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MA4 Masterarbeit

Erstvaterschaft – Verlust oder Bestärkung der Männlichkeit?

Janine Amrein untersucht in der Masterarbeit «Erstvaterschaft – Verlust oder Bestärkung der Männlichkeit?» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Werdende Väter finden inzwischen Ratgeber und Kurse, die ihnen bei der neuen Rolle helfen. Zur eigenen Männlichkeit und Sexualität nach der Geburt gibt es kaum etwas — dabei ist genau das die verletzliche Stelle. Diese Arbeit zeigt, warum.

Warum ist diese Zeit heikel?

Die Schwangerschaft und die ersten Monate nach der Geburt des ersten Kindes sind nach dieser Arbeit eine vulnerable Zeit. In dieser Phase muss die eigene Männlichkeit in der neuen Rolle neu definiert werden.

Das kann sich unmittelbar auf die Sexualität auswirken — und ein Grund dafür ist besonders aufschlussreich: Erstväter haben den Eindruck, dass sie ihre Bedürfnisse zurückstecken müssen und sie nicht kommunizieren dürfen.

Diese Selbstbeschränkung ist nachvollziehbar und folgenreich zugleich. Wer davon ausgeht, seine Anliegen seien in dieser Situation unzulässig, spricht sie nicht aus — und bearbeitet sie auch nicht.

Was verändert sich konkret?

Die Arbeit betrachtet biologische, psychische und soziale Veränderungen und ihren Einfluss auf drei Grössen, die im Modell Sexocorporel zentral sind: die sexuelle Selbstsicherheit, das Gefühl der Verbindung zum sexuellen Körper und das Gefühl der Geschlechtszugehörigkeit.

Ausgewertet wurde mit der interpretativen phänomenologischen Analyse — einem Verfahren, das nah am subjektiven Erleben bleibt statt es zu kategorisieren.

Das Ergebnis ist doppelt: Erstvaterschaft kann die Männlichkeit bestärken und sie kann sie infrage stellen. Was eintritt, hängt von individuellen und sozialen Faktoren ab.

Was fehlt im Angebot?

Die Autorin hält fest, dass die Zahl der Ratgeber und der Kurse in Spitälern zunimmt, die werdenden Vätern beim Hineinfinden in die neue Rolle helfen — sie hebt dabei ein Schweizer Projekt ausdrücklich hervor.

Was es kaum gibt, ist Unterstützung bei der eigenen Männlichkeit und Sexualität nach der Geburt: ein Ort, an dem Väter Unsicherheiten, Ängste, Sorgen, Druck und Stress besprechen und reflektieren können.

Genau dort sieht die Arbeit die Aufgabe der Sexualberatung. Das ist eine gut begründete Marktlücke — und eine, die zur Arbeit von Fabienne Studer über die postpartale Sexualität passt, die dieselbe Lücke von der Paarseite her beschreibt.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Qualitative Interviews mit Erstvätern, ausgewertet mit der interpretativen phänomenologischen Analyse. Die Zahl der Befragten ist klein, und wer sich für ein Gespräch über Männlichkeit und Sexualität nach der Geburt meldet, bringt bereits eine gewisse Bereitschaft zur Reflexion mit.

