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MA5 Masterarbeit

Bindung und Sexualität: die Rolle des genitalen Selbstbildes

Markus Kremer untersucht in der Masterarbeit «Bindung und Sexualität: die Rolle des genitalen Selbstbildes» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Dass unsichere Bindung mit geringerer sexueller Zufriedenheit einhergeht, ist gut belegt. Wodurch dieser Zusammenhang zustande kommt, war offen. Diese Arbeit prüft an 1’220 Personen einen Weg — und findet ihn: über das genitale Selbstbild, also die eigene Bewertung des eigenen Genitals.

Was wurde untersucht?

Eine Online-Querschnittsstudie mit einer deutschsprachigen Stichprobe von 1’220 Teilnehmenden, davon 63 Prozent cis-weiblich, 28 Prozent cis-männlich und 8,5 Prozent geschlechtlich divers. Das ist mit Abstand die grösste Stichprobe dieser Sammlung.

Erhoben wurden die Bindungsdimensionen Bindungsangst und Bindungsvermeidung über den Bochumer Bindungsfragebogen, das genitale Selbstbild über die Genital Self-Image Scale sowie sexuelle Zufriedenheit und verschiedene Funktionsbereiche über die PROMIS-SexFS-Profile.

Geprüft wurde die Vermittlung mit Strukturgleichungsmodellen und Bootstrapping-Verfahren. Der Abstract ist auf Englisch verfasst.

Was kam heraus?

Das genitale Selbstbild vermittelt den Zusammenhang zwischen Bindungsunsicherheit und sexueller Zufriedenheit deutlich und stabil — und zwar sowohl bei cis-Männern als auch bei cis-Frauen. Unsichere Bindung wirkt also unter anderem darüber, dass Betroffene ihr eigenes Genital negativer bewerten.

Ein zweiter Befund weist über die Arbeit hinaus: Bei der Bindungsvermeidung blieben in beiden Gruppen zusätzliche direkte Effekte bestehen. Das genitale Selbstbild erklärt den Zusammenhang also nicht vollständig — es gibt weitere, bislang unerforschte Einflussfaktoren.

Was heisst das für die Therapie?

Der praktische Ertrag ist konkret. Das genitale Selbstbild wird damit zu einem geschlechterübergreifend bedeutsamen Ansatzpunkt für sexualtherapeutische Diagnostik und Intervention.

Für die Praxis heisst das: Auch wenn ein Anliegen zunächst nach Bindung klingt — nach Nähe, Angst, Rückzug —, lohnt sich die Frage nach dem Verhältnis zum eigenen Genital. Und umgekehrt: An diesem Verhältnis lässt sich arbeiten, während sich ein Bindungsmuster nur langsam verändert.

Mehrere andere Arbeiten dieser Sammlung entwickeln genau dafür Übungen und Kursformate. Diese hier liefert das Argument, warum sie sich lohnen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Die Stichprobe ist gross, die Instrumente sind etabliert und validiert, und die statistische Auswertung ist anspruchsvoll — methodisch ist das die stärkste Arbeit dieser Sammlung.

Die entscheidende Einschränkung nennt der Autor selbst: Es handelt sich um eine Querschnittserhebung. Ob ein negatives genitales Selbstbild Folge der Bindungsunsicherheit ist oder umgekehrt, lässt sich aus einer Momentaufnahme nicht entscheiden. Die identifizierten Kausalpfade müssten in Längsschnittstudien geprüft werden.

Für geschlechtsdiverse Teilnehmende reichte die Gruppengrösse nicht für eigene Analysen — der Autor benennt diese Lücke als Forschungsbedarf.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 99 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu Bindung, Körperbild und sexuellem Erleben, die vollständige Beschreibung der eingesetzten Instrumente sowie die komplette statistische Auswertung samt Mediationsanalysen.

