as well as various dimensions of sexual function. The mediation analyses showed that genital self-image significantly and robustly mediated the relationship between both attachment dimensions and a broad spectrum of sexual outcomes, including sexual satisfaction, orgasm ability, orgasm pleasure, and erectile function. For interest in sexual activity, an inconsistent mediation was found, in which a negative indirect effect was opposed by a positive direct effect of attachment anxiety. Conclusion: Genital self-image represents a significant, empirically supported mechanism through which attachment insecurity affects sexual experience. The results highlight the relevance of genital self-image as an important, cross-gender target for sex-therapeutic practice and the necessity of considering body-image-related factors in the treatment of attachment-related sexual difficulties. I

Markus Kremer, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Bindung und Sexualität: Die vermittelnde Rolle des genitalen Selbstbildes – Eine Mediationsanalyse in einer deutschsprachigen Stichprobe

Verfasst von
Markus Kremer

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Genitales Selbstbild · Sexuelle Zufriedenheit · ADHS

Lizenz und Nachweis. Markus Kremer: «Bindung und Sexualität: Die vermittelnde Rolle des genitalen Selbstbildes – Eine Mediationsanalyse in einer deutschsprachigen Stichprobe». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Solosexuelles Erleben und Verhalten bei Erwachsenen mit ADHS

Vera Matjaz untersucht in der Masterarbeit «Solosexuelles Erleben und Verhalten bei Erwachsenen mit ADHS» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Menschen mit ADHS masturbieren nicht häufiger, haben nicht mehr Lust darauf und nutzen es nicht öfter zur emotionalen Regulierung. Ein Unterschied bleibt: Ihr Erregungsmodus ist enger. Das zeigt diese Arbeit an 711 Teilnehmenden, darunter 202 mit ADHS-Diagnose — die grösste Stichprobe dieser Sammlung.

Was heisst «enger Erregungsmodus»?

Der Begriff stammt aus dem Modell Sexocorporel und beschreibt, wie jemand Erregung aufbaut: über welche Muskelspannung, welchen Rhythmus, welche Bewegung. Ein enger Modus ist auf einen bestimmten Ablauf festgelegt und lässt wenig Variation zu — was zum Problem wird, sobald sich die Umstände ändern, etwa in der Paarsexualität.

Erfasst wurde er über den Mittelwert mehrerer Fragebogenitems auf einer zehnstufigen Skala, wobei höhere Werte einen engeren Modus anzeigen.

Was zeigen die Zahlen?

Die Gruppe mit ADHS erreicht im Mittel 6,24, die Gruppe ohne ADHS 5,96 — ein Unterschied von rund 0,28 Punkten. Der Unterschied ist statistisch bedeutsam, und die Autorin prüft ihn zusätzlich mit einem Verfahren für ungleiche Varianzen, das dasselbe Ergebnis bestätigt.

Entscheidend ist die Grösse des Effekts, und hier wird die Arbeit vorbildlich deutlich: Cohen’s d liegt bei 0,19 — klein, aber stabil. Das Regressionsmodell erklärt zwei Prozent der Streuung im Erregungsmodus. Achtundneunzig Prozent bleiben unerklärt.

Anders gesagt: ADHS sagt etwas über den Erregungsmodus aus, aber sehr wenig. Wer aus dieser Arbeit ableitet, Menschen mit ADHS hätten ein sexuelles Problem, liest sie falsch.

Was unterscheidet sich nicht?

Das ist der zweite und für die Beratung wichtigere Befund. Bei der Häufigkeit der Solosexualität, bei der Lust darauf und bei ihrer Nutzung zur emotionalen Regulation zeigten sich keine bedeutsamen Unterschiede zwischen den Gruppen.

Das widerspricht verbreiteten Annahmen. Die Forschungslage, die die Arbeit aufarbeitet, verbindet ADHS mit erhöhten Raten sexueller Funktionsstörungen, mit hypersexuellem Verhalten und mit höherem Pornografiekonsum — Letzteres vor allem bei Männern. Für die Solosexualität selbst findet diese Untersuchung diese Unterschiede nicht.

Was heisst das für die Praxis?

Das Modell Sexocorporel betrachtet die Solosexualität als Ort des sexuellen Lernens — dort wird erprobt, was später in der Paarsexualität zur Verfügung steht. Genau deshalb ist ein enger Erregungsmodus dort kein Nebenbefund, sondern ein Ansatzpunkt.

Für die Beratung heisst das konkret: Bei Klientinnen und Klienten mit ADHS lohnt sich der Blick darauf, wie Erregung aufgebaut wird — nicht darauf, wie oft. Und es heisst, mit der Erwartung vorsichtig zu sein, eine ADHS erkläre sexuelle Schwierigkeiten. Nach diesen Daten erklärt sie zwei Prozent davon.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine quantitative Erhebung mit standardisierten Fragebogen und 711 auswertbaren Teilnehmenden, davon 202 mit ADHS-Diagnose. Das ist für eine Masterarbeit eine ungewöhnlich grosse Stichprobe, und die statistische Auswertung ist sorgfältig — inklusive Prüfung der Voraussetzungen und Angabe der Konfidenzintervalle.

Die Einschränkungen liegen anderswo: Es handelt sich um eine Querschnittserhebung mit Selbstauskunft. Die ADHS-Diagnose wurde nicht überprüft, und aus einer Momentaufnahme lässt sich keine Ursache ableiten. Was die Arbeit zeigt, ist ein Zusammenhang, kein Wirkmechanismus.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 73 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu ADHS und Sexualität im Erwachsenenalter, die vollständige statistische Auswertung mit allen Testverfahren und Tabellen sowie die Einordnung in das Modell Sexocorporel.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Solosexualität, einem oft vernachlässigten Aspekt der Sexualität. Die Forschung in diesem Bereich ist begrenzt, obwohl sowohl ADHS als auch Solosexualität bedeutende Einflussfaktoren auf das sexuelle Erleben und die individuelle Sexualität darstellen. Ziel der Arbeit ist es, die Unterschiede in der Wahrnehmung und Auslebung von Solosexualität zwischen Erwachsenen mit und ohne ADHS zu analysieren. Durch eine quantitative Erhebung mittels standardisierter Fragebögen wurden Daten von 716 Teilnehmenden gesammelt, darunter 202 mit ADHS-Diagnose. Die Ergebnisse zeigen, dass Personen mit ADHS tendenziell einen engeren Erregungsmodus aufweisen. Im Gegensatz dazu konnten keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Häufigkeit, der Lust auf Solosexualität oder der Nutzung von Solosexualität zur emotionalen Regulation festgestellt werden. Diese Erkenntnisse eröffnen neue Perspektiven für die sexuelle Gesundheit und Therapieansätze, insbesondere im Rahmen des Sexocorporel-Modells, das die Bedeutung der Solosexualität für das sexuelle Lernen und Wohlbefinden betont.

