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MA4 Masterarbeit

Sexuelles Erleben von Frauen im Kontext heterosexueller Paarsexualität

Ladina Engler untersucht in der Masterarbeit «Sexuelles Erleben von Frauen im Kontext heterosexueller Paarsexualität» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Statt zu fragen, was Frauen in der Sexualität hemmt, befragt diese Arbeit jene, bei denen es gelingt: Frauen, die sich als sexuell selbstbestimmt wahrnehmen. Was sie auszeichnet, ist konkret benennbar — und der letzte Befund der Arbeit dämpft die Erfolgsgeschichte.

Was zeichnet sexuell selbstbestimmte Frauen aus?

Vier Merkmale arbeitet die Arbeit heraus, und alle sind erlernbar.

Sie gestalten ihre Sexualität — allein wie in der Partnerschaft — entlang ihrer Bedürfnisse und ihres Begehrens. Sie verfügen über eine positivere, bessere und nuanciertere Körperwahrnehmung, was mehr Befriedigung vorhersagt.

Sie haben fundiertes Wissen über weibliche Sexualität — und, das ist der entscheidende Zusatz, es fällt ihnen leichter, dieses Wissen auf sich selbst zu übertragen. Wissen allein genügt nicht; es muss anwendbar werden.

Und sie verfügen über eine starke Kommunikationsfähigkeit, die offene Gespräche über sexuelle Wünsche und Bedürfnisse in der Paarsexualität fördert.

Was folgt daraus für die Beratung?

Sexuelle Selbstbestimmung ist nach dieser Arbeit eine Ressource für das bedürfnisorientierte Gestalten der Paarsexualität — kein Charakterzug, sondern ein Zusammenspiel von Wahrnehmung, Wissen und Kommunikation.

Damit sind drei Ansatzpunkte benannt, an denen sich arbeiten lässt. Besonders der Übertrag von Wissen auf die eigene Person lohnt Aufmerksamkeit: Viele Klientinnen wissen viel und beziehen es nicht auf sich.

Wo bleibt die Einschränkung?

Die Arbeit endet nicht bei der Erfolgsgeschichte. Tradierte sexuelle Skripte sind gesellschaftlich nach wie vor verankert — und auch sexuell selbstbestimmte Frauen bleiben davon nicht gänzlich unbeeinflusst.

Das ist ein wichtiger Zusatz. Er verhindert den Kurzschluss, Selbstbestimmung sei eine rein individuelle Leistung, die jede erbringen könnte, wenn sie nur wollte.

Die Befragten fühlen sich weniger durch gesellschaftliche und kulturelle Normen gehemmt — losgelöst von ihnen gestalten aber auch sie ihre Sexualität nicht.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier halbstrukturierte Leitfadeninterviews mit heterosexuellen Frauen, die sich selbst als sexuell selbstbestimmt wahrnehmen, ausgewertet über eine qualitative Inhaltsanalyse.

Die Selbsteinschätzung ist dabei das Auswahlkriterium — geprüft wurde sie nicht. Und die Autorin hält fest, dass die Ergebnisse ihren eigenen Erwartungen entsprechen. Das ist ehrlich gesagt und zugleich ein Hinweis darauf, dass eine qualitative Arbeit mit vier Befragten Erwartungen leichter bestätigt als widerlegt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 113 Seiten. Sie enthält die theoretische Auseinandersetzung mit sexueller Selbstbestimmung, die vollständige Auswertung der vier Interviews sowie die Diskussion tradierter sexueller Skripte.

Abstract der Arbeit

Die hier vorliegende Masterarbeit befasst sich mit dem vielschichten Thema «sexu- elle Selbstbestimmung». Es wurden vier halbstrukturierte Leitfadeninterviews mit heterosexuellen Frauen, welche sich sexuell selbstbestimmt wahrnehmen, geführt und dabei der Frage nachgegangen, wie sie ihre heterosexuelle Paarsexualität ge- stalten. Mit einer qualitativer Inhaltsanalyse wurden die Ergebnisse anschliessend ausgewertet. Diese weisen darauf hin, dass sexuell selbstbestimmte Frauen die partnerschaftliche Sexualität bedürfnisorientiert und entlang ihren Wünschen und ihrem Begehren gestalten, dass sie sich in ihrer Sexualität weniger durch gesell- schaftliche und kulturelle Normen gehemmt fühlen und dass die sexuelle Selbstbe- stimmung für sie eine Ressource darstellt. Des Weiteren geht hervor, dass die weib- liche Sexualität noch immer von patriarchalen Strukturen beeinflusst wird und dass Frauen ihre Sexualität noch nicht losgelöst von diesen Strukturen gestalten können.

Ladina Engler, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexuelles Erleben von Frauen im Kontext heterosexueller Paarsexualität : Eine qualitative Untersuchung sexuell selbstbestimmter Frauen und ihrer Gestaltung des Geschlechtsverkehrs

Verfasst von
Ladina Engler

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Selbstwirksamkeit · Paarsexualität · Sexuelle Zufriedenheit

Lizenz und Nachweis. Ladina Engler: «Sexuelles Erleben von Frauen im Kontext heterosexueller Paarsexualität : Eine qualitative Untersuchung sexuell selbstbestimmter Frauen und ihrer Gestaltung des Geschlechtsverkehrs». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Körperübungen im Kontext sexueller Gesundheit

Patrizia Weibel untersucht in der Masterarbeit «Körperübungen im Kontext sexueller Gesundheit» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Die Eidgenössische Kommission für sexuelle Gesundheit fordert niederschwellige Bildungsangebote. Diese Arbeit hat eines entwickelt und geprüft: sechs Wochen auditiv angeleitete Körperübungen, zuhause durchführbar, ohne Termin und ohne Gruppe.

Was wurde untersucht?

Die Wirkung einer sechswöchigen, internetbasierten Intervention mit auditiv angeleiteten Körperübungen nach dem Modell Sexocorporel — auf die genitale Wahrnehmung von Menschen mit Vulvina.

Erfasst wurde diese Wahrnehmung dreifach: als genitale Gedanken, genitale Gefühle und genitale Empfindungen. Diese Unterteilung ist der methodische Kern, weil sie unterscheidet, was sich verändert.

Acht Personen führten die Übungen durch und gaben Einblick in ihre sexuellen Kompetenzen und Erfahrungen.

Was hat sich verändert?

Die Intervention hat die genitale Wahrnehmung in allen drei Bereichen beeinflusst — und zwar in eine bestimmte Richtung: hin zur Erotisierung des Gefühls der Verbindung mit dem sexuellen Körper.

Das ist präziser formuliert als «es hat geholfen». Es geht nicht darum, dass die Teilnehmenden mehr empfinden, sondern dass sich ihr Verhältnis zum eigenen Genital verschiebt.

Der Ausgangspunkt der Arbeit macht deutlich, warum das zählt: Erst wenn Menschen ihre genitale Ausstattung im eigenen Körper verorten und Sinnesreize dort differenziert wahrnehmen können, lässt sich Sexualität selbstbestimmt gestalten.

Warum ist das Format wichtig?

Weil es die Hürde senkt. Die Intervention eignet sich nach dieser Arbeit grundsätzlich als niederschwelliges sexuelles Bildungsangebot und kann damit zu den Forderungen der Eidgenössischen Kommission für sexuelle Gesundheit beitragen.

Auditiv angeleitet heisst: Man hört zu und macht mit. Es braucht keinen Raum, keine Gruppe und keine Anmeldung — nur Zeit und Bereitschaft.

