Rahel Bühler untersucht in der Masterarbeit «Sexuelle Bildung als Allgemeingut im Kontext institutioneller schulischer Arbeit» am ISP Zürich. Die Arbeit entstand 2024 im Jahrgang MA4 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.
Sexualpädagogik in einer Stadtschule und in einer Landgemeinde sind zwei verschiedene Aufgaben. Diese Arbeit untersucht, was es in ländlichen Gemeinden der Deutschschweiz braucht — und liefert am Ende kein Plädoyer, sondern ein Vorgehensraster.
Wovon hängt es ab?
Vier Faktoren bestimmen nach dieser Untersuchung, ob Sexualpädagogik an einer Landschule gelingt: die Ausbildung und Kompetenz der Lehrpersonen, die Unterstützung und Akzeptanz durch die Eltern, die politischen Rahmenbedingungen und die Verfügbarkeit geeigneter Konzepte.
Als zentral erwiesen sich Einstellung und Engagement der Lehrpersonen. Wer gut ausgebildet und motiviert ist, kann entscheidend zu einer offenen Atmosphäre beitragen — und umgekehrt.
Das deckt sich mit anderen Arbeiten dieser Sammlung: Die Haltung der unterrichtenden Person wirkt stärker als der Lehrplan.
Welche Rolle spielen die Eltern?
Eine grössere, als in Konzepten meist vorgesehen ist. Die Ergebnisse zeigen, dass eine aktive und offene Kommunikation zwischen Schule und Elternhaus wesentlich ist, um Vorbehalte abzubauen.
Als hilfreiche Instrumente nennt die Arbeit Informationsveranstaltungen und Weiterbildungsangebote — also Formate, die Eltern nicht nur informieren, sondern einbeziehen.
Gerade in ländlichen Gemeinden, wo sich Widerstand schneller organisiert und Fachstellen weiter entfernt sind, ist dieser Punkt keine Nebensache.
Was müsste die Politik tun?
Klare Vorgaben und Leitlinien seitens der Bildungsbehörden erleichtern die Umsetzung, ebenso die Bereitstellung von Ressourcen und Fortbildungsangeboten für Lehrpersonen.
Die Arbeit belässt es nicht bei dieser Forderung. Sie entwickelt am Schluss ein Vorgehensraster für systemische Sexualpädagogik, mit dem eine ländliche Schule ein eigenes Konzept erarbeiten kann. Das ist der Teil, der über die Diagnose hinausgeht.
Wie belastbar sind diese Ergebnisse?
Ein qualitatives Untersuchungsdesign mit halbstrukturierten Interviews mit Fachpersonen und Schulakteur:innen. Dass mehrere Perspektiven auf dieselbe Lage zusammenkommen, macht das Bild dichter als eine Befragung nur einer Gruppe.
Die Zahl der Befragten ist klein, und die Ergebnisse beziehen sich auf ländliche Gemeinden der Deutschschweiz. Übertragbar auf städtische Verhältnisse oder andere Sprachregionen sind sie nur bedingt — was die Arbeit auch nicht behauptet.
Die Arbeit im Original
Die vollständige Masterarbeit umfasst 104 Seiten. Sie enthält die theoretischen Grundlagen sexueller Bildung samt ihrer Bedeutung für sexuelle Gesundheit und Gerechtigkeit, die Analyse sozialer und politischer Herausforderungen, die vollständige Auswertung der Interviews sowie das Vorgehensraster für die Konzeptentwicklung.
Abstract der Arbeit
Diese Masterarbeit untersucht die Situation Sexueller Bildung in ländlichen Gemeinden der Deutschschweiz. Das zentrale Anliegen der Arbeit ist, die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Sexualpädagogik in Schulen dieser Regionen zu analysieren und zu verbes- sern. Die Arbeit beleuchtet die theoretischen Grundlagen von Sexueller Bildung, einschließ- lich ihrer Bedeutung für die sexuelle Gesundheit und Gerechtigkeit. Eine detaillierte Be- trachtung der sozialen und politischen Herausforderungen sowie der institutionellen schuli- schen Arbeit bildet den Hintergrund der Untersuchung. Methodisch stützt sich die Arbeit auf ein qualitatives Untersuchungsdesign. Im Zuge dessen werden halbstrukturierte Interviews mit Expert:innen und Schulakteur:innen durchgeführt. Daraus entsteht ein Bild der Situation anhand von unterschiedlichen Perspektiven. Die Ergebnisse zeigen, dass eine erfolgreiche Sexualpädagogik von mehreren Faktoren abhängt: den politischen Rahmenbedingungen, der Handlungssicherheit der Lehrpersonen, der Vernetzung mit Fachstellen sowie systemi- schen Herangehensweisen. Abschließend wird ein Vorgehensraster für systemische Sexu- alpädagogik erstellt, das die Entwicklung eines Sexualpädagogikkonzepts einer ländlichen Schule erleichtern soll. Diese Masterarbeit leistet einen wichtigen Beitrag zur Diskussion über die Verbesserung der Sexuellen Bildung in ländlichen Regionen und bietet praktische Empfehlungen für die erfolgreiche Implementierung von Sexualpädagogik in Schulen. Durch die Berücksichtigung der spezifischen Herausforderungen ländlicher Gemeinden kann Sexuelle Bildung geför- dert werden, die zur Gesundheit und Gleichstellung in der Bevölkerung beiträgt. (193 Wör- ter, 1488 Zeichen ohne Leerzeichen)
Rahel Bühler, Abstract der Masterarbeit, 2024
Angaben zur Arbeit
Titel
Sexuelle Bildung als Allgemeingut im Kontext institutioneller schulischer Arbeit : Das Schaffen zielführender Voraussetzungen in der Bevölkerung für gelingende Sexualpädagogik in Schulen ländlicher Gemeinden
Verfasst von
Rahel Bühler
Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP Zürich in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA4
Jahr
2024
Themen
Institutionelle Begleitung · Sexuelle Bildung · Jugendsexualität
Lizenz und Nachweis. Rahel Bühler: «Sexuelle Bildung als Allgemeingut im Kontext institutioneller schulischer Arbeit : Das Schaffen zielführender Voraussetzungen in der Bevölkerung für gelingende Sexualpädagogik in Schulen ländlicher Gemeinden». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP Zürich, 2024. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.
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Weiterführend
- Master of Arts in Sexologie, der Studiengang, aus dem diese Arbeit stammt
- Diplomlehrgang Sexualtherapie
- Diplomlehrgang Sexualpädagogik