Vera Matjaz, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Solosexuelles Erleben und Verhalten bei Erwachsenen mit ADHS – Eine quantitative Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Solosexualität und ADHS-Symptomen

Verfasst von
Vera Matjaz

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
ADHS · Sexuelle Zufriedenheit · Sexuelles Verlangen · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Vera Matjaz: «Solosexuelles Erleben und Verhalten bei Erwachsenen mit ADHS – Eine quantitative Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Solosexualität und ADHS-Symptomen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Sexualität und Endlichkeit

Miriam Siegenthaler untersucht in der Masterarbeit «Sexualität und Endlichkeit» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Dass sich Sexualität verändert, wird meist als Verlust erlebt. Diese Arbeit prüft das Gegenteil: Kann das Bewusstsein für Vergänglichkeit die sexuelle Zufriedenheit sogar erhöhen? Ihr Ergebnis ist ein Ja mit einer klaren Bedingung.

Wie wurde das untersucht?

Der Zugang ist ungewöhnlich. Die Teilnehmerinnen — gesunde Frauen im mittleren Lebensalter — nahmen zuerst an einer sechswöchigen Schreibintervention teil, deren Ziel die ressourcenorientierte Aktivierung des Vergänglichkeitsbewusstseins in Bezug auf die eigene Sexualität war.

Erst danach folgten halbstrukturierte Interviews, in denen subjektive Erfahrungen, Bedeutungen und Reflexionen erhoben wurden — sowohl zum Zusammenhang von Vergänglichkeit und Zufriedenheit als auch zur Schreibintervention selbst.

Zugrunde liegt ein Verständnis von Sexualität als lebenslangem, lern- und entwickelbarem Prozess.

Wie wirkt das Vergänglichkeitsbewusstsein?

Über drei Wege, die die Arbeit benennt. Die Präsenz im Moment steigt. Normative Vorstellungen über Sexualität werden relativiert. Und die Selbstwirksamkeit wird gestärkt.

Alle drei sind aus der sexologischen Praxis vertraut — nur wird dort selten die Vergänglichkeit als Zugang gewählt. Der Gedanke ist eigentlich naheliegend: Wer weiss, dass etwas nicht bleibt, ist eher bereit, es jetzt zu gestalten.

Unter welcher Bedingung?

Hier liegt die entscheidende Einschränkung. Das Vergänglichkeitsbewusstsein wirkt insbesondere dann positiv, wenn die Vergänglichkeit und die damit einhergehenden Reaktionen und Emotionen akzeptiert und als Grundlage für Entwicklung verstanden werden.

Ohne diese Akzeptanz bleibt das Bewusstsein für Vergänglichkeit eine Belastung. Die Arbeit verkauft also nicht die Einsicht als Rezept, sondern die Haltung dazu.

Als offene Forschungsfrage formuliert die Autorin, unter welchen Bedingungen Vergänglichkeit tatsächlich zur Ressource wird — und inwiefern das Bewusstsein dafür eine entwicklungsbejahende Haltung fördert.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Ein qualitativ-exploratives Vorgehen mit einer kleinen Gruppe gesunder Frauen im mittleren Lebensalter. Wer sich auf eine sechswöchige Schreibintervention zur eigenen Vergänglichkeit einlässt, bringt eine besondere Bereitschaft mit.

Die Ergebnisse decken sich mit der internationalen Forschungslage, auf die sich die Autorin bezieht. Das spricht für die Richtung des Befunds — beweist ihn aber nicht.

Für die Beratungspraxis liegt der Wert in der Schreibintervention selbst: ein Format, das sich ohne grossen Aufwand anbieten lässt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 139 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu Vergänglichkeit und sexueller Zufriedenheit, die vollständige Schreibintervention, die Auswertung der Interviews sowie die abgeleiteten Möglichkeiten für weitere Forschung.

Abstract der Arbeit

Sexualität und Endlichkeit Zusammenhänge zwischen dem Bewusstsein für Vergänglichkeit und der sexuellen Zufriedenheit gesunder Frauen im mittleren Lebensalter Mittels eines qualitativ-explorativen Vorgehens wird in dieser Masterarbeit untersucht, inwiefern das Bewusstsein für Vergänglichkeit mit der sexuellen Zufriedenheit bei gesunden Frauen im mittleren Lebensalter zusammenhängt. Ausgangspunkt ist dabei ein Verständnis von Sexualität als lebenslanger, lern- und entwickelbarer Prozess. Die Teilnehmerinnen nehmen zuerst an einer sechswöchigen Schreibintervention teil, deren Ziel die ressourcenorientierte Aktivierung des Vergänglichkeitsbewusstseins in Bezug auf die Sexualität ist. Anschliessend werden im Rahmen halbstrukturierter Interviews subjektive Erfahrungen, Bedeutungen und Reflexionen erhoben, die mögliche Zusammenhänge zwischen dem Bewusstsein dafür, dass Sexualität wandelbar, fluide und veränderlich ist, und der sexuellen Zufriedenheit sowie Erkenntnisse in Bezug auf die Schreibintervention erheben. Die qualitative Inhaltsanalyse zeigt, dass durch das Vergänglichkeitsbewusstsein die sexuelle Zufriedenheit zunimmt und Vergänglichkeit von den Teilnehmerinnen als Ausgangspunkt für Entwicklung verstanden wird. In einem letzten Schritt werden aus den gewonnenen Erkenntnissen relevante Impulse für die Sexualtherapie abgeleitet. Sexuality and Finiteness Relationship between awareness of transience and sexual satisfaction in healthy, middle-aged women Using a qualitative-explorative approach, this master's thesis examines the extent to which awareness of transience is related to sexual satisfaction in healthy middle-aged women. The starting point is an understanding of sexuality as a lifelong process that can be learned and developed. The participants first take part in a six-week writing intervention, the aim of which is the resource-oriented activation of transience awareness in relation to sexuality. Subsequently, subjective experiences, meanings and reflections are collected in semi-structured interviews, which explore possible connections between the awareness that sexuality is changeable and fluid and sexual satisfaction as well as findings in relation to the writing intervention. The qualitative content analysis shows that sexual satisfaction increases as a result of transience awareness and that transience is understood by the participants as a starting point for development. In a final step, relevant impulses for sex therapy are derived from the findings.

