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MA4 Masterarbeit

Abhängigkeitspotenzial von PDE-5-Hemmern bei jungen, gesunden Männern

Nathalie Hirsekorn untersucht in der Masterarbeit «Abhängigkeitspotenzial von PDE-5-Hemmern bei jungen, gesunden Männern» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Die befragten Männer hatten keine Erektionsstörung, als sie mit den Potenzmitteln anfingen. Sie gerieten trotzdem in eine subjektive psychische Abhängigkeit. Diese Arbeit zeigt, was dazu führt — und dass die Scham ein eigener Faktor ist.

Wer nimmt PDE-5-Hemmer ohne Not?

Junge, gesunde Männer ohne medizinische Notwendigkeit — eine Gruppe, deren Konsum in den letzten Jahren zugenommen hat und die sich subjektiv als abhängig von dieser Medikamentengruppe beschreibt.

Der zentrale Befund der Arbeit ist, dass die Probanden ursprünglich ohne Erektionsstörung mit dem missbräuchlichen Konsum begonnen haben. Die Störung ist nicht der Anlass, sondern allenfalls die Folge.

Als wesentliche Faktoren, die zur Abhängigkeit beitragen, nennt die Analyse Unsicherheit, Leistungsdruck und Versagensängste.

Welche Rolle spielt die Scham?

Eine eigenständige. Die Scham veranlasst die Probanden, ihren Konsum vor ihren Sexualpartnerinnen geheim zu halten.

Damit entsteht eine zweite Ebene des Problems. Was verborgen bleibt, kann nicht besprochen werden — weder mit der Partnerin noch mit einer Fachperson. Der Konsum stabilisiert sich also nicht nur pharmakologisch, sondern auch sozial.

Verstärkt wird das durch die Leichtfertigkeit der Anwendung. Sie entspringt hedonistischen Motiven, aber auch fehlender Aufklärung — und bewirkt, dass die damit verknüpften Problematiken gar nicht oder kaum beachtet werden.

Was begünstigt den Konsum sonst noch?

Die Arbeit nennt drei weitere Einflussfaktoren: das soziale Umfeld, die Einfachheit der Beschaffung und das Bestreben, negative Emotionen zu vermeiden.

Besonders aufschlussreich ist ein sexologischer Befund. Die Probanden weisen unterschiedliche Erregungsmodi und Zentrierungen auf, was ihre sexuelle Wahrnehmung und Interaktion beeinflusst — und möglicherweise mit dem Konsum in Verbindung steht.

Damit verschiebt sich der Ansatzpunkt. Wer nur über das Medikament spricht, übersieht, wie diese Männer Erregung überhaupt aufbauen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Halbstrukturierte Interviews mit drei Probanden, ausgewertet nach Mayring. Drei Personen sind eine sehr kleine Grundlage — und für eine Gruppe, die ihren Konsum geheim hält, sind drei ausführliche Gespräche bereits bemerkenswert.

Die Autorin hebt selbst hervor, dass es weitere Forschung braucht, um die langfristigen Auswirkungen des missbräuchlichen Konsums zu verstehen und geeignete Präventions- und Interventionsstrategien zu entwickeln. Die Arbeit ist auf Deutsch und Englisch abgefasst.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 82 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu PDE-5-Hemmern und ihrem Missbrauch, die vollständige Auswertung der drei Interviews sowie die Einordnung der Erregungsmodi in das Modell Sexocorporel.