Die Arbeit spricht von einer Korrelation zwischen den Veränderungen und ihren Auswirkungen — nicht von einer nachgewiesenen Ursache. Für die Beratungspraxis ist der Ertrag dennoch klar: Sie benennt, wann die verletzliche Phase liegt und woran sie erkennbar ist.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 93 Seiten. Sie enthält die bio-psycho-soziale Perspektive auf die Erstvaterschaft, die Einordnung in das Modell Sexocorporel, die vollständige Auswertung der Interviews sowie den Überblick über bestehende Angebote für werdende Väter.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit untersucht die Auswirkungen der Erstvaterschaft auf die Männ- lichkeit und Sexualität aus einer bio-psycho-sozialen Perspektive sowie aus der Sicht des Modell Sexocorporel. Ziel der qualitativen Forschung ist es, zu verstehen, wie Männer die Veränderungen in ihrem Selbstbild als Mann und ihrer Sexualität nach der Geburt ihres ersten Kindes erleben. Dazu wurden Interviews mit Erstvätern durchgeführt und mittels interpretativer phänomenologischer Analyse (IPA) ausge- wertet. Die Ergebnisse zeigen, dass Erstvaterschaft sowohl zu einer Bestärkung als auch zu einem Verlust der Männlichkeit führen kann, abhängig von individuellen und sozialen Faktoren. Biologische, psychologische und soziale Veränderungen werden detailliert betrachtet, ebenso wie deren Einfluss auf die sexuelle Selbstsicherheit, das Gefühl der Verbindung zum sexuellen Körper und das Gefühl der Geschlechts- zugehörigkeit. Die Arbeit bietet wertvolle Einblicke in die Herausforderungen und Chancen, die mit der Rolle als Vater einhergehen, und leistet einen Beitrag zum Verständnis der modernen Vaterschaft. This master's thesis examines the effects of first-time fatherhood on masculinity and sexuality from a bio-psycho-social perspective and from the perspective of the sex- ocorporel model. The aim of the qualitative research is to understand how men ex- perience the changes in their self-image as men and their sexuality after the birth of their first child. To this end, interviews were conducted with first-time fathers and evaluated using interpretative phenomenological analysis (IPA). The results show that first-time fatherhood can lead to both an affirmation and a loss of masculinity, depending on individual and social factors. Biological, psychological and social changes are considered in detail, as well as their influence on sexual confidence, the sense of connection to the sexual body and the sense of gender affiliation. The work offers valuable insights into the challenges and opportunities associated with the role of father and contributes to the understanding of modern fatherhood.

Janine Amrein, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Erstvaterschaft – Verlust oder Bestärkung der Männlichkeit? : Qualitative Forschung über die Auswirkung einer Erstvaterschaft auf die Männlichkeit und die Sexualität

Verfasst von
Janine Amrein

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Männlichkeit · Schwangerschaft & Geburt · Selbstwirksamkeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Janine Amrein: «Erstvaterschaft – Verlust oder Bestärkung der Männlichkeit? : Qualitative Forschung über die Auswirkung einer Erstvaterschaft auf die Männlichkeit und die Sexualität». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Traumatische Kindheitserlebnisse und sexuelle Funktionsstörungen

Mirjam Städeli untersucht in der Masterarbeit «Traumatische Kindheitserlebnisse und sexuelle Funktionsstörungen» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Traumatische Kindheitserlebnisse sind häufig, sexuelle Funktionsstörungen ebenfalls. Erklärungsmodelle für den Zusammenhang gibt es zahlreiche — ein begründetes Störungsmodell, das der Komplexität beider gerecht wird, gibt es bis heute nicht. Diese Arbeit verfolgt einen körperlichen Pfad.

Welcher Weg wird untersucht?

Das autonome Nervensystem. Chronisch veränderte Reaktionsmuster hin zu einer Überaktivierung des Kampf- und Fluchtsystems sind eine häufige Traumafolge — und dasselbe Nervensystem versorgt bei Frauen wie Männern den grössten Teil der inneren und äusseren Geschlechtsorgane.

Damit ist es für die sexuelle Reaktionsfähigkeit unverzichtbar. Die Verbindung liegt also nahe, wird aber selten ausbuchstabiert.

Dazu kommt der Erregungsmodus: Erregung lässt sich über Rhythmus, muskuläre Spannung und Bewegung aufbauen und steuern. Die Mehrheit der Menschen erregt sich mit viel Druck und hoher Anspannung — im sogenannten Spannungsmodus.

Was hat die Arbeit gezeigt?

Sie konnte einen Zusammenhang zwischen Veränderungen des autonomen Nervensystems hin zur Aktivierung des Kampf-Flucht-Systems und der Wahl eines Erregungsmodus mit viel Spannung nachzeichnen.

Das ist deshalb bedeutsam, weil zum Erregungsmodus nach Sexocorporel und seinem Verhältnis zum autonomen Nervensystem bislang sehr wenige bis gar keine Untersuchungen vorliegen — und damit auch nicht dazu, wie er sexuelle Funktionsstörungen begünstigen kann.

Für die Praxis heisst das: Wer mit Traumafolgen arbeitet, findet hier eine körperbezogene Erklärung dafür, warum sexuelle Beschwerden auftreten — und einen Ansatzpunkt, der nicht über die Erinnerung läuft, sondern über die Regulation.

