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Allein klappt es, zu zweit nicht

Es gibt eine Erfahrung, die viele Frauen machen und kaum jemand ausspricht: Allein klappt es zuverlässig, zu zweit selten bis nie. Eine neue Schweizer Studie zeigt, wie verbreitet das ist, und sie zeigt, dass der Grund nicht im Körper liegt.

Von Ben Kneubühler, Institutsleiter des ISP Zürich
Stand: September 2026

Am 16. September 2026 ist in der Fachzeitschrift Sex Roles eine Untersuchung erschienen, die zu drei Vierteln auf Schweizer Daten beruht. Lenya Koechlin, Gideon Sartorius, Stefanie Gonin-Spahni und Daniel Haag-Wackernagel haben 2’272 Personen befragt. Zwei Zahlen daraus stehen nebeneinander und sagen alles.

Beim Sex zu zweit kommen 56,3 Prozent der Frauen oft bis immer zum Orgasmus, bei den Männern sind es 94,2 Prozent. Bei der Selbstbefriedigung kommen 94,2 Prozent der Frauen oft bis immer zum Orgasmus, bei den Männern 97,3 Prozent. Aus 37,9 Prozentpunkten Unterschied werden 3,1.

Balkendiagramm: Orgasmus beim Sex zu zweit bei 56,3 Prozent der Frauen und 94,2 Prozent der Männer, bei der Selbstbefriedigung bei 94,2 und 97,3 Prozent, zufrieden mit der Häufigkeit 59,9 und 86,7 Prozent
Anteil der Befragten, die oft bis immer einen Orgasmus erleben, und Anteil derer, die mit der Häufigkeit zufrieden sind. Zahlen aus der Studie von Koechlin et al. 2026.

Derselbe Körper, ein anderes Ergebnis. Wer allein zuverlässig zum Orgasmus kommt, hat kein körperliches Problem. Was sich ändert, ist die Situation: eine zweite Person, ein Ablauf, Erwartungen, und meistens eine andere Art von Berührung.

Anteil, der zutrifftFrauenMänner
Orgasmus beim Sex zu zweit, oft bis immer56,3 %94,2 %
Orgasmus bei der Selbstbefriedigung, oft bis immer94,2 %97,3 %
zufrieden bis sehr zufrieden mit der Häufigkeit59,9 %86,7 %
gutes Ergebnis im Anatomietest zur Vulva93,6 %94,0 %

Dass es dabei nicht nur um Häufigkeit geht, zeigt die dritte Zeile. 22,6 Prozent der Frauen sind mit der Zahl ihrer Orgasmen ausdrücklich unzufrieden. Die verbreitete Annahme, Frauen sei der Orgasmus ohnehin weniger wichtig, stimmt nicht.

Für wen diese Zahlen gelten

Die Studie hat ausschliesslich Personen ausgewertet, die sich als cisgeschlechtlich und heterosexuell bezeichnen. Queere, nicht-binäre und trans Teilnehmende wurden wegen zu kleiner Fallzahlen ausgeschlossen. Der zweite Teil der Auswertung betrachtet nur Frauen, was den Eindruck erzeugen kann, die Verantwortung liege bei ihnen; die Autorinnen und Autoren schreiben das selbst als Einschränkung.

Genau an dieser Stelle hilft ein Blick über die Studie hinaus. In einer US-Erhebung mit 52’588 Personen berichteten 95 Prozent der heterosexuellen Männer, meistens bis immer einen Orgasmus zu erleben, 89 Prozent der schwulen Männer, 88 Prozent der bisexuellen Männer, 86 Prozent der lesbischen Frauen, 66 Prozent der bisexuellen und 65 Prozent der heterosexuellen Frauen.

Lesbische und heterosexuelle Frauen unterscheiden sich um 21 Punkte. Dazwischen liegt kein anatomischer Unterschied. Es geht also nicht um den weiblichen Körper, sondern um das, was beim heterosexuellen Sex üblicherweise passiert.

Woran es liegt, wenn es zu zweit nicht klappt

Das Drehbuch ist eng. 98,7 Prozent der Befragten verstehen unter «Sex haben» den Geschlechtsverkehr. Oralsex zählen 73,5 Prozent dazu, manuelle Stimulation nur 52 Prozent. Dabei kommen nur 9,6 Prozent der Frauen durch Penetration allein zum Orgasmus, während 68,7 Prozent angeben, klitorale Stimulation mache ihren Orgasmus besser oder sei dafür nötig.

Balkendiagramm: 9,6 Prozent der Frauen kommen durch Penetration allein zum Orgasmus, 50,1 Prozent brauchen dafür klitorale Stimulation, für 18,6 Prozent ist der Orgasmus mit klitoraler Stimulation besser
Angaben von 1’549 Frauen zur Frage, was sie beim Geschlechtsverkehr zum Orgasmus brauchen. Zahlen aus derselben Studie.

Wer manuelle Stimulation zum Sex dazuzählt, kommt häufiger zum Orgasmus (60,4 gegenüber 52 Prozent), bei Oralsex ist der Abstand ähnlich (59,4 gegenüber 48 Prozent). Und wer beim letzten Mal Oralsex bekommen hat, berichtet häufiger von Orgasmen (61 gegenüber 52,2 Prozent). Das sind keine grossen Sprünge, aber sie zeigen in dieselbe Richtung: Was vorkommt, entscheidet.

Wissen allein nützt nichts. 93,6 Prozent der Frauen und 94 Prozent der Männer lösten den Anatomietest zur Vulva gut. Mit der Orgasmushäufigkeit beim Sex zu zweit hatte dieses Wissen keinen Zusammenhang, mit der Häufigkeit bei der Selbstbefriedigung schon. Das Wissen ist vorhanden, es kommt nur in der gemeinsamen Situation nicht zur Anwendung.

Die eigene Lust muss zählen dürfen. Frauen, die ihren eigenen Orgasmus als eher oder sehr wichtig bezeichnen, erleben ihn dreimal häufiger als Frauen, die ihn für nicht wichtig halten (69,9 gegenüber 22,2 Prozent). Das ist der stärkste Zusammenhang der ganzen Studie. In welche Richtung er wirkt, lässt der Querschnitt offen, und wahrscheinlich wirkt er in beide.

Sagen, was man mag. Von den Frauen, die oft bis immer zum Orgasmus kommen, sagen 89,4 Prozent, sie sprächen im Sex aus, was ihnen gefällt. Bei den Frauen, die selten zum Orgasmus kommen, sind es 62 Prozent, und 38 Prozent äussern gar nicht, was sie mögen. Eine Metaanalyse über 48 Studien findet denselben Zusammenhang zwischen sexueller Kommunikation und sexueller Funktion (r = 0,35), bei Frauen deutlicher für Verlangen und Orgasmus als bei Männern.

Der Zusammenhang gehört nicht einer Person allein. Feste Beziehung statt Dating (61 gegenüber 40,4 Prozent) und häufigerer Sex (67,8 gegenüber 39,2 Prozent) gehen mit mehr Orgasmen einher. Die Zahl früherer Partner dagegen nicht. Was zählt, ist die Verständigung, nicht die Erfahrung.

Was die Studie nicht sagt

Sie sagt nicht, dass ein Orgasmus dazugehören muss. Die Autorinnen und Autoren warnen ausdrücklich davor, Frauen zu pathologisieren, die nicht oder selten zum Orgasmus kommen. Wer damit zufrieden ist, hat kein Problem. Eine Orgasmusstörung setzt Leidensdruck voraus, und bevor sie diagnostiziert wird, gehört geprüft, ob die Stimulation überhaupt zu dieser Person passt.

Sie sagt auch nichts über Ursachen. Es ist ein Querschnitt mit einer Gelegenheitsstichprobe, bewusst jung und gebildet gewählt: gut die Hälfte zwischen 20 und 29, knapp 60 Prozent mit Hochschulabschluss, 73,3 Prozent in der Schweiz, 26,0 Prozent in EU-Ländern. Die Auswertung ist explorativ, ohne Mehrfachmodelle und ohne Korrektur für multiples Testen. Die Befragung lief von Juli 2021 bis April 2022, bewilligt von der Ethikkommission Nordwest- und Zentralschweiz.

Was die Studie stattdessen liefert, ist eine Liste veränderbarer Bedingungen. Und genau damit arbeitet Sexualtherapie.

Was sich daran verändern lässt

Für den ausbleibenden Orgasmus gibt es die vergleichsweise beste Datenlage. Eine Metaanalyse der Universität Bern über 20 randomisierte Studien fand für psychologische Behandlungen sexueller Funktionsstörungen eine mittlere Wirkung auf die Beschwerden (d = 0,58) und auf die sexuelle Zufriedenheit (d = 0,47), und sie hält fest, dass die Belege gerade für Orgasmusstörungen und vermindertes Verlangen bei Frauen am besten sind.

