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MA5 Masterarbeit

Konsens in der Sexarbeit

Alexandra Hüsser untersucht in der Masterarbeit «Konsens in der Sexarbeit» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Konsens ist zum Leitbegriff der Debatte über Sexualität geworden. Ausgerechnet denen, die ihn beruflich täglich aushandeln, wird die Fähigkeit dazu regelmässig abgesprochen. Diese Arbeit hat drei Sexarbeitende gefragt, wie sie Einverständnis und Grenzen tatsächlich klären.

Wie wird Konsens in der Sexarbeit verhandelt?

Die Befragten verfügen über ausgeprägte kommunikative und körperbasierte Kompetenzen, mit denen sie Konsens differenziert aushandeln. Die Interviews geben detaillierten Einblick in diese Praktiken und in die Strategien der Grenzverhandlung im beruflichen Alltag.

Das ist mehr als eine Ehrenrettung. Es beschreibt Fähigkeiten, die anderswo mühsam gelehrt werden — und die hier unter Bedingungen entwickelt wurden, unter denen ein Fehler teuer ist.

Was begrenzt diese Aushandlung?

Der zweite Befund fällt nüchterner aus. Die Möglichkeiten konsensueller Gestaltung sind wesentlich durch strukturelle und soziale Rahmenbedingungen geprägt.

Konsensverhandlungen stehen nie für sich. Sie sind in gesellschaftliche Zusammenhänge eingebettet und werden durch rechtliche Regulierung, ökonomische Abhängigkeiten und soziale Zugehörigkeiten beeinflusst.

Sexarbeitende agieren damit in einem Spannungsfeld zwischen individueller Handlungsmacht und struktureller Begrenzung — und entwickeln darin Strategien, die Aushandlung aktiv zu gestalten.

Was folgert die Arbeit daraus?

Hier bezieht sie ausdrücklich Position. Repressive Regulierungen, Verbote und stigmatisierende Diskurse stehen nach ihren Befunden dem Ziel entgegen, Konsensprozesse zu stärken.

Nötig seien stattdessen strukturelle Rahmenbedingungen, die auf Entkriminalisierung, rechtliche Absicherung und soziale Anerkennung zielen. Erst wenn Sexarbeit als legitime Form von Arbeit anerkannt werde, könne ein Umfeld entstehen, das Handlungsspielräume tatsächlich erweitert.

Zentral sei dabei der Abbau von Stigmatisierung — weil sie nicht nur individuelle Lebensrealitäten belastet, sondern Sexarbeitende systematisch aus gesellschaftlichen Schutzräumen ausschliesst.

Wie ist die Arbeit angelegt?

Theoretisch stützt sie sich auf die Konsenstheorien von Joris Kern und Maria Dalhoff und entwickelt daraus ein machtkritisches Verständnis von Konsens. Ergänzend zieht sie die Agency-Theorie von Emirbayer und Mische heran, um die Handlungsmacht der Befragten vielschichtig zu erfassen.

Ein zweiter Ausgangspunkt ist die epistemische Ungerechtigkeit, die Sexarbeitende erleben: Ihr Erfahrungswissen bleibt aus wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskursen weitgehend ausgeschlossen. Diesem Wissen Sichtbarkeit zu verschaffen, ist erklärtes Ziel der Arbeit.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Drei qualitative Interviews, ausgewertet über eine kritische Diskursanalyse und eine Inhaltsanalyse nach Mayring. Drei Personen bilden ein sehr heterogenes Feld nicht ab — Sexarbeit umfasst sehr unterschiedliche Arbeitsbedingungen, Rechtsstellungen und Abhängigkeiten.

Die politischen Schlussfolgerungen sind entsprechend als Position der Arbeit zu lesen, nicht als empirisch abgesicherte Wirkungsaussage. Was die Interviews belegen, ist die Kompetenz der Befragten; was daraus für die Regulierung folgt, ist ein Argument.

Mit 203 Seiten gehört die Arbeit zu den umfangreichsten der Sammlung.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 203 Seiten. Sie enthält die Konsenstheorien im Überblick, die Auseinandersetzung mit Agency und epistemischer Ungerechtigkeit, die vollständige Auswertung der drei Interviews sowie die Diskussion struktureller Rahmenbedingungen.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit untersucht, wie Sexarbeitende Konsens in ihrer beruflichen Praxis aus- handeln und welche Strategien sie anwenden, um Einverständnis und Grenzen im Arbeits- kontext zu gestalten. Ausgehend von gesellschaftlichen Debatten um sexuelle Selbstbe- stimmung und Konsens sowie von der epistemischen Ungerechtigkeit, die Sexarbeitende erleben, soll die vorliegende Arbeit zur Sichtbarmachung von Erfahrungswissen beitragen, das bislang weitgehend aus wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskursen ausge- schlossen bleibt. Auf der theoretischen Grundlage der Konsenstheorien von Joris Kern (2022) und Maria Dalhoff (2021) wird ein machtkritisches Verständnis von Konsens entwi- ckelt. Um diese Prozesse adäquat erfassen zu können, wird ergänzend auf die Agency- Theorie nach Emirbayer und Mische (1998) zurückgegriffen, um die Agency der Befragten vielschichtig erfassen zu können. Die empirische Untersuchung basiert auf drei qualitativen Interviews mit Sexarbeitenden. Methodisch stützt sich die Arbeit auf eine kritische Dis- kursanalyse sowie eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring (2014). Die Ergebnisse zei- gen, dass Sexarbeitende über spezifische kommunikative und körperbasierte Kompeten- zen verfügen, mit denen sie Konsens im beruflichen Handeln differenziert verhandeln. Zu- gleich werden diese Aushandlungsprozesse wesentlich durch strukturelle Faktoren wie rechtliche Unsicherheit, soziale Stigmatisierung und ökonomische Rahmenbedingungen geprägt. Die Arbeit plädiert für eine Erweiterung bestehender Konsenstheorien um praxis- theoretische und machtkritische Perspektiven sowie für gesellschaftliche Rahmenbedin- gungen, die die Handlungsspielräume von Sexarbeitenden stärken und ihre Erfahrungen in konsensuelle Diskurse einbeziehen.

Alexandra Hüsser, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Konsens in der Sexarbeit – Wie Sexarbeitende Konsens und Grenzen in ihrer Arbeit verhandeln

Verfasst von
Alexandra Hüsser

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexarbeit · Sexuelle Kommunikation · Geschlecht & Identität

Lizenz und Nachweis. Alexandra Hüsser: «Konsens in der Sexarbeit – Wie Sexarbeitende Konsens und Grenzen in ihrer Arbeit verhandeln». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Die Integration körperorientierter Ansätze in die Sexualtherapie nach dem Sexocorporel-Modell

Patricia Zoller untersucht in der Masterarbeit «Die Integration körperorientierter Ansätze in die Sexualtherapie nach dem Sexocorporel-Modell» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Körperorientierte Verfahren gelten in der Sexualtherapie oft als ergänzende Technik. Diese Arbeit widerspricht: Sie prüft Tanztherapie, Achtsamkeitspraxis und Bioenergetik systematisch am Modell Sexocorporel und kommt zum Schluss, dass sie integrale Bestandteile sind — nicht Beiwerk.

Was verbindet drei so verschiedene Verfahren?

Tanztherapie, Achtsamkeitspraxis und Bioenergetik stammen aus unterschiedlichen theoretischen Traditionen und sind methodisch klar voneinander zu unterscheiden.

Was sie verbindet, ist ein gemeinsames Anliegen: die Verkörperung psychischer, affektiver und relationaler Prozesse. Genau darin liegt nach dieser Analyse ihr komplementäres Potenzial zum Modell Sexocorporel.