Abstract der Arbeit

In den letzten Jahren hat der Missbrauch von erektionsfördernden Medikamenten der Phosphodiesterase-5-Hemmern (PDE-5-Hemmern) bei jungen, gesunden Männern ohne medizinische Notwendigkeit zugenommen. Diese Masterarbeit befasst sich mit dieser Zielgruppe, die sich aus subjektiver Sicht von eben dieser Medikamentengruppe als abhängig bezeichnen. Die qualitative Studie untersucht das Abhängigkeitspotenzial anhand von Risikofaktoren sowie psychosozi- ale und physiologische Auswirkungen dieses Missbrauchs. Mittels halbstrukturierter Interviews mit drei Probanden werden die zugrunde liegenden Motive und die Auswir- kungen auf ihre Sexualität analysiert. Die Ergebnisse zeigen eine Vielzahl von Fakto- ren, die als zentrale Gründe für den missbräuchlichen Konsum identifiziert wurden. Dazu gehören Neugier, der Wunsch nach verbesserter sexueller Leistungsfähigkeit und sozialer Druck. Insbesondere sexuelle Unsicherheiten und Leistungsdruck schei- nen eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung einer subjektiven Abhängigkeit zu spie- len. Diese Studie hebt die Notwendigkeit weiterer Forschung hervor, um die langfristi- gen Auswirkungen des missbräuchlichen Konsums von PDE-5-Hemmern besser zu verstehen und geeignete Präventions- und Interventionsstrategien zu entwickeln. In recent years, the misuse of erectile stimulants such as phosphodiesterase-5 inhibi- tors (PDE-5 inhibitors) has increased among young, healthy men without medical ne- cessity. This master's thesis deals with this target group, who describe themselves as dependent on this group of drugs from a subjective point of view. The qualitative study examines the potential for dependence on the basis of risk factors as well as the psy- chosocial and physiological effects of this abuse. Semi-structured interviews with three test subjects are used to analyze the underlying motives and the effects on their sex- uality. The results show a variety of factors, including curiosity, the desire for improved sexual performance and social pressure, which were identified as central reasons for regular use. In particular, sexual insecurity and pressure to perform appear to play a significant role in the development of subjective addiction. This study highlights the need for further research to better understand the long-term effects of abusive use of PDE-5 inhibitors and to develop appropriate prevention and intervention strategies.

Nathalie Hirsekorn, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Abhängigkeitspotenzial von PDE-5-Hemmern bei jungen, gesunden Männern : Eine qualitative Untersuchung der Risikofaktoren und den psychosozialen und physiologischen Auswirkungen

Verfasst von
Nathalie Hirsekorn

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Erektile Dysfunktion · Männlichkeit · Pornografie

Lizenz und Nachweis. Nathalie Hirsekorn: «Abhängigkeitspotenzial von PDE-5-Hemmern bei jungen, gesunden Männern : Eine qualitative Untersuchung der Risikofaktoren und den psychosozialen und physiologischen Auswirkungen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Do it yourself! Designrichtlinien für internetbasierte Selbsthilfe

Nina Jost untersucht in der Masterarbeit «Do it yourself! Designrichtlinien für internetbasierte Selbsthilfe» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Sexuelle Probleme sind weit verbreitet, und viele Betroffene suchen keine Hilfe. Internetbasierte Selbsthilfe könnte diese Lücke schliessen — nur fehlten bisher Anhaltspunkte, wie solche Programme gestaltet sein müssen. Diese Arbeit liefert sie und lässt sie von Fachpersonen prüfen.

Woher kommen die Richtlinien?

Nicht aus der Erfahrung, sondern aus der Lerntheorie. Die Autorin verbindet mehrere etablierte Konzepte — unter anderem die kognitive Theorie multimedialen Lernens in mehreren Ausprägungen, das Fogg Behavior Model zur Verhaltensänderung und den Gamifizierungsansatz.

Daraus entwickelt sie ein Set von Designrichtlinien und darauf aufbauend ein Umsetzungskonzept. Beides wurde anschliessend empirisch überprüft, in vier Expert:innenbefragungen mit anschliessender strukturierender Inhaltsanalyse nach Mayring.

Halten die Richtlinien der Prüfung stand?

Weitgehend. Keine der Designrichtlinien wurde als falsch oder überholt eingestuft, und es kamen keine gänzlich neuen Aspekte auf, die zusätzliche Richtlinien erfordert hätten. Die Forschungsfrage lässt sich damit bejahen.

Einzelne Richtlinien wurden allerdings als herausfordernd in der Umsetzung beurteilt. Und die Autorin benennt selbst, was noch zu tun wäre: Manche Richtlinien liessen sich schärfer voneinander abgrenzen, andere zusammenführen. Sie führt die betroffenen Abhängigkeiten einzeln auf, statt bei der allgemeinen Feststellung zu bleiben.

Dem Umsetzungskonzept wurde zudem Neuigkeitswert zugesprochen.

Für wen ist das brauchbar?

