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MA3 Masterarbeit

Einfluss der angeleiteten Theaterimprovisation auf die sexuelle Selbstsicherheit bei Männern

Urs Christof Sibold untersucht in der Masterarbeit «Einfluss der angeleiteten Theaterimprovisation auf die sexuelle Selbstsicherheit bei Männern» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Sexuelle Selbstsicherheit lässt sich schwer besprechen und leichter erfahren. Diese Arbeit wählt dafür einen ungewöhnlichen Weg: Improvisationstheater. Und sie berichtet auch, bei wem es nicht gewirkt hat.

Was ist das KASBR-Modell?

Ein Aufwärmmodell, das der Autor eigens für diese Arbeit entwickelt hat. Die fünf Buchstaben stehen für Körper, Atmung, Sprache, Bewegung und Rhythmus — Grössen, die im Modell Sexocorporel ebenso vorkommen wie im Theater.

Das Warm-up soll die Teilnehmer in einen körperlichen und mentalen Zustand bringen, in dem sie entspannt sind und ihre bewusste Wahrnehmungsfähigkeit gesteigert ist. Erst danach folgt die Improvisation auf der Bühne.

Der Gedanke dahinter ist einleuchtend: Wer improvisiert, muss ohne Skript auskommen, sich zeigen und mit dem arbeiten, was gerade da ist. Es sind dieselben Fähigkeiten, um die es in der Sexualität geht.

Hat es gewirkt?

Teilweise — und der Autor berichtet das mit Zahlen statt mit Eindrücken. Die Auswertung stützt die Annahme, dass das Warm-up den Zustand verändert. Zwei von acht Teilnehmern gaben allerdings an, keine Veränderung erfahren zu haben.

Auf der verwendeten Skala lag der häufigste Wert vor dem Warm-up bei 4 und danach bei 5 — eine leichte Veränderung nach oben, nicht mehr.

Deutlicher fallen die Aussagen in den beiden vertiefenden Interviews aus. Die Arbeit stützt sich damit auf drei Quellen zugleich: Feedbackbögen aller Teilnehmer, zwei semistrukturierte Interviews und die subjektiven Aussagen während der Workshops.

Für wen ist das interessant?

Für alle, die mit Männern an sexueller Selbstsicherheit arbeiten und dabei über das Gespräch hinauskommen wollen. Der Ansatz verlangt keine Vorerfahrung im Theater und findet in der Gruppe statt.

Das Konzept ist vollständig dokumentiert — Ablauf, Übungen, Warm-up-Modell und Feedbackbögen liegen der Arbeit bei. Wer es nachbauen will, kann das.

Bemerkenswert ist die Zielgruppe. Angebote zur sexuellen Selbstsicherheit richten sich meist an Frauen; Formate für Männer sind selten, und Formate, die ohne das Reden über Probleme auskommen, noch seltener.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Ein Workshop mit fünf bis acht Männern, zwei vertiefende Interviews, Feedbackbögen. Ohne Kontrollgruppe und ohne Nachbefragung nach längerer Zeit.

Der Autor prüft seine Hypothesen ausdrücklich kritisch und hält fest, wo die Daten sie nur teilweise stützen. Dass zwei von acht keine Veränderung berichten, steht im Ergebnis — nicht in einer Fussnote.

Was die Arbeit zeigt, ist die Machbarkeit eines Formats und erste Hinweise auf seine Wirkung. Für mehr wäre eine grössere Untersuchung nötig, was der Autor selbst als nächsten Schritt benennt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 103 Seiten. Sie enthält die Grundlagen zu Improvisationstheater und Modell Sexocorporel, das vollständig ausgearbeitete Warm-up-Modell KASBR, die Auswertung der Feedbackbögen und Interviews sowie Vorschläge zur Weiterentwicklung.

Abstract der Arbeit

In dieser Masterarbeit wird die Veränderung der sexuellen Selbstsicherheit und sexuellen Zufriedenheit von Männern erforscht und beschrieben, die aus einer angeleiteten Theaterimprovisation mit einem vorgängigen Warm-up resultiert. Dieses Warm-up-Modell wurde eigens für diese Masterarbeit entwickelt. Die Methode, basierend auf dem Modell Sexocorporel, wird auf einer Bühne oder in einem Theatersaal in einer zeitlich begrenzten Reihe von Improvisationstheater-Workshops mit dem Warm-up-Modell KASBR erfahren. Diese Erfahrung soll den Teilnehmern die bewusste Veränderung der sexuellen Selbstsicherheit und sexuellen Zufriedenheit aufzeigen. Das Warm-up (engl. warm up, aufwärmen) dient den Teilnehmern für: Körper, Atmung, Sprache, Bewegung, Rhythmus (KASBR) mit Bewusstseinsübungen und Methoden zur praktischen Anwendung in Theaterimprovisation. Der Workshop wird in einer begrenzten Zeitspanne mit fünf bis acht Männern durchgeführt. Mit zwei der Testkandidaten werden semistrukturierte Interviews geführt, mittels deren die Wirksamkeit des Warm-up-Modells KASBR evaluiert und Ansätze zur Weiterentwicklung und Verbesserung der sexuellen Selbstsicherheit und sexuellen Zufriedenheit skizziert werden sollen. Die Workshops mit dem Warm-up-Modell KASBR und anschliessender Theaterimprovisation sowie die dazu geführten semistrukturierten Interviews und Feedbackbögen werden die Grundlage zur Forschung in dieser Arbeit sein. Die Masterarbeit nähert sich den Forschungsfragen in verschiedenen Hypothesen Schritt für Schritt, und im Ergebnis soll ein disziplinärer Erkenntnisgewinn erzielt werden. Die vorliegende Arbeit soll in zweierlei Hinsicht überraschen: sowohl im Sinn einer improvisationstheatralischen Erfahrung als auch hinsichtlich der in diesem Zusammenhang erzielten Ergebnisse. Damit möchte sie einen wissenschaftlichen Beitrag wie auch einen Beitrag zur sexualtherapeutischen Praxis leisten. 211 Wörter, 20 Zeichen ohne Leerzeichen

Urs Christof Sibold, Abstract der Masterarbeit, 2022

Angaben zur Arbeit

Titel
Einfluss der angeleiteten Theaterimprovisation auf die sexuelle Selbstsicherheit und sexuelle Zufriedenheit bei Männern Entwicklung von Theaterimprovisation und Evaluation eines Programms mit Schwerpunkt auf dem Modell Sexocorporel (JeanYves Desjardins) und der eigens dafür

Verfasst von
Urs Christof Sibold

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3

Jahr
2022

Themen
Körperarbeit · Selbstwirksamkeit · Sexuelle Zufriedenheit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Urs Christof Sibold: «Einfluss der angeleiteten Theaterimprovisation auf die sexuelle Selbstsicherheit und sexuelle Zufriedenheit bei Männern Entwicklung von Theaterimprovisation und Evaluation eines Programms mit Schwerpunkt auf dem Modell Sexocorporel (JeanYves Desjardins) und der eigens dafür». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA3 Masterarbeit

Substance linked sex – sexuality under psychoactive substances

Agnes Silvani untersucht in der Masterarbeit «Substance linked sex – sexuality under psychoactive substances» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Sex unter Substanzeinfluss wird öffentlich fast nur als Chemsex verhandelt — bezogen auf Männer, die Sex mit Männern haben, und mit Blick auf Schäden und Todesfälle. Diese Arbeit wählt einen anderen Ausschnitt und einen anderen Ausgangspunkt: überwiegend heterosexuelle Personen, und die Frage, was sie dabei erleben.