In der Praxis geht es dabei um vier Dinge, die alle in der Studie vorkommen: welche Stimulation überhaupt stattfindet, wie viel Zeit der eigene Erregungsaufbau bekommt, ob die eigene Lust als Ziel zählen darf, und ob sich das aussprechen lässt. Am ISP arbeiten wir dafür mit dem körperbezogenen Modell Sexocorporel, das die Erregungsmodi betrachtet: die Art, wie jemand Erregung aufbaut, mit Atmung, Bewegung, Muskelspannung und Wahrnehmung. Wer allein zuverlässig zum Orgasmus kommt, hat einen funktionierenden Modus bereits; die Arbeit besteht darin, ihn in die Begegnung zu zweit zu übertragen.

Eine ärztliche Abklärung gehört dazu, wenn Schmerzen im Spiel sind, wenn sich das Empfinden verändert hat oder wenn Medikamente eine Rolle spielen könnten, besonders Antidepressiva. Wobei Sexualtherapie sonst noch hilft, von Schmerzen über Erektionsstörungen bis zur Sexualität nach einer Krankheit, steht auf der Seite Warum Sexualtherapie. Wie das Ganze gesellschaftlich einzuordnen ist, steht im Beitrag zum Orgasmus-Gap.

Was man selbst ausprobieren kann

Für vieles davon reicht eine Entscheidung.

  • Übertragen, was allein funktioniert: dieselbe Art der Berührung, dasselbe Tempo, dieselbe Stellung auch zu zweit.
  • Den Ablauf ändern statt die Technik verbessern: Was allein zum Orgasmus führt, gehört in den gemeinsamen Sex und nicht davor oder danach.
  • Einen Satz vorbereiten, der nicht im Bett gesagt werden muss, sondern davor: «Ich möchte etwas ausprobieren.»
  • Den Anspruch senken, dass es gleichzeitig passieren muss. Nacheinander ist kein Mangel.
  • Wenn seit Jahren nichts hilft: eine Fachperson dazunehmen, statt es weiter allein zu versuchen.

Häufige Fragen

Ist es normal, allein zum Orgasmus zu kommen, aber nicht zu zweit?

Ja, und es ist häufig. In der Schweizer Studie kommen 94,2 Prozent der Frauen bei der Selbstbefriedigung oft bis immer zum Orgasmus, beim Sex zu zweit 56,3 Prozent. Der Unterschied liegt nicht im Körper, sondern in dem, was beim gemeinsamen Sex geschieht.

Heisst das, ich habe eine Orgasmusstörung?

Nicht automatisch. Eine Orgasmusstörung setzt Leidensdruck voraus, und vorher gehört geprüft, ob die Stimulation zu dieser Person passt. Wer allein zuverlässig zum Orgasmus kommt, zeigt damit, dass die Fähigkeit vorhanden ist.

Wie viele Frauen kommen durch Penetration allein zum Orgasmus?

In der Schweizer Studie 9,6 Prozent. 50,1 Prozent brauchen dafür zusätzlich klitorale Stimulation, für weitere 18,6 Prozent wird der Orgasmus damit besser.

Warum kommen lesbische Frauen häufiger zum Orgasmus?

In einer US-Erhebung mit 52’588 Personen berichteten 86 Prozent der lesbischen und 65 Prozent der heterosexuellen Frauen, meistens bis immer einen Orgasmus zu erleben. Der Unterschied spricht dafür, dass der Ablauf beim heterosexuellen Sex die Rolle spielt und nicht die Anatomie.

Hilft mehr Wissen über die Anatomie?

Für die Selbstbefriedigung ja, für den Sex zu zweit nicht. In der Studie lösten über 93 Prozent aller Befragten den Anatomietest gut, ohne dass das mit der Orgasmushäufigkeit beim Sex zu zweit zusammenhing.

Wann lohnt sich eine Sexualtherapie?

Wenn es belastet und sich über längere Zeit nichts ändert. Für Orgasmusschwierigkeiten bei Frauen ist die Wirkung psychologischer Behandlungen vergleichsweise gut belegt. Eine Fachperson mit sexologischer Ausbildung findet man im Verzeichnis.

Quellen

  • Koechlin, L., Sartorius, G., Gonin-Spahni, S. & Haag-Wackernagel, D. (2026): Exploring the Orgasm Gap in Heterosexual Sex: A Swiss and European Online Survey. Sex Roles 92(5), Open Access, doi:10.1007/s11199-026-01693-8
  • Frederick, D. A., St. John, H. K., Garcia, J. R. & Lloyd, E. A. (2018): Differences in Orgasm Frequency Among Gay, Lesbian, Bisexual, and Heterosexual Men and Women in a U.S. National Sample. Archives of Sexual Behavior 47(1), 273–288, doi:10.1007/s10508-017-0939-z
  • Frühauf, S., Gerger, H., Schmidt, H. M., Munder, T. & Barth, J. (2013): Efficacy of psychological interventions for sexual dysfunction: a systematic review and meta-analysis. Archives of Sexual Behavior 42(6), 915–933, doi:10.1007/s10508-012-0062-0
  • Mallory, A. B., Stanton, A. M. & Handy, A. B. (2019): Couples‘ Sexual Communication and Dimensions of Sexual Function: A Meta-Analysis. The Journal of Sex Research 56(7), 882–898, doi:10.1080/00224499.2019.1568375

Ben Kneubühler, MSc, ist Institutsleiter des ISP Zürich und ehemaliger Studiengangsleiter des Diplomlehrgangs Sexualpädagogik. Er ist Psychotherapeut, Sexologe und in der Aus- und Weiterbildung von Fachpersonen tätig.

Ben Kneubühler
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Was Sexualtherapeut*innen in der Schweiz dürfen

«Sexualtherapeutin» darf sich in der Schweiz jede Person nennen. Psychotherapeutin nicht. Wer sexualtherapeutisch arbeiten will oder eine Sexualtherapie sucht, sollte den Unterschied kennen, denn an ihm hängen Bewilligung, Berufsbezeichnung und die Frage, wer die Sitzungen bezahlt.

Von Ben Kneubühler, Institutsleiter des ISP Zürich
Stand: September 2026

Sexualtherapie ist die fachliche Begleitung von Einzelpersonen und Paaren bei sexuellen Anliegen und Funktionsstörungen, etwa bei Lustlosigkeit, Erektions- oder Orgasmusschwierigkeiten oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. In der Schweiz ist sie kein gesetzlich geregelter Beruf. Anders als die Psychotherapie braucht sie keinen eidgenössischen Weiterbildungstitel, und die Berufsbezeichnung ist frei.

Wer eine Behandlung sucht, findet Fachpersonen mit ISP-Abschluss im Verzeichnis der Sexualtherapeut*innen. Wer den Beruf ergreifen möchte, findet Wege und Arbeitsalltag auf der Seite Sexualtherapeut:in werden. Dieser Beitrag behandelt die rechtliche und praktische Seite.

Die Berufsbezeichnung ist frei

In der Schweiz ist «Sexualtherapeut*in» nicht geschützt. Es gibt kein staatliches Register, keine Aufsichtsbehörde und keine staatliche Zulassungsprüfung.

Was es gibt, ist ein Verbandstitel. Der Fachverband für Sexologie Schweiz (FSS) nimmt ordentliche Sexologie-Mitglieder auf, die einen Master in Sexologie, eine Zertifizierung als klinische Sexolog*in des Institut Sexocorporel International oder einen abgeschlossenen Diplomlehrgang Sexualtherapie ISP mitbringen; so steht es in den Statuten vom Juni 2025. Ordentliche Mitglieder verpflichten sich auf eine Berufsordnung und eine Fortbildungspflicht. Staatlich geschützt ist auch dieser Titel nicht. Er sagt trotzdem etwas aus, weil der Verband Ausbildung und Fortbildung prüft. Wenn der Titel für Sie zählt, klären Sie Ihre Aufnahme vor der Anmeldung zu einer Ausbildung direkt beim Verband ab.

Warum Sexualtherapie keine Psychotherapie im Sinne des Gesetzes ist

Die Psychotherapie ist in der Schweiz durch das Psychologieberufegesetz geregelt. Zur Weiterbildung in Psychotherapie wird nur zugelassen, wer einen anerkannten Ausbildungsabschluss in Psychologie besitzt (Art. 7 PsyG). Ärztinnen und Ärzte kommen über die Facharztausbildung in Psychiatrie und Psychotherapie dazu. Keine sexologische Ausbildung führt auf einen dieser Wege, auch der Master in Sexologie nicht.