Warum fehlt bisher ein Modell?

Weil beide Seiten für sich schon komplex sind. Die Arbeit verweist darauf, dass in der Literatur kein begründetes Störungsmodell existiert, das der Komplexität von Traumatisierungen und sexuellen Funktionsstörungen gerecht wird.

Die vorliegende Untersuchung liefert kein solches Modell — sie prüft einen einzelnen, bislang unbeachteten Pfad. Das ist eine bescheidenere und ehrlichere Zielsetzung.

Für die sexologische Praxis ist der Ertrag gleichwohl konkret: Der Erregungsmodus ist erhebbar und veränderbar. Wo eine Traumageschichte vorliegt, lohnt der Blick darauf.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturrecherche und eine eigene Studie zu Sexualfunktion und Erregungsmodus im Zusammenhang mit traumatischer Stressgeschichte und dem autonomen Nervensystem.

Sie zeigt einen Zusammenhang, keine Ursache. Ob die Traumafolge den Erregungsmodus prägt oder ob beides gemeinsam auf etwas Drittes zurückgeht, lässt sich so nicht entscheiden.

Der Wert liegt darin, ein Feld zu betreten, zu dem es kaum Vorarbeiten gibt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 124 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu traumatischen Kindheitserlebnissen und sexuellen Funktionsstörungen, die physiologischen Grundlagen zum autonomen Nervensystem, die Darstellung des Erregungsmodus nach Sexocorporel sowie die vollständige Auswertung der eigenen Erhebung.

Abstract der Arbeit

Die hier vorgelegte Arbeit hat zum Ziel, den Zusammenhang zwischen traumatischen Kind- heitserlebnissen und sexuellen Funktionsstörungen anhand der Rolle des sexuellen Erre- gungsmodus und des autonomen Nervensystems zu untersuchen. Traumatische Kindheits- erlebnisse sind häufig und können langfristige und verheerende Folgen nach sich ziehen. Ebenso sind sexuelle Funktionsstörungen weit verbreitet. Erklärungsmodelle für die Zu- sammenhänge gibt es zahlreiche. Chronisch veränderte Reaktionsmuster des autonomen Nervensystems hin zu einer Überaktivierung des Kampf-/Fluchtmodus sind eine häufige Folge von traumatischen Erlebnissen. Das autonome Nervensystem ist bei Frauen wie auch Männern zuständig für den Grossteil der Versorgung der inneren und äusseren Ge- schlechtsorgane und essentiell für die sexuelle Reaktionsfähigkeit. Der Mensch kann durch ein Spiel mit Rhythmen, muskulärer Spannung und Bewegung sexuelle Erregung modulie- ren und kontrollieren und sie bis zum orgasmischen Höhepunkt aufbauen. Eine Mehrheit der Menschen erregt sich auf eine Art, die entweder mit viel Druck und/oder hoher körper- licher Anspannung verbunden ist und als Spannungsmodus bezeichnet wird. Die hier vor- gestellte Studie „Sexualfunktion und sexueller Erregungsmodus in Zusammenhang mit traumatischer Stressgeschichte und dem autonomen Nervensystem an einer Stichprobe von Sexocorporel-Studierenden“ untersucht die Zusammenhänge zwischen Herzratenvari- abilitätsmessungen (HRV) und den Antworten auf validierte Fragebögen an einer Stich- probe von 88 ehemaligen oder aktuellen Sexocorporel-Studierenden. Die Resultate zeigen signifikante Zusammenhänge zwischen einem überaktivierten Nervensystem hin zum Kampf-/Fluchtmodus und der Wahl eines sexuellen Erregungsmodus mit viel Spannung. Des Weiteren zeigt sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen einem sexuellen Erre- gungsmodus mit viel Spannung und erektilen Einschränkungen. Die Resultate zwischen Herzratenvariabilität und sexuellem Erregungsmodus zeigen gegensätzliche Resultate zur Theorie und zur Hypothese, insofern, dass eine höhere HRV, indikativ für höhere parasym- pathische Aktivierung, mit einem Spannungsmodus einhergeht. Keine signifikanten Resul- tate können zwischen sexuellem Erregungsmodus und dem PEP (premature ejaculation profile) und dem FSFI (female sexual functioning index) gefunden werden. Zukünftige Stu- dien sollen die Zusammenhänge zwischen traumatischen Kindheitserfahrungen und Sexu- alfunktion genauer untersuchen und weitere Forschung, insbesondere zum sexuellen Erre- gungsmodus nach Sexocorporel, betreiben.

