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MA5 Masterarbeit

Die Auswirkungen von Diabetes mellitus Typ 2 auf die Sexualität bei Frauen

Pascale Olivia Schwarz untersucht in der Masterarbeit «Die Auswirkungen von Diabetes mellitus Typ 2 auf die Sexualität bei Frauen» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Keine einzige der befragten Frauen wusste, dass Diabetes mellitus Typ 2 ihre Sexualität beeinflusst. Beim Mann ist der Zusammenhang medizinisch bekannt und wird beachtet. Bei Vulva und Vagina ist er weit weniger präsent — obwohl die Studienlage auch dort erhebliche Auswirkungen zeigt.

Was wissen betroffene Frauen?

Die Arbeit prüfte die These, dass Frauen mit Diabetes Typ 2 kein Wissen über den Einfluss der Erkrankung auf ihre Sexualität haben. Sie bestätigt sich vollständig: Keine der Teilnehmerinnen war sich dessen bewusst.

Das deckt sich mit der internationalen Forschung. In einer Interviewstudie mit Betroffenen war den meisten Teilnehmenden der Zusammenhang ebenfalls nicht bekannt.

Eine zweite Studie erklärt, warum das folgenreich ist: Postmenopausale Frauen schreiben sexuelle Beschwerden vor allem dem Alter und der Menopause zu und halten sie für einen natürlichen Alterungsprozess. Sie sind sich nicht bewusst, unter Einschränkungen zu leiden, die behandelbar wären.

Warum ist die Lücke so gross?

Weil Diabetes und Sexualität in zwei getrennten Zuständigkeiten liegen. Die Diabetesberatung kümmert sich um Blutzucker, Ernährung und Folgeerkrankungen, die Gynäkologie um den Befund — und die Frage nach dem sexuellen Erleben stellt niemand.

Beim Mann ist das anders. Der Einfluss auf die Erektionsfähigkeit gehört zum medizinischen Standardwissen und wird in Fachkreisen beachtet. Genau diese Asymmetrie macht die Arbeit sichtbar.

Es gibt zudem insgesamt wenige Studien, die das Wissen von Betroffenen über den Zusammenhang überhaupt erhoben haben. Die Forschung teilt die Lücke also mit der Praxis.

Was hat die Arbeit erhoben?

Sie fragt nicht nur nach der körperlichen Wahrnehmung, sondern nach vier Dingen zugleich: was die Frauen über den Einfluss der Erkrankung wissen, an wen sie sich wenden können, welche Behandlungsmöglichkeiten sie kennen und was sie sich wünschen.

Diese Anlage macht die Arbeit für die Versorgung brauchbar. Sie beschreibt nicht nur ein Defizit, sondern zeigt, an welcher Stelle im Behandlungsweg die Information fehlt.

Diabetes Typ 2 gehört zu den häufigsten Erkrankungen weltweit, und die Häufigkeit steigt — in der Schweiz wie anderswo. Die Lücke betrifft also sehr viele Frauen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Qualitative Interviews mit betroffenen Frauen, ergänzt durch eine Literaturrecherche. Die Zahl der Befragten ist klein, und die Arbeit prüft ihre Thesen einzeln und diskutiert sie an der Studienlage.

Dass alle Befragten dasselbe Nichtwissen berichten, ist bei kleiner Stichprobe dennoch aussagekräftig — weil es sich mit den internationalen Befunden deckt. Für Häufigkeitsaussagen taugt die Arbeit nicht, für die Frage, ob überhaupt informiert wird, sehr wohl.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 76 Seiten. Sie enthält die medizinischen Grundlagen zu Diabetes mellitus Typ 2, den Forschungsstand zum Einfluss auf die weibliche Sexualität, die vollständige Auswertung der Interviews sowie Empfehlungen für Praxis und weiterführende Forschung.

Abstract der Arbeit

Diabetes mellitus Typ 2 (DM2) ist eines der häufigsten Krankheitsbilder der modernen Zivilisation und zählt zu der Gruppe der nichtübertragbaren Krankheiten, welche die häufigste Haupttodesursache weltweit darstellt. Die Prävalenz ist sowohl weltweit als auch in der Schweiz steigend. DM2, beeinflusst den Blutzuckerspiegel und hat dadurch auf verschiedene Bereiche des Körpers Einfluss und fordert als chronische Krankheit die betroffenen Personen sowohl körperlich als auch psychisch. Der Einfluss von DM2 auf das Genital ist vor allem bei Personen mit Penis bekannt und wird in medizinischen Fachkreisen auch beachtet. Der Einfluss auf Vulva und Vagina ist weit weniger bekannt, obwohl die Studienlage aufzeigt, dass auch einen erheblichen Einfluss auf die sexuelle Funktion durch DM2 besteht. Die vorliegende Arbeit untersucht in Interviews mit betroffenen Frauen neben der körperlichen Wahrnehmung auch andere Bereiche wie das Wissen über die Krankheit und Einfluss auf die Sexualität, Ansprechpersonen und Therapiemöglichkeiten sowie Wünsche und Zukunftsaussichten der betroffenen Frauen.

Pascale Olivia Schwarz, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Die Auswirkungen von Diabetes mellitus Typ 2 auf die Sexualität bei Frauen – Einblicke aus qualitativen Interviews mit betroffenen Frauen

Verfasst von
Pascale Olivia Schwarz

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexualität & Krankheit · Genitales Selbstbild · Wechseljahre

Lizenz und Nachweis. Pascale Olivia Schwarz: «Die Auswirkungen von Diabetes mellitus Typ 2 auf die Sexualität bei Frauen – Einblicke aus qualitativen Interviews mit betroffenen Frauen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Sexualität und Endlichkeit

Miriam Siegenthaler untersucht in der Masterarbeit «Sexualität und Endlichkeit» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Dass sich Sexualität verändert, wird meist als Verlust erlebt. Diese Arbeit prüft das Gegenteil: Kann das Bewusstsein für Vergänglichkeit die sexuelle Zufriedenheit sogar erhöhen? Ihr Ergebnis ist ein Ja mit einer klaren Bedingung.

Wie wurde das untersucht?

Der Zugang ist ungewöhnlich. Die Teilnehmerinnen — gesunde Frauen im mittleren Lebensalter — nahmen zuerst an einer sechswöchigen Schreibintervention teil, deren Ziel die ressourcenorientierte Aktivierung des Vergänglichkeitsbewusstseins in Bezug auf die eigene Sexualität war.

Erst danach folgten halbstrukturierte Interviews, in denen subjektive Erfahrungen, Bedeutungen und Reflexionen erhoben wurden — sowohl zum Zusammenhang von Vergänglichkeit und Zufriedenheit als auch zur Schreibintervention selbst.

Zugrunde liegt ein Verständnis von Sexualität als lebenslangem, lern- und entwickelbarem Prozess.

Wie wirkt das Vergänglichkeitsbewusstsein?

Über drei Wege, die die Arbeit benennt. Die Präsenz im Moment steigt. Normative Vorstellungen über Sexualität werden relativiert. Und die Selbstwirksamkeit wird gestärkt.

Alle drei sind aus der sexologischen Praxis vertraut — nur wird dort selten die Vergänglichkeit als Zugang gewählt. Der Gedanke ist eigentlich naheliegend: Wer weiss, dass etwas nicht bleibt, ist eher bereit, es jetzt zu gestalten.

Unter welcher Bedingung?

Hier liegt die entscheidende Einschränkung. Das Vergänglichkeitsbewusstsein wirkt insbesondere dann positiv, wenn die Vergänglichkeit und die damit einhergehenden Reaktionen und Emotionen akzeptiert und als Grundlage für Entwicklung verstanden werden.