Daraus folgen zwei Dinge für die Praxis. Wer Psychotherapie in eigener fachlicher Verantwortung ausüben will, braucht eine Bewilligung des Kantons, und diese setzt einen Weiterbildungstitel in Psychotherapie voraus (Art. 22 und 24 PsyG). Und wer vorgibt, einen solchen Titel zu besitzen, ohne ihn erworben zu haben, wird mit Busse bestraft (Art. 45 PsyG). Wer ohne diesen Titel arbeitet, bezeichnet das eigene Angebot deshalb als Sexualberatung oder Sexualtherapie und nicht als Psychotherapie.

Ob für eine sexualtherapeutische Tätigkeit ohne psychotherapeutischen Anspruch eine kantonale Bewilligung nötig ist, hängt vom Gesundheitsrecht des Kantons und von der konkreten Tätigkeit ab. Das sollte vor der Praxiseröffnung beim kantonalen Gesundheitsamt geklärt werden.

Genau deshalb gibt es das Feld. Sexuelle Anliegen kommen in der Psychotherapie oft zu kurz, in der Gynäkologie und Urologie fehlt die Zeit, und in der Paarberatung fehlt das sexologische Handwerk. Sexualtherapie schliesst diese Lücke, ohne Psychotherapie zu sein.

Was die Krankenkasse bezahlt

Hier liegt die häufigste Enttäuschung, auf beiden Seiten des Beratungstischs.

Die obligatorische Grundversicherung übernimmt Psychotherapie, wenn sie von einer Ärztin oder einem Arzt erbracht wird oder, auf ärztliche Anordnung, von einer zugelassenen psychologischen Psychotherapeutin. Seit dem 1. Juli 2022 gilt dafür das Anordnungsmodell des Bundes. Entscheidend ist die Zulassung der behandelnden Person, nicht die Bezeichnung der Methode. Sexualtherapie bei einer Fachperson ohne diese Zulassung wird von der Grundversicherung nicht übernommen.

Über Zusatzversicherungen ist eine Beteiligung möglich. Viele Versicherer verlangen dafür, dass die behandelnde Person in einem anerkannten Register geführt wird; in der Schweiz sind das vor allem die Stiftung ASCA und das Erfahrungsmedizinische Register EMR. Welche Methoden und Ausbildungen diese Register anerkennen und welche Versicherung was bezahlt, ist verschieden und ändert sich. Wer eine Praxis plant, klärt die eigene Registrierung früh und direkt bei den Registern. Wer eine Therapie sucht, fragt vor der ersten Sitzung bei der eigenen Versicherung nach.

Viele Klient*innen zahlen Sexualtherapie selbst. Für Fachpersonen heisst das: Preis, Rechnungsstellung und Absageregeln gehören von Anfang an geklärt und schriftlich festgehalten.

Was es für eine eigene Praxis braucht

Neben dem Fach braucht eine Praxis die unternehmerische Seite: Rechtsform und Sozialversicherungen, Raumfrage, Preisgestaltung, Datenschutz für Gesundheitsdaten und ein Zuweisungsnetz aus Ärztinnen, Psychotherapeuten und Beratungsstellen. Die meisten starten mit einem Teilpensum neben der bisherigen Anstellung und bauen über Jahre auf. Wer mit der Ausbildung beginnt und gleichzeitig kündigt, geht ein unnötiges Risiko ein. Mehr dazu auf der Seite Selbständig arbeiten.

Zur Grenze gegenüber der Psychotherapie gehört eine zweite im Alltag: Wer merkt, dass hinter einem sexuellen Anliegen eine behandlungsbedürftige psychische Erkrankung, eine Traumafolge oder eine körperliche Ursache steht, überweist. Ein gutes Zuweisungsnetz arbeitet in beide Richtungen.

Zwei Ausbildungswege im Überblick

Wie die beiden sexologischen Wege aufgebaut sind, beschreiben die Lehrgangsseiten ausführlich. Für die Entscheidung genügt oft dieser Vergleich:

Diplomlehrgang SexualtherapieMaster of Arts in Sexologie
Zulassungabgeschlossene Berufslehre oder Maturität und ein Jahr BerufserfahrungBachelor und ein Jahr einschlägige Berufserfahrung, sonst Feststellungsprüfung
Dauer und Umfangdrei Jahre berufsbegleitenddreieinhalb Jahre, 112 Unterrichtstage
KostenCHF 32’500CHF 38’500
AbschlussDipl. Sexualtherapeut*in ISPakademischer Grad der Hochschule Merseburg

Bei beiden kommen Zusatzkosten dazu. Beim Diplomlehrgang sind es das Aufnahmegespräch und das Aufnahmeverfahren (zusammen CHF 400), zwölf Therapiesitzungen und zwanzig Körperarbeitsstunden, die extern gebucht und direkt bezahlt werden, dazu Literatur und Reisekosten. Der eigentliche Unterschied zwischen den Wegen liegt nicht in der therapeutischen Praxis, sondern darin, dass nur der Master ein akademischer Grad ist und zu Doktorat und Hochschullehre führen kann.

Ein Hinweis zur Selbsterfahrung, weil er zur Entscheidung gehört. Laut der Lehrgangsseite evaluieren die Studierenden zum Abschluss des ersten Moduls die eigene Selbstbefriedigung anhand des Modells Sexocorporel. Über den ganzen Lehrgang begleiten Körperarbeitsblöcke den Unterricht, mit Atemtechnik, Beckenboden, Gang und Elementen der Feldenkrais-Methode. Wer später mit einer Klientin präzise über deren Erregungsverlauf sprechen will, muss den eigenen kennen. Wer damit nicht rechnet, sollte das vor der Anmeldung wissen.

Wer vor allem mit Gruppen arbeiten will, mit Klassen, Teams und Eltern, ist im Diplomlehrgang Sexualpädagogik besser aufgehoben.

Häufige Fragen

Übernimmt die Krankenkasse eine Sexualtherapie in der Schweiz?

Die Grundversicherung übernimmt Psychotherapie nur, wenn sie ärztlich erbracht wird oder auf ärztliche Anordnung von einer zugelassenen psychologischen Psychotherapeutin. Sexualtherapie bei anderen Fachpersonen zahlt sie nicht. Zusatzversicherungen beteiligen sich teilweise, oft wenn die Fachperson in einem Register wie ASCA oder EMR geführt wird. Vor der ersten Sitzung bei der eigenen Versicherung nachfragen.

Ist Sexualtherapie Psychotherapie?

Nicht im rechtlichen Sinn. Psychotherapie in eigener fachlicher Verantwortung setzt in der Schweiz einen Weiterbildungstitel in Psychotherapie und eine kantonale Bewilligung voraus (Art. 22 und 24 PsyG). Sexualtherapeut*innen ohne diesen Titel dürfen ihr Angebot nicht als Psychotherapie bezeichnen. Psychotherapeut*innen können aber zusätzlich sexualtherapeutisch ausgebildet sein.

Ist «Sexualtherapeutin» ein geschützter Titel?

Nein. Die Berufsbezeichnung ist frei. Der Fachverband für Sexologie Schweiz (FSS) führt ordentliche Mitglieder mit anerkannter Ausbildung und Fortbildungspflicht; auch das ist ein Verbandstitel, kein staatlicher.

Kann ich ohne Psychologiestudium Sexualtherapeutin werden?

Ja. Der Diplomlehrgang Sexualtherapie am ISP setzt eine abgeschlossene Berufslehre oder Maturität und ein Jahr Berufserfahrung voraus. Psychotherapie im gesetzlichen Sinn dürfen Sie ohne Psychologie- oder Medizinstudium und entsprechende Weiterbildung allerdings nicht anbieten.

Brauche ich eine Bewilligung für eine sexualtherapeutische Praxis?

Für Psychotherapie ja, nach Psychologieberufegesetz. Für Sexualberatung und Sexualtherapie ohne psychotherapeutischen Anspruch hängt es vom Gesundheitsrecht des Kantons und von der konkreten Tätigkeit ab. Klären Sie das vor der Eröffnung beim kantonalen Gesundheitsamt.

Weitere Beiträge der Reihe

Quellen

  • Bundesgesetz über die Psychologieberufe (PsyG), SR 935.81, Art. 7, 22, 24 und 45, fedlex.admin.ch
  • Bundesamt für Gesundheit: Neuregelung der psychologischen Psychotherapie ab 1. Juli 2022, bag.admin.ch
  • Fachverband für Sexologie Schweiz: Statuten, Fassung vom 20.06.2025, Art. 4, sexologie-schweiz.ch
  • ISP Zürich: Diplomlehrgang Sexualtherapie, Aufbau, Zulassung und Kosten, isp-zuerich.ch
  • ISP Zürich: Master of Arts in Sexologie, Zulassung, Feststellungsprüfung und Kosten, isp-zuerich.ch

Ben Kneubühler, MSc, ist Institutsleiter des ISP Zürich und ehemaliger Studiengangsleiter des Diplomlehrgangs Sexualpädagogik. Er ist Psychotherapeut, Sexologe und in der Aus- und Weiterbildung von Fachpersonen tätig.