Mirjam Städeli, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Traumatische Kindheitserlebnisse und sexuelle Funktionsstörungen : Sexualfunktion und sexueller Erregungsmodus in Zusammenhang mit traumatischen Kindheitserlebnissen und dem autonomen Nervensystem

Verfasst von
Mirjam Städeli

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Sexualisierte Gewalt · Paarsexualität · Sexuelle Zufriedenheit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Mirjam Städeli: «Traumatische Kindheitserlebnisse und sexuelle Funktionsstörungen : Sexualfunktion und sexueller Erregungsmodus in Zusammenhang mit traumatischen Kindheitserlebnissen und dem autonomen Nervensystem». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

«Neue Männlichkeit» als sexuelle Herausforderung

Eleanor Büchler untersucht in der Masterarbeit «‹Neue Männlichkeit› als sexuelle Herausforderung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

«Neue Männlichkeit» klingt nach Fortschritt und erzeugt zugleich Druck. Diese Arbeit zeigt, dass die widersprüchlichen Anforderungen bis ins sexuelle Erleben durchschlagen — allerdings nicht bei allen Männern gleich. Entscheidend sind die vorhandenen persönlichen Ressourcen.

Wer ist betroffen — und wer nicht?

Die Arbeit bestätigt ihre erste Ausgangsthese: Aktuelle Männlichkeitskonstruktionen im Kontext des emanzipatorischen Diskurses führen bei Männern mit fehlenden persönlichen Ressourcen zu Verunsicherung im Erleben und Gestalten der Paarsexualität.

Der Zusatz ist der Kern. Nicht der Diskurs verunsichert, sondern das Zusammentreffen von widersprüchlichen Erwartungen mit fehlenden Ressourcen. Damit lässt sich erklären, warum bestimmte Männer betroffen sind und andere nicht.

Untersucht wurden cis-heterosexuelle Männer zwischen 30 und 45 in der Schweiz und in Deutschland. Die Arbeit ist auf Englisch verfasst.

Was folgt aus der Verunsicherung?

Die Arbeit arbeitet drei Ebenen heraus: mögliche Ursachen, die daraus folgenden Effekte in Form von Konflikten und Ängsten — und die individuellen Lösungsversuche der Betroffenen.

Diese Dreiteilung macht sie für die Praxis brauchbar. Wer in der Beratung nur die Symptome sieht, übersieht, dass die Lösungsversuche der Männer bereits Teil des Problems sein können.

Aus den Befunden leitet die Arbeit Entwicklungsbereiche ab und beschreibt Methoden und therapeutische Haltungen, die eine nachhaltige Begleitung tragen — teils bestätigt sie damit Bekanntes, teils ergänzt sie es.

Was heisst das für die Sexualtherapie?

Die zweite Ausgangsthese der Arbeit lautet, dass Verunsicherung im sexuellen Erleben von Männern eine differenzierte Betrachtung und Begleitung durch sexualtherapeutische Fachpersonen erfordert — und zwar damit nachhaltige Veränderungen in sexueller Zufriedenheit und sexueller Identität möglich werden.

Der Punkt richtet sich gegen zwei verbreitete Kurzschlüsse. Weder ist Verunsicherung ein Symptom, das sich beheben liesse, noch ist sie eine blosse Zeiterscheinung, die vorübergeht.

Gearbeitet wird aus der sexologischen Praxis nach Desjardins‘ Ansatz Sexocorporel — also körperbezogen und nicht nur über das Gespräch über Rollenbilder.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine qualitative Untersuchung aus der sexologischen Praxis mit einer klar umrissenen Zielgruppe: cis-heterosexuelle Männer eines bestimmten Alters in zwei Ländern.

Die Erhebung erfolgt aus der Praxis heraus, das heisst über Männer, die bereits in Behandlung sind. Wie verbreitet die beschriebene Verunsicherung ausserhalb dieses Rahmens ist, zeigt die Arbeit nicht.