Für alle, die ein digitales Angebot in der Sexualtherapie planen. Mehrere Arbeiten dieser Sammlung entwickeln genau solche Programme — zur frühzeitigen Ejakulation, zur Sexualität nach der Geburt, zur Lust in Langzeitbeziehungen, zur Kondomnutzung.

Diese Arbeit liefert die Ebene darunter: nicht ein weiteres Programm, sondern die Grundlage dafür, wie solche Programme gebaut sein sollten. Wer das übergeht, entwickelt Inhalte für ein Format, dessen Wirkung er nicht kennt.

Die Zahlen aus den anderen Arbeiten geben ihr recht: Bei der Online-Intervention für Paare fiel die Teilnehmendenzahl von 22 auf fünf. Gestaltung entscheidet darüber, ob jemand dabeibleibt.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier Expert:innenbefragungen sind eine schmale Prüfbasis. Geprüft wurde zudem die Plausibilität der Richtlinien, nicht ihre Wirkung: Ob ein nach diesen Richtlinien gebautes Programm tatsächlich besser funktioniert, zeigt die Arbeit nicht.

Was sie leistet, ist eine theoretisch fundierte und fachlich geprüfte Ausgangslage, wo es zuvor gar keine gab. Die Autorin unterzieht Methode und Datenerhebung am Schluss selbst einer kritischen Betrachtung und zeigt auf, wie mit den Ergebnissen weitergearbeitet werden kann.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 111 Seiten. Sie enthält die verhaltenspsychologischen und lerntheoretischen Grundlagen, das vollständige Set der Designrichtlinien, das darauf aufbauende Umsetzungskonzept sowie die Auswertung der Expert:innenbefragungen.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit basiert auf der weltweiten Verbreitung sexueller Probleme und der Beobachtung, dass viele Betroffene aus unterschiedlichen Grün- den keine professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Internetbasierte Selbsthilfepro- gramme scheinen geeignet, die identifizierte Versorgungslücke mit leicht zugänglichen, flexiblen und anonymen Behandlungsmöglichkeiten zu schliessen. Dennoch existieren kaum wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse, auf welche Fak- toren bei der Bereitstellung solcher Programme im sexualtherapeutischen Kontext geachtet werden sollte. Allgemeingültige Richtlinien für die lernförderliche Gestal- tung digitaler Selbsthilfeprogramme für die Sexualtherapie fehlen gänzlich. Das Ziel der vorliegenden Masterarbeit besteht darin, auf Basis ausgewählter ver- haltenspsychologischer und lerntheoretischer Konzepte relevante, verständliche und anwendungsfreundliche Designrichtlinien zu entwickeln. Zudem soll auf deren Grundlage ein Umsetzungskonzept ausgearbeitet werden. Sowohl die Richtlinien als auch das Konzept wurden mithilfe von vier Expert:innenbefragungen empirisch überprüft. Die folgende qualitative, strukturierende Inhaltsanalyse nach Mayring (2015) hat gezeigt, dass die Design- richtlinien in ihrer Güte überwiegend positiv beurteilt wurden. Auch wurde das Um- setzungskonzept hinsichtlich seines Neuigkeitswerts und des potenziellen Nutzens für die Sexualtherapie hervorgehoben. Insbesondere die adaptive, sequenzielle Struktur der Selbsthilfe, die Niederschwelligkeit und Praxisrelevanz der Lösung, so- wie die erwartete Nutzungsfreundlichkeit der Anwendung wurden als positive Aspekte bewertet, während die hohe Komplexität bei der Zusammenstellung und Priorisierung der Selbsthilfesequenzen als grösste Herausforderung angesehen wurde. Mit dieser Arbeit trägt die Autorin zur Verbesserung der Zugänglichkeit und Wirk- samkeit von Methoden der Sexualtherapie bei und eröffnet neue Möglichkeiten für den Einsatz digitaler Medien in diesem Bereich.

Nina Jost, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Do it yourself! Designrichtlinien für internetbasierte Selbsthilfeprogramme für die Sexualtherapie

Verfasst von
Nina Jost

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Digitale Medien · Sexualtherapie · Soziale Arbeit

Lizenz und Nachweis. Nina Jost: «Do it yourself! Designrichtlinien für internetbasierte Selbsthilfeprogramme für die Sexualtherapie». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Der (schwierige) Umgang des Rechts mit Sexualität

Sandro Körber untersucht in der Masterarbeit «Der (schwierige) Umgang des Rechts mit Sexualität» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Das Recht muss Sexualität regeln, ohne sie beschreiben zu können. Diese Arbeit geht diesem Verhältnis rechtsgeschichtlich nach — mit Schwerpunkt auf dem schweizerischen Familienrecht — und ist damit ein Sonderfall in dieser Sammlung.