Miriam Siegenthaler, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexualität und Endlichkeit – Zusammenhänge zwischen dem Bewusstsein für Vergänglichkeit und der sexuellen Zufriedenheit gesunder Frauen im mittleren Lebensalter

Verfasst von
Miriam Siegenthaler

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexuelle Zufriedenheit · Verhütung · Selbstwirksamkeit

Lizenz und Nachweis. Miriam Siegenthaler: «Sexualität und Endlichkeit – Zusammenhänge zwischen dem Bewusstsein für Vergänglichkeit und der sexuellen Zufriedenheit gesunder Frauen im mittleren Lebensalter». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Zufriedene Paare in der sexologischen Praxis

Karin Wagemann untersucht in der Masterarbeit «Zufriedene Paare in der sexologischen Praxis» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Sexuelle Zufriedenheit und Partnerschaftszufriedenheit hängen zusammen und beeinflussen sich gegenseitig. Diese Arbeit führt zusammen, was die Forschung dazu weiss, und übersetzt es in etwas, das sich in der Praxis mit Paaren verwenden lässt.

Was hält Paare zufrieden?

Über eine systematische Durchsicht empirischer Studien arbeitet die Autorin die zentralen Vorhersagefaktoren heraus — und die Liste ist konkreter, als man erwartet.

Genannt werden unter anderem kommunikative Fähigkeiten, Intimität, Responsivität, gemeinsame Rituale, Opferbereitschaft und die Qualität der gemeinsam verbrachten Zeit.

Zwei davon lohnen besondere Beachtung. Responsivität meint, auf die Signale des Gegenübers einzugehen — eine Fähigkeit, die sich üben lässt. Und die Qualität der gemeinsamen Zeit ist nicht dasselbe wie ihre Menge.

Was ist der praktische Teil?

Aus den Befunden entwickelt die Arbeit konkrete Übungen zur Förderung der Partnerschaftszufriedenheit. Sie sind bewusst niederschwellig und in den Alltag integrierbar angelegt.

Gedacht sind sie für den Einsatz in der sexologischen Praxis mit Paaren. Wer nach Material sucht, findet hier eine begründete Sammlung statt einer Ideenliste — jede Übung lässt sich auf einen Befund zurückführen.

Der Anspruch der Arbeit war ausdrücklich, nicht beim Verständnis stehenzubleiben, sondern die Erkenntnisse in einen umfassenden und alltagstauglichen Übungsteil zu überführen.

Wie gut lässt sich Zufriedenheit messen?

Diese Frage stellt die Arbeit ausdrücklich und diskutiert die Anwendbarkeit gängiger Messinstrumente für sexuelle und partnerschaftliche Zufriedenheit.

Das ist mehr als eine methodische Fussnote. Wer mit Paaren arbeitet und den Fortschritt einschätzen will, braucht ein Mass — und muss wissen, was es erfasst und was nicht.

Damit ist die Arbeit auch für Fachpersonen brauchbar, die eigene Angebote evaluieren möchten.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Es handelt sich um eine Literaturarbeit mit systematischer Durchsicht empirischer Studien, ohne eigene Erhebung. Die Übungen sind aus der Forschungslage abgeleitet, nicht erprobt.

Was die Arbeit leistet, ist die Zusammenführung zweier Forschungsstränge, die getrennt bearbeitet werden — sexuelle und partnerschaftliche Zufriedenheit — und deren Übersetzung in die Praxis. Ob die Übungen wirken, müsste eine andere Untersuchung zeigen.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 80 Seiten. Sie enthält die systematische Aufarbeitung der Forschungslage zu sexueller und partnerschaftlicher Zufriedenheit, die Diskussion der Messinstrumente sowie den vollständigen Übungsteil für die Praxis.

Die Fragestellung

Die Arbeit geht diesen Fragen nach:

  • Wie lässt sich Partnerschaftszufriedenheit messen?
  • Wie lässt sich die sexuelle Zufriedenheit messen?

Abstract der Arbeit

Sexuelle Zufriedenheit und Partnerschaftszufriedenheit zählen zu wichtige Qualitätskriterien intimer Paarbeziehungen. Sie stehen in einem wechselseitigen Zusammenhang und beeinflussen sowohl das individuelle Wohlbefinden als auch die Stabilität und Qualität der Beziehung. Ziel dieser Masterarbeit ist es, theoretische und empirische Erkenntnisse über die Verbindung dieser beiden Zufriedenheitsdimensionen zusammenzuführen, zentrale Einflussfaktoren zu identifizieren und praxisnahe Ansätze zur Erhaltung und Förderung der partnerschaftlichen Zufriedenheit abzuleiten. Auf Basis einer systematischen Überprüfung empirischer Forschung werden zunächst zentrale Prädiktoren sexueller und partnerschaftlicher Zufriedenheit hervorgehoben, wie unter anderem kommunikative Fähigkeiten, Intimität, Responsivität, gemeinsame Rituale, Opferbereitschaft sowie die Qualität der gemeinsam verbrachten Zeit. In einem anschliessenden Schritt werden konkrete Strategien zur Erhaltung oder Förderung der jeweiligen Zufriedenheit abgeleitet. Der Fokus liegt auf der Entwicklung praktischer Übungen zur Förderung der Partnerschaftszufriedenheit. Diese sind als niedrigschwellige, im Alltag integrierbare Angebote konzipiert, die Sexolog*innen in der sexologischen Praxis mit Paaren anwenden können. Die Arbeit leistet damit einen Beitrag zur Professionalisierung der sexual- und paartherapeutischen Beratung, indem sie empirisch fundierte Erkenntnisse in praxisrelevante Anwendungen überführt und aufzeigt, wie partnerschaftliche Qualität gezielt gestärkt werden kann – in enger Verbindung mit, aber nicht beschränkt auf den sexuellen Bereich.

Karin Wagemann, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Zufriedene Paare – Erhaltung und Förderung der Zufriedenheit von Paaren in der sexologischen Praxis

Verfasst von
Karin Wagemann

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexuelle Zufriedenheit · Paarsexualität · Sexuelle Kommunikation

Lizenz und Nachweis. Karin Wagemann: «Zufriedene Paare – Erhaltung und Förderung der Zufriedenheit von Paaren in der sexologischen Praxis». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Sexuelles Erleben von Frauen im Kontext heterosexueller Paarsexualität

Ladina Engler untersucht in der Masterarbeit «Sexuelles Erleben von Frauen im Kontext heterosexueller Paarsexualität» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Statt zu fragen, was Frauen in der Sexualität hemmt, befragt diese Arbeit jene, bei denen es gelingt: Frauen, die sich als sexuell selbstbestimmt wahrnehmen. Was sie auszeichnet, ist konkret benennbar — und der letzte Befund der Arbeit dämpft die Erfolgsgeschichte.