Ihre Stärke liegt in der Differenzierung. Sie beschreibt nicht «die verunsicherten Männer», sondern unterscheidet, unter welchen Bedingungen Verunsicherung entsteht.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 121 Seiten und ist auf Englisch verfasst. Sie enthält die Analyse aktueller Männlichkeitskonstruktionen, die qualitative Untersuchung aus der sexologischen Praxis sowie die abgeleiteten Entwicklungsbereiche und therapeutischen Haltungen.

Abstract der Arbeit

In today's social context, the construction and perception of masculinity is undergoing profound change. Traditional gender roles and stereotypical expectations are increasingly being questioned and newly interpreted. These developments put forward important questions, particularly with regard to individual self-awareness and the social acceptance of modern masculinities. «New masculinity» as a leitmotif and with overlapping and contradictory expectations towards the contemporary male of today can result in uncertainty about masculinity. The presented paper examines the dynamics of current constructions of masculinity within the context of emancipatory discourse and their specific effects on the sexual experience of cis-heterosexual men aged 30 to 45 in couple sexuality in Switzerland and Germany. The qualitative study of sexological practice according to Desjardins’ approach Sexocorporel, helps to better understand the specific quality of masculine insecurity in sexual experience. The study provides indications as to why certain men are affected contrary to others, what the possible causes could be and which conflicts, anxieties and individual solutions result thereof. From this, on the one hand, areas of development can be derived and, on the other, helpful methods and therapeutic stances for sustainable therapeutic support can be described or confirmed. The study further shows that a salutogenetic approach such as Sexocorporel can support clients in discovering security in their own individuality and freedom from the external parameters of orientational-constraint. More widely accessible sexological expertise could positively complement social and socio-cultural developments, alleviate problematising dynamics surrounding male sexuality and promote individual development and emancipational processes. Uncertainty of one's own masculinity, due to the contemporary constructions of masculinity in the broader context of emancipatory discourse, should be regarded more positively than is currently the case. Uncertainty ought to be seen as integral part of the process towards an authentically experienced, individual male sexual identity.

Eleanor Büchler, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
«Neue Männlichkeit» als sexuelle Herausforderung Verunsicherte Männlichkeit im Kontext aktueller Männlichkeitskonstruktionen – eine Betrachtung aus sexualtherapeutischer Praxisperspektive

Verfasst von
Eleanor Büchler

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Männlichkeit · Paarsexualität · Geschlecht & Identität · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Eleanor Büchler: «‹Neue Männlichkeit› als sexuelle Herausforderung Verunsicherte Männlichkeit im Kontext aktueller Männlichkeitskonstruktionen – eine Betrachtung aus sexualtherapeutischer Praxisperspektive». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Sexualität und Krebs – Interventionen in der Behandlung

Jeannette Stucki untersucht in der Masterarbeit «Sexualität und Krebs – Interventionen in der Behandlung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Eine Krebserkrankung greift in die Lebensqualität ein, und die Sexualität gehört dazu. Das Angebot ist gewachsen — sichtbar ist es nicht. Diese Erkundungsstudie hat nachgesehen, was es in der Deutschschweiz tatsächlich gibt, und findet ein Muster, das für die Praxis entlastend ist.

Wie sieht das Angebot aus?

In den letzten Jahren hat sich viel getan: Die Bedeutung des Themas wurde erkannt, und das Angebot ist gewachsen. Trotzdem ist es teilweise nach wie vor zu wenig sichtbar und präsent.

Besonders deutlich zeigt sich das dort, wo Betroffene zuerst sind: In Spitälern und Kliniken wird Sexualität nicht als vorrangig angesehen.

Die Folge benennt die Arbeit klar: Betroffene gehen oft erst nach ein paar Jahren in Beratung oder Therapie, um ihre Anliegen zur Sexualität zu besprechen. Jahre, in denen sie damit allein sind.

Gibt es die richtige Behandlung?

Nein — und das ist der für die Praxis wichtigste Befund. Einen klaren Best-Practice-Ansatz gibt es nicht. Je nach Fachperson kommen verschiedene Interventionen zum Einsatz, und diese lassen sich nicht unbedingt auf ein Merkmal der Betroffenen zurückführen.