Worum geht es?

Um zwei Fragen. Erstens: Wie lässt sich Sexualität überhaupt begreifen, verstehen, ja definieren? Zweitens: Wo liegen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der sexualwissenschaftlichen und der juristischen Sicht?

Der Zugang ist rechtsgeschichtlich. Das Recht hat Sexualität zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich gefasst, und diese Fassungen wirken bis in heutige Bestimmungen nach.

Der Autor versteht die Sexualwissenschaft ausdrücklich als nicht in sich geschlossene Disziplin, die auf die Beiträge anderer Fachrichtungen angewiesen ist. Das Recht ist eine davon.

Warum ist das für die Praxis relevant?

Weil sexualberaterische Arbeit ständig auf rechtliche Rahmen trifft — bei Eheschliessung und Trennung, im Kindesschutz, bei Beistandschaften, bei Fragen der Urteilsfähigkeit.

Fachpersonen begegnen diesen Rahmen meist als Vorgaben, die zu beachten sind. Diese Arbeit zeigt, dass sie das Ergebnis historischer Aushandlungen sind — und damit veränderlich.

Für die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist das eine brauchbare Grundlage. Wer versteht, wie Juristinnen und Juristen über Sexualität denken müssen, kann anders mit ihnen sprechen.

Was macht die Arbeit besonders?

Sie ist die einzige der Sammlung, die ohne empirische Erhebung auskommt und ohne die Kategorien des Modells Sexocorporel arbeitet. Keine Interviews, keine Fallzahlen — eine Analyse zweier Denkweisen, die aufeinander angewiesen sind und einander schlecht verstehen.

Für Fachpersonen mit juristischen Berührungspunkten ist sie die einzige Arbeit dieser Sammlung, die diese Verbindung ausdrücklich herstellt.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Es handelt sich um eine rechtsgeschichtliche und sexualwissenschaftliche Analyse. Ihre Aussagen sind Argumente, keine Messwerte — und wie bei jeder rechtlichen Betrachtung gilt: Sie bildet einen Rechtsstand ab.

Wer die Arbeit für die Praxis nutzt, sollte den aktuellen Stand der Gesetzgebung prüfen. Die historische Rekonstruktion und die begriffliche Klärung bleiben davon unberührt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 100 Seiten. Sie enthält die rechtsgeschichtliche Rekonstruktion des Umgangs des Rechts mit Sexualität, die Auseinandersetzung mit dem schweizerischen Familienrecht sowie die Gegenüberstellung juristischer und sexualwissenschaftlicher Perspektiven.