Was untersucht die Arbeit?

Sie fragt nach körperlichen, psychischen und zwischenmenschlichen Veränderungen während Sex unter Substanzeinfluss — und zwar aus der Sicht des Modells Sexocorporel. Ein zweites Ziel ist, daraus abzuleiten, was für die sexualtherapeutische Praxis folgt.

Grundlage sind ausführliche qualitative Interviews mit sieben Personen, die solche Erfahrungen kürzlich gemacht haben. Die Arbeit ist auf Englisch verfasst.

Der Zugang ist salutogen: Nicht der Schaden steht am Anfang, sondern die Frage, was Menschen dabei erleben. Studien mit dieser Ausrichtung gibt es nur eine Handvoll.

Was verändert sich?

Die geschilderten Veränderungen fallen sehr unterschiedlich aus — und werden entlang der sexologischen Kategorien des Modells analysiert, statt in einer allgemeinen Wirkungsbeschreibung zu verschwinden.

Die Arbeit fragt darüber hinaus, was von diesen Erfahrungen dauerhaft bleibt. Das ist der für die Beratung entscheidende Punkt: Nicht was während des Konsums geschieht, sondern was danach von der Sexualität übrig ist.

Aus beidem leitet sie ab, was für die Arbeit mit Klientinnen und Klienten in der Sexualtherapie folgt.

Wie offen legt die Arbeit ihre Grenzen?

Ungewöhnlich offen — und das verdient eine eigene Erwähnung. Die Autorin listet vier Einschränkungen auf, statt sie in einem Nebensatz abzuhandeln.

Erstens: Eine qualitative Untersuchung mit sieben Befragten ist weder repräsentativ noch verallgemeinerbar. Ergebnisse und Diskussion seien als eine Sicht auf das Thema zu lesen, nicht als die Sicht.

Zweitens: Die Methodik enthielt zahlreiche Störfaktoren. Drittens war es schwierig, bestimmte Facetten des Modells Sexocorporel auf den Kodierprozess anzuwenden. Und viertens weist sie darauf hin, dass eine Arbeit von einer einzelnen Person anfälliger für Verzerrungen ist als Forschung im Team.

Wer die Ergebnisse liest, weiss danach genau, worauf sie beruhen.

Was heisst das für die Praxis?

Der Wert der Arbeit liegt darin, ein Thema aus der Randlage zu holen. Wer Substanzkonsum im sexuellen Kontext nur bei Männern, die Sex mit Männern haben, vermutet, übersieht einen Teil der Klientel.

Wer mit dem Modell Sexocorporel arbeitet, findet hier zudem eine der wenigen Anwendungen auf dieses Feld — samt der ehrlichen Auskunft darüber, an welchen Stellen das Modell dabei an Grenzen stösst.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 117 Seiten und ist auf Englisch verfasst. Sie enthält den Forschungsstand zu Sex unter Substanzeinfluss, die Analyse entlang des Modells Sexocorporel, die vollständige Auswertung der sieben Interviews sowie eine ausführliche Diskussion der Grenzen und Forschungsperspektiven.

Abstract der Arbeit

Substance linked sex (SLS) has recently received an increasing amount of media and public health attention. Research on the topic so far has mainly been coloured by the chemsex subculture specific to men who have sex with men in certain urban settings and drug-related morbidity and mortality. Fewer are the studies investigating SLS from the perspective of people of all sexual orientations and only a handful of studies have done so with a salutogenic approach. The aim of this master`s thesis is to investigate changes to sexual experiences induced by psychoactive substances using the framework of the Sexocorporel approach in predominantly heterosexual individuals. Within the setting of qualitative in-depth interviews, a number of subjects that had recently experienced SLS were interviewed about their experiences based on the tenets of the Sexocorporel approach. Substances caused variegated changes to the sexual experience and these were subsequently analysed from the particular viewpoint of Sexocorporel. Furthermore, sustainable changes to sexuality due to the experiences of SLS are also discussed, as are conclusions on SLS that can be extrapolated to the clinical work with clients in sexual therapy.

Agnes Silvani, Abstract der Masterarbeit, 2022

Angaben zur Arbeit

Titel
Substance linked sex : Sexual experiences altered by psychoactive substances from the viewpoint of the Sexocorporel approach

Verfasst von
Agnes Silvani

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3

Jahr
2022

Themen
Chemsex & Substanzen · Sexualtherapie · Sexuelle Bildung · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Agnes Silvani: «Substance linked sex : Sexual experiences altered by psychoactive substances from the viewpoint of the Sexocorporel approach». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Die Bedeutung sexueller Fantasien unter hoher Muskelspannung

Debora Dürst untersucht in der Masterarbeit «Die Bedeutung sexueller Fantasien unter hoher Muskelspannung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Das Modell Sexocorporel nimmt an, dass Körper und Geist eine Einheit bilden — dass der Geist widerspiegelt, was der Körper erlebt. Diese Arbeit prüft die Annahme an einem konkreten Fall: Zeigt sich hohe Muskelspannung während der Erregung in den sexuellen Fantasien?

Wie lässt sich das überhaupt prüfen?

Die Autorin befragte fünf Frauen, die in Sexualtherapie sind und einen Erregungsmodus mit hoher Muskelspannung haben. Die Interviews wertete sie inhaltlich strukturierend nach Kuckartz aus.

Geprüft wurde zweierlei: erstens, ob sich die Muskelspannung in den Fantasien überhaupt zeigt — und zweitens, falls ja, auf welche Weise. Ziel war, die sexuellen Fantasien als Instrument der Sexualevaluation nutzbar zu machen.

Was zeigen die Fantasien?

Die Kriterien, die das Modell für hohe Muskelspannung annimmt, tauchen in den Interviews mehrheitlich auf — und es zeichnen sich weitere ab, die im Modell bisher nicht vorgesehen sind.

Bei jeder Befragten liessen sich Rückschlüsse auf ihre Muskelspannung ziehen, für die das Modell eine Erklärung bietet. Die Untersuchung stützt damit die Grundannahme von Körper und Geist als Einheit.

Ein Beispiel macht deutlich, worum es geht: Eine Teilnehmerin hat in ihren Fantasien Gewaltbilder, die sie nie erlebt hat und auch nicht erleben will. Solche Inhalte sind nicht als Wunsch zu lesen — sie haben nach dieser Lesart eine körperliche Entsprechung.

Was heisst das für die Beratung?

Der praktische Wert liegt in einem zusätzlichen Zugang. Wer nach der Muskelspannung fragt, bekommt oft keine brauchbare Antwort, weil sie nicht bewusst ist. Über die Fantasie lässt sie sich möglicherweise erschliessen.

Die Einschränkung, die die Arbeit selbst formuliert, ist dabei entscheidend: Einzeln und aus dem Zusammenhang gelöst lassen sich diese Kriterien nicht auf die Muskelspannung zurückführen. Als Hinweis innerhalb einer ganzheitlichen Evaluation sind sie brauchbar — als Test für sich genommen nicht.