Was fügen sie dem Modell hinzu?

Die Arbeit formuliert das präzise und ist dabei auch gegenüber dem eigenen Modell kritisch: Sexocorporel war bislang vorrangig auf funktionale Körperarbeit und edukative Vermittlung ausgerichtet.

Die körperzentrierten Ansätze vertiefen es um symbolische, affektive und beziehungsdynamische Erfahrungsdimensionen — also um genau jene Ebenen, die in sprachlich-kognitiven Formaten schwer zugänglich bleiben.

Und sie wirken auf mehreren Ebenen zugleich: Sie unterstützen physiologische Regulation und affektive Durchlässigkeit, fördern aber ebenso Selbstbeobachtung, Beziehungsgestaltung und kognitive Neuorientierung.

Wie ist die Analyse aufgebaut?

Jedes Verfahren wird entlang der vier Komponenten des Modells eingeordnet — physiologisch, sexodynamisch, kognitiv und beziehungsdynamisch — und auf theoretische Grundlagen, Anwendungsmöglichkeiten und Passung geprüft. Methodisch stützt sich die Arbeit auf eine systematische Literaturrecherche.

Dazu kommt ein Übungsdossier mit konkreten Beispielen. Es zeigt, wie sich somatische Verfahren entlang der Modellkomponenten tatsächlich einbinden lassen — die Arbeit bleibt also nicht bei der Einordnung stehen.

Für wen ist das brauchbar?

Für alle, die überlegen, ein weiteres körperorientiertes Verfahren in die eigene Arbeit zu holen. Statt sich durch die Literatur dreier Schulen zu arbeiten, findet man hier die Vorarbeit — mit der Passung zum eigenen Modell bereits geprüft.

Mit 253 Seiten ist es die umfangreichste Arbeit dieser Sammlung und als Nachschlagewerk angelegt.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Es handelt sich um eine theoriegeleitete Analyse auf Basis einer systematischen Literaturrecherche — ohne eigene empirische Erhebung. Das Übungsdossier ist ein begründeter Vorschlag, keine erprobte Intervention.

Was die Arbeit also zeigt, ist Anschlussfähigkeit: dass sich die drei Verfahren theoretisch stimmig mit dem Modell verbinden lassen. Ob die vorgeschlagenen Übungen in der Praxis wirken, müsste geprüft werden.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 253 Seiten. Sie enthält die theoretischen Grundlagen der drei Verfahren, ihre systematische Einordnung entlang der vier Komponenten des Modells Sexocorporel sowie das vollständige Übungsdossier für die Praxis.

Abstract der Arbeit

Die Sexualtherapie steht zunehmend vor der Herausforderung, körperliche und psychische Prozesse integrativ zu behandeln. Körperorientierte Ansätze gewinnen hierbei an Bedeutung, da sie auf physischer Ebene ansetzen und emotionale sowie sexuelle Blockaden adressieren können. Ziel dieser Arbeit ist es, die Eignung und das Potenzial ausgewählter körperorientierter Ansätze – Tanztherapie, Achtsamkeitspraxis und Bioenergetik – für den Einsatz in der sexualtherapeutischen Praxis zu untersuchen. Das theoretische Fundament bildet das Sexocorporel-Modell von Jean-Yves Desjardins, in dessen Rahmen die genannten Methoden eingeordnet und analysiert werden. Die Analyse erfolgt entlang der vier Komponenten des Modells – physiologisch, sexodynamisch, kognitiv und beziehungsdynamisch. Methodisch basiert die Arbeit auf einer systematischen Literaturrecherche. Die ausgewählten körperorientierten Ansätze werden hinsichtlich ihrer theoretischen Grundlagen, Anwendungsmöglichkeiten und Passung zum Sexocorporel-Modell untersucht. Ergänzend werden exemplarische Übungen in einem Übungsdossier vorgestellt, das praktische Anwendungsideen für die sexualtherapeutische Arbeit liefert. Die Arbeit verfolgt das Ziel, eine fundierte, theoretisch und praktisch anschlussfähige Grundlage für die Integration körperorientierter Ansätze in die Sexualtherapie zu schaffen. Sie richtet sich an Fachpersonen, die ihr Verständnis für körperbasierte Ansätze vertiefen und ihre sexualtherapeutische Praxis erweitern möchten.

Patricia Zoller, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Die Integration körperorientierter Ansätze in die Sexualtherapie nach dem Sexocorporel-Modell

Verfasst von
Patricia Zoller

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Körperarbeit · Sexualtherapie · Recht & Ethik · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Patricia Zoller: «Die Integration körperorientierter Ansätze in die Sexualtherapie nach dem Sexocorporel-Modell». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Bindung und Sexualität: die Rolle des genitalen Selbstbildes

Markus Kremer untersucht in der Masterarbeit «Bindung und Sexualität: die Rolle des genitalen Selbstbildes» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Dass unsichere Bindung mit geringerer sexueller Zufriedenheit einhergeht, ist gut belegt. Wodurch dieser Zusammenhang zustande kommt, war offen. Diese Arbeit prüft an 1’220 Personen einen Weg — und findet ihn: über das genitale Selbstbild, also die eigene Bewertung des eigenen Genitals.

Was wurde untersucht?

Eine Online-Querschnittsstudie mit einer deutschsprachigen Stichprobe von 1’220 Teilnehmenden, davon 63 Prozent cis-weiblich, 28 Prozent cis-männlich und 8,5 Prozent geschlechtlich divers. Das ist mit Abstand die grösste Stichprobe dieser Sammlung.

Erhoben wurden die Bindungsdimensionen Bindungsangst und Bindungsvermeidung über den Bochumer Bindungsfragebogen, das genitale Selbstbild über die Genital Self-Image Scale sowie sexuelle Zufriedenheit und verschiedene Funktionsbereiche über die PROMIS-SexFS-Profile.

Geprüft wurde die Vermittlung mit Strukturgleichungsmodellen und Bootstrapping-Verfahren. Der Abstract ist auf Englisch verfasst.

Was kam heraus?

Das genitale Selbstbild vermittelt den Zusammenhang zwischen Bindungsunsicherheit und sexueller Zufriedenheit deutlich und stabil — und zwar sowohl bei cis-Männern als auch bei cis-Frauen. Unsichere Bindung wirkt also unter anderem darüber, dass Betroffene ihr eigenes Genital negativer bewerten.

Ein zweiter Befund weist über die Arbeit hinaus: Bei der Bindungsvermeidung blieben in beiden Gruppen zusätzliche direkte Effekte bestehen. Das genitale Selbstbild erklärt den Zusammenhang also nicht vollständig — es gibt weitere, bislang unerforschte Einflussfaktoren.

Was heisst das für die Therapie?

Der praktische Ertrag ist konkret. Das genitale Selbstbild wird damit zu einem geschlechterübergreifend bedeutsamen Ansatzpunkt für sexualtherapeutische Diagnostik und Intervention.

Für die Praxis heisst das: Auch wenn ein Anliegen zunächst nach Bindung klingt — nach Nähe, Angst, Rückzug —, lohnt sich die Frage nach dem Verhältnis zum eigenen Genital. Und umgekehrt: An diesem Verhältnis lässt sich arbeiten, während sich ein Bindungsmuster nur langsam verändert.

Mehrere andere Arbeiten dieser Sammlung entwickeln genau dafür Übungen und Kursformate. Diese hier liefert das Argument, warum sie sich lohnen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Die Stichprobe ist gross, die Instrumente sind etabliert und validiert, und die statistische Auswertung ist anspruchsvoll — methodisch ist das die stärkste Arbeit dieser Sammlung.