Daraus folgt etwas Entlastendes: Menschen mit verschiedenen Krebsarten können gleichermassen von einer Sexualberatung profitieren. Es braucht also keine Spezialisierung nach Diagnose.

Was es braucht, ist der Blick auf die einzelne Person — auf das, was sie an Ressourcen und Anknüpfungspunkten mitbringt. Die Diagnose bestimmt nicht das Vorgehen.

Was heisst das für Fachpersonen?

Für die Onkologie ist die Arbeit vor allem eine Orientierung: Sie zeigt, was es gibt und wohin verwiesen werden kann.

Für die Sexualberatung heisst der Befund, dass die eigene Unsicherheit gegenüber onkologischen Krankheitsbildern kein Hinderungsgrund sein muss. Gefragt ist nicht Fachwissen über den Tumor, sondern die Arbeit mit dem, was die Person mitbringt.

Für ein systematischeres Verständnis dessen, was in diesem eher tabuisierten Bereich am besten wirkt, braucht es nach der Autorin eine vertieftere Analyse.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine Erkundungsstudie — die Arbeit nennt sich selbst so. Sie kombiniert eine kurze Online-Befragung zum Angebot in der Deutschschweiz mit drei Interviews mit Fachpersonen.

Drei Interviews und eine kurze Befragung ergeben eine Momentaufnahme, keine Bestandsaufnahme. Die Autorin sagt selbst, dass es eine systematischere Betrachtung braucht.

Für eine erste Orientierung in einem Feld, zu dem es kaum Übersichten gibt, ist das angemessen. Mit 62 Seiten ist es eine der kürzeren Arbeiten der Sammlung.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 62 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu Sexualität bei Krebserkrankungen, die Ergebnisse der Online-Befragung zum Angebot in der Deutschschweiz sowie die vollständige Auswertung der drei Fachinterviews.

Abstract der Arbeit

Eine Krebserkrankung ist ein einschneidendes Erlebnis für die Betroffenen und deren Umfeld. Eine solche Erkrankung kann Folgen auf die Lebensqualität ha- ben, darunter auch auf die sexuelle Gesundheit. In den letzten Jahrzehnten wurde das Unterstützungsangebot für Betroffene mit sexuellen Anliegen immer stärker ausgebaut, trotzdem sind nach wie vor einige Hürden für umfassende Hilfestellungen vorhanden. Die Auswahl an möglichen Interventionen, um die Betroffenen in ihrer Sexualität zu unterstützen, scheint jedoch gross. Somit stellt sich die Frage, wie das Angebot denn tatsächlich aussieht und ob es vielleicht sogar eine Standardbehandlung gibt, welche Betroffene unabhängig irgend ei- nes Merkmals unterstützt. Um erste Ansätze auf diese Frage zu erhalten, wurde eine Erkundungsstudie mit einer kurzen Online-Befragung zum Angebot in der Deutschschweiz sowie Experteninterviews mit drei Experten und Expertinnen geführt. Es zeigt sich, dass ein Angebot zwar da ist, dies womöglich noch aus- gebaut oder vor allem auch präsenter gemacht werden kann. Einen klaren best- practice Ansatz scheint es nicht zu geben, womöglich helfen verschiedene In- terventionen, um die sexuellen Anliegen nach oder während einer Krebserkran- kung anzugehen. Wichtig dabei ist immer, dass das Individuum mit seinen gan- zen Erfahrungen und Ressourcen berücksichtig wird. Die Erkundungsstudie gibt Anhaltspunkte, um das Angebot und die Wirksamkeit der Interventionen in künf- tiger Forschung genauer zu betrachten.

Jeannette Stucki, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexualität und Krebs : Sexualitätsbezogene Interventionen in der Behandlung von Menschen mit einer Krebserkrankung: eine Erkundungsstudie

Verfasst von
Jeannette Stucki

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Sexualität & Krankheit · Erektile Dysfunktion · Sexualberatung

Lizenz und Nachweis. Jeannette Stucki: «Sexualität und Krebs : Sexualitätsbezogene Interventionen in der Behandlung von Menschen mit einer Krebserkrankung: eine Erkundungsstudie». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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