Was zeichnet sexuell selbstbestimmte Frauen aus?

Vier Merkmale arbeitet die Arbeit heraus, und alle sind erlernbar.

Sie gestalten ihre Sexualität — allein wie in der Partnerschaft — entlang ihrer Bedürfnisse und ihres Begehrens. Sie verfügen über eine positivere, bessere und nuanciertere Körperwahrnehmung, was mehr Befriedigung vorhersagt.

Sie haben fundiertes Wissen über weibliche Sexualität — und, das ist der entscheidende Zusatz, es fällt ihnen leichter, dieses Wissen auf sich selbst zu übertragen. Wissen allein genügt nicht; es muss anwendbar werden.

Und sie verfügen über eine starke Kommunikationsfähigkeit, die offene Gespräche über sexuelle Wünsche und Bedürfnisse in der Paarsexualität fördert.

Was folgt daraus für die Beratung?

Sexuelle Selbstbestimmung ist nach dieser Arbeit eine Ressource für das bedürfnisorientierte Gestalten der Paarsexualität — kein Charakterzug, sondern ein Zusammenspiel von Wahrnehmung, Wissen und Kommunikation.

Damit sind drei Ansatzpunkte benannt, an denen sich arbeiten lässt. Besonders der Übertrag von Wissen auf die eigene Person lohnt Aufmerksamkeit: Viele Klientinnen wissen viel und beziehen es nicht auf sich.

Wo bleibt die Einschränkung?

Die Arbeit endet nicht bei der Erfolgsgeschichte. Tradierte sexuelle Skripte sind gesellschaftlich nach wie vor verankert — und auch sexuell selbstbestimmte Frauen bleiben davon nicht gänzlich unbeeinflusst.

Das ist ein wichtiger Zusatz. Er verhindert den Kurzschluss, Selbstbestimmung sei eine rein individuelle Leistung, die jede erbringen könnte, wenn sie nur wollte.

Die Befragten fühlen sich weniger durch gesellschaftliche und kulturelle Normen gehemmt — losgelöst von ihnen gestalten aber auch sie ihre Sexualität nicht.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier halbstrukturierte Leitfadeninterviews mit heterosexuellen Frauen, die sich selbst als sexuell selbstbestimmt wahrnehmen, ausgewertet über eine qualitative Inhaltsanalyse.

Die Selbsteinschätzung ist dabei das Auswahlkriterium — geprüft wurde sie nicht. Und die Autorin hält fest, dass die Ergebnisse ihren eigenen Erwartungen entsprechen. Das ist ehrlich gesagt und zugleich ein Hinweis darauf, dass eine qualitative Arbeit mit vier Befragten Erwartungen leichter bestätigt als widerlegt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 113 Seiten. Sie enthält die theoretische Auseinandersetzung mit sexueller Selbstbestimmung, die vollständige Auswertung der vier Interviews sowie die Diskussion tradierter sexueller Skripte.

Abstract der Arbeit

Die hier vorliegende Masterarbeit befasst sich mit dem vielschichten Thema «sexu- elle Selbstbestimmung». Es wurden vier halbstrukturierte Leitfadeninterviews mit heterosexuellen Frauen, welche sich sexuell selbstbestimmt wahrnehmen, geführt und dabei der Frage nachgegangen, wie sie ihre heterosexuelle Paarsexualität ge- stalten. Mit einer qualitativer Inhaltsanalyse wurden die Ergebnisse anschliessend ausgewertet. Diese weisen darauf hin, dass sexuell selbstbestimmte Frauen die partnerschaftliche Sexualität bedürfnisorientiert und entlang ihren Wünschen und ihrem Begehren gestalten, dass sie sich in ihrer Sexualität weniger durch gesell- schaftliche und kulturelle Normen gehemmt fühlen und dass die sexuelle Selbstbe- stimmung für sie eine Ressource darstellt. Des Weiteren geht hervor, dass die weib- liche Sexualität noch immer von patriarchalen Strukturen beeinflusst wird und dass Frauen ihre Sexualität noch nicht losgelöst von diesen Strukturen gestalten können.

Ladina Engler, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexuelles Erleben von Frauen im Kontext heterosexueller Paarsexualität : Eine qualitative Untersuchung sexuell selbstbestimmter Frauen und ihrer Gestaltung des Geschlechtsverkehrs

Verfasst von
Ladina Engler

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Selbstwirksamkeit · Paarsexualität · Sexuelle Zufriedenheit

Lizenz und Nachweis. Ladina Engler: «Sexuelles Erleben von Frauen im Kontext heterosexueller Paarsexualität : Eine qualitative Untersuchung sexuell selbstbestimmter Frauen und ihrer Gestaltung des Geschlechtsverkehrs». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Sex haben oder Sex machen? Sexuelle Selbstwirksamkeit und Zufriedenheit

Soraya Nora Gradolf untersucht in der Masterarbeit «Sex haben oder Sex machen? Sexuelle Selbstwirksamkeit und Zufriedenheit» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

«Menschen haben UND machen Sex.» Mit diesem Satz endet die Auswertung von 94 Frauen und 55 Männern in heterosexuellen Beziehungen. Die Arbeit fragt, wie viel eigenes Zutun im sexuellen Skript steckt — und welches Werkzeug dafür am wenigsten genutzt wird.

Was ist ein sexuelles Skript?

Die eingespielte Abfolge dessen, was bei einer sexuellen Begegnung geschieht: wer beginnt, was folgt worauf, wann ist es zu Ende. Skripte sind kulturell geprägt und individuell abgewandelt — und meistens unbewusst.

Sexuelle Selbstwirksamkeit im Skript meint, wie viel eine Person darin selbst gestaltet, statt einem Ablauf zu folgen. Diese Arbeit hat den Zusammenhang mit der sexuellen Zufriedenheit gemessen.

Wo liegt das kollektive Skript heute?

Zwischen Tradition und Fortschritt, und etwas näher beim Fortschritt. Die Selbstwirksamkeit im sexuellen Skript scheint zu steigen, das Rollenverständnis weicht sich auf, und die Zuschreibung von Verantwortung gleicht sich zwischen den Geschlechtern an.

