Slobodanka Periz untersucht in der Masterarbeit «Sprechende Sexualkörper – Innere Bilder in der Sexualtherapie» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.
Manche Klientinnen kommen an ihr Körperempfinden kaum heran. Diese Arbeit prüft, ob sich dafür Werkzeuge aus anderen Verfahren nutzen lassen — und findet einen Weg, starke Emotionen zu bearbeiten, ohne zu retraumatisieren.
Welche Werkzeuge werden verbunden?
Logosynthese und Bodenanker, wie sie aus der systemischen Aufstellung und dem NLP bekannt sind — verbunden mit der Sexualtherapie nach dem Modell Sexocorporel und dem Embodiment-Ansatz.
Im Zentrum steht die Evokation von Inneren Bildern, Emotionen und Körperempfindungen. Der Nutzen zeigt sich nach dieser Arbeit besonders bei Klientinnen und Klienten, die Schwierigkeiten mit der Körperwahrnehmung haben.
Der theoretische Rahmen ist breit angelegt: von Descartes‘ Leib-Seele-Trennung über Embodiment bis zur Frage, welche Rolle Zeit und Präsenz in der Therapie spielen.
Was zeigt die Fallvignette?
Drei Sitzungen mit einer Cis-Frau, dokumentiert und ausgewertet. Die Ergebnisse betreffen zwei Ebenen.
Erstens verbesserten sich Körperempfinden und der Kontakt zum eigenen Geschlecht — auf der Ebene der Gefühle wie der Körperwahrnehmung. Kommunikation und Empathie für das eigene Geschlecht wurden aktiviert.
Zweitens, und methodisch wichtiger: Die schrittweise Annäherung an starke Emotionen über eine Metaposition auf einem separaten Bodenanker im Raum ermöglichte einen retraumatisierungsfreien Prozess. Der Abstand ist dabei nicht metaphorisch, sondern räumlich — man steht woanders.
Was heisst das für die Praxis?
Die Arbeit hält fest, dass sich Coachingelemente wie Logosynthese und Bodenanker gut in die sexologische Praxis integrieren lassen — und dass körpertherapeutische Interventionen während der gesamten Arbeit eingebunden werden können, um Körperwahrnehmung und Verständnis der Körperdynamik zu erhöhen.
Ein Satz beschreibt die Haltung dahinter am besten: Der Körper der Klientin gibt an, wann er von sich aus etwas sagen oder zeigen will. Die Methode drängt nicht, sie schafft Gelegenheit.
Die Autorin sieht Potenzial für künftige Arbeiten im Bereich von Neovaginen und Neopenissen und vermutet, dass die Methoden für alle Geschlechter und Operationsstadien nutzbar sein könnten.
Wie belastbar sind diese Ergebnisse?
Eine Fallvignette über drei Sitzungen mit einer Person, ergänzt durch parallel geführte Expertengespräche. Das ist der kleinstmögliche empirische Umfang — und für die Erprobung eines Vorgehens eine legitime Form.
Was die Arbeit zeigt, ist Machbarkeit und ein plausibler Wirkweg, nicht Wirksamkeit. Wer die Methode übernehmen will, sollte den Hinweis der Autorin beherzigen: Sie beschreibt ausdrücklich, was in einer Aufstellung nie gemacht wird, und formuliert eine Warnung zur therapeutischen Haltung.
Die Arbeit im Original
Die vollständige Masterarbeit umfasst 95 Seiten. Sie enthält die theoretischen Grundlagen zu Embodiment, Inneren Bildern und Imagination, die ausführliche Anleitung zum Vorgehen mit Bodenankern samt Warnungen und Grenzen sowie die vollständige Fallvignette.
Die Fragestellung
Die Arbeit geht diesen Fragen nach:
- Wie kann sie gestaltet werden und womit wird sie auf welche Weise gefüllt?
- Was ist Descartes Ziel mit seiner Schrift?
Methodisches Vorgehen
Die Arbeit stützt sich auf Interviews mit Fachpersonen. Der Volltext umfasst 95 Seiten.
Abstract der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Verbindungsmöglichkeit von Logosynthese und Bodenankern (wie in der Systemischen Aufstellung oder im NLP) mit der Sexualtherapie nach dem Modell Sexocorporel und dem Embodimentansatz. Es geht um die Evokation von Inneren Bildern, Emotionen und Körperempfindungen. Der Nutzen scheint sich besonders bei Klienten zu zeigen, die Schwierigkeiten mit der Körperwahrnehmung haben. Eine Fallvignette, bestehend aus drei Sitzungen, mit einer CIS-Frau, demonstriert Vorteile im Körperempfinden und im Kontakt mit dem eigenen Geschlecht auf der Ebene der Gefühle und Körperwahrnehmung. Kommunikation und Empathie für das eigene Geschlecht wurden aktiviert. Die schrittweise Annäherung an starke Emotionen mithilfe der Metaposition auf einem separaten (Boden)Anker im Raum, ermöglichte einen retraumatisierungsfreien Prozess. Coachingelemente wie Logosynthese und Bodenanker lassen sich gut in die sexologische Praxis integrieren. Abschliessend lässt sich zusammenfassen, dass körpertherapeutische Interventionen während der gesamten Arbeit eingebunden werden können, um die Körperwahrnehmung und das Verständnis der Körperdynamik zu erhöhen. Der Körper der Klientin gibt an, wann er von sich aus etwas sagen oder zeigen will. Diese Methoden bieten Potenzial für zukünftige Arbeiten im Bereich von Neovaginen und Neopenissen und deuten darauf hin, dass sie auch für alle Geschlechter und Operationsstadien nutzbar sein könnten.
Slobodanka Periz, Abstract der Masterarbeit, 2024
Angaben zur Arbeit
Titel
Sprechende Sexualkörper – Die Arbeit mit Inneren Bildern in der Sexualtherapie
Verfasst von
Slobodanka Periz
Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4
Jahr
2024
Themen
Sexualtherapie · Sexuelle Fantasien · Soziale Arbeit · Sexocorporel
Lizenz und Nachweis. Slobodanka Periz: «Sprechende Sexualkörper – Die Arbeit mit Inneren Bildern in der Sexualtherapie». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.
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Weiterführend
- Master of Arts in Sexologie, der Studiengang, aus dem diese Arbeit stammt
- Diplomlehrgang Sexualtherapie
- Diplomlehrgang Sexualpädagogik