Ohne diese Akzeptanz bleibt das Bewusstsein für Vergänglichkeit eine Belastung. Die Arbeit verkauft also nicht die Einsicht als Rezept, sondern die Haltung dazu.

Als offene Forschungsfrage formuliert die Autorin, unter welchen Bedingungen Vergänglichkeit tatsächlich zur Ressource wird — und inwiefern das Bewusstsein dafür eine entwicklungsbejahende Haltung fördert.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Ein qualitativ-exploratives Vorgehen mit einer kleinen Gruppe gesunder Frauen im mittleren Lebensalter. Wer sich auf eine sechswöchige Schreibintervention zur eigenen Vergänglichkeit einlässt, bringt eine besondere Bereitschaft mit.

Die Ergebnisse decken sich mit der internationalen Forschungslage, auf die sich die Autorin bezieht. Das spricht für die Richtung des Befunds — beweist ihn aber nicht.

Für die Beratungspraxis liegt der Wert in der Schreibintervention selbst: ein Format, das sich ohne grossen Aufwand anbieten lässt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 139 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu Vergänglichkeit und sexueller Zufriedenheit, die vollständige Schreibintervention, die Auswertung der Interviews sowie die abgeleiteten Möglichkeiten für weitere Forschung.

Abstract der Arbeit

Sexualität und Endlichkeit Zusammenhänge zwischen dem Bewusstsein für Vergänglichkeit und der sexuellen Zufriedenheit gesunder Frauen im mittleren Lebensalter Mittels eines qualitativ-explorativen Vorgehens wird in dieser Masterarbeit untersucht, inwiefern das Bewusstsein für Vergänglichkeit mit der sexuellen Zufriedenheit bei gesunden Frauen im mittleren Lebensalter zusammenhängt. Ausgangspunkt ist dabei ein Verständnis von Sexualität als lebenslanger, lern- und entwickelbarer Prozess. Die Teilnehmerinnen nehmen zuerst an einer sechswöchigen Schreibintervention teil, deren Ziel die ressourcenorientierte Aktivierung des Vergänglichkeitsbewusstseins in Bezug auf die Sexualität ist. Anschliessend werden im Rahmen halbstrukturierter Interviews subjektive Erfahrungen, Bedeutungen und Reflexionen erhoben, die mögliche Zusammenhänge zwischen dem Bewusstsein dafür, dass Sexualität wandelbar, fluide und veränderlich ist, und der sexuellen Zufriedenheit sowie Erkenntnisse in Bezug auf die Schreibintervention erheben. Die qualitative Inhaltsanalyse zeigt, dass durch das Vergänglichkeitsbewusstsein die sexuelle Zufriedenheit zunimmt und Vergänglichkeit von den Teilnehmerinnen als Ausgangspunkt für Entwicklung verstanden wird. In einem letzten Schritt werden aus den gewonnenen Erkenntnissen relevante Impulse für die Sexualtherapie abgeleitet. Sexuality and Finiteness Relationship between awareness of transience and sexual satisfaction in healthy, middle-aged women Using a qualitative-explorative approach, this master's thesis examines the extent to which awareness of transience is related to sexual satisfaction in healthy middle-aged women. The starting point is an understanding of sexuality as a lifelong process that can be learned and developed. The participants first take part in a six-week writing intervention, the aim of which is the resource-oriented activation of transience awareness in relation to sexuality. Subsequently, subjective experiences, meanings and reflections are collected in semi-structured interviews, which explore possible connections between the awareness that sexuality is changeable and fluid and sexual satisfaction as well as findings in relation to the writing intervention. The qualitative content analysis shows that sexual satisfaction increases as a result of transience awareness and that transience is understood by the participants as a starting point for development. In a final step, relevant impulses for sex therapy are derived from the findings.

Miriam Siegenthaler, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexualität und Endlichkeit – Zusammenhänge zwischen dem Bewusstsein für Vergänglichkeit und der sexuellen Zufriedenheit gesunder Frauen im mittleren Lebensalter

Verfasst von
Miriam Siegenthaler

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexuelle Zufriedenheit · Verhütung · Selbstwirksamkeit

Lizenz und Nachweis. Miriam Siegenthaler: «Sexualität und Endlichkeit – Zusammenhänge zwischen dem Bewusstsein für Vergänglichkeit und der sexuellen Zufriedenheit gesunder Frauen im mittleren Lebensalter». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Spielend verführen – ein Spielkonzept für sexuelles Begehren

Dominique Tanner untersucht in der Masterarbeit «Spielend verführen – ein Spielkonzept für sexuelles Begehren» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Begehren lässt sich nicht befehlen, aber vielleicht spielen. Diese Arbeit entwickelt ein Spielkonzept für Paare — und begründet es mit einer Annahme, die überraschend trägt: Spielen ist ein natürlicher menschlicher Trieb, der soziale Kompetenzen erfahrbar macht und neue Fähigkeiten hervorbringt.

Was soll das Spiel bewirken?

Es soll Paaren ermöglichen, drei Dinge spielerisch zu fördern: ihre Kommunikation, ihr sexuelles Begehren und ihre Verführungskompetenzen.

Das zentrale Anliegen war dabei, Spielfreude und Zielorientierung zu verbinden. Ein Spiel, das sich wie eine Übung anfühlt, verfehlt seinen Zweck — eines ohne Richtung ebenfalls.

Der theoretische Teil geht deshalb in zwei Richtungen: zum Spiel selbst mit Definition, Geschichte, Funktion und den Spielpersönlichkeiten nach Brown — und zu Begehren, Bedürfnissen und Beziehung.

Wie versteht die Arbeit Begehren?

Als Wechselwirkung zwischen Reiz und Emotion. Begehren löst eine positive Vorerwartung aus und gilt deshalb selbst als erstrebenswert — es ist nicht nur Mittel zum Zweck, sondern angenehm für sich.

Daraus folgt der praktische Kern: Die bewusste Wahrnehmung der eigenen Begehrensstruktur bildet eine wichtige Grundlage dafür, Wünsche überhaupt zu artikulieren.

Und das gilt nach dieser Arbeit nicht nur in Paarbeziehungen, sondern auch im alltäglichen Leben. Wer nicht weiss, was er will, kann es nicht sagen — im Bett so wenig wie sonst.

Was ist an der Arbeit methodisch bemerkenswert?

Zwei Dinge, die in Masterarbeiten selten so ausdrücklich vorkommen.

Erstens widmet sie der Forschungsethik ein eigenes Kapitel — vor der Methodik. Bei einer Arbeit, in der Paare ein Spiel zu ihrer Sexualität ausprobieren, ist das keine Formalität.

Zweitens legt sie die Nutzung von künstlicher Intelligenz offen. Das ist bei einer Arbeit aus dem Jahrgang 2025 zeitgemäss und in dieser Sammlung dennoch die Ausnahme.

Dazu kommt ein ausführliches Kapitel zur Paarkommunikation, das verbale, nonverbale und paraverbale Ebenen sowie Kommunikationsmodelle und -muster behandelt.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Das Spielkonzept wurde entwickelt und erprobt, die Auswertung stützt sich auf Leitfadeninterviews und Fragebogen mit einer sehr kleinen Zahl von Teilnehmenden.

Was die Arbeit liefert, ist ein durchdachtes und dokumentiertes Konzept samt ersten Rückmeldungen — keine Wirksamkeitsprüfung. Für die Arbeit mit Paaren ist es dennoch brauchbares Material, weil es die Begründung für jede Spielentscheidung mitliefert.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 111 Seiten. Sie enthält die Theorie des Spiels, die ausführliche Auseinandersetzung mit Begehren, Bedürfnissen und Paarkommunikation, das vollständige Spielkonzept sowie die Kapitel zu Forschungsethik und zum Einsatz künstlicher Intelligenz.