Die entscheidende Einschränkung nennt der Autor selbst: Es handelt sich um eine Querschnittserhebung. Ob ein negatives genitales Selbstbild Folge der Bindungsunsicherheit ist oder umgekehrt, lässt sich aus einer Momentaufnahme nicht entscheiden. Die identifizierten Kausalpfade müssten in Längsschnittstudien geprüft werden.

Für geschlechtsdiverse Teilnehmende reichte die Gruppengrösse nicht für eigene Analysen — der Autor benennt diese Lücke als Forschungsbedarf.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 99 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu Bindung, Körperbild und sexuellem Erleben, die vollständige Beschreibung der eingesetzten Instrumente sowie die komplette statistische Auswertung samt Mediationsanalysen.

Abstract der Arbeit

Abstract (EN) Background: Insecure attachment styles are consistently associated with lower sexual satisfaction and poorer sexual function, yet the underlying psychological mechanisms are insufficiently understood. The present study investigates the hypothesis that genital selfimage – the subjective evaluation of one's own genitals – plays a mediating role in this relationship. Method: In a cross-sectional online study, a German-speaking sample of N = 1220 participants (63.0% cis-female, 28.4% cis-male, 8.5% gender-diverse) was recruited. Measures included the attachment dimensions (attachment anxiety and avoidance) using the Bochum Attachment Questionnaire (BoBi), genital self-image using the Genital Self-Image Scale (GSIS), and sexual satisfaction and various dimensions of sexual function (e.g., orgasm, erectile function, sexual interest) using the PROMIS® SexFS brief profiles. Hypotheses were tested using structural equation modeling with bootstrapping procedures. Results: Bivariate analyses confirmed significant negative associations between attachment insecurity, a negative genital self-image, and sexual satisfaction as well as various dimensions of sexual function. The mediation analyses showed that genital self-image significantly and robustly mediated the relationship between both attachment dimensions and a broad spectrum of sexual outcomes, including sexual satisfaction, orgasm ability, orgasm pleasure, and erectile function. For interest in sexual activity, an inconsistent mediation was found, in which a negative indirect effect was opposed by a positive direct effect of attachment anxiety. Conclusion: Genital self-image represents a significant, empirically supported mechanism through which attachment insecurity affects sexual experience. The results highlight the relevance of genital self-image as an important, cross-gender target for sex-therapeutic practice and the necessity of considering body-image-related factors in the treatment of attachment-related sexual difficulties. I

Markus Kremer, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Bindung und Sexualität: Die vermittelnde Rolle des genitalen Selbstbildes – Eine Mediationsanalyse in einer deutschsprachigen Stichprobe

Verfasst von
Markus Kremer

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Genitales Selbstbild · Sexuelle Zufriedenheit · ADHS

Lizenz und Nachweis. Markus Kremer: «Bindung und Sexualität: Die vermittelnde Rolle des genitalen Selbstbildes – Eine Mediationsanalyse in einer deutschsprachigen Stichprobe». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Jenseits der Nymphomanie – dranghafte Sexualität bei Frauen

Karoline de Falco untersucht in der Masterarbeit «Jenseits der Nymphomanie – dranghafte Sexualität bei Frauen» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Männer melden sich mit einer Selbstdiagnose: sexsüchtig, pornosüchtig. Frauen tun das fast nie. Sie sagen «ich habe es nicht im Griff», «es überwältigt mich», «es zerstört meine Beziehung» — und meist erst nach Monaten, wenn sie wegen etwas anderem gekommen sind. Diese Arbeit hat Fachpersonen befragt, wie dranghafte Sexualität bei Frauen in der Praxis überhaupt sichtbar wird und was dann hilft.

Warum kommt das Thema so selten zur Sprache?

Nach Auskunft der befragten Fachpersonen melden sich Klientinnen fast nie mit dem ausdrücklichen Anliegen einer dranghaften Sexualität. Im Vordergrund stehen zunächst andere Themen: Lustlosigkeit, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Vaginismus oder die Verarbeitung übergriffiger Erfahrungen. Erst im Verlauf der Therapie rückt die Dranghaftigkeit in den Blick.

Eine Fachperson berichtet, sie habe es nur ein einziges Mal erlebt, dass jemand sich damit gemeldet habe. Der Grund liegt nicht darin, dass es das Phänomen nicht gäbe, sondern in der Scham: Frauen verbergen solches Verhalten lange, aus Angst vor Verurteilung. Das ist der deutlichste Geschlechterunterschied, den die Arbeit herausarbeitet — und er hat Folgen dafür, wer überhaupt Hilfe bekommt.

Was steht hinter dem Verhalten?

Die befragten Therapeut*innen beschreiben dranghafte Sexualität bei Frauen selten als isoliertes Phänomen. Häufig steht sie in Verbindung mit anderen psychischen Belastungen — genannt wird unter anderem eine Borderline-Diagnostik, verbunden mit riskanten Kontakten und fehlendem Selbstschutz.

Eine zentrale Rolle spielen traumatische Erfahrungen in der Biografie. Sie wirken auf Selbstbild und emotionale Regulation und führen zu Mustern, die die Betroffenen in belastende Lagen bringen. Eine Fachperson schildert eine Klientin, die eigentlich Panik hatte und sie übersetzte, indem sie alles sexualisierte — es war ihre Hauptstrategie, die Angst vor erneuter Traumatisierung zu überwinden.

Daraus folgt für die Praxis die Zusammenarbeit: Häufig laufen Traumatherapie und Sexualtherapie parallel, in Co-Therapie zweier Fachpersonen.

Was hilft?

Die Arbeit kommt zu einem klaren Ergebnis: Körperzentrierte Interventionen sind ein wichtiger Zugang. Präsenz- und Wahrnehmungsübungen ermöglichen ein Bewusstsein für den eigenen Körper und für die Logik hinter dem eigenen Verhalten.

Der Grund dafür ist einleuchtend: Emotionale und kognitive Vorgänge werden unmittelbar körperlich erlebt. Wer nur kognitiv arbeitet, erreicht die Ebene nicht, auf der das Muster läuft. Körperzentrierte Arbeit erlaubt es, Wahrnehmung, emotionale Regulation und Impulskontrolle zusammenzubringen.

Ebenso wichtig ist die Haltung. Die Fachpersonen betonen Normalisierung und Enttabuisierung, um Druck und Scham zu mindern. Eine Interviewpartnerin bringt es so auf den Punkt: Man müsse aufhören, Moralpolizei zu spielen, und stattdessen fragen, was der Mensch brauche, damit es ihm besser gehe. Manchmal wirke schon die moralische Entlastung.

Was heisst das für die Beratung?

Drei Konsequenzen ergeben sich unmittelbar. Erstens: Wer nur auf das Anliegen hört, mit dem eine Frau kommt, wird dranghafte Sexualität selten finden — sie zeigt sich hinter Lustlosigkeit und Schmerz.

Zweitens: Die Frage nach der Biografie ist keine Nebensache. Wo Trauma im Spiel ist, braucht es Zusammenarbeit statt Alleingang.

Drittens: Der therapeutische Prozess zielt nicht auf Reduktion des Verhaltens, sondern auf das Verstehen der individuellen sexuellen Logik und auf eine gestärkte Körperwahrnehmung — mit dem Ziel einer lustvollen und selbstbestimmten Sexualität.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Die Arbeit stützt sich auf Leitfadeninterviews mit Fachpersonen, nicht auf Betroffene selbst. Sie beschreibt also, wie Therapeut*innen das Phänomen wahrnehmen — was gerade bei einem Thema, das lange verborgen bleibt, eine wichtige Einschränkung ist.