Für Klientinnen kann das entlastend wirken. Wenn der Inhalt einer Fantasie nichts über einen Wunsch aussagt, sondern über eine Körperdynamik, verliert er einen Teil seiner Bedrohlichkeit.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Fünf Interviews mit Frauen, die bereits in Sexualtherapie sind und bei denen der Erregungsmodus eingeordnet wurde. Diese Auswahl ist der Fragestellung geschuldet und begrenzt sie zugleich: Eine Vergleichsgruppe mit anderem Erregungsmodus gibt es nicht.

Damit lässt sich zeigen, dass die Kriterien bei diesen Frauen auftreten — nicht, dass sie bei anderen fehlen. Genau das ist der Grund, warum die Autorin die Fantasien als Hinweis und nicht als Nachweis einordnet.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 118 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu sexuellen Fantasien, die Darstellung des Erregungsmodus im Modell Sexocorporel, die vollständige Auswertung der fünf Interviews sowie die Ableitungen für die sexualtherapeutische Praxis.

Abstract der Arbeit

Das Ziel der vorliegenden Masterarbeit war, die Bedeutung von sexuellen Fantasien als Beratungsinstrument zu untersuchen. Es wurde eruiert, ob die Arbeit mit sexuellen Fantasien ein wichtiges Instrument für die Sexualevaluation sein kann. Dafür wurde der Annahme von Sexocorporel, einem Modell für sexuelle Gesundheit, nachgegangen, dass die Muskelspannung während der Selbstbefriedigung oder der partnerschaftlichen Sexualität einen Einfluss auf die sexuellen Fantasien haben kann. Es wurden fünf qualitative Interviews mit Frauen geführt, die in einer Sexualtherapie sind und einen Erregungsmodus mit hoher Muskelspannung haben. Die Ergebnisse der inhaltlich strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz stützen die Annahme des Modells Sexocorporel von Körper und Geist als Einheit. Kriterien, die gemäss Sexocorporel auf eine hohe Muskelspannung hinweisen, sind vorgekommen und es liessen sich noch weitere Kriterien finden. Es zeigt sich, dass diese Kriterien als wichtiger Hinweis in der ganzheitlichen Sexualevaluation verwendet werden können. Alleine und losgelöst vom Kontext können sie nicht auf die Muskelspannung rückgeführt werden. .

Debora Dürst, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Die Bedeutung sexueller Fantasien unter hoher Muskelspannung

Verfasst von
Debora Dürst

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Sexuelle Fantasien · Geschlecht & Identität · Körperarbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Debora Dürst: «Die Bedeutung sexueller Fantasien unter hoher Muskelspannung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Die Bedeutung sexueller Fantasien in der Sexualberatung nach Sexocorporel

Jessica Müller untersucht in der Masterarbeit «Die Bedeutung sexueller Fantasien in der Sexualberatung nach Sexocorporel» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Sexuelle Fantasien kommen in der Beratung oft zur Sprache — und ebenso oft weiss die Fachperson nicht recht, was damit anzufangen ist. Diese Arbeit fragt drei Sexualberater*innen, die nach Sexocorporel arbeiten, wie sie damit umgehen. Ihre erste Antwort: Eine saubere Definition gibt es nicht.

Was ist eine sexuelle Fantasie?

Weder in der Literatur noch bei den Befragten findet sich eine einheitliche Definition. Die Autorin beschreibt das Verhältnis treffend als gemeinsamen Kern mit unterschiedlichen Blüten drumherum.

Auch eine Kategorisierung scheitert. Die Inhalte sexueller Fantasien weisen jeweils Aspekte mehrerer Kategorien gleichzeitig auf, sodass eine eindeutige Systematisierung nicht möglich ist.

Für die Beratung ist das keine akademische Feststellung. Wer nach Fantasien fragt, sollte nicht voraussetzen, dass alle dasselbe meinen — die Klärung ist Teil des Gesprächs.

Körperliche oder emotionale Erregung?

Hier liegt eine begriffliche Unterscheidung, die die Arbeit klarer trifft als ein Grossteil der Literatur. Sexuelle Fantasien stehen in direktem Zusammenhang mit der emotionalen Erregung und können sie auslösen.

Der Forschungsstand stützt das: Fantasien können sowohl die physiologischen als auch die psychologischen Anteile der sexuellen Reaktion beeinflussen, etwa indem beim Auftreten einer Fantasie Gefühle fokussiert werden.

Die Autorin weist darauf hin, dass viele Autor*innen schlicht von sexueller Erregung sprechen, ohne kenntlich zu machen, ob körperliche, emotionale oder beides gemeint sind. Wer die beiden trennt, kann in der Beratung anders arbeiten.

Welche Interventionen bieten sich an?

Aus den Interviews treten sechs Themen hervor, darunter die Fantasie als Teil des Körpers, ihr Verhältnis zum Bedürfnis nach genitaler Erregung, ihre Rolle in der Paarbeziehung — und die Fantasie als Möglichkeitsform: können statt sein.

Die Arbeit zeigt, dass sich rund um Fantasien verschiedene Interventionen anbieten, die beraterisch vielseitig einsetzbar sind.

Bemerkenswert ist der Umgang mit der Scham, die im Zusammenhang mit Fantasien fast immer auftaucht. Sie wird nicht als Hindernis behandelt, das wegzuräumen wäre, sondern als etwas, das seine Sinnhaftigkeit hat und beraterisch genutzt werden kann.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Drei Interviews mit Sexualberater*innen, die nach dem Sexocorporel-Ansatz arbeiten, ausgewertet nach einer an der Grounded Theory orientierten Methode.

Befragt wurde damit eine sehr spezifische Gruppe — Fachpersonen eines Ansatzes. Wie Beraterinnen anderer Schulen mit Fantasien arbeiten, zeigt die Arbeit nicht, und sie beansprucht es auch nicht.

Der Ertrag liegt in der theoretischen Einbettung: Der Begriff wird über kognitive Psychologie, Sexualwissenschaft, systemische Therapie und Sexoanalyse verortet, bevor die Praxis zu Wort kommt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 93 Seiten. Sie enthält die theoretische Einbettung des Konzepts der sexuellen Fantasie, die vollständige Auswertung der drei Interviews entlang der sechs Themenbereiche sowie die Diskussion der Scham als beraterische Ressource.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersuchte die Frage, welche Bedeutung sexuelle Fantasien in der Sexualberatung nach Sexocorporel haben. Dabei wurde den Fragen nachgegangen, wie sexuelle Fantasien innerhalb des Modells zu verstehen sind und welche beraterischen Interventionen sich rund um sexuelle Fantasien in der Sexualberatung nach Sexocorporel anbieten. Zur theoretischen Einbettung des Konzepts der sexuellen Fantasie, wurden Literatur und Studien aus den Bereichen der kognitiven Psychologie, der Sexualwissenschaft, der systemischen Therapie, bezüglich der Sexoanalyse und des Modells Sexocorporel hinzugezogen. Um die Fragestellungen zu beantworten wurden Expert*inneninterviews mit drei Sexualberater*innen durchgeführt, welche nach dem Sexocorporel-Ansatz arbeiten. Basierend auf einer qualitativen Auswertungsmethode nach Bogner, Littig, und Menz (2014), welche sich an der Grounded-Theory-Methodologie orientiert, wurden die Interviews kodiert und ausgewertet. Aus den Daten ergaben sich folgende zentrale Themen: Offenheit der Definition sexueller Fantasien; Sexuelle Fantasie als Teil des Körpers; Sexuelle Fantasien und das Bedürfnis nach genitaler Erregung; Sexuelle Fantasien im Kontext der Paarbeziehung; Sexuelle Fantasie als Möglichkeitsform – können statt sein; Vielfalt der Interventionen. Die vorliegende Arbeit zeigt auf, dass sich rund um sexuelle Fantasien verschiedene Interventionen anbieten, die beraterisch vielseitig eingesetzt werden können. Es wird diskutiert, dass auch die Scham, häufig im Zusammenhang mit sexuellen Fantasien auftretend, ihre Sinnhaftigkeit hat und beraterisch genutzt werden kann.