Die Autorin fasst ihren Schluss knapp: Wer seine sexuellen Kompetenzen weiterentwickeln will, für den lohnt sich eine Investition in die Erweiterung der genitalen Wahrnehmung.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Acht Interventionspersonen ohne Kontrollgruppe. Die Arbeit leistet einen Beitrag zu einer, wie sie selbst schreibt, dürftigen Studienlage — sie schliesst sie nicht.

Wer sich freiwillig für sechs Wochen tägliche Körperübungen meldet, bringt bereits Motivation mit. Die beobachtete Veränderung ist also eine unter günstigen Bedingungen.

Diese Arbeit ist zudem eine der wenigen der Sammlung ohne Abstract; sie beginnt direkt mit der Einleitung. Die Angaben stützen sich deshalb auf Fazit und Fragestellung.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 125 Seiten. Sie enthält die theoretischen Grundlagen zu sexueller Gesundheit und körperorientierter sexueller Bildung, die Systematik der genitalen Wahrnehmung, die vollständige Intervention sowie deren Auswertung.

Die Fragestellung

Die Arbeit geht diesen Fragen nach:

  • Welches sind die Merkmale zentraler Begriffe dieser Arbeit und in welchem Zusammenhang stehen sie zueinander?
  • Wie sind die Proportionen der Tonfigur?
  • Wie vollständig ist die Tonfigur?

Methodisches Vorgehen

Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturrecherche. Der Volltext umfasst 125 Seiten.

Angaben zur Arbeit

Titel
Körperübungen im Kontext sexueller Gesundheit : Wirkungen spezifischer Körperübungen im Kontext des Modell Sexocorporel mit dem Fokus auf die Veränderung der genitalen Wahrnehmung von Menschen mit Vulvina

Verfasst von
Patrizia Weibel

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Körperarbeit · Körperbild · Digitale Medien

Lizenz und Nachweis. Patrizia Weibel: «Körperübungen im Kontext sexueller Gesundheit : Wirkungen spezifischer Körperübungen im Kontext des Modell Sexocorporel mit dem Fokus auf die Veränderung der genitalen Wahrnehmung von Menschen mit Vulvina». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Sex haben oder Sex machen? Sexuelle Selbstwirksamkeit und Zufriedenheit

Soraya Nora Gradolf untersucht in der Masterarbeit «Sex haben oder Sex machen? Sexuelle Selbstwirksamkeit und Zufriedenheit» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

«Menschen haben UND machen Sex.» Mit diesem Satz endet die Auswertung von 94 Frauen und 55 Männern in heterosexuellen Beziehungen. Die Arbeit fragt, wie viel eigenes Zutun im sexuellen Skript steckt — und welches Werkzeug dafür am wenigsten genutzt wird.

Was ist ein sexuelles Skript?

Die eingespielte Abfolge dessen, was bei einer sexuellen Begegnung geschieht: wer beginnt, was folgt worauf, wann ist es zu Ende. Skripte sind kulturell geprägt und individuell abgewandelt — und meistens unbewusst.

Sexuelle Selbstwirksamkeit im Skript meint, wie viel eine Person darin selbst gestaltet, statt einem Ablauf zu folgen. Diese Arbeit hat den Zusammenhang mit der sexuellen Zufriedenheit gemessen.

Wo liegt das kollektive Skript heute?

Zwischen Tradition und Fortschritt, und etwas näher beim Fortschritt. Die Selbstwirksamkeit im sexuellen Skript scheint zu steigen, das Rollenverständnis weicht sich auf, und die Zuschreibung von Verantwortung gleicht sich zwischen den Geschlechtern an.

Geschlechtsunterschiede bestehen, halten sich im Ausmass aber gering. Für beide Seiten stehen Gegenseitigkeit und Gemeinsamkeit im Vordergrund.

Wo sie sich unterscheiden, ist aufschlussreich. Frauen haben etwas mehr Mühe, bei sexuellen Aktivitäten kognitiv und körperlich präsent zu sein, und ihre Zufriedenheit hängt stärker von äusseren Faktoren ab. Männer fühlen sich stärker für zufriedenstellenden Sex verantwortlich und handeln häufiger partnerinnenfokussiert.

Welche Werkzeuge nutzen Menschen?

Die Arbeit hat erhoben, worüber sexuelle Selbstwirksamkeit konkret ausgeübt wird — und die Rangfolge ist für die Beratung unmittelbar brauchbar.

Am stärksten zeigt sie sich in der Kommunikation, danach in der Körperbewegung, dann in sexuellen Fantasien.

Das am wenigsten genutzte Instrument ist die Atmung. Das ist bemerkenswert, weil gerade die Atmung im Modell Sexocorporel als eine der drei Bewegungsdimensionen gilt und in mehreren anderen Arbeiten dieser Sammlung als wirksamer Hebel beschrieben wird. Hier liegt eine Lücke zwischen dem, was die Fachwelt empfiehlt, und dem, was Menschen tun.

Was heisst das für die Praxis?

Höhere sexuelle Selbstwirksamkeit hängt leicht positiv mit höherer Zufriedenheit zusammen. Was zufriedenstellenden Sex ausmacht, benennen die Befragten als Gegenseitigkeit, Lust, Präsenz und positive Emotionen.

Die Autorin schliesst daraus, dass sich das Erlernen und Fördern sexueller Selbstwirksamkeit auf institutioneller, kultureller und sexualberaterischer Ebene positiv auf die sexuelle Gesundheit auswirkt. Für die Beratung ist die Atmung der naheliegendste Ansatzpunkt — weil dort am wenigsten vorhanden ist.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Ein Mixed-Methods-Vorgehen mit einer Online-Umfrage: quantitative Werte für die Verteilung, qualitative Daten zur inhaltlichen Gegenprüfung. Mit 149 Teilnehmenden ist die Stichprobe für eine Masterarbeit gross, aber es handelt sich um eine Gelegenheitsstichprobe.

Die Autorin nennt als grösste Herausforderung und zugleich Einschränkung die enge Definition der sexuellen Selbstwirksamkeit im sexuellen Skript. Wer den Begriff weiter fasst, misst etwas anderes — die Vergleichbarkeit mit anderen Studien ist dadurch begrenzt.

Die gefundenen Zusammenhänge sind Korrelationen aus einer Momentaufnahme, keine Wirkungsnachweise.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 109 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu sexuellem Skript, sexueller Selbstwirksamkeit und sexueller Zufriedenheit, die vollständige quantitative und qualitative Auswertung sowie die Reflexion der methodischen Grenzen.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit untersucht den Zusammenhang zwischen sexueller Zufriedenheit und sexueller Selbstwirksamkeit im sexuellen Skript bei Menschen in heterosexuellen Paarbeziehungen. Anhand eines Mixed Methods-Vorgehens wurden mit einer online Umfrage quantitative und qualitative Daten von einer Zufallsstichprobe von 61 Frauen und 33 Männer gesammelt. Die Ergebnisse zeigen, dass eine höhere sexuelle Selbstwirksamkeit im sexuellen Skript moderat mit einer höheren sexuellen Zufriedenheit zusammenhängt. Die wichtigsten Faktoren für zufriedenstellenden Sex waren Gegenseitigkeit, Lust, Präsenz und positive Emotionen. Als in dem erfassten kollektiven sexuellen Skript präsente sexuelle Selbstwirksamkeitsinstrumente zeigten sich Kommunikation, auf spezifisches Nachfragen Bewegung und sexuelle Fantasien. Die Studie ergab geringe geschlechtsspezifische Unterschiede, wobei Männern tendenziell mehr Verantwortung und Partner/in-Bezug und Frauen mehr Mühe mit Präsenz und stärkere Beeinflussung durch äussere Faktoren zugeschrieben wird. Die Ergebnisse legen nahe, dass das Erlernen und Fördern sexueller Selbstwirksamkeit im sexuellen Skript auf institutioneller, kultureller und sexualberaterischer Ebene einen positiven Einfluss auf die sexuelle Gesundheit hat. This master's thesis examines the relationship between sexual satisfaction and sexual self-efficacy in sexual scripts among people in heterosexual relationships. Using a mixed methods approach, quantitative and qualitative data was collected from a random sample of 61 women and 33 men via an online survey. The results show that higher sexual self-efficacy in the sexual script is moderately related to higher sexual satisfaction. The most important factors for satisfying sex were mutuality, pleasure, presence and positive emotions. The sexual self-efficacy tools present in the collective sexual script recorded were communication, in response to specific questioning movement and sexual fantasies. The study revealed minor gender-specific differences, with men tending to ascribe more responsibility and partner-relatedness and women having more difficulty with presence and being more influenced by external factors. The results suggest that learning and promoting sexual self-efficacy in the sexual script on an institutional, cultural and sexual counselling level has a positive impact on sexual health.

