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MA3 Masterarbeit

Einfluss der erektilen Dysfunktion nach einer radikalen Prostatektomie

Peter Steinmann untersucht in der Masterarbeit «Einfluss der erektilen Dysfunktion nach einer radikalen Prostatektomie» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Drei der vier befragten Männer berichteten nach der Prostataoperation von keinerlei psychischen Nachwirkungen. Alle drei hatten denselben Urologen — einen, der zusätzlich Sexologie studiert hat. Der vierte, nur medizinisch aufgeklärt, musste sich seine Antworten allein zusammensuchen. Der Autor benennt diesen Umstand selbst als Schwäche seiner Studie. Er ist zugleich ihr stärkstes Ergebnis.

Was verändert sich nach der Operation?

Die physiologischen Funktionen nehmen durch die radikale Prostatektomie ab — das ist erwartbar und bestätigt sich. Die Häufigkeit sexueller Begegnungen und der Selbstbefriedigung blieb dagegen etwa gleich.

Alle vier Befragten können auch nach dem Eingriff ihre Lust steigern, Erektionen bekommen und zum Orgasmus kommen. Was sich verändert hat, liegt anderswo.

Erhoben wurde das entlang der Komponenten des Modells Sexocorporel, jeweils für die Zeit vor und nach der Operation — ein Vorgehen, das mehr zeigt als die Frage nach der Erektionsfähigkeit allein.

Was macht die erektile Dysfunktion mit der Selbstsicherheit?

Die sexuelle Selbstsicherheit hat nach der Operation abgenommen. Das ist der zentrale Befund und der Grund, warum diese Arbeit über eine urologische Nachkontrolle hinausgeht.

Bei den Bewältigungsstrategien nannten die Männer vor allem PDE-5-Hemmer. Der Umgang mit der Störung läuft also stark über Medikamente — was naheliegt, wenn die Beratung sich auf das Medizinische beschränkt.

Warum ist die Begleitung entscheidend?

Hier liegt der eigentliche Ertrag. Drei Befragte gaben an, psychisch keine Nachwirkungen zu haben, und hatten weder Fragen noch Verbesserungsvorschläge zur medizinischen und sexologischen Betreuung. Alle drei waren Patienten desselben Urologen, der auch Sexologie studiert hat und sie entsprechend begleiten konnte.

Der vierte Teilnehmer wurde von seinem Urologen nur medizinisch aufgeklärt und musste die sexologischen Fragen mit grossem Aufwand auf anderen Wegen selbst abklären.

Der Autor wertet die Rekrutierung dieser drei über denselben Arzt als Einschränkung der Repräsentativität — und zieht daraus zugleich den Schluss, dass ein entsprechend ausgebildeter Urologe seine Patienten auch über das Medizinische hinaus vollumfänglich beraten kann.

Was heisst das für die Praxis?

Für die Urologie ist die Folgerung unmittelbar: Die sexologische Kompetenz der behandelnden Person entscheidet mit darüber, wie ein Mann die Zeit nach der Operation erlebt. Nicht als Zusatzangebot, sondern als Teil der Nachsorge.

Für die Sexualberatung heisst es umgekehrt: Wer Männer nach einer Prostatektomie begleitet, arbeitet meist mit denen, die diese Begleitung nicht bekommen haben.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier qualitative Interviews, ausgewertet nach Mayring. Der Autor reflektiert seine Methodik ungewöhnlich offen und benennt drei Schwächen selbst.

Erstens die einseitige Rekrutierung über einen Arzt. Zweitens: Ein Teilnehmer hatte nach der Operation keine Sexualpartnerin mehr und fiel bei allen partnerbezogenen Fragen aus — er hätte das vorher abklären müssen. Drittens waren die verwendeten Skalen von 0 bis 7 ungünstig gewählt; von 0 bis 10 hätten sie sich ohne Umrechnung mit den Prozentskalen verbinden lassen.

Diese Offenheit macht die Arbeit nicht schwächer, sondern lesbarer. Man weiss, worauf sich die Aussagen stützen.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 107 Seiten. Sie enthält die medizinischen Grundlagen der radikalen Prostatektomie, den Forschungsstand zur erektilen Dysfunktion danach, die vollständige Auswertung der vier Interviews entlang der Komponenten des Modells Sexocorporel sowie die kritische Methodenreflexion.