Ben Kneubühler
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BDSM ist keine Diagnose

Fast die Hälfte der Befragten einer belgischen Bevölkerungsstudie hat schon einmal etwas getan, das unter BDSM fällt. Trotzdem halten viele es für ein Symptom. Was die Forschung zeigt, was die Diagnostik sagt und woran Fachpersonen den Unterschied zwischen einvernehmlicher Praxis und einem Problem erkennen.

Schwarze Lederriemen eines Floggers auf rotem Hintergrund, daneben zwei Kreuze aus schwarzem Klebeband
Foto: Anna Shvets, Pexels

Erstellt: 10. August 2026 Überarbeitet: 28. Oktober 2026 Lesezeit: 10 Minuten Autor*in: Ben Kneubühler, Institutsleiter des ISP Zürich

BDSM steht für drei Wortpaare: Bondage und Discipline, Dominance und Submission, Sadism und Masochism. Gemeint ist ein weites Feld von Praktiken, in denen Machtgefälle, Fesselung, Rollen oder Schmerzempfinden Teil der Sexualität sind. Was diese Praktiken verbindet, ist nicht die Härte, sondern die Absprache: Sie werden verhandelt, begrenzt und können jederzeit abgebrochen werden.

Genau dieser Punkt geht in der öffentlichen Wahrnehmung meistens verloren. Wer BDSM für Gewalt hält, übersieht das Merkmal, das beides unterscheidet. Und wer es für eine Störung hält, liegt nach der aktuellen Klassifikation falsch.

Woher die Wörter kommen

Die Begriffe stammen aus der Psychiatrie des 19. Jahrhunderts und tragen bis heute deren Blick mit sich.

Sadismus geht auf den Marquis de Sade zurück. Richard von Krafft-Ebing hält 1892 in der Psychopathia sexualis fest, der Ausdruck sei «nach dem berüchtigten Marquis de Sade» gebildet und in der französischen Literatur bereits eingebürgert gewesen.

Masochismus hat Krafft-Ebing selbst geprägt, nach dem Schriftsteller Leopold von Sacher-Masoch, dessen Erzählungen, allen voran «Venus im Pelz», diese Konstellation schildern. In seinen Worten: «So genannt nach dem Schriftsteller Sacher-Masoch, dessen Romane und Novellen die Darstellung dieser Perversion zum Lieblingsgegenstande haben.»

Sadomasochismus verbindet beides zu einem Begriff. In der ICD-10 steht er bis heute als eigene Diagnose F65.5 und meint dort sexuelle Aktivitäten mit «Zufügung von Schmerzen, Erniedrigung oder Fesseln». Im Alltag ist daraus «Sado-Maso» oder «SM» geworden.

BDSM ist jünger und stammt aus der Szene selbst, nicht aus der Medizin. Das Kürzel fasst die drei Begriffspaare zusammen und vermeidet das Wort Perversion. Kink wird im englischen Sprachraum als Sammelbegriff für nicht normative sexuelle Vorlieben verwendet und ist auch in die Forschung eingegangen, etwa in Untersuchungen zu «kink-oriented patients».

Der Unterschied zwischen den älteren und den jüngeren Begriffen ist kein sprachlicher Zufall. Die einen sind Diagnosen, die anderen Selbstbezeichnungen. Wer in einer Beratung «Sadomasochismus» sagt, ordnet ein; wer «BDSM» sagt, beschreibt.

Dazu kommen Wörter, die in Schilderungen ständig vorkommen und die man kennen sollte, um zu verstehen, wovon jemand spricht: Top für die führende und Bottom für die geführte Rolle, Switch für Menschen, die beides einnehmen, Session für die verabredete Begegnung, Vanilla für Sexualität ohne diese Elemente, Safeword für das Abbruchwort und Aftercare für die Zeit danach.

Wie verbreitet es ist

Die bisher gründlichste Bevölkerungsstudie stammt aus Belgien. Lien Holvoet und Kolleg*innen befragten 2017 Menschen aus vier Altersgruppen dazu, ob sie BDSM-bezogene Fantasien haben oder entsprechende Praktiken ausüben.

  • 46,8 Prozent hatten mindestens eine BDSM-bezogene Aktivität schon einmal ausgeübt.
  • Weitere 22 Prozent gaben an, davon zu fantasieren, ohne es umgesetzt zu haben.
  • 12,5 Prozent üben mindestens eine solche Aktivität regelmässig aus.
  • 26 Prozent bezeichnen sich als an BDSM interessiert, 7,6 Prozent als praktizierend.
  • Von den Interessierten wurde sich das 61,4 Prozent vor dem 25. Altersjahr bewusst.

Die Autor*innen ziehen daraus den Schluss, dass dieses Ausmass an Interesse gegen eine Pathologisierung spricht. Einschränkend gilt: eine Befragung in einem Land, ein Querschnitt, Selbstauskunft. Die Grössenordnung deckt sich aber mit Untersuchungen zu sexuellen Fantasien aus anderen Ländern.

Was die Klassifikation sagt

In der ICD-10 gab es die Diagnose «Sadomasochismus» unter den Störungen der Sexualpräferenz. Für die ICD-11 hat eine Arbeitsgruppe der WHO diesen Bereich neu geordnet. Das Ergebnis beschreiben Geoffrey Reed und Kolleg*innen 2016 in World Psychiatry so: Die Einteilung der paraphilen Störungen unterscheidet neu zwischen Mustern, die für die öffentliche Gesundheit und die klinische Psychopathologie bedeutsam sind, und solchen, die privates Verhalten betreffen.

Entscheidend ist damit nicht, was zwei Erwachsene miteinander tun, sondern ob eine nicht einwilligende Person betroffen ist oder ob erheblicher Leidensdruck oder eine ernsthafte Gefahr besteht. Einvernehmliche Praxis unter Erwachsenen erfüllt diese Bedingungen nicht.

Für die Praxis heisst das: Wer in einer Beratung von BDSM erzählt, nennt damit keinen Befund. Die Frage ist dieselbe wie bei jedem anderen sexuellen Thema: Passt es zu dem, was diese Person will, und richtet es Schaden an?

Was die Persönlichkeitsforschung zeigt

Andreas Wismeijer und Marcel van Assen verglichen 2013 in einer niederländischen Untersuchung 902 Praktizierende mit 434 Personen einer Kontrollgruppe. Die Praktizierenden waren im Mittel weniger neurotisch, extravertierter, offener für Erfahrungen, gewissenhafter und weniger empfindlich gegenüber Zurückweisung, und sie berichteten ein höheres subjektives Wohlbefinden. In einer Eigenschaft schnitten sie ungünstiger ab: Sie waren weniger verträglich. Die Autoren fassen zusammen, BDSM lasse sich eher als Freizeitinteresse verstehen denn als Ausdruck psychopathologischer Prozesse.

Auch hier gehört die Einschränkung dazu. Die Teilnehmenden wurden über einschlägige Plattformen gewonnen, sie haben sich selbst gemeldet, und ein Querschnitt sagt nichts über Ursachen. Was die Studie zeigt, ist trotzdem eindeutig genug: Die Annahme, hinter solchen Vorlieben stehe regelmässig eine psychische Störung, hält der Prüfung nicht stand.

Warum das in der Versorgung zählt

Die Folgen der gegenteiligen Annahme sind untersucht. Jess Waldura und Kolleg*innen befragten 2016 in San Francisco 115 Personen aus der Kink-Szene zu ihren Erfahrungen im Gesundheitswesen. Berichtet wurden Erlebnisse, die Fachpersonen kennen sollten: Spuren am Körper werden als Hinweis auf häusliche Gewalt gelesen, sexuelle Praktiken als Symptom gedeutet, und viele erzählen deshalb gar nichts mehr.

Wer nicht erzählt, kann auch nicht beraten werden. Damit fallen die Fragen weg, bei denen Fachwissen wirklich hilft: Wie vermeide ich Nervenschäden beim Fesseln? Was tun bei einem Stimmungstief nach einer intensiven Szene? Wie spreche ich mit meiner Partnerin darüber, dass mir etwas zu weit ging?

Konsens ist der Unterschied, und er ist überprüfbar

In der Szene selbst kursieren zwei Kürzel, die keine Forschungsbegriffe sind, aber gut beschreiben, worum es geht: «safe, sane, consensual» und «risk-aware consensual kink». Beide meinen dasselbe Grundgerüst.