Methodisches Vorgehen

Die Arbeit stützt sich auf leitfadengestützte Interviews (zwei Personen). Der Volltext umfasst 111 Seiten.

Angaben zur Arbeit

Titel
Spielend verführen Entwicklung eines Spielkonzepts zur Förderung und Erhaltung von sexuellem

Verfasst von
Dominique Tanner

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexuelles Verlangen · Paarsexualität · Recht & Ethik · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Dominique Tanner: «Spielend verführen Entwicklung eines Spielkonzepts zur Förderung und Erhaltung von sexuellem». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Sexualberatung mit trans* Personen nach dem Modell Sexocorporel

Andrea Baese untersucht in der Masterarbeit «Sexualberatung mit trans* Personen nach dem Modell Sexocorporel» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

«Die Beckenbodenmuskulatur wird auch nach der Transition vorhanden sein. Selbst wenn der Penis nicht mehr da ist — die Beckenbodenmuskulatur ist da.» Dieser Satz einer befragten Fachperson erklärt, warum ein körperorientiertes Modell in der Beratung von trans* Personen funktionieren kann. Die Arbeit prüft, wo es trägt und wo es an seine Grenzen kommt.

Warum kommt Sexualität in der Trans*beratung kaum vor?

Drei von vier befragten Fachpersonen geben an, dass Sexualität bei trans* Personen in ihrer Einzelberatung kein grosses Thema ist — oder dass sie dazu noch wenig Praxiserfahrung haben.

Alle vier benennen denselben Grund für die Lücke: In den begleitenden Psychotherapien spielt Sexualität nach ihrer Erfahrung oft keine Rolle. Der Blick richtet sich auf die Transition, auf Diagnostik und Begutachtung, auf medizinische Schritte — das sexuelle Erleben fällt heraus.

Das deckt sich mit dem Ausgangspunkt der Arbeit: Trans* Klient*innen werden im sexualwissenschaftlichen Diskurs und in der Beratungspraxis häufig auf medizinisch-funktionale Perspektiven reduziert.

Wie liesse sich damit arbeiten?

Eine der befragten Fachpersonen bietet ergänzend zur Einzelberatung Gruppenworkshops zu Trans*körperlichkeit und Sexualität an und arbeitet dabei in einem Dreischritt.

Erstens Grounding: ich und mein sexueller Körper — Körperwahrnehmung und Selbstsicherheit. Zweitens ich und die anderen: wie erlebe ich Dating, wie erlebe ich mich, wenn ich mit meinem sexuellen Körper in Kontakt zu anderen gehe. Drittens die Frage, wo mir Sicherheit begegnet und wo Unsicherheit.

Eine andere Fachperson beschreibt, mit einer trans* weiblichen Person mit der ganzen Klaviatur des Modells Sexocorporel gearbeitet zu haben — also nicht mit Anpassungen am Rand, sondern mit dem vollständigen Instrumentarium.

Wo liegen die Grenzen des Modells?

Die Arbeit stellt sie an den Anfang statt sie zu verschweigen: Das Modell Sexocorporel ist historisch hetero-binär geprägt. Die Frage lautet also nicht, ob es passt, sondern was mit welchen Anpassungen möglich wird.

Ihre Antwort fällt differenziert aus. Mit gezielten Adaptionen und kritischer Reflexion öffnen sich Zugänge zu Körpererleben, sexueller Lust und individueller Identitätsgestaltung. Besondere Chancen liegen in der Förderung der Körperwahrnehmung, in der Entwicklung eigener Sexualitätskonzepte und in der Ressourcenaktivierung jenseits normativer Vorstellungen.

Grenzen benennt die Arbeit dort, wo die ursprünglichen binären Konzepte nicht ausreichend überwunden sind. Diese Stellen sind nicht durch Wortwahl zu beheben.

Was heisst das für die Praxis?

Der Ansatzpunkt liegt im Körper, der bleibt. Muskulatur, Atmung, Bewegung, Wahrnehmung — diese Grössen existieren unabhängig davon, welche medizinischen Schritte jemand gegangen ist. Genau darauf zielt das eingangs zitierte Beispiel.

Für cis Beratende formuliert die Arbeit eine zusätzliche Anforderung: die eigene Haltung zu klären und die historische wie persönliche Leidensgeschichte von trans* Personen mitzudenken. Fachwissen allein genügt hier nicht.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine theoretische Analyse verbunden mit qualitativen Interviews mit vier Fachpersonen. Befragt wurden also Beratende, nicht trans* Personen selbst — die Arbeit beschreibt die Praxis aus Sicht derer, die sie anbieten.

Dass drei von vier wenig Praxiserfahrung mit sexuellen Anliegen dieser Zielgruppe haben, ist zugleich Befund und Einschränkung: Es zeigt die Versorgungslücke, und es begrenzt, wie viel über gelungene Beratung gesagt werden kann.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 90 Seiten. Sie enthält die kritische Analyse des Modells Sexocorporel auf seine binären Prägungen, den Forschungsstand zu trans*sensibler Beratung, die vollständige Auswertung der Interviews mit Kategoriensystem und Interviewleitfaden sowie die Ableitungen für eine körperzentrierte Beratungspraxis.

Abstract der Arbeit

Diese Arbeit untersucht das Potenzial des körperorientierten Modells Sexocorporel für die Sexualberatung von trans* Personen. Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass trans* Klient*innen bislang im sexualwissenschaftlichen Diskurs und in der Beratungspraxis häufig auf medizinisch-funktionale Perspektiven reduziert werden, während körperliche Selbstwahrnehmung und sexuelle Selbstbestimmung wenig Beachtung finden. Im Rahmen einer theoretischen Analyse sowie qualitativer Expert*innen-Interviews wird geprüft, inwiefern das Modell Sexocorporel, trotz seiner historischen hetero-binären Prägung, für eine transsensible und körperzentrierte Beratung nutzbar gemacht werden kann. Die Ergebnisse zeigen, dass durch gezielte Adaptionen und kritische Reflexionen des Modells vielfältige Zugänge zu Körpererleben, sexueller Lust und individueller Identitätsgestaltung für trans* Personen geöffnet werden können. Besondere Chancen liegen in der Förderung von Körperwahrnehmung, der Entwicklung individueller Sexualitätskonzepte sowie der Ressourcenaktivierung jenseits normativer Vorstellungen. Gleichzeitig werden Grenzen des Modells benannt, insbesondere dort, wo ursprüngliche binäre Konzepte nicht ausreichend überwunden werden. Die Arbeit leistet damit einen Beitrag zur Weiterentwicklung transsensibler sexualberaterischer Ansätze und formuliert Handlungsempfehlungen für die Praxis. This thesis examines the potential of the body-centered model Sexocorporel in providing sexual counseling for trans* individuals. It addresses the prevalent gap in current practice and research, where trans* clients are often approached from a predominantly medical or functional perspective, while aspects of bodily self-awareness and sexual autonomy are largely overlooked. Through a combination of theoretical analysis and qualitative expert interviews, the study investigates how the Sexocorporel model ꟷ despite its historically binary foundations ꟷ can be critically adapted to support a transsensitive and body-oriented counseling approach. The findings highlight the model’s capacity to foster body awareness, empower sexual agency, and support the development of individualized sexualities beyond normative frameworks. Simultaneously, the study outlines limitations where traditional binary structures remain embedded within the model. Overall, this work contributes to the advancement of transsensitve counseling practices and offers concrete recommendations for a more holistic and affirming approach to sexual health and well-being.