Geschlechtsunterschiede bestehen, halten sich im Ausmass aber gering. Für beide Seiten stehen Gegenseitigkeit und Gemeinsamkeit im Vordergrund.

Wo sie sich unterscheiden, ist aufschlussreich. Frauen haben etwas mehr Mühe, bei sexuellen Aktivitäten kognitiv und körperlich präsent zu sein, und ihre Zufriedenheit hängt stärker von äusseren Faktoren ab. Männer fühlen sich stärker für zufriedenstellenden Sex verantwortlich und handeln häufiger partnerinnenfokussiert.

Welche Werkzeuge nutzen Menschen?

Die Arbeit hat erhoben, worüber sexuelle Selbstwirksamkeit konkret ausgeübt wird — und die Rangfolge ist für die Beratung unmittelbar brauchbar.

Am stärksten zeigt sie sich in der Kommunikation, danach in der Körperbewegung, dann in sexuellen Fantasien.

Das am wenigsten genutzte Instrument ist die Atmung. Das ist bemerkenswert, weil gerade die Atmung im Modell Sexocorporel als eine der drei Bewegungsdimensionen gilt und in mehreren anderen Arbeiten dieser Sammlung als wirksamer Hebel beschrieben wird. Hier liegt eine Lücke zwischen dem, was die Fachwelt empfiehlt, und dem, was Menschen tun.

Was heisst das für die Praxis?

Höhere sexuelle Selbstwirksamkeit hängt leicht positiv mit höherer Zufriedenheit zusammen. Was zufriedenstellenden Sex ausmacht, benennen die Befragten als Gegenseitigkeit, Lust, Präsenz und positive Emotionen.

Die Autorin schliesst daraus, dass sich das Erlernen und Fördern sexueller Selbstwirksamkeit auf institutioneller, kultureller und sexualberaterischer Ebene positiv auf die sexuelle Gesundheit auswirkt. Für die Beratung ist die Atmung der naheliegendste Ansatzpunkt — weil dort am wenigsten vorhanden ist.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Ein Mixed-Methods-Vorgehen mit einer Online-Umfrage: quantitative Werte für die Verteilung, qualitative Daten zur inhaltlichen Gegenprüfung. Mit 149 Teilnehmenden ist die Stichprobe für eine Masterarbeit gross, aber es handelt sich um eine Gelegenheitsstichprobe.

Die Autorin nennt als grösste Herausforderung und zugleich Einschränkung die enge Definition der sexuellen Selbstwirksamkeit im sexuellen Skript. Wer den Begriff weiter fasst, misst etwas anderes — die Vergleichbarkeit mit anderen Studien ist dadurch begrenzt.

Die gefundenen Zusammenhänge sind Korrelationen aus einer Momentaufnahme, keine Wirkungsnachweise.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 109 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu sexuellem Skript, sexueller Selbstwirksamkeit und sexueller Zufriedenheit, die vollständige quantitative und qualitative Auswertung sowie die Reflexion der methodischen Grenzen.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit untersucht den Zusammenhang zwischen sexueller Zufriedenheit und sexueller Selbstwirksamkeit im sexuellen Skript bei Menschen in heterosexuellen Paarbeziehungen. Anhand eines Mixed Methods-Vorgehens wurden mit einer online Umfrage quantitative und qualitative Daten von einer Zufallsstichprobe von 61 Frauen und 33 Männer gesammelt. Die Ergebnisse zeigen, dass eine höhere sexuelle Selbstwirksamkeit im sexuellen Skript moderat mit einer höheren sexuellen Zufriedenheit zusammenhängt. Die wichtigsten Faktoren für zufriedenstellenden Sex waren Gegenseitigkeit, Lust, Präsenz und positive Emotionen. Als in dem erfassten kollektiven sexuellen Skript präsente sexuelle Selbstwirksamkeitsinstrumente zeigten sich Kommunikation, auf spezifisches Nachfragen Bewegung und sexuelle Fantasien. Die Studie ergab geringe geschlechtsspezifische Unterschiede, wobei Männern tendenziell mehr Verantwortung und Partner/in-Bezug und Frauen mehr Mühe mit Präsenz und stärkere Beeinflussung durch äussere Faktoren zugeschrieben wird. Die Ergebnisse legen nahe, dass das Erlernen und Fördern sexueller Selbstwirksamkeit im sexuellen Skript auf institutioneller, kultureller und sexualberaterischer Ebene einen positiven Einfluss auf die sexuelle Gesundheit hat. This master's thesis examines the relationship between sexual satisfaction and sexual self-efficacy in sexual scripts among people in heterosexual relationships. Using a mixed methods approach, quantitative and qualitative data was collected from a random sample of 61 women and 33 men via an online survey. The results show that higher sexual self-efficacy in the sexual script is moderately related to higher sexual satisfaction. The most important factors for satisfying sex were mutuality, pleasure, presence and positive emotions. The sexual self-efficacy tools present in the collective sexual script recorded were communication, in response to specific questioning movement and sexual fantasies. The study revealed minor gender-specific differences, with men tending to ascribe more responsibility and partner-relatedness and women having more difficulty with presence and being more influenced by external factors. The results suggest that learning and promoting sexual self-efficacy in the sexual script on an institutional, cultural and sexual counselling level has a positive impact on sexual health.

Soraya Nora Gradolf, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Sex haben oder Sex machen? : Wie der Anteil an sexueller Selbstwirksamkeit im sexuellen Skript mit der sexuellen Zufriedenheit von Menschen in heterosexuellen Paarbeziehungen zusammenhängt

Verfasst von
Soraya Nora Gradolf

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Selbstwirksamkeit · Sexuelle Zufriedenheit · Paarsexualität

Lizenz und Nachweis. Soraya Nora Gradolf: «Sex haben oder Sex machen? : Wie der Anteil an sexueller Selbstwirksamkeit im sexuellen Skript mit der sexuellen Zufriedenheit von Menschen in heterosexuellen Paarbeziehungen zusammenhängt». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Über das Unterbewusstsein zu besserem Sex?

Yael Roth untersucht in der Masterarbeit «Über das Unterbewusstsein zu besserem Sex?» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Autosuggestion klingt nach Ratgeberregal. Diese Arbeit prüft sie als therapeutisches Werkzeug bei sexueller Lustlosigkeit — mit neun Frauen über dreissig Tage — und ordnet sie neurowissenschaftlich ein, statt sie zu behaupten.