Abstract der Arbeit

In der vorliegenden Masterarbeit werden die Folgen einer partiellen oder vollständigen erek- tilen Dysfunktion bei Männern betrachtet, welche sich einer radikale Prostatektomie unter- zogen haben. Es wurden dafür vier Männer nach einer radikalen Prostatektomie in einem qualitativen Interview befragt. Eine zentrale Frage dieser Arbeit war die Untersuchung der sexuellen Selbstsicherheit ba- sierend auf den Komponenten des Sexocorporel vor und nach der radikalen Prostatekto- mie. Die Ergebnisse zeigen, dass die sexuelle Selbstsicherheit nach der Operation durch die erektile Dysfunktion abgenommen hat. Eine weitere Frage betrifft die Bewältigungsstrategien der Interviewteilnehmer beim Um- gang mit den Nachwirkungen der Operation. Hier geht es ebenfalls vor allem um den Um- gang mit der erektilen Dysfunktion. Bei den Strategien erwähnten die Teilnehmer vornehm- lich verschiedene PDE-5-Hemmer. In Bezug auf die psychischen Nachwirkungen sagten drei der vier Teilnehmer, dass sie psychisch keine Nachwirkungen hätten. Alle drei Perso- nen sind Patienten desselben Urologen. Da Letzterer auch Sexologie studiert hatte, konnte er die Patienten zusätzlich sexologisch einwandfrei betreuen, sodass in diesem Bereich keine Fragen offenblieben. Dies war ein grosser Gegensatz zur Situation beim vierten Teil- nehmer, der von seinem Urologen nur medizinisch aufgeklärt wurde und mit grossem Auf- wand die sexologischen Fragen auf anderen Wegen allein abklären musste. Dieser letzte Teilnehmer besuchte eine begleitende Sexualtherapie, welche nach seinen Angaben seine Heilung beschleunigt hat. Schlussfolgerung: Wie in den Forschungshypothesen angenommen hat die sexuelle Selbstsicherheit durch die radikale Prostatektomie abgenommen. Im Weiteren hat sich gezeigt, dass es von grosser Bedeutung ist, dass Patienten einer radikalen Prostatektomie mit ihren Partner*innen, sowohl medizinisch als auch sexologisch betreut werden, damit sie effektiv mit den Folgen der Operation umgehen können. Diese Betreuung kann durch einen entsprechend ausgebildeten Urologen oder durch einen Se- xologen erfolgen.

Peter Steinmann, Abstract der Masterarbeit, 2022

Angaben zur Arbeit

Titel
Einfluss der erektilen Dysfunktion nach einer radikalen Prostatektomie auf das Sexualleben des betroffenen Mannes : Einfluss der Operationsfolgen auf die sexuelle Selbstsicherheit unter Einbezug des Modells Sexocorporel

Verfasst von
Peter Steinmann

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3

Jahr
2022

Themen
Operative Eingriffe · Erektile Dysfunktion · Selbstwirksamkeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Peter Steinmann: «Einfluss der erektilen Dysfunktion nach einer radikalen Prostatektomie auf das Sexualleben des betroffenen Mannes : Einfluss der Operationsfolgen auf die sexuelle Selbstsicherheit unter Einbezug des Modells Sexocorporel». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Sexuelle Lust von Frauen im Alter von 40+ in langfristigen Beziehungen

Katja Merk untersucht in der Masterarbeit «Sexuelle Lust von Frauen im Alter von 40+ in langfristigen Beziehungen» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Frauen, bei denen die Lust nach zwanzig Jahren Beziehung noch da ist, haben kein Glück gehabt. Sie tun etwas dafür. Das ist der Kernbefund dieser Arbeit — und er widerspricht der verbreiteten Annahme, sexuelle Lust sei eine Eigenschaft, die man hat oder eben nicht.

Was aktiviert sexuelle Lust in einer langen Beziehung?

Drei Frauen über vierzig, alle seit mehr als zwanzig Jahren in derselben Beziehung, wurden ausführlich befragt. Was sie beschreiben, ist konkret und erlernbar.

Der Zugang zum eigenen Geschlecht und eine hohe sexuelle Selbstsicherheit wirkten sich deutlich positiv auf die Lust aus. Dazu kommt der Einsatz des Körpers während der Erregung: Bewegung, der Wechsel von Anspannung und Entspannung sowie tiefe Atmung aktivieren und steigern die Lust.

Voraussetzungen nennen die Befragten ebenfalls beim Namen — nicht gestresst sein, sich hingeben können, einen freien Kopf haben. Und die Wahrnehmung beim eigenen Körper zu halten statt beim Partner. Weiter aktivieren sie ihre Lust über sexuelle Fantasien und über Emotionen, die etwa Filme oder Musik auslösen.