Die Autorin benennt zudem die grössere Lücke: Zur Wirksamkeit und zu den Wirkmechanismen körperzentrierter Ansätze fehlt systematische empirische Forschung. Als künftiges Feld nennt sie digitale Formate wie Apps und Tagebuchfunktionen, mit denen sich Emotionen und Erregungsmuster dokumentieren und therapeutisch nutzen liessen.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 66 Seiten und ist auf Englisch verfasst. Sie enthält den Forschungsstand zu zwanghaftem Sexualverhalten, die vollständige Auswertung der Interviews mit wörtlichen Zitaten und die Ableitungen für körperzentrierte Interventionen.

Abstract der Arbeit

This master’s thesis focuses on compulsive sexuality in women and explores its therapeutic treatment based on the Sexocorporel model. Central to the study is how professionals perceive and address the phenomenon in clinical practice and what experiences they have with body-centered interventions. Guided expert interviews were conducted to examine how compulsive sexuality is named, understood, and treated in therapeutic settings. The findings show that compulsive sexual behavior is often experienced as a dysfunctional yet comprehensible coping strategy to regulate emotional tension. The therapeutic process emphasizes understanding the individual sexual logic and enhancing body awareness in order to foster pleasurable and self-determined sexuality. The results provide insights into key change processes and highlight the potential of body-based interventions within a resource- oriented sexological framework.

Karoline de Falco, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Jenseits der Nymphomanie – Eine Untersuchung zur Behandlung dranghafter Sexualität bei Frauen basierend auf dem Modell Sexocorporel

Verfasst von
Karoline de Falco

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Pornografie · Geschlecht & Identität · Recht & Ethik · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Karoline de Falco: «Jenseits der Nymphomanie – Eine Untersuchung zur Behandlung dranghafter Sexualität bei Frauen basierend auf dem Modell Sexocorporel». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Solosexuelles Erleben und Verhalten bei Erwachsenen mit ADHS

Vera Matjaz untersucht in der Masterarbeit «Solosexuelles Erleben und Verhalten bei Erwachsenen mit ADHS» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Menschen mit ADHS masturbieren nicht häufiger, haben nicht mehr Lust darauf und nutzen es nicht öfter zur emotionalen Regulierung. Ein Unterschied bleibt: Ihr Erregungsmodus ist enger. Das zeigt diese Arbeit an 711 Teilnehmenden, darunter 202 mit ADHS-Diagnose — die grösste Stichprobe dieser Sammlung.

Was heisst «enger Erregungsmodus»?

Der Begriff stammt aus dem Modell Sexocorporel und beschreibt, wie jemand Erregung aufbaut: über welche Muskelspannung, welchen Rhythmus, welche Bewegung. Ein enger Modus ist auf einen bestimmten Ablauf festgelegt und lässt wenig Variation zu — was zum Problem wird, sobald sich die Umstände ändern, etwa in der Paarsexualität.

Erfasst wurde er über den Mittelwert mehrerer Fragebogenitems auf einer zehnstufigen Skala, wobei höhere Werte einen engeren Modus anzeigen.

Was zeigen die Zahlen?

Die Gruppe mit ADHS erreicht im Mittel 6,24, die Gruppe ohne ADHS 5,96 — ein Unterschied von rund 0,28 Punkten. Der Unterschied ist statistisch bedeutsam, und die Autorin prüft ihn zusätzlich mit einem Verfahren für ungleiche Varianzen, das dasselbe Ergebnis bestätigt.

Entscheidend ist die Grösse des Effekts, und hier wird die Arbeit vorbildlich deutlich: Cohen’s d liegt bei 0,19 — klein, aber stabil. Das Regressionsmodell erklärt zwei Prozent der Streuung im Erregungsmodus. Achtundneunzig Prozent bleiben unerklärt.

Anders gesagt: ADHS sagt etwas über den Erregungsmodus aus, aber sehr wenig. Wer aus dieser Arbeit ableitet, Menschen mit ADHS hätten ein sexuelles Problem, liest sie falsch.

Was unterscheidet sich nicht?

Das ist der zweite und für die Beratung wichtigere Befund. Bei der Häufigkeit der Solosexualität, bei der Lust darauf und bei ihrer Nutzung zur emotionalen Regulation zeigten sich keine bedeutsamen Unterschiede zwischen den Gruppen.

Das widerspricht verbreiteten Annahmen. Die Forschungslage, die die Arbeit aufarbeitet, verbindet ADHS mit erhöhten Raten sexueller Funktionsstörungen, mit hypersexuellem Verhalten und mit höherem Pornografiekonsum — Letzteres vor allem bei Männern. Für die Solosexualität selbst findet diese Untersuchung diese Unterschiede nicht.

Was heisst das für die Praxis?

Das Modell Sexocorporel betrachtet die Solosexualität als Ort des sexuellen Lernens — dort wird erprobt, was später in der Paarsexualität zur Verfügung steht. Genau deshalb ist ein enger Erregungsmodus dort kein Nebenbefund, sondern ein Ansatzpunkt.

Für die Beratung heisst das konkret: Bei Klientinnen und Klienten mit ADHS lohnt sich der Blick darauf, wie Erregung aufgebaut wird — nicht darauf, wie oft. Und es heisst, mit der Erwartung vorsichtig zu sein, eine ADHS erkläre sexuelle Schwierigkeiten. Nach diesen Daten erklärt sie zwei Prozent davon.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine quantitative Erhebung mit standardisierten Fragebogen und 711 auswertbaren Teilnehmenden, davon 202 mit ADHS-Diagnose. Das ist für eine Masterarbeit eine ungewöhnlich grosse Stichprobe, und die statistische Auswertung ist sorgfältig — inklusive Prüfung der Voraussetzungen und Angabe der Konfidenzintervalle.

Die Einschränkungen liegen anderswo: Es handelt sich um eine Querschnittserhebung mit Selbstauskunft. Die ADHS-Diagnose wurde nicht überprüft, und aus einer Momentaufnahme lässt sich keine Ursache ableiten. Was die Arbeit zeigt, ist ein Zusammenhang, kein Wirkmechanismus.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 73 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu ADHS und Sexualität im Erwachsenenalter, die vollständige statistische Auswertung mit allen Testverfahren und Tabellen sowie die Einordnung in das Modell Sexocorporel.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Solosexualität, einem oft vernachlässigten Aspekt der Sexualität. Die Forschung in diesem Bereich ist begrenzt, obwohl sowohl ADHS als auch Solosexualität bedeutende Einflussfaktoren auf das sexuelle Erleben und die individuelle Sexualität darstellen. Ziel der Arbeit ist es, die Unterschiede in der Wahrnehmung und Auslebung von Solosexualität zwischen Erwachsenen mit und ohne ADHS zu analysieren. Durch eine quantitative Erhebung mittels standardisierter Fragebögen wurden Daten von 716 Teilnehmenden gesammelt, darunter 202 mit ADHS-Diagnose. Die Ergebnisse zeigen, dass Personen mit ADHS tendenziell einen engeren Erregungsmodus aufweisen. Im Gegensatz dazu konnten keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Häufigkeit, der Lust auf Solosexualität oder der Nutzung von Solosexualität zur emotionalen Regulation festgestellt werden. Diese Erkenntnisse eröffnen neue Perspektiven für die sexuelle Gesundheit und Therapieansätze, insbesondere im Rahmen des Sexocorporel-Modells, das die Bedeutung der Solosexualität für das sexuelle Lernen und Wohlbefinden betont.