Jessica Müller, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Die Bedeutung sexueller Fantasien in der Sexualberatung nach Sexocorporel

Verfasst von
Jessica Müller

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Sexuelle Fantasien · Sexualberatung · Paarsexualität · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Jessica Müller: «Die Bedeutung sexueller Fantasien in der Sexualberatung nach Sexocorporel». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Sexocorporel und Soziale Arbeit

Katrin Lukas untersucht in der Masterarbeit «Sexocorporel und Soziale Arbeit» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

In jeder Beratung sitzen zwei Körper. Die Soziale Arbeit denkt ihre Beratungsbeziehung meist über Sprache, Haltung und Methode — den Körper der Fachkraft und den der Klientin klammert sie eher aus. Diese Arbeit macht genau das zum Thema.

Was ist mit «Körperwissen» gemeint?

Die Arbeit stützt sich auf drei Gesetzmässigkeiten des Körpers, die das Modell Sexocorporel beschreibt: Raum, Tonus und Rhythmus. Sie beeinflussen Wahrnehmung und Lustempfinden und erweitern über Selbstbeobachtung und Selbstaufmerksamkeit das individuelle Körperwissen.

Entscheidend ist die Richtung dieser Beziehung: Die drei Gesetze bestimmen das Erleben — und lassen sich willentlich beeinflussen. Wer den Tonus verändert, verändert die Wahrnehmung.

Theoretisch verortet die Autorin das Körperwissen über Bourdieus Habitus-Konzept und die Embodiment-Theorie.

Warum ist die Unterscheidung von explizitem und implizitem Körper wichtig?

Das Modell Sexocorporel betrachtet beide getrennt. Damit lassen sich Körperwahrnehmungen unterscheiden und entweder den inneren leiblichen Vorgängen oder den äusseren, am Körper sichtbaren Ausdrücken zuordnen.

Diese Trennung verweist zugleich auf ihren Zusammenhang — und darin liegt der Ertrag für die Beratung. Der Zusammenhang macht auf die Möglichkeit der Spiegelung aufmerksam.

Spiegelung ist in sozialer Interaktion und Kommunikation von Bedeutung: Stimme und Körperausdruck wirken auf das Gegenüber, ob beabsichtigt oder nicht. Wer sie bei sich selbst unterscheiden kann, gestaltet die Beratungsbeziehung bewusster.

Was folgt daraus für die Soziale Arbeit?

Die Autorin schlägt vor, die körperliche Ebene zu einer zentralen Ebene der Beratung zu machen. Dann lassen sich Prozess, Interaktion und Arbeitsbeziehung bewusster gestalten.

Für die geschlechterreflexive Beratung heisst das konkret: Die aus dem Körperwissen resultierenden Fähigkeiten unterstützen beratungsaufsuchende Menschen dabei, das Leben innerhalb bestehender Geschlechter- und Machtverhältnisse zu bewältigen, zu gestalten und zu verändern.

Damit richtet sich die Arbeit an Fachpersonen der Sozialen Arbeit, die sexologisches Wissen nicht als Spezialgebiet verstehen wollen, sondern als Teil ihres Handwerks.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Es handelt sich um eine überwiegend theoretische Arbeit, die sexologisches Modellwissen mit sozialwissenschaftlicher Theorie verbindet. Eine empirische Prüfung, ob Beratungen mit diesem Zugang anders verlaufen, gibt es nicht.

Was sie leistet, ist eine Übersetzungsarbeit zwischen zwei Disziplinen, die selten miteinander sprechen — und ein begründeter Vorschlag, wo die Verbindung ansetzen könnte.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 103 Seiten. Sie enthält die Grundlagen zu Körperwissen, Habitus und Embodiment, die Darstellung der drei Gesetze des Körpers nach Sexocorporel sowie die Ableitungen für die geschlechterreflexive Beratung in der Sozialen Arbeit.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit geschlechterreflexiver Beratung in der Sozialen Arbeit und geht der Frage nach, wie das Körperwissen durch Sexocorporel die Handlungskompetenzen der Professionellen erweitert und gelingende Beratung ermöglicht. Im Beratungssetting sind die Fachkräfte mit dem eigenen (Geschlechts-)Körper und dessen Handeln, Denken, Fühlen und Erleben konfrontiert und treffen zudem auf den (Geschlechts-)Körper der beratungsaufsuchenden Person. Damit gestaltet das Handeln, Denken, Fühlen und Erleben der Körper die Beratungsinteraktion und wirkt sich auf die Beratungsbeziehung aus. Deshalb soll in dieser Arbeit das Wissen über den Körper als Beratungsressource untersucht werden. Das Körperwissen kann als Wissen des Körpers verstanden werden und wird mit Bezug auf Bourdieus Habitus-Konzept und der Embodiment-Theorie vorgestellt. Dieses Körperwissen spielt in der geschlechterreflexiven Beratung eine Rolle für Klient_in und Fachkraft. Die aus dem Körperwissen resultierenden Fähigkeiten unterstützen das beratungsaufsuchende Individuum das Leben innerhalb der Geschlechter- und Machtverhältnisse zu bewältigen, zu gestalten und zu verändern. Für die Professionellen der Sozialen Arbeit kann dieses Körperwissen in der Beratungspraxis bewusst für den Prozess, die Interaktion und die Arbeitsbeziehung eingesetzt werden. Das sexologische Modell Sexocorporel besteht aus Methoden um das Körperwissen zu erweitern und kann gewinnbringend ins professionelle Handeln einbezogen werden. So können mit dem Sexocorporel-Konzept wichtige Variablen einer Beratungsbeziehung vertieft werden, der Beratungsprozess als Erkenntnis- und Lernprozess bewusst gestaltet und die Handlungskompetenzen der Fachkräfte erweitert werden. Dies kann gelingen indem die körperliche Ebene eine zentrale Ebene in der Beratung wird. Dadurch werden Chancen und Potenziale für die Beratung und hier besonders für die geschlechterreflexive Beratung in der Sozialen Arbeit eröffnet.

Katrin Lukas, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexocorporel und Soziale Arbeit : Die Bedeutung von Körperwissen durch Sexocorporel für die geschlechterreflexive Beratung in der Sozialen Arbeit

Verfasst von
Katrin Lukas

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Soziale Arbeit · Schwangerschaft & Geburt · Sexualtherapie · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Katrin Lukas: «Sexocorporel und Soziale Arbeit : Die Bedeutung von Körperwissen durch Sexocorporel für die geschlechterreflexive Beratung in der Sozialen Arbeit». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Effects of Feminist Pornography Consumption on Women

Kristi Moore untersucht in der Masterarbeit «Effects of Feminist Pornography Consumption on Women» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Die Debatte über Pornografie dreht sich meist um Schaden. Diese Arbeit stellt eine andere Frage: Lässt sich feministische Pornografie als therapeutische Intervention nutzen, wenn eine Frau mehr sexuelle Aktivität möchte — und was braucht es dafür?