  • Vorher verhandeln: Was ist erwünscht, was ist tabu, wie lange, mit welchen Hilfsmitteln.
  • Ein Abbruchwort: ein Wort, das die Szene sofort beendet, auch ohne Begründung. Für Situationen, in denen Sprechen nicht möglich ist, ein vereinbartes Zeichen.
  • Rollen bleiben Rollen: Die Machtverteilung gilt für die Szene, nicht für die Beziehung.
  • Nachher: Zeit für das, was in der Szene Aftercare heisst, und ein Gespräch darüber, was gut war und was nicht.

Das ist derselbe Gedanke, der auch dem revidierten Sexualstrafrecht zugrunde liegt, nur ausdrücklicher ausgesprochen: Es zählt der Wille der beteiligten Person, und er kann jederzeit widerrufen werden. Was daraus für den Unterricht folgt, steht im Beitrag «Nein heisst Nein» und was das für den Unterricht bedeutet.

Auch Absprachen werden verletzt

Wer Konsens zum Unterscheidungsmerkmal erklärt, muss den zweiten Teil mitsagen: Auch in diesem Feld werden Absprachen gebrochen. Die amerikanische National Coalition for Sexual Freedom befragte 2015 Menschen aus der Szene zu nicht einvernehmlichen Erfahrungen. Von 1’041 Personen, die eine solche Erfahrung gemacht hatten, gingen weniger als drei Prozent zur Polizei. Das ist eine Verbandsbefragung mit Selbstauswahl, keine Bevölkerungsstudie; die Grössenordnung ist trotzdem aussagekräftig.

Woran das liegt, zeigt eine qualitative Untersuchung von Tammy Ling und Kolleg*innen, 2022 in Archives of Sexual Behavior erschienen. Sie wertete 67 Schilderungen aus und fand als durchgehendes Thema die Frage, ob man einen Vorfall überhaupt melden kann, ohne die eigene Lebensweise erklären oder verteidigen zu müssen.

Für die Praxis folgt daraus zweierlei. Erstens: Wer in diesem Zusammenhang Gewalt erlebt hat, rechnet oft damit, dass die Schilderung gegen ihn verwendet wird. Die erste Frage gilt deshalb nicht der Praktik, sondern dem, was abgemacht war und was davon gebrochen wurde. Zweitens: Rechtlich gilt nichts anderes als sonst. Eine sexuelle Handlung gegen den Willen einer Person ist strafbar, ob sie in einer Session stattfindet oder nicht.

Rechtlich gilt in der Schweiz eine Grenze, die auch mit Einwilligung bestehen bleibt: Eine Einwilligung deckt nicht jede Verletzung. Wo eine Handlung zu einer schweren Körperverletzung führt, hilft das Einverständnis nicht weiter. Für die Beratung heisst das nicht, dass man Recht doziert, sondern dass Verletzungsrisiken zur Sprache gehören.

Wann Beratung oder Therapie sinnvoll ist

Nicht wegen BDSM. Sondern dann, wenn eines davon zutrifft:

  • Es belastet. Scham, Angst vor Entdeckung, das Gefühl, mit den eigenen Wünschen nicht in Ordnung zu sein.
  • Das Paar ist uneinig. Eine Person möchte, die andere nicht, und beide reden nur noch über das Ob statt über das Wie.
  • Die Absprachen tragen nicht mehr. Grenzen werden überschritten, das Abbruchwort wird ignoriert, jemand fühlt sich nachher regelmässig schlecht.
  • Es wird zwanghaft. Zeitaufwand, Eskalation, Kontrollverlust. Dann geht es nicht um die Vorliebe, sondern um das Muster; die Abgrenzung beschreibt der Beitrag zur zwanghaften sexuellen Verhaltensstörung.
  • Es gibt Verletzungen oder gesundheitliche Folgen.
  • Eine Vorgeschichte spielt hinein. Nach sexualisierter Gewalt kann dieselbe Praxis für die eine Person ein Weg zur Selbstwirksamkeit sein und für die andere eine Wiederholung. Das gehört sorgfältig angeschaut, nicht pauschal beantwortet.

Im körperbezogenen Modell Sexocorporel, nach dem wir am ISP arbeiten, geht es dabei nicht um die Bewertung einer Vorliebe, sondern um die Frage, welche Fähigkeiten jemand in seiner Erregung einsetzt und ob diese Art zu erregen für ihn funktioniert. Eine Fachperson mit sexologischer Ausbildung findet man im Verzeichnis.

Was Fachpersonen brauchen

Meistens kein Spezialwissen über Praktiken, sondern drei Dinge: eine Haltung, die nicht zusammenzuckt, eine Sprache für das Thema, und genug Kenntnis der Begriffe, um eine Schilderung einzuordnen. Wer zusammenzuckt, erfährt den Rest der Geschichte nicht.

Genau dafür gibt es am ISP den Vertiefungstag BDSM und alternative Sexualität in der Sexualtherapie, ein Tagesseminar für Studierende und interessierte Fachpersonen, nächster Termin Sonntag, 31. Oktober 2027 am Grossmünsterplatz in Zürich.

Häufige Fragen

Ist BDSM eine psychische Störung?

Nein. Die ICD-11 unterscheidet bei den paraphilen Störungen zwischen Mustern, die klinisch bedeutsam sind, und solchen, die privates Verhalten betreffen. Entscheidend sind eine nicht einwilligende Person, erheblicher Leidensdruck oder eine ernsthafte Gefahr. Einvernehmliche Praxis unter Erwachsenen erfüllt das nicht.

Wie viele Menschen praktizieren BDSM?

In einer belgischen Bevölkerungsstudie hatten 46,8 Prozent mindestens eine BDSM-bezogene Aktivität schon einmal ausgeübt, 12,5 Prozent tun es regelmässig, und 7,6 Prozent bezeichnen sich selbst als praktizierend.

Sind Menschen, die BDSM praktizieren, psychisch belasteter?

Die Datenlage spricht dagegen. In einem Vergleich von 902 Praktizierenden mit 434 Kontrollpersonen waren die Praktizierenden im Mittel weniger neurotisch, extravertierter, offener und weniger empfindlich gegenüber Zurückweisung, mit höherem subjektivem Wohlbefinden.

Wo verläuft die Grenze zwischen BDSM und Gewalt?

Bei der Einwilligung, und zwar bei einer Einwilligung, die informiert ist und jederzeit zurückgenommen werden kann. Wird ein Abbruchwort ignoriert oder eine Absprache übergangen, ist die Grenze überschritten. Zudem deckt eine Einwilligung rechtlich nicht jede Verletzung.

Wann sollte man wegen BDSM eine Beratung aufsuchen?

Wenn es belastet, wenn ein Paar sich darüber nicht verständigen kann, wenn Absprachen nicht mehr halten, wenn es zwanghaft wird oder wenn Verletzungen auftreten. Die Vorliebe allein ist kein Grund.

Wie spricht eine Fachperson das Thema an?

Offen und ohne Deutung: fragen, was die Person selbst daran gut findet, was sie beunruhigt, und wie die Absprachen aussehen. Wer eine Praxis sofort einordnet, bekommt keine zweite Schilderung.

Quellen

  • Krafft-Ebing, R. von (1892): Psychopathia sexualis. Mit besonderer Berücksichtigung der conträren Sexualempfindung, 7. Auflage, Stuttgart: Ferdinand Enke, S. 89 f., archive.org
  • Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: ICD-10-GM, F65.5 Sadomasochismus, klassifikationen.bfarm.de
  • Holvoet, L., Huys, W., Coppens, V., Seeuws, J., Goethals, K. & Morrens, M. (2017): Fifty Shades of Belgian Gray: The Prevalence of BDSM-Related Fantasies and Activities in the General Population. The Journal of Sexual Medicine 14(9), 1152–1159, doi:10.1016/j.jsxm.2017.07.003
  • Wismeijer, A. A. & van Assen, M. A. (2013): Psychological characteristics of BDSM practitioners. The Journal of Sexual Medicine 10(8), 1943–1952, doi:10.1111/jsm.12192
  • Reed, G. M., Drescher, J., Krueger, R. B. u. a. (2016): Disorders related to sexuality and gender identity in the ICD-11: revising the ICD-10 classification based on current scientific evidence, best clinical practices, and human rights considerations. World Psychiatry 15(3), 205–221, doi:10.1002/wps.20354
  • Ling, T. J., Geiger, C. J., Hauck, J. M., Daquila, S. M., Pattison, J. E., Wright, S. & Stambaugh, R. (2022): BDSM, Non-Monogamy, Consent, and Stigma Navigation: Narrative Experiences. Archives of Sexual Behavior 51(2), 1075–1089, doi:10.1007/s10508-021-02191-6
  • National Coalition for Sexual Freedom: Consent Violations Survey 2015, zitiert im Programm Consent Counts, ncsfreedom.org
  • Waldura, J. F., Arora, I., Randall, A. M., Farala, J. P. & Sprott, R. A. (2016): Fifty Shades of Stigma: Exploring the Health Care Experiences of Kink-Oriented Patients. The Journal of Sexual Medicine 13(12), 1918–1929, doi:10.1016/j.jsxm.2016.09.019

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Ben Kneubühler, MSc, ist Institutsleiter des ISP Zürich und ehemaliger Studiengangsleiter des Diplomlehrgangs Sexualpädagogik. Er ist Psychotherapeut, Sexologe und in der Aus- und Weiterbildung von Fachpersonen tätig.