Warum überhaupt Autosuggestion?

Weil es zu dieser Intervention bei konkret sexuellen Anliegen eine Forschungslücke gibt. Die Autorin arbeitet zunächst den Ursprung der Methode auf, setzt sie zu ähnlichen sexologischen Ansätzen in Beziehung und stellt ihre Grenzen dar.

Der Anschluss an die Sexualtherapie ist dabei enger, als der Begriff vermuten lässt. In embodimentorientierten Verfahren wird über den Körper gearbeitet, und über die Neuroplastizität des Gehirns entstehen neue Verknüpfungen, die für Lernprozesse zentral sind. Diese Prozesse können auch das Unterbewusstsein beeinflussen.

Empirisch gestützt wird das durch Befunde, wonach therapeutische Erfolge mit Veränderungen in der Präfrontalregion des Gehirns einhergehen.

Wie unterscheidet sich das von einer Sexualtherapie?

In der Reihenfolge. In einer Sexualtherapie werden über Gespräche und Übungen zunächst stereotype und soziale Einflüsse auf ein Anliegen wie sexuelle Lustlosigkeit reflektiert und bewusst gemacht.

Bei autosuggestiven Interventionen geht es dagegen darum, neue Glaubenssätze zu lernen, die das Unterbewusstsein auf positive Weise beeinflussen. Der Weg führt nicht über die Einsicht, sondern über die Wiederholung.

Die Arbeit stellt beides nebeneinander, statt eines gegen das andere auszuspielen — als zwei Zugänge zu denselben Lernprozessen.

Was hat die Intervention bewirkt?

Neun Cis-Frauen in hetero- und homosexuellen Beziehungen führten dreissig Tage lang eine autosuggestive Intervention zum Anliegen sexueller Lustlosigkeit durch. Erhoben wurde vorher und nachher über zwei schriftliche halbstandardisierte Fragebogen.

Das Ziel — unbewusste negative Glaubenssätze in positive oder wenigstens realistische umzulenken — gelang bei einem Teil der Frauen gut.

Wer weniger Wirkung berichtete, profitierte dennoch: von der Bewusstmachung ausgewählter Themen im Zusammenhang mit der Lustlosigkeit und davon, klarere Ziele für sich definieren zu können. Auch das ist ein Ergebnis.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Neun Frauen ohne Kontrollgruppe, dreissig Tage, Selbstauskunft über Fragebogen. Das erlaubt keine Wirksamkeitsaussage.

Die Arbeit differenziert allerdings sauber zwischen denen, bei denen die Umdeutung gelang, und denen, bei denen sie ausblieb — und benennt für beide Gruppen, was übrig blieb. Am Schluss reflektiert sie Ansätze zur Weiterentwicklung der Methode für sexologische Anliegen.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 132 Seiten. Sie enthält die Herkunft und theoretische Einordnung der Autosuggestion, den neurowissenschaftlichen Hintergrund, die vollständige Intervention sowie die Auswertung der Fragebogen vor und nach den dreissig Tagen.

Methodisches Vorgehen

Die Arbeit stützt sich auf qualitative Interviews und eine Literaturrecherche. Der Volltext umfasst 132 Seiten.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit befasst sich mit der Autosuggestion als therapeutische Methode für sexologische Anliegen. Dafür wurde ihr Ursprung aufgearbeitet, mit ähnlichen (sexologischen) Ansätzen in Bezug gesetzt, und die Grenzen davon dargestellt. Anhand der Recherche wurde weiter eine 30-tägige autosuggestive Intervention zum Anliegen sexueller Lustlosigkeit bei neun Cis-Frauen in hetero- und homosexuellen Beziehungen durchgeführt. Das Erleben mit dem Anliegen vor, sowie auch nach der Intervention wurde mit zwei qualitativen, halbstandardisierten, schriftlichen Fragebogen nach Döring (2022) erörtert. Das Ziel der Studie war, unbewusste, negative Glaubenssätze in Bezug zu sexueller Lustlosigkeit in positive und/ oder realistische umzulenken, was bei einigen Probandinnen gut gelungen ist. Diejenigen, die von weniger Wirkung berichteten, konnten trotzdem von einer Bewusstmachung ausgewählter Themen in Bezug zur sexuellen Lustlosigkeit profitieren und klarere Ziele für sich definieren. Zum Schluss werden in der Arbeit Ansätze zur Weiterentwicklung dieser Methode für sexologische Anliegen anhand der Theorie reflektiert, gemischt mit Erkenntnissen aus der Studie. This master's thesis deals with autosuggestion as a therapeutic method for sexological concerns. To this end, its origins were analyzed, related to similar (sexological) approaches, and the limitations of these approaches were presented. Based on the research, a 30-day autosuggestive intervention was carried out on nine cis-women in heterosexual and homosexual relationships to address the issue of sexual desirelessness. The experience before and after the intervention was evaluated using two qualitative, semi-standardized, written questionnaires according to Döring (2022). The aim of the study was to redirect unconscious, negative beliefs about sexual desirelessness into positive and/ or realistic ones, which was successful for some of the participants. Those who reported less impact were still able to benefit from raising awareness of selected issues relating to loss of sexual desire and defining clearer goals for themselves. Finally, the paper reflects on approaches for the further development of this method for sexological concerns based on theory, mixed with findings from the study.

Yael Roth, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Über das Unterbewusstsein zu besserem Sex? : Eine Untersuchung der Wirkung autosuggestiver Methoden zur Verbesserung sexueller Zufriedenheit

Verfasst von
Yael Roth

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Sexuelles Verlangen · Erektile Dysfunktion · Sexuelle Zufriedenheit

Lizenz und Nachweis. Yael Roth: «Über das Unterbewusstsein zu besserem Sex? : Eine Untersuchung der Wirkung autosuggestiver Methoden zur Verbesserung sexueller Zufriedenheit». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Traumatische Kindheitserlebnisse und sexuelle Funktionsstörungen

Mirjam Städeli untersucht in der Masterarbeit «Traumatische Kindheitserlebnisse und sexuelle Funktionsstörungen» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Traumatische Kindheitserlebnisse sind häufig, sexuelle Funktionsstörungen ebenfalls. Erklärungsmodelle für den Zusammenhang gibt es zahlreiche — ein begründetes Störungsmodell, das der Komplexität beider gerecht wird, gibt es bis heute nicht. Diese Arbeit verfolgt einen körperlichen Pfad.

Welcher Weg wird untersucht?

