Jasmin Witschi untersucht in der Masterarbeit «Beziehungsgestaltung zwischen Therapeut*in und Klient*in in der Sexualtherapie» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.
Die therapeutische Beziehung gilt als einer der stärksten Wirkfaktoren der Psychotherapie. In dieser Untersuchung sagen die befragten Sexualtherapeut*innen etwas Differenzierteres: Sie ist wichtig — aber nicht immer der entscheidende Faktor für den Erfolg.
Was trägt eine sexualtherapeutische Beziehung?
An erster Stelle stehen klare und realistische Ziele, die gemeinsam mit den Klient*innen formuliert werden. Nicht das Gespräch an sich, sondern die geteilte Richtung.
Dazu kommt eine vertrauensvolle Beziehung, die Sicherheit bietet. Als zentrale Elemente einer stabilen Beziehung nennen die Befragten Authentizität, Ehrlichkeit und Transparenz — Eigenschaften, die Vertrauen und offene Kommunikation fördern.
Auf Seiten der therapierenden Person zählen die eigene therapeutische Haltung, Neugier sowie Fach- und Methodenkompetenz. Besonders viel hängt an der Anfangsphase der Therapie.
Was macht das Bezahlen mit der Beziehung?
Ein Befund, der in Lehrbüchern selten steht: Die Selbstzahlung der Therapie erhöht den Druck auf eine positive Beziehungsgestaltung.
In der Sexualtherapie ist das die Regel — sie wird in der Schweiz meist nicht von der Grundversicherung getragen. Wer selbst bezahlt, erwartet schneller Ergebnisse und wechselt eher, wenn die Chemie nicht stimmt.
Für die Praxis heisst das, dass die Beziehungsgestaltung hier unter anderen Bedingungen steht als in einem kassenfinanzierten Setting — ein Umstand, der die Arbeit prägt, aber selten benannt wird.
Woran scheitert es?
Schwierigkeiten entstehen nach den Interviews vor allem aus zwei Quellen: aus persönlichen Überzeugungen der Klient*innen und aus gesellschaftlichen Mythen über Sexualität.
Beides lässt sich nicht durch mehr Empathie auflösen. Die Befragten beschreiben stattdessen drei Antworten: flexible Anpassung des Vorgehens, Supervision — und manchmal die Überweisung an eine andere Fachperson.
Dass Überweisung als legitime Option genannt wird, ist bemerkenswert. Es setzt voraus, die Grenzen der eigenen Passung zu erkennen, statt sie als persönliches Scheitern zu werten.
Wie belastbar sind diese Ergebnisse?
Eine Literaturrecherche verbunden mit fünf Interviews mit Sexualtherapeut*innen, qualitativ ausgewertet. Befragt wurden also die Therapierenden, nicht die Klient*innen.
Das ist für die Frage nach der Beziehungsgestaltung eine spürbare Einschränkung: Was eine Beziehung trägt, wissen beide Seiten unterschiedlich gut. Die Arbeit benennt ihre Limitationen und die daraus folgenden Ansätze für weitere Forschung selbst.
Die Arbeit im Original
Die vollständige Masterarbeit umfasst 105 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zur therapeutischen Beziehung, die vollständige Auswertung der fünf Interviews entlang der Therapiephasen sowie die Diskussion der Limitationen.
Abstract der Arbeit
Diese Masterarbeit untersuchte die Aspekte und Bedeutung der Beziehungsgestal- tung zwischen Therapeut*in und Klient*in im Kontext der Sexualtherapie. Ziel der Stu- die war es, die entscheidenden Aspekte zu identifizieren, die eine starke und vertrau- ensvolle therapeutische Beziehung fördern. Weiter wurde die Bedeutung der thera- peutischen Beziehung in den verschiedenen Phasen der Sexualtherapie untersucht. Für die theoretische Beantwortung der Forschungsfragen wurde eine Recherche an- hand von Literatur durchgeführt. Zusätzlich wurden fünf Interviews mit Sexualthera- peut*innen geführt, in denen sie zu Aspekten und der Bedeutung der Beziehungsge- staltung in der Sexualtherapie befragt wurden. Diese Interviews wurden anschlies- send qualitativ ausgewertet. Die Ergebnisse der Literaturrecherche und der Interviews zeigen, dass die Beziehung in der Sexualtherapie eine zentrale Rolle spielt. Der Aufbau von Vertrauen sowie per- sönliche und professionelle Merkmale der therapierenden Person wie Authentizität und Fach- und Methodenkompetenz massgeblich zu einer stabilen therapeutischen Beziehung bei. Besonders in der Anfangsphase der Therapie hat die Beziehungsge- staltung eine grosse Bedeutung. Am Ende der Arbeit werden die Limitationen der Studie sowie Vorschläge für künftige Forschungen aufgezeigt. This master's thesis examined the aspects and significance of the relationship be- tween therapist and client in the context of sex therapy. The aim of the study was to identify the key aspects that promote a strong and trusting therapeutic relationship. The importance of the therapeutic relationship in the various phases of sex therapy was also investigated. A literature review was conducted to provide theoretical answers to the research questions. In addition, five interviews were conducted with sex therapists, in which they were asked about aspects and the importance of relationship formation in sex therapy. These interviews were then analysed qualitatively. The results of the literature research and the interviews show that the relationship plays a central role in sex therapy. The establishment of trust as well as personal and professional characteristics of the therapist, such as authenticity and professional and
Jasmin Witschi, Abstract der Masterarbeit, 2024
Angaben zur Arbeit
Titel
Aspekte und Bedeutung der Beziehungsgestaltung zwischen Therapeut*in und Klient*in im sexualtherapeutischen Kontext Eine qualitative Untersuchung der therapeutischen Beziehungsarbeit
Verfasst von
Jasmin Witschi
Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4
Jahr
2024
Themen
Sexualtherapie · Soziale Arbeit · Sexuelle Bildung
Lizenz und Nachweis. Jasmin Witschi: «Aspekte und Bedeutung der Beziehungsgestaltung zwischen Therapeut*in und Klient*in im sexualtherapeutischen Kontext Eine qualitative Untersuchung der therapeutischen Beziehungsarbeit». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.
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Weiterführend
- Master of Arts in Sexologie, der Studiengang, aus dem diese Arbeit stammt
- Diplomlehrgang Sexualtherapie
- Diplomlehrgang Sexualpädagogik