Abstract der Arbeit

Abstract (EN) Background: Insecure attachment styles are consistently associated with lower sexual satisfaction and poorer sexual function, yet the underlying psychological mechanisms are insufficiently understood. The present study investigates the hypothesis that genital selfimage – the subjective evaluation of one's own genitals – plays a mediating role in this relationship. Method: In a cross-sectional online study, a German-speaking sample of N = 1220 participants (63.0% cis-female, 28.4% cis-male, 8.5% gender-diverse) was recruited. Measures included the attachment dimensions (attachment anxiety and avoidance) using the Bochum Attachment Questionnaire (BoBi), genital self-image using the Genital Self-Image Scale (GSIS), and sexual satisfaction and various dimensions of sexual function (e.g., orgasm, erectile function, sexual interest) using the PROMIS® SexFS brief profiles. Hypotheses were tested using structural equation modeling with bootstrapping procedures. Results: Bivariate analyses confirmed significant negative associations between attachment insecurity, a negative genital self-image, and sexual satisfaction as well as various dimensions of sexual function. The mediation analyses showed that genital self-image significantly and robustly mediated the relationship between both attachment dimensions and a broad spectrum of sexual outcomes, including sexual satisfaction, orgasm ability, orgasm pleasure, and erectile function. For interest in sexual activity, an inconsistent mediation was found, in which a negative indirect effect was opposed by a positive direct effect of attachment anxiety. Conclusion: Genital self-image represents a significant, empirically supported mechanism through which attachment insecurity affects sexual experience. The results highlight the relevance of genital self-image as an important, cross-gender target for sex-therapeutic practice and the necessity of considering body-image-related factors in the treatment of attachment-related sexual difficulties. I

Markus Kremer, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Bindung und Sexualität: Die vermittelnde Rolle des genitalen Selbstbildes – Eine Mediationsanalyse in einer deutschsprachigen Stichprobe

Verfasst von
Markus Kremer

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Genitales Selbstbild · Sexuelle Zufriedenheit · ADHS

Lizenz und Nachweis. Markus Kremer: «Bindung und Sexualität: Die vermittelnde Rolle des genitalen Selbstbildes – Eine Mediationsanalyse in einer deutschsprachigen Stichprobe». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Jenseits der Nymphomanie – dranghafte Sexualität bei Frauen

Karoline de Falco untersucht in der Masterarbeit «Jenseits der Nymphomanie – dranghafte Sexualität bei Frauen» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Männer melden sich mit einer Selbstdiagnose: sexsüchtig, pornosüchtig. Frauen tun das fast nie. Sie sagen «ich habe es nicht im Griff», «es überwältigt mich», «es zerstört meine Beziehung» — und meist erst nach Monaten, wenn sie wegen etwas anderem gekommen sind. Diese Arbeit hat Fachpersonen befragt, wie dranghafte Sexualität bei Frauen in der Praxis überhaupt sichtbar wird und was dann hilft.

Warum kommt das Thema so selten zur Sprache?

Nach Auskunft der befragten Fachpersonen melden sich Klientinnen fast nie mit dem ausdrücklichen Anliegen einer dranghaften Sexualität. Im Vordergrund stehen zunächst andere Themen: Lustlosigkeit, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Vaginismus oder die Verarbeitung übergriffiger Erfahrungen. Erst im Verlauf der Therapie rückt die Dranghaftigkeit in den Blick.

Eine Fachperson berichtet, sie habe es nur ein einziges Mal erlebt, dass jemand sich damit gemeldet habe. Der Grund liegt nicht darin, dass es das Phänomen nicht gäbe, sondern in der Scham: Frauen verbergen solches Verhalten lange, aus Angst vor Verurteilung. Das ist der deutlichste Geschlechterunterschied, den die Arbeit herausarbeitet — und er hat Folgen dafür, wer überhaupt Hilfe bekommt.

Was steht hinter dem Verhalten?

Die befragten Therapeut*innen beschreiben dranghafte Sexualität bei Frauen selten als isoliertes Phänomen. Häufig steht sie in Verbindung mit anderen psychischen Belastungen — genannt wird unter anderem eine Borderline-Diagnostik, verbunden mit riskanten Kontakten und fehlendem Selbstschutz.

Eine zentrale Rolle spielen traumatische Erfahrungen in der Biografie. Sie wirken auf Selbstbild und emotionale Regulation und führen zu Mustern, die die Betroffenen in belastende Lagen bringen. Eine Fachperson schildert eine Klientin, die eigentlich Panik hatte und sie übersetzte, indem sie alles sexualisierte — es war ihre Hauptstrategie, die Angst vor erneuter Traumatisierung zu überwinden.

Daraus folgt für die Praxis die Zusammenarbeit: Häufig laufen Traumatherapie und Sexualtherapie parallel, in Co-Therapie zweier Fachpersonen.

Was hilft?