Vera Matjaz, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Solosexuelles Erleben und Verhalten bei Erwachsenen mit ADHS – Eine quantitative Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Solosexualität und ADHS-Symptomen

Verfasst von
Vera Matjaz

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
ADHS · Sexuelle Zufriedenheit · Sexuelles Verlangen · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Vera Matjaz: «Solosexuelles Erleben und Verhalten bei Erwachsenen mit ADHS – Eine quantitative Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Solosexualität und ADHS-Symptomen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Das genitale Selbstbild im Kontext von Female Genital Mutilation/Cutting

Alexandra Ursula Meisser untersucht in der Masterarbeit «Das genitale Selbstbild im Kontext von Female Genital Mutilation/Cutting» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Frauen mit einer Genitalbeschneidung begegnen im Gesundheitswesen meist einer medizinischen Sicht auf ihren Körper. Wie sie ihr eigenes Genital wahrnehmen, wird selten gefragt. Diese Arbeit hat genau das getan — und kommt zu einem Ergebnis, das jede Verallgemeinerung verbietet.

Gibt es «das» genitale Selbstbild nach FGM/C?

Nein. Das ist der erste und wichtigste Befund. Die Wahrnehmungen der befragten Frauen fallen so unterschiedlich aus, dass sich keine verallgemeinerbaren Aussagen ableiten lassen.

Jede betroffene Frau verfügt über eigene Ressourcen, Grenzen und Herausforderungen. Weder das genitale Selbstbild noch die sexuelle Selbstsicherheit verlaufen einheitlich.

Daraus folgt für die Praxis unmittelbar: Es braucht in jedem Einzelfall eine eigene Erhebung, wie das genitale Selbstbild und die sexuelle Selbstsicherheit ausgeprägt sind. Von der Diagnose auf das Erleben zu schliessen, geht fehl.

Was hängt womit zusammen?

Genitales Selbstbild und sexuelle Selbstsicherheit stehen in wechselseitigem Zusammenhang — und diese Wechselwirkung findet sich auch bei Frauen mit FGM/C. Das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Befund: Was für andere Frauen gilt, gilt hier ebenso.

Für die Förderung eines konstruktiven Zugangs zum eigenen Genital schlägt die Arbeit den körperorientierten Ansatz Sexocorporel vor, insbesondere über die schrittweise Entwicklung sexueller Lernprozesse. Nicht als Korrektur, sondern als Weg zu einem eigenen Verhältnis zum eigenen Körper.

Ist das ein Thema der Frau allein?

Nein, und dieser Hinweis der Arbeit ist für die Praxis besonders wertvoll. Die Beschneidung sollte in der therapeutischen Begleitung nicht ausschliesslich als individuelles Thema der Frau verstanden werden, sondern ebenso als Paardynamik.

Wo es möglich ist, kann es entsprechend hilfreich sein, den Partner in den Therapieprozess einzubeziehen. Was zwischen zwei Menschen geschieht, lässt sich selten allein bearbeiten.

Was braucht die Fachperson?

Die Arbeit spricht offen aus, was in Leitfäden selten steht: Es handelt sich um ein hochsensibles Themenfeld, und Therapeutinnen und Therapeuten müssen auf ihre eigene Zentrierung und Selbstregulation achten.

Konkret empfiehlt sie, Pausen, humorvolle Elemente und körperbezogene Übungen ins Gespräch zu integrieren — für die Klientin ebenso wie für die begleitende Person. Wer beim Zuhören selbst in Anspannung gerät, kann nicht gut begleiten.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Eine explorative qualitative Arbeit mit halbstrukturierten Interviews, theoretisch gerahmt durch das Modell Sexocorporel nach Jean-Yves Desjardins. Die Autorin stellt selbst an den Anfang ihres Fazits, dass sich keine Rückschlüsse auf jede Frau mit FGM/C ziehen lassen.

Was die Arbeit liefert, sind Anhaltspunkte für die sexualtherapeutische Arbeit — und die Stimmen von Frauen, die in der Forschung zu diesem Thema selten selbst zu Wort kommen.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 103 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu FGM/C, die theoretischen Grundlagen zu genitalem Selbstbild und sexueller Selbstsicherheit, die vollständige Auswertung der Interviews und die Ableitungen für die sexualtherapeutische Praxis.

Abstract der Arbeit

Diese Masterarbeit befasst sich mit dem Einfluss der weiblichen Genitalbeschneidung (FGM/C) auf das genitale Selbstbild und in diesem Zusammenhang auf die sexuelle Selbstsicherheit. Ziel der Untersuchung ist es, mögliche Handlungsansätze für die sexualtherapeutische Praxis zu identifizieren. Als theoretischer Bezugsrahmen dient das Modell des Sexocorporel nach Jean- Yves Desjardins. Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurden halbstrukturierte Interviews mit betroffenen Frauen durchgeführt. Im Zentrum stand die Erfassung subjektiver Wahrnehmungen und individueller Erlebensweisen im Hinblick auf das genitale Selbstbild und die sexuelle Selbstsicherheit. Die vorliegende Arbeit verfolgt das Anliegen, durch die Stimmen der interviewten Frauen Erkenntnisse über den Einfluss von FGM/C auf diese Themenbereiche zu gewinnen. Die qualitative Analyse der Interviews machte unterschiedliche Perspektiven sichtbar. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sowohl das genitale Selbstbild als auch die sexuelle Selbstsicherheit nicht einheitlich verlaufen, sondern individuell geprägt sind. Ebenso zeigt sich, dass der Zugang zum eigenen Genital von einer Vielzahl unterschiedlicher Erfahrungen beeinflusst wird. Aus den erhobenen Daten lassen sich Hinweise ableiten, dass sexualtherapeutische Interventionen zur Förderung eines positiven genitalen Selbstbildes und zur Stärkung der sexuellen Selbstsicherheit bei Frauen mit FGM/C einen unterstützenden Beitrag leisten können.

Alexandra Ursula Meisser, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Das genitale Selbstbild im Kontext von Female Genital Mutilation/Cutting: Eine qualitative Studie zu Erfahrungen von Frauen mit FGM/C

Verfasst von
Alexandra Ursula Meisser

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Genitales Selbstbild · Selbstwirksamkeit · Körperarbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Alexandra Ursula Meisser: «Das genitale Selbstbild im Kontext von Female Genital Mutilation/Cutting: Eine qualitative Studie zu Erfahrungen von Frauen mit FGM/C». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Das Kondom neu entdecken – Kondomnutzung durch Erotisierung

Salomé Savoy untersucht in der Masterarbeit «Das Kondom neu entdecken – Kondomnutzung durch Erotisierung» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Kondome werden als Vernunftentscheidung beworben und damit gegen die Lust gestellt. Diese Arbeit dreht das um: Sie versucht, das Kondom zu erotisieren — und zeigt, dass schon kleine Veränderungen im Körpererleben spürbar wirken.

Was wurde gemacht?

Ein dreiwöchiges Online-Programm aus körperorientierten Übungen und gezielter Wissensvermittlung. Ziel war, die Wahrnehmung sexueller Erregung zu intensivieren und eine erotisch besetzte Haltung gegenüber der Kondomnutzung zu fördern.

Die Arbeit verortet sich im Feld der niederschwelligen körperorientierten sexuellen Bildung. Der theoretische Teil zeigt das Zusammenspiel von Körper und Psyche und stellt somatische Achtsamkeit sowie bewusste Körperwahrnehmung in den Zusammenhang der sexuellen Gesundheit.

Erhoben wurde über einen Vorher-Nachher-Vergleich und schriftliche Reflexionen der Teilnehmenden während der Interventionswochen, ausgewertet über eine qualitative Inhaltsanalyse.

Was hat es gebracht?