Andrea Baese, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
SEXUALBERATUNG MIT TRANS* PERSONEN MIT DEM MODELL SEXOCORPOREL – Ein körperorientierter Ansatz zur Förderung von Sexualität und Körpererleben bei trans* Personen

Verfasst von
Andrea Baese

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Geschlecht & Identität · Sexualberatung · Körperarbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Andrea Baese: «SEXUALBERATUNG MIT TRANS* PERSONEN MIT DEM MODELL SEXOCORPOREL – Ein körperorientierter Ansatz zur Förderung von Sexualität und Körpererleben bei trans* Personen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Die Kraft des Sexualkapitals

Aveline Voramwald untersucht in der Masterarbeit «Die Kraft des Sexualkapitals» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Attraktivität lässt sich in Vorteile umsetzen — im Beruf, in Beziehungen, in der Sichtbarkeit. Diese Arbeit prüft, ob sich das als eigene Kapitalform fassen lässt, und kommt zu einem Befund, der die Frage verschiebt: Was als begehrenswert gilt, ist nicht naturgegeben, sondern gemacht.

Was ist Sexualkapital?

Die Ausgangsfrage lautet, ob Sexualkapital eine eigenständige Kapitalform ist oder eine Erscheinungsform bestehender Arten wie des kulturellen oder symbolischen Kapitals.

Die Arbeit prüft das im Rahmen von Pierre Bourdieus Theorie sozialer Praxis und arbeitet dabei die Unterschiede zwischen Catherine Hakims Konzept des erotischen Kapitals und den Erweiterungen durch Kaplan und Illouz heraus.

Ihr Ergebnis: Das Konzept weist eine hohe theoretische Komplexität auf und ist in einem Spannungsfeld zwischen Macht, Körper, Begehren und sozialer Anerkennung verortet.

Warum ist das mehr als Theorie?

Weil daraus eine Aussage über soziale Ungleichheit folgt. Jene Merkmale, die als begehrenswert gelten, sind nicht naturgegeben, sondern gesellschaftlich konstruiert — geprägt durch Normen, symbolische Ordnungen und Ausschlussmechanismen.

Bourdieus Begriffe Habitus, Kapital und Feld erlauben es, diese Ungleichheiten als strukturell verankert zu begreifen statt als individuelles Versagen. Das ist der praktisch entlastende Teil der Analyse.

Besonders ambivalent ist die Sichtbarkeit. Sie ist Voraussetzung dafür, dass Sexualkapital überhaupt wirkt — und zugleich ein Mechanismus sozialer Kontrolle.

Wo stösst Bourdieu an Grenzen?

Bei Sexualität und Körper braucht seine Theorie nach dieser Arbeit Ergänzungen. Feministische und intersektionale Ansätze liefern sie: Sie erlauben, auch die Wirksamkeit von Normen und die Erfahrung von Mehrfachdiskriminierung zu erfassen.

Damit ist die Arbeit selbstkritisch gegenüber ihrem eigenen Werkzeug — sie prüft nicht nur ein Konzept an einer Theorie, sondern auch die Theorie an ihrem Gegenstand.

Die Ambivalenzen des Konzepts arbeitet sie ausdrücklich heraus, statt es entweder zu übernehmen oder zu verwerfen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine theoretische Arbeit mit kritischer Analyse der Fachliteratur, ohne eigene Erhebung. Sie ist eine der wenigen der Sammlung, die ohne empirischen Teil auskommt.

Ihre Aussagen sind Argumente, keine Messwerte. Wer wissen will, wie sexuelles Kapital in der Praxis eingesetzt wird, findet das in der Arbeit von Noomi Dürrenmatt über OnlyFans — die dieselben Theorien empirisch prüft.

Mit 62 Seiten ist es eine der kürzeren Arbeiten der Sammlung.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 62 Seiten. Sie enthält die Darstellung von Bourdieus Theorie sozialer Praxis, die Auseinandersetzung mit Hakim, Kaplan und Illouz sowie die kritische Analyse der Ambivalenzen und theoretischen Grenzen des Konzepts.

Die Fragestellung

Die Arbeit geht diesen Fragen nach:

  • Was ist Sexualkapital, und wie wurde es in der bisherigen Forschung konzipiert?
  • Wie lässt sich Sexualkapital im Verhältnis zu Bourdieus Kapitalarten positionieren?
  • Wie wirkt sich das Sexualkapital auf Habitus und soziale Positionierung aus?

Methodisches Vorgehen

Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturrecherche. Der Volltext umfasst 62 Seiten.

Abstract der Arbeit

In der vorliegenden Masterarbeit wird das Konzept des Sexualkapitals im Kontext von Pierre Bourdieus Theorie sozialer Praxis untersucht. Ausgangspunkt der Untersuchung ist die Frage, ob Sexualkapital als eigenständige Kapitalform betrachtet werden kann oder eine Erscheinungsform bestehender Kapitalarten, wie kulturelles oder symbolisches Kapital darstellt. Auf theoretischer Grundlage werden Konzepte Bourdieus mit aktuellen Debatten um körperliche Attraktivität, Geschlecht, Sexualität, Sichtbarkeit und soziale Machtverhältnisse verknüpft. In diesem Zusammenhang ist insbesondere die Unterscheidung zwischen Catherine Hakims Konzept des ‘erotischen Kapitals’ und den Erweiterungen durch Kaplan und Illouz hervorzuheben. Durch eine kritische Analyse der Fachliteratur wird erkennbar, dass das Konzept des Sexualkapitals nicht neutral verfügbar ist, sondern durch hegemoniale Normen, symbolische Ordnungen und soziale Felder strukturiert wird. Der Aspekt der Sichtbarkeit wirkt einerseits als zentrale Bedingung zur Wirksamkeit, andererseits stellt es ein Mechanismus sozialer Kontrolle dar. Die Arbeit reflektiert sowohl die Ressourcen und Potenziale als auch die Ambivalenzen des Konzepts und arbeitet dessen theoretische Grenzen heraus. Sie gelangt zu dem Schluss, dass Sexualkapital als eine feldabhängige, körpergebundene und symbolisch bewertete Ressource verstanden werden muss, deren soziale Wirkung feministisch und intersektional analysiert werden kann. Diese Perspektiven erweisen sich dabei als essenziell, um Körper, Begehren und Anerkennung im Rahmen sozialer Positionierung zu erfassen. This master's thesis examines the concept of sexual capital in the context of Pierre Bourdieu's theory of social practice. It explores whether sexual capital constitutes a distinct form or reflects existing types such as cultural or symbolic capital. Bourdieu's concepts are linked with debates on attractiveness, gender, sexuality, visibility, and power. A critical literature analysis reveals that sexual capital is shaped by hegemonic norms, symbolic orders, and social fields. Visibility emerges as a key condition for its effectiveness—and as a mechanism of control. The analysis highlights how sexual capital both opens opportunities and reproduces inequalities. The thesis argues that sexual capital must be understood as a field-dependent, body-bound, and symbolically valued resource. Feminist and intersectional perspectives are essential to grasp the body, desire, and recognition as factors of social positioning.

Aveline Voramwald, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Die Kraft des Sexualkapitals Wie das Sexualkapital Bourdieus Konzepte von Habitus und Kapitalstruktur erweitert

Verfasst von
Aveline Voramwald

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexarbeit · Sexuelles Verlangen · Jugendsexualität

Lizenz und Nachweis. Aveline Voramwald: «Die Kraft des Sexualkapitals Wie das Sexualkapital Bourdieus Konzepte von Habitus und Kapitalstruktur erweitert». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Liebe als Gefahr – verliebte Ordensleute im Zwiespalt

Anouk Battefeld untersucht in der Masterarbeit «Liebe als Gefahr – verliebte Ordensleute im Zwiespalt» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Was geschieht, wenn sich ein Mensch verliebt, der ein Keuschheitsgelübde abgelegt hat? Diese Arbeit befragt vier Ordensmänner, denen genau das passiert ist und die im Orden geblieben sind — ein Thema, zu dem es bisher keine Forschung gab.