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ISP Allgemein Sexualpädagogik

Zum Fall Berneck: Was zu altersgerechter Sexualpädagogik gehört

Die im NZZ-Artikel beschriebenen Inhalte sind aus meiner Sicht weder ungewöhnlich noch grenzüberschreitend. Entscheidend ist, wie sie vermittelt und in den Unterricht eingebettet werden.

Von Ben Kneubühler, Institutsleiter und Studienleiter des Diplomlehrgangs Sexualpädagogik am ISP Zürich

Die NZZ berichtet über eine Strafanzeige gegen eine Sexualpädagogin, die eine vierte Klasse in Berneck unterrichtet hat. Als problematisch werden unter anderem Darstellungen nackter Körper, das Sprechen über gleichgeschlechtliche Liebe und geschlechtliche Vielfalt sowie eine Aussage zu möglichen Schmerzen beim ersten Geschlechtsverkehr genannt.

Aus meiner fachlichen Sicht gehören diese Themen grundsätzlich zum normalen Rahmen professioneller und altersgerechter Sexualpädagogik. In den beschriebenen Inhalten erkenne ich weder Pornografie noch eine fachliche Grenzüberschreitung.

Das bedeutet nicht, dass sich die konkrete Unterrichtsstunde ohne weitere Informationen abschliessend beurteilen lässt. Dafür müssten der tatsächliche Ablauf, die gestellten Kinderfragen, der genaue Wortlaut, die verwendeten Materialien und die pädagogische Einbettung bekannt sein. Der fehlende Kontext macht die genannten Themen aber nicht automatisch verdächtig.

Kinder stellen direkte Fragen

Wenn ein Kind fragt, ob der erste Geschlechtsverkehr wehtut, braucht es eine ehrliche und verständliche Antwort. Man kann erklären, dass Menschen ein Eindringen unterschiedlich erleben und dass starke Anspannung oder Verkrampfung dazu beitragen können, dass es unangenehm oder schmerzhaft wird.

Zu einer angemessenen Antwort gehört auch, dass niemand Schmerzen aushalten muss, dass sexuelle Erfahrungen freiwillig sein müssen und dass man jederzeit langsamer werden, etwas verändern oder aufhören kann.

Eine solche Antwort fordert Kinder nicht zu sexuellen Handlungen auf. Sie nimmt ihre Frage ernst und vermittelt Wissen, das ihnen hilft, körperliche Erfahrungen später einordnen zu können.

Kinder kommen heute auf vielen Wegen mit Informationen über Sexualität in Kontakt. Eine Fachperson muss deshalb auch auf Fragen reagieren können, die nicht im vorbereiteten Unterrichtsplan stehen. Fragen nicht zu beantworten, nur weil Erwachsene das Thema unangenehm finden, wäre keine verantwortungsvolle Sexualpädagogik.

Altersgerecht bedeutet nicht, Sexualität auszublenden

Altersgerechtigkeit zeigt sich nicht allein darin, welche Themen vorkommen. Entscheidend ist vor allem, wie darüber gesprochen wird: in welcher Sprache, mit welcher Ausführlichkeit, mit welchen Materialien und in welchem pädagogischen Zusammenhang.

Nackte Körper sind nicht per se sexualisierend. Die Begriffe Vulva und Penis sind keine unangemessenen Wörter. Auch gleichgeschlechtliche Liebe und geschlechtliche Vielfalt gehören zur gesellschaftlichen Realität und können Kindern sachlich und verständlich vermittelt werden.

Ebenso ist eine pädagogische Darstellung von Geschlechtsverkehr nicht allein deshalb pornografisch, weil sie einen sexuellen Vorgang zeigt. Pornografie und sexuelle Bildung unterscheiden sich grundlegend in Absicht, Darstellung und Kontext.

Sexualpädagogik vermittelt zudem mehr als biologische Fakten. Sie unterstützt Kinder darin, Sprache für ihren Körper und ihre Empfindungen zu entwickeln, eigene Bedürfnisse und Grenzen wahrzunehmen und die Grenzen anderer zu respektieren.

Der Ansatz des ISP Zürich ist entwicklungsbezogen, erfahrungsorientiert und körperbezogen. Im Diplomlehrgang werden theoretisches Wissen, praktische Übungen, Selbsterfahrung und sexualpädagogische Vermittlungskompetenzen miteinander verbunden.

Für eine fachliche Beurteilung braucht es den gesamten Unterricht

Im vorliegenden Fall werden Aussagen von Kindern durch Eltern und anschliessend durch eine Strafanzeige und die Medien wiedergegeben. Die Schule weist darauf hin, dass einzelne Schilderungen unvollständig oder missverständlich sein könnten. Der Artikel hält selbst fest, dass Aussage gegen Aussage steht.

Das bedeutet nicht, dass Rückmeldungen von Kindern oder Eltern nicht ernst genommen werden sollen. Es bedeutet aber, dass ein aus zweiter oder dritter Hand wiedergegebener Satz keine ausreichende Grundlage für eine fachliche Verurteilung bildet.

Eine seriöse Beurteilung müsste die Unterrichtsplanung, die Lernziele, die verwendeten Materialien, den Gesprächsverlauf und den Umgang der Fachperson mit den Reaktionen der Kinder einbeziehen.

Bezeichnungen wie «Anleitung zum Porno» setzen dagegen bereits ein Urteil, bevor eine solche Prüfung stattgefunden hat. Das trägt zur Polarisierung bei, klärt aber nicht, ob der Unterricht fachlich angemessen war.

Transparenz gegenüber Eltern bleibt wichtig

Schulen sollten Eltern vorab über Ziele, Themen und Rahmenbedingungen sexualpädagogischer Angebote informieren. Im Fall Berneck wurde die fehlende vorgängige Information vonseiten der Schule als Fehler anerkannt.

Eine gute Elterninformation schafft Vertrauen und ermöglicht Rückfragen. Sie kann jedoch nicht jede spontane Frage vorhersehen, die Kinder im Unterricht stellen. Ebenso wenig bedeutet Transparenz, dass einzelne Eltern ein Vetorecht gegenüber fachlich begründeten Unterrichtsinhalten erhalten.

Auch nach dem Unterricht sollten Schulen und Fachpersonen bereit sein, ihre Materialien und Entscheidungen nachvollziehbar zu erläutern.

Sexualpädagogik braucht Qualität – und Rückhalt

Sexualpädagog*innen tragen eine grosse Verantwortung. Sie müssen ihren Unterricht sorgfältig planen, ihre Sprache an die Zielgruppe anpassen, Materialien bewusst auswählen und ihre Entscheidungen fachlich begründen können.

Gleichzeitig brauchen sie den Rückhalt, direkte Fragen von Kindern beantworten zu dürfen, ohne befürchten zu müssen, dass einzelne Sätze aus dem Zusammenhang gelöst und als strafbares Verhalten dargestellt werden.

Die im NZZ-Artikel beschriebenen Inhalte geben aus meiner Sicht keinen Anlass, von Pornografie oder einer grundsätzlichen Grenzüberschreitung zu sprechen. Ob jedes Detail der Durchführung gelungen war, kann nur anhand des vollständigen Unterrichtsverlaufs geprüft werden.

Professionelle Sexualpädagogik zeichnet sich nicht dadurch aus, dass sie schwierigen Fragen ausweicht. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie diese sorgfältig, verständlich und ohne Beschämung beantwortet.

Hier zum NZZ-Artikel:
https://www.nzz.ch/schweiz/der-erste-geschlechtsverkehr-moege-schmerzhaft-sein-doch-es-gehe-schon-wenn-man-sich-entspanne-sagt-eine-sexualpaedagogin-vor-primarschuelern-ld.10014425

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Ben Kneubühler, MSc, ist Institutsleiter des ISP Zürich und ehemaliger Studiengangsleiter des Diplomlehrgangs Sexualpädagogik. Er ist Psychotherapeut, Sexologe und in der Aus- und Weiterbildung von Fachpersonen tätig.

