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MA4 Masterarbeit

Abhängigkeitspotenzial von PDE-5-Hemmern bei jungen, gesunden Männern

Nathalie Hirsekorn untersucht in der Masterarbeit «Abhängigkeitspotenzial von PDE-5-Hemmern bei jungen, gesunden Männern» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Die befragten Männer hatten keine Erektionsstörung, als sie mit den Potenzmitteln anfingen. Sie gerieten trotzdem in eine subjektive psychische Abhängigkeit. Diese Arbeit zeigt, was dazu führt — und dass die Scham ein eigener Faktor ist.

Wer nimmt PDE-5-Hemmer ohne Not?

Junge, gesunde Männer ohne medizinische Notwendigkeit — eine Gruppe, deren Konsum in den letzten Jahren zugenommen hat und die sich subjektiv als abhängig von dieser Medikamentengruppe beschreibt.

Der zentrale Befund der Arbeit ist, dass die Probanden ursprünglich ohne Erektionsstörung mit dem missbräuchlichen Konsum begonnen haben. Die Störung ist nicht der Anlass, sondern allenfalls die Folge.

Als wesentliche Faktoren, die zur Abhängigkeit beitragen, nennt die Analyse Unsicherheit, Leistungsdruck und Versagensängste.

Welche Rolle spielt die Scham?

Eine eigenständige. Die Scham veranlasst die Probanden, ihren Konsum vor ihren Sexualpartnerinnen geheim zu halten.

Damit entsteht eine zweite Ebene des Problems. Was verborgen bleibt, kann nicht besprochen werden — weder mit der Partnerin noch mit einer Fachperson. Der Konsum stabilisiert sich also nicht nur pharmakologisch, sondern auch sozial.

Verstärkt wird das durch die Leichtfertigkeit der Anwendung. Sie entspringt hedonistischen Motiven, aber auch fehlender Aufklärung — und bewirkt, dass die damit verknüpften Problematiken gar nicht oder kaum beachtet werden.

Was begünstigt den Konsum sonst noch?

Die Arbeit nennt drei weitere Einflussfaktoren: das soziale Umfeld, die Einfachheit der Beschaffung und das Bestreben, negative Emotionen zu vermeiden.

Besonders aufschlussreich ist ein sexologischer Befund. Die Probanden weisen unterschiedliche Erregungsmodi und Zentrierungen auf, was ihre sexuelle Wahrnehmung und Interaktion beeinflusst — und möglicherweise mit dem Konsum in Verbindung steht.

Damit verschiebt sich der Ansatzpunkt. Wer nur über das Medikament spricht, übersieht, wie diese Männer Erregung überhaupt aufbauen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Halbstrukturierte Interviews mit drei Probanden, ausgewertet nach Mayring. Drei Personen sind eine sehr kleine Grundlage — und für eine Gruppe, die ihren Konsum geheim hält, sind drei ausführliche Gespräche bereits bemerkenswert.

Die Autorin hebt selbst hervor, dass es weitere Forschung braucht, um die langfristigen Auswirkungen des missbräuchlichen Konsums zu verstehen und geeignete Präventions- und Interventionsstrategien zu entwickeln. Die Arbeit ist auf Deutsch und Englisch abgefasst.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 82 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu PDE-5-Hemmern und ihrem Missbrauch, die vollständige Auswertung der drei Interviews sowie die Einordnung der Erregungsmodi in das Modell Sexocorporel.

Abstract der Arbeit

In den letzten Jahren hat der Missbrauch von erektionsfördernden Medikamenten der Phosphodiesterase-5-Hemmern (PDE-5-Hemmern) bei jungen, gesunden Männern ohne medizinische Notwendigkeit zugenommen. Diese Masterarbeit befasst sich mit dieser Zielgruppe, die sich aus subjektiver Sicht von eben dieser Medikamentengruppe als abhängig bezeichnen. Die qualitative Studie untersucht das Abhängigkeitspotenzial anhand von Risikofaktoren sowie psychosozi- ale und physiologische Auswirkungen dieses Missbrauchs. Mittels halbstrukturierter Interviews mit drei Probanden werden die zugrunde liegenden Motive und die Auswir- kungen auf ihre Sexualität analysiert. Die Ergebnisse zeigen eine Vielzahl von Fakto- ren, die als zentrale Gründe für den missbräuchlichen Konsum identifiziert wurden. Dazu gehören Neugier, der Wunsch nach verbesserter sexueller Leistungsfähigkeit und sozialer Druck. Insbesondere sexuelle Unsicherheiten und Leistungsdruck schei- nen eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung einer subjektiven Abhängigkeit zu spie- len. Diese Studie hebt die Notwendigkeit weiterer Forschung hervor, um die langfristi- gen Auswirkungen des missbräuchlichen Konsums von PDE-5-Hemmern besser zu verstehen und geeignete Präventions- und Interventionsstrategien zu entwickeln. In recent years, the misuse of erectile stimulants such as phosphodiesterase-5 inhibi- tors (PDE-5 inhibitors) has increased among young, healthy men without medical ne- cessity. This master's thesis deals with this target group, who describe themselves as dependent on this group of drugs from a subjective point of view. The qualitative study examines the potential for dependence on the basis of risk factors as well as the psy- chosocial and physiological effects of this abuse. Semi-structured interviews with three test subjects are used to analyze the underlying motives and the effects on their sex- uality. The results show a variety of factors, including curiosity, the desire for improved sexual performance and social pressure, which were identified as central reasons for regular use. In particular, sexual insecurity and pressure to perform appear to play a significant role in the development of subjective addiction. This study highlights the need for further research to better understand the long-term effects of abusive use of PDE-5 inhibitors and to develop appropriate prevention and intervention strategies.

Nathalie Hirsekorn, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Abhängigkeitspotenzial von PDE-5-Hemmern bei jungen, gesunden Männern : Eine qualitative Untersuchung der Risikofaktoren und den psychosozialen und physiologischen Auswirkungen

Verfasst von
Nathalie Hirsekorn

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Erektile Dysfunktion · Männlichkeit · Pornografie

Lizenz und Nachweis. Nathalie Hirsekorn: «Abhängigkeitspotenzial von PDE-5-Hemmern bei jungen, gesunden Männern : Eine qualitative Untersuchung der Risikofaktoren und den psychosozialen und physiologischen Auswirkungen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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