Die Arbeit kommt zu einem klaren Ergebnis: Körperzentrierte Interventionen sind ein wichtiger Zugang. Präsenz- und Wahrnehmungsübungen ermöglichen ein Bewusstsein für den eigenen Körper und für die Logik hinter dem eigenen Verhalten.

Der Grund dafür ist einleuchtend: Emotionale und kognitive Vorgänge werden unmittelbar körperlich erlebt. Wer nur kognitiv arbeitet, erreicht die Ebene nicht, auf der das Muster läuft. Körperzentrierte Arbeit erlaubt es, Wahrnehmung, emotionale Regulation und Impulskontrolle zusammenzubringen.

Ebenso wichtig ist die Haltung. Die Fachpersonen betonen Normalisierung und Enttabuisierung, um Druck und Scham zu mindern. Eine Interviewpartnerin bringt es so auf den Punkt: Man müsse aufhören, Moralpolizei zu spielen, und stattdessen fragen, was der Mensch brauche, damit es ihm besser gehe. Manchmal wirke schon die moralische Entlastung.

Was heisst das für die Beratung?

Drei Konsequenzen ergeben sich unmittelbar. Erstens: Wer nur auf das Anliegen hört, mit dem eine Frau kommt, wird dranghafte Sexualität selten finden — sie zeigt sich hinter Lustlosigkeit und Schmerz.

Zweitens: Die Frage nach der Biografie ist keine Nebensache. Wo Trauma im Spiel ist, braucht es Zusammenarbeit statt Alleingang.

Drittens: Der therapeutische Prozess zielt nicht auf Reduktion des Verhaltens, sondern auf das Verstehen der individuellen sexuellen Logik und auf eine gestärkte Körperwahrnehmung — mit dem Ziel einer lustvollen und selbstbestimmten Sexualität.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Die Arbeit stützt sich auf Leitfadeninterviews mit Fachpersonen, nicht auf Betroffene selbst. Sie beschreibt also, wie Therapeut*innen das Phänomen wahrnehmen — was gerade bei einem Thema, das lange verborgen bleibt, eine wichtige Einschränkung ist.

Die Autorin benennt zudem die grössere Lücke: Zur Wirksamkeit und zu den Wirkmechanismen körperzentrierter Ansätze fehlt systematische empirische Forschung. Als künftiges Feld nennt sie digitale Formate wie Apps und Tagebuchfunktionen, mit denen sich Emotionen und Erregungsmuster dokumentieren und therapeutisch nutzen liessen.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 66 Seiten und ist auf Englisch verfasst. Sie enthält den Forschungsstand zu zwanghaftem Sexualverhalten, die vollständige Auswertung der Interviews mit wörtlichen Zitaten und die Ableitungen für körperzentrierte Interventionen.

Abstract der Arbeit

This master’s thesis focuses on compulsive sexuality in women and explores its therapeutic treatment based on the Sexocorporel model. Central to the study is how professionals perceive and address the phenomenon in clinical practice and what experiences they have with body-centered interventions. Guided expert interviews were conducted to examine how compulsive sexuality is named, understood, and treated in therapeutic settings. The findings show that compulsive sexual behavior is often experienced as a dysfunctional yet comprehensible coping strategy to regulate emotional tension. The therapeutic process emphasizes understanding the individual sexual logic and enhancing body awareness in order to foster pleasurable and self-determined sexuality. The results provide insights into key change processes and highlight the potential of body-based interventions within a resource- oriented sexological framework.

Karoline de Falco, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Jenseits der Nymphomanie – Eine Untersuchung zur Behandlung dranghafter Sexualität bei Frauen basierend auf dem Modell Sexocorporel

Verfasst von
Karoline de Falco

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Pornografie · Geschlecht & Identität · Recht & Ethik · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Karoline de Falco: «Jenseits der Nymphomanie – Eine Untersuchung zur Behandlung dranghafter Sexualität bei Frauen basierend auf dem Modell Sexocorporel». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Solosexuelles Erleben und Verhalten bei Erwachsenen mit ADHS

Vera Matjaz untersucht in der Masterarbeit «Solosexuelles Erleben und Verhalten bei Erwachsenen mit ADHS» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Menschen mit ADHS masturbieren nicht häufiger, haben nicht mehr Lust darauf und nutzen es nicht öfter zur emotionalen Regulierung. Ein Unterschied bleibt: Ihr Erregungsmodus ist enger. Das zeigt diese Arbeit an 711 Teilnehmenden, darunter 202 mit ADHS-Diagnose — die grösste Stichprobe dieser Sammlung.