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ISP Allgemein Sexualität

Ist Sexologie ein echter Beruf? Was du wirklich wissen solltest

Ja, Sexologie ist ein echter Beruf. Menschen, die Sexologie studieren, arbeiten später zum Beispiel als Sexualtherapeut:innen, Sexualpädagog:innen, in der Forschung oder nutzen das Gelernte als klare Spezialisierung in ihrem ursprünglichen Beruf.

Dass diese Frage trotzdem so oft gestellt wird, überrascht nicht. Sexualität ist noch immer tabuisiert. Viele Menschen reagieren zuerst mit Zurückhaltung oder sogar Ablehnung, wenn sie das Wort Sexologie hören. Gleichzeitig ist die Sache eigentlich sehr einfach: Wenn jemand Zahnschmerzen hat, geht diese Person zur Zahnärztin oder zum Zahnarzt. Wenn ein Muttermal auffällig aussieht, lässt man es abklären. Und wenn etwas im Bett, in der Sexualität oder in der Beziehung belastet, dann braucht es auch dafür Menschen, die professionell hinschauen können.

Genau hier zeigt sich, wie relevant Sexologie ist: als professionelles Berufsfeld nah am Leben, an Beziehungen, am Körper und an den Fragen, die Menschen wirklich beschäftigen.

Ist Sexologie ein echter Beruf? Was du wirklich wissen solltest

Warum diese Frage überhaupt so oft gestellt wird

Viele Menschen haben bis heute gelernt, dass man über Sexualität eher nicht spricht. Schon gar nicht offen, fachlich und ohne Scham. Darum wird Sexologie oft falsch eingeordnet. Manche halten das Feld für provokant, andere für zu speziell, wieder andere für etwas, das zwar interessant klingt, aber kaum ein richtiger Beruf sein kann.

Das Gegenteil ist der Fall. Gerade weil Sexualität für viele Menschen mit Unsicherheit, Leid, Konflikten, Scham oder Sprachlosigkeit verbunden ist, braucht es gut ausgebildete Fachpersonen. Menschen also, die nicht peinlich berührt ausweichen, sondern zuhören, einordnen und hilfreich begleiten können.

Wer sich diese Frage besonders oft stellt

Die Frage kommt meistens nicht von Menschen, die einfach nur neugierig sind. Sie kommt von jenen, die ernsthaft überlegen, ob sie in diesem Bereich arbeiten möchten. Häufig sind das Menschen mit einem Bachelor in Erziehungswissenschaften, Sozialer Arbeit, Psychologie oder aus einem medizinischen Bereich. Es gibt aber auch Interessierte mit anderen Abschlüssen, die prüfen möchten, ob ein Einstieg trotzdem möglich ist.

Gerade bei Menschen, die aus einem angrenzenden Feld kommen, taucht oft dieselbe Unsicherheit auf: Ist das wirklich ein solides Berufsfeld oder eher ein Thema, das viel Aufmerksamkeit bekommt, aber beruflich wenig trägt?

Die ehrliche Antwort ist klar: Sexologie trägt. Nicht als Modewort, sondern als Fachgebiet mit echten Aufgaben und echten Menschen, die Unterstützung suchen.

Woran man merkt, dass Sexologie ein echtes Berufsfeld ist

Ein Berufsfeld wird nicht dadurch real, dass es gut klingt. Es wird real, weil es konkrete Anliegen, klare Arbeitskontexte und einen tatsächlichen Bedarf gibt. Genau das ist in der Sexologie der Fall.

Menschen suchen Unterstützung bei sexuellen Problemen, bei Schmerzen, bei Lustlosigkeit, bei Fragen zur Identität, bei Konflikten in Beziehungen oder bei Themen, über die sie oft jahrelang mit niemandem gesprochen haben. Gleichzeitig brauchen Schulen, Institutionen und Fachstellen Menschen, die Sexualität nicht nur irgendwie mitdenken, sondern kompetent und verantwortungsvoll bearbeiten können.

Sexologie ist zudem interdisziplinär. Sie verbindet Bildung, Beratung, Psychologie, Medizin, Soziale Arbeit, Forschung und Körperarbeit. Wer in diesem Feld tätig ist, arbeitet also nicht im luftleeren Raum, sondern mitten an einem Thema, das viele Lebensbereiche berührt.

Was Menschen nach dem Studium tatsächlich machen

Für viele Interessierte ist das der entscheidende Punkt. Sie wollen nicht nur wissen, ob Sexologie als Thema wichtig ist, sondern wie ein beruflicher Weg danach konkret aussehen kann.

Ein häufiger Weg ist, dass Menschen sich nach dem Studium selbständig oder teilselbständig machen und in ihrer Praxis Personen mit sexuellen Problemen begleiten. Andere gehen stärker in die Sexualpädagogik. Wieder andere bringen das sexologische Wissen in ihren bestehenden Beruf ein und schärfen damit ihr Profil. Und natürlich gibt es auch jene, die sich in Richtung Forschung weiterentwickeln.

Oft bleibt es nicht bei einem einzigen Schritt. Wer therapeutisch arbeitet, bildet sich später zusätzlich weiter, etwa in Paartherapie oder Traumatherapie. Nicht, weil der Master zu wenig wäre, sondern weil viele ihr Profil mit der Zeit noch genauer ausrichten möchten. Auch das ist ein Zeichen eines echten Berufsfeldes: Man baut darauf auf, vertieft sich, spezialisiert sich weiter.

Wer den Master of Arts in Sexologie studieren kann

Der Master richtet sich vor allem an Menschen, die bereits eine fachliche Grundlage mitbringen. Typische Zugänge sind ein Bachelor in Erziehungswissenschaften, Sozialer Arbeit, Psychologie oder in einem medizinischen Bereich.

Gleichzeitig heisst das nicht, dass Menschen mit anderen Abschlüssen grundsätzlich ausgeschlossen sind. Eine Bewerbung kann auch dann möglich sein, allerdings kann das ein zusätzliches Aufnahmeverfahren nach sich ziehen. Gerade wenn jemand nicht aus dem Kernbereich kommt, ist eine Kontaktaufnahme mit dem ISP sehr sinnvoll. So lässt sich früh klären, ob der eigene Hintergrund passt und wie realistisch der Einstieg ist.

Das wirkt vielleicht zunächst nüchtern, ist aber sinnvoll. Ein Studium wie dieses lebt davon, dass Menschen das Gelernte professionell einordnen und verantwortungsvoll weiterentwickeln können.

Was den Master am ISP von vielen anderen Angeboten unterscheidet

Wer beim Studieren zuerst an Frontalunterricht denkt, an Stoff, den man mitschreibt, auswendig lernt und in einer Prüfung wieder abgibt, wird am ISP eher überrascht sein. Der Master of Arts in Sexologie funktioniert anders.

Er ist viel stärker ein Entwicklungsprozess. Viele erleben sehr deutlich, dass sie am Anfang des Studiums nicht dieselbe Person sind wie am Ende. Man lernt nicht nur Inhalte, sondern beschäftigt sich auch mit sich selbst. Mit der eigenen Haltung. Mit den eigenen Grenzen. Mit der Frage, wie man auf Klient:innen schaut. Und mit der Fähigkeit, nicht nur auf Probleme zu starren, sondern auch auf Ressourcen.

Das ist ein wesentlicher Punkt. Wer später mit Menschen zu Sexualität arbeitet, braucht mehr als Wissen. Diese Arbeit verlangt Präsenz, Selbstreflexion, Körperbewusstsein und die Fähigkeit, auch sensible Themen ruhig, achtsam und klar zu halten.

Darum spielen im Studium Selbsterfahrung, Körperarbeit und Ressourcenorientierung eine wichtige Rolle. Viele Studierende erleben genau dort einen Wandel: weg vom Reparaturdenken, hin zu einem anderen Blick. Nicht nur: Was stimmt hier nicht? Sondern auch: Was ist trotz allem da? Was trägt? Was ist bereits lebendig? Worauf kann aufgebaut werden?

Diese Art zu lernen verändert nicht nur die fachliche Kompetenz, sondern oft auch die Person selbst. Und genau das macht den Lehrgang für viele so wertvoll.

Ein typischer Aha-Moment im Studium

Ein sehr typischer Aha-Moment ist, wenn Studierende merken, dass sie nicht mehr sofort nach der schnellsten Lösung suchen. Stattdessen beginnen sie, anders wahrzunehmen. Sie hören anders zu. Sie sehen genauer hin. Sie merken, dass Menschen nicht nur aus Problemen bestehen, sondern immer auch Ressourcen mitbringen.

Oft wird an diesem Punkt spürbar: Ich nehme nicht einfach mehr Wissen mit. Ich entwickle eine andere Haltung. Und genau diese Haltung ist später entscheidend, wenn man Sexualtherapie oder andere sexologische Arbeit professionell durchführen möchte.