Abstract der Arbeit

IV Vorwort Die vorliegende Arbeit bildet den «krönenden Abschluss» des Studiums gemäss Studienorganisation für den Master of Arts in Sexologie 2021–2024 am Institut für Sexualpädagogik und Sexualtherapie ISP, Zürich, in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Deutschland. Mit dieser schriftlichen Abhandlung soll der Nachweis erbracht werden, dass ein (sexualwissenschaftliches) Thema ausführlich, gewissenhaft und kritisch bearbeitet werden kann, wobei wissenschaftliches Arbeiten dabei eine zentrale Rolle einnimmt. Dadurch soll auch ein innovativer Beitrag zur Weiterentwicklung der Sexualwissenschaft und Sexualberatung geleistet werden. Auf den Grundlagen der interdisziplinären Sexualwissenschaft verfolgt der weiterführende Lehrgang das Ziel, anwendungsorientiert darauf aufzubauen und die theoretischen Hintergründe mit der Praxis zu verbinden. Qualifizierte Fachleute aus dem sozialen, (psycho-)therapeutischen, medizinischen und pädagogischen Bereich erhalten dadurch die Befähigung, Menschen in ihrer sexuellen Gesundheit und Bildung zu begleiten und zu beraten, damit sie ihre Sexualität weiter entfalten können. Wird die Sexualwissenschaft verstanden als eine nicht in sich geschlossene Wissenschaftsdisziplin, sondern dass auch «Fraktionen» verschiedener Disziplinen mit einzubeziehen sind, um sich auf dieser Grundlage mit den diversen Aspekten der Sexualität und dem diesbezüglichen Umgang des Menschen zu befassen, treten auch verschiedene wissenschaftliche Perspektiven, Herangehensweisen und Würdigungen zutage. Allen an der sexualwissenschaftlichen Lehre beteiligten Disziplinen ist indessen gemein, ihren Teil an den gesamten «Wissenschaften des Sexuellen» beizutragen und so eine multidisziplinäre Sicht zu ermöglichen. Dies gilt auch für die vorliegende Untersuchung, die auf einem wissenschaftlichen Fachgebiet basiert, das sich – wie sich zeigen wird – entweder nur am Rand und implizit oder aber sehr explizit mit der Sexualität der Menschen befasst. Es ist naheliegend, dass die Rechtswissenschaft, die sich mit einem abstrakten Begriff beschäftigt und durch starre Definition, Logik, Konstruktion und Systematik ihre Lehre und Praxis aufbaut, auf einem divergierenden akademischen Konzept und mithin einer anderen Vorgehens- und Betrachtungsweise beruht. Die juristische Terminologie, Fachsprache, und Zitation stehen immer im Spannungsverhältnis zwischen Präzision, Wissenschaftlichkeit und Adressatengerechtigkeit. Diese abweichenden Grunddeutungen sind genauso zu berücksichtigen und zu würdigen, um das integrative Fachgebiet der Sexualwissenschaften diskussions- u

Sandro Körber, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Der (schwierige) Umgang des Rechts mit Sexualität unter besonderer Berücksichtigung des schweizerischen Familienrechts : Eine rechtsgeschichtliche und -philosophische Untersuchung

Verfasst von
Sandro Körber

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Recht & Ethik · Sexualtherapie · Sexuelle Bildung

Lizenz und Nachweis. Sandro Körber: «Der (schwierige) Umgang des Rechts mit Sexualität unter besonderer Berücksichtigung des schweizerischen Familienrechts : Eine rechtsgeschichtliche und -philosophische Untersuchung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

ADHS und Sexualität in der Paarbeziehung

Manuela Kurz untersucht in der Masterarbeit «ADHS und Sexualität in der Paarbeziehung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

«Ich habe immer das Gefühl, ich spüre meine Beine nicht, ich bin immer irgendwie mit dem Kopf weg.» Der Satz stammt von einer der vier befragten Frauen mit ADHS-Diagnose. Diese Arbeit hat sie und ihre Partner gemeinsam befragt — und findet, dass die Schwierigkeiten in der Paarsexualität sehr genau den Diagnosekriterien folgen.

Warum ist Aufmerksamkeit beim Sex ein Problem?

Ablenkung durch äussere Reize wirkt sich in der Paarsexualität von ADHS-diagnostizierten Frauen sehr stark auf die Aufmerksamkeit aus — stärker als alles andere, was die Arbeit untersucht hat.

Eine Befragte beschreibt, dass gleichzeitiges Geben und Empfangen sie überfordert. Ihre Aufmerksamkeit steigt, wenn sie in die passive Rolle wechselt und gedanklich loslassen kann, im Wissen, dass in diesem Moment nichts von ihr erwartet wird. Bewusst eingesetzter Blickkontakt hilft zusätzlich.

Die Unterschiede zwischen den Frauen sind gross. Eine nimmt ihren Körper so intensiv wahr, dass sie alles um sich herum nicht mehr mitbekommt. Eine andere hat ihren Körper nach eigener Aussage nie richtig gespürt und ist stark im Kopf.

Was hilft konkret?

Die Arbeit leitet daraus einen klaren Ansatz ab: eine maximale Reduktion äusserer Sinnesreize. Erst dann gelingt die körperliche Präsenz, die lustvolles Erleben möglich macht.

Ein zweiter Befund überrascht: Die sexuell erregendsten Begegnungen entstehen, wenn Verantwortung und Kontrolle abgegeben werden. Der Wechsel in die passive Rolle senkt die emotionale Überreagibilität — die Frauen kommen in einen entspannteren Zustand. Die dabei entstehende Dominanz des Partners kann dabei selbst erregend wirken.