Wie wurde das untersucht?

Die Autorin führte Interviews mit drei Frauen vor und nach der Teilnahme an einem Workshop zu feministischer Pornografie. Die Arbeit ist auf Englisch verfasst.

In den Gesprächen vor dem Workshop ging es um fünf Bereiche: das Bewusstsein für das eigene Genital und die subjektive Erregung, die vorhandenen Mittel zur Erregungssteigerung, die sexuelle Selbstsicherheit, die Einstellungen und Überzeugungen zu Pornografie sowie das Ausmass, in dem die Frau Verantwortung für ihre Sexualität übernimmt.

Der theoretische Teil arbeitet den Unterschied zwischen Mainstream- und feministischer Pornografie auf, dazu den Forschungsstand zu subjektiver und genitaler Erregung, die Rolle des emotionalen Kontexts sowie die Sicht des Modells Sexocorporel.

Was ist das Ergebnis?

Die Autorin hält nach vier Monaten Arbeit an ihrer Ausgangsthese fest: Das Betrachten sexuell relevanten Materials ist eine wirksame und effiziente Methode, die sexuelle Erregungsreaktion zu aktivieren.

Feministische Pornografie sieht sie darüber hinaus als einen Weg, über den Frauen Neues entdecken und sich selbst ermächtigen können — Sexualität als Quelle von Wohlbefinden und Lust zu erleben.

Entscheidend ist dabei nicht der Konsum an sich. Ihre These verbindet drei Bedingungen: eine bewusste Absicht beim Schauen, das Wissen um die eigene Erregungsreaktion und Pornografiekompetenz — begleitet durch Bildung und fachliche Unterstützung.

Was heisst das für die Beratung?

Es ist ein Gegenentwurf zur reinen Konsumreduktion. Wo Pornografie sonst als Problem behandelt wird, fragt diese Arbeit, unter welchen Bedingungen sie ein Mittel sein kann.

Für Fachpersonen, die mit Frauen an Erregung und Verlangen arbeiten, erweitert das die zur Verfügung stehenden Zugänge — vorausgesetzt, die genannten Bedingungen werden mitgedacht.

Ein Vergleich mit der Arbeit von Joana Bösch aus dem Jahrgang MA3 lohnt sich: Diese nähert sich Pornografie über den malerischen Prozess und aus weiblicher Perspektive.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Drei Frauen, vor und nach einem Workshop befragt. Das ist eine sehr kleine Grundlage für eine These über Wirksamkeit.

Die Autorin formuliert ihre Schlüsse denn auch als Überzeugung, an der sie festhält — nicht als Nachweis. Wer die Arbeit liest, sollte diese Unterscheidung mitlesen.

Der Wert liegt in der Fragestellung: Sie ist in der deutschsprachigen Sexualberatung selten und öffnet eine Perspektive, die sonst der Schadensdebatte überlassen bleibt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 96 Seiten und ist auf Englisch verfasst. Sie enthält die Unterscheidung von Mainstream- und feministischer Pornografie, den Forschungsstand zu Erregung, die Einordnung in das Modell Sexocorporel sowie die Auswertung der Interviews vor und nach dem Workshop.

Abstract der Arbeit

With this master’s thesis, the author examines three women’s pornography viewing behaviors and proposes that women who view feminist pornography with a purpose, along with awareness of their sexual arousal response, combined with pornography competence are able to increase the quantity of sexual activities they engage in. This is especially the case after attendance at an educational workshop and combined with support from a sexual health professional. A mixed methods study was conducted, which included an examination of the differences between mainstream and feminist pornography, a review of recent research on subjective and genital arousal, a review of recent work on how emotional context affects arousal and the potentially positive effects of feminist pornography viewing behaviors. This work also examines pornography viewing behaviors from the perspective of Sexocorporel. Feminist pornography is proposed as an aid for arousal and also for empowering oneself to experience sexual activities as a source of well-being and pleasure.

Kristi Moore, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Effects of Feminist Pornography Consumption on Women

Verfasst von
Kristi Moore

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Sexuelles Verlangen · Sexualtherapie · Sexuelle Bildung · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Kristi Moore: «Effects of Feminist Pornography Consumption on Women». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Beratungsansätze bei Leidensdruck unter dranghafter Sexualität oder Sexsucht bei Männern

Nathalie Gadola-Dürler untersucht in der Masterarbeit «Beratungsansätze bei Leidensdruck unter dranghafter Sexualität oder Sexsucht bei Männern» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Wer wegen seiner Sexualität nicht mehr weiterweiss, sucht eine Diagnose und findet vier Fachpersonen mit vier verschiedenen Zugängen. Diese Arbeit hat erhoben, was in der Deutschschweiz tatsächlich gemacht wird — und kommt zu einem unbequemen Befund: Was in der Beratung geschieht, hängt weniger am Verfahren als an der Person, die es anwendet.

Sucht oder Drang — worüber wird hier gesprochen?

Die beiden nach Sexocorporel arbeitenden Fachpersonen verwenden den Suchtbegriff ungern. Sie sprechen von dranghafter Sexualität: einem Suchen, Wünschen und Fordern sexueller Kontakte, begleitet von sexueller Unersättlichkeit. Sucht ist in dieser Lesart kein eigener Zustand, sondern der Endpol eines Kontinuums.

Das ist mehr als eine Wortfrage. Diagnosemanuale wie ICD und DSM denken kategorial: Man erfüllt die Kriterien oder nicht. Der Anteil derer, die klinisch relevante Suchtkriterien erfüllen, ist klein. Die befragten Fachpersonen halten dagegen, dass Betroffene mit Leidensdruck keine erfüllte Kriterienliste brauchen, um behandelt zu werden.

Die Arbeit entstand 2020 und hoffte darauf, dass diagnostische Kriterien Eingang in die ICD-11 finden. Das ist inzwischen geschehen — die zwanghafte sexuelle Verhaltensstörung ist dort als eigene Diagnose erfasst. Die hier beschriebene Spannung zwischen Kategorie und Kontinuum bleibt davon unberührt.

Wer sucht Hilfe?

Es sind überwiegend Männer. Eine der befragten Fachpersonen behandelt bis zu 25 Klientinnen und Klienten pro Woche, darunter bis zu 40 Fälle dranghafter Sexualität im Jahr.

Bei 20 bis 30 Prozent liegt zusätzlich eine ADHS oder eine andere psychische Erkrankung vor, beispielsweise eine bipolare Störung. Oft kommen Männer, die von ihrer Partnerin ertappt wurden, oder solche, die im Alltag und in ihren Beziehungen Einbussen bemerken.

Was diese sehr unterschiedliche Gruppe verbindet, ist nicht ein Verhalten, sondern der Leidensdruck — der eigene, der der Partnerschaft, manchmal auch eine finanzielle Notlage.

Was wirkt in der Beratung?

Die Arbeit vergleicht drei Zugänge: das Modell Sexocorporel, den systemischen Ansatz nach Ulrich Clement und den Ansatz nach David Schnarch. Ihre Antwort auf die Frage, welcher der richtige sei, lautet: Es kommt darauf an, worauf man schaut.

Richtet sich der Blick auf die individuelle sexuelle Lerngeschichte, eignet sich Sexocorporel besonders. Der Betroffene lernt, wie sein Drang mit konkreten Ursachen zusammenhängt, und erhält Zugang zu einer erweiterten Sexualität statt zu einer Verbotsliste.