Wie wurde das untersucht?

Über einen schriftlichen Fragebogen mit offenen Fragen und einer Skalenfrage. Vier Ordensmänner, die sich im Verlauf ihres Ordenslebens verliebt haben und in ihrer Gemeinschaft verblieben sind, nahmen teil.

Der Zugang entstand über eine engagierte Vertrauensperson, überwiegend im Rahmen eines Ordenstreffens. Bei einem Thema, das mit einem Gelübde in Konflikt steht, ist das der entscheidende und schwierigste Teil einer solchen Arbeit.

Theoretisch verbindet die Arbeit aktuelle Erkenntnisse der Hirnforschung zum Verlieben mit dem römisch-katholischen Kirchenrecht, dem Habitus des Ordenslebens und dem Keuschheitsgelübde.

Was leistet das Modell Sexocorporel hier?

Es bietet den theoretischen Rahmen für eine ganzheitliche Betrachtung affektiv-körperlicher Erfahrungen — indem es Sexualität als Ausdruck persönlicher Entwicklung, leiblicher Identität und Beziehungskompetenz versteht.

Gerade im Kontext religiöser Enthaltsamkeit öffnet das eine bestimmte Perspektive: Die Erfahrungen lassen sich als entwicklungsrelevante Prozesse deuten statt als Verfehlung.

Die Schilderungen der Befragten lassen sich zudem mit zentralen Ergebnissen der neurowissenschaftlichen Forschung zum Verliebtsein in Verbindung bringen. Was sie beschreiben, ist nicht Ausdruck von Schwäche, sondern ein körperlicher Vorgang.

Was ist das Ergebnis?

Verliebtheit im Ordensleben ist kein randständiges Phänomen, sondern eine existenzielle Erfahrung. Das ist der Kernbefund und er widerspricht der Erwartung, es handle sich um seltene Ausnahmefälle.

Für die Begleitung von Menschen in institutionell gebundenen Lebensformen ist das eine seltene Grundlage. Sie zeigt, dass es einen Ort braucht, an dem diese Erfahrung besprochen werden kann — und dass dieser Ort innerhalb der Institution schwer zu finden ist.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier Personen, schriftlich befragt, alle männlich, alle im Orden geblieben. Die Arbeit ist qualitativ-explorativ angelegt und beansprucht nichts anderes.

Die Auswahl ist zweifach eingeschränkt: Wer den Orden verlassen hat, kommt nicht vor — und wer sich über eine Vertrauensperson an einem Ordenstreffen erreichen lässt, gehört zu denen, die darüber sprechen können.

Für ein bislang unerforschtes Thema an der Schnittstelle von Theologie, Psychologie und Spiritualität ist die Arbeit ein sorgfältig gearbeiteter erster Zugang.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 93 Seiten. Sie enthält die Hirnforschung zum Verlieben, die kirchenrechtlichen Grundlagen, die Darstellung des Ordenslebens und des Keuschheitsgelübdes sowie die vollständige Auswertung der vier Befragungen entlang der Komponenten des Modells Sexocorporel.

Abstract der Arbeit

Diese Arbeit untersucht das Phänomen des Verliebtseins bei Ordensleuten und die Entscheidungsfindung, was ein bislang unerforschtes Thema an der Schnittstelle von Theologie, Psychologie und Spiritualität ist. Ziel war es, zu erfassen, wie Or- densleute Verliebtheit im Kontext der durch das Keuschheitsgelübde geprägten Le- bensform erleben, deuten und bewältigen. Die Arbeit verbindet aktuelle Ergebnisse der Hirnforschung zum Thema Verlieben mit römisch-katholischen, kirchenrechtli- chen Grundlagen, stellt den Habitus und die Grundlage des Ordenslebens dar mit dem Schwerpunkt des Keuschheitsgelübdes und dem Modell Sexocorporel. Empirisch wurde ein qualitativ-exploratives Vorgehen gewählt: Vier Ordensmänner, die sich im Verlauf ihres Ordenslebens verliebt haben und im Orden verblieben sind, beantworteten einen schriftlichen Fragebogen mit offenen Fragen und einer Ska- lenfrage. Die Teilnehmenden wurden durch einen engagierten «Türöffner» überwie- gend im Rahmen eines Ordenstreffens auf diese Studie aufmerksam. Die Auswer- tung konzentrierte sich anhand der Forschungsfragen auf Vergleiche der Antworten und einer vertieften Zuordnung im Kontext aktueller wissenschaftlicher Literatur. Die Ergebnisse zeigen: Verliebtheit im Ordensleben ist kein randständiges Phäno- men, sondern eine existenzielle Erfahrung mit herausfordernder Ambivalenz. Sie kann zur spirituellen Vertiefung und Reifung beitragen. Die Arbeit leistet einen Bei- trag zur Sichtbarmachung innerer Konflikte im subjektiven Ordensleben und eröffnet neue Perspektiven auf gelebte Spiritualität, die einen Zwiespalt nicht ausschliesst, sondern auf individuelle Weise integriert. Abstract (Englisch Version) This thesis explores a largely under-researched phenomenon at the intersection of theology, psychology and sexuality: the experience of romantic love among mem- bers of Roman Catholic male religious orders. The focus lies on the subjective ex- perience of the inner conflict between the religious vow of chastity and the human longing for intimacy, emotional closeness and physical contact. The empirical basis of the study consists of qualitative written responses from four Catholic male members of a religious order who remained in their communities des- pite having fallen in love. Due to the sensitive nature of the topic, a written survey method was chosen, allowing for anonymous participation and multilingual acess

Anouk Battefeld, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Liebe als Gefahr – Verliebte Ordensleute im Zwiespalt zwischen Bleiben und Gehen

Verfasst von
Anouk Battefeld

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Institutionelle Begleitung · Recht & Ethik · Soziale Arbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Anouk Battefeld: «Liebe als Gefahr – Verliebte Ordensleute im Zwiespalt zwischen Bleiben und Gehen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Zufriedene Paare in der sexologischen Praxis

Karin Wagemann untersucht in der Masterarbeit «Zufriedene Paare in der sexologischen Praxis» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Sexuelle Zufriedenheit und Partnerschaftszufriedenheit hängen zusammen und beeinflussen sich gegenseitig. Diese Arbeit führt zusammen, was die Forschung dazu weiss, und übersetzt es in etwas, das sich in der Praxis mit Paaren verwenden lässt.

Was hält Paare zufrieden?

Über eine systematische Durchsicht empirischer Studien arbeitet die Autorin die zentralen Vorhersagefaktoren heraus — und die Liste ist konkreter, als man erwartet.

Genannt werden unter anderem kommunikative Fähigkeiten, Intimität, Responsivität, gemeinsame Rituale, Opferbereitschaft und die Qualität der gemeinsam verbrachten Zeit.

Zwei davon lohnen besondere Beachtung. Responsivität meint, auf die Signale des Gegenübers einzugehen — eine Fähigkeit, die sich üben lässt. Und die Qualität der gemeinsamen Zeit ist nicht dasselbe wie ihre Menge.

Was ist der praktische Teil?

Aus den Befunden entwickelt die Arbeit konkrete Übungen zur Förderung der Partnerschaftszufriedenheit. Sie sind bewusst niederschwellig und in den Alltag integrierbar angelegt.