Kommt die Lust vor oder nach der Erregung?

Hier liegt der Befund, der die verbreitete Erwartung am deutlichsten verschiebt. Anders als am Anfang einer Beziehung stellt sich die Lust bei den Befragten häufig erst nach der sexuellen Erregung ein — nicht davor.

Das hat praktische Folgen. Wer darauf wartet, Lust zu verspüren, bevor er sich auf Sexualität einlässt, wartet unter Umständen auf etwas, das sich in dieser Reihenfolge gar nicht mehr einstellt. Die anfängliche Verliebtheit, aus der sich die Lust am Beginn einer Beziehung speist, lässt mit der Zeit nach — was danach kommt, funktioniert anders.

Und was in einer Begegnung gelingt, wirkt weiter: Die Befragten beschreiben, dass eine gute Erfahrung die Lust auf die nächste erhöht.

Spielt das Alter eine Rolle?

Kaum. Nach den Ergebnissen dieser Arbeit ist nicht das tatsächliche Alter der Frau entscheidend, sondern die Dauer der Beziehung. Was verlorengeht, ist nicht die körperliche Fähigkeit, sondern der Antrieb aus der Verliebtheit — und der muss durch etwas anderes ersetzt werden.

Das ist eine ermutigende Aussage für Frauen, denen erklärt wird, in ihrem Alter sei das eben so. Und es verschiebt die Frage: nicht «was ist mit mir nicht in Ordnung», sondern «was tue ich dafür».

Was heisst das für die Beratung?

Kommt eine Frau mit einem Anliegen zur sexuellen Lust in die Praxis, empfiehlt die Arbeit, drei Bereiche genauer anzusehen: den Zugang zum eigenen Geschlecht, die sexuelle Selbstsicherheit und den Einsatz des Körpers während der Erregung.

Das Modell Sexocorporel sieht ein solches Vorgehen ohnehin vor — erst evaluieren, dann gezielt vorhandene Ressourcen stärken. Diese Arbeit belegt, dass sich der genaue Blick auf diese drei Bereiche lohnt.

Einen zweiten Schluss zieht die Autorin über die Beratung hinaus: Die Grundlagen für sexuelle Selbstsicherheit und einen guten Zugang zum eigenen Geschlecht werden in der Kindheit gelegt. Eine Erziehung, die die sexuelle Entwicklung zulässt und frei von Scham- und Schuldgefühlen ist, wirkt Jahrzehnte später.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Drei Interviews, ausgewertet nach Mayring. Die Autorin hält fest, dass weitere Gespräche womöglich weitere Aspekte zutage gefördert hätten.

Wichtiger noch ist die Auswahl: Befragt wurden ausschliesslich Frauen über vierzig in langjährigen Beziehungen, die noch immer Lust auf Sex mit ihrem Partner verspüren. Eine Vergleichsgruppe gibt es nicht. Die Arbeit zeigt also, was diese Frauen tun — nicht, dass genau das bei anderen wirken würde. Als Sammlung dessen, was in der Praxis funktioniert, bleibt sie dennoch aufschlussreich.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 99 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu sexueller Lust, die Einordnung in das Modell Sexocorporel, die vollständige Auswertung der drei Interviews und die Ableitungen für die Beratungspraxis.

Abstract der Arbeit

In langfristigen Beziehungen sinkt nach den Erkenntnissen der Literatur bei einem Grossteil der Frauen die sexuelle Lust, während sie bei anderen erhalten bleibt. Einen wesentlichen Einfluss auf die sexuelle Lust haben das Kennen eigener Bedürfnisse, deren Kommunikation in der Beziehung, die sexuelle Selbstsicherheit, die Wahrnehmung der eigenen Vagina und Vulva sowie der Einsatz des Körpers während der Erregungssteigerung. Das Ziel dieser Arbeit besteht darin herauszufinden, wie Frauen in langfristigen Beziehungen ihre sexuelle Lust aktivieren und steigern und welche Rolle dabei der Zugang zum eigenen Geschlecht, der Einsatz des Körpers während der Erregungssteigerung sowie die sexuelle Selbstsicherheit spielen. Mit Hilfe von drei leitfadengestützten Interviews wurden drei Frauen im Alter von 40+, welche alle seit über 20 Jahren in einer festen Beziehung leben, befragt. Die erhobenen Daten wurden mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass die sexuelle Lust im Vergleich zum Beziehungsanfang häufig erst nach der sexuellen Erregung eintritt. Voraussetzungen wie nicht gestresst sein, sich hingeben können und einen freien Kopf haben helfen sexuelle Lust aufkommen zu lassen. Die eigene Wahrnehmung beim eigenen Körper zu haben fördert die sexuelle Lust. Die Erregung und den Genuss durch tiefe Atmung und Bewegung des Beckens zu erhöhen sowie eigene Wünsche mitzuteilen steigern die sexuelle Lust ebenfalls und wirken sich positiv auf das Aufkommen letzterer für eine nächste sexuelle Begegnung aus. Weiter aktivieren Frauen ihre sexuelle Lust durch sexuelle Fantasien sowie durch Emotionen, welche beispielsweise durch Filme oder Musik hervorgerufen werden.