Steht die Beziehung auf dem Spiel, arbeiten Clement und Schnarch mit dem Paar. Dort geht es darum, sich mit dem Gegenüber auseinanderzusetzen und daran zu wachsen — das Anliegen wird zum Auslöser einer Entwicklung.

Quer über alle drei Zugänge steht dieselbe Kernfrage: Welches Bedürfnis steckt hinter dem ausser Kontrolle geratenen Verhalten, und wie liesse es sich anders befriedigen?

Was heisst das für die Praxis?

Der zentrale Befund der Arbeit ist zugleich ihr unbequemster. Ausschlaggebend dafür, welche Überzeugungen und Interventionen zur Anwendung kommen, sind Erfahrung, Auseinandersetzung und Weiterbildung der behandelnden Person — nicht das Verfahren.

Daraus folgt eine klare Empfehlung: Bei diesem Anliegen ist die Kombination mehrerer Ansätze vorzuziehen. Körperübungen können die sexuelle Balance wiederherstellen und das Gefühl der Steuerungsfähigkeit stärken; dazu kommt das Erlernen dessen, was die Arbeit ein heilsames Ausnützen des Moments zwischen Drang und Reaktion nennt. Die ehrliche Auseinandersetzung mit sich selbst und mit der Partnerin darf dabei nicht fehlen.

Bemerkenswert ist, wie niederschwellig der erste Schritt sein kann. Im besten Fall genügt eine Beratung, die aufklärt, dass das Verhalten in der Spannbreite des Normalen liegt — das allein entlastet bereits.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Die Arbeit stützt sich auf theoriegenerierende Interviews mit vier Fachpersonen, ausgewertet nach der Grounded Theory. Vier Personen bilden die Deutschschweizer Praxis nicht ab, und die Aussagen sind Einschätzungen aus der eigenen Arbeit, keine Messwerte.

Die Arbeit hält das selbst fest und benennt auch, was fehlt: Wirksamkeitsstudien, die zeigen, ob Kombinationsbehandlungen tatsächlich erfolgreicher sind. Was sie leistet, ist eine geordnete Bestandsaufnahme dessen, was Fachpersonen tun, wenn ihnen die Diagnose keine Anleitung gibt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 114 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu dranghafter Sexualität, die Darstellung der drei Beratungsansätze, die vollständige Auswertung der vier Interviews und den systematischen Vergleich von Gemeinsamkeiten und Unterschieden.

Abstract der Arbeit

Eine ausser Kontrolle geratene Sexualität kann für den Betroffenen einen Leidensdruck erzeugen und die Partnerbeziehung belasten und gefährden. Für die Sexsucht oder die dranghafte Sexualität existieren bis heute jedoch weder klare diagnostische Kriterien, noch gibt es eine einheitliche Interventions- oder Behandlungsstrategie. Nach dem Ansatz Sexocorporel begünstigen ein fehlender Bezug zur eigenen Intimität und zur Genitalität die Entwicklung und Aufrechterhaltung des dranghaften sexuellen Verhaltens. Anhand einer Analyse theoriengenerierender Expertinnen- und Experten-Interviews mittels der Grounded Theory wird deutlich, dass es die Erfahrung, die fundierte Auseinandersetzung mit dem Anliegen der Sexsucht und die Aus- und Weiterentwicklungen der behandelnden Thera- peutinnen und Therapeuten sind, die bestimmen, in welcher Form theoretische Überzeu- gungen und konkrete Interventionen in den Beratungen und Behandlungen angewendet werden. Eine Kombination der verschiedenen Ansätze erlaubt, das Anliegen besser zu er- fassen, denn die Behandlung von dranghafter Sexualität ist genauso wie das Verständnis dieses Phänomens eine Herausforderung, die mehr als nur eine spezialisierte Therapieme- thode verlangt.

Nathalie Gadola-Dürler, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Beratungsansätze bei Leidensdruck unter dranghafter Sexualität oder Sexsucht bei Männern Aktuelle Beratungspraxis in der Deutschschweiz

Verfasst von
Nathalie Gadola-Dürler

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Pornografie · Sexualtherapie · Soziale Arbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Nathalie Gadola-Dürler: «Beratungsansätze bei Leidensdruck unter dranghafter Sexualität oder Sexsucht bei Männern Aktuelle Beratungspraxis in der Deutschschweiz». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Fortbildungsprogramm „Sexuelle Gesundheit“ für Hausärzte

Sandra Hauptmann untersucht in der Masterarbeit «Fortbildungsprogramm „Sexuelle Gesundheit“ für Hausärzte» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Patientinnen und Patienten möchten sexuelle Probleme mit ihrer Hausärztin besprechen. Studien zeigen zugleich, dass sich die meisten Hausärztinnen und Hausärzte dabei unsicher fühlen — und dass seit vierzig Jahren mehr Weiterbildung gefordert wird, ohne dass viel geschehen wäre. Diese Arbeit hat daraus keinen weiteren Appell gemacht, sondern ein Programm.

Worauf stützt sich das Programm?

Auf vier Interviews mit Ärztinnen und Ärzten, die zusätzlich sexologisch oder sexualmedizinisch ausgebildet sind. Befragt wurden sie zu Häufigkeit, Ursachen und Therapie der verbreitetsten sexuellen Funktionsstörungen sowie zu ihren Empfehlungen für den Workshop.

Die Auswertung erfolgte über eine zusammenfassende Inhaltsanalyse nach Mayring und ist ungewöhnlich transparent dokumentiert: 198 Paraphrasen insgesamt, davon 115 zu den Ursachen sexueller Funktionsstörungen und 83 zu deren Behandlung.

Aus der Häufigkeit, mit der einzelne Störungsbilder genannt wurden, leitet die Autorin ab, welche Themen ins Programm gehören — ein einfaches, aber nachvollziehbares Vorgehen.

Ein unerwarteter Befund

Die Autorin hält fest, dass sie überrascht war: In den Interviews ging es deutlich mehr um die sexuellen Probleme der Männer als um jene der Frauen.

Das ist keine Nebenbemerkung. Es sagt etwas darüber, was in Praxen tatsächlich zur Sprache kommt — und damit auch darüber, wessen Anliegen gehört werden. Wer eine Fortbildung nur an dem ausrichtet, was berichtet wird, schreibt diese Schieflage fort.

Im entwickelten Programm bilden entsprechend die erektile Dysfunktion und die Lustlosigkeit bei Frauen die beiden Schwerpunkte — die Autorin hat also gegengesteuert.

Wie sieht der Workshop aus?

Er beginnt mit einer Einführung in das Modell Sexocorporel. Danach folgen zwei Rollenspiele: eines mit einem Mann mit erektiler Dysfunktion, eines mit einer Frau mit Lustlosigkeit. Anschliessend übernehmen die Teilnehmenden die Rollen selbst.

Zum Abschluss führen die Ärztinnen und Ärzte Körperübungen durch. Der Gedanke dahinter ist der eigentliche Kern: Wer den Unterschied in der eigenen Körperwahrnehmung selbst gespürt hat, spricht leichter mit Patientinnen darüber.