Soraya Nora Gradolf, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Sex haben oder Sex machen? : Wie der Anteil an sexueller Selbstwirksamkeit im sexuellen Skript mit der sexuellen Zufriedenheit von Menschen in heterosexuellen Paarbeziehungen zusammenhängt

Verfasst von
Soraya Nora Gradolf

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Selbstwirksamkeit · Sexuelle Zufriedenheit · Paarsexualität

Lizenz und Nachweis. Soraya Nora Gradolf: «Sex haben oder Sex machen? : Wie der Anteil an sexueller Selbstwirksamkeit im sexuellen Skript mit der sexuellen Zufriedenheit von Menschen in heterosexuellen Paarbeziehungen zusammenhängt». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Beziehungsgestaltung zwischen Therapeut*in und Klient*in in der Sexualtherapie

Jasmin Witschi untersucht in der Masterarbeit «Beziehungsgestaltung zwischen Therapeut*in und Klient*in in der Sexualtherapie» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Die therapeutische Beziehung gilt als einer der stärksten Wirkfaktoren der Psychotherapie. In dieser Untersuchung sagen die befragten Sexualtherapeut*innen etwas Differenzierteres: Sie ist wichtig — aber nicht immer der entscheidende Faktor für den Erfolg.

Was trägt eine sexualtherapeutische Beziehung?

An erster Stelle stehen klare und realistische Ziele, die gemeinsam mit den Klient*innen formuliert werden. Nicht das Gespräch an sich, sondern die geteilte Richtung.

Dazu kommt eine vertrauensvolle Beziehung, die Sicherheit bietet. Als zentrale Elemente einer stabilen Beziehung nennen die Befragten Authentizität, Ehrlichkeit und Transparenz — Eigenschaften, die Vertrauen und offene Kommunikation fördern.

Auf Seiten der therapierenden Person zählen die eigene therapeutische Haltung, Neugier sowie Fach- und Methodenkompetenz. Besonders viel hängt an der Anfangsphase der Therapie.

Was macht das Bezahlen mit der Beziehung?

Ein Befund, der in Lehrbüchern selten steht: Die Selbstzahlung der Therapie erhöht den Druck auf eine positive Beziehungsgestaltung.

In der Sexualtherapie ist das die Regel — sie wird in der Schweiz meist nicht von der Grundversicherung getragen. Wer selbst bezahlt, erwartet schneller Ergebnisse und wechselt eher, wenn die Chemie nicht stimmt.

Für die Praxis heisst das, dass die Beziehungsgestaltung hier unter anderen Bedingungen steht als in einem kassenfinanzierten Setting — ein Umstand, der die Arbeit prägt, aber selten benannt wird.

Woran scheitert es?

Schwierigkeiten entstehen nach den Interviews vor allem aus zwei Quellen: aus persönlichen Überzeugungen der Klient*innen und aus gesellschaftlichen Mythen über Sexualität.

Beides lässt sich nicht durch mehr Empathie auflösen. Die Befragten beschreiben stattdessen drei Antworten: flexible Anpassung des Vorgehens, Supervision — und manchmal die Überweisung an eine andere Fachperson.

Dass Überweisung als legitime Option genannt wird, ist bemerkenswert. Es setzt voraus, die Grenzen der eigenen Passung zu erkennen, statt sie als persönliches Scheitern zu werten.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine Literaturrecherche verbunden mit fünf Interviews mit Sexualtherapeut*innen, qualitativ ausgewertet. Befragt wurden also die Therapierenden, nicht die Klient*innen.

Das ist für die Frage nach der Beziehungsgestaltung eine spürbare Einschränkung: Was eine Beziehung trägt, wissen beide Seiten unterschiedlich gut. Die Arbeit benennt ihre Limitationen und die daraus folgenden Ansätze für weitere Forschung selbst.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 105 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zur therapeutischen Beziehung, die vollständige Auswertung der fünf Interviews entlang der Therapiephasen sowie die Diskussion der Limitationen.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit untersuchte die Aspekte und Bedeutung der Beziehungsgestal- tung zwischen Therapeut*in und Klient*in im Kontext der Sexualtherapie. Ziel der Stu- die war es, die entscheidenden Aspekte zu identifizieren, die eine starke und vertrau- ensvolle therapeutische Beziehung fördern. Weiter wurde die Bedeutung der thera- peutischen Beziehung in den verschiedenen Phasen der Sexualtherapie untersucht. Für die theoretische Beantwortung der Forschungsfragen wurde eine Recherche an- hand von Literatur durchgeführt. Zusätzlich wurden fünf Interviews mit Sexualthera- peut*innen geführt, in denen sie zu Aspekten und der Bedeutung der Beziehungsge- staltung in der Sexualtherapie befragt wurden. Diese Interviews wurden anschlies- send qualitativ ausgewertet. Die Ergebnisse der Literaturrecherche und der Interviews zeigen, dass die Beziehung in der Sexualtherapie eine zentrale Rolle spielt. Der Aufbau von Vertrauen sowie per- sönliche und professionelle Merkmale der therapierenden Person wie Authentizität und Fach- und Methodenkompetenz massgeblich zu einer stabilen therapeutischen Beziehung bei. Besonders in der Anfangsphase der Therapie hat die Beziehungsge- staltung eine grosse Bedeutung. Am Ende der Arbeit werden die Limitationen der Studie sowie Vorschläge für künftige Forschungen aufgezeigt. This master's thesis examined the aspects and significance of the relationship be- tween therapist and client in the context of sex therapy. The aim of the study was to identify the key aspects that promote a strong and trusting therapeutic relationship. The importance of the therapeutic relationship in the various phases of sex therapy was also investigated. A literature review was conducted to provide theoretical answers to the research questions. In addition, five interviews were conducted with sex therapists, in which they were asked about aspects and the importance of relationship formation in sex therapy. These interviews were then analysed qualitatively. The results of the literature research and the interviews show that the relationship plays a central role in sex therapy. The establishment of trust as well as personal and professional characteristics of the therapist, such as authenticity and professional and

Jasmin Witschi, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Aspekte und Bedeutung der Beziehungsgestaltung zwischen Therapeut*in und Klient*in im sexualtherapeutischen Kontext Eine qualitative Untersuchung der therapeutischen Beziehungsarbeit

Verfasst von
Jasmin Witschi

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Sexualtherapie · Soziale Arbeit · Sexuelle Bildung

Lizenz und Nachweis. Jasmin Witschi: «Aspekte und Bedeutung der Beziehungsgestaltung zwischen Therapeut*in und Klient*in im sexualtherapeutischen Kontext Eine qualitative Untersuchung der therapeutischen Beziehungsarbeit». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Das Erleben der eigenen Person in der sexuellen Fantasie

Martina Güdel untersucht in der Masterarbeit «Das Erleben der eigenen Person in der sexuellen Fantasie» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Eine Frau, die ihren Körper beim Sex aktiv einsetzt und ein erotisiertes Verhältnis zum eigenen Geschlecht hat, findet sich in ihren Fantasien kaum in einem unbewegten Szenario der Unterwerfung wieder. Das ist die These dieser Arbeit — und sie verschiebt die Frage weg vom Inhalt der Fantasie hin zur eigenen Position darin.