Katja Merk, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexuelle Lust von Frauen im Alter von 40+ in langfristigen Beziehungen – Die Rolle des Zugangs zum eigenen Geschlecht, der Art und Weise den Körper bei sexueller Erregung einzusetzen sowie der sexuellen Selbstsicherheit

Verfasst von
Katja Merk

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Sexuelles Verlangen · Selbstwirksamkeit · Sexuelle Fantasien

Lizenz und Nachweis. Katja Merk: «Sexuelle Lust von Frauen im Alter von 40+ in langfristigen Beziehungen – Die Rolle des Zugangs zum eigenen Geschlecht, der Art und Weise den Körper bei sexueller Erregung einzusetzen sowie der sexuellen Selbstsicherheit». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA2 Masterarbeit

Akzeptanz von haptischen und körperorientierten Methoden in der sexuellen Bildung

Laura Burkhardt untersucht in der Masterarbeit «Akzeptanz von haptischen und körperorientierten Methoden in der sexuellen Bildung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2020 im Jahrgang MA2 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Genitale Operationen bei Frauen nehmen zu, und die Forschung fordert Massnahmen, die das genitale Selbstbild verbessern. Ob Frauen solche Methoden überhaupt annehmen würden, war offen. Diese Arbeit hat es mit zwölf Frauen ausprobiert.

Was wurde untersucht?

Die Frage lautet: Welche Akzeptanz erfahren körperorientierte und haptische Methoden in der sexuellen Bildung in Bezug auf das genitale Selbstbild — und zwar im Gruppensetting?

Dafür führte die Autorin mit zwölf Frauen einen Workshop zum genitalen Selbstbild durch und anschliessend zwei Gruppendiskussionen, ausgewertet nach Mayring.

Haptisch heisst hier: mit den Händen begreifen. Modelle, Materialien, Berührung — ein Zugang, der in der Erwachsenenbildung zu diesem Thema selten vorkommt.

Werden solche Methoden angenommen?

Weitgehend ja. Die Methoden wurden im Gruppensetting akzeptiert und positiv besetzt. Für die sexuelle Gesundheitsförderung heisst das, dass ein Angebot rund um das weibliche Genital, das körperorientierte und haptische Übungen einschliesst, auf Resonanz stösst.

Eine Bedingung nennt die Arbeit allerdings deutlich: Eine theoretische Einbettung der Übungen erscheint sinnvoll und wichtig. Haptische Methoden allein, ohne erklärenden Rahmen, sind nicht dasselbe.

Das ist ein praktischer Hinweis für jede Kursgestaltung: Die Übung braucht den Kontext, sonst bleibt sie eine Übung.

Was deutet sich über die Wirkung an?

Untersucht wurde die Akzeptanz, nicht die Wirkung — und die Arbeit hält diese Unterscheidung sauber ein. Sie weist aber auf Hinweise hin, die sich nebenbei ergaben.

Die Teilnehmerinnen äusserten sich überwiegend positiv zu den einzelnen Elementen und berichteten von Wissensaneignung. Daraus lässt sich vermuten, dass nicht nur das Format angenommen wurde, sondern dass auch die Inhalte für die sexuelle Gesundheitsförderung sinnvoll sein dürften.

Die Autorin empfiehlt ausdrücklich, die Wirkweise eines solchen Workshop-Formats in weiterer Forschung genauer zu untersuchen. Sie behauptet also nicht, was sie nicht geprüft hat.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Ein Workshop mit zwölf Frauen und zwei anschliessende Gruppendiskussionen. Wer sich für einen solchen Workshop anmeldet, bringt eine gewisse Offenheit bereits mit — die gemessene Akzeptanz ist also eine Akzeptanz unter Interessierten.