Was heisst «enger Erregungsmodus»?

Der Begriff stammt aus dem Modell Sexocorporel und beschreibt, wie jemand Erregung aufbaut: über welche Muskelspannung, welchen Rhythmus, welche Bewegung. Ein enger Modus ist auf einen bestimmten Ablauf festgelegt und lässt wenig Variation zu — was zum Problem wird, sobald sich die Umstände ändern, etwa in der Paarsexualität.

Erfasst wurde er über den Mittelwert mehrerer Fragebogenitems auf einer zehnstufigen Skala, wobei höhere Werte einen engeren Modus anzeigen.

Was zeigen die Zahlen?

Die Gruppe mit ADHS erreicht im Mittel 6,24, die Gruppe ohne ADHS 5,96 — ein Unterschied von rund 0,28 Punkten. Der Unterschied ist statistisch bedeutsam, und die Autorin prüft ihn zusätzlich mit einem Verfahren für ungleiche Varianzen, das dasselbe Ergebnis bestätigt.

Entscheidend ist die Grösse des Effekts, und hier wird die Arbeit vorbildlich deutlich: Cohen’s d liegt bei 0,19 — klein, aber stabil. Das Regressionsmodell erklärt zwei Prozent der Streuung im Erregungsmodus. Achtundneunzig Prozent bleiben unerklärt.

Anders gesagt: ADHS sagt etwas über den Erregungsmodus aus, aber sehr wenig. Wer aus dieser Arbeit ableitet, Menschen mit ADHS hätten ein sexuelles Problem, liest sie falsch.

Was unterscheidet sich nicht?

Das ist der zweite und für die Beratung wichtigere Befund. Bei der Häufigkeit der Solosexualität, bei der Lust darauf und bei ihrer Nutzung zur emotionalen Regulation zeigten sich keine bedeutsamen Unterschiede zwischen den Gruppen.

Das widerspricht verbreiteten Annahmen. Die Forschungslage, die die Arbeit aufarbeitet, verbindet ADHS mit erhöhten Raten sexueller Funktionsstörungen, mit hypersexuellem Verhalten und mit höherem Pornografiekonsum — Letzteres vor allem bei Männern. Für die Solosexualität selbst findet diese Untersuchung diese Unterschiede nicht.

Was heisst das für die Praxis?

Das Modell Sexocorporel betrachtet die Solosexualität als Ort des sexuellen Lernens — dort wird erprobt, was später in der Paarsexualität zur Verfügung steht. Genau deshalb ist ein enger Erregungsmodus dort kein Nebenbefund, sondern ein Ansatzpunkt.

Für die Beratung heisst das konkret: Bei Klientinnen und Klienten mit ADHS lohnt sich der Blick darauf, wie Erregung aufgebaut wird — nicht darauf, wie oft. Und es heisst, mit der Erwartung vorsichtig zu sein, eine ADHS erkläre sexuelle Schwierigkeiten. Nach diesen Daten erklärt sie zwei Prozent davon.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine quantitative Erhebung mit standardisierten Fragebogen und 711 auswertbaren Teilnehmenden, davon 202 mit ADHS-Diagnose. Das ist für eine Masterarbeit eine ungewöhnlich grosse Stichprobe, und die statistische Auswertung ist sorgfältig — inklusive Prüfung der Voraussetzungen und Angabe der Konfidenzintervalle.