Gedacht sind sie für den Einsatz in der sexologischen Praxis mit Paaren. Wer nach Material sucht, findet hier eine begründete Sammlung statt einer Ideenliste — jede Übung lässt sich auf einen Befund zurückführen.

Der Anspruch der Arbeit war ausdrücklich, nicht beim Verständnis stehenzubleiben, sondern die Erkenntnisse in einen umfassenden und alltagstauglichen Übungsteil zu überführen.

Wie gut lässt sich Zufriedenheit messen?

Diese Frage stellt die Arbeit ausdrücklich und diskutiert die Anwendbarkeit gängiger Messinstrumente für sexuelle und partnerschaftliche Zufriedenheit.

Das ist mehr als eine methodische Fussnote. Wer mit Paaren arbeitet und den Fortschritt einschätzen will, braucht ein Mass — und muss wissen, was es erfasst und was nicht.

Damit ist die Arbeit auch für Fachpersonen brauchbar, die eigene Angebote evaluieren möchten.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Es handelt sich um eine Literaturarbeit mit systematischer Durchsicht empirischer Studien, ohne eigene Erhebung. Die Übungen sind aus der Forschungslage abgeleitet, nicht erprobt.

Was die Arbeit leistet, ist die Zusammenführung zweier Forschungsstränge, die getrennt bearbeitet werden — sexuelle und partnerschaftliche Zufriedenheit — und deren Übersetzung in die Praxis. Ob die Übungen wirken, müsste eine andere Untersuchung zeigen.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 80 Seiten. Sie enthält die systematische Aufarbeitung der Forschungslage zu sexueller und partnerschaftlicher Zufriedenheit, die Diskussion der Messinstrumente sowie den vollständigen Übungsteil für die Praxis.

Die Fragestellung

Die Arbeit geht diesen Fragen nach:

  • Wie lässt sich Partnerschaftszufriedenheit messen?
  • Wie lässt sich die sexuelle Zufriedenheit messen?

Abstract der Arbeit

Sexuelle Zufriedenheit und Partnerschaftszufriedenheit zählen zu wichtige Qualitätskriterien intimer Paarbeziehungen. Sie stehen in einem wechselseitigen Zusammenhang und beeinflussen sowohl das individuelle Wohlbefinden als auch die Stabilität und Qualität der Beziehung. Ziel dieser Masterarbeit ist es, theoretische und empirische Erkenntnisse über die Verbindung dieser beiden Zufriedenheitsdimensionen zusammenzuführen, zentrale Einflussfaktoren zu identifizieren und praxisnahe Ansätze zur Erhaltung und Förderung der partnerschaftlichen Zufriedenheit abzuleiten. Auf Basis einer systematischen Überprüfung empirischer Forschung werden zunächst zentrale Prädiktoren sexueller und partnerschaftlicher Zufriedenheit hervorgehoben, wie unter anderem kommunikative Fähigkeiten, Intimität, Responsivität, gemeinsame Rituale, Opferbereitschaft sowie die Qualität der gemeinsam verbrachten Zeit. In einem anschliessenden Schritt werden konkrete Strategien zur Erhaltung oder Förderung der jeweiligen Zufriedenheit abgeleitet. Der Fokus liegt auf der Entwicklung praktischer Übungen zur Förderung der Partnerschaftszufriedenheit. Diese sind als niedrigschwellige, im Alltag integrierbare Angebote konzipiert, die Sexolog*innen in der sexologischen Praxis mit Paaren anwenden können. Die Arbeit leistet damit einen Beitrag zur Professionalisierung der sexual- und paartherapeutischen Beratung, indem sie empirisch fundierte Erkenntnisse in praxisrelevante Anwendungen überführt und aufzeigt, wie partnerschaftliche Qualität gezielt gestärkt werden kann – in enger Verbindung mit, aber nicht beschränkt auf den sexuellen Bereich.

Karin Wagemann, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Zufriedene Paare – Erhaltung und Förderung der Zufriedenheit von Paaren in der sexologischen Praxis

Verfasst von
Karin Wagemann

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexuelle Zufriedenheit · Paarsexualität · Sexuelle Kommunikation

Lizenz und Nachweis. Karin Wagemann: «Zufriedene Paare – Erhaltung und Förderung der Zufriedenheit von Paaren in der sexologischen Praxis». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Neosexualität und sexuelles Kapital auf OnlyFans

Noomi Dürrenmatt untersucht in der Masterarbeit «Neosexualität und sexuelles Kapital auf OnlyFans» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Was auf OnlyFans als spontane Nähe erscheint, ist häufig vorproduziert, archiviert und von externen Schreibteams beantwortet. Diese Arbeit hat fünf Akteur:innen der Plattform befragt — und beschreibt, wie Begehren dort hergestellt statt gezeigt wird.

Wie entsteht Nähe auf OnlyFans?

Nicht im Moment. Die Befragten schildern, dass Inhalte überwiegend vorproduziert und zeitversetzt veröffentlicht werden — ein Bezug zur aktuellen Lebenssituation entfällt damit. Einzelne sprechen von archivierten Clips und von der mehrfachen Wiederverwendung bereits produzierter Videos.

Auch die Kommunikation wird ausgelagert. Externe Schreibteams zu beschäftigen, wird als gängige Praxis beschrieben, besonders bei hohen Follower-Zahlen. Vereinzelt kommen automatisiert erzeugte Inhalte durch KI-Modelle zur Sprache.

Gleichzeitig werden alltägliche Situationen einbezogen — Kochen, Fernsehen, Aufenthalte im öffentlichen Raum. Das Alltägliche ist dabei nicht das Gegenteil der Inszenierung, sondern ihr Material.

Was heisst das für den Begriff der Authentizität?

Die Arbeit beantwortet das theoretisch scharf: Begehren wird nicht als natürlich vorausgesetzt, sondern über narrative Skripte, Zuschreibungen und dialogische Kommunikation erzeugt.

Authentizität ist in dieser Lesart keine Eigenschaft, sondern eine eingesetzte Ressource — Teil einer parasozialen Nähe, die zwischen Person und Publikum hergestellt wird.

Kennzeichnend ist dabei die Entkopplung: Sexualisierte Inhalte werden von emotionalen und beziehungsbezogenen Bedeutungen gelöst und in alltägliche Routinen eingebettet.

Wie wird sexuelles Kapital eingesetzt?

Es lässt sich in modifizierten Formen rekonstruieren. Zentral sind drei Strategien: Branding, Differenzierung von anderen Anbietenden und medienvermittelte Körperinszenierung.

Theoretisch verbindet die Arbeit dafür drei Zugänge — Volkmar Siguschs neosexuelle Prozesse, die Typologie sexuellen Kapitals nach Kaplan und Illouz sowie Govrins Überlegungen zum Begehren als Wertform.

Die neosexuellen Prozesse Dissoziation, Dispersion und Diversifikation lassen sich auf der Plattform in spezifischen Ausprägungen beobachten. Was Sigusch theoretisch beschrieben hat, wird hier an einem konkreten Geschäftsmodell sichtbar.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Fünf leitfadengestützte Interviews, ausgewertet über eine deduktive qualitative Inhaltsanalyse. Fünf Personen bilden ein grosses und sehr heterogenes Feld nicht ab.

Die deduktive Vorgehensweise bringt eine zweite Einschränkung mit sich: Die Kategorien stammen aus der Theorie. Was in den Interviews vorkommt, aber in keiner Kategorie Platz findet, bleibt eher unsichtbar. Die Arbeit prüft also Theorien an der Praxis — sie entwickelt keine neue aus ihr heraus.