Für die Ausgangsfrage ist das dennoch aussagekräftig. Sie lautete nicht, ob alle Frauen solche Methoden annehmen, sondern ob sie sich im Gruppensetting überhaupt durchführen lassen. Diese Frage ist beantwortet.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 87 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu genitalem Selbstbild und genitalen Operationen, die Beschreibung des durchgeführten Workshops sowie die vollständige Auswertung der beiden Gruppendiskussionen.

Abstract der Arbeit

Studien zeigen, dass die Zahl der genitalen Operationen bei Frauen zugenommen hat. Dies kann auf die Unzufriedenheit mit den eigenen Genitalien zurückzuführen sein, was sich wiederum auf die sexuelle Zufriedenheit auswirken kann. Forscher fordern daher In- terventionen, die das genitale Selbstbild verbessern. Da nur wenige Angebote für erwach- sene Frauen in der Sexuellen Bildungslandschaft existieren – im speziellen auch in Bezug auf das weibliche Genital – wurde die Akzeptanz entsprechender Interventionen bisher kaum untersucht. Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Akzeptanz für körperorientierte sowie haptische Methoden in der Sexuellen Bildung in Bezug auf das genitale Selbstbild zu un- tersuchen, da diese einen Zugang zu einem positiven Körpergefühl ermöglichen können. Dazu wird folgende Forschungsfrage gestellt: Welche Akzeptanz erfahren körperorien- tierte und haptische Methoden in der Sexuellen Bildung in Bezug auf das genitale Selbst- bild in einem Gruppensetting? Um die Forschungsfrage zu beantworten wurde mit 12 Frauen ein Workshop zum genitalen Selbstbild sowie zwei anschliessende Gruppendis- kussionen durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass körperorientierte sowie haptische Methoden in Bezug auf das genitale Selbstbild weitestgehend akzeptiert und positiv kon- notiert werden. Für die sexuelle Gesundheitsförderung kann dies bedeuten, dass ein An- gebot rund um das weibliche Genital, welches körperorientierte sowie haptischen Übun- gen miteinschliesst, auf Akzeptanz stösst. Weitere Studien zur Erforschung der eigentli- chen Wirkung solcher Interventionen werden empfohlen.

Laura Burkhardt, Abstract der Masterarbeit, 2020

Angaben zur Arbeit

Titel
Akzeptanz von haptischen und körperorientierten Methoden in Bezug auf die Sexuelle Bildung zum genitalen Selbstbild: Eine qualitative Untersuchung

Verfasst von
Laura Burkhardt

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA2

Jahr
2020

Themen
Körperarbeit · Selbstwirksamkeit · Geschlecht & Identität

Lizenz und Nachweis. Laura Burkhardt: «Akzeptanz von haptischen und körperorientierten Methoden in Bezug auf die Sexuelle Bildung zum genitalen Selbstbild: Eine qualitative Untersuchung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2020. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA1 Masterarbeit

Selbstwirksamkeit Jugendlicher im Massnahmenvollzug

Denise Fuchs untersucht in der Masterarbeit «Selbstwirksamkeit Jugendlicher im Massnahmenvollzug» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2017 im Jahrgang MA1 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Jugendliche im Massnahmenvollzug leben in einem Alltag, der fast alles regelt — nur die Sexualität ist selten ausdrücklich vorgesehen. Diese Arbeit fragt, was eine selbstwirksame sexuelle Entwicklung dort überhaupt bedeutet, und kommt zu einer Liste, die man einer Institution vorlegen kann.

Was brauchen Jugendliche für eine selbstwirksame sexuelle Entwicklung?

Die Arbeit beantwortet das konkret. Jugendliche brauchen soziale Begegnungen mit Gleichaltrigen, in denen sie sich austauschen und selbst erfahren können. Sie brauchen Rückzugsmöglichkeiten, um sich — auch sexuell — zu entdecken.

Sie brauchen ehrliche Rückmeldungen, um die eigene Selbstwahrnehmung zu regulieren. Und sie brauchen Bewegungsräume und Lernfelder, in denen sie sich ausprobieren, Ressourcen aufbauen und Erfahrungen sammeln können.

Gefördert wird all das durch eine Begleitung, die wohlwollend, ehrlich und kritisch zugleich ist. Als besondere Herausforderung nennt die Arbeit den Bezug zur eigenen Körperwahrnehmung und Körperakzeptanz.

Schutz oder Freiheit?