Das autonome Nervensystem. Chronisch veränderte Reaktionsmuster hin zu einer Überaktivierung des Kampf- und Fluchtsystems sind eine häufige Traumafolge — und dasselbe Nervensystem versorgt bei Frauen wie Männern den grössten Teil der inneren und äusseren Geschlechtsorgane.

Damit ist es für die sexuelle Reaktionsfähigkeit unverzichtbar. Die Verbindung liegt also nahe, wird aber selten ausbuchstabiert.

Dazu kommt der Erregungsmodus: Erregung lässt sich über Rhythmus, muskuläre Spannung und Bewegung aufbauen und steuern. Die Mehrheit der Menschen erregt sich mit viel Druck und hoher Anspannung — im sogenannten Spannungsmodus.

Was hat die Arbeit gezeigt?

Sie konnte einen Zusammenhang zwischen Veränderungen des autonomen Nervensystems hin zur Aktivierung des Kampf-Flucht-Systems und der Wahl eines Erregungsmodus mit viel Spannung nachzeichnen.

Das ist deshalb bedeutsam, weil zum Erregungsmodus nach Sexocorporel und seinem Verhältnis zum autonomen Nervensystem bislang sehr wenige bis gar keine Untersuchungen vorliegen — und damit auch nicht dazu, wie er sexuelle Funktionsstörungen begünstigen kann.

Für die Praxis heisst das: Wer mit Traumafolgen arbeitet, findet hier eine körperbezogene Erklärung dafür, warum sexuelle Beschwerden auftreten — und einen Ansatzpunkt, der nicht über die Erinnerung läuft, sondern über die Regulation.

Warum fehlt bisher ein Modell?

Weil beide Seiten für sich schon komplex sind. Die Arbeit verweist darauf, dass in der Literatur kein begründetes Störungsmodell existiert, das der Komplexität von Traumatisierungen und sexuellen Funktionsstörungen gerecht wird.

Die vorliegende Untersuchung liefert kein solches Modell — sie prüft einen einzelnen, bislang unbeachteten Pfad. Das ist eine bescheidenere und ehrlichere Zielsetzung.

Für die sexologische Praxis ist der Ertrag gleichwohl konkret: Der Erregungsmodus ist erhebbar und veränderbar. Wo eine Traumageschichte vorliegt, lohnt der Blick darauf.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturrecherche und eine eigene Studie zu Sexualfunktion und Erregungsmodus im Zusammenhang mit traumatischer Stressgeschichte und dem autonomen Nervensystem.

Sie zeigt einen Zusammenhang, keine Ursache. Ob die Traumafolge den Erregungsmodus prägt oder ob beides gemeinsam auf etwas Drittes zurückgeht, lässt sich so nicht entscheiden.

Der Wert liegt darin, ein Feld zu betreten, zu dem es kaum Vorarbeiten gibt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 124 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu traumatischen Kindheitserlebnissen und sexuellen Funktionsstörungen, die physiologischen Grundlagen zum autonomen Nervensystem, die Darstellung des Erregungsmodus nach Sexocorporel sowie die vollständige Auswertung der eigenen Erhebung.

Abstract der Arbeit

Die hier vorgelegte Arbeit hat zum Ziel, den Zusammenhang zwischen traumatischen Kind- heitserlebnissen und sexuellen Funktionsstörungen anhand der Rolle des sexuellen Erre- gungsmodus und des autonomen Nervensystems zu untersuchen. Traumatische Kindheits- erlebnisse sind häufig und können langfristige und verheerende Folgen nach sich ziehen. Ebenso sind sexuelle Funktionsstörungen weit verbreitet. Erklärungsmodelle für die Zu- sammenhänge gibt es zahlreiche. Chronisch veränderte Reaktionsmuster des autonomen Nervensystems hin zu einer Überaktivierung des Kampf-/Fluchtmodus sind eine häufige Folge von traumatischen Erlebnissen. Das autonome Nervensystem ist bei Frauen wie auch Männern zuständig für den Grossteil der Versorgung der inneren und äusseren Ge- schlechtsorgane und essentiell für die sexuelle Reaktionsfähigkeit. Der Mensch kann durch ein Spiel mit Rhythmen, muskulärer Spannung und Bewegung sexuelle Erregung modulie- ren und kontrollieren und sie bis zum orgasmischen Höhepunkt aufbauen. Eine Mehrheit der Menschen erregt sich auf eine Art, die entweder mit viel Druck und/oder hoher körper- licher Anspannung verbunden ist und als Spannungsmodus bezeichnet wird. Die hier vor- gestellte Studie „Sexualfunktion und sexueller Erregungsmodus in Zusammenhang mit traumatischer Stressgeschichte und dem autonomen Nervensystem an einer Stichprobe von Sexocorporel-Studierenden“ untersucht die Zusammenhänge zwischen Herzratenvari- abilitätsmessungen (HRV) und den Antworten auf validierte Fragebögen an einer Stich- probe von 88 ehemaligen oder aktuellen Sexocorporel-Studierenden. Die Resultate zeigen signifikante Zusammenhänge zwischen einem überaktivierten Nervensystem hin zum Kampf-/Fluchtmodus und der Wahl eines sexuellen Erregungsmodus mit viel Spannung. Des Weiteren zeigt sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen einem sexuellen Erre- gungsmodus mit viel Spannung und erektilen Einschränkungen. Die Resultate zwischen Herzratenvariabilität und sexuellem Erregungsmodus zeigen gegensätzliche Resultate zur Theorie und zur Hypothese, insofern, dass eine höhere HRV, indikativ für höhere parasym- pathische Aktivierung, mit einem Spannungsmodus einhergeht. Keine signifikanten Resul- tate können zwischen sexuellem Erregungsmodus und dem PEP (premature ejaculation profile) und dem FSFI (female sexual functioning index) gefunden werden. Zukünftige Stu- dien sollen die Zusammenhänge zwischen traumatischen Kindheitserfahrungen und Sexu- alfunktion genauer untersuchen und weitere Forschung, insbesondere zum sexuellen Erre- gungsmodus nach Sexocorporel, betreiben.

Mirjam Städeli, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Traumatische Kindheitserlebnisse und sexuelle Funktionsstörungen : Sexualfunktion und sexueller Erregungsmodus in Zusammenhang mit traumatischen Kindheitserlebnissen und dem autonomen Nervensystem

Verfasst von
Mirjam Städeli

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Sexualisierte Gewalt · Paarsexualität · Sexuelle Zufriedenheit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Mirjam Städeli: «Traumatische Kindheitserlebnisse und sexuelle Funktionsstörungen : Sexualfunktion und sexueller Erregungsmodus in Zusammenhang mit traumatischen Kindheitserlebnissen und dem autonomen Nervensystem». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA3 Masterarbeit

Magnificent Sex – herausragende sexuelle Erlebnisse und Sexocorporel

Franziska Ziegler untersucht in der Masterarbeit «Magnificent Sex» am ISP. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Wenn Menschen ihre herausragendsten sexuellen Erlebnisse schildern, greifen sie zu zwei Sprachen gleichzeitig: der spirituellen — Ekstase, Eins-Werden, allumfassend, auflösend — und der derben: geil, scharf, giga. Dazwischen liegt eine Lücke, und diese Arbeit macht sie zum Thema.

Warum fehlen die Worte?

Die Begriffe, mit denen über Sexualität gesprochen wird, stammen entweder aus medizinischen Fachbüchern oder aus der Alltagssprache. Dazwischen gibt es wenig.

Die Arbeit zitiert dazu die Forschungsgruppe um Peggy Kleinplatz: Man kämpfe mit einem Mangel an Worten, um die Essenz sexueller Erfahrungen zu erfassen — und es sei nicht verwunderlich, dass viele Menschen Schwierigkeiten hätten, ihre Sexualität zu verbessern, wenn ein guter Fahrplan und ein angemessenes Vokabular fehlten, um zu beschreiben, wohin sie wollen.

Genau hier setzt die Autorin an. Wer beschreiben will, was er anstrebt, braucht Begriffe dafür — und Modelle, die diese Begriffe verorten.

Was bringt das Modell Sexocorporel dazu bei?

Es liefert klar abgegrenzte und zugleich miteinander vernetzte Komponenten und Dimensionen. Damit lassen sich Schilderungen strukturieren, statt sie zwischen Fachbegriff und Kraftausdruck stehen zu lassen.

Die Ausgangsannahme der Arbeit lautet, dass Menschen mit Sexocorporel-Erfahrung ihre herausragenden Momente anders beschreiben — mit stärkerem Blick auf den Einsatz des eigenen Körpers.

Der Theorieteil arbeitet dafür die drei Dimensionen der Bewegung heraus: Tonus, Rhythmus und Raum, wobei der Raum den inneren Raum der Atmung und den äusseren Raum umfasst.

Was macht herausragenden Sex aus?

Die Arbeit knüpft an die international beachtete Untersuchung der Forschungsgruppe um Peggy Kleinplatz zu «Magnificent Sex» an — einer Studie, die nicht nach Störungen fragt, sondern nach dem Gelingen.

Geprüft wird die Annahme in vier qualitativen Interviews mit Menschen, die über Erfahrungen mit dem Modell Sexocorporel verfügen. Die Auswertung erfolgt nach Mayring.

Für die Beratung ist der Ansatz deshalb interessant, weil er die übliche Richtung umkehrt. Wer weiss, woraus sich gelingende Sexualität zusammensetzt, kann daran arbeiten — statt nur ein Problem zu beseitigen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier qualitative Interviews mit Menschen, die bereits körperorientiert an ihrer Sexualität gearbeitet haben. Diese Auswahl ist der Fragestellung geschuldet — und begrenzt zugleich, was sich verallgemeinern lässt.

Ob Menschen ohne diese Erfahrung ihre herausragenden Momente tatsächlich anders beschreiben, prüft die Arbeit nicht: Eine Vergleichsgruppe gibt es nicht. Sie zeigt, wie diese Gruppe spricht, nicht dass es an der Methode liegt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 102 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu herausragenden sexuellen Erlebnissen, die Darstellung der körperlichen Faktoren nach dem Modell Sexocorporel, die vollständige Auswertung der vier Interviews sowie Überlegungen zu Grenzen und weiterführender Forschung.

Abstract der Arbeit

«Magnificent Sex» – Herausragende sexuelle Erlebnisse und dazu beisteuernde Faktoren bei Menschen, die über Erfahrungen mit dem Modell Sexocorporel verfügen In der vorliegenden Masterarbeit wird untersucht, wie Menschen, die über Erfahrungen mit dem Modell Sexocorporel verfügen, herausragende Momente in ihrer Sexualität und die dazu beisteuernden Faktoren beschreiben. Ausgehend von den qualitativen Befragungen der Forschungsgruppe rund um Peggy Kleinplatz zu «Magnificent Sex», entstand die An- nahme, dass Menschen, die körperorientierte Übungen im Zusammenhang mit dem Modell Sexocorporel gemacht haben, bei ihren Beschreibungen den Fokus auf den Einsatz ihres Körpers richten. Der Literaturteil der Arbeit widmet sich den herausragenden sexuellen Er- lebnissen und den beisteuernden körperlichen Faktoren, wie sie im Modell Sexocorporel erwähnt werden, also den drei Dimensionen der Bewegung (Tonus, Rhythmus, Raum: in- nerer Raum der Atmung und äusserer Raum). In vier qualitativen Interviews wird die Haupt- fragestellung erforscht und die damit verbundene Annahme überprüft. «Magnificent Sex» – Outstanding sexual moments and contributing factors in people who have experience with the Sexocorporel model. This master's thesis examines how people who have experience with the Sexocorporel mo- del describe outstanding moments in their sexuality and the factors contributing to them. Based on the qualitative interviews conducted by the research group around Peggy Klein- platz on "Magnificent Sex", the assumption arose that people who have done body-oriented exercises in connection with the Sexocorporel model focus on the use of their body in their descriptions. The literature part of the paper is dedicated to the outstanding sexual experi- ences and the contributing bodily factors as mentioned in the Sexocorporel model, that is the three dimensions of movement (tone, rhythm, space: inner space of breathing and outer space). In four qualitative interviews the main question is explored and the related assump- tion is verified.

Franziska Ziegler, Abstract der Masterarbeit, 2022

Angaben zur Arbeit

Titel
Magnificent Sex : Herausragende sexuelle Erlebnisse und dazu beisteuernde Faktoren bei Menschen, die über Erfahrungen mit dem Modell Sexocorporel verfügen

Verfasst von
Franziska Ziegler

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3

Jahr
2022

Themen
Sexuelle Zufriedenheit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Franziska Ziegler: «Magnificent Sex : Herausragende sexuelle Erlebnisse und dazu beisteuernde Faktoren bei Menschen, die über Erfahrungen mit dem Modell Sexocorporel verfügen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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