Warum die eigene Position und nicht der Inhalt?

Weil der Inhalt einer Fantasie wenig darüber sagt, wie jemand sich selbst erlebt. Die Autorin untersucht stattdessen, wie sich die Person in ihrer eigenen Fantasie erlebt — als Spiegel der inneren Selbstwahrnehmung.

Ausgangspunkt ist eine Annahme des Modells Sexocorporel: Der Einsatz des Körpers bei der Erregung — über die drei Dimensionen Muskelspannung, Bewegung und Atmung sowie die Stimulation unterschiedlicher Rezeptoren — steht in Wechselwirkung mit dem Auftreten und den Inhalten sexueller Fantasien.

In der Beratung wird meist über den Inhalt gesprochen. Die Frage nach der eigenen Position darin wird selten gestellt.

Was zeigt die Untersuchung?

Es gibt Hinweise darauf, dass sexuelle Fantasien eng mit dem körperlichen Geschehen verbunden sind — und zwar nicht nur mit der Erregung, sondern auch mit den spezifischen Stimulationsmustern, den Körperhaltungen und der gesamten Sensumotorik.

Die Autorin ordnet das in den grösseren Rahmen ein: Phänomene, bei denen geistige Aktivität körperliche Folgen hat und umgekehrt, sind nicht isoliert zu betrachten, sondern im Kontext der Körper-Hirn-Einheit.

Daraus folgt ihre zugespitzte These: Vor dem Hintergrund der Embodimentforschung, der klinischen Erfahrung mit dem Modell und ihrer eigenen Befunde ist eher nicht davon auszugehen, dass eine Frau mit stark erotisiertem sexuellem Archetyp, intensiver Auseinandersetzung mit dem eigenen Geschlecht und aktiver Bewegung beim Sex sich in ihren Fantasien in einem unbewegten Unterwerfungsszenario wiederfindet.

Was heisst das für die Beratung?

Wenn Körperdynamik und Fantasieposition zusammenhängen, ist die Fantasie ein diagnostischer Zugang — besonders dort, wo sich über den Körper schwer sprechen lässt.

Zugleich entlastet die These. Wer sich in seinen Fantasien in einer Rolle wiederfindet, die er ablehnt, muss das nicht als Wunsch deuten. Es kann auf eine Körperdynamik verweisen, an der sich arbeiten lässt.

Damit steht diese Arbeit neben jener von Debora Dürst, die denselben Zusammenhang von der anderen Seite her untersucht — über die Muskelspannung.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Sechs qualitative Interviews mit erwachsenen Cis-Frauen. Die Autorin spricht durchgehend von Hinweisen, nicht von Nachweisen — und ihre zentrale These formuliert sie ausdrücklich als Wahrscheinlichkeitsaussage.

Diese Vorsicht ist angebracht. Sechs Interviews können einen Zusammenhang plausibel machen, nicht belegen. Was die Arbeit leistet, ist eine gut begründete Hypothese, die sich prüfen liesse.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 117 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu sexuellen Fantasien und Embodiment, die Herleitung aus dem Modell Sexocorporel sowie die vollständige Auswertung der sechs Interviews.

Abstract der Arbeit

Das Erleben der eigenen Person in der sexuellen Fantasie – Eine empirische Un- tersuchung zum persönlichen Erleben sexueller Fantasien bei erwachsenen Cis- Frauen und deren Zusammenhang mit der Art und Weise der Erregungssteigerung. Diese Masterarbeit untersucht das Erleben der eigenen Person in sexuellen Fanta- sien und deren Zusammenhang mit der Art und Weise der Erregungssteigerung. Ausgehend von der theoretischen und praxisgeprüften Annahme des Modells Sexocorporel, das davon ausgeht, dass der Einsatz des Körpers in der sexuellen Erregung – mit Fokus auf die drei Dimensionen des Körpers (Muskelspannung, Be- wegung, Atmung) und der Stimulation unterschiedlichster Rezeptoren – in Wech- selwirkung mit dem Auftreten und den Inhalten sexueller Fantasien steht, wurde das Erleben des eigenen Selbst in der sexuellen Fantasie als Spiegel der inneren Selbstwahrnehmung untersucht. In sechs qualitativen Interviews wurden die drei Hauptfragestellungen erforscht und die zugrunde liegenden Annahmen geprüft.

Martina Güdel, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Das Erleben der eigenen Person in der sexuellen Fantasie : Eine empirische Untersuchung zum persönlichen Erleben sexueller Fantasien bei erwachsenen Cis-Frauen und deren Zusammenhang mit der Art und Weise der Erregungssteigerung

Verfasst von
Martina Güdel

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Sexuelle Fantasien · Pornografie · Verhütung · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Martina Güdel: «Das Erleben der eigenen Person in der sexuellen Fantasie : Eine empirische Untersuchung zum persönlichen Erleben sexueller Fantasien bei erwachsenen Cis-Frauen und deren Zusammenhang mit der Art und Weise der Erregungssteigerung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Sexologische Arbeit mit Sexualstraftätern

Olivia Zurlinden untersucht in der Masterarbeit «Sexologische Arbeit mit Sexualstraftätern» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Im Schweizer Massnahmenvollzug werden Sexualstraftäter deliktorientiert behandelt: Im Zentrum steht die Tat und ihre Vermeidung. Diese Arbeit prüft, ob sich daneben körperorientiert nach dem Modell Sexocorporel arbeiten liesse — und ist bei der entscheidenden Frage ehrlich.

Lassen sich die beiden Zugänge verbinden?

Ja. Das ist der klarste Befund der Arbeit, und er ergab sich schon aus dem Material: Bei der Bildung der Kategorien für die Auswertung zeigte sich, dass sich die beiden Bereiche in den Interviews bereits überschneiden und ineinander verflechten.

Befragt wurden vier Fachpersonen mit unterschiedlichen Schwerpunkten — eine rein deliktorientiert, zwei mit beiden Zugängen, eine mit Sexocorporel. Diese Zusammensetzung erlaubt den Vergleich.

Die Diskussion bestätigt, was die Kategorienbildung nahelegte: Die theoretischen Grundlagen beider Modelle lassen sich gut miteinander in Verbindung bringen.

Senkt das die Rückfallgefahr?

Diese Frage kann die Arbeit nicht beantworten, und sie sagt das ausdrücklich. Ob sich die Einbindung sexologischer Arbeit auf das individuelle Rückfallrisiko auswirkt, lässt sich mit vier qualitativen Interviews nicht klären.