Die Einschränkungen liegen anderswo: Es handelt sich um eine Querschnittserhebung mit Selbstauskunft. Die ADHS-Diagnose wurde nicht überprüft, und aus einer Momentaufnahme lässt sich keine Ursache ableiten. Was die Arbeit zeigt, ist ein Zusammenhang, kein Wirkmechanismus.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 73 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu ADHS und Sexualität im Erwachsenenalter, die vollständige statistische Auswertung mit allen Testverfahren und Tabellen sowie die Einordnung in das Modell Sexocorporel.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Solosexualität, einem oft vernachlässigten Aspekt der Sexualität. Die Forschung in diesem Bereich ist begrenzt, obwohl sowohl ADHS als auch Solosexualität bedeutende Einflussfaktoren auf das sexuelle Erleben und die individuelle Sexualität darstellen. Ziel der Arbeit ist es, die Unterschiede in der Wahrnehmung und Auslebung von Solosexualität zwischen Erwachsenen mit und ohne ADHS zu analysieren. Durch eine quantitative Erhebung mittels standardisierter Fragebögen wurden Daten von 716 Teilnehmenden gesammelt, darunter 202 mit ADHS-Diagnose. Die Ergebnisse zeigen, dass Personen mit ADHS tendenziell einen engeren Erregungsmodus aufweisen. Im Gegensatz dazu konnten keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Häufigkeit, der Lust auf Solosexualität oder der Nutzung von Solosexualität zur emotionalen Regulation festgestellt werden. Diese Erkenntnisse eröffnen neue Perspektiven für die sexuelle Gesundheit und Therapieansätze, insbesondere im Rahmen des Sexocorporel-Modells, das die Bedeutung der Solosexualität für das sexuelle Lernen und Wohlbefinden betont.

Vera Matjaz, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Solosexuelles Erleben und Verhalten bei Erwachsenen mit ADHS – Eine quantitative Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Solosexualität und ADHS-Symptomen

Verfasst von
Vera Matjaz

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
ADHS · Sexuelle Zufriedenheit · Sexuelles Verlangen · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Vera Matjaz: «Solosexuelles Erleben und Verhalten bei Erwachsenen mit ADHS – Eine quantitative Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Solosexualität und ADHS-Symptomen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Das genitale Selbstbild im Kontext von Female Genital Mutilation/Cutting

Alexandra Ursula Meisser untersucht in der Masterarbeit «Das genitale Selbstbild im Kontext von Female Genital Mutilation/Cutting» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Frauen mit einer Genitalbeschneidung begegnen im Gesundheitswesen meist einer medizinischen Sicht auf ihren Körper. Wie sie ihr eigenes Genital wahrnehmen, wird selten gefragt. Diese Arbeit hat genau das getan — und kommt zu einem Ergebnis, das jede Verallgemeinerung verbietet.

Gibt es «das» genitale Selbstbild nach FGM/C?

Nein. Das ist der erste und wichtigste Befund. Die Wahrnehmungen der befragten Frauen fallen so unterschiedlich aus, dass sich keine verallgemeinerbaren Aussagen ableiten lassen.

Jede betroffene Frau verfügt über eigene Ressourcen, Grenzen und Herausforderungen. Weder das genitale Selbstbild noch die sexuelle Selbstsicherheit verlaufen einheitlich.

Daraus folgt für die Praxis unmittelbar: Es braucht in jedem Einzelfall eine eigene Erhebung, wie das genitale Selbstbild und die sexuelle Selbstsicherheit ausgeprägt sind. Von der Diagnose auf das Erleben zu schliessen, geht fehl.

Was hängt womit zusammen?

Genitales Selbstbild und sexuelle Selbstsicherheit stehen in wechselseitigem Zusammenhang — und diese Wechselwirkung findet sich auch bei Frauen mit FGM/C. Das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Befund: Was für andere Frauen gilt, gilt hier ebenso.

Für die Förderung eines konstruktiven Zugangs zum eigenen Genital schlägt die Arbeit den körperorientierten Ansatz Sexocorporel vor, insbesondere über die schrittweise Entwicklung sexueller Lernprozesse. Nicht als Korrektur, sondern als Weg zu einem eigenen Verhältnis zum eigenen Körper.

Ist das ein Thema der Frau allein?

Nein, und dieser Hinweis der Arbeit ist für die Praxis besonders wertvoll. Die Beschneidung sollte in der therapeutischen Begleitung nicht ausschliesslich als individuelles Thema der Frau verstanden werden, sondern ebenso als Paardynamik.

Wo es möglich ist, kann es entsprechend hilfreich sein, den Partner in den Therapieprozess einzubeziehen. Was zwischen zwei Menschen geschieht, lässt sich selten allein bearbeiten.

Was braucht die Fachperson?

Die Arbeit spricht offen aus, was in Leitfäden selten steht: Es handelt sich um ein hochsensibles Themenfeld, und Therapeutinnen und Therapeuten müssen auf ihre eigene Zentrierung und Selbstregulation achten.