Berührung ist ein eigenes Thema. Die Befragten haben eine erhöhte Empfindlichkeit, deren Ausprägung von der Tagesform abhängt. Was gestern angenehm war, kann heute zu viel sein.

Spontan oder geplant?

Hier zeigt sich das desorganisierte Verhalten aus den Diagnosekriterien unmittelbar in der Sexualität. Spontane Begegnungen werden bevorzugt, weil sie im Moment geschehen und sich weniger ablenkende Gedanken einmischen. Geplante Paarsexualität muss dagegen oft erst erlernt werden.

Für Paare hat das eine praktische Folge, die dem üblichen Rat widerspricht: Wenn wenig Raum für Spontaneität bleibt, wirkt sich das für eine Frau mit ADHS negativ aus. Der verbreitete Vorschlag, Sex zu terminieren, geht hier am Problem vorbei.

Geduld ist die grösste Herausforderung. Stimmt der Zeitpunkt nicht, verflüchtigt sich die Lust.

Was ist die Ressource?

Die Arbeit fragt ausdrücklich nicht nur nach Schwierigkeiten. Hohe kognitive Präsenz und gedankliche Kreativität erlauben es den Befragten, sexuelle Begegnungen über Fantasien und Vorstellungen zu intensivieren.

Diese Stärke hat eine Kehrseite, und die Arbeit benennt sie präzise: Die Frauen neigen dazu, mangelnden körperlichen Einsatz gedanklich zu kompensieren und ihre Erregung so zu steigern. Damit verstärken sie die Spannung eines ohnehin erhöhten Grundtonus.

In ihrer negativen Form zeigt sich dieselbe Gedankenkraft als ablenkende Gedanken, oft zusammen mit Affektlabilität — und dann kommt sexueller Austausch gar nicht erst zustande.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier Interviews mit ADHS-diagnostizierten Frauen und ihren Partnerinnen und Partnern, ausgewertet nach Mayring und zugeordnet zu den vier Komponenten des Modells Sexocorporel. Dass beide Seiten befragt wurden, ist für eine Arbeit dieses Umfangs ungewöhnlich und macht die Schilderungen dichter.

Vier Paare sind keine repräsentative Auswahl, und die Ergebnisse gelten für Frauen. Wie sich ADHS bei Männern in der Paarsexualität zeigt, untersucht diese Arbeit nicht.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 115 Seiten. Sie enthält einen Überblick über den Forschungsstand zu ADHS bei Erwachsenen und besonders bei Frauen mit historischen, medizinischen, therapeutischen und diagnostischen Aspekten, die Zuordnung der Wender-Utah-Diagnosekriterien zu den vier Komponenten des Modells Sexocorporel und die vollständige Auswertung der vier Paarinterviews mit Zitaten.

Abstract der Arbeit

Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine neurobiologische Störung, die sich in Konzentrationsstörungen in Verbindung mit Hyperaktivität und impulsivem Handeln zeigt. Diese Masterarbeit gibt einen Überblick über den aktuellen wissenschaftlichen Stand der ADHS von Erwachsenen, insbesondere der ADHS von Frauen und zeigt historische, medizinische, therapeutische und diagnostische Aspekte der ADHS. Sie klärt auf, wie sich die ADHS-Wender-Utah Diagnosekriterien für Erwachsene im Erleben der vier Komponenten des sexualwissenschaftlichen Modells Sexocorporel zeigen und welche Ressourcen und Herausforderungen die ADHS in der Paarsexualität mit sich bringt. In einer qualitativen Untersuchung wurden vier Interviews mit Paaren geführt, um das Erleben der ADHS von ADHS-diagnostizierten Frauen in Bezug zur Paarsexualität zu ermitteln. Die anschliessende Auswertung der qualitativen

Manuela Kurz, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
ADHS und Sexualität : Aspekte der Paarsexualität im Kontext einer ADHS-Diagnose

Verfasst von
Manuela Kurz

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
ADHS · Paarsexualität · Schwangerschaft & Geburt · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Manuela Kurz: «ADHS und Sexualität : Aspekte der Paarsexualität im Kontext einer ADHS-Diagnose». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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