Was sie sagen kann, ist etwas anderes: Die Arbeit nach Sexocorporel trägt dazu bei, dass sich Vergewaltiger und Pädosexuelle auf eine neue Art mit sich auseinandersetzen — unter Einbezug ihres Körpers und vertieft mit der Logik ihres sexuellen Systems. Das fördert das Verständnis für die eigene Funktionalität.

Bedarf und Bedeutung einer solchen Ergänzung sieht die Arbeit damit als gegeben an. Den Wirksamkeitsnachweis behauptet sie nicht.

Warum könnte es trotzdem etwas bringen?

Die Autorin nennt einen Grund, der aus ihrer eigenen Erfahrung stammt: Auch wenn in der Theorie der Deliktorientierung und in ihrer therapeutischen Umsetzung von Ressourcenorientierung die Rede ist, bleibt der Ansatz in der Praxis eher defizitorientiert.

Das Modell Sexocorporel setzt umgekehrt bei sexueller Gesundheit an. In einem Setting, in dem Menschen eine gesetzlich auferlegte Therapie durchlaufen, kann diese Ausrichtung motivierend wirken — nicht als Milde, sondern als Bedingung dafür, dass jemand überhaupt mitarbeitet.

Damit ist die Arbeit eine der wenigen, die den Ansatz in einen Zwangskontext übersetzen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier Leitfadeninterviews mit Fachpersonen, ausgewertet nach Mayring. Befragt wurden Behandelnde, nicht Behandelte — was bei dieser Zielgruppe naheliegt, aber eine ganze Perspektive auslässt.

Die Arbeit ist als Machbarkeitsprüfung angelegt und hält ihre Reichweite ein. Sie zeigt, dass sich zwei Modelle verbinden lassen und dass Fachpersonen darin Sinn sehen. Was das im Vollzug bewirken würde, müsste eine andere Untersuchung zeigen.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 130 Seiten. Sie enthält die Grundlagen des Modells Sexocorporel, Definitionen und Erklärungsansätze zu den beiden untersuchten dissexuellen Verhaltensweisen, die theoretischen Hintergründe deliktorientierter Behandlung sowie die vollständige Auswertung der vier Interviews.

Abstract der Arbeit

In der vorliegenden Masterarbeit wird aufgezeigt, inwiefern männliche Sexualstraftäter (Pädose- xuelle und Vergewaltiger) zusätzlich zur deliktorientierten Straftäterbehandlung im Schweizer Massnahmenvollzug sexologisch anhand des Modells Sexocorporel behandelt werden können. Auf Grundlage relevanter Bezüge zum Modell Sexocorporel, Definitionen und Erklärungsansätze der beiden fokussierten dissexuellen Verhaltensweisen sowie theoretischer Hintergründe delikt- orientierter Sexualstraftäterbehandlung wurde eine qualitative Forschung anhand von Interviews mit einer Expertin und drei Experten durchgeführt. Somit wurden Bedarf, Bedeutung sowie Um- setzungsmöglichkeiten sexologischer Arbeit nach Sexocorporel im Massnahmenvollzug eruiert und in der Diskussion mit dem theoretischen Bezugsrahmen in Verbindung gesetzt. Die Master- arbeit zeigt auf, dass die theoretischen Grundlagen der beiden Modelle Sexocorporel und Delik- torientierung gut miteinander verbunden werden können und dass körperorientierte Behandlung nach dem Modell Sexocorporel ebenfalls deliktrelevante Persönlichkeitsmerkmale von Sexual- straftätern bearbeitet. Der Einbezug der ressourcenorientierten Sichtweise des Modells Sexocor- porel mit Ziel sexueller Gesundheit kann zudem motivationsfördernd auf die sich in gesetzlich auferlegten Therapien befindenden Sexualstraftäter wirken. Die Einbettung sexologischer Arbeit nach Sexocorporel in die bisherige deliktorientierte Behandlung von Vergewaltigern und Pädose- xuellen ist unter Voraussetzung von deren Tateinsicht und Willen zur Auseinandersetzung und Veränderung ihrer Sexualität möglich. Die über den Körper herbeigeführte Veränderung der Se- xualität, welche Kognitionen und Emotionen beeinflusst, basiert dabei auf dem Verständnis der Logik des eigenen sexuellen Systems des Sexualstraftäters unter Berücksichtigung des Ziels der Rückfallrisikosenkung.

Olivia Zurlinden, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexologische Arbeit mit Sexualstraftätern : Bedarf und Bedeutung sowie Umsetzungsmöglichkeiten sexologischer Arbeit nach Sexocorporel mit Sexualstraftätern im Massnahmenvollzug

Verfasst von
Olivia Zurlinden

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Sexualisierte Gewalt · Institutionelle Begleitung · Körperarbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Olivia Zurlinden: «Sexologische Arbeit mit Sexualstraftätern : Bedarf und Bedeutung sowie Umsetzungsmöglichkeiten sexologischer Arbeit nach Sexocorporel mit Sexualstraftätern im Massnahmenvollzug». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Abhängigkeitspotenzial von PDE-5-Hemmern bei jungen, gesunden Männern

Nathalie Hirsekorn untersucht in der Masterarbeit «Abhängigkeitspotenzial von PDE-5-Hemmern bei jungen, gesunden Männern» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Die befragten Männer hatten keine Erektionsstörung, als sie mit den Potenzmitteln anfingen. Sie gerieten trotzdem in eine subjektive psychische Abhängigkeit. Diese Arbeit zeigt, was dazu führt — und dass die Scham ein eigener Faktor ist.

Wer nimmt PDE-5-Hemmer ohne Not?

Junge, gesunde Männer ohne medizinische Notwendigkeit — eine Gruppe, deren Konsum in den letzten Jahren zugenommen hat und die sich subjektiv als abhängig von dieser Medikamentengruppe beschreibt.

Der zentrale Befund der Arbeit ist, dass die Probanden ursprünglich ohne Erektionsstörung mit dem missbräuchlichen Konsum begonnen haben. Die Störung ist nicht der Anlass, sondern allenfalls die Folge.

Als wesentliche Faktoren, die zur Abhängigkeit beitragen, nennt die Analyse Unsicherheit, Leistungsdruck und Versagensängste.

Welche Rolle spielt die Scham?

Eine eigenständige. Die Scham veranlasst die Probanden, ihren Konsum vor ihren Sexualpartnerinnen geheim zu halten.

Damit entsteht eine zweite Ebene des Problems. Was verborgen bleibt, kann nicht besprochen werden — weder mit der Partnerin noch mit einer Fachperson. Der Konsum stabilisiert sich also nicht nur pharmakologisch, sondern auch sozial.

Verstärkt wird das durch die Leichtfertigkeit der Anwendung. Sie entspringt hedonistischen Motiven, aber auch fehlender Aufklärung — und bewirkt, dass die damit verknüpften Problematiken gar nicht oder kaum beachtet werden.

Was begünstigt den Konsum sonst noch?

Die Arbeit nennt drei weitere Einflussfaktoren: das soziale Umfeld, die Einfachheit der Beschaffung und das Bestreben, negative Emotionen zu vermeiden.

Besonders aufschlussreich ist ein sexologischer Befund. Die Probanden weisen unterschiedliche Erregungsmodi und Zentrierungen auf, was ihre sexuelle Wahrnehmung und Interaktion beeinflusst — und möglicherweise mit dem Konsum in Verbindung steht.

Damit verschiebt sich der Ansatzpunkt. Wer nur über das Medikament spricht, übersieht, wie diese Männer Erregung überhaupt aufbauen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Halbstrukturierte Interviews mit drei Probanden, ausgewertet nach Mayring. Drei Personen sind eine sehr kleine Grundlage — und für eine Gruppe, die ihren Konsum geheim hält, sind drei ausführliche Gespräche bereits bemerkenswert.