Die Ergebnisse zeigen eine gesteigerte Sinneswahrnehmung, ein intensiveres lustvolles Erleben und eine erleichterte Integration des Kondoms ins Sexualleben.

Die bewusste Auseinandersetzung mit somatischer Achtsamkeit und genitaler Sensibilisierung kann also die Wahrnehmung von Lust vertiefen und ablehnende Haltungen gegenüber dem Kondom positiv beeinflussen.

Bemerkenswert ist ein Detail: Schon kleine Veränderungen im Körpererleben hatten für die Teilnehmenden spürbare Effekte auf die sexuelle Erfahrung. Es braucht keinen grossen Eingriff.

Warum ist der Ansatz besonders?

Weil das Programm nicht nur den Schutzaspekt in den Mittelpunkt stellt, sondern das lustvolle Erleben. Damit steht es im Einklang mit dem Verständnis sexueller Gesundheit, wie es die Weltgesundheitsorganisation formuliert.

Für die Präventionsarbeit ist das ein Richtungswechsel. Statt über Risiken aufzuklären und auf Einsicht zu hoffen, wird an der Wahrnehmung gearbeitet — dort, wo die Ablehnung tatsächlich entsteht.

Wer Präventionsangebote gestaltet, findet hier ein durchgeführtes und ausgewertetes Beispiel.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Ein dreiwöchiges Programm mit einer kleinen Gruppe, ohne Kontrollgruppe, ausgewertet über Selbstauskünfte. Das erlaubt keine Wirksamkeitsaussage im klinischen Sinn.

Die Teilnehmenden haben sich zudem freiwillig für ein Programm zur Kondomnutzung gemeldet — die ablehnende Haltung, die verändert werden sollte, war bei ihnen vermutlich weniger verfestigt als bei jenen, die man erreichen müsste.

Mit 67 Seiten ist es eine der kürzesten Arbeiten der Sammlung.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 67 Seiten. Sie enthält die theoretischen Grundlagen zu Körper, Psyche und somatischer Achtsamkeit, das vollständige dreiwöchige Online-Programm sowie die Auswertung des Vorher-Nachher-Vergleichs und der schriftlichen Reflexionen.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit verortet sich im Feld der niederschwelligen körperorientierten sexuellen Bildung als Teilbereich der Sexologie. Sie umfasst einen theoretisch- konzeptionellen sowie einen praktischen Teil. Im theoretischen Teil werden zentrale Aspekte des Zusammenspiels von Körper und Psyche aufgezeigt, sowie die Bedeutung von somatischer Achtsamkeit und die bewusste Körperwahrnehmung in den Kontext der sexuellen Gesundheit gestellt. Im praktischen Teil wurde ein dreiwöchiges Online-Programm entwickelt und umgesetzt, das auf körperorientierten Übungen und gezielte Wissensvermittlung basierte. Die Intervention hatte zum Ziel die Wahrnehmung sexueller Erregung zu intensivieren und eine positivere, erotisch konnotierte Haltung gegenüber der Verwendung von Kondomen zu fördern. Zur Datenerhebung wurden ein Prä-Post-Vergleich sowie schriftliche Reflexionen der Teilnehmenden während der Interventionswochen herangezogen und mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass die Intervention zu einer gesteigerten Sinneswahrnehmung, einem intensiveren lustvollen Erleben und einer erleichterten Integration des Kondoms in das Sexualleben führte. Damit wird verdeutlicht, dass körperorientierte Ansätze in der sexuellen Bildung einen relevanten Beitrag zur Förderung einer lustvollen und selbstbestimmten Sexualität leisten können. Um alle Personengruppen sprachlich einzuschliessen, wurde in dieser Arbeit eine diversitätssensible Sprache verwendet. Dies geschieht einerseits durch geschlechtsneutrale Sammelbegriffe (z. B. Teilnehmende) und andererseits durch die Verwendung des Gendersternchens (z. B. Proband*innen, Sexualberater* Sexualberaterinnen).

Salomé Savoy, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Das Kondom neu entdecken – Die Entwicklung und Evaluation eines Programms zur Förderung der Kondomnutzung bei Männern durch Erotisierung

Verfasst von
Salomé Savoy

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Verhütung · Jugendsexualität · Körperarbeit

Lizenz und Nachweis. Salomé Savoy: «Das Kondom neu entdecken – Die Entwicklung und Evaluation eines Programms zur Förderung der Kondomnutzung bei Männern durch Erotisierung». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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Kategorien
MA5 Masterarbeit

Nicht-Binarität in der Sexualtherapie

Caroline Schenk untersucht in der Masterarbeit «Nicht-Binarität in der Sexualtherapie» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Das «Gefühl der Geschlechtszugehörigkeit» ist ein Kernbegriff des Modells Sexocorporel — und er setzt voraus, dass es eine Zugehörigkeit gibt, zu der man sich zugehörig fühlen kann. Diese Arbeit prüft, was mit dem Konzept geschieht, wenn eine Person sich keiner der beiden Kategorien zuordnet. Ihre Antwort beginnt bei einem einzigen Buchstaben.

Was ändert ein Wort?

Aus dem «Gefühl der Geschlechtszugehörigkeit» wird das «Gefühl der Geschlechterzugehörigkeit». Die Änderung ist minimal und folgenreich: Der Plural schliesst mehrere Geschlechterrealitäten ein, wo der Singular eine voraussetzt.

Zwei weitere Begriffe haben sich in der Praxis als hilfreich erwiesen — das Gefühl der Zugehörigkeit zum eigenen sexuellen Körper und das Gefühl der Zugehörigkeit zur eigenen Gendergruppe.

Damit verschiebt sich der Fokus weg von der Geschlechtsidentität hin zum individuellen Erleben: im eigenen Körper, mit den eigenen Genitalien, und in Bezug auf andere Menschen. Die begriffliche Änderung allein öffnet den Blick weg von einer binären Ordnung und weg von einem Richtig und Falsch.

Reicht die neue Sprache?

Nein — und das ist die wichtigste Erkenntnis der Arbeit. Obwohl die befragten Fachpersonen die Begriffe unterschiedlich anpassten und nutzten, zeigte sich eine Konstante: Alle hatten sich im Lauf ihrer Praxis eine trans*sensible Haltung erarbeitet.

Die Autorin formuliert den Schluss unmissverständlich: Eine sprachliche Veränderung bewegt nichts, wenn sich die Einstellung dahinter nicht mitverändert. Kein Konzept steht für sich allein — jedes ist mit der Person verbunden, die es anwendet.

Menschenbild, Haltung, Wissen, Privilegien, Lebenserfahrung und auch Unsicherheiten schwingen dabei jederzeit mit. Eine geschlechtersensible Sexualtherapie setzt deshalb voraus, dass das Konzept kritisch reflektiert und differenziert eingesetzt wird.

Was heisst das für die Arbeit mit nichtbinären Menschen?

Körperzentrierte Interventionen schätzt die Arbeit grundsätzlich als hilfreich ein — unter einer Bedingung: Sie müssen individuell angepasst und sensibel gestaltet sein.

Das ist kein Vorbehalt aus Vorsicht. Wer mit einem Modell arbeitet, das binär entstanden ist, muss wissen, an welchen Stellen es Erwartungen mitbringt, die im Gespräch nichts zu suchen haben.

Bemerkenswert ist, wie viel Erfahrungswissen bei den Fachpersonen bereits vorliegt. Die Arbeit macht es sichtbar und ordnet es — was sie für die Ausbildung ebenso brauchbar macht wie für die Praxis.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Fünf Interviews mit Fachpersonen, qualitativ ausgewertet. Befragt wurden Therapeut*innen, nicht nichtbinäre Klient*innen — die Arbeit beschreibt also, wie Fachpersonen das Konzept anwenden und anpassen, nicht wie es erlebt wird.