Für die Beratung ist sie dennoch aufschlussreich: Wer mit Menschen arbeitet, die auf solchen Plattformen tätig sind oder deren Inhalte konsumieren, findet hier eine nüchterne Beschreibung dessen, was dort produziert wird.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 112 Seiten. Sie enthält die theoretischen Grundlagen zu Neosexualität und sexuellem Kapital, die vollständige Auswertung der fünf Interviews, die Diskussion der Limitationen sowie sexualwissenschaftliche Schlussfolgerungen.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit untersucht, wie sexuelles Kapital auf der Plattform OnlyFans eingesetzt wird, um Begehren zu erzeugen und ökonomisch zu verwerten. Theoretisch stützt sich die Arbeit auf Siguschs neosexuelle Prozesse, die Typologie sexuellen Kapitals nach Kaplan und Illouz sowie Govrins Überlegungen zum Begehrenswert und zur Funktion von Authen- tizität. Methodisch wurde eine qualitative deduktive Inhaltsanalyse anhand von fünf leitfa- dengestützten Interviews mit Akteur:innen der Plattform OnlyFans durchgeführt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass neosexuelle Prozesse wie Dissoziation, Dispersion und Diversifikation auf der Plattform in spezifischen Ausprägungen beobachtbar sind. Se- xuelles Kapital lässt sich in modifizierten Formen rekonstruieren, wobei insbesondere Stra- tegien des Brandings, der Differenzierung und der medienvermittelten Körperinszenierung zentral sind. Hinweise aus dem Datenmaterial legen nahe, dass Begehren nicht natürlich vorausgesetzt, sondern über narrative Skripte, Zuschreibungen und dialogische Kommuni- kation erzeugt wird. Authentizität erscheint dabei als eingesetzte Ressource im Rahmen parasozialer Nähe. This master's thesis analyses how sexual capital is used on the OnlyFans platform to ge- nerate desire and exploit it economically. Theoretically, the work is based on Sigusch's neo- sexual processes, Kaplan and Illouz's typology of sexual capital and Govrin's considerations on desirability and the function of authenticity. Methodologically, a qualitative deductive con- tent analysis was conducted on the basis of five guided interviews with actors on the On- lyFans platform. The results indicate that neosexual processes such as dissociation, dispersion and diversi- fication can be observed in specific forms on the platform. Sexual capital can be recons- tructed in modified forms, with strategies of branding, differentiation and media-mediated body staging are particularly central. Indications from the data material suggest that desire is not naturally assumed, but is generated via narrative scripts, attributions and dialogue- based communication. Authenticity appears to be a deliberate resource in the context of parasocial proximity formats.

Noomi Dürrenmatt, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Neosexualität und der Einsatz sexuellen Kapitals: die Erzeugung von Begehren auf OnlyFans

Verfasst von
Noomi Dürrenmatt

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexarbeit · Sexuelles Verlangen · Selbstwirksamkeit

Lizenz und Nachweis. Noomi Dürrenmatt: «Neosexualität und der Einsatz sexuellen Kapitals: die Erzeugung von Begehren auf OnlyFans». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Lichen sclerosus – weibliche Sexualität bei chronischer Erkrankung

Sara Waldispühl untersucht in der Masterarbeit «Lichen sclerosus – weibliche Sexualität bei chronischer Erkrankung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Lichen sclerosus betrifft schätzungsweise eine von fünfzig Frauen, verursacht Juckreiz, wunde Stellen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr — und wird von der Ärzteschaft fast nie im Zusammenhang mit Sexualität angesprochen. Diese Arbeit hat fünf betroffene Frauen gefragt, wie sie damit umgehen.

Was ist Lichen sclerosus?

Eine chronisch entzündliche Hauterkrankung, die vorwiegend die Genitalregion von Frauen betrifft. Typische Beschwerden sind Juckreiz, wunde Stellen und Brennen. Die Häufigkeit ist schwer zu bestimmen; geschätzt wird, dass etwa eine von fünfzig Frauen betroffen ist.

Die Ursachen sind ungeklärt, die Behandlungsmöglichkeiten begrenzt. Die Erkrankung kann zu sichtbaren Veränderungen der Vulva führen, was das Körperbild belastet. Für die Sexualität sind Einreissen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr die häufigsten Folgen.

Wie gehen Betroffene damit um?

Die Analyse der Interviews zeigt eine Vielzahl von Strategien, die die Frauen entwickelt haben, um mit den Auswirkungen auf ihre Sexualität umzugehen. Diese Strategien stammen nicht aus der Behandlung — sie sind selbst erarbeitet.

Die Autorin beschreibt im Schlusswort, was sie an den Gesprächen beeindruckt hat: der individuelle Umgang der Betroffenen mit der Erkrankung und ihre scheinbar unerschütterliche Zuversicht, Lösungen für die eigene Situation zu finden.

Zugleich wurde deutlich, wie stark Sexualität von Erwartungen, Bildern und Normen geprägt ist — und dass deren Nichterfüllung zu Selbstzweifeln, Schuldgefühlen und Abwertung führen kann.

Spricht die Ärzteschaft das Thema an?

Kaum. Das ist der zweite Befund der Arbeit, und sie hat ausdrücklich danach gefragt: ob und wie Sexualität bei Diagnosestellung und Behandlung zur Sprache kommt.

Die Befragten wurden von ärztlicher Seite kaum darüber informiert, was Lichen sclerosus für ihre Sexualität bedeutet. Die Autorin nennt den Grund ein doppeltes Tabu: Sexualität und Vulvakrankheit treffen aufeinander, und beides wird ungern besprochen.

Das ist ein Muster, das mehrere Arbeiten dieser Sammlung finden. Bei chronischen Erkrankungen des Genitals fällt die Sexualität zwischen alle Zuständigkeiten — die Dermatologie behandelt die Haut, die Gynäkologie den Befund, und für das Erleben ist niemand vorgesehen.

Was heisst das für die Praxis?

Für Fachpersonen ist der Schluss unmittelbar: Es braucht Aufklärung zu einem Thema, über das doppelt geschwiegen wird — und es braucht die Bereitschaft, die Frage von sich aus zu stellen.

Die Autorin zieht daraus für ihre eigene sexologische Arbeit die Konsequenz, Menschen zur Reflexion ihrer eigenen Vorstellungen anzuregen und ein Bild von Sexualität zu vermitteln, das vielfältig und individuell gestaltbar ist. Genau darin liegt bei einer Erkrankung, die den bisherigen Ablauf unmöglich macht, der praktische Ansatz.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Leitfadeninterviews mit fünf betroffenen Frauen, ergänzt durch eine Literaturrecherche. Bei einer Erkrankung, zu der wenig geforscht wird und deren Häufigkeit sich nicht sicher bestimmen lässt, sind fünf ausführliche Gespräche eine übliche und angemessene Grundlage — sie erlauben aber keine Aussage darüber, wie verbreitet die geschilderten Erfahrungen sind.

Was die Arbeit leistet, ist Sichtbarkeit für eine Erkrankung, über die im Zusammenhang mit Sexualität kaum etwas vorliegt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 122 Seiten. Sie enthält den medizinischen Forschungsstand zu Lichen sclerosus, den Stand zu Sexualität bei chronischen Erkrankungen, die vollständige Auswertung der fünf Interviews und die Ableitungen für Beratung und Aufklärung.