Die Autorin hebt selbst hervor, dass es weitere Forschung braucht, um die langfristigen Auswirkungen des missbräuchlichen Konsums zu verstehen und geeignete Präventions- und Interventionsstrategien zu entwickeln. Die Arbeit ist auf Deutsch und Englisch abgefasst.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 82 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu PDE-5-Hemmern und ihrem Missbrauch, die vollständige Auswertung der drei Interviews sowie die Einordnung der Erregungsmodi in das Modell Sexocorporel.

Abstract der Arbeit

In den letzten Jahren hat der Missbrauch von erektionsfördernden Medikamenten der Phosphodiesterase-5-Hemmern (PDE-5-Hemmern) bei jungen, gesunden Männern ohne medizinische Notwendigkeit zugenommen. Diese Masterarbeit befasst sich mit dieser Zielgruppe, die sich aus subjektiver Sicht von eben dieser Medikamentengruppe als abhängig bezeichnen. Die qualitative Studie untersucht das Abhängigkeitspotenzial anhand von Risikofaktoren sowie psychosozi- ale und physiologische Auswirkungen dieses Missbrauchs. Mittels halbstrukturierter Interviews mit drei Probanden werden die zugrunde liegenden Motive und die Auswir- kungen auf ihre Sexualität analysiert. Die Ergebnisse zeigen eine Vielzahl von Fakto- ren, die als zentrale Gründe für den missbräuchlichen Konsum identifiziert wurden. Dazu gehören Neugier, der Wunsch nach verbesserter sexueller Leistungsfähigkeit und sozialer Druck. Insbesondere sexuelle Unsicherheiten und Leistungsdruck schei- nen eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung einer subjektiven Abhängigkeit zu spie- len. Diese Studie hebt die Notwendigkeit weiterer Forschung hervor, um die langfristi- gen Auswirkungen des missbräuchlichen Konsums von PDE-5-Hemmern besser zu verstehen und geeignete Präventions- und Interventionsstrategien zu entwickeln. In recent years, the misuse of erectile stimulants such as phosphodiesterase-5 inhibi- tors (PDE-5 inhibitors) has increased among young, healthy men without medical ne- cessity. This master's thesis deals with this target group, who describe themselves as dependent on this group of drugs from a subjective point of view. The qualitative study examines the potential for dependence on the basis of risk factors as well as the psy- chosocial and physiological effects of this abuse. Semi-structured interviews with three test subjects are used to analyze the underlying motives and the effects on their sex- uality. The results show a variety of factors, including curiosity, the desire for improved sexual performance and social pressure, which were identified as central reasons for regular use. In particular, sexual insecurity and pressure to perform appear to play a significant role in the development of subjective addiction. This study highlights the need for further research to better understand the long-term effects of abusive use of PDE-5 inhibitors and to develop appropriate prevention and intervention strategies.

Nathalie Hirsekorn, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Abhängigkeitspotenzial von PDE-5-Hemmern bei jungen, gesunden Männern : Eine qualitative Untersuchung der Risikofaktoren und den psychosozialen und physiologischen Auswirkungen

Verfasst von
Nathalie Hirsekorn

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Erektile Dysfunktion · Männlichkeit · Pornografie

Lizenz und Nachweis. Nathalie Hirsekorn: «Abhängigkeitspotenzial von PDE-5-Hemmern bei jungen, gesunden Männern : Eine qualitative Untersuchung der Risikofaktoren und den psychosozialen und physiologischen Auswirkungen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Do it yourself! Designrichtlinien für internetbasierte Selbsthilfe

Nina Jost untersucht in der Masterarbeit «Do it yourself! Designrichtlinien für internetbasierte Selbsthilfe» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Sexuelle Probleme sind weit verbreitet, und viele Betroffene suchen keine Hilfe. Internetbasierte Selbsthilfe könnte diese Lücke schliessen — nur fehlten bisher Anhaltspunkte, wie solche Programme gestaltet sein müssen. Diese Arbeit liefert sie und lässt sie von Fachpersonen prüfen.

Woher kommen die Richtlinien?

Nicht aus der Erfahrung, sondern aus der Lerntheorie. Die Autorin verbindet mehrere etablierte Konzepte — unter anderem die kognitive Theorie multimedialen Lernens in mehreren Ausprägungen, das Fogg Behavior Model zur Verhaltensänderung und den Gamifizierungsansatz.

Daraus entwickelt sie ein Set von Designrichtlinien und darauf aufbauend ein Umsetzungskonzept. Beides wurde anschliessend empirisch überprüft, in vier Expert:innenbefragungen mit anschliessender strukturierender Inhaltsanalyse nach Mayring.

Halten die Richtlinien der Prüfung stand?

Weitgehend. Keine der Designrichtlinien wurde als falsch oder überholt eingestuft, und es kamen keine gänzlich neuen Aspekte auf, die zusätzliche Richtlinien erfordert hätten. Die Forschungsfrage lässt sich damit bejahen.

Einzelne Richtlinien wurden allerdings als herausfordernd in der Umsetzung beurteilt. Und die Autorin benennt selbst, was noch zu tun wäre: Manche Richtlinien liessen sich schärfer voneinander abgrenzen, andere zusammenführen. Sie führt die betroffenen Abhängigkeiten einzeln auf, statt bei der allgemeinen Feststellung zu bleiben.

Dem Umsetzungskonzept wurde zudem Neuigkeitswert zugesprochen.

Für wen ist das brauchbar?

Für alle, die ein digitales Angebot in der Sexualtherapie planen. Mehrere Arbeiten dieser Sammlung entwickeln genau solche Programme — zur frühzeitigen Ejakulation, zur Sexualität nach der Geburt, zur Lust in Langzeitbeziehungen, zur Kondomnutzung.

Diese Arbeit liefert die Ebene darunter: nicht ein weiteres Programm, sondern die Grundlage dafür, wie solche Programme gebaut sein sollten. Wer das übergeht, entwickelt Inhalte für ein Format, dessen Wirkung er nicht kennt.

Die Zahlen aus den anderen Arbeiten geben ihr recht: Bei der Online-Intervention für Paare fiel die Teilnehmendenzahl von 22 auf fünf. Gestaltung entscheidet darüber, ob jemand dabeibleibt.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier Expert:innenbefragungen sind eine schmale Prüfbasis. Geprüft wurde zudem die Plausibilität der Richtlinien, nicht ihre Wirkung: Ob ein nach diesen Richtlinien gebautes Programm tatsächlich besser funktioniert, zeigt die Arbeit nicht.