Konkret empfiehlt sie, Pausen, humorvolle Elemente und körperbezogene Übungen ins Gespräch zu integrieren — für die Klientin ebenso wie für die begleitende Person. Wer beim Zuhören selbst in Anspannung gerät, kann nicht gut begleiten.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine explorative qualitative Arbeit mit halbstrukturierten Interviews, theoretisch gerahmt durch das Modell Sexocorporel nach Jean-Yves Desjardins. Die Autorin stellt selbst an den Anfang ihres Fazits, dass sich keine Rückschlüsse auf jede Frau mit FGM/C ziehen lassen.

Was die Arbeit liefert, sind Anhaltspunkte für die sexualtherapeutische Arbeit — und die Stimmen von Frauen, die in der Forschung zu diesem Thema selten selbst zu Wort kommen.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 103 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu FGM/C, die theoretischen Grundlagen zu genitalem Selbstbild und sexueller Selbstsicherheit, die vollständige Auswertung der Interviews und die Ableitungen für die sexualtherapeutische Praxis.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit befasst sich mit dem Einfluss der weiblichen Genitalbeschneidung (FGM/C) auf das genitale Selbstbild und in diesem Zusammenhang auf die sexuelle Selbstsicherheit. Ziel der Untersuchung ist es, mögliche Handlungsansätze für die sexualtherapeutische Praxis zu identifizieren. Als theoretischer Bezugsrahmen dient das Modell des Sexocorporel nach Jean- Yves Desjardins. Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurden halbstrukturierte Interviews mit betroffenen Frauen durchgeführt. Im Zentrum stand die Erfassung subjektiver Wahrnehmungen und individueller Erlebensweisen im Hinblick auf das genitale Selbstbild und die sexuelle Selbstsicherheit. Die vorliegende Arbeit verfolgt das Anliegen, durch die Stimmen der interviewten Frauen Erkenntnisse über den Einfluss von FGM/C auf diese Themenbereiche zu gewinnen. Die qualitative Analyse der Interviews machte unterschiedliche Perspektiven sichtbar. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sowohl das genitale Selbstbild als auch die sexuelle Selbstsicherheit nicht einheitlich verlaufen, sondern individuell geprägt sind. Ebenso zeigt sich, dass der Zugang zum eigenen Genital von einer Vielzahl unterschiedlicher Erfahrungen beeinflusst wird. Aus den erhobenen Daten lassen sich Hinweise ableiten, dass sexualtherapeutische Interventionen zur Förderung eines positiven genitalen Selbstbildes und zur Stärkung der sexuellen Selbstsicherheit bei Frauen mit FGM/C einen unterstützenden Beitrag leisten können.

Alexandra Ursula Meisser, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Das genitale Selbstbild im Kontext von Female Genital Mutilation/Cutting: Eine qualitative Studie zu Erfahrungen von Frauen mit FGM/C

Verfasst von
Alexandra Ursula Meisser

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Genitales Selbstbild · Selbstwirksamkeit · Körperarbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Alexandra Ursula Meisser: «Das genitale Selbstbild im Kontext von Female Genital Mutilation/Cutting: Eine qualitative Studie zu Erfahrungen von Frauen mit FGM/C». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Das Kondom neu entdecken – Kondomnutzung durch Erotisierung

Salomé Savoy untersucht in der Masterarbeit «Das Kondom neu entdecken – Kondomnutzung durch Erotisierung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Kondome werden als Vernunftentscheidung beworben und damit gegen die Lust gestellt. Diese Arbeit dreht das um: Sie versucht, das Kondom zu erotisieren — und zeigt, dass schon kleine Veränderungen im Körpererleben spürbar wirken.

Was wurde gemacht?

Ein dreiwöchiges Online-Programm aus körperorientierten Übungen und gezielter Wissensvermittlung. Ziel war, die Wahrnehmung sexueller Erregung zu intensivieren und eine erotisch besetzte Haltung gegenüber der Kondomnutzung zu fördern.

Die Arbeit verortet sich im Feld der niederschwelligen körperorientierten sexuellen Bildung. Der theoretische Teil zeigt das Zusammenspiel von Körper und Psyche und stellt somatische Achtsamkeit sowie bewusste Körperwahrnehmung in den Zusammenhang der sexuellen Gesundheit.

Erhoben wurde über einen Vorher-Nachher-Vergleich und schriftliche Reflexionen der Teilnehmenden während der Interventionswochen, ausgewertet über eine qualitative Inhaltsanalyse.

Was hat es gebracht?