Beides — und darin liegt die Spannung, die den Massnahmenvollzug prägt. Jugendlichen steht ein Recht auf Schutz zu und zugleich ein Recht auf Freiheiten in sexuellen Belangen.

In einer Institution, deren Auftrag Schutz und Kontrolle ist, geraten diese beiden Rechte gegeneinander. Die Arbeit löst das nicht auf, aber sie benennt es — und macht damit besprechbar, was im Alltag meist als Sicherheitsfrage entschieden wird.

Grundlage einer selbstwirksamen Entwicklung ist nach dieser Arbeit differenziertes Wissen über den eigenen Körper, dazu Kenntnisse über Verhütung und über die eigenen Rechte.

Wie sieht die Praxis aus?

Die Autorin hat drei Fachleute eines Massnahmenzentrums befragt, wie sexuelle Gesundheit und Selbstwirksamkeit im Alltag der Institution tatsächlich vorkommen — und wie zentral diese Themen für die Jugendlichen dort sind.

Der Theorieteil arbeitet auf, wie sich das Selbst bei jungen Menschen bildet und welche Faktoren die sexuelle Entwicklung verletzlich machen. Beides zusammen ergibt die Grundlage für die abgeleiteten Begleitansätze.

Die Arbeit richtet sich damit an Fachpersonen der Sozialpädagogik und des Massnahmenvollzugs — und an alle, die sexuelle Bildung in einem Rahmen verantworten, in dem Freiwilligkeit und Zwang nebeneinanderliegen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Drei qualitative Interviews mit Fachleuten einer Institution. Befragt wurden also die Begleitenden, nicht die Jugendlichen — bei Minderjährigen im Massnahmenvollzug ist das nachvollziehbar und lässt dennoch eine ganze Perspektive aus.

Die Ergebnisse beziehen sich auf ein Massnahmenzentrum. Die abgeleiteten Ansätze stützen sich stark auf die Theorie und werden durch die Praxisaussagen bestätigt, nicht daraus gewonnen.

Es ist die einzige Arbeit des Jahrgangs MA1 mit diesem Schwerpunkt und die älteste Arbeit dieser Sammlung.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 106 Seiten. Sie enthält die Theorie zu Selbst und Selbstwirksamkeit, die Aufarbeitung vulnerabilitätsfördernder Faktoren, die vollständige Auswertung der drei Interviews sowie die abgeleiteten Begleitansätze.

Abstract der Arbeit

Die Masterarbeit untersucht das Selbst und die Selbstwirksamkeit in Bezug zur se- xuellen Gesundheit und zum sexuellen Verhalten Jugendlicher mit und ohne Prob- lemverhalten. Literatur und Studien zur Selbstwirksamkeit und zu Herausforderun- gen Jugendlicher in einer neoliberalen Gesellschaft werden beigezogen. Der zweite Teil beleuchtet vulnerabilitätsfördernde Faktoren und deren Zusammenhang mit der Selbstwirksamkeit und der sexuellen Entwicklung der Jugendlichen. Anhand drei qualitativer Interviews mit Fachleuten wird untersucht, wie die Praxis in einem Mass- nahmenzentrum die sexuelle Gesundheit und die Entwicklung der Selbstwirksamkeit in den Alltag einfliessen lässt und wie zentral diese Themen für die Jugendlichen im Massnahmenvollzug tatsächlich sind. Ein abschliessendes Kapitel zieht Rück- schlüsse zur selbstwirksamen sexuellen Entwicklung, zum Umgang mit der Sexuali- tät in einem Massnahmenvollzug und daraus resultierende Begleitansätze.

Denise Fuchs, Abstract der Masterarbeit, 2017

Angaben zur Arbeit

Titel
Die Selbstwirksamkeit Jugendlicher im Massnahmenvollzug im Kontext der Förderung sexueller Gesundheit : Vergleich der Selbstwirksamkeit in der Sexualität Jugendlicher mit und ohne Problemverhalten und deren Bedeutung für die Begleitung

Verfasst von
Denise Fuchs

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA1

Jahr
2017

Themen
Jugendsexualität · Institutionelle Begleitung · Selbstwirksamkeit

Lizenz und Nachweis. Denise Fuchs: «Die Selbstwirksamkeit Jugendlicher im Massnahmenvollzug im Kontext der Förderung sexueller Gesundheit : Vergleich der Selbstwirksamkeit in der Sexualität Jugendlicher mit und ohne Problemverhalten und deren Bedeutung für die Begleitung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2017. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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