Was sie leistet, ist eine theoretisch fundierte und fachlich geprüfte Ausgangslage, wo es zuvor gar keine gab. Die Autorin unterzieht Methode und Datenerhebung am Schluss selbst einer kritischen Betrachtung und zeigt auf, wie mit den Ergebnissen weitergearbeitet werden kann.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 111 Seiten. Sie enthält die verhaltenspsychologischen und lerntheoretischen Grundlagen, das vollständige Set der Designrichtlinien, das darauf aufbauende Umsetzungskonzept sowie die Auswertung der Expert:innenbefragungen.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit basiert auf der weltweiten Verbreitung sexueller Probleme und der Beobachtung, dass viele Betroffene aus unterschiedlichen Grün- den keine professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Internetbasierte Selbsthilfepro- gramme scheinen geeignet, die identifizierte Versorgungslücke mit leicht zugänglichen, flexiblen und anonymen Behandlungsmöglichkeiten zu schliessen. Dennoch existieren kaum wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse, auf welche Fak- toren bei der Bereitstellung solcher Programme im sexualtherapeutischen Kontext geachtet werden sollte. Allgemeingültige Richtlinien für die lernförderliche Gestal- tung digitaler Selbsthilfeprogramme für die Sexualtherapie fehlen gänzlich. Das Ziel der vorliegenden Masterarbeit besteht darin, auf Basis ausgewählter ver- haltenspsychologischer und lerntheoretischer Konzepte relevante, verständliche und anwendungsfreundliche Designrichtlinien zu entwickeln. Zudem soll auf deren Grundlage ein Umsetzungskonzept ausgearbeitet werden. Sowohl die Richtlinien als auch das Konzept wurden mithilfe von vier Expert:innenbefragungen empirisch überprüft. Die folgende qualitative, strukturierende Inhaltsanalyse nach Mayring (2015) hat gezeigt, dass die Design- richtlinien in ihrer Güte überwiegend positiv beurteilt wurden. Auch wurde das Um- setzungskonzept hinsichtlich seines Neuigkeitswerts und des potenziellen Nutzens für die Sexualtherapie hervorgehoben. Insbesondere die adaptive, sequenzielle Struktur der Selbsthilfe, die Niederschwelligkeit und Praxisrelevanz der Lösung, so- wie die erwartete Nutzungsfreundlichkeit der Anwendung wurden als positive Aspekte bewertet, während die hohe Komplexität bei der Zusammenstellung und Priorisierung der Selbsthilfesequenzen als grösste Herausforderung angesehen wurde. Mit dieser Arbeit trägt die Autorin zur Verbesserung der Zugänglichkeit und Wirk- samkeit von Methoden der Sexualtherapie bei und eröffnet neue Möglichkeiten für den Einsatz digitaler Medien in diesem Bereich.

Nina Jost, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Do it yourself! Designrichtlinien für internetbasierte Selbsthilfeprogramme für die Sexualtherapie

Verfasst von
Nina Jost

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Digitale Medien · Sexualtherapie · Soziale Arbeit

Lizenz und Nachweis. Nina Jost: «Do it yourself! Designrichtlinien für internetbasierte Selbsthilfeprogramme für die Sexualtherapie». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

Der (schwierige) Umgang des Rechts mit Sexualität

Sandro Körber untersucht in der Masterarbeit «Der (schwierige) Umgang des Rechts mit Sexualität» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Das Recht muss Sexualität regeln, ohne sie beschreiben zu können. Diese Arbeit geht diesem Verhältnis rechtsgeschichtlich nach — mit Schwerpunkt auf dem schweizerischen Familienrecht — und ist damit ein Sonderfall in dieser Sammlung.

Worum geht es?

Um zwei Fragen. Erstens: Wie lässt sich Sexualität überhaupt begreifen, verstehen, ja definieren? Zweitens: Wo liegen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der sexualwissenschaftlichen und der juristischen Sicht?

Der Zugang ist rechtsgeschichtlich. Das Recht hat Sexualität zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich gefasst, und diese Fassungen wirken bis in heutige Bestimmungen nach.

Der Autor versteht die Sexualwissenschaft ausdrücklich als nicht in sich geschlossene Disziplin, die auf die Beiträge anderer Fachrichtungen angewiesen ist. Das Recht ist eine davon.

Warum ist das für die Praxis relevant?

Weil sexualberaterische Arbeit ständig auf rechtliche Rahmen trifft — bei Eheschliessung und Trennung, im Kindesschutz, bei Beistandschaften, bei Fragen der Urteilsfähigkeit.

Fachpersonen begegnen diesen Rahmen meist als Vorgaben, die zu beachten sind. Diese Arbeit zeigt, dass sie das Ergebnis historischer Aushandlungen sind — und damit veränderlich.

Für die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist das eine brauchbare Grundlage. Wer versteht, wie Juristinnen und Juristen über Sexualität denken müssen, kann anders mit ihnen sprechen.

Was macht die Arbeit besonders?

Sie ist die einzige der Sammlung, die ohne empirische Erhebung auskommt und ohne die Kategorien des Modells Sexocorporel arbeitet. Keine Interviews, keine Fallzahlen — eine Analyse zweier Denkweisen, die aufeinander angewiesen sind und einander schlecht verstehen.

Für Fachpersonen mit juristischen Berührungspunkten ist sie die einzige Arbeit dieser Sammlung, die diese Verbindung ausdrücklich herstellt.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Es handelt sich um eine rechtsgeschichtliche und sexualwissenschaftliche Analyse. Ihre Aussagen sind Argumente, keine Messwerte — und wie bei jeder rechtlichen Betrachtung gilt: Sie bildet einen Rechtsstand ab.

Wer die Arbeit für die Praxis nutzt, sollte den aktuellen Stand der Gesetzgebung prüfen. Die historische Rekonstruktion und die begriffliche Klärung bleiben davon unberührt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 100 Seiten. Sie enthält die rechtsgeschichtliche Rekonstruktion des Umgangs des Rechts mit Sexualität, die Auseinandersetzung mit dem schweizerischen Familienrecht sowie die Gegenüberstellung juristischer und sexualwissenschaftlicher Perspektiven.

Abstract der Arbeit

IV Vorwort Die vorliegende Arbeit bildet den «krönenden Abschluss» des Studiums gemäss Studienorganisation für den Master of Arts in Sexologie 2021–2024 am Institut für Sexualpädagogik und Sexualtherapie ISP, Zürich, in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Deutschland. Mit dieser schriftlichen Abhandlung soll der Nachweis erbracht werden, dass ein (sexualwissenschaftliches) Thema ausführlich, gewissenhaft und kritisch bearbeitet werden kann, wobei wissenschaftliches Arbeiten dabei eine zentrale Rolle einnimmt. Dadurch soll auch ein innovativer Beitrag zur Weiterentwicklung der Sexualwissenschaft und Sexualberatung geleistet werden. Auf den Grundlagen der interdisziplinären Sexualwissenschaft verfolgt der weiterführende Lehrgang das Ziel, anwendungsorientiert darauf aufzubauen und die theoretischen Hintergründe mit der Praxis zu verbinden. Qualifizierte Fachleute aus dem sozialen, (psycho-)therapeutischen, medizinischen und pädagogischen Bereich erhalten dadurch die Befähigung, Menschen in ihrer sexuellen Gesundheit und Bildung zu begleiten und zu beraten, damit sie ihre Sexualität weiter entfalten können. Wird die Sexualwissenschaft verstanden als eine nicht in sich geschlossene Wissenschaftsdisziplin, sondern dass auch «Fraktionen» verschiedener Disziplinen mit einzubeziehen sind, um sich auf dieser Grundlage mit den diversen Aspekten der Sexualität und dem diesbezüglichen Umgang des Menschen zu befassen, treten auch verschiedene wissenschaftliche Perspektiven, Herangehensweisen und Würdigungen zutage. Allen an der sexualwissenschaftlichen Lehre beteiligten Disziplinen ist indessen gemein, ihren Teil an den gesamten «Wissenschaften des Sexuellen» beizutragen und so eine multidisziplinäre Sicht zu ermöglichen. Dies gilt auch für die vorliegende Untersuchung, die auf einem wissenschaftlichen Fachgebiet basiert, das sich – wie sich zeigen wird – entweder nur am Rand und implizit oder aber sehr explizit mit der Sexualität der Menschen befasst. Es ist naheliegend, dass die Rechtswissenschaft, die sich mit einem abstrakten Begriff beschäftigt und durch starre Definition, Logik, Konstruktion und Systematik ihre Lehre und Praxis aufbaut, auf einem divergierenden akademischen Konzept und mithin einer anderen Vorgehens- und Betrachtungsweise beruht. Die juristische Terminologie, Fachsprache, und Zitation stehen immer im Spannungsverhältnis zwischen Präzision, Wissenschaftlichkeit und Adressatengerechtigkeit. Diese abweichenden Grunddeutungen sind genauso zu berücksichtigen und zu würdigen, um das integrative Fachgebiet der Sexualwissenschaften diskussions- u