Die Ergebnisse zeigen eine gesteigerte Sinneswahrnehmung, ein intensiveres lustvolles Erleben und eine erleichterte Integration des Kondoms ins Sexualleben.

Die bewusste Auseinandersetzung mit somatischer Achtsamkeit und genitaler Sensibilisierung kann also die Wahrnehmung von Lust vertiefen und ablehnende Haltungen gegenüber dem Kondom positiv beeinflussen.

Bemerkenswert ist ein Detail: Schon kleine Veränderungen im Körpererleben hatten für die Teilnehmenden spürbare Effekte auf die sexuelle Erfahrung. Es braucht keinen grossen Eingriff.

Warum ist der Ansatz besonders?

Weil das Programm nicht nur den Schutzaspekt in den Mittelpunkt stellt, sondern das lustvolle Erleben. Damit steht es im Einklang mit dem Verständnis sexueller Gesundheit, wie es die Weltgesundheitsorganisation formuliert.

Für die Präventionsarbeit ist das ein Richtungswechsel. Statt über Risiken aufzuklären und auf Einsicht zu hoffen, wird an der Wahrnehmung gearbeitet — dort, wo die Ablehnung tatsächlich entsteht.

Wer Präventionsangebote gestaltet, findet hier ein durchgeführtes und ausgewertetes Beispiel.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Ein dreiwöchiges Programm mit einer kleinen Gruppe, ohne Kontrollgruppe, ausgewertet über Selbstauskünfte. Das erlaubt keine Wirksamkeitsaussage im klinischen Sinn.

Die Teilnehmenden haben sich zudem freiwillig für ein Programm zur Kondomnutzung gemeldet — die ablehnende Haltung, die verändert werden sollte, war bei ihnen vermutlich weniger verfestigt als bei jenen, die man erreichen müsste.

Mit 67 Seiten ist es eine der kürzesten Arbeiten der Sammlung.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 67 Seiten. Sie enthält die theoretischen Grundlagen zu Körper, Psyche und somatischer Achtsamkeit, das vollständige dreiwöchige Online-Programm sowie die Auswertung des Vorher-Nachher-Vergleichs und der schriftlichen Reflexionen.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit verortet sich im Feld der niederschwelligen körperorientierten sexuellen Bildung als Teilbereich der Sexologie. Sie umfasst einen theoretisch- konzeptionellen sowie einen praktischen Teil. Im theoretischen Teil werden zentrale Aspekte des Zusammenspiels von Körper und Psyche aufgezeigt, sowie die Bedeutung von somatischer Achtsamkeit und die bewusste Körperwahrnehmung in den Kontext der sexuellen Gesundheit gestellt. Im praktischen Teil wurde ein dreiwöchiges Online-Programm entwickelt und umgesetzt, das auf körperorientierten Übungen und gezielte Wissensvermittlung basierte. Die Intervention hatte zum Ziel die Wahrnehmung sexueller Erregung zu intensivieren und eine positivere, erotisch konnotierte Haltung gegenüber der Verwendung von Kondomen zu fördern. Zur Datenerhebung wurden ein Prä-Post-Vergleich sowie schriftliche Reflexionen der Teilnehmenden während der Interventionswochen herangezogen und mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass die Intervention zu einer gesteigerten Sinneswahrnehmung, einem intensiveren lustvollen Erleben und einer erleichterten Integration des Kondoms in das Sexualleben führte. Damit wird verdeutlicht, dass körperorientierte Ansätze in der sexuellen Bildung einen relevanten Beitrag zur Förderung einer lustvollen und selbstbestimmten Sexualität leisten können. Um alle Personengruppen sprachlich einzuschliessen, wurde in dieser Arbeit eine diversitätssensible Sprache verwendet. Dies geschieht einerseits durch geschlechtsneutrale Sammelbegriffe (z. B. Teilnehmende) und andererseits durch die Verwendung des Gendersternchens (z. B. Proband*innen, Sexualberater* Sexualberaterinnen).

Salomé Savoy, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Das Kondom neu entdecken – Die Entwicklung und Evaluation eines Programms zur Förderung der Kondomnutzung bei Männern durch Erotisierung

Verfasst von
Salomé Savoy

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Verhütung · Jugendsexualität · Körperarbeit

Lizenz und Nachweis. Salomé Savoy: «Das Kondom neu entdecken – Die Entwicklung und Evaluation eines Programms zur Förderung der Kondomnutzung bei Männern durch Erotisierung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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