Damit setzt das Programm nicht bei Wissen an, sondern bei der Unsicherheit — dem Grund, aus dem die Gespräche bisher unterbleiben.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier Interviews mit ausgewählten Fachpersonen — Ärztinnen und Ärzte mit sexologischer Zusatzausbildung sind eine kleine und besondere Gruppe. Was sie berichten, ist Expertenwissen, keine repräsentative Erhebung der hausärztlichen Praxis.

Die Autorin sagt selbst, dass es sich bei der Zählung der Nennungen nicht um statistisch belastbares Material handelt, sondern um einen Hinweis. Und das Programm ist entwickelt, aber nicht erprobt — ob es wirkt, zeigt die Arbeit nicht.

Die Arbeit ist auf Englisch verfasst.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 165 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zur sexualmedizinischen Kompetenz in der Hausarztpraxis, die vollständige Auswertung der vier Interviews mit allen Paraphrasen sowie das ausgearbeitete Workshop-Programm.

Abstract der Arbeit

The family practitioner plays an important role when it comes to sexual issues. Patients want to talk about their sexual problems with their family doctor, but studies show that the majority of general practitioners feel insecure talking about it. For the last 40 years it is known that there should be more training opportunities for general practitioners, but major movements happened. Objective: The aim of this study was to develop a workshop program about sexual health for general practitioners based on four expert interviews. Method: 3 physicians who are also trained sexologists and one who is trained in sexual medicine were interviewed about the prevalence, causes and therapy of the most common sexual dysfunctions as well as about recommendations for the workshop. The interviews were transliterated. The author used the summarizing content analysis of Mayring as the evaluation method. Results: Erectile dysfunction (ED) and female lack of libido are the main topics to be discussed in the workshop. At the beginning of the workshop the Sexocorporel model is going to be explained, afterwards two role plays with a man with ED and a woman with lack of libido are going to be conducted. The participants are going to play the role play between themselves afterwards. Towards the end of the workshop the general practitioners are going to perform some body exercises in order to experience some differences in body awareness which should make it easier for them to talk with their patients about sexuality.

Sandra Hauptmann, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Fortbildungsprogramm „Sexuelle Gesundheit“ für Hausärzte Entwicklung eines Workshops

Verfasst von
Sandra Hauptmann

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Vaginismus · Erektile Dysfunktion · Sexualität & Krankheit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Sandra Hauptmann: «Fortbildungsprogramm „Sexuelle Gesundheit“ für Hausärzte Entwicklung eines Workshops». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Frühzeitige Ejakulation – Erklärungsmodelle und Selbsthilfe

Stefanie Gonin-Spahni untersucht in der Masterarbeit «Frühzeitige Ejakulation – Erklärungsmodelle und Selbsthilfe» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Die frühzeitige Ejakulation ist häufig, schambesetzt und nicht einheitlich definiert — viele Betroffene suchen deshalb gar keine Behandlung. Diese Arbeit hat als erste geprüft, ob ein Weg ohne Praxisbesuch funktioniert. Er tut es.

Wann ist es überhaupt ein Problem?

Die Arbeit setzt hier einen klaren Massstab: Die frühzeitige Ejakulation ist ein in der Allgemeinbevölkerung häufiges Phänomen und nur dann als sexuelles Problem zu betrachten, wenn der betroffene Mann einen Leidensdruck berichtet.

Was diesen Leidensdruck ausmacht, bestätigt die Untersuchung: Am häufigsten und belastendsten ist die fehlende Kontrolle über den Zeitpunkt der Ejakulation — nicht die Dauer an sich.

Damit einher gehen Verzweiflung, negative Auswirkungen auf die Paarsexualität und geringere sexuelle Zufriedenheit.

Was wurde entwickelt und geprüft?

Eine ungeleitete Online-Selbsthilfe nach dem Modell Sexocorporel, bestehend aus Wissensvermittlung und konkreten Körperübungen. Getestet wurde sie über vier Wochen mit zehn Männern.

Der Vergleich vorher und nachher zeigt eine kleine bis mittelstarke Verbesserung der Symptomatik. Die Arbeit bestätigt damit als erste ihrer Art den Nutzen einer Online-Intervention bei frühzeitiger Ejakulation — vor dieser Masterarbeit existierte, soweit bekannt, keine solche.

Was wirkt dabei?

Aufschlussreich sind die Zusammenhänge neben dem Hauptergebnis. Je stärker die Symptome, desto geringer die sexuelle Zufriedenheit. Und die Symptomatik zeigt sich verstärkt bei grösseren sexuellen Bedenken, vor allem in Bezug auf die sexuelle Kommunikation.

Der wichtigste Befund für die Praxis betrifft den Körper: Wer sich bei der Erregungssteigerung in der Selbstbefriedigung häufiger bewegt, hat mehr Kontrolle über die Erregung, weniger Verzweiflung und ist mit dem Geschlechtsverkehr zufriedener.

Bemerkenswert ist zudem die Wahl des Ansatzes. Sexocorporel ist nicht störungsspezifisch, sondern allgemein auf die Förderung sexueller Gesundheit ausgerichtet — behandelt wird also nicht ein Symptom, sondern ein Lernprozess.

Warum ist das versorgungspolitisch relevant?

Weil die Zielgruppe schwer erreichbar ist. Online-Interventionen können nach der von der Autorin aufgearbeiteten Studienlage den Zugang zu einer angemessenen Behandlung erleichtern und eine wirksame Alternative zur Therapie vor Ort bieten.

Bei unterversorgten und schambehafteten Anliegen lässt sich damit kostengünstig eine Versorgungslücke schliessen. Die Autorin sieht darin einen Beitrag zur Prävention sexueller Gesundheit.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Zehn Männer über vier Wochen, ohne Kontrollgruppe. Das ist eine Machbarkeitsstudie, kein Wirksamkeitsnachweis im klinischen Sinn.

Die Autorin formuliert entsprechend zurückhaltend, was sich übertragen lässt: Die Zukunft werde zeigen, inwiefern die Erkenntnis auf andere sexuelle Probleme anwendbar ist.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 103 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu Definition und Erklärungsmodellen der frühzeitigen Ejakulation, die vollständige Online-Selbsthilfe mit allen Übungen sowie die statistische Auswertung des Vorher-Nachher-Vergleichs.

Abstract der Arbeit

Die frühzeitige Ejakulation ist ein nicht einheitlich definiertes, häufig berichtetes sexuelles Phänomen, welches in der Praxis mit Hilfe sexologischer, psychologischer und medizinischer Methoden behandelt wird. Im Fokus der vorliegenden Arbeit steht die subjektive Wahrnehmung der Männer und die Möglichkeit der Verbesserung der Kontrolle über die sexuelle Erregung durch sexuelle Lernschritte, wie sie der Ansatz Sexocorporel beschreibt. Zur Behandlung der frühzeitigen Ejakulation wurde eine ungeleitete online Selbsthilfe mit Wissensvermittlung und konkreten Körperübungen entwickelt und in ihrer Wirksamkeit in Bezug auf die Symptomatik mit Hilfe der Teilnahme von 10 Männern über vier Wochen geprüft. Je stärker sich die Symptome frühzeitiger Ejakulation zeigen, desto tiefer fällt die sexuelle Zufriedenheit aus. Die frühzeitige Ejakulation zeigt sich verstärkt bei grösseren sexuellen Bedenken, vor allem in Hinblick auf die sexuelle Kommunikation. Eine häufigere Bewegung des Körpers bei der Erregungssteigerung in der Selbstbefriedigung hingegen geht mit stärkerer Kontrolle über die Erregung, weniger Verzweiflung und höherer Zufriedenheit mit dem Geschlechtsverkehr einher. Der Vergleich vor und nach der online Selbsthilfe zeigt eine kleine bis mittelstarke Verbesserung der Symptome frühzeitiger Ejakulation. Die online Selbsthilfe nach Sexocorporel beweist sich als wirksame und niederschwellige Alternative zum klassischen Behandlungssetting. Online Interventionen haben das Potenzial besonders bei unterversorgten und teils schambehafteten sexuellen Anliegen wie der frühzeitigen Ejakulation kostengünstig eine Versorgungslücke zu schliessen und einen bedeutenden Beitrag zur Prävention sexueller Gesundheit zu leisten.