Sandro Körber, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
Der (schwierige) Umgang des Rechts mit Sexualität unter besonderer Berücksichtigung des schweizerischen Familienrechts : Eine rechtsgeschichtliche und -philosophische Untersuchung

Verfasst von
Sandro Körber

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
Recht & Ethik · Sexualtherapie · Sexuelle Bildung

Lizenz und Nachweis. Sandro Körber: «Der (schwierige) Umgang des Rechts mit Sexualität unter besonderer Berücksichtigung des schweizerischen Familienrechts : Eine rechtsgeschichtliche und -philosophische Untersuchung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA4 Masterarbeit

ADHS und Sexualität in der Paarbeziehung

Manuela Kurz untersucht in der Masterarbeit «ADHS und Sexualität in der Paarbeziehung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

«Ich habe immer das Gefühl, ich spüre meine Beine nicht, ich bin immer irgendwie mit dem Kopf weg.» Der Satz stammt von einer der vier befragten Frauen mit ADHS-Diagnose. Diese Arbeit hat sie und ihre Partner gemeinsam befragt — und findet, dass die Schwierigkeiten in der Paarsexualität sehr genau den Diagnosekriterien folgen.

Warum ist Aufmerksamkeit beim Sex ein Problem?

Ablenkung durch äussere Reize wirkt sich in der Paarsexualität von ADHS-diagnostizierten Frauen sehr stark auf die Aufmerksamkeit aus — stärker als alles andere, was die Arbeit untersucht hat.

Eine Befragte beschreibt, dass gleichzeitiges Geben und Empfangen sie überfordert. Ihre Aufmerksamkeit steigt, wenn sie in die passive Rolle wechselt und gedanklich loslassen kann, im Wissen, dass in diesem Moment nichts von ihr erwartet wird. Bewusst eingesetzter Blickkontakt hilft zusätzlich.

Die Unterschiede zwischen den Frauen sind gross. Eine nimmt ihren Körper so intensiv wahr, dass sie alles um sich herum nicht mehr mitbekommt. Eine andere hat ihren Körper nach eigener Aussage nie richtig gespürt und ist stark im Kopf.

Was hilft konkret?

Die Arbeit leitet daraus einen klaren Ansatz ab: eine maximale Reduktion äusserer Sinnesreize. Erst dann gelingt die körperliche Präsenz, die lustvolles Erleben möglich macht.

Ein zweiter Befund überrascht: Die sexuell erregendsten Begegnungen entstehen, wenn Verantwortung und Kontrolle abgegeben werden. Der Wechsel in die passive Rolle senkt die emotionale Überreagibilität — die Frauen kommen in einen entspannteren Zustand. Die dabei entstehende Dominanz des Partners kann dabei selbst erregend wirken.

Berührung ist ein eigenes Thema. Die Befragten haben eine erhöhte Empfindlichkeit, deren Ausprägung von der Tagesform abhängt. Was gestern angenehm war, kann heute zu viel sein.

Spontan oder geplant?

Hier zeigt sich das desorganisierte Verhalten aus den Diagnosekriterien unmittelbar in der Sexualität. Spontane Begegnungen werden bevorzugt, weil sie im Moment geschehen und sich weniger ablenkende Gedanken einmischen. Geplante Paarsexualität muss dagegen oft erst erlernt werden.

Für Paare hat das eine praktische Folge, die dem üblichen Rat widerspricht: Wenn wenig Raum für Spontaneität bleibt, wirkt sich das für eine Frau mit ADHS negativ aus. Der verbreitete Vorschlag, Sex zu terminieren, geht hier am Problem vorbei.

Geduld ist die grösste Herausforderung. Stimmt der Zeitpunkt nicht, verflüchtigt sich die Lust.

Was ist die Ressource?

Die Arbeit fragt ausdrücklich nicht nur nach Schwierigkeiten. Hohe kognitive Präsenz und gedankliche Kreativität erlauben es den Befragten, sexuelle Begegnungen über Fantasien und Vorstellungen zu intensivieren.

Diese Stärke hat eine Kehrseite, und die Arbeit benennt sie präzise: Die Frauen neigen dazu, mangelnden körperlichen Einsatz gedanklich zu kompensieren und ihre Erregung so zu steigern. Damit verstärken sie die Spannung eines ohnehin erhöhten Grundtonus.

In ihrer negativen Form zeigt sich dieselbe Gedankenkraft als ablenkende Gedanken, oft zusammen mit Affektlabilität — und dann kommt sexueller Austausch gar nicht erst zustande.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Vier Interviews mit ADHS-diagnostizierten Frauen und ihren Partnerinnen und Partnern, ausgewertet nach Mayring und zugeordnet zu den vier Komponenten des Modells Sexocorporel. Dass beide Seiten befragt wurden, ist für eine Arbeit dieses Umfangs ungewöhnlich und macht die Schilderungen dichter.

Vier Paare sind keine repräsentative Auswahl, und die Ergebnisse gelten für Frauen. Wie sich ADHS bei Männern in der Paarsexualität zeigt, untersucht diese Arbeit nicht.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 115 Seiten. Sie enthält einen Überblick über den Forschungsstand zu ADHS bei Erwachsenen und besonders bei Frauen mit historischen, medizinischen, therapeutischen und diagnostischen Aspekten, die Zuordnung der Wender-Utah-Diagnosekriterien zu den vier Komponenten des Modells Sexocorporel und die vollständige Auswertung der vier Paarinterviews mit Zitaten.

Abstract der Arbeit

Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine neurobiologische Störung, die sich in Konzentrationsstörungen in Verbindung mit Hyperaktivität und impulsivem Handeln zeigt. Diese Masterarbeit gibt einen Überblick über den aktuellen wissenschaftlichen Stand der ADHS von Erwachsenen, insbesondere der ADHS von Frauen und zeigt historische, medizinische, therapeutische und diagnostische Aspekte der ADHS. Sie klärt auf, wie sich die ADHS-Wender-Utah Diagnosekriterien für Erwachsene im Erleben der vier Komponenten des sexualwissenschaftlichen Modells Sexocorporel zeigen und welche Ressourcen und Herausforderungen die ADHS in der Paarsexualität mit sich bringt. In einer qualitativen Untersuchung wurden vier Interviews mit Paaren geführt, um das Erleben der ADHS von ADHS-diagnostizierten Frauen in Bezug zur Paarsexualität zu ermitteln. Die anschliessende Auswertung der qualitativen

Manuela Kurz, Abstract der Masterarbeit, 2024

Angaben zur Arbeit

Titel
ADHS und Sexualität : Aspekte der Paarsexualität im Kontext einer ADHS-Diagnose

Verfasst von
Manuela Kurz

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4

Jahr
2024

Themen
ADHS · Paarsexualität · Schwangerschaft & Geburt · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Manuela Kurz: «ADHS und Sexualität : Aspekte der Paarsexualität im Kontext einer ADHS-Diagnose». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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