Als Beitrag zur Weiterentwicklung eines Modells ist das die passende Perspektive. Für die Frage, ob nichtbinäre Menschen sich in der Beratung wiederfinden, bräuchte es eine zweite Arbeit.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 76 Seiten. Sie enthält die kritische Reflexion des Konzepts «Gefühl der Geschlechtszugehörigkeit» auf seine binären und heteronormativen Prägungen, die vollständige Auswertung der fünf Interviews und Impulse für eine geschlechtersensible Weiterentwicklung des Modells.

Abstract der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit untersucht, wie das Konzept des Gefühls der Geschlechtszu- gehörigkeit (GdG) nach dem Modell Sexocorporel in der sexualtherapeutischen Begleitung nichtbinärer Menschen angewendet werden kann. Der Hintergrund der Arbeit ist eine kriti- sche Reflexion potenzieller binärer und heteronormativer Prägungen des Modells. Auf die- ser Grundlage wurden fünf Interviews mit Expert*innen durchgeführt und qualitativ ausge- wertet. Anliegen der Arbeit ist es, die Anwendbarkeit des GdG kritisch zu reflektieren und Impulse für eine geschlechtersensible Weiterentwicklung des Modells zu geben. Hierdurch soll ein Beitrag dazu geleistet werden, dass geschlechtliche Vielfalt in Theorie, Praxis und Ausbildung bewusster reflektiert und differenzierter berücksichtigt wird. Die Ergebnisse zei- gen, dass das ursprüngliche GdG Konzept normativ geprägt ist. Es kann jedoch durch Wei- terentwicklungen, wie beispielsweise dem Gefühl der Zugehörigkeit zum sexuellen Körper und dem Gefühl der Zugehörigkeit zur eigenen Gendergruppe, an geschlechtliche Vielfalt anschlussfähig gemacht werden. Körperzentrierte Interventionen werden in der Arbeit mit nichtbinären Menschen grundsätzlich als hilfreich eingeschätzt, wenn sie individuell ange- passt und sensibel gestaltet werden. Als zentral für eine gelingende Begleitung erweist sich die Haltung und das Menschenbild der Fachperson, welche die therapeutische Arbeit mit dem Modell prägen. Die Arbeit leistet einen praxisnahen Beitrag zur Weiterentwicklung ei- ner inklusiven, geschlechterreflektierten Sexualtherapie und Beratung.

Caroline Schenk, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Nicht-Binarität in der Sexualtherapie – Zum Umgang des Gefühls der Geschlechtszugehörigkeit nach Sexocorporel

Verfasst von
Caroline Schenk

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Geschlecht & Identität · Sexualtherapie · Körperarbeit · Sexocorporel

Lizenz und Nachweis. Caroline Schenk: «Nicht-Binarität in der Sexualtherapie – Zum Umgang des Gefühls der Geschlechtszugehörigkeit nach Sexocorporel». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Die Auswirkungen von Diabetes mellitus Typ 2 auf die Sexualität bei Frauen

Pascale Olivia Schwarz untersucht in der Masterarbeit «Die Auswirkungen von Diabetes mellitus Typ 2 auf die Sexualität bei Frauen» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Keine einzige der befragten Frauen wusste, dass Diabetes mellitus Typ 2 ihre Sexualität beeinflusst. Beim Mann ist der Zusammenhang medizinisch bekannt und wird beachtet. Bei Vulva und Vagina ist er weit weniger präsent — obwohl die Studienlage auch dort erhebliche Auswirkungen zeigt.

Was wissen betroffene Frauen?

Die Arbeit prüfte die These, dass Frauen mit Diabetes Typ 2 kein Wissen über den Einfluss der Erkrankung auf ihre Sexualität haben. Sie bestätigt sich vollständig: Keine der Teilnehmerinnen war sich dessen bewusst.

Das deckt sich mit der internationalen Forschung. In einer Interviewstudie mit Betroffenen war den meisten Teilnehmenden der Zusammenhang ebenfalls nicht bekannt.

Eine zweite Studie erklärt, warum das folgenreich ist: Postmenopausale Frauen schreiben sexuelle Beschwerden vor allem dem Alter und der Menopause zu und halten sie für einen natürlichen Alterungsprozess. Sie sind sich nicht bewusst, unter Einschränkungen zu leiden, die behandelbar wären.

Warum ist die Lücke so gross?

Weil Diabetes und Sexualität in zwei getrennten Zuständigkeiten liegen. Die Diabetesberatung kümmert sich um Blutzucker, Ernährung und Folgeerkrankungen, die Gynäkologie um den Befund — und die Frage nach dem sexuellen Erleben stellt niemand.

Beim Mann ist das anders. Der Einfluss auf die Erektionsfähigkeit gehört zum medizinischen Standardwissen und wird in Fachkreisen beachtet. Genau diese Asymmetrie macht die Arbeit sichtbar.

Es gibt zudem insgesamt wenige Studien, die das Wissen von Betroffenen über den Zusammenhang überhaupt erhoben haben. Die Forschung teilt die Lücke also mit der Praxis.

Was hat die Arbeit erhoben?

Sie fragt nicht nur nach der körperlichen Wahrnehmung, sondern nach vier Dingen zugleich: was die Frauen über den Einfluss der Erkrankung wissen, an wen sie sich wenden können, welche Behandlungsmöglichkeiten sie kennen und was sie sich wünschen.

Diese Anlage macht die Arbeit für die Versorgung brauchbar. Sie beschreibt nicht nur ein Defizit, sondern zeigt, an welcher Stelle im Behandlungsweg die Information fehlt.

Diabetes Typ 2 gehört zu den häufigsten Erkrankungen weltweit, und die Häufigkeit steigt — in der Schweiz wie anderswo. Die Lücke betrifft also sehr viele Frauen.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Qualitative Interviews mit betroffenen Frauen, ergänzt durch eine Literaturrecherche. Die Zahl der Befragten ist klein, und die Arbeit prüft ihre Thesen einzeln und diskutiert sie an der Studienlage.

Dass alle Befragten dasselbe Nichtwissen berichten, ist bei kleiner Stichprobe dennoch aussagekräftig — weil es sich mit den internationalen Befunden deckt. Für Häufigkeitsaussagen taugt die Arbeit nicht, für die Frage, ob überhaupt informiert wird, sehr wohl.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 76 Seiten. Sie enthält die medizinischen Grundlagen zu Diabetes mellitus Typ 2, den Forschungsstand zum Einfluss auf die weibliche Sexualität, die vollständige Auswertung der Interviews sowie Empfehlungen für Praxis und weiterführende Forschung.

Abstract der Arbeit

Diabetes mellitus Typ 2 (DM2) ist eines der häufigsten Krankheitsbilder der modernen Zivilisation und zählt zu der Gruppe der nichtübertragbaren Krankheiten, welche die häufigste Haupttodesursache weltweit darstellt. Die Prävalenz ist sowohl weltweit als auch in der Schweiz steigend. DM2, beeinflusst den Blutzuckerspiegel und hat dadurch auf verschiedene Bereiche des Körpers Einfluss und fordert als chronische Krankheit die betroffenen Personen sowohl körperlich als auch psychisch. Der Einfluss von DM2 auf das Genital ist vor allem bei Personen mit Penis bekannt und wird in medizinischen Fachkreisen auch beachtet. Der Einfluss auf Vulva und Vagina ist weit weniger bekannt, obwohl die Studienlage aufzeigt, dass auch einen erheblichen Einfluss auf die sexuelle Funktion durch DM2 besteht. Die vorliegende Arbeit untersucht in Interviews mit betroffenen Frauen neben der körperlichen Wahrnehmung auch andere Bereiche wie das Wissen über die Krankheit und Einfluss auf die Sexualität, Ansprechpersonen und Therapiemöglichkeiten sowie Wünsche und Zukunftsaussichten der betroffenen Frauen.