Was man vom Master erwarten darf und was nicht

Der Master of Arts in Sexologie kann sehr viel vermitteln: fundiertes Wissen zu Sexualität, ein professionelles Verständnis von Beratung und Begleitung, wissenschaftliche Perspektiven, eine klare Haltung und die Fähigkeit, sexualbezogene Themen kompetent in die eigene Arbeit zu integrieren.

Was man daraus aber nicht automatisch ableiten sollte: dass nach dem Studium ohne weitere Voraussetzungen jede Form von Therapie angeboten werden darf. Je nach Vorbildung, Berufsziel und rechtlichem Rahmen braucht es zusätzliche Weiterbildungen und eine saubere professionelle Einordnung.

Genau diese Nüchternheit ist wichtig. Ein guter Master muss nicht alles versprechen. Es reicht völlig, wenn er Menschen solide ausbildet, ihnen Tiefe gibt und ihnen eine klare Richtung eröffnet.

Typische Unsicherheiten vor dem Studium

Viele Interessierte fragen sich vor dem Start, ob sie überhaupt genug mitbringen oder ob das Studium vielleicht zu persönlich, zu intensiv oder zu anspruchsvoll ist. Diese Fragen sind verständlich.

Brauche ich schon viel Vorwissen in Sexologie?

Nein. Wichtiger als fertiges Spezialwissen ist Neugier und die Bereitschaft, sich fachlich und persönlich mit Sexualität auseinanderzusetzen. Das Studium baut Grundlagen auf und vertieft sie Schritt für Schritt.

Ist das Studium sehr persönlich oder sogar zu intim?

Ja, das Studium berührt persönliche Themen. Aber es geschieht in einem professionellen, achtsamen und klar gerahmten Kontext. Niemand muss etwas teilen, wozu er oder sie nicht bereit ist. Persönliche Reflexion ist wichtig, aber sie findet nicht grenzlos statt, sondern in einem sicheren und respektvollen Rahmen.

Was, wenn ich mich bei körperorientierten Übungen unsicher fühle?

Diese Unsicherheit kennen viele. Die körperorientierte Arbeit wird sorgfältig angeleitet und dient nicht der Selbstdarstellung, sondern dem besseren Verständnis von Körper, Wahrnehmung, Erregung und Beziehung. Unsicherheit ist also kein Zeichen, dass man nicht hineinpasst, sondern oft einfach Teil des Anfangs.

Kann ich das Studium neben Beruf und Privatleben schaffen?

Das Studium ist anspruchsvoll, aber berufsbegleitend konzipiert. Es braucht Zeit, Energie und Verbindlichkeit. Gleichzeitig erleben viele gerade das als Stärke, weil sie ihre berufliche Praxis direkt mit dem Studium verbinden können.

Für wen der Master gut passen kann

Der Master passt besonders gut zu Menschen, die nicht nur einen Titel erwerben möchten, sondern wirklich bereit sind, sich als Fachperson weiterzuentwickeln und auch auf sich selbst zu schauen. Wer Sexualität künftig vertieft in den eigenen Beruf integrieren möchte oder sich in Richtung sexualtherapeutischer oder sexualpädagogischer Arbeit entwickeln will, findet hier ein starkes Fundament.

Weniger passend ist das Studium für Menschen, die nur Wissen ansammeln wollen, ohne sich auf Selbstreflexion, Körperarbeit und Haltungsentwicklung einzulassen. Gerade darin liegt am ISP ein grosser Teil des Wertes.

Wie du herausfindest, ob der Master zu dir passt

Wenn du noch unsicher bist, dann lies nicht nur weiter online. Geh in Kontakt. Besuche einen Infoabend, wenn möglich einen Infotag vor Ort, oder vereinbare ein persönliches Gespräch mit jemandem aus dem Team.

Gerade bei einem Studium wie diesem merkt man oft erst im direkten Austausch, ob die Haltung, die Lernform und der Aufbau wirklich zu einem passen. Das gilt besonders dann, wenn du nicht aus einem klassischen Kernbereich kommst und zuerst klären möchtest, wie deine Voraussetzungen eingeschätzt werden.

Also: Ist Sexologie ein echter Beruf?

Ja, eindeutig.

Sexologie ist ein reales Berufsfeld mit klaren Aufgaben, echten Entwicklungsmöglichkeiten und grosser gesellschaftlicher Relevanz. Menschen arbeiten danach in Therapie, Pädagogik, Forschung oder bringen das Gelernte als Spezialisierung in ihren bestehenden Beruf ein.

Und vielleicht ist genau das der wichtigste Punkt: Weil Sexualität noch immer so oft tabuisiert wird, braucht es Menschen, die sie ernst nehmen. Nicht sensationslustig, nicht verlegen, nicht abwertend, sondern fachlich, menschlich und professionell. Dafür kann der Master of Arts in Sexologie am ISP ein sehr starker Weg sein.

FAQ

Kann ich mich auch mit einem anderen Abschluss als Psychologie, Soziale Arbeit, Medizin oder Erziehungswissenschaften bewerben?

Ja, das kann möglich sein. Dann kann aber ein zusätzliches Aufnahmeverfahren nötig werden. Am sinnvollsten ist eine direkte Kontaktaufnahme mit dem ISP, damit du deine Ausgangslage besprechen kannst.

Arbeiten Absolvent:innen später nur in der Sexualtherapie?

Nein. Sexualtherapie ist ein häufiger Weg, aber nicht der einzige. Viele arbeiten auch sexualpädagogisch, gehen in die Forschung oder nutzen den Master als Spezialisierung in ihrem ursprünglichen Beruf.

Ist der Master eher theoretisch oder eher praktisch?

Er ist deutlich mehr als reine Theorie. Das Studium verbindet Wissen mit Selbsterfahrung, Reflexion, Körperarbeit und einer professionellen Haltung, die für die spätere Arbeit zentral ist.

Wenn du beim Lesen gemerkt hast, dass dich dieses Feld inhaltlich und menschlich anspricht, dann schau dir den Master nicht nur online an. Besuche einen Infoabend, wenn möglich einen Infotag vor Ort, oder vereinbare ein persönliches Gespräch mit dem Team des ISP. So bekommst du ein realistisches Gefühl dafür, ob der Master of Arts in Sexologie zu deinem beruflichen Hintergrund, deinen Fragen und deinem weiteren Weg passt.

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Master of Arts in Sexologie am ISP Zürich: Deine Chance, sexuelle Gesundheit mitzugestalten

Master of Arts in Sexologie, Schulklasse am ISP


Stell dir vor, du könntest Menschen helfen, ihre Sexualität in all ihren Facetten besser zu verstehen und zu erleben – genau das ermöglicht dir der Master of Arts in Sexologie am ISP Zürich.

Der berufsbegleitende Studiengang erstreckt sich über 3.5 Jahre und richtet sich an Fachkräfte mit einem Bachelor in Psychologie, Medizin, Pädagogik oder sozialer Arbeit, die ihre Expertise in der sexuellen Gesundheit und Beratung erweitern möchten. Von der Einführung in das Modell Sexocorporel bis zur praxisnahen Beratung deckt der Master ein breites Spektrum ab. Hier wirst du nicht nur theoretisch geschult, sondern auch persönlich und praktisch gefordert. Körperarbeit, Fallstudien und Selbsterfahrung machen diesen Studiengang einzigartig.

Praxisnah und zukunftsorientiert

Egal ob du als Sexualberater*in, Therapeut*in oder in der Sexualpädagogik tätig werden möchtest – die Inhalte des Masterprogramms bereiten dich ideal auf die Arbeit mit Klientinnen und Klienten vor. Praxisnähe ist dabei das Herzstück: In kleinen Gruppen von 20 bis 27 Personen lernst du, das theoretische Wissen direkt in der Praxis anzuwenden. Du sammelst wertvolle Erfahrungen mit den verschiedenen Qualifikationselementen und arbeitest mit führenden Expert*innen der Sexologie.

Berufliche Chancen, die begeistern

Nach dem Abschluss stehen dir vielfältige Wege offen: von der freiberuflichen Beratung über die Mitarbeit in Fachstellen oder medizinischen und psychologischen Praxen bis hin zur akademischen Forschung. Als Absolvent*in des ISP Zürich wirst du zu einem gefragten Profi in einem wachsenden Fachgebiet.

Lust auf Veränderung?

Wenn du bereit bist, deine Karriere auf das nächste Level zu bringen und die sexuelle Gesundheit von Menschen nachhaltig zu fördern, dann ist der Master of Arts in Sexologie genau das Richtige für dich. Starte deine Reise in die Welt der Sexologie und werde Teil eines wachsenden, zukunftsweisenden Berufs.
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Gestalte nicht nur deine eigene Zukunft – sondern bereichere auch das Leben der Menschen, die du begleitest.

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Master of Arts in Sexologie