Abstract der Arbeit

Abstract Deutsch Lichen sclerosus ist eine chronisch entzündliche Hauterkrankung, die vorwiegend die Genitalregion von Frauen betrifft. Typische Symptome können Juckreiz, wunde Stellen und Brennen sein. Die Prävalenz ist schwierig zu ermitteln. Es wird vermutet, dass ca. 1 von 50 Frauen betroffen ist. Die Ursachen der Erkrankung sind noch ungeklärt und die Behandlungsmöglichkeiten sind eingeschränkt. Die Erkrankung kann zu sichtbaren Veränderungen der Vulva führen, was das Körperbild der Betroffenen einschränken kann. Lichen sclerosus kann erhebliche negative Auswirkungen auf die Sexualität der Betroffenen haben. Häufig wird von Einreissen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr berichtet. Die vorliegende Arbeit untersucht mittels qualitativer Forschungsmethode, wie betroffene Frauen mit der Erkrankung im Kontext ihrer Sexualität umgehen. Zudem soll in Erfahrung gebracht werden, inwiefern die Ärzteschaft das Thema Sexualität im Rahmen der Diagnosestellung und Behandlung von Lichen sclerosus anspricht. Die Analyse der Interviews zeigt, dass die Betroffenen eine Vielzahl von Strategien anwenden, um mit den Auswirkungen der Erkrankung auf die Sexualität umzugehen. Zudem wird deutlich, dass die Befragten kaum von der Ärzteschaft zum Thema Sexualität mit Lichen sclerosus informiert und beraten wurden. Abstract Englisch Lichen sclerosus is a chronic inflammatory skin disease that primarily affects the genital region in women. Typical symptoms include itching, sores, and burning. Its prevalence is difficult to determine. It is estimated that approximately 1 in 50 women are affected. The causes of the disease are still unclear and treatment options are limited. The disease can lead to visible changes in the vulva, which can affect the body image. Lichen sclerosus can have a significant negative impact on the sexuality of those affected. Tearing and pain during sexual intercourse are commonly reported. This study uses qualitative research methods to investigate how affected women deal with the disease in the context of their sexuality. It also aims to find out to what extent the medical profession addresses the issue of sexuality in the diagnosis and treatment of lichen sclerosus. The analysis of the interviews shows that those affected use a variety of strategies to deal with the effects of the disease on their sexuality. It also becomes clear that the respondents received little information and advice from the medical profession on the subject of sexuality with lichen sclerosus.

Sara Waldispühl, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Lichen sclerosus – Weibliche Sexualität im Kontext einer chronischen Erkrankung

Verfasst von
Sara Waldispühl

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexualität & Krankheit · Genitales Selbstbild · Körperbild

Lizenz und Nachweis. Sara Waldispühl: «Lichen sclerosus – Weibliche Sexualität im Kontext einer chronischen Erkrankung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Einfluss von TRE (Tension/Trauma Releasing Exercises) auf die Sexualität

Edona Hasanagic untersucht in der Masterarbeit «Einfluss von TRE (Tension/Trauma Releasing Exercises) auf die Sexualität» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Fünfzehn Menschen führten in zwei Wochen drei angeleitete TRE-Sitzungen durch. Danach war bei einem Teil die Genitalwahrnehmung besser und die Lust höher — und bei manchen wichen die Messwerte deutlich vom eigenen Empfinden ab. Genau diese Diskrepanz macht die Arbeit lesenswert.

Was ist TRE?

Tension and Trauma Releasing Exercises: eine Methode, die über gezielte Körperübungen ein neurogenes Zittern auslöst und darüber die Körperspannung reguliert.

Der Anschluss an die Sexualität liegt im Becken. Muskuläre Spannungsmuster, besonders in dieser Region, gelten als möglicher Einflussfaktor für sexuelles Erleben und Wohlbefinden — und Sexualität ist ein biopsychosoziales Geschehen, das eng mit Körperwahrnehmung und Spannungsregulation verbunden ist.

Untersucht wurde beides gleichzeitig: die wahrgenommene Sexualität und die persönliche Körperwahrnehmung, erhoben über Online-Fragebogen vor und nach der Intervention.

Was hat sich verändert?

Die Ergebnisse liefern erste Hinweise darauf, dass TRE bei einem Teil der Teilnehmenden zu einer verbesserten Genitalwahrnehmung, einer Reduktion körperlicher Spannungen und einer gesteigerten sexuellen Erregbarkeit führen kann.

Besonders deutlich zeigte sich der Anstieg bei Genitalwahrnehmung und sexueller Lust. Andere Bereiche veränderten sich nur wenig oder wurden subjektiv nicht als verändert erlebt.

Die Arbeit unterscheidet damit sauber zwischen dem, was sich bewegt hat, und dem, was gleich blieb — statt eine Gesamtwirkung zu behaupten.

Warum ist die Diskrepanz interessant?

Weil sie in beide Richtungen auftrat. Einige Teilnehmende berichteten von spürbaren Veränderungen, obwohl die Messwerte kaum abwichen. Andere zeigten auf den Skalen Fortschritte, ohne sie subjektiv zu bemerken.

Für die Praxis ist das ein wichtiger Hinweis. Wer eine körperorientierte Intervention nur über Fragebogen bewertet, misst womöglich nicht das, was die Person erlebt — und umgekehrt.

Für die Forschung stellt sich damit die Frage, welches der beiden Mass das bessere ist. Die Arbeit beantwortet sie nicht, aber sie stellt sie.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Fünfzehn Teilnehmende, drei Sitzungen in zwei Wochen, keine Kontrollgruppe. Die Autorin ordnet ihre Ergebnisse selbst als erste explorative Anhaltspunkte ein.

Es ist die erste Untersuchung dieser Art zum Zusammenhang von TRE, Körperwahrnehmung und Sexualität. Für ein niederschwelliges körpertherapeutisches Verfahren, das sich ohne grossen Aufwand anleiten lässt, ist das ein sinnvoller Ausgangspunkt — mehr aber nicht.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 78 Seiten. Sie enthält die Grundlagen zu TRE und Spannungsregulation, das biopsychosoziale Verständnis von Sexualität, die vollständige Intervention sowie die quantitative und qualitative Auswertung.

Abstract der Arbeit

Die Sexualität ist ein komplexes biopsychosoziales Geschehen, das eng mit der körperlichen Selbstwahrnehmung und Spannungsregulation verbunden ist. Muskuläre Spannungsmuster, insbesondere im Bereich des Beckens, gelten als möglicher Einflussfaktor für sexuelles Erleben und Wohlbefinden. Die Methode der Tension & Trauma Releasing Exercises (TRE) setzt über gezielte Körperübungen an diesem Bereich an, indem durch neurogenes Zittern eine Regulation von Körperspannung ermöglicht werden soll. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, die möglichen Zusammenhänge zwischen TRE, Körperwahrnehmung und Sexualität zu untersuchen. Hierzu führten 15 Teilnehmende innerhalb von zwei Wochen drei angeleitete TRE-Sitzungen durch. Die subjektiv wahrgenommene Sexualität sowie persönliche Körperwahrnehmung wurden mittels Online-Fragebögen vor und nach der Intervention erfasst. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass TRE zu einer positiven Veränderung der Körperwahrnehmung sowie des sexuellen Erlebens beitragen kann. Die Studie liefert erste explorative Anhaltspunkte auf das Potenzial von TRE als niedrigschwellige körpertherapeutische Methode im Kontext von Sexualität. Aufgrund methodischer Limitationen, wie einer geringen Stichprobengrösse von 15 Personen und fehlender Kontrollgruppe, sind die Ergebnisse vorläufig und bedürfen weiterer Forschung.

Edona Hasanagic, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Einfluss von TRE (Tension/Trauma Releasing Exercises) auf die Sexualität

Verfasst von
Edona Hasanagic

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Körperarbeit · Sexuelle Zufriedenheit · Sexuelles Verlangen

Lizenz und Nachweis. Edona Hasanagic: «Einfluss von TRE (Tension/Trauma Releasing Exercises) auf die Sexualität». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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