Pascale Olivia Schwarz, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Die Auswirkungen von Diabetes mellitus Typ 2 auf die Sexualität bei Frauen – Einblicke aus qualitativen Interviews mit betroffenen Frauen

Verfasst von
Pascale Olivia Schwarz

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexualität & Krankheit · Genitales Selbstbild · Wechseljahre

Lizenz und Nachweis. Pascale Olivia Schwarz: «Die Auswirkungen von Diabetes mellitus Typ 2 auf die Sexualität bei Frauen – Einblicke aus qualitativen Interviews mit betroffenen Frauen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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MA5 Masterarbeit

Sexualität und Endlichkeit

Miriam Siegenthaler untersucht in der Masterarbeit «Sexualität und Endlichkeit» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2025 im Jahrgang MA5 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.

Dass sich Sexualität verändert, wird meist als Verlust erlebt. Diese Arbeit prüft das Gegenteil: Kann das Bewusstsein für Vergänglichkeit die sexuelle Zufriedenheit sogar erhöhen? Ihr Ergebnis ist ein Ja mit einer klaren Bedingung.

Wie wurde das untersucht?

Der Zugang ist ungewöhnlich. Die Teilnehmerinnen — gesunde Frauen im mittleren Lebensalter — nahmen zuerst an einer sechswöchigen Schreibintervention teil, deren Ziel die ressourcenorientierte Aktivierung des Vergänglichkeitsbewusstseins in Bezug auf die eigene Sexualität war.

Erst danach folgten halbstrukturierte Interviews, in denen subjektive Erfahrungen, Bedeutungen und Reflexionen erhoben wurden — sowohl zum Zusammenhang von Vergänglichkeit und Zufriedenheit als auch zur Schreibintervention selbst.

Zugrunde liegt ein Verständnis von Sexualität als lebenslangem, lern- und entwickelbarem Prozess.

Wie wirkt das Vergänglichkeitsbewusstsein?

Über drei Wege, die die Arbeit benennt. Die Präsenz im Moment steigt. Normative Vorstellungen über Sexualität werden relativiert. Und die Selbstwirksamkeit wird gestärkt.

Alle drei sind aus der sexologischen Praxis vertraut — nur wird dort selten die Vergänglichkeit als Zugang gewählt. Der Gedanke ist eigentlich naheliegend: Wer weiss, dass etwas nicht bleibt, ist eher bereit, es jetzt zu gestalten.

Unter welcher Bedingung?

Hier liegt die entscheidende Einschränkung. Das Vergänglichkeitsbewusstsein wirkt insbesondere dann positiv, wenn die Vergänglichkeit und die damit einhergehenden Reaktionen und Emotionen akzeptiert und als Grundlage für Entwicklung verstanden werden.

Ohne diese Akzeptanz bleibt das Bewusstsein für Vergänglichkeit eine Belastung. Die Arbeit verkauft also nicht die Einsicht als Rezept, sondern die Haltung dazu.

Als offene Forschungsfrage formuliert die Autorin, unter welchen Bedingungen Vergänglichkeit tatsächlich zur Ressource wird — und inwiefern das Bewusstsein dafür eine entwicklungsbejahende Haltung fördert.

Wie belastbar sind diese Ergebnisse?

Ein qualitativ-exploratives Vorgehen mit einer kleinen Gruppe gesunder Frauen im mittleren Lebensalter. Wer sich auf eine sechswöchige Schreibintervention zur eigenen Vergänglichkeit einlässt, bringt eine besondere Bereitschaft mit.

Die Ergebnisse decken sich mit der internationalen Forschungslage, auf die sich die Autorin bezieht. Das spricht für die Richtung des Befunds — beweist ihn aber nicht.

Für die Beratungspraxis liegt der Wert in der Schreibintervention selbst: ein Format, das sich ohne grossen Aufwand anbieten lässt.

Die Arbeit im Original

Die vollständige Masterarbeit umfasst 139 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu Vergänglichkeit und sexueller Zufriedenheit, die vollständige Schreibintervention, die Auswertung der Interviews sowie die abgeleiteten Möglichkeiten für weitere Forschung.

Abstract der Arbeit

Sexualität und Endlichkeit Zusammenhänge zwischen dem Bewusstsein für Vergänglichkeit und der sexuellen Zufriedenheit gesunder Frauen im mittleren Lebensalter Mittels eines qualitativ-explorativen Vorgehens wird in dieser Masterarbeit untersucht, inwiefern das Bewusstsein für Vergänglichkeit mit der sexuellen Zufriedenheit bei gesunden Frauen im mittleren Lebensalter zusammenhängt. Ausgangspunkt ist dabei ein Verständnis von Sexualität als lebenslanger, lern- und entwickelbarer Prozess. Die Teilnehmerinnen nehmen zuerst an einer sechswöchigen Schreibintervention teil, deren Ziel die ressourcenorientierte Aktivierung des Vergänglichkeitsbewusstseins in Bezug auf die Sexualität ist. Anschliessend werden im Rahmen halbstrukturierter Interviews subjektive Erfahrungen, Bedeutungen und Reflexionen erhoben, die mögliche Zusammenhänge zwischen dem Bewusstsein dafür, dass Sexualität wandelbar, fluide und veränderlich ist, und der sexuellen Zufriedenheit sowie Erkenntnisse in Bezug auf die Schreibintervention erheben. Die qualitative Inhaltsanalyse zeigt, dass durch das Vergänglichkeitsbewusstsein die sexuelle Zufriedenheit zunimmt und Vergänglichkeit von den Teilnehmerinnen als Ausgangspunkt für Entwicklung verstanden wird. In einem letzten Schritt werden aus den gewonnenen Erkenntnissen relevante Impulse für die Sexualtherapie abgeleitet. Sexuality and Finiteness Relationship between awareness of transience and sexual satisfaction in healthy, middle-aged women Using a qualitative-explorative approach, this master's thesis examines the extent to which awareness of transience is related to sexual satisfaction in healthy middle-aged women. The starting point is an understanding of sexuality as a lifelong process that can be learned and developed. The participants first take part in a six-week writing intervention, the aim of which is the resource-oriented activation of transience awareness in relation to sexuality. Subsequently, subjective experiences, meanings and reflections are collected in semi-structured interviews, which explore possible connections between the awareness that sexuality is changeable and fluid and sexual satisfaction as well as findings in relation to the writing intervention. The qualitative content analysis shows that sexual satisfaction increases as a result of transience awareness and that transience is understood by the participants as a starting point for development. In a final step, relevant impulses for sex therapy are derived from the findings.

Miriam Siegenthaler, Abstract der Masterarbeit, 2025

Angaben zur Arbeit

Titel
Sexualität und Endlichkeit – Zusammenhänge zwischen dem Bewusstsein für Vergänglichkeit und der sexuellen Zufriedenheit gesunder Frauen im mittleren Lebensalter

Verfasst von
Miriam Siegenthaler

Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA5

Jahr
2025

Themen
Sexuelle Zufriedenheit · Verhütung · Selbstwirksamkeit

Lizenz und Nachweis. Miriam Siegenthaler: «Sexualität und Endlichkeit – Zusammenhänge zwischen dem Bewusstsein für Vergänglichkeit und der sexuellen Zufriedenheit gesunder Frauen im mittleren Lebensalter». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2025. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.

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