Stefanie Gonin-Spahni, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Frühzeitige Ejakulation Definition, Erklärungsmodelle und Testung einer Internet-basierten Selbsthilfe nach Sexocorporel

Verfasst von
Stefanie Gonin-Spahni

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Erektile Dysfunktion · Digitale Medien · Körperarbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Stefanie Gonin-Spahni: «Frühzeitige Ejakulation Definition, Erklärungsmodelle und Testung einer Internet-basierten Selbsthilfe nach Sexocorporel». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Sexualität im Übergang zur Elternschaft

Céline Olivier untersucht in der Masterarbeit «Sexualität im Übergang zur Elternschaft» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Der Übergang zur Elternschaft verändert Beziehung und Sexualität oft dramatisch. Diese Arbeit fragt nicht, was dabei verlorengeht, sondern das Gegenteil: Welche Rolle spielt die Sexualität als Ressource, um dieses Lebensereignis zu bewältigen?

Warum die Frage nach der Ressource?

Die Forschung zum Übergang zur Elternschaft beschreibt meist Verluste — weniger Zeit, weniger Schlaf, weniger Sexualität. Diese Arbeit ist von der positiven Psychologie und von Resilienz-Modellen inspiriert und dreht die Richtung um.

Untersucht werden bio-psycho-soziale Veränderungen auf zwei Ebenen zugleich: bei der einzelnen Person und in der Paarbeziehung. Im Zentrum steht, wie Identitätsentwicklung und Paarsexualität zusammenwirken.

Theoretisch stützt sich die Arbeit auf die Erkenntnisse zum sexuellen Handeln und sexuellen Lernen des Modells Sexocorporel sowie auf entwicklungspsychologische Modelle.

Welche Ressourcen tragen durch diese Zeit?

Die Auswertung zeigt, dass Paare Ressourcen auf mehreren Ebenen aktivieren: auf der persönlichen Ebene und der Identität, auf der Paarebene und auf der sexuellen Ebene.

Konkret benennt die Arbeit sechs Faktoren: Zeit für Zweisamkeit und gemeinsames Erleben; eine klare Abgrenzung zwischen Paarbeziehung — zumindest aber Paarsexualität — und Elternschaft; der Wille zur Autonomie; Vertrautheit und Nähe, emotional wie genital; Neugier und Lust im weiteren Sinn, also Abenteuerlust und Lebendigkeit; und Kommunikation.

Die klare Abgrenzung verdient Beachtung. Sie widerspricht der Vorstellung, Elternschaft und Paarsein liessen sich verschmelzen — und benennt eine Trennung als Ressource, nicht als Mangel.

Was ist das Schlüsselelement?

Die sexuelle Kommunikation. Der offene Austausch über sexuelle Bedürfnisse und Wünsche, über das emotionale Erleben und über die Wahrnehmung des Partners ist nach dieser Arbeit das Schlüsselelement für Aufbau und Weiterentwicklung der Paarsexualität.

Dass sich Zufriedenheit mit der Partnerschaft und Zufriedenheit mit der Paarsexualität in vielen Fällen direkt entsprechen, kommt hinzu — beides lässt sich nicht getrennt bearbeiten.

Für die Beratung von Paaren in dieser Lebensphase ist damit ein Ansatzpunkt benannt, der nicht bei der Häufigkeit ansetzt, sondern beim Gespräch darüber.

Wie wurde vorgegangen?

Über eine qualitative Studie mit Interviews. Befragt wurden drei heterosexuelle Paare, die den Übergang zur Elternschaft erlebt haben — jeweils beide Partner einzeln.

Dass beide Seiten zu Wort kommen, ist für eine Arbeit dieses Umfangs ungewöhnlich und macht die Schilderungen dichter. Ausgewertet wird entlang der Komponenten des Modells Sexocorporel und der zugrunde gelegten entwicklungspsychologischen Rahmenmodelle.

Alle Namen und Ortschaften sind aus Datenschutzgründen anonymisiert oder geändert; die Paare erscheinen durchgehend unter Pseudonymen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Drei Paare, also sechs Interviews. Das erlaubt keine Aussagen über Häufigkeiten — was die Arbeit auch nicht beansprucht.

Wer sich auf ein Interview über die eigene Sexualität nach der Geburt einlässt, gehört zudem wahrscheinlich zu den Paaren, bei denen darüber gesprochen werden kann. Die Arbeit widmet der Kritik und den weiterführenden Fragestellungen ein eigenes Kapitel.

Ihr Wert liegt in der Blickrichtung. Sie fragt nach dem, was trägt — und liefert damit für die Beratung brauchbarere Anhaltspunkte als eine weitere Aufzählung dessen, was schwierig wird.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 204 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zur Sexualität heterosexueller Paare im Übergang zur Elternschaft, den entwicklungspsychologischen Rahmen, die Darstellung der relevanten Modelle, die vollständige Auswertung der drei Paarinterviews samt Kurzporträts sowie ein eigenes Kapitel zu Kritik und offenen Fragen.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit bietet einen Überblick über den aktuellen Stand der Wissenschaft hinsichtlich der Sexualität heterosexueller Paare im Übergang zur Elternschaft, sowie eine qualitative Untersuchung in der Form von Interviews über die Sexualität als Ressource für die Bewältigung dieses Lebensereignis. Der Übergang zur Elternschaft ist ein einschneidendes Lebensereignis, welches oftmals mit dramatischen Veränderungen von Beziehung und Sexualität einhergeht. Inspiriert von der positiven Psychologie und Resilienz-Modellen werden bio-psycho-soziale Veränderungen auf der individuellen Ebene und der Paarbeziehung untersucht. Es wird gezeigt, wie Identitätsentwicklung und die Paarsexualität interagieren und analysiert, welche spezifischen Faktoren – insbesondere im Rahmen der Sexualität – in diesem Übergang unterstützend wirken. Basierend auf den Erkenntnissen zum sexuellen Handeln und sexuellen Lernen des Modells Sexocorporel sowie verschiedenen entwicklungspsychologischen Modellen wurde eine qualitative Studie entworfen und durchgeführt. Es wurde untersucht, welche Komponenten des Sexocorporel unterstützend wirken und wie die jeweiligen Paare den Übergang zum Eltern-werden erlebt haben.

Céline Olivier, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexualität im Übergang zur Elternschaft – Faktoren für die Bewältigung eines Lebensereignisses

Verfasst von
Céline Olivier

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Schwangerschaft & Geburt · Paarsexualität · Sexuelle Kommunikation · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Céline Olivier: «Sexualität im Übergang zur Elternschaft – Faktoren für die Bewältigung